Fünf Fragen an die Fraktionen: VSStÖ

von UNIpress
Lesezeit: 3 min
Philomena Gogala: Die Innsbrucker Spitzenkandidatin des VSStÖ (Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich) im Interview zur ÖH-Wahl.

UNIpress: In einem Satz: Was möchtest du erreichen?

Philomena Gogala: Wir möchten, im weitesten Sinn, die Hochschule zu einem gerechten Ort machen, der sich vor niemandem verschließt und freie Bildung für ausnahmslos alle bietet – konkret bedeutet das an der LFU die finanzielle Entlastung und Unterstützung von Studierenden sowie die Förderung emanzipatorischer Bildung und antidiskriminierender Universitätsstrukturen.

UNIpress: Was ist dein Standpunkt zu Aufnahmetests und Studiengebühren?

Gogala: Als VSStÖ stellen wir uns grundsätzlich gegen jedwede Form sozialer Auslese – deshalb darf der Geldbeutel der Eltern nicht darüber bestimmen, ob Menschen studieren können oder nicht. Auch Aufnahmetests grenzen aus – wie sich am Beispiel des Medizinaufnahmeverfahrens zeigt, um das sich eine ganze Industrie der Vorbereitungskurse gebildet hat.
Ebenso tragen Studiengebühren zur sozialen Auslese bei. Denn wenn wir nicht in der Mindeststudienzeit plus der Toleranzsemester fertig studieren, müssen wir diese bezahlen. Dadurch entsteht ein enormer Leistungsdruck, denn es gibt viele Gründe, warum wir Studierende länger brauchen. Wir als VSStÖ stellen uns deshalb ganz klar gegen jede Art von Studiengebühren, denn Bildung ist ein Menschenrecht und sollte für jede*n frei zugänglich sein. Sonst wird Bildung vererbt und finanziell schwächere Menschen werden strukturell ausgeschlossen. Wir fordern deshalb die gänzliche Abschaffung jeglicher Studiengebühren und Aufnahmetests – Bildung ist für alle da!

 

© VSStÖ

Philomena Gogala

Philomena Gogala ist Spitzenkandidatin des VSStÖ (Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich Innsbruck)


UNIpress: Was ist deiner Meinung nach das größte Problem der Studierenden und wie würdest du es lösen?

Gogala: Unsere Fraktion kritisiert seit langem die erhebliche finanzielle Belastung der Studierenden. Ohne starke Hilfsfonds sind eine große Anzahl von uns Studierenden auf geringfügige Anstellungen oder Teilzeitarbeit angewiesen. 70% der Student*innen müssen so neben dem Studium arbeiten gehen, um es sich finanzieren zu können. Und dann lässt sich Studieren und Arbeiten kaum vereinbaren. Das sind Verhältnisse, die sich gerade aufgrund der Novellierung des Universitätsgesetzes und der COVID-19-Pandemie weiter zugespitzt haben: Der Druck auf Studierende, Leistung zu erbringen und dafür noch finanziell höhere Lasten zu tragen, steigt weiter an und Hilfsleistungen erfahren nur die Wenigsten.
Hier gibt es einige Stellschrauben, an denen die ÖH drehen könnte, wie erweiterte Beurlaubungsgründe, ausgebaute Beihilfensysteme, eine generelle Abschaffung der Studiengebühren und Mindestleistungen, ein Modell für Teilzeitstudien sowie eine Harmonisierung der ECTS, sodass das Arbeiten neben dem Studium leichter wird.

UNIpress: Was entgegnest du kritischen Stimmen, die sagen, dass Hochschulpolitik wenig bewirken kann?

Gogala: Hochschulpolitik kann sehr wohl wichtige Verbesserungen für Studierende erwirken. Die ECTS-Anforderungen können an die Bedürfnisse der Studierenden angeglichen werden, Studierende können ermächtigt werden, ihre Interessen gegebenenfalls entgegen dem Universitätspersonal und dem Willen der Unterrichtenden durchzusetzen und der Studierenden-Wohnmarkt kann unter Druck gesetzt werden, um Wohnraum für Studierende zu reservieren und leistbar zu machen. Das sind nur einige relevante Beispiele.

UNIpress: Welche Forderung der anderen Fraktionen findest du am sinnvollsten?

Gogala: Mehrere Fraktionen sind sich im Rahmen ihrer Programme einig, dass der Wohnungsmarkt sich unseren Bedürfnissen als Studierenden annehmen muss – dabei fällt besonders oft die Forderung nach der Mietzinsbeihilfe ab dem ersten Tag, um die sich die ÖH in den letzten Jahren leider trotz dieser Forderung nicht ausreichend bemüht hat. Wir vertreten die Meinung, dass gerade im Bereich der Existenzsicherung keine Kompromisse gemacht werden dürfen – der Unwille, an den bestehenden Verhältnissen zu rütteln, ist wohl das größte Versäumnis der ÖH-Leitung der letzten Jahre. Ansonsten sehen wir spezifisch im Bereich des Feminismus, der uns eine Herzenssache ist, einiges an Übereinstimmungen mit den linken Fraktionen der ÖH, angefangen bei der Einführung kostenloser Menstruationsartikel an den Hochschulstandorten und im größeren Maße bei der Förderung von Frauen* in Forschung und Lehre.

UNIpress: Vielen Dank für deine Antworten.

Weitere Informationen: VSStÖ

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