Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserer Printausgabe Vorbilder und Helden im Sommersemester 2025.
Traumberuf Kinderbuchautor:in? Was man sich als Kind noch spielerisch vorstellt, erfordert im Erwachsenenalter Mut, finanzielle Risikobereitschaft und die Überwindung der Angst vor Ablehnung. Christina Anna Kasseroler hat diesen Schritt gewagt. Vor mehr als zehn Jahren erschien ihr erstes Kinderbuch Zirbelzapfenzwergs wundersame Reise, in dem ein kleiner Zwerg den Weg nach Hause sucht.

Christina Anna Kasserolers erstes Buch (Foto: Christina Anna Kasseroler)
Es folgten Kleine Anna, die Geschichte eines Sommers in den Tiroler Bergen, und Emifant und Mia Mau, ein Gedichtband aus kindlichen Wortkreationen. Alle ihre Bücher hat Kasseroler bisher im Eigenverlag veröffentlicht und selbst vermarktet. Welche Rolle dabei soziale Medien spielen, erzählt sie im Interview. Außerdem geht es um die Wichtigkeit der kleinen Dinge im Leben, die Frage, wie viel man Kindern zutrauen kann – und darum, wie Kasseroler durch ihre Arbeit als Autorin zum Vorbild wird.
UNIpress: Christina, wusstest du schon immer, dass du einmal Autorin sein würdest?
Christina Anna Kasseroler: Tatsächlich habe ich mein erstes Buch mit drei Jahren geschrieben, mit der Hilfe meiner Mutter. Später schrieb ich Gedichte und Lieder, meine Geschichten blieben aber immer unvollendet. Ich wurde Deutschlehrerin. Eines Tages lag ich in meinem Bett und plötzlich war ein Name da: Zirbelzapfenzwerg. Das war der Startschuss zu meinem ersten Buch.

Wie sah der Weg von der Idee zur Publikation aus?
Meine Geschichten entstehen aus dem Moment heraus. Ich kann stundenlang einfach schreiben und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Plötzlich war es für mich greifbar, ein Buch zu schreiben. Gleichzeitig dachte ich mir aber: Es gibt schon so viele herausragende Schriftsteller und fantastische Geschichten – wieso sollte man ausgerechnet mir zuhören? Meine Mutter hat mich damals sehr ermutigt, es einfach zu machen. Ich suchte also einen Tiroler Verlag. Der Verlag wollte aber einiges ändern, weil mein Buch mit der bildhaften Sprache und den Illustrationen nicht für massentauglich gehalten wurde. Von meiner ursprünglichen Idee blieb nicht mehr viel übrig – also entschied ich mich für den Eigenverlag. Das war der beste Schritt, den ich machen konnte.
Was ist eigentlich ein Eigenverlag und wie funktioniert das?
Im Grunde genommen ist das eine einfache Sache. Einen Eigenverlag kann man sehr unkompliziert anmelden. Der schwierige Teil ist, dass man sich um Produktion und Vermarktung selbst kümmern muss. Dafür braucht man natürlich ein Startkapital.
Du kümmerst dich also selbst um die Vermarktung deiner Bücher. Wie machst du das?
Es war ein sehr guter Schritt, eine Homepage zu erstellen, auf der man meine Bücher auch direkt kaufen kann. Auch die Wagner’sche, die Tyrolia, Haymon und Zangerl und einige kleine Geschäfte haben viele meiner Bücher verkauft. Und ich habe auch einen Instagram-Account eingerichtet – obwohl ich mich lange dagegen gesträubt habe lacht. Heutzutage geht es einfach nicht ohne Social Media. Über die Instagram-Seite sind schon viele tolle Sachen entstanden.
Gerade junge Autor:innen werden heute häufig dazu angehalten, zuerst eine Social-Media-Präsenz aufzubauen, bevor sie etwas veröffentlichen.
Das kann ich nicht bestätigen. Bei mir ist es andersherum gelaufen, erst kamen zwei Bücher, dann Instagram. Also – es geht auch anders. Ich finde, gerade als Autorin sollte man sich da selbst treu bleiben. Das was du ausstrahlst, was du authentisch wiedergibst, kommt zu dir zurück. Davon bin ich überzeugt.
Woher kommt die Inspiration für deine Bücher?
Mittlerweile ist meine Tochter eine große Inspirationsquelle. Das Buch Emifant und Mia Mau ist durch ihre Wortkreationen als Kleinkind entstanden. Inspiration geben mir auch die kleinen Momente, die man erlebt, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Da draußen gibt es so viel Inspiration. Ich glaube, jeder könnte damit seine eigenen besonderen Geschichten schreiben.
Was macht es für dich aus, Bücher für Kinder zu schreiben?
Mir ist es wichtig, die Kinder in der Magie und Unbeschwertheit abzuholen. Es gibt in meinen Büchern keine negativ behafteten Figuren oder Handlungen. Stattdessen geht es um einen positiven Weg und die Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Was macht mich glücklich? Wo muss ich hinschauen, um die Besonderheiten im Leben zu sehen? Das steht immer in Verbindung mit der Natur. Kinder brauchen die Anbindung an die Natur ganz dringend.
Auf deiner Website steht, dass deine Kinderbücher auch für Erwachsene geeignet sind. Was können Erwachsene aus deinen Büchern mitnehmen?
Erwachsene fühlen sich durch meine Bücher in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Lektüre ist für sie eine Auszeit vom Alltag, ein Loslassen. Die Message vom Zirbelzapfenzwerg ist zum Beispiel: Das eigentliche Glück sind die Weggefährten oder auch das Nachhausekommen. Es geht um den Blick von oben und darum, die kleinen Dinge im Leben wertzuschätzen. Damit holt man die Erwachsenen sehr gut ab.
Hast du schon einmal überlegt, Bücher für Erwachsene zu schreiben?
Ja, habe ich. Das finde ich sehr anspruchsvoll. Gleichzeitig gibt es viel, über das ich gern erzählen würde. Zurzeit arbeite ich mit einer Kollegin zusammen an einem locker-flockigen Roman. Es gibt aber auch tiefgreifendere Themen, über die ich eines Tages gerne schreiben würde.
Du bist in Innsbruck geboren und hast dein ganzes Leben in Tirol verbracht. Wie beeinflusst das Leben in den Alpen dein Werk?
Ich bin in Saggen aufgewachsen, heute lebe ich in Hall. Berge gehören zu meinem Leben. Die Ruhe und Inspiration, die man oben in den Bergen findet, ist absolut einzigartig. Hier finde ich meine Verbindung zur Natur und kann mich erden. Außerdem gibt es so viele Sagen und Geschichten rund um die Berge, die immer irgendeinen wahren Kern haben. Und wir haben hier Naturgeister. Wenn man lernt, zuzuhören und hinein zu spüren, kann man das wahrnehmen. Da hole ich mir sehr viel Inspiration.
Was ist das Beste am Leben als Autorin?
Ganz spontan würde ich sagen: Der Moment, wenn das fertige Buch aus der Druckerei kommt und ich es zum ersten Mal in der Hand halte. Das ist eine unbeschreibliche Glückseligkeit. In weiterer Folge ist es der Kontakt zum Publikum über die Lesungen, gerade auch der Kontakt mit Kindern. Es gibt Momente, die mich völlig entwaffnen. Kinder verstehen sehr viel. Man traut ihnen zu wenig zu, wenn man die Sprache für sie ausdünnen und vereinfachen will. Die Sprache dürfen wir nicht verarmen lassen – wir müssen sie fördern.
Würdest du sagen, dass du als Kinderbuchautorin ein Vorbild bist?
Ich freue mich, wenn ich Menschen inspirieren kann. Mir haben schon Leute erzählt, dass ich ihnen Mut gemacht habe, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn du also schreiben möchtest: Mach es einfach! Meistens steht man sich selbst im Weg. Vor allem als junger Mensch hat man oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Auch ich habe vor meinem ersten Buch Ermutigung von den Menschen um mich herum gebraucht. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich es gemacht habe – so kann ich etwas hinterlassen. Ich hoffe, dass meine Bücher Menschen dabei unterstützen können, im Moment zu leben und den Mut zu haben, Dinge einfach zu tun.