Von 13. bis 15. Mai finden die ÖH-Wahlen statt. Du kannst dabei auf drei Ebenen deine Stimme nutzen: für deinen Studiengang wählst du die Studienvertretung (StV), für deine Universität die Universitätsvertretung (UV) und österreichweit die Bundesvertretung (BV). Wahlberechtigt sind alle Studierenden, die ihren ÖH-Beitrag fürs Sommersemester 2025 bis spätestens 25. März eingezahlt haben. In der UNIpress-Wahlausgabe findest du eine Übersicht über die Kandidat:innen für die STVen (sortiert nach Studiengang) sowie eine Vorstellung der Spitzenkandidat:innen und Listen für die UV an der Uni Innsbruck.
Um dir eine weitere Orientierung bei deiner Wahlentscheidung zu geben, haben wir außerdem die Innsbrucker Spitzenkandidat:innen zum ausführlichen Interview getroffen (nur vom RFS erhielten wir keine Rückmeldung auf unsere Anfragen). Am Wahlzettel stehen diesmal (sortiert nach ihren Stimmen bei der letzten ÖH-Wahl):
- AG – AktionsGemeinschaft Innsbruck: Uni lebt!
- GRAS – Grüne und Alternative Student_innen
- VSStÖ – Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich
- JUNOS – Junge liberale Studierende
- KSV-LiLi – Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste
- RFS – Ring Freiheitlicher Studenten – Liste Biermann
Seit der letzten Wahl 2023 bildet eine „linke Koalition“ aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi die ÖH-Exekutive in Innsbruck. AG und JUNOS, die in der Vergangenheit eine Koalition gebildet hatten, sind in der Opposition. Der RFS konnte 2023 kein Mandat in der Universitätsvertretung erreichen und wagt jetzt einen erneuten Anlauf.
Interview mit Julian Herb (AG)
Spitzenkandidat der Aktionsgemeinschaft Innsbruck ist diesmal Julian Herb. Der 21-Jährige studiert Pharmazie und ist bereits in der Fakultätsvertretung NatWi Innrain aktiv. Jetzt will er in den Vorsitz der ÖH, wie er uns im Interview verraten hat.
UNIpress: Julian, ist die AG eine „Party-Partei“?
Julian Herb: Ich finde, der Ausdruck „Party-Partei“ reduziert uns auf dieses Thema. Wir sind die größte Studierendenvertretung an der Uni Innsbruck und wir setzen uns für alle Themen, die die Studierenden betreffen, ein. Natürlich machen Studierende auch gern Party und gehen feiern – sie brauchen einen Ausgleich zum Uni-Alltag. Aber der Ausdruck „Party-Partei“ oder „Party-Fraktion“ ignoriert die vielen anderen Qualitäten, die die AG hat.
Apropos Party: Das bekannte Semester-Opening wird von verschiedenen Tiroler ÖHs, unter anderem der ÖH MedUni und der ÖH MCI, mit organisiert. An der Uni Innsbruck trägt das aber nicht mehr die ÖH-Exekutive aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi mit, sondern durch die FV SoWi und NatWi Technik mittlerweile de facto die AG. Wieso?
Warum die ÖH Innsbruck das nicht mehr trägt, kann ich nicht beantworten. Unsere AG-Vereinsmitglieder in den Fakultätsvertretungen unterstützen das, weil es uns wichtig ist, dass die Studierenden dieses Angebot kriegen.
Dass die ÖH der LFU Innsbruck das nicht mehr unterstützt, ist zum Nachteil der Studierenden. An der LFU hat man die höchsten Ticketpreise fürs Semester-Opening. Die Studierenden, die gern dahin gehen würden – auch viele Erstis, die neu in Innsbruck sind und Kontakte knüpfen möchten, – haben jetzt ein teureres Angebot im Vergleich.
Warum?
Die Ticketpreise an der UMIT oder an der MedUni sind meines Wissens nach deswegen billiger als an der LFU, weil die ÖH an der LFU das finanziell nicht mehr mitträgt.
Wenn ihr die letzten zwei Jahre in der Exekutive gewesen wärt, hättet ihr das weiterhin mitgetragen und die Preise wären auch an der LFU billiger – deiner Einschätzung nach?
Ja.
Ihr seid seit Jahrzehnten die größte Fraktion an der Uni Innsbruck, wart aber die letzten zwei Jahre in der Opposition. Wie war diese Erfahrung für euch?
Erfrischend. Oppositionsarbeit ist wichtig und hat uns jetzt die letzten zwei Jahre auch Spaß gemacht. Wir haben auch in der Opposition versucht, uns für die Interessen der Studierenden einzusetzen, und geschaut, dass die ÖH so transparent wie möglich ist. Aber natürlich ist der Wille da, wieder in die Exekutive zu kommen. So schön Oppositionsarbeit auch ist: Arbeit in der Exekutive ist effektiver und macht mehr Spaß.
Was hättet ihr in der Exekutive die letzten zwei Jahre besser gemacht als die Koalition aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi?
[überlegt] Es gibt natürlich einiges, was wir anders gemacht hätten. Wie gerade schon angesprochen: Angebote wie das Semesteropening den Studierenden preiswert näherzubringen, anstatt Gelder was weiß ich wohin sonst zu geben.
Auch das Sportangebot an der Uni Innsbruck: Als wir in der Exekutive waren, gab es noch das ÖH-Fußballteam. Das wurde dann nicht mehr weitergeführt. Wir haben das dann als Aktionsgemeinschaft selbst übernommen – die Gruppe existiert als AG-Fußball weiter. Auch ein weiteres Sportangebot hätte ich den Studierenden zur Verfügung gestellt.
Auch der Umgang mit den Studierendenvertretungen und Fakultätsvertretungen hat viele gestört. Die machen ja die große Arbeit für die Studierenden und sind am Campus für die Studierenden da. Die sollten so gut wie möglich von der Exekutive entlastet werden. Da hat viele auch die personelle Besetzung seitens der ÖH gestört, und wie sich Leute in ihren Funktionen verhalten haben – wie viel Zeit sie investiert haben und wie sehr sie für die STVen und FVen da waren.
Geht es da um das Basisreferat [Anm.: für die STVen verantwortliches Referat an der ÖH]?
Ich denke da in erster Linie an die vielen verschiedenen Wirtschaftsreferenten. Teilweise sind die Ersti-Tutorien auf der Kippe gestanden, weil die Frist zur Beantwortung von Anfragen vom Wirtschaftsreferent sehr weit ausgenutzt wurde.
Was hat die Dreierkoalition gut gemacht?
Aus ihrer Sicht: ihr gesellschaftspolitisches Mandat ausgeübt. Wir als AG halten uns aus der Gesellschaftspolitik ja größtenteils heraus.
Aber aus deiner Sicht?
Ich würde ihnen anrechnen, dass sie es geschafft haben, dass sich die Dreierkoalition doch bis zum nächsten Wahltermin gehalten hat. Es ist ja oft nicht leicht, mit drei unterschiedlichen Interessen einen gemeinsamen Konsens zu finden.
Ihr wollt zurück in die Exekutive. Angenommen, die Wahlergebnisse fallen genau gleich aus wie bei der letzten Wahl vor zwei Jahren. Würdet ihr euch dann bei den Verhandlungen stärker bemühen, beispielsweise um einen Kompromiss mit der GRAS, damit ihr wieder zurück in die ÖH kommt?
Ich glaube, wir haben uns nach der letzten Wahl schon sehr um einen Kompromiss bemüht. Warum es dann gescheitert ist, kann ich nicht sagen – ich war bei den Verhandlungen damals nicht dabei. Wir sind daran interessiert, dass es den Studierenden gut geht. Wenn die GRAS sagt: „Wir arbeiten mit euch im Sinne der Studierenden zusammen“, dann steht dem nichts im Weg.
Ihr beschränkt euch nicht nur auf die JUNOS als möglichen Koalitionspartner, mit denen ihr in der Vergangenheit schon koaliert habt?
Nein. Aber ich finde, solche Sachen sollte man erst besprechen, wenn die Wahl um ist und man weiß, wo man steht.
Gibt es eine Gruppe, die ihr jetzt schon fix ausschließt?
Ich würde den RFS ausschließen, auf jeden Fall. Ich finde, Extremismus hat nichts an der Uni zu suchen.
Und der KSV-LiLi – ist der linksextrem?
Wie sich der KSV-LiLi diesbezüglich positioniert, müsste ich mir genau anschauen. Ob der gemeinsame Konsens da ist, ist halt die Frage.
Kurz zusammengefasst, was sind eure wichtigsten Forderungen?
Ein wertvolles Studium, ein leistbarer Alltag und eine lebenswerte Freizeit. Unter diesen Punkten haben wir verschiedene Anliegen gesammelt, von denen wir glauben, dass sie den Studierenden sehr zu gute kommen. Das ist günstigeres Mensaessen für alle an der Uni an allen Standorten. Das sind bessere Freizeitangebote, auch im Sinne einer möglichen Vergünstigung des Freizeittickets. Aber auch allgemein ein größeres Sportangebot.
Ein weiterer Punkt wären ECTS für Ehrenamt und Praktika. In vielen Curricula werden die Praktika nicht in Form von ECTS angerechnet. Und viele Studierende sind im Ehrenamt tätig – beispielsweise bei der Rettung oder der Feuerwehr. Unserer Meinung nach sollten solche wichtigen Tätigkeiten Anerkennung finden.
Ein weiterer Punkt wären flexiblere Lernplätze, im Sinne von Uni-Zugang mit Studierendenausweis, wie’s ja an der MedUni aktuell schon länger der Fall ist. Man kommt mit dem Studierendenausweis in die Universität und kann dort auch lernen, wenn man Frühaufsteher ist, später am Abend, oder auch am Sonntag oder in den Ferien.
Könnte ein 24/7-Zugang zu Lernplätzen aber nicht ausgenutzt werden? Sagen wir, wenn beispielsweise eine Gruppe Studierender nachts um 3 Uhr betrunken um die Häuser zieht und auf die Idee kommt, sie würden jetzt gerne an die Uni, um kurz aufs Klo zu gehen. Da könnte es ja auch zu Beschädigungen oder Ähnlichem kommen.
Nachdem man mit seinem Studierendenausweis in die Uni geht, ist ja erkennbar, wer den Zugang genutzt hat. Ich kann die Frage nachvollziehen – ich glaube aber nicht, dass es großartig ausgenutzt werden würde. Es funktioniert ja auch an der MedUni.
Bräuchte es dann auch 24/7 Sicherheitspersonal oder reicht das, dass durch den Studierendenausweis nachvollziehbar ist, wer in der Uni ist?
Es gibt ja aktuell schon Sicherheitspersonal von der Uni, das durch die Gebäude geht und schaut, wer da ist. Ob es zusätzliches Sicherheitspersonal braucht, muss man dann in den Gesprächen mit der Uni klären, sobald das Thema wird.
Das wäre dann ja auch eine Finanzierungsfrage – gerade durch Nacht- und Feiertagszuschläge.
Falls man zusätzliches Sicherheitspersonal bräuchte, wäre das richtig, ja.
Auf Instagram habt ihr die Einführung von gratis Menstruationsartikeln an der Uni als euren Erfolg gefeiert. Das wurde aber von der ÖH-Exekutive aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi mit der Uni ausgehandelt. Schmückt ihr euch da nicht mit fremden Federn?
Ich weiß, welches Reel du da ansprichst. Bei dem Reel ging es nicht darum, sich mit fremden Federn zu schmücken. Bereits in einem vorherigen Reel hatten wir angekündigt, dass wir selbst als Fraktion jetzt gratis Menstruationsartikel an den Standorten zur Verfügung stellen, weil da bislang noch nichts passiert war. Im zweiten Reel, das du ansprichst, wollten wir kommunizieren: Jetzt sollen Menstruationsartikel an der Uni kommen. Wir haben da auch Druck gemacht, indem wir selbst gratis Menstruationsartikel an der Uni zur Verfügung gestellt haben. Wir wollten zeigen: Die Aktionsgemeinschaft macht das, es funktioniert also.
Schon, als wir in der Exekutive waren, hat sich unsere damalige ÖH-Vorsitzende Anna Fill für gratis Menstruationsartikel eingesetzt. Von daher ist es auch schon eine längere Forderung von uns.
Auch die Wiedereröffnung des Sonnendecks habt ihr als euren Erfolg gefeiert. Die Petition gegen das Baugitter haben aber die JUNOS gestartet – und 11.000 Unterschriften erzielt. Was habt ihr konkret getan?
Wir haben dem Thema mediale Aufmerksamkeit geschenkt. Wir haben mehrere Reels dazu gedreht, dass es eine Schande ist, dass das Sonnendeck gesperrt ist, und dass da bitte schnell gehandelt werden soll, denn die Studierenden leiden ja darunter. Wie die JUNOS haben wir uns dafür eingesetzt, und darum geht es. Man schaut, dass das Thema möglichst viele Menschen erreicht. Ob jetzt die JUNOS da zusätzlich noch eine Petition dazu machen… ja.
Die AG bezeichnet sich selbst als parteiunabhängig. Allgemein gilt sie aber als ÖVP-nah. 2021 hat auch die Bundes-Spitzenkandidatin der AG, Sabine Hanger, in einem Interview mit der Presse zugegeben, dass es „ein gewisses Naheverhältnis“ gebe. Die ÖVP hat die AG in der Vergangenheit auch finanziell unterstützt – laut einem Bericht des Rechnungshofs in den Jahren 1995 bis 1997 gemeinsam mit dem Verein „Kulturmaschine“ und der Schüler_innenvertretung „Schülerunion“ in einer Höhe von rund 8,2 Millionen Schilling, also rund 600.000 Euro. Das klingt für mich nicht parteiunabhängig.
Ich kann es nur bestätigen: Die Aktionsgemeinschaft Innsbruck ist parteiunabhängig. Es besteht auch kein Naheverhältnis zur ÖVP. Bei dem, was du ansprichst, Ende der 90er-Jahre: Das war meines Wissens nach die Aktionsgemeinschaft Bund und nicht die Aktionsgemeinschaft Innsbruck und hat darum mit unserem Verein nichts zu tun. Auch dein anderes Beispiel betrifft den Bund. Wir sind ein eigener Verein in Innsbruck, und wir haben jetzt auch nicht großartig viel mit dem Bund zu tun. Darum kann ich diese Aussage nicht unterschreiben.
Die Aktionsgemeinschaft Innsbruck ist also parteiunabhängig und die Aktionsgemeinschaft Bund ÖVP-nah?
Das musst du den Bund fragen. [lacht] Über das, was der Bund macht, kann ich in Innsbruck keine Aussage treffen.
Bekommt ihr also auch keine Gelder vom Bund?
Nein.
Wie steht ihr zum allgemeinpolitischen Mandat der ÖH? Soll sich die ÖH auch allgemeinpolitisch positionieren?
Wir positionieren uns in erster Linie nur hochschulpolitisch. Wir lassen die Gesellschaftspolitik völlig außen vor. Wir stellen die Studierenden in den Mittelpunkt und versuchen, den bestmöglichen Service zu leisten. Solange es nicht die Studierenden betrifft, ist es für uns kein Thema.
Aber betrifft nicht jedes Thema irgendwo die Studierenden? Klimapolitik, Budgetpolitik, Sozialpolitik…alles, was allgemeinpolitisch passiert, betrifft ja jeden, der in Österreich lebt.
Das ist halt Allgemeinpolitik. In der Hochschulpolitik geht es in erster Linie um die Bedürfnisse der Studierenden an der Universität, und um die kümmern wir uns als Aktionsgemeinschaft.
Ihr habt ja aber auch genauso Programm zum Thema Wohnen. Das ist ja auch irgendwie Allgemeinpolitik.
Das betrifft die Studierenden im Alltag. Wir kümmern uns um diese Interessen, aber wir bespielen das nicht allgemeinpolitisch.
Wie stehst du, wie steht die AG generell zur Pressefreiheit im Hochschuljournalismus – gerade in Bezug auf die UNIpress?
Die Pressefreiheit ist extrem wichtig. Wir stehen vollkommen hinter der Pressefreiheit.
Ich frage, weil im Jahr 2022 eine Ausgabe der UNIpress von der Exekutive aus AG und JUNOS zensiert. Bereits gedruckte Ausgaben wurden einfach weggeschmissen, weil es in der Ausgabe um Sex ging.
Das wär mir ehrlich gesagt neu. Das hab ich bis jetzt noch nie so gehört. Dazu, was die damalige Exekutive gemacht hat, kann ich leider nichts sagen. Ich kann nur sagen, dass uns als Verein Pressefreiheit extrem wichtig ist.
In der neuen Funktionsperiode, wenn ihr jetzt wieder in die Exekutive kommen würdet, dürften wir als UNIpress also machen, was wir wollen.
Im Rahmen der Pressefreiheit natürlich, ja. Solang ihr euch an geltende Gesetze haltet. [lacht]
Da haben wir die Garantie von dir?
Fix.
Danke für das Gespräch!