Mit Regenschirmen und Schildern bewaffnet protestieren Omas gegen rechts, die ANTIFA und alle anderen Verfechter der Menschlichkeit gegen den Jahrtausende alten Missstand des Rassismus. Laut Berichten der Polizei haben sich über 4.000 Menschen am Innsbrucker Landhausplatz versammelt, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. „Racism = Pandemic“ prangert es von vielen Plakaten. Der große Unterschied zu Corona ist, dass es dagegen keine Impfung aus einem Labor geben wird.
Die Ermordung von George Floyd durch einen amerikanischen Polizisten ist ein weiteres erschreckendes Symptom einer alten Krankheit, die nicht nur auf dem neuen Kontinent ihr Unwesen treibt. Rassismus ist ein tief verwurzeltes Problem, das die Menschheitsgeschichte seit jeher prägt und zeichnet.
Vom Landhausplatz aus marschieren die Demonstranten über die Anichstraße, ziehen am Landesmuseum vorbei und begeben sich über die Meinhardstraße wieder zurück zum Landhausplatz. Die letzten Meter des Protestmarschs werden von den in ihrer Einfachheit beeindruckenden Lyrics der Black Eyed Peas begleitet. Die Message bleibt simpel, die Forderungen gleich, die Frage dieselbe: Where is the love?
Manch ein Demonstrant zweifelt an der Effektivität der Proteste: „Menschen, die sich mit #blacklivesmatter auseinandersetzen und auf Demonstrationen gehen, sind nicht rassistisch. Die Leute, die die Message erreichen sollte, werden sich trotz alledem nicht bessern“, erklärt ein Demo-Teilnehmer, der lieber anonym bleiben möchte, im Gespräch mit der UNIpress.
Anders sieht das die Anglistikstudentin Tuğçe Şababoğlu: „Diese Proteste müssen der Startschuss für eine anhaltende Bewegung sein“, meint sie. Außerdem verortet sie das Problem vor allem auf einer systemischen Ebene: „Rassismus ist ein massives gesellschaftliches Problem, das tief in unseren Strukturen verwurzelt ist. Ich bin heute hier, weil wir den Politikern und Konzernen kommunizieren müssen, dass es so nicht weiter gehen kann.“
In einem ist sich der Großteil der Protestierenden definitiv einig: Dieser Protest darf kein einsamer Aufschrei in einem Meer voller Gleichgültigkeit sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Wogen wieder glätten.
Wir brauchen diesen Sturm.
Fotocredit: Samir Steurer Guenaoui