UNIpress: Wie bist du auf das Thema Klimaschutz aufmerksam geworden?
Thomas Hämmerle: Das war eigentlich recht zufällig. Ich habe mit Freunden öfters Diskussionen bezüglich Klima- und Umweltschutz geführt und wir haben festgesellt, dass bei uns einiges falsch läuft bzw. nicht funktioniert. Wir befinden uns in einer Art Bubble und die Thematik Klimaschutz hat eindeutig zu wenig Reichweite, um etwas tatsächlich bewegen zu können. Mein erster Gedanke war die Politik, aber ich wollte keine Partei konkret unterstützen, da mir das System in Österreich zu farbenmäßig ist. Dann bin ich irgendwann über das Klimavolksbegehren gestolpert, das empfand ich als unterstützenswert, da es ein Instrument direkter Demokratie ist. Wir sind überparteilich, das heißt wir agieren unabhängig. Darauf legen wir großen Wert.
UP: Seit wann gibt es das Klimavolksbegehren?
Hämmerle: Das Klimavolksbegehren kann man seit Ende August 2019 unterschreiben. Um das Verfahren für ein Volksbegehren einleiten zu können sind mindestens 8.401 Unterstützungserklärungen erforderlich. Damit sie anschließend im Nationalrat behandelt werden, werden mindestens 100.000 Unterschriften benötigt.
UP: Was fordert das Klimavolksbegehren?
Hämmerle: Zunächst einmal soll Klimaschutz in die Verfassung aufgenommen werden. In Österreich gibt es bereits Gesetze, die dieses Thema zwar aufgreifen. Wirkung zeigen sie bis jetzt aber keine. Deswegen ist es wichtig, dass es auch konkret in die Verfassung aufgenommen wird und auf oberster Ebene Schritte unternommen werden. Die zweite Forderung, die wir stellen, ist die Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase. Bis 2030 soll die Freisetzung der schädlichen Gase mindestens halbiert werden. Das Ziel ist es, dass bis 2040 gleich viele Emissionen freigesetzt wie gebunden werden. Außerdem sollte Klimaschutz nicht nur belohnt werden, sondern nachhaltiges Leben sollte für jeden leistbar sein. Dazu fordern wir eine ökosoziale Steuerreform. Die vierte Forderung ist eine Überarbeitung des Energie- und Verkehrskonzepts. Wir müssen uns also die Frage stellen: Wie kann man den Klimaschutz strukturiert angehen?

© Klimavolksbegehren
UP: Wie realistisch ist die Umsetzung dieser Forderungen?
Hämmerle: Die geforderten Maßnahmen sind durchaus machbar, wenn man das Problem sofort in Angriff nimmt. Der Klimawandel ist ja kein neues Phänomen, er wurde bereits vor 120 Jahren von Chemikern vorhergesagt. Und wenn der Wandel weiterhin so ausschreitet, dann stehen uns laut AGES in ein paar Jahren bis zu 50% weniger Lebensmittel aus eigener Produktion zur Verfügung. Das würde dazu führen, dass beispielsweise die Kartoffel in Österreich nur noch zu einem geringen Anteil den Eigenbedarf deckt.
UP: An wen richten sich die Forderungen?
Hämmerle: Sie richten sich ganz klar an die Politik. Das Begehren soll Druck auf die Regierung ausüben. Wenn die Politik funktionieren würde und früher bereits gehandelt hätte, dann wäre kein Volksbegehren nötig. Das Klimavolksbegehren stellt Forderungen, für deren Umsetzung sind hier Experten von Nöten. Das ist ganz klar Aufgabe der Politik. Sie sollen Rahmenbedingungen setzen, dass klimafreundliches Leben endlich möglich ist.
UP: Wie will man die Ziele, die man sich hier gesetzt hat, auch umsetzen?
Hämmerle: Die konkrete Umsetzung der Sache ist wie bereits erwähnt die Aufgabe von bezahlten Experten. Es gibt auch einige Konzepte aus anderen Ländern, die durchaus sehr erfolgreich sind und die man auch für Österreich adaptieren könnte. Man muss sich nur beispielsweise die skandinavischen Länder ansehen. Was den Klimaschutz angeht, ist Österreich auf einem der letzten Plätze der EU vertreten. Das ist eine sehr traurige Bilanz bis jetzt.
UP: Wer steht hinter dem Klimavolksbegehren?
Hämmerle: Dahinter stehen Freiwillige, die sich ehrenamtlich für eine klimafreundliche Politik in Österreich einsetzen. In ganz Österreich sind es bereits über 400, die uns helfen beispielsweise Flyer zu verteilen und die Aufmerksamkeit der österreichischen Bevölkerung auf dieses Thema zu lenken. In Tirol sind wir zwar verhältnismäßig eine noch kleine aber doch sehr engagierte Gruppe, der der Stopp des Klimawandels ein großes Anliegen ist.
UP: Wie können interessierte Leser und Leserinnen Teil dieser Bewegung werden?
Hämmerle: Jeden Dienstag gibt es ein Treffen von 18:00 bis 19:30 Uhr in der Müllerstraße 7. Da kann man jederzeit auch unangekündigt vorbeikommen und mitmachen. Motivierte Neuankömmlinge sind selbstverständlich stets willkommen bei uns. Selbstverständlich sind wir auch auf Social-Media wie Facebook und Instagram aktiv. Am einfachsten ist es aber, wenn man sich über die Homepage meldet. Wir sind immer sehr froh, wenn Menschen auf uns zukommen und uns ihre Fertigkeiten anbieten. Beispielsweise beim Designen von Postern, Verteilung von Flyern usw.
UP: Gibt es weitere Möglichkeiten der Unterstützung?
Hämmerle: Der erste Schritt wäre natürlich die Unterzeichnung des Klimavolksbegehrens, über die Bürgerkarte am Handy oder in jedem Gemeindeamt. Unterzeichnen können alle die wahlberechtig sind, also österreichische Staatsbürger ab dem Alter von 16 Jahren. Es gibt auch die Möglichkeit uns finanziell mithilfe einer Geldspende zu unterstützen. Schließlich machen wir das alle freiwillig und wir haben auch viele Studierende unter uns. Um konkret auf das Thema aufmerksam zu machen, ist Mundpropaganda unser bester Freund. Wir rufen nicht nur Vereine, Organisationen und Institutionen dieses wichtige Thema zu verbreiten, sondern auch Einzelpersonen können hier einiges bewirken. Beispielsweise könnte man in kleineren Orten, wo das Thema Klimaschutz noch nicht ganz vorgedrungen ist, Werbung machen und die Menschen dafür sensibilisieren. Wichtig ist, dass den Menschen bewusst wird, dass der Klimaschutz nicht nur Verzichten bedeutet, sondern uns allen enorme Vorteile bringen kann. Schließlich sind wir alle davon betroffen und wir haben nur diesen einen Planeten, den es zu schützen gilt.
UP: Vielen Dank für das Gespräch.
(Gespräch vom 23.11.2019)