Schon den alten Griechen war Traumdeutung ein Begriff. Artemidor von Daldis durfte Traumdeutungen im zweiten Jahrhundert sogar zu seinem Beruf machen. Der griechische Arzt Hippokrates von Kos sollte vor allem Medizinstudierenden ein Begriff sein – auch er nutzte Traumdeutung. Und zwar als Diagnoseinstrument. Seine These? Im Schlaf entspannt sich der Körper, und der Organismus kann sich gänzlich dem Körperempfinden widmen. Träumt der Geist also von schönen Motiven, so ist der Körper gesund. Leidet er jedoch an Albträumen, weist dies laut Hippokrates auf Krankheiten hin. Und wer könnte je den guten alten Sigmund Freud vergessen? Laut ihm offenbaren unsere Träume unterbewusste Wünsche und Empfindungen, die am Tag unterdrückt werden. Egal ob Treppen, Taranteln oder Tulpen, bei Freud läuft alles auf Sex hinaus. Differenzierter geht da Jung vor, laut dem jedes Traumsymbol für weitreichende Archetypen steht, die individuell interpretierbar sind. Für alle, die Einblick in die häufigsten Traumsymbole wollen und sich nicht von Freuds lüsternen Blick abschrecken lassen: Augen auf und ab in die Welt der Träume.
Spinnen, Schlangen und Ungeziefer
Schon im Wachzustand bereitet der Gedanke an die Kleintiere meist keine Freude. Die Trauminterpretation ist hier also recht einfach: Wir fürchten sie und daher begleiten sie uns sogar in den Schlaf. Freud sieht das Ganze etwas komplexer: Spinnen, kleine Tiere und Ungeziefer sind für ihn Sinnbilder für kleine Kinder. Und die Schlange? Laut Freud Sinnbild für das stolzeste männliche Sinnesorgan.
Fallen
Wie bei einem realen Fall geht dieses (Alb-) Traumszenario mit Kontrollverlust einher. Als Sinnbild kann Fallen in vielerlei Hinsicht ausgelegt werden: Man kann in Ungnade fallen, auffallen, aus der Rolle fallen. Aber in allen Fällen ist der Fall ein Zeichen für Überforderung, der wir zum Opfer fallen. Gleichzeitig kann dies aber auch bedeuten, dass es Zeit wird, etwas loszulassen und sich dem Fall hinzugeben.
Prüfungssituation
Der Albtraum aller Studierenden. Prüfung. Seien es Flashbacks zur Matheschularbeit in Schulzeiten oder zum Examen vom Vortag. Naheliegenderweise bedeutet dieser Traum Stress und Leistungsdruck. Die gute Nachricht? Die Erleichterung, wenn man die Augen öffnet und kein Fetzen vor einem liegt.
Verfolgungsjagd
Schon der Gedanke, verfolgt zu werden, löst Stress aus. In Traumsprache könnte dies ein Sinnbild für das Weglaufen vor Alltagsproblemen oder Konfrontation sein. Wie bei Albträumen enden solche Situationen im echten Leben oft durchs Augen öffnen: Nämlich, indem man die Gefahr zulässt und sich der Angst stellt.
Nackt in der Öffentlichkeit
Wer kennt‘s nicht. Da ist man an der Uni und auf einmal merkt man, dass man die Klamotten daheim vergessen hat. Klassiker. Zumindest in der Traumwelt (oder so mancher Traumvorstellung). Nacktheit geht oft mit Verletzlichkeit einher und kann daher auf Unsicherheiten hinweisen. Oft weist es auf eine unterbewusste Sehnsucht nach Sicherheit hin und äußert ein Bedürfnis, sich einer anderen Person in sicherem Kontext zu offenbaren (was, wohlgemerkt, nicht gleichbedeutend mit Blankziehen ist. Aber wer weiß.)
Tod
Beginnen wir am Ende. Für die meisten, Ausnahmen angenommenerweise ausgenommen, ist der Tod keine freudige Angelegenheit. Doch was hat es zu bedeuten, wenn wir ihm im Traum begegnen? Laut traditioneller Traumdeutung müssen Träume metaphorisch aufgefasst werden. Der Tod kann auch ein sinnbildliches Ende darstellen und somit auf Veränderung hinweisen. Diese mag zwar auch nicht immer erfreulich sein, jedoch ist sie oft notwendig und in vielen Fällen sogar langfristig positiv. Allerdings macht es auch einen Unterschied, wessen Tod man sich erträumt. Ist man nämlich selbst dem Sensenmann zum Opfer gefallen, so kann dies auf einen anbahnenden Rückschlag hinweisen. Ist es ein Unsympathler, steht es eher für eine Konfrontation mit negativen Aspekten im Leben. Produktiv kann diese Traum-Metapher dafür genutzt werden, den eigenen Ist-Zustand ins Auge zu fassen und zu überlegen, welche Aspekte Veränderung verdienen. Tod den alltäglichen Störenfrieden. Im Sinne der Veränderung, versteht sich.
Zahnverlust
Traum eines jeden Zahnarztes, Albtraum für Normalsterbliche. Wie beim Adventkranz heißt es: erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dann steht der Leichenwagen vor der Tür. Der Traum von herausfallenden Zähnen kann auf ein Gefühl von Hilflosigkeit hinweisen. Also darauf, dass es eine missliche Situation im Leben gibt, der man sich ausgeliefert fühlt. Begibt man sich tiefer in die Ebene der Metaphern, kann Zahnverlust auch Kommunikationsprobleme bedeuten – im Alltag werden die Zähne zusammengebissen, Worte hinuntergeschluckt, und im Traum steht man dann mit leerem Mund da. Interessanterweise erleben Frauen diesen Traum öfter als Männer.
Freud interpretiert den Zahnverlust als ein Bedürfnis nach Masturbation, welche durch das Ziehen der Zähne bestraft wird. Zahnausfall steht für ihn also, wie auch Träume von Haarausfall, für Kastrationsangst. In jedem Falle ein unangenehm ausfallendes Unterfangen.
Fliegen
Statt bergab geht es hier bergauf. Fliegen ist ein Gefühl von Freiheit. Entweder gelebte Freiheit oder das Streben danach. So kann ein Traum vom Fliegen auf den Wunsch hindeuten, seinen Problemen zu entfliehen und sich (vom Boden) loszulösen. Jedoch kann es auch bedeuten, dass man bereits abgehoben hat und den eigenen Überflug einfach genießt. Fühlt man sich jedoch nicht ganz schwindelfrei, so kann es daran liegen, dass man sich im realen Leben oftmals fühlt, als hätte man keinen Boden unter den Füßen. Freud wiederum interpretiert Fliegen als das Bedürfnis nach Sex. Und auch sein Zeitgenosse Alfred Adler sieht den Traum in einem Beziehungskontext – nämlich als Wunsch auf Machtausübung innerhalb der Beziehung. Die moderne Psychoanalyse nach Jung deutet diesen Traum hingegen als Drang nach Befreiung.