Zitate und Sprüche – das täglich Brot der Kalenderindustrie. Die Rendite ist dabei praktisch unabhängig vom Wahrheitsgehalt: Hätte Albert Einstein wirklich all die schlauen Aphorismen losgelassen, die ihm nachgesagt werden, hätte er wohl keine Zeit mehr für seine Physik gehabt. Für Zitatwebsiten rollt der Rubel trotzdem. Wichtiger als die Echtheit des Gesagten ist die Bekanntheit des angeblichen Sprechers.
Die Sprüche sind natürlich noch gewichtiger, wenn sie in entscheidenden Momenten gesagt werden: Beim Machen einer Entdeckung, nach Gewinnen einer Schlacht oder vor dem Verlieren der finalen – des Todeskampfes. Besonders die letzten Worte, die jemand der Nachwelt hinterlässt, stehen symbolisch für ein ganzes Leben.
Schwanengesang und der Kreis des Lebens
Es gibt Menschen, die nicht nur für ihre Kunst leben, sondern gewissermaßen auch dafür sterben. So beispielsweise die Primaballerina Anna Pavlova. Sie war ironischerweise vor allem bekannt für ihre Darbietung des Sterbenden Schwans, ein Tanz zur Musik von Camille Saint-Saëns, der speziell für sie choreografiert wurde. Als sie mit einer Lungenentzündung im Sterben lag, sollen ihre letzten Worte gewesen sein: „Bereite mein Schwanenkostüm vor!“ Sie starb, wie sie lebte. Eine lebensrettende Operation hatte sie abgelehnt, weil sie danach nie wieder hätte tanzen können.
Auch der griechische Mathematiker Archimedes hatte in seinem letzten Moment nur seine Disziplin im Kopf. Er soll gerade über geometrische Figuren nachgedacht haben, als ein römischer Soldat ihn angriff. „Störe meine Kreise nicht!“, sollen seine letzten Worte zu dem Soldaten gewesen sein, bevor er von diesem getötet wurde.
Ein letztes Wort dem Henker
Bevor das Erschießungskommando das Todesurteil gegen den Mörder James W. Rodgers vollstreckte, wurde dieser gefragt, ob er einen letzten Wunsch habe. Schlagfertig wie eh und je antwortete dieser: „Eine kugelsichere Weste.“
Ikonisch auch die letzten Worte des Tiroler Freiheitskämpfers und verehrten wie umstrittenen Volkshelden Andreas Hofer, der bei seiner Hinrichtung durch Erschießen zu den Schützen gesagt haben soll: „Ach, wie schießt ihr schlecht!“
Freudige Erwartung aufs Jenseits
Viele hoffen in ihren letzten Stunden auf ein eventuelles Wiedersehen mit ihren bereits verstorbenen Liebsten. Otto von Bismarcks Frau Johanna war einige Jahre vor ihm verstorben; mit seinen letzten Atemzügen soll er gesagt haben: „Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe.“ Andere hoffen nicht auf ein Wiedersehen, sondern gar auf neue Bekanntschaften: Der Schriftsteller Theodore Dreiser starb angeblich mit den Worten: „Shakespeare, ich komme!“
Mit Feuerwaffen spielt man nicht
Besonders makaber sind jene letzten Worte, die keine hätten sein sollen. Der Musiker Johnny Ace spielte während einer Pause seiner Show mit einem Revolver und sagte: „Ich zeig dir, dass er nicht schießen wird.“ Ein Schuss löste sich und führte zu Aces Tod.
Ähnlich erging es Terry Kath, Mitglied der Band Chicago. Er hob im Scherz eine angeblich ungeladene Pistole zu seiner Schläfe und fragte ein Crewmitglied „Was denkst du, dass ich jetzt mache? Mir eine Kugel durch den Kopf jagen?“ Er drückte den Abzug, um zu demonstrieren, dass die Waffe ungeladen sei. Leider war sie das nicht, und Kath sofort tot.
Der Kleriker und dessen großer Boss
Sterbenden stehen oft Geistliche zur Seite, die beispielsweise die Krankensalbung durchführen, beten oder Seelsorge leisten. Nicht immer ist das erwünscht: Ein Priester soll an den im Sterben liegenden Dramatiker Wilson Mizner herangetreten sein und gesagt haben: „Sie wollen sicher mit mir sprechen.“ Mizner soll geantwortet haben: „Wieso sollte ich mit Ihnen sprechen? Ich habe gerade mit ihrem Boss gesprochen.“
Der Jesuit Alfred Delp wurde 1945 wegen seiner Rolle im katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zum Tode verurteilt. Als überzeugter Christ wohl wartend auf das Leben nach dem Tod, sagte er kurz vor seiner Hinrichtung zum anwesenden Gefängnispfarrer: „In wenigen Augenblicken werde ich mehr wissen als Sie.“
Das Unbekannte durch den Nebel sehen
Was wirklich nach dem Tod kommt, kann keiner wissen, der noch lebt. Wer stirbt, muss ins Unbekannte übertreten. Die Dichterin Emily Dickinson soll verschieden sein mit den Worten: „Ich muss hineingehen, der Nebel steigt auf.“ Nicht besonders gut belegt, aber eindrucksvoll die angeblichen letzten Worte des französischen Autors François Rabelais: „Ich gehe, ein großes Vielleicht zu suchen.“