Der UNIpress Mensatest

von Sarah Embacher
Lesezeit: 6 min
Mensaessen soll leistbar sein, satt machen und gut schmecken. Wir kosten uns durch, klären, in welchen Mensen Innsbrucks das gelingt – und stoßen auf beträchtliche Unterschiede.

Technik: Terrasse top, Essen flop

Das Wetter ist vorzüglich, als wir die Technik-Mensa an einem sonnigen Oktobertag testen – das Essen leider nicht so. Der Verzehr des Kartoffel-Zucchini-Gratins (vegetarisch) stellt uns vor besondere Herausforderungen: Schaffst du es, die passende Komposition aus versalzener Waldpilzsoße, zu harten Kartoffeln und matschiger Zucchini auf eine Gabel zu laden? Wenn ja, dann gleichen sich die einzelnen Verfehlungen in der Kochkunst so einigermaßen aus und man erhält ein ganz passables Gericht.

Aber Achtung, wer von einer Zutat zu viel oder zu wenig erwischt, bereut schnell, gerade 5,70 Euro für sein Essen ausgegeben zu haben. Diese Kombinationsaufgabe der verschiedenen Essenskomponenten stellt für manche Mathestudierenden vielleicht ein spannendes Optimierungsproblem dar. Denjenigen, die einfach nur Mittagessen wollen, ist dieses Gericht aber eher nicht zu empfehlen.

Foto: Sarah Embacher und Tobias Jakober

Die Terrasse ist leider das einzig Verlockende an der Technik-Mensa

Ähnlich sieht es bei der zweiten Option auf dem Tagesmenü aus: Das Champignon-Gulasch mit Semmelknödel (vegetarisch) für 5,70 Euro ist zwar ganz nett angerichtet, aber die Soße hat diesen unverwechselbaren Geschmack von Fertigessen. Mit der Konsistenz des Knödels fangen wir lieber gar nicht erst an, sondern trösten uns mit Sonnenstrahlen und Bergblick auf der Mensa-Terrasse. Wenn man nicht gerade im Innenbereich sitzen muss, gibt es zumindest am Ambiente nichts auszusetzen.

 

CCB: Charmantes Curry mit Basmatireis

Im „Café 80/82“, wie die CCB-Mensa offiziell heißt, fallen sofort großzügige Glasfenster, schicke Sitzplätze auf Barhockern und frische Farben ins Auge. Passend zum modernen Interieur stehen hier oft vegane und asiatische Gerichte auf dem Menü. Wir testen das Süßkartoffel-Curry mit Zucchini und Basmatireis (vegan) für 5,70 Euro sowie das Massaman-Beef-Curry mit Basmatireis für 6,40 Euro und sind sehr zufrieden: Die Portionen sind recht groß, mit frischem Gemüse und schmecken gut.

Nur die Nudeln mit Paprika-Pesto (vegan) für 5,30 Euro sind eine Enttäuschung. Man könnte meinen, bei so einem Gericht wäre es schwer, etwas falsch zu machen. Doch leider besteht das Pesto nur aus ein paar roten Schnipseln, die optisch und geschmacklich kaum zu erkennen sind. Die angebotene frische Petersilie und den gemahlenen Parmesan darüber zu streuen, sorgt zwar für mehr Geschmack, macht das Gericht aber auch etwas trocken und nicht-vegan. Fazit: Bei Nudeln mit Pesto kann jeder Studierende mit weniger Budget für ein spektakuläreres kulinarisches Erlebnis sorgen, die anderen Gerichte und das Ambiente überzeugen uns jedoch.

Foto: Sarah Embacher und Tobias Jakober

Gemütliches Ambiente im Café 80/82

 

USI: Kulinarischer Sieger – aber wo bleibt der Mensa-Bon?

Das Universitäts-Sportinstitut tanzt im Mensa-Angebot Innsbrucks aus der Reihe. Hier ist nämlich nicht mehr die “Mensen-Betriebsgesellschaft” der Pächter, sondern die Uni selbst – und das merkt man! Nur hier hat das Essen wirklich frisch zubereitet und eben nicht nach typischem Mensa-Essen geschmeckt. Das Hühnergeschnetzelte mit Champignons, Gemüserahm und Spätzle ist köstlich, ebenso die mediterrane Hummus-Bowl mit Quinoa, Grillgemüse, Salat und Falafeln, die in einem schicken Einmachglas serviert wird.

Weniger schick ist dagegen die Inneneinrichtung, die mit eng zusammenstehenden Tischen, Fliesenboden und Plastikvertäfelung an den Wänden wohl keinen Designpreis gewinnen würde. Die Mensa ist aber angenehm klein und es herrscht eine entspannte, unaufgeregte Stimmung. Alles in allem stören wir uns hauptsächlich am Preis für die Gerichte, denn wir zahlen ohne ÖH-Rabatt für das Geschnetzelte den vollen Preis von 6,50 Euro und für die Bowl 6,90 Euro. Das ist für die meisten Studierenden wohl zu teuer und es bleibt zu wünschen, dass auch hier der ÖH-Mensabon gilt.

Foto: Sarah Embacher und Tobias Jakober

Etwas eng geht es in der Mensa am Campus Sport zu

 

SoWi: Braten oder gebraten werden

Die Sonne macht den Backöfen in der SoWi-Lounge Konkurrenz. Wie auch in der Bibliothek unmittelbar darüber, kommt man beim Essen im Sonnenschein an warmen Tagen ganz schön ins Schwitzen. Der Innenhof bietet zu solchen Gelegenheiten aber auch einen sehr netten Ausblick und eine ruhige Atmosphäre. Sonnig ist auch die Laune der Kassiererin, die trotz des vielen Betriebes ihre Freundlichkeit bewahrt.

Foto: Sarah Embacher und Tobias Jakober

Ein Platz an der Sonne: die SoWi-Lounge

Es gibt hier gleich zwei vegetarische Alternativen – das Kichererbsen-Ragout mit Bulgur und einen Gemüsestrudel, beides für unter 6 Euro. Der Burger mit Pommes um 7,90 Euro macht einem die Wahl diesmal nicht schwer. Satt wird man auch von den nicht zu kleinen anderen Gerichten, beim Anrichten gibt es noch Luft nach oben.

 

UBI-Chat: Der Lernplatz als Mittagstisch

Die Neue Mensa am Herzog-Siegmund-Ufer hat wegen Personalmangels nun schon seit geraumer Zeit geschlossen – bleibt das UBI-Chat im Bruno-Sander-Haus am Campus Innrain. Wohl auch wegen des Wegfalls des Standorts auf der anderen Straßenseite ist es recht voll an den Tischen des UBI-Chat. Die Sitzmöglichkeiten draußen liegen im Schatten des Unigebäudes und laden einen daher wohl nur in den warmen Monaten des Jahres zum Verweilen ein.

 

Foto: Sarah Embacher und Tobias Jakober

Die Eifrigen breiten sogar auf den Plätzen der Mensa ihre Bücher und Tablets aus

Drinnen ist die Atmosphäre ebenfalls etwas unterkühlt – Tische und Stühle sind völlig in Weiß gehalten, von den Lernplätzen trennt einen bloß eine dünne Glaswand. Gemütlichkeit kommt so keine auf. Das schwache Ambiente macht man hier aber mit einer tollen Optik der Gerichte wett – die Nudeln, einmal mit Gemüse (5,70 Euro), einmal mit süß-mariniertem Hühnerfleisch (6,50 Euro), kommen in netten Keramikschüsseln daher. Das Fleischgericht kann hier absolut überzeugen, die Pasta mit Wokgemüse lässt den Wunsch nach etwas mehr Soße übrig.

 

Dieser Artikel erschien erstmals in der Jänner-Ausgabe 2023.

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