Silvester – Wissenswertes zum letzten Tag des Jahres

von Marie Eisele
Lesezeit: 5 min
Silvester ist nach Weihnachten das bekannteste Winterfest – und vielseitiger, als man denkt. Hier einige Fun Facts und Tipps zum Jahreswechsel.

Jedes Jahr kommt es dann doch ein bisschen plötzlich: Silvester, genau eine Woche nach Heiligabend. Vom 31. Dezember hat jeder seine Vorstellungen, es gibt fixe Traditionen und Bräuche, Streit über Feuerwerk, Partys, Rückblicke, Vorausblicke. Doch warum feiern wir Silvester überhaupt? Wie unterscheiden sich die Bräuche auf der Welt? Und darf ich dieses Jahr meine eigenen Raketen zünden?

Römer und Päpste

Im 16. Jahrhundert führte Papst Gregor XIII. den gregorianischen Kalender ein. Dieser endet am 31. Dezember mit dem Gedenktag des heiligen Papstes Silvester – daher hat der Tag seinen Namen. Die Ursprünge des Neujahrsfestes reichen jedoch bis in die römische Antike zurück und haben nichts mit Christen zu tun: Im alten Rom wurde jedes Jahr Ende Dezember die Wintersonnenwende mit dem Saturnalia-Fest gefeiert. Im Jahr 153 v. Chr. verschob sich zusätzlich der Jahresbeginn im römischen Reich vom 1. März auf den 1. Jänner. Damit wurde dieser zum Feiertag, lange bevor es überhaupt Päpste gab. Letztere begehen den liturgischen Jahreswechsel übrigens bereits etwa einen Monat früher, am 1. Advent – denn da beginnt das Kirchenjahr.

Geographische Wirrungen

Heute gilt der 1. Jänner überall auf der Welt als Neujahrstag, trotzdem beginnt das neue Jahr nicht überall zum gleichen Zeitpunkt. Genauer gesagt braucht das neue Jahr ganze 24 Stunden, um eine Runde durch alle Zeitzonen zu drehen und den Jahreswechsel auf dem ganzen Planeten zu vollziehen. Wer zur richtigen Zeit im Flugzeug sitzt und in die richtige Richtung fliegt, kann also stündlich Sektflaschen köpfen, um auf das neue Jahr anzustoßen. Der früheste Jahreswechsel geschieht übrigens auf dem Caroline-Atoll, einer unbewohnten Insel im Pazifik, die zu Kiribati gehört. Hier beginnt der 1. Jänner schon um 11:00 Uhr des 31. Dezember mitteleuropäischer Zeit. 24 Stunden später ist als letztes die Howland-Insel dran, die paradoxerweise westlich von Kiribati liegt und deshalb eigentlich früher dran sein müsste – doch die Zeitzonen sind nicht von einer geraden Linien begrenzt, sondern verlaufen um die Datumsgrenze in zackigen Formen. Da diese Insel aber ebenfalls unbewohnt ist, wird sich kaum jemand daran stören.

 Bild: Amitchell125, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Traditionen rund um die Welt

 Auf der Welt gibt es viele verschiedene Silvesterbräuche. In Argentinien zum Beispiel werden nicht mehr benötigte Dokumente geschreddert und aus dem Fenster geworfen. In Spanien soll es Glück bringen, sich um Mitternacht vor den Kirchen zu versammeln und bei jedem der zwölf Glockenschläge eine Weintraube zu verspeisen. Hört sich einfach an, aber wer es einmal versucht hat, weiß, wie schnell man sich dabei verschluckt. Wer es trotzdem schafft, dem steht ein Jahr des Wohlstands und Glücks bevor. Außerdem soll es in Spanien Glück bringen, in der Silvesternacht rote Unterwäsche zu tragen. In Russland ist Silvester das wichtigste Fest des Jahres, da Weihnachten gleichzeitig mit dem Jahreswechsel gefeiert wird.

Bei vielen österreichischen Familien sind Fondue oder Raclette unverzichtbarer Bestandteil des Silvesterabends. Wahrscheinlich führte einst Skitourismus in der Schweiz zur großen Beliebtheit der käsigen Speisen. Vor allem lassen sie sich aber einfach vorbereiten, sind für große Gruppen geeignet und halten alle lang am Tisch. Schließlich muss die Zeit bis Mitternacht irgendwie totgeschlagen werden. Dazu gesellen sich oft Glücksbringer, “Guten-Rutsch-Wünsche und natürlich Feuerwerk. In Österreich und Deutschland blickt man an Silvester außerdem gerne in die Zukunft: Beim Bleigießen wird ein Teelöffel Blei (heute oft durch Wachs ersetzt, weil das Hantieren mit giftigen Schwermetallen vielleicht keine so gute Idee ist) über einer Kerzenflamme erhitzt und, wenn es sich verflüssigt hat, in kaltes Wasser gegossen, wo man dann aus den erstarrten Formen Vorhersagen für das neue Jahr treffen kann. 

Die fast überall auf der Welt bekannteste und beliebteste Silvestertradition ist und bleibt natürlich Feuerwerk. Wie viele laute und feurige Winterbräuche war auch der Silvesterkrach ursprünglich dazu da, böse Geister auszutreiben. Bereits Ende des Mittelalters soll das erste Silvesterfeuerwerk in Deutschland stattgefunden haben, nachdem das Feuerwerk selbst schon mehrere hundert Jahre zuvor in China erfunden wurde. Zum Verkauf angeboten und damit massentauglich wurden Feuerwerkskörper in Europa ab dem frühen 20. Jahrhundert.

Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen?

Sein eigenes Feuerwerk einfach im Laden zu kaufen und selbst zu zünden, ist heute gar nicht mehr so einfach. Während in Deutschland Feuerwerkskörper in den letzten drei Werktagen vor Silvester gekauft und am 31. Dezember und 1. Januar auch in die Luft gejagt werden dürfen – zumindest theoretisch, denn in vielen Gemeinden gibt es strenge Einschränkungen – verbietet das österreichische Pyrotechnikgesetz Raketen und Knallkörper innerorts auch an Silvester. Den Gemeinden steht es frei, einzelne Ortsgebiete für einen bestimmten zeitlichen Rahmen von diesem Verbot auszunehmen, praktisch geschieht das jedoch selten. Auch im Innsbrucker Stadtgebiet ist Feuerwerk verboten: Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe von bis zu 3.600 Euro rechnen. Dafür gibt es in Innsbruck ein großes professionelles Feuerwerk in Richtung Nordkette. Gleichzeitig wird pünktlich um Mitternacht der Wiener Walzer in der Altstadt gespielt – wer möchte, kann also klassisch im Dreivierteltakt ins neue Jahr tanzen.

Wie man gute “gute Vorsätze” fasst

Und dann gibt es noch jedes Jahr die Blicke zurück und nach vorne. Der letzte Tag des Jahres eignet sich besonders, um das alte Jahr Revue passieren zu lassen und sich an Highlights und “Lowlights”  zurückzuerinnern. Es lohnt sich auch, darüber nachzudenken, wie man sich im letzten Jahr verändert hat. Welche Person war ich im Jänner, welche bin ich jetzt im Dezember? Was hat dazu geführt? Wer sich ein bisschen mit dem alten Jahr beschäftigt und damit abgeschlossen hat, kann sich eher auf das neue konzentrieren. 

Beim Blick in die Zukunft bekommt man es mit den berüchtigten guten Vorsätzen zu tun. Manche Menschen nehmen sich genau eine Sache fürs neue Jahr vor, andere stellen eine ganze Liste auf, wieder andere haben aus Prinzip gar keine Neujahrsvorsätze. Klar ist: Sein gesamtes Leben von einem Tag auf den anderen umzukrempeln, kann fast nicht funktionieren, auch nicht, wenn die beiden Tage zufällig in zwei unterschiedlichen Jahren liegen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 schaffen es gerade einmal 20 Prozent, keinen ihrer Vorsätze zu brechen. Bei Vorsätzen ist Realismus das A und O: Wer nie Sport gemacht hat, wird es kaum schaffen, ab jetzt jeden Tag ins Fitnessstudio zu rennen. Nimmt er sich aber vor, einmal pro Woche eine halbe Stunde zu joggen, kann das viel eher klappen und ihn zu weiteren Steigerungen motivieren. Außerdem sollte man selbst daran glauben, seine Vorsätze auch einhalten zu können. Nur dann können sie wirklich etwas bewirken.

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