Was wir als Erstis gern gewusst hätten

von UNIpress
Lesezeit: 7 min
Der Anfang des Studiums ist eine aufregende, tolle, herausfordernde Zeit. Die Redakteurinnen und Redakteure von UNIpress verraten, was sie damals gern gewusst hätten.

Katharina Isser (24): Es gibt so einiges, was ich gerne gewusst hätte. Angefangen dabei, dass man die Familienbeihilfe verliert, wenn man nach dem zweiten Semester das Studium wechselt. Auch, wenn man mehr als zweimal wechselt, erlischt der Anspruch. Hätte ich das gewusst, hätte ich vielleicht nicht erst im dritten Semester mein Studium gewechselt, sondern schon früher den Mut gefasst, auf mein Bauchgefühl zu hören. Denn was ich auch gerne gewusst hätte, ist: Den Studiengang zu wechseln, würde sich als eine der besten Entscheidungen meines Lebens herausstellen.

Außerdem: Uni-Romanzen können Freundesgruppen zerstören und Seminare sehr unangenehm machen – und sich trotzdem lohnen, allein für die Erfahrung. Vormittags-LVs sind manchmal hart, aber bringen dich aus dem Bett und lassen dich den Tag produktiv beginnen. Und es gibt unglaublich viele Angebote und Anlaufstellen für Studierende, zum Beispiel die ÖH-Referate oder das Zuhörtelefon Nightline, die du nutzen kannst und solltest, wenn du sie brauchst.

Lisa Heigl (27): Was ich gerne gewusst hätte: das Selbsterhalterstipendium ist an eine Frist gekoppelt. Man muss seinen Master spätestens 30 Monate nach dem Abschluss des Bachelors beginnen, ansonsten entfällt die Förderung. Hätte ich das früher gewusst, wären so manche nächtliche Überlegungsschleifen entfallen, ich hätte meinen Job viel früher gekündigt und mich in meinen Master gestürzt.

Und dass man sich für die USI-Anmeldungen am besten den Wecker etwas früher stellt, um noch Kaffee-Zeit einzuplanen – das würde einige falsche Buchungen ersparen.

Selina Stadler (22): Rückblickend erscheint mir vieles im Studium total logisch, aber als Ersti war ich einfach nur überfordert. Zum Beispiel wusste ich überhaupt nicht, dass man sich bereits vor Semesterbeginn zu den Kursen anmelden muss. Ich dachte, man geht in der ersten Woche einfach hin und bekommt dann Infos, wie und zu welchen Kursen man sich anmelden muss. Als ich dann erfahren habe, dass das alles schon vorher online und selbstständig passiert, wusste ich weder, wo ich mich anmelden muss, noch welche Kurse ich überhaupt wählen sollte.

Etwas, das ich auch erst später gelernt habe: Man sollte das studieren, was sich richtig anfühlt, und nicht das, was „alle anderen“ machen oder was man glaubt, machen zu müssen. Schließlich gestaltet man mit dieser Entscheidung seine eigene Zukunft. Ich habe das durch meinen Studienwechsel selbst erfahren und es war die beste Entscheidung überhaupt.

Ein weiterer Punkt ist das riesige Sportangebot der USI. Im ersten Semester habe ich nur gehört, dass andere zu Sportkursen gehen, und mich erst viel später selbst damit beschäftigt. Seitdem habe ich dort richtig tolle und abwechslungsreiche Kurse entdeckt, die nicht nur Spaß machen, sondern auch ein super Ausgleich zum Lernstress sind.

Und zuletzt ein kleiner, aber wichtiger Tipp: Bei manchen Studiengängen sind bereits Kurse aus dem ersten Semester Voraussetzung für jene im zweiten. Deshalb lohnt es sich, gleich beim ersten Prüfungstermin anzutreten. Wenn man die Prüfung nicht gleich besteht und den Kurs bis Semesterende nicht abschließt, kann man sich oft nicht für alle Kurse im nächsten Semester anmelden. Das kann sich über mehrere Semester ziehen und das Studium unnötig verlängern.

Marie Eisele (21): Ich glaube, als Ersti ist jeder ein bisschen verloren. Ich zum Beispiel hatte anfangs starke Orientierungsprobleme. Am ersten Tag meines ersten Semesters stand ich total planlos in der Uni. Mit der Zahlenkombination 50105/2 SR konnte ich rein gar nichts anfangen. Der Campus Wegweiser in der App zeigte mir nur, in welchem Gebäude sich dieser mysteriöse Raum befand, aber leider nicht, in welcher Etage. Zum Glück kam ich auf die Idee, am Infopoint nachzufragen. Auch ältere Studierende konnten mir in meinen ersten Wochen häufig weiterhelfen. Mit der Zeit lernte ich die Uni besser kennen. Außerhalb des Geiwi-Turms habe ich das System, mit dem die Räume benannt werden, leider immer noch nicht durchblickt. Letzte Woche saß ich eine Viertelstunde lang im falschen Seminarraum, bis mir mein Fehler auffiel. Ich kann allen raten, zweimal zu checken, ob die Raumnummer in der App mit der Nummer am Raum übereinstimmt. Und am ersten Tag eines neuen Semesters lieber zu früh als zu spät in die Uni zu kommen.

Sophie Gasser (21): Aller Anfang ist (potentiell) schwer – für viele oder gar die allermeisten auch der Start ins Studium. Wenn ich mich an meine Zeit als Ersti zurückerinnere, dann habe ich mich doch etwas verloren gefühlt – neue Stadt, neue Menschen, ein ungewohnter Studienalltag und das erste Mal so richtig von zuhause weg. Rückblickend war mein Motto learning by doing, auch wenn ich das zu jener Zeit weitaus weniger entspannt gesehen habe. OLAT, STEOP, Vorlesung ohne Anwesenheitspflicht, Proseminar mit Anwesenheitspflicht, GeiWi-Turm Stock 11 – naja, anfangs war alles ein wenig fremd, aber das hat sich schnell geändert. Als Ersti mag es sich einerseits so anfühlen, als würde man ins kalte Wasser geworfen werden, andererseits ist man aber nicht alleine damit – und so würde meine Empfehlung an alle diejenigen, die ihr Studium beginnen, lauten: Nutzt die Gelegenheit, neue Menschen kennen zu lernen. Lernt Mitstudierende kennen, knüpft Kontakte, tauscht euch aus. Das mag introvertierte Personen (wie auch ich es bin) nicht besonders erfreuen, es erleichtert den Alltag aber bedeutend – sei es, um ganz eigennützig an eine Mitschrift aus einem verpassten Seminar zu kommen, aber auch für ein wenig Gesellschaft in der kurzen Kaffeepause zwischen zwei Vorlesungen. Und wer weiß, vielleicht entsteht daraus auch die eine oder andere Freundschaft.

Und nun noch zu einem konkreten Tipp, den ich gerne in meinem ersten Semester gewusst hätte (und mir so die ein oder andere unangenehme Situation hätte sparen können): Die Arbeitsplätze in der Bibliothek werden über eine App im Voraus reserviert. Setzt man sich einfach auf einen vermeintlich freien Platz (der aber eigentlich schon reserviert ist), läuft man Gefahr, innerhalb der nächsten zehn Minuten verschickt zu werden 😉

Antonio Dordic (22): Ich bestreite nun mein zweites Semester und fühle mich im Grunde immer noch wie ein Ersti, da ich so viele Dinge rund um das Studieren noch nicht ganz durchblickt habe. Die wichtigsten Dinge, wie Präsenz zu zeigen und die Sorgen tatsächlich nicht auf Morgen zu verschieben, klappen aber schon ganz gut. Ein guter Rat, speziell für jene, die im Sommersemester anfangen: Nicht alle Lehrveranstaltungen werden jedes Semester angeboten. Plant im Voraus, welche Lehrveranstaltungen ihr besuchen könnt und füllt die restlichen Ects mit anrechenbaren Wahlfächern ein, um kein Studier-Chaos im zweiten Semester zu haben. Der wichtigste Rat, den ich euch jedoch geben kann, ist immer nach Hilfe zu fragen, wenn etwas unklar ist. Eure Professoren sowie Kommilitonen helfen euch gerne. Ihr seid nicht allein!

Johanna Korell (22): Viele meiner Fragen konnten mir damals schon bei der Beratungsstelle der Uni am Innrain oder bei den Ersti-Veranstaltungen beantwortet werden. Ich empfehle wirklich jedem, eine Campus-Tour und eine Bib-Tour zu besuchen.

Ich hätte jedoch gerne gewusst, dass 60 ECTS im ersten Semester sehr überfordernd sein können. Nicht unbedingt während des Semesters – da hatte alles noch Stundenplancharakter wie in der Schule. Der Eklat kam erst zum Semesterende, in der Klausurenphase und als die Schreibabgaben anstanden. Ich habe das absolut nicht geschafft und bin völlig versunken. Das Arbeitspensum ist nämlich nicht wie in der Schule auf die Lehrveranstaltungen selbst konzentriert, sondern erfordert viel Vor- und Nachbereitung, die man sich selbst einräumen muss. Mein Rat: Lieber entspannt ein Studium als drei auf einmal beginnen.

Dann zu ein paar kleineren Punkten, die ich erst viel später selbst entdeckt habe:

  • Dass es eine Kopierkarte in der Studia gibt, die man mit Punkten aufladen kann – und dass die Drucker manchmal etwas zickig sind. Es liegt also nicht an der eigenen Inkompetenz, wenn sie mal nicht drucken.
  • Dass es coole Wahlpakete gibt, die es sich lohnt, im Vorhinein auszuchecken, um die richtigen Module dafür zu belegen.
  • Dass Seminararbeiten gar nicht so angsteinflößend sind und oft viel weniger Zeitaufwand brauchen, als man denkt, um eine positive Beurteilung zu bekommen.
  • Dass man nach drei Jahren Hauptwohnsitz in Innsbruck Anspruch auf Mietzinsbeihilfe mit bis zu 200 Euro Zuschuss haben kann.
  • Und dass man der UNIpress einfach eine E-Mail schreiben kann, wenn man mitmachen möchte.

Abschließend sei gesagt: Im Gespräch mit anderen habe ich festgestellt, dass sehr viele im ersten Semester struggeln – und dass die Welt nicht untergeht, wenn man mal durch eine STEOP-Prüfung fällt, sich von einem Seminar abmeldet oder es wiederholt. Alle sind ein bisschen lost – auch wenn es nicht so wirkt: Ihr schafft das!

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