Vier Semester im Distance-Learning. Ein Resümee

von Simon Riegler
Lesezeit: 4 min
Mit dem 7. März öffnet die Universität Innsbruck wieder langsam ihre Türen. Höchste Zeit, auf die vergangenen zwei Jahre Distance-Learning zurückzublicken.

Die Uni geschlossen, das Auslandsjahr geplatzt und einsame Stunden vor dem Bildschirm: Zwei anstrengende Jahr liegen hinter uns. Wir Studierende wurden stark gefordert, mussten vieles hinnehmen und galten dennoch zeitweise gar als Treiber der Pandemie. Mit dem 7. März, dem Beginn des Sommersemesters, wagt die Universität Innsbruck wieder erste Öffnungsschritte: Vorlesungen und Seminare finden in Präsenz statt, aus Distance-Learning wird hybride Lehre. Höchste Zeit, nochmals auf die vergangenen vier Pandemie-Semester zurückzublicken und ein Resümee zu ziehen.

Aller Anfang war schwer

Wer kann sich noch an den Uni-Alltag vor der Pandemie erinnern? Als wir Studierende noch gemeinsam im Vorlesungssaal den Worten der Professor*innen lauschten? Als einige von uns mit Kaffee und Laptop in der hintersten Reihe nur sehr sporadisch zuhörten und andere in der ersten Reihe aus der Mitarbeit nicht mehr rauskamen? Vier Semester ist es nun bereits her. Vier Semester, in denen der Lehrbetrieb größtenteils in die Online-Welt verschoben wurde. Vier Semester, in denen man einen Master absolvieren könnte.

Zu Beginn wagte man sich noch mit Neugierde in die Online-Räume, informierte sich über technische Möglichkeiten und Grenzen und musste am Ende manchmal feststellen, dass das Internet im Jahr 2020 noch immer Neuland war. Jedoch änderte sich die anfängliche Stimmung der ersten Wochen rapide. Kameras und Mikrofone funktionierten plötzlich aus unerklärlichen Gründen nicht mehr, nur kleine, grau hinterlegte Avatare oder weiß geschriebene Namen blieben übrig. Zu komfortabel war die morgendliche Vorlesung im Bett, zu schwer war der Wechsel von bequemer in unbequeme Kleidung. Plötzlich zogen sich viele von uns zurück, mieden die private Öffentlichkeit des digitalen Raumes und konnten dennoch am Lehrbetrieb teilnehmen. Vorträge gehen einem ja leichter von der Hand, wenn der Professor nicht das Ablesen des vorbereiteten Textes beobachten kann. Die Teilnahme wurde auf ein nötiges Minimum reduziert, ein wichtiger Teil der Lehre kam abhanden. Soziale Kontakte wurden nur mehr sporadisch gepflegt, neue nur mehr digital geknüpft.

Die letzten vier Semester waren geprägt von langen Sessions vor dem Bildschirm. Schnell bekam man das Gefühl, allein im Studium zu sein. Die Stimmen der Mitstudierenden konnte man nur schwer den anwesenden Namen und Gesichtern zuordnen. Jetzt werden die Tage endlich wieder länger, das Sommersemester steht vor der Tür. In langsamen Schritten wird sich der Campus wieder mit Leben füllen und dann werden wir sehen, dass wir gemeinsam einsam waren.

Die Lehre verändert sich

Es war nicht alles schlecht in den letzten zwei Jahren. Die Pandemie hat uns Studierenden zwar ungeschönt gezeigt, dass wir bei Krisenfällen an unterster Stelle stehen. Jeder (Öffnungs-)Schritt musste hart erkämpft werden, jede erneute Schließung der Universität fühlte sich wie ein unverdienter Tritt in die Magengrube an. Trotz alledem hatte die Pandemie auch ihre guten Seiten: Die Universität sah sich endlich gezwungen, längst überfällige Erneuerungen in der Lehre voranzutreiben. Plötzlich waren die Lehrenden genötigt, sich mit den Möglichkeiten des Internets auseinanderzusetzen und dessen Vorteile zu nutzen. Für uns Lernende resultierte dies in neuen Herangehensweisen: Das Studium ist nun nicht mehr an einen fixen Ort gebunden, der Zugriff auf Lernplattformen und Meetings kann von überall erfolgen. Die Vorlesungen werden teils gar aufgezeichnet und können auch erst Wochen später bearbeitet werden. Die Einteilung der eigenen Zeit ist flexibler als je zuvor.

Die Pandemie hat die Universität nachhaltig verändert und Spuren an uns Studierenden hinterlassen. Für jede*n von uns waren die letzten zwei Jahre mit ganz eigenen Erfahrungen und Herausforderungen gefüllt. Für einige waren es auch sehr belastende Semester, die psychischen Auswirkungen von Corona auf uns Studierende werden auch noch in einigen Jahren ein wichtiges Thema sein. Dennoch haben wir uns (gezwungenermaßen) an die gegebene Situation gewöhnt, haben uns angepasst an die neuen Strukturen und Abläufe. Und wir haben durchgehalten.

Was (hoffentlich) noch kommen wird

Mit dem 7. März 2022 beginnt das Sommersemester. Die Universität Innsbruck hat hierfür bereits erste Öffnungsschritte angekündigt. Lehrveranstaltungen und Prüfungen werden wieder in Präsenz abgehalten. Zudem können auch wissenschafts- und forschungsbezogene Veranstaltungen wieder stattfinden. Wir Studierende werden hoffentlich bald schon wieder in kleinen und großen Gruppen vor den Vorlesungssälen stehen, mit heißem Kaffee in der Hand und prüfungsbedingt zitternden Knien. Hitzige Diskussionen und fröhliches Gelächter werden die Gänge erhellen, die Bibliothek wird wohltuende, ruhige Abwechslung zu diesem Spektakel bieten.

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