Café Schindler im Tiroler Landestheater

von Sarah Waltl
Lesezeit: 3 min
Das Landestheater begibt sich in einem neuen Theaterstück auf die Spuren einer jüdischen Familie aus Tirol. Die Schindlers haben eine lange Geschichte, die die Stellung der Jüd:innen in Österreich und vor allem Tirol im 19. und 20. Jahrhundert zeigt.

Viele kennen vermutlich das Café Schindler in der Maria-Theresien-Straße. Aus dem Café im zweiten Stock hat man einen wunderschönen Blick auf die Annasäule. Was aber die wenigsten kennen, ist die Geschichte des Cafés und damit einhergehend die Geschichte der Familie Schindler selbst. Diese wurde im Theaterstück Café Schindler im Tiroler Landestheater bei der Premiere am 6. April 2024 um 19:00 Uhr zum ersten Mal erzählt.

Die Geschichte der Schindlers

Meriel Schindler hat die Geschichte ihrer Familie recherchiert und in einem Buch niedergeschrieben,  das dem Theaterstück als Vorlage dient. Die Vergangenheit ihrer Familie ist geprägt von Judenhass, Ablehnung und Enteignung. Die Familie wurde gezwungen, ihr Unternehmen und ihre Villa zu einem Spottpreis an Nazis zu verkaufen. Meriels Großvater wurde schwer verletzt und letztlich musste die Familie aus ihrer Heimat flüchten. Mit Hilfe von Bildern, Briefen und weiteren Materialien wird die Vergangenheit der Schindlers nach und nach beleuchtet. Verbrechen und Lügen werden aufgedeckt, persönliche Anekdoten werden erzählt, der Aufbau eines Familienunternehmens wird gezeigt, ebenso wie dessen Untergang. In einer Stunde und 40 Minuten wird das Schicksal vieler Menschen skizziert.

von links nach rechts: Marion Reiser, Philipp Rudig, Cansu Şîya Yıldız, Julia Posch, Sara Nunius, Christoph Kail, Tommy Fischnaller-Wachtler. Foto: Birgit Gufler

Zwischen Judenhass und Familienleben

„Eine außergewöhnliche Geschichte, die zwei Jahrhunderte, zwei Weltkriege und ein Familienunternehmen umspannt.“ So beschreibt das Landestheater das Theaterstück selbst. Unter der Regie von Jessica Glause wird die Biografie der Schindlers zum Leben erweckt. Die Schauspieler:innen Tommy Fischnaller-WachtlerChristoph KailSara NuniusJulia PoschMarion ReiserPhilipp Rudig und Cansu Şîya Yıldız erzählen die Geschichte und wechseln dabei immer wieder zwischen den verschiedenen Rollen. Die komplexen familiären Strukturen werden im Kontext der damaligen Zeit dargestellt. Es kommt fast zu einem Überfluss an Informationen, was mitunter etwas irritierend und verwirrend sein kann.  Aber durch eine sarkastische Erzählweise, musikalische Gesangs- und Tanzeinlagen wird der enorme Informationsfluss etwas aufgelockert. Es gelingt den Schauspieler:innen mit Humor und einer besonderen Dringlichkeit, dem Thema die benötigte Tiefe und Bedeutung zukommen zu lassen. Während die Schauspieler:innen in die verschiedenen Rollen schlüpfen, erzählt Meriel die Geschichte ihrer Familie. Durch diese Art der Erzählung wird einem vor Auge geführt, wie Antisemitismus eine ganze Familie und ihr Vermächtnis zerstören kann.

Das Theaterstück ist auf jeden Fall empfehlenswert. Vor allem für historisch-interessierte Menschen oder Personen, die etwas über Tirols Vergangenheit lernen möchten. Die sehr erschütternde und dennoch spannende Thematik wurde im Stück gut umgesetzt. Der Ton findet ein gutes Gleichgewicht zwischen Ernsthaftigkeit und Witz, sodass einem nicht langweilig wird. Die musikalischen Einlagen sind teilweise gut gelungen, manchmal wirken sie aber etwas willkürlich und der Gesang ist etwas schief. Dennoch ist das Stück alles in allem sehenswert.

 Das Stück wurde in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und ­Vorarlberg, dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, dem Stadtarchiv / Stadtmuseum Innsbruck und dem Café Das Schindler erarbeitet. Neben dem Stück, das von April bis Juli im Tiroler Landestheater gespielt wird, gibt es einige weitere Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte zu dem Thema. Alle Termine sind auf der Website des Tiroler Landestheater zu finden.

 

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