Spin-off-Unternehmen: Wenn Forschung zur Geschäftsidee wird

von Marie Eisele
Lesezeit: 5 min
Spin-offs sind Unternehmen, die sich aus der Arbeit von Studierenden und Forschenden an der Universität entwickeln. Die Universität Innsbruck gilt hier als Vorreiterin. Mitarbeitende des Innovationszentrums Inncubator und der Beteiligungsgesellschaft Uni-Holding erklären, wie der Weg von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen gelingt.

Stell dir vor, während deiner Arbeit an einem Forschungsprojekt für deine Abschlussarbeit erfindest du etwas ganz Neues. Etwas, das es so noch nie gab. Vielleicht hast du die Idee für einen 3D-Drucker, mit dem man ganze Brücken drucken kann oder für einen Test zur Prävention von Krebs. Vielleicht entdeckst du auch eine neue Art, Daten zu analysieren und aufzubereiten oder Unternehmen bei Fragen zur Nachhaltigkeit oder zum Personal zu beraten. 

Du bist dir sicher: Deine Erfindung wird sich verkaufen lassen. Also entschließt du dich, ein Unternehmen zu gründen. Gleich tauchen aber die ersten Probleme auf: Du kennst dich zwar in deinem Fachbereich perfekt aus, dir fehlt aber das Wissen darüber, wie man ein Unternehmen so gründet, dass es Erfolg hat. Ist dein Produkt wirklich schon dafür geeignet, auf den Markt zu kommen? Wie kannst du es weiterentwickeln? Wie willst du dein Produkt präsentieren, um Menschen darauf aufmerksam zu machen? Brauchst du ein Startkapital und wie sollst du dir das leisten? Wie baust du dir ein Netzwerk auf? Auch fällt dir auf, dass das Patent zu deiner Erfindung erst einmal gar nicht dir, sondern der Uni zusteht – insofern du an der Uni angestellt bist und die Idee bei einem universitären Projekt hattest.

Der lange Weg zur Gründung

Für viele ist die Uni-Holding Anlaufstelle für ein erstes Gespräch über die Geschäftsidee. Die Beteiligungsgesellschaft wurde mit dem Ziel gegründet, Ausgründungsvorhaben von Universitätsmitarbeitenden zu unterstützen. „Nach einem Erstgespräch mit uns leiten wir die potenziellen Gründer:innen meist an den Inncubator weiter“, erklärt Alexandra Hamm, die zusammen mit Annelie Gerstmayr das Büro für Beteiligungen und Spin-offs bildet.

Der Inncubator ist das Gründungs- und Innvationszentrum der Uni Innsbruck und der Tiroler Wirtschaftskammer. Wer eine innovative Geschäftsidee hat, kann hier im Trainingsprogramm die ersten Schritte in Richtung Unternehmensgründung gehen. „Was wir anbieten, ist ein klassisches Präinkubations- und Inkubationsprogramm“, sagt Robert Schimpf, der den Inncubator leitet. Damit ist gemeint, dass die Teilnehmenden wichtiges Know-How zur Gründung vermittelt bekommen und ihre Idee damit weiterentwickeln können. Es werden Chancen und Risiken der Gründung geklärt „Das Ziel ist, die Idee schnell weiterzuentwickeln und zu testen“, erklärt Schimpf, „so können die Teilnehmenden möglichst schnell entscheiden, ob sie ihre Gründungsidee weiter verfolgen wollen oder nicht.“ Wenn sowohl die potenziellen Gründer:innen als auch die Leitenden des Trainingsprogramms die Idee für erfolgversprechend halten, folgen die Entwicklung von Prototypen und Geschäftsstrategien sowie der Aufbau eines Netzwerks.

Neben dem Trainingsprogramm bietet der Inncubator potenziellen Gründer:innen weitere Hilfestellungen, wie einen Arbeitsplatz im Co-Working-Space und Zugang zu Werkstätten und Laboren, in denen sie ihre Prototypen entwickeln können. „Wir haben bisher über 500 Geschäftsideen betreut“, sagt Robert Schimpf. Bei der Hälfte sei es zur Unternehmensgründung gekommen.

Foto: unsplash

In Co-Working-Spaces können Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden. (Symbolbild)

Raus aus der Uni – aber immer verbunden

Nach der Gründung wenden sich die frischgebackenen Spin-off-Unternehmer:innen wieder an die Uni-Holding. Die Uni beteiligt sich als Gesellschafterin am Spin-off und trägt so einen Teil des Risikos mit. Läuft das Unternehmen gut und macht Gewinn, profitiert die Uni davon.

Meist hält anfangs die Universität das Patent für die Erfindung, auf der das Unternehmen basiert. Mit der Gründung geht das Patent an das Unternehmen über. Dann handelt die Uni-Holding mit dem Unternehmen aus, wie viel für das Patent gezahlt werden muss. „Mindestens müssen die Patentkosten zurückgezahlt werden“, sagt Alexandra Hamm. Dabei werde meist davon abgesehen, eine sofortige Einmalzahlung von den neugegründeten Unternehmen zu verlangen – denn das würde viele direkt in den Ruin treiben. Stattdessen zahlen die Unternehmen die Kosten über mehrere Jahre zurück. „Das ist dann nur noch ein kleiner Teil vom Umsatz“, sagt Hamm.

Als Gesellschafterin bleibt die Universität immer mit den Spin-offs verbunden, meistens besteht auch Kommunikation zwischen ihr und den Unternehmen. Wie viel Kontakt gehalten wird, ist unterschiedlich. „Wir fordern mindestens quartalsmäßige Informationen, um auf dem Laufenden zu bleiben“, so Hamm.

Uni Innsbruck in der Vorreiterrolle

Die Uni beteiligt sich auch deshalb an Unternehmen, da sich direkt nach der Gründung nicht abschätzen lässt, wie gut das Geschäft gehen wird: „Am Beginn von einem Projekt kann man noch nicht sagen, was das später für einen Wert hat. Also kann man auch keinen fixen Preis verlangen“, sagt Annelie Gerstmayr. Das Beteiligungsmodell habe im Gegensatz zu einer Einmalzahlung Zukunft und werde auch vom Bund empfohlen. Mittlerweile gebe es vom Landesministerium einen Leitfaden für Spin-offs, der teilweise an der Strategie der Universität Innsbruck orientiert sei, wie Alexandra Hamm erklärt. Andere Universitäten würden jetzt nachziehen und ähnliche Strategien entwickeln.

Vielfalt der Spin-offs

Innsbruck ist in der Wissenschaft wohl am bekanntesten für seine Forschung an Quantencomputern. In diesem Bereich hat es bereits mehrere erfolgreiche Ausgründungen gegeben. „Dafür ist Innsbruck weltweit anerkannt – das ist ein gutes Beispiel dafür, was für ein Potenzial Spin-offs haben“, sagt Robert Schimpf. Es kommen aber nicht alle Spin-offs aus dem Bereich der (Quanten-)Physik.

Foto: Robbie Shone

Einige erfolgreiche Innsbrucker Spin-offs stammen aus dem Bereich Quantencomputing – aber längst nicht alle. 

„Die Ausgründungen stammen aus sehr vielen verschiedenen Fachrichtungen – uns freut es immer ein bisschen, wenn’s mal nicht aus der Physik kommt“, sagt Alexandra Hamm. Viele Spin-off-Gründer:innen kommen zwar aus MINT-Fächern und weiteren Naturwissenschaften, einige aber auch aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie dem wirtschaftlichen Bereich. Auch innerhalb der Fachrichtungen seien die Geschäftsideen sehr unterschiedlich, erkärt Annelie Gerstmayr – meist würden sie allerdings auf einer technologischen Innovation basieren. „Irgendwo gibt es immer ein technisches Tool, ein Produkt oder eine Methode, die eine neue Technologie darstellt“, so Gerstmayr. Auch Robert Schimpf bezeichnet die Fachbereiche, aus denen die Ideen kommen als „Querbeet“. Wenn du also eine gute Idee hast, ist es ganz egal, aus welchem Bereich du kommst – wichtig sind Engagement und die Bereitschaft, sich weiterzubilden und das ein oder andere Risiko einzugehen. Dann wird mit etwas Glück aus der Idee ein Spin-off.

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