100 Jahre zuvor…

von Lena Hallbrucker
Lesezeit: 5 min
„Die Goldenen Zwanziger“ – was heute ein beliebtes Motto für Geburtstagsfeiern ist, war für die gesellschaftliche Entwicklung in Europa ein Meilenstein ohnegleichen. Doch was genau „vergoldete“ die Zwanziger-Jahre des 20. Jahrhunderts eigentlich? Und ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Die Lage in Deutschland und Österreich war nach Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 noch alles andere als golden. Ein verlorener Krieg, politische Umorientierung, Hunger, Wohnungsnot, Massenstreiks, Arbeitslosigkeit und Putschversuche – es musste eine Rettung her. Diese Rettung war im Jahr 1923 die Einführung der Rentenmark in Deutschland, 1925 folgte der Schilling in Österreich. Die Wirtschaft erholte sich und das Volk konnte aufatmen.

Berlin – die schöne Stadt, in der das Laster sehr wohl eine Chance hat

Und wie das Volk aufatmete! Von 1924 bis 1929 folgten die „Goldenen Zwanziger-Jahre“.  Heute assoziieren wir diese Zeit mit rauchenden Frauen mit Kurzhaarfrisur in glitzernden kurzen Kleidern, eleganten Männern im Dreiteiler und vor allem mit Jazzmusik und -tanz. Tatsächlich erlebten die Musik- und Kulturszene eine Blütezeit in diesen Jahren, ebenso die Wissenschaft. Diese positiven Veränderungen spielten sich jedoch ausschließlich in den größeren Städten ab, vor allem in Deutschland, während sich in den ländlichen Regionen wenig am Elend der Menschen änderte.

Bild 1: Marlene Dietrich, Stilikone der Zwanziger (Quelle: Wikimedia Commons)
Während in den Vereinigten Staaten in Folge der Prohibition jeglicher Alkoholkonsum verboten war (manche behaupteten, solch eine Absurdität könne auch nur den Amerikanern einfallen), entwickelte sich vor allem die deutsche Hauptstadt Berlin in den 1920ern zur pulsierenden Metropole der neuen Kulturszene und des Nachtlebens. Neben der Eröffnung zahlreicher Kinos schossen auch Tanzlokale und Nachtklubs quasi aus dem Boden. Schnell entwickelte sich Berlin als Hauptstadt des Verbrechens  zum Mythos und fasziniert bis heute. Um die neue wirtschaftliche Stabilität und das Leben nach dem Krieg zu feiern, wurden rauschende Ballnächte und legendäre Partys gefeiert. Zur Normalität gehörten auch „Transvestitenbälle“, die sich bereits während der Kaiserzeit unter dem hohen Adel etabliert hatten. In ganz Berlin flossen auch Rauschmittel, und zum ersten Mal wurde Kokain zur alltäglichen Volksdroge. Daran war ausgerechnet die damalige Reichswehr stark beteiligt, da das Heer Kokain in großen Mengen zur Betäubung und Schmerzlinderung sowie Konzentrationssteigerung eingesetzt hatte. Von der Vergnügungs- bis zur Intellektuellenszene erfreute sich die neue Droge großer Beliebtheit. Einmal in Umlauf gebracht, konnten weder Politik noch Polizei den zur Normalität gewordenen Kokainkonsum eindämmen.

Coming out of the closet

Während in den Vereinigten Staaten in Folge der Prohibition jeglicher Alkoholkonsum verboten war (manche behaupteten, solch eine Absurdität könne auch nur den Amerikanern einfallen), entwickelte sich vor allem die deutsche Hauptstadt Berlin in den 1920ern zur pulsierenden Metropole der neuen Kulturszene und des Nachtlebens. Neben der Eröffnung zahlreicher Kinos schossen auch Tanzlokale und Nachtklubs quasi aus dem Boden. Schnell entwickelte sich Berlin als [kursiv_anfang] Hauptstadt des Verbrechens [kursiv_ende] zum Mythos und fasziniert bis heute. Um die neue wirtschaftliche Stabilität und das Leben nach dem Krieg zu feiern, wurden rauschende Ballnächte und legendäre Partys gefeiert. Zur Normalität gehörten auch „Transvestitenbälle“, die sich bereits während der Kaiserzeit unter dem hohen Adel etabliert hatten. In ganz Berlin flossen auch Rauschmittel, und zum ersten Mal wurde Kokain zur alltäglichen Volksdroge. Daran war ausgerechnet die damalige Reichswehr stark beteiligt, da das Heer Kokain in großen Mengen zur Betäubung und Schmerzlinderung sowie Konzentrationssteigerung eingesetzt hatte. Von der Vergnügungs- bis zur Intellektuellenszene erfreute sich die neue Droge großer Beliebtheit. Einmal in Umlauf gebracht, konnten weder Politik noch Polizei den zur Normalität gewordenen Kokainkonsum eindämmen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten stoppte diese Entwicklung ruckartig, der Paragraph 175 wurde sogar noch verschärft und erweitert. Während des NS-Regimes wurden homosexuelle und trans Menschen systematisch verfolgt und ermordet. Abgeschafft wurde der Paragraph erst vor knapp 30 Jahren, am 10.06.1994.

Studierende – emanzipiert, progressiv und … radikal?

Obwohl Universitätsstudien auch in den progressiven Zwanzigern noch der Oberschicht vorbehalten waren, erhöhte sich dennoch die Studentenquote. Durch die Gründung von Studentenwerken und Studentenwohnheimen erleichterte sich der Zugang zu einem Studium in der Stadt, außerdem wurde die Frauenquote an deutschen Universitäten in der Zeitspanne von 1921 bis 1931 mehr als verdoppelt. Allerdings teilte sich auch die Studentenschaft in politisch polarisierende Lager auf, und der Nationalsozialistische Studentenbund erreichte noch vor der Machtübernahme Hitlers an 28 deutschen Hochschulen die absolute Mehrheit. Das lag unter anderem auch an den Universitätsprofessoren und -professorinnen (im Jahr 1918 erhielten Frauen nicht nur das Wahlrecht, sondern konnten auch beruflich in die Hochschullehre gehen): Nur knapp 10 Prozent der deutschen Hochlehrerschaft bekannte sich offen zu den Werten und Zielen der neuen Weimarer Republik, während die übrigen 90 Prozent den Studentinnen und Studenten antiliberale und nationalistische Ansichtsweisen vermittelten, wie das Deutsche Historische Museum Berlin veröffentlicht hat.

Und in Innsbruck?

Von der neuen Musik- und Kulturszene in Deutschland bekam das kleine Innsbruck nicht viel mit – das bedeutet aber nicht, dass die Tiroler Hauptstadt nicht auf ihre eigene Art aufgeblüht ist: in der Architektur. Inspiriert von der deutschen Neuen Sachlichkeit und den US-amerikanischen Wolkenkratzern etablierte sich in Innsbruck um 1925 die sogenannte Tiroler Moderne. Während dieser Zeit entstanden viele Gebäude in der Innsbrucker Altstadt neu, wie beispielsweise das „Weinhaus Happ“ in der Nähe des Goldenen Dachl.

Bild 2: Das Weinhaus Happ in der Innsbrucker Altstadt (Quelle: privat)

Außerdem wuchs in der breiteren Bevölkerung die Sportbegeisterung, unter anderem vor allem für alpine Sportarten. Deshalb wurde in den 1920ern die Nordkette umgebaut: Einige wenige Grandhotels wichen im Zuge des Umbaus einer Infrastruktur für Sportbegeisterte. Im Jahr 1927 begann die Planung für die Seegrubenbahn.

Im Jahr 1926 wurde unter Rudolf von Ficker (lest den Namen ruhig nochmal, er steht wirklich so da) in Innsbruck das Institut für Musikwissenschaften gegründet, das seit 2018 im Haus der Musik untergebracht ist.

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