Dieser Artikel ist auch als Podcast verfügbar:
Jeder kennt diese Momente. Es geht einem einfach gerade nicht so gut, irgendwas belastet einen. Vielleicht hat man gerade Stress in der Arbeit, Probleme in der Beziehung oder einen Streit mit einem guten Freund. Wie gut es dann tut, mit jemandem darüber zu reden. Einfach mal etwas „Dampf ablassen“, wie es so schön heißt, und seinen Frust in Worte fassen. Doch was, wenn keiner so richtig zuhört? Wenn du gerade erst frisch nach Innsbruck gezogen bist und dank virtuellen Kursen eigentlich niemanden so richtig kennst, wem erzählst du dann, dass du dich einsam fühlst? Oder vielleicht ist es schon spät am Abend und du willst niemanden mehr stören, aber bis morgen kann es eigentlich auch nicht mehr warten? Eine Lösung für all dies möchte die Nightline Innsbruck bieten.
Was ist das, eine Nightline?
Bei dieser handelt es sich um ein studentisches Zuhörtelefon, von Studierenden für Studierende. Das bedeutet, dass alle Aufgaben von der Organisation bis zum Telefondienst von Studierenden übernommen werden, aber auch, dass die angebotenen Dienste von Studierenden in Anspruch genommen werden können. Dabei ist es vollkommen egal, welche Art von Problemen einen beschäftigen. Egal, ob man über seine Beziehung, schöne oder traurige Erlebnisse, über Ärger im Studium oder etwas anderes, das einem gerade im Kopf umhergeht, sprechen möchte, die Nightline Innsbruck sieht sich als Ansprechpartner für all diese Themen. Dabei steht der Aspekt des Zuhörens im Vordergrund, nicht, Tipps oder Ratschläge zu geben. Bei den Zuhörern, auch “Zuhörnchen” genannt, handelt es sich nicht um ausgebildete Psychologen und Psychologinnen, sondern um Studierende aus allen Studienrichtungen. Ganz unvorbereitet sind die Mitarbeiter jedoch nicht, sie haben eine spezielle Schulung durchlaufen. Laut Nightline Innsbruck bietet das folgenden Vorteil:
„Der studentische Aspekt ist uns sehr wichtig, da wir gerne auf Augenhöhe bleiben.“
Hierbei handelt es sich um “non-direktes Zuhören”, das auf einen Ansatz des Psychotherapeuten Karl Rodgers zurückgeht. Grundgedanke ist, dass selbstständig Probleme gelöst und Entscheidungen getroffen werden können. Voraussetzung dafür ist, dass vorurteilsfrei zugehört wird, ohne das Gespräch in eine Richtung lenken zu wollen. In diesem Sinne nennt die Nightline Innsbruck Offenheit, Urteilsfreiheit und Wertschätzung als wichtige Bestandteile ihres methodischen Vorgehens.
Wie alles begann
Die Idee der Nightline, die ihren Ursprung in England hat, ist mittlerweile jedoch auch in über sechzehn deutschen Städten und in der Schweiz vertreten. Österreich fehlte auf dieser Liste bis zum 6. Mai 2019 – an diesem Tag klingelte das Telefon der Nightline Innsbruck zum ersten Mal. Die Vorarbeit startete jedoch schon anderthalb Jahre früher. Alles begann mit einer Gruppe von Studierenden: in einer Vorlesung erfuhren diese von dem Konzept der Nightline und beschlossen, sie auch in Österreich einzuführen.
Anonymität wahren
Ein wichtiger Grundsatz der Nightline ist die Anonymität – für AnruferInnen, aber auch für MitarbeiterInnen. Wer sich an die Nightline wendet, muss sich also keine Sorgen machen, dass die eigene Identität offenbart wird. Dies soll ein freieres Erzählen ermöglichen, wobei niemand Bedenken haben muss, wiedererkannt zu werden. Die Ausnahme bilden die sogenannten „Public Faces“. Sie vertreten die Nightline in der Öffentlichkeit, übernehmen allerdings auch keine Telefondienste.
Welche Möglichkeiten hat man, die Nightline Innsbruck zu kontaktieren? Während der Vorlesungszeit ist sie von Montag bis Freitag zwischen 20:00 Uhr und 24:00 Uhr unter der Nummer +43 660 7549485 zu erreichen. Wer nicht anrufen möchte, hat zudem die Möglichkeit, die Chat-Funktion der Homepage zu nutzen um sich schriftlich auszutauschen: https://www.nightline-innsbruck.at/chat/