Talent zu haben ist schön; wird es aber nicht eingesetzt, ausgebaut und verfeinert, bleibt es wirkungslos. Für das Erreichen einiger Ziele braucht es viel Zeitaufwand, Geduld und Beharrlichkeit. Nicht alles gelingt beim ersten Mal, vielleicht auch nicht beim zweiten oder dritten Versuch. Es gibt Menschen, die ihre Romane an dutzende Verlage senden oder jahrelang die Sohlen ihrer Trainingsschuhe plattlaufen – nur für dieses eine Ziel. Dabei geht es nicht immer nur um die großen Ereignisse. Man kennt es auch aus dem eigenen Alltag: Prüfungen rücken näher und der Stoff wird nicht weniger. Der Lauf, bei dem man sich in einem Anflug von Übermut angemeldet hat, ist bereits in einem Monat, aber die Pace wird nicht besser. Doch wie konsequent hat man wirklich daran gearbeitet?
Die Krux mit den Zielen
Man möchte mehr Sport machen, sich gesünder ernähren, beweglicher werden, mehr schreiben, das Fliegenfischen oder eine Fremdsprache lernen. Die Palette an möglichen Themen, für die man brennen kann, ist grenzenlos. Aber dann liegt man am Abend im Bett und kurz, bevor man von den letzten diffusen Gedanken in den Schlaf hinübergleitet, fällt es siedend heiß ein: Man hat es nicht erledigt. Schon wieder nicht. Aber morgen, morgen wird es ganz bestimmt passieren. Da steht man ganz früh auf, erledigt die Dinge für die Uni und übt dann zwei Stunden lang Gitarre. Ach ja, Tante Mitzi hatte zum Kaffee eingeladen und am Abend ist ein Konzert. Dann übt man eben am nächsten Tag. Oder am übernächsten.
Der Begriff „Disziplin“ ist geläufig. Man sollte diszipliniert sein, diszipliniert arbeiten, die eigenen Handlungen beherrschen, um zum Erfolg zu kommen. Oder wir nennen es Beharrlichkeit. Beharrlich an einer Sache arbeiten, an ihr kleben wie ein Kaugummi unter den Schreibpulten der Hörsäle oder Hundekacke an den Sohlen der Laufschuhe. Beharrlich an etwas zu arbeiten heißt, es regelmäßig zu tun. Jeden Tag 15 Minuten an etwas zu arbeiten klingt nicht nach viel Zeit, auf ein Jahr gerechnet ist es dies aber sehr wohl. Genauer gesagt handelt es sich hier um 5.474 Minuten oder circa 90 Stunden. Wie viel Zeit verbringt man an einem normalen Tag auf Facebook, Instagram und Co.?
Paradebeispiel Laufen
Wer dran bleibt, wird irgendwann bemerken, dass es von Tag zu Tag leichter fällt. Man schnürt die Laufschuhe, egal, ob es regnet oder die Sonne scheint. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob man laufen geht, sondern eher die Frage, wie man es am besten in den Tagesablauf integriert. Beharrlich etwas zu machen heißt, dass man es auch angeht, wenn man mal keine Lust darauf hat – wenn es schon spät ist und der Tag lang war. Und nach ein paar (Kilo-)Metern wird man wahrscheinlich auch merken, wie gut es tut. Es geht dabei nicht darum, sich selbst zu überfordern. Wenn man einen schlechten Tag hat, läuft man weniger. Der Trick ist hier dann wiederum, nicht jeden Tag zu einem schlechten zu erklären. Und wenn man sich einen Trainingsplan vorgenommen hat? Dann führt kein Weg daran vorbei.
Der steinerne Weg
Es gibt tausende Ratgeber, die einem helfen sollen, sich selbst besser zu organisieren. Man könnte ein ganzes Semester damit verbringen, sich mit den Ratschlägen verschiedenster Menschen auseinanderzusetzen – und viele sind vielleicht auch sinnvoll. Man kann sich einen Kalender kaufen, einen Zeitplan erstellen oder eine App herunterladen. Doch wenn man nicht anfängt, etwas zu tun, dann ist das alles vergebliche Liebesmüh.
Klebt euch Post-Its auf euren Spiegel, bucht Onlinekurse. Macht alles, was euch dabei hilft, produktiv zu sein – aber fangt damit an. Und macht weiter. Es gibt keine Zauberformel, die den steinernen Weg in eine Wasserrutschbahn verwandelt. Doch wer lernt, konsequent an etwas zu arbeiten, kann am Ende nur profitieren.
Tipps zur Umsetzung
- Nicht zu viel vornehmen: Wer nie Sport gemacht hat, wird eine tägliche zweistündige Workout-Session nicht durchziehen. Es ist besser, klein anzufangen und Pausetage einzuplanen.
- Die wichtigsten Dinge aussuchen: Töpfern lernen oder einen Roman zu schreiben klingt faszinierend? Überleg, was dir wirklich wichtig ist. Es kann auch konsequent sein, Dinge wegzulassen.
- Keine Ausreden
- Routinen und Gewohnheiten etablieren: Es hilft, die Vorhaben fix in den Tag einzuplanen. Der Spaziergang kommt gleich nach dem Frühstück und die Meditation vor dem Schlafengehen.
- Mitstreiter suchen: Wenn der Kollege vor der Haustür steht, kann man sich vor dem Laufen nicht drücken.
- Oder nicht darüber reden: Die Freunde können die Liebe zum Tomatenzüchten nicht nachvollziehen oder machen sich darüber lustig? Manchmal hilft es, einfach nichts davon zu erzählen.
- Anfangen und Dranbleiben: Wenn Rückschläge kommen – und sie werden kommen – lass dich nicht aufhalten.