„I am living my dream“ – Rose May Alaba im Gespräch über Afrobeats, Authentizität und ihren Tourauftakt in Innsbruck

von Benjamin Hofer
Lesezeit: 7 min
Ihr Konzert war ein rauschendes Zusammenspiel aus Rhythmus, Energie und musikalischer Hingabe – ein Abend, der das Publikum nicht nur bewegte, sondern mitriss. Zwei Stunden zuvor gewährt sie im Gespräch mit Unipress Einblicke in ihre musikalischen Wurzeln, spricht über ihre größten Einflüsse und darüber, wie sie zwischen Wien und Lagos ihren ganz eigenen Sound formt.

Es ist ein entspannter, beinahe vertrauter Moment, als mich Rose May Alaba im Backstage-Bereich des Treibhauses empfängt. Mit einem warmen Lächeln reicht sie mir ein Stück Ingwer mit Honigtopping – eine kleine, fast beiläufige Geste, die dennoch viel über ihre Persönlichkeit verrät: zugänglich, herzlich und einen feinen Sinn für zwischenmenschliche Nuancen. Ihr Team empfängt mich mit derselben Offenheit. Es ist eine Atmosphäre, die von Leichtigkeit, Humor und einem tiefen Gemeinschaftsgefühl geprägt ist – hier wird nicht nur zusammengearbeitet, sondern auch geteilt, gescherzt und mit Leidenschaft an einer Vision gefeilt. Nach einem kurzen, lebendigen Austausch ziehen wir uns in einen separaten Raum zurück – bereit für ein Gespräch, das zwischen herzhaftem Lachen, tiefgehenden Einblicken und inspirierenden Momenten changiert.

UNIpress: Rose, du sprichst häufig über deine nigerianischen und philippinischen Wurzeln – und wer deine Musik hört, spürt sofort, wie tief diese kulturelle Verankerung in deinem Sound mitschwingt. Wie pflegst und bewahrst du diese Verbindung?

Rose May Alaba: Ich fliege mindestens zweimal im Jahr nach Nigeria, um dort Musik zu machen und mit lokalen Produzenten zusammenzuarbeiten. Für mich ist das essenziell, um die Authentizität zu bewahren – denn Afrobeat lebt von seinen Wurzeln. Jedes Mal, wenn ich dort bin, entdecke ich neue Seiten an mir selbst. Ich bin in Wien aufgewachsen, aber als ich das erste Mal in Nigeria ankam, merkte ich sofort: That feeds my soul. Dort sind so viele talentierte Menschen, die Musik nicht nur machen, sondern atmen. Es ist für mich eine Ehre, diese Energie auf meinem Album einzufangen und zu repräsentieren.

UNIpress: Dein Vater war als Musiker und DJ aktiv, deine Mutter ist ebenfalls Sängerin. Welche Rolle hat die Musik in deiner Kindheit gespielt?

Musik war in unserer Familie allgegenwärtig. Mein Papa ist in Nigeria aufgewachsen und hat dieses Rhythmusgefühl mit nach Wien gebracht. In den 90ern feierte er mit seinem Duo Two in One sogar einige Erfolge. Und auch in meiner philippinischen Familie kann eigentlich jeder entweder singen oder ein Instrument spielen – oder beides. Es war also fast unausweichlich, dass Musik auch meinen Weg bestimmen würde.

UNIpress: (Kündigt eine Spezialfrage an und lacht) 2011 wurdest du in der Castingshow Popstars – Mission Österreich Teil der Girl-Group BFF und hast einige Zeit in einem Bandhaus in Biberwier, Tirol verbracht. Wie erinnerst du dich an diese Zeit?

(lacht) Ich erinnere mich noch genau, als wir nach Innsbruck kamen und dann noch zwei Stunden weiterfuhren – ich dachte mir nur: Wo genau sind wir hier? Aber es war wunderschön. Wir haben lange Spaziergänge gemacht, Kühe beobachtet und einfach die Natur genossen.

UNIpress: Heute startet hier in Innsbruck deine erste Tour. Was hat dich dazu bewogen, genau hier den Auftakt zu setzen?

Ich möchte in Österreich alle Menschen erreichen – und Innsbruck hat eine unglaubliche Energie. Die Stadt ist jung, international und hat viel zu bieten. Deshalb wollte ich unbedingt hier eine Show spielen und das Tiroler Publikum für Afrobeats begeistern.

UNIpress: Hast du besondere Rituale oder Routinen vor deinen Auftritten?

Auf jeden Fall. Ich bete immer vor meinen Shows – das gibt mir Kraft und Mut. Es ist mir wichtig, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Aber auch mein Team und meine Band sind essenziell. Ich bin einfach unglaublich dankbar für diese tollen Menschen um mich herum.

UNIpress: Dein Debütalbum Rozey ist gerade erschienen – wie fühlt es sich an, es endlich live performen zu können?

Also, ohne arrogant klingen zu wollen, glaube ich, dass dieses Album eines meiner stärksten Werke ist (lacht). Ich freue mich unglaublich darauf, Afropop weiter in die Welt zu tragen und meine Wurzeln in meiner Musik widerzuspiegeln. Es geht mir darum, den Menschen näherzubringen, wer ich als Künstlerin – und als Person – bin. Viele kennen meinen Bruder, aber nicht meine Geschichte, meine Herkunft oder die musikalische Prägung, die mich begleitet hat. Ich trete in die Fußstapfen meines Vaters, aber auf meinem ganz eigenen Weg. Ich bin einfach voller Vorfreude – I am living my dream!

UNIpress: Du führst mit deinem Vater gemeinsam dein Independent-Label. Gibt dir diese Unabhängigkeit mehr kreative Freiheit oder bringt sie auch Herausforderungen mit sich?

Grundsätzlich ist kein Weg im Entertainment-Business der leichtere. Als Independent-Künstlerin genieße ich zwar kreative Freiheit – niemand schreibt mir vor, was ich tun muss, nur weil er mir einen Vorschuss zahlt. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich einfach machen kann, was ich will. Jede Entscheidung muss Sinn ergeben, finanziell tragbar sein und mit harter Arbeit untermauert werden. Man braucht nicht nur Talent, sondern auch Durchhaltevermögen, den gewissen Hustle und vor allem eine tiefe Liebe für das, was man tut.

UNIpress: Gibt es eine Künstlerin oder einen Künstler, mit dem du unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtest?

Puh, da gibt es einige! Wahrscheinlich Kendrick Lamar.

UNIpress: Also eher nicht Drake? (spielt augenzwinkernd auf den prominenten Beef der beiden Rapper an)

(lacht) Da halte ich mich lieber raus! Ich finde, Drake ist ein großartiger Künstler, aber in solche Streitereien mische ich mich nicht ein. Außerdem ist Lauryn Hill eine Künstlerin, die mich besonders inspiriert. Und in der Afrobeats-Szene bewundere ich Talente wie Tems, Ayra Starr und Rema. Es gibt so viele außergewöhnliche Künstler:innen, und ich liebe es, mit verschiedenen Musiker:innen zusammenzuarbeiten und neue kreative Impulse zu gewinnen.

UNIpress: Weißt du schon, wie es nach der Tour für dich weitergeht? In früheren Interviews hast du bereits erwähnt, dass dich auch Mode fasziniert und du an der Filmakademie in Wien studiert hast. Können sich deine Fans also darauf freuen, in naher Zukunft noch weitere kreative Facetten von dir kennenzulernen?

Ja, auf jeden Fall! Musik ist meine große Liebe, aber ich bin mit einer breiten kreativen Neugier aufgewachsen und liebe es, immer wieder aus meiner Komfortzone herauszutreten und Neues auszuprobieren. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, irgendwann auch im Bereich Mode aktiv zu werden oder Erfahrungen in der Schauspielerei zu sammeln. Aber im Moment liegt mein Fokus ganz klar auf der Musik.

UNIpress: Apropos Studium: Wie war deine Studienzeit und was würdest du den Studierenden in Innsbruck mit auf den Weg geben?

Definitiv keine gewöhnliche Studentenzeit. Mein Studium war stark sprachlich geprägt – und, um ehrlich zu sein, hat es mich in vielerlei Hinsicht sehr gut auf das Entertainment-Business vorbereitet. Man lernt sich selbst neu kennen, vor allem in einem Umfeld, in dem die Konkurrenz groß ist und man nicht immer alles kontrollieren kann. Aber man wächst daran, passt sich an und entwickelt seine eigene Art, sich zu behaupten. Für mich war es eine prägende Phase, in der ich mich noch einmal neu entdeckt habe – sie hat mich gut auf meinen Weg vorbereitet. Und was ich den Innsbrucker Studentinnen und Studenten gerne mitgebe: Bleib du selbst. Authentizität ist das Wichtigste. Am Ende des Tages bist du aus einem bestimmten Grund hier – du musst niemandem etwas beweisen.

Rose May Alaba begeisterte das Publikum in Innsbruck mit Herz und Stimme (Foto: Rebecca Dimény)

Nachdem unser Gespräch zu Ende geht, bleibt noch etwas Zeit, bevor das Treibhaus seine Tore öffnet. Zwei Stunden vergehen – zwei Stunden, in denen sich im Backstage-Bereich Familie und Freunde versammeln, lachen, plaudern und die vorfreudige Stimmung genießen. Währenddessen widmen sich Rose May Alaba und ihr Team dem Soundcheck, feilen an den letzten Details und stimmen sich auf den Abend ein. Es ist eine Balance aus akribischer Vorbereitung und gespannter Erwarung.

Dann ist es so weit: das Publikum drängt sich erwartungsvoll vor die Bühne, Stimmen vermischen sich zu einem aufgeregten Murmeln, während die Scheinwerfer langsam die Szenerie einfangen. Ein letzter Blick, ein tiefes Durchatmen – und mit den vibrierenden Beats entfaltet sich ein Konzert, das Innsbruck so schnell nicht vergessen wird. Ihre Musik trägt das Temperament Nigerias, die Lockerheit Wiens und die Entschlossenheit, sich ihren ganz eigenen Platz zu schaffen. Die Leute tanzen, singen und lassen sich von Roses Begeisterung mitreißen. Spätestens mit den ersten Tönen ihres neuen Albums Rozey wird klar: Rose May Alaba bietet nicht nur eine Performance, sie kreiert einen Moment. Nach mehreren Zugaben verlässt sie die Bühne mit einem Lächeln, das so authentisch ist wie ihre Musik. Die Zuseher jubeln, der Applaus klingt noch lange nach. An diesem Abend hat sie nicht nur gezeigt, wie lebendig und facettenreich Afropop sein kann – sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Daten ihrer ersten Tour – wärmstens empfohlen (Foto: @rosemayalaba on Instagram)

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