Der Wahlkampf war kurz, aber ereignisreich. Die AfD akzeptierte die Unterstützung von Elon Musk. Mit ihm sprach Parteichefin Alice Weidel sogar einmal live auf seiner Plattform X (ehemals Twitter). Diese Einmischung wurde heftig kritisiert. Darüber hinaus wurde der Partei vorgeworfen, eine illegale Großspende über einen Strohmann angenommen zu haben. Die SPD versuchte die Gen Z mit Memes auf TikTok von sich zu überzeugen. Und während der Kanzlerkandidat der Grünen, Robert Habeck, Wahlkampf an deutschen Küchentischen führte, akzeptierte Friedrich Merz im Bundestag die Hilfe der AfD bei der Abstimmung über seinen Fünf-Punkte-Antrag zur deutschen Asylpolitik und durchbrach damit die Brandmauer. Es war ein Hetzen gegeneinander und gegen benachteiligte Gruppen. Denn im Wahlkampf stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt der politischen Debatte: Migration.
Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2025
Gerade die Grünen waren oft Ziel medialer und politischer Hetze. Dennoch konnte Robert Habeck mit seiner Kanzlerkampagne die Grünen über der 10-Prozent-Marke halten, auch wenn die Partei mit 11,6 Prozent gegenüber der Bundestagswahl 2021 (14,8 Prozent) an Boden verlor. Nach dem Wahlergebnis kündigte Habeck seinen Rückzug aus der Parteispitze an – eine Entscheidung, die inzwischen 400.000 Menschen in einem offenen Brief an ihn bedauern.
Auch Christian Lindner kündigte seinen Rückzug aus der Politik an, nachdem seine Partei, die FDP, an der 5-Prozent-Hürde gescheitert war. Ebenso verpasste das BSW knapp den Einzug in den Bundestag. Der Partei von Sahra Wagenknecht fehlten nach der Auszählung 13.400 Stimmen. Wagenknecht zweifelt das Ergebnis an und erwägt, Einspruch einzulegen. Experten bezweifeln jedoch, dass dies zu Neuwahlen führen könnte.
Die CDU/CSU erzielte mit 28,5 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis in ihrer Parteigeschichte, feierte aber trotzdem ihren Triumph – denn sie wurde stimmenstärkste Partei und ihr Spitzenkandidat Friedrich Merz ist somit Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers.
Die Partei mit den zweitmeisten Stimmen ist die teilweise als rechtsextrem eingestufte AfD, die mit 20,8 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis erreichte. Einen weiteren historischen Sieg verbuchte die Linkspartei. Sie erreichte erstmals knapp 9 Prozent und wird damit in den Bundestag einziehen. Sowohl die AfD als auch die Linke nutzten die sozialen Medien für ihren Wahlkampf und gewannen damit Stimmen.
Friedrich Merz: Ein Kanzler in spe, der polarisiert
Friedrich Merz ist noch gar nicht offiziell im Amt, da hat er schon mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu Pläne für dessen Besuch geschmiedet. Gegen Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Merz hatte Netanjahu nach eigenen Angaben zugesagt, er werde sich persönlich dafür einsetzen, dass Netanjahu ohne Konsequenzen nach Deutschland einreisen könne – und sich damit praktisch gegen das Gesetz gestellt. Denn Deutschland ist als Vertragsstaat verpflichtet, mit dem IStGH zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, dass Netanjahu bei einer Einreise nach Deutschland eigentlich festgenommen werden müsste.
Der Parteivorsitzende der Linken, Jan van Aken, dessen Partei voraussichtlich die künftige Opposition in der Regierung bilden wird, hat sich bereits ablehnend zu dem Vorhaben von Merz geäußert.
Darüber hinaus hat die Union eine Kleine Anfrage an die noch bestehende rot-grüne Bundesregierung gestellt, in der sie Auskunft über die staatliche Förderung von NGOs verlangt. Mit einer Kleinen Anfrage können Fraktionen oder einzelne Abgeordnete von der amtierenden Regierung Auskünfte über bestimmte Sachverhalte einfordern. Sie dient vor allem der Kontrolle der Exekutive. Die Union will die Neutralität der Verbände und Organisationen überprüfen. Dazu wurden 551 Fragen an die amtierende Regierung gerichtet. Bei den Vereinen und Organisationen handelt es sich vor allem um solche, die sich nach Merz’ Abstimmung mit der AfD im Bundestag im Januar laut Union an den anschließenden Protesten gegen Rechts und damit auch gegen die CDU beteiligt haben. Damit will die Union Zweifel an deren Gemeinnützigkeit wecken. Vor allem SPD, Grüne und Linke kritisieren das.
Es war einmal die Ampel
Die AfD und die Union verdanken ihre Wahlerfolge unter anderem der Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung mit der Ampelkoalition. Die Ampelregierung regierte fast vier Jahre, bevor sie zerbrach. Rückblickend auf die Regierungszeit scheint allgemeiner Konsens zu sein, dass die Ampel zu wenig umgesetzt hat. Das ist die Konsequenz: Politisch soll künftig wieder ein anderer Wind wehen.
2021 sollte schon einmal eine politische Wende bringen. Auch damals konnte man aus dem Wahlergebnis den Wunsch nach Veränderung herauslesen. Die „Fortschrittskoalition“ aus SPD, Grünen und FDP formulierte anfangs hohe Ansprüche an sich selbst. Realpolitisch konnte sie davon nur ein Drittel ganz oder teilweise umsetzen. Ein weiteres Drittel wurde zumindest in Angriff genommen. Uneinigkeit zwischen den Koalitionsparteien ist der Grund für die mangelnde Umsetzung der einstigen Vorhaben. Gleichzeitig sah sich die Ampelkoalition mit Herausforderungen wie der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine konfrontiert.
Union auf Koalitionssuche
Die CDU/CSU und Merz sind jetzt für die Regierungsbildung verantwortlich. Trotz der kontroversen Aktion von Merz im Bundestag hat die Union eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen – obwohl sie die zweitstärkste Kraft im Bundestag ist. Ein Zweierbündnis mit der SPD ist wahrscheinlich. Dafür müssen sich die Parteien jedoch zunächst einigen – was angesichts der zahlreichen Widersprüche in ihren Wahlprogrammen schwierig werden könnte.
Einer der zentralen Punkte dürfte die Asylpolitik sein. Der von Merz im Bundestag vorgestellte Fünf-Punkte-Plan ist bereits auf Kritik gestoßen. Er verstößt zumindest in Teilen gegen EU-Regeln. Punkte wie die Zurückweisung von Schutzsuchenden lehnt die SPD bislang als verfassungswidrig ab. Merz betonte jedoch, dass er in der Migrationspolitik zu keinen Kompromissen bereit sei.
Die beiden Parteien haben sich bereits am 28. Februar für Sondierungsgespräche getroffen. Die Koalitionsverhandlungen sollen nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am 2. März beginnen. Merz will bis Ostern eine Regierung gründen. Es bleibt abzuwarten, ob es am Ende zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien und damit zu einer Regierungsbildung kommen wird.
The Future Is (Still) Male
Fakt ist: Künftig werden weniger Frauen im Bundestag sitzen. Im nächsten Bundestag haben Frauen nur noch einen Anteil von 31,2 Prozent an den Abgeordneten. 2021 waren es immerhin noch 3,5 Prozent mehr. Das ist ein Rückschritt auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Konkret heißt das: Die Perspektive von Frauen muss Teil des Denkens der künftigen Regierung sein.