„Welcher Berg hier ist der höchste? Schätzt mal.“ Es ist eines dieser Rätsel, die auf einer Hütte länger andauern, als sie eigentlich müssten. Ein paar Blicke wandern über die Gipfelkette. Es wird gezeigt, verworfen, neu überlegt. Eigentlich erstaunlich, womit man sich nach einem langen Aufstieg beschäftigen kann. Vielleicht verschiebt so ein Wochenende im Gebirge einfach die Maßstäbe. Unten wird der Alltag in Terminen und To-Dos vermessen, hier oben beschäftigt uns minutenlang die Frage, welcher Felszacken ein paar Höhenmeter mehr misst als der daneben. Die Antwort hätte in Sekunden auf dem Bildschirm gestanden. Aber sie durfte warten. Gespräche kommen und gehen wie die Wolken, man setzt sich zu Leuten, die man gestern noch nicht kannte und ist im Hier und Jetzt präsent. Man lebt für drei Tage aus einem vollgepackten Rucksack, übernachtet mit Schlafsack im Matratzenlager, tauscht urbanen Komfort gegen eine schöne Form von Einfachheit, die sich irgendwo zwischen Kartenspielen, Kartenlesen und den kleinen Augenblicken der Stille von selbst einstellt. Vielleicht habe ich mir nicht gemerkt, welcher Berg hier der höchste ist, aber ich habe Erinnerungen mitgenommen an Stunden, die sich weder gedrängt noch gedehnt anfühlten. An gemeinsames Staunen, Scherzen, Schweigen. Und an die Leichtigkeit, mit der aus Einzelnen ein Miteinander wurde
