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	<title>Essay Archives - UNIpress</title>
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		<title>Freudenfreude: glücklich, weil du es bist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2023 11:30:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht nur an schweren Tagen, sondern auch in schönen Momenten sind wir auf die Empathie unserer Mitmenschen angewiesen. Ein Erklärungsversuch, warum wir uns mehr an der Freude anderer erfreuen sollten.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Nicht nur an schweren Tagen, sondern auch in schönen Momenten sind wir auf die Empathie unserer Mitmenschen angewiesen. Ein Erklärungsversuch, warum wir uns mehr an der Freude anderer erfreuen sollten.</div>
<p><span id="more-18132"></span></p>
<p>Als ihr Lehrer in der Kirche ist, tapsen sie durch seine alte Stube. Die beiden Schüler suchen und werden fündig, stopfen Schwarzpulver in die liebste Pfeife des alten Herrn und machen sich aus dem Staub. Ein Griff nach der Pfeife bei der Rückkehr, Herr Lämpel zündet sie gierig an, der erste Zug, endlich! Die Pfeife explodiert. Nur knapp überlebt er mit schwarz verkohltem Gesicht, doch die geliebte Pfeife ist hin. Die jungen Täter sind mit sich zufrieden. Max und Moritz, so heißen die wohl bekanntesten straffälligen Bengel. Als sie am Ende von Wilhelm Buschs Werk zu Mehl gemahlen werden, freuen sich ihre Opfer, darunter der alte Herr Lämpel, und mit ihnen die ganze Leser:innenschaft. Eines sind sie alle: schadenfroh.</p>
<div id="attachment_18133" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-18133" decoding="async" class="size-medium wp-image-18133" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.41.22-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.41.22-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.41.22-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.41.22-585x439.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.41.22.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-18133" class="wp-caption-text">Bild: Laura Klemm</p></div>
<p>Zugegeben, irgendwie ist es doch schön, wenn sich die Taube über dem Kopf der Kommilitonin erleichtert. Verdient hat sie es, die, die das schafft, was ich nicht schaffe, die nie prokrastiniert und deren Zimmerpflanzen nicht innerhalb weniger Tage verenden, die die Kunst des Small-Talks bis in die Perfektion beherrscht, die das ist, was ich manchmal gerne wäre. Als sie vor Ekel aufjault, ist mir mein hämisches Schmunzeln für einen kurzen Moment peinlich, aber ein Blick in das grinsende Gesicht zu meiner Linken genügt und ich fühle mich gesehen. Ja, die Schadenfreude, die vereint. Noch verstandener kann man sich nur am Tag der institutionalisierten Schadenfreude fühlen, dem ersten April. Dennoch, es knabbert an meinem Gewissen. Dass sich der Mensch so sehr am Unglück anderer erfreut, sagt das nicht mehr über die Empfindenden selbst als über die vom Schicksal Gebeutelten aus? Wenn das ganze Dorf lacht und sich das erste Mal als Einheit versteht, weil zwei kleine Jungen mit Hang zu – zugegeben lebensbedrohlichen – Streichen zu Lebensmitteln verarbeitet werden, dann ist das erbärmlich. Es wäre deutlich ehrenhafter, würde das allseits ersehnte Gemeinschaftsgefühl aus der tugendhaften Emotion der Mitfreude entspringen.</p>
<p>Dass Wörter berühmt werden können, bewies Autorin Juli Fraga, als sie im November 2022 in der New York Times über die <em>Freudenfreude</em> schrieb. Zwar scheint der Begriff deutschen Ursprungs zu sein (ja, die berühmte Sprache der Komposita), ist er aber nicht. Nun denn, in diesem Text muss sich nicht über die Wortneuschöpfung eines deutschen Wortes durch eine anglophone Person lustig gemacht werden, das haben zahlreiche andere Medienschaffende bereits übernommen.</p>
<p>Freudenfreude beschreibt den Ausdruck von Freude über die Freude der Mitmenschen. Nach Albert Schweitzers Aussage „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“ ist die Freudenfreude als Wundermittel zu verstehen, als Klebstoff und Schweißgerät für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. In Freundschaften und Partnerschaften ist es an der Tagesordnung, mit unseren Freunden in Not gemeinsam zu leiden und in schwierigen Zeiten eine Schulter zum Ausweinen zu bieten, ein Fels in der Brandung zu sein, ja, sogar Redewendungen beweisen, dass Unterstützung leichter fällt, wenn wir es mit leidenden statt mit glücklichen Menschen zu tun haben.  Auch Äußerungen wie „Schön für dich“ werden nicht selten als Äquivalent von einem lasch vor die Füße geworfenen „Mir doch egal“ begriffen. Es ist spannend, wie Sprache zeigt, dass wir uns als Gesellschaft schwer damit tun, Empathie in guten Zeiten als solche zu verstehen, und insbesondere damit, sie anderen gegenüber auszudrücken.</p>
<div id="attachment_18138" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-18138" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-18138" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.53.03-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.53.03-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.53.03-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.53.03-585x439.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/01/WhatsApp-Bild-2023-01-11-um-16.53.03.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-18138" class="wp-caption-text">Bild: Laura Klemm</p></div>
<p>Zwischenmenschliche Beziehungen erfordern jedoch Zuwendung, wir müssen sie nähren, stetig und immer wieder in sie investieren. Dafür braucht es nicht nur nass geweinte Schultern, sondern auch gemeinsamen Jubel. Wenn wir uns mehr Nähe und Intimität in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen wünschen, kann es schon genügen, das individuelle Glück einer nahestehenden Person so zu feiern, als wäre es das eigene. Insbesondere, da der persönliche Erfolg eines Mitmenschen auch als kollektiver verstanden werden könnte. Schließlich verhelfen wir anderen oft zu ihrem Glück, wie auch immer sie dieses definieren. Wir stellen dem besten Freund den zukünftigen Lebenspartner vor, machen unsere Mutter auf eine Stellenanzeige aufmerksam, unterstützen eine lokale Künstlerin, der durch unsere Involvierung größere Anerkennung zukommt. In dem Verständnis, eine Rolle in der Selbstverwirklichung einer geschätzten Person gespielt zu haben, mag sich die Freudenfreude möglicherweise beherzter in das eigene Gemüt schleichen.</p>
<p>Anders, als uns das Leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft manchmal Glauben machen möchte, ist der Gewinn einer Person nicht als Niederlage der anderen zu bewerten. Denn Glück als abstraktes Prinzip kann nicht durch eine mathematische Gleichung erfasst werden. Es ist kein begrenzter Stoff, den man anfassen und verteilen kann – im schlimmsten Falle ungleich. Nein, persönliches Glück steht in keiner Relativität, steigt und sinkt nicht proportional zu der Freude anderer. Was Glück und Erfolg überhaupt sind, das wird individuell bewertet. Folglich ist kein Neid vonnöten, im Gegenteil, es kann sich an der Freude der anderen erfreut werden, als wäre es die eigene.</p>
<p>Daher steht fest: Es muss sich etwas ändern, damit „Schön für dich“ nicht mehr als Angriff verstanden wird, damit „In guten und in schlechten Zeiten“ nicht ausschließlich mit Zusammenhalt in Leid und Elend assoziiert wird. Freuen wir uns mit unseren Mitmenschen, denn zu verlieren gibt es nichts. Das Glück kann sich nur vermehren.</p>
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		<title>Akademische Abgehobenheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Romana Nagler]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 10:30:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom Fliegen und den Folgen der Bodenlosigkeit Schon mal abgehoben? Im Flugzeug? Heißluftballon? Oder im Traum als fliegendes Einhorn gefühlt? Egal ob dieses oder jenes, das Hinabschauen aus höchster Höhe&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Vom Fliegen und den Folgen der Bodenlosigkeit</div>
<p><span id="more-17304"></span></p>
<p>Schon mal abgehoben? Im Flugzeug? Heißluftballon? Oder im Traum als fliegendes Einhorn gefühlt? Egal ob dieses oder jenes, das Hinabschauen aus höchster Höhe bietet – abgesehen vom dumpfen Gefühl in der Magengrube – einen gewissen Reiz für die Nerven. Für die Nerven, die vom Stress des Alltagsgeschehens doch sowieso schon derart überstrapaziert sind. In schwindelerregender Höhe zu sein, übt auf die Nerven wiederum eine solche Wirkung aus, wie wenn Minus und Minus zu Plus wird und die Menschen dann – sobald sie wieder festen Boden unter ihren Füßen zu spüren bekommen – paradoxerweise entspannter sind als vor dem Abflug. Mag dies auf den oben angeführten mathematischen Grundsatz zurückzuführen sein oder darauf, dass jene Menschen einfach nur froh sind, lebend gelandet zu sein… Es gibt auch eine dritte Hypothese: Trotz der Tatsache, dass sowohl Menschen als auch Adler der Kategorie der Landwirbeltiere zugeordnet werden, werden sich viele womöglich dennoch nicht als Herrscher der Lüfte fühlen. Das Erlebnis, in höchster Höhe zu sein, bewirkt nichtsdestotrotz einen kurz- oder langfristigen Gefühlsrausch des Glücks. Natürlich nur, sofern man nicht der Höhenangst erliegt. So hoch oben und weit entfernt von der Erdoberfläche scheint so manchen der ungewohnte Perspektivenwechsel wie ein Eintauchen in eine andere „Realität“. Diese – von den meisten nur selten – erlebte Realitätsferne ist ein Nebeneffekt des Abhebens vom Boden, der – im Gegenzug zum Luftraum – als Lebensrevier für den Menschen gilt.</p>
<p>Ob man nun mit dem Flugzeug oder auf der Skischanze kurz abhebt – das Erleben des Abhebens, und dadurch auf die Welt unter sich von oben herabblicken zu können, scheint nun umfassend erläutert worden zu sein. Auf dem Wege der Analogie lässt sich nun ein Bezug zu einer weiteren Kategorie des Abhebens ausmachen. Schon mal was von akademischer Abgehobenheit gehört?</p>
<p>Nicht? Naja… Dann wohl Themenwechsel. Ich studiere Jus, und du? Ja, ja genau, richtig gehört, ich studiere Jus. Du bist nicht der Erste, dessen Lippen ein zumindest kleines „O“ formen. Doch um deine Frage zu beantworten: Nein, das Studium ist gar nicht so trocken. Durch meine Tränen ist es eigentlich sogar ziemlich nass.</p>
<h3>Das innere Potenzial erkennen</h3>
<p>Doch bleiben wir mal am Boden der Tatsachen und sind ganz ehrlich. Wo in der juristischen oder – um es allgemeiner zu formulieren – in der akademischen Gesellschaft einst der „Geist“ wehte, gibt es heute oft nur noch laue Lüftchen. Wie viele Studenten und Studentinnen gibt es, die sich mit ihrer Studienwahl allein ihr Image hochschrauben oder ab und zu mal einen Ego-Boost beim Zusammentreffen der Großfamilie absahnen wollen?</p>
<p>Doch weiten wir unseren Blick von der Mikroebene auf die Makroebene aus: Muss man sich nach der Matura schämen, eine Lehre anstatt eines Studiums an der Universität oder Hochschule anzugehen? Mit satirischem Beigeschmack sage ich: „Allemal!“ Was haben denn unsere Eltern alles für uns getan, damit unsereins es mal besser hat als sie! Wir wollen unsere Eltern doch stolz machen! Außerdem: So groß (im Geiste) will man dann doch sein, dass man bei Begegnungen mit akademisch gebildeten Leuten nicht den Kopf in den Nacken legen muss.</p>
<p>Nichts für ungut, doch denkst du so, so will ich dir vorerst Hermann Hesses Buch zum Eigensinn in die Hand drücken und notwendigerweise vor die Augen pinnen.</p>
<h3>Dem eigenen Gesetz folgen</h3>
<p>Bewundernswert sei nicht ein erarbeiteter akademischer Grad; viel eher sei es ein Mensch, der sein innerstes Potenzial entweder durch ein Studium oder eine Berufsausbildung auszuschöpfen vermag. Jeder Mensch trägt ein solches in sich. Noch schlummernd wartet es bei manchen nur darauf, mit brennendem Eifer entfacht und tätig werden zu können, doch diese Auffassung sei den meisten Menschen nicht genehm. Denn noch zu überstrapaziert sind die Nerven, die bei einem selbst ganz blank lagen, als die Eltern für den Kampf um den Einzug ins Gymnasium beim Juristen mehr hinlegten als den Feriallohn des Sommerjobs. Nicht umsonst haben die Eltern und wir selbst uns zur Matura durchgeschlagen; denn die fünf verlorenen Lebensmonate aufgrund des Stresses hätten wir uns auch sparen können.</p>
<p>Hat man sich aus der symbiotischen Beziehung mit den Eltern dann gelöst, so gilt es, sich einer anderen als der parentalen Rechtsordnung zu fügen. Eine Orientierungsmöglichkeit sei durch Hermann Hesse geboten:</p>
<blockquote><p>Wer eigensinnig ist, gehorcht einem andern Gesetz, einem einzigen, unbedingt heiligen, dem Gesetz in sich selbst, dem &gt;Sinn&lt; des &gt;Eigenen&lt;</p></blockquote>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals in der <a href="https://www.unipress.at/ueber-uns/archiv/oktober-2022/">Oktober-Ausgabe 2022</a>.<br />
</em></p>
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		<title>Memento Mori &#8211; Die Endlichkeit des Seins</title>
		<link>https://www.unipress.at/gesellschaft/memento-mori-die-endlichkeit-des-seins/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kristina Kerber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 2021 12:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Memento Mori – bedenke, dass du sterblich bist. Sterben. Was bedeutet das eigentlich? Die tagtägliche Konfrontation mit Corona hat uns gelehrt mit dem Tod zu leben. Aber welche Auswirkungen hat&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Memento Mori – bedenke, dass du sterblich bist. Sterben. Was bedeutet das eigentlich? Die tagtägliche Konfrontation mit Corona hat uns gelehrt mit dem Tod zu leben. Aber welche Auswirkungen hat das auf uns, unsere Gesellschaft, unser Bewusstsein?</div>
<p><span id="more-15311"></span></p>
<h3>Gedenke des Todes</h3>
<p>Innsbruck hat sieben städtische Friedhöfe. Ruhestätten, die inmitten von COVID-19 zunehmend neue Gesichter empfangen. Ruhestätten. Klingt fast schon zu friedlich für etwas, das wir als das Ende unserer eigenen kleinen Welt betrachten. Bei der Vorstellung, die heutige Situation dem eigenen Selbst aus dem gefühlt Jahrhundert-entfernten Jahr 2019 zu erklären, wirkt nahezu lächerlich. Die Universität immunisiert vor reißerischen Schlagzeilen, immerhin hat die Menschheit schon etliche Pandemien erlebt. Pest, Pocken, Papperlapapp. Was soll die Batman-Krankheit schon schlimm anrichten? Heute sieht die Situation anders aus. Unsere eigene Sterblichkeit ist uns bewusster als jemals zuvor. Tür zu, Maske auf, die Hände mit Desinfektionsmittel einbalsamieren und dem Nachbarn mit zusammengekniffen Augen aus der Ferne ein Lächeln signalisieren. Der unsichtbare Virus äußert sich nicht durch eine actionreiche Zombieapokalypse. Stattdessen sind es täglich steigende Zahlen, Statistiken und Sicherheitsvorkehrungen, die sich an unserem Gehirn nähren. Der Tod wandelt unter uns. Zwar müssen wir uns nicht aufgrund von fallenden Bomben in Schutzbunkern verbarrikadieren, aber dafür hält uns ein unsichtbarer Virus auf unserer Couch gefangen. Masken wie in Low-Budget-Katastrophenfilmen, Menschen in Schutzkleidung, die ein Teststäbchen in Nase oder Rachen schieben und sich auf die Suche nach einem ominösen Antigen machen. Bedenke, dass du sterblich bist. Gesprochen von einem Sklaven ins Ohr eines römischen Feldherrn, der im Schutze seines Triumphwagens den irdischen Ruhm auskostet. Aber wie auch der letzte Tropfen Dom Pérignon, gehen sowohl der Champagner wie auch der hohnlächelnde Mund früher oder später zugrunde.</p>
<p>Wer weiß schon, wie sich der Tod anfühlt. Einfach mal die Augen schließen und für ein paar Stündchen der Welt entschwinden… mit dem Unterschied, dass diese paar Stündchen eine Ewigkeit andauern? Das Warten auf den nächsten Bus kam mir letzte Woche wie eine Ewigkeit vor. Aber wie kann ich meine innere Unruhe an der Bushaltestelle mit der ewigen Ruhe in einem Sarg – oder Gott weiß wo – vergleichen? So deprimierend es auch klingen mag – wir sind geboren, um zu sterben. Klingt ziemlich endgültig. Aber wie geht der Mensch mit ebendieser Endgültigkeit um? Wie können wir als Gesellschaft mit unserem kollektiven Todesbewusstsein umgehen? Sollten wir es fördern oder unterdrücken? Es willkommen heißen oder die Arme verschränken? Und was sollen wir mit diesem Bewusstsein anfangen, wenn es ohnehin nur auf ein Ende hinausläuft? Die Vorstellung, dass der Tod Auswirkung auf unser Leben hat, klingt bestenfalls ironisch und schlimmstenfalls morbide. Themen wie das Altern und Sterben sind in unserer westlichen Gesellschaft nach wie vor größtenteils Tabu. Aber was passiert nun, wenn wir täglich mit einer Pandemie konfrontiert sind, die nicht nur die Wirtschaft und unsere Unbeschwertheit, sondern auch zahlreiche Mitmenschen in Risikogruppen bedroht? Die Augen vor dieser neuen Realität zu schließen, wirkt nicht mehr nur naiv, sondern schlichtweg unmöglich. Vielleicht ist es aber genau dieses Augenöffnen, das es uns erlaubt, den Tod in unser Leben zu lassen und zu spüren, wie kostbar jeder Atemzug ist.</p>
<h3>Wie die Zeit vergeht</h3>
<p>Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. War die Weihnachtszeit als Kind noch besinnlich, so gleichen diese vierundzwanzig Tage eher einem stressbedingten Augenreiben. Aber das ist der routinierte Alltagswahnsinn. Richtig spüren kann man die Vergänglichkeit der Zeit nämlich erst, wenn man einen Spiegel vorgehalten bekommt. Der Anblick seines nun erwachsenen Kindheitsfreundes, der gepflanzte Sprössling, der jetzt seine Äste gen Himmel streckt, das jüngere Geschwisterchen, das jetzt den ersten Freund nach Hause bringt. Wie vergänglich Jugend doch ist. Aber was passiert, wenn man seinen letzten Lidschlag hinter sich hat? Erlischt das innere Seelenlicht und man ist zu ewigwährender Dunkelheit verdammt? Es gibt etliche Berichte von Nahtoderfahrungen, von spirituellen Erfahrungen, vom Blick ins sagenumwobene Jenseits. Aber was soll man überhaupt unter diesem Jenseits verstehen, wenn sich schon das Diesseits unter den eigenen Füßen herumdreht?</p>
<h3><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-large wp-image-15474" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/memento-mori.jpg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Memento vivere – vergiss nicht zu leben!</h3>
<p>Auch im Spätmittelalter, einer historischen Periode geprägt von Kriegen, Seuchen und Hungersnöten, war der Tod im Bewusstsein der Menschen verankert. Ein schwerer, zehrender Anker, der die irdische Vergänglichkeit mit der Macht des Todes aufwiegt. Zumindest in unserer westlichen Gesellschaft sind wir fernab von Hungersnöten und Kriege kennen wir hauptsächlich aus Geschichtsbüchern. Auch Instagram und Co sind eher dafür da, unsere Vergänglichkeit zu verbannen und unser Streben nach ewig anhaltender Jugend zu immortalisieren. Mit einer Pandemie wurde der Tod jedoch konkretisiert, greifbar gemacht. Tod ist nicht mehr nur ein Moment. Tod ist ein neuer Bewusstseinszustand, der uns selbst beim Blick aus dem Fenster auf maskentragende Massen, wie ein dunkler Schatten im Nacken sitzt. Der Tod als einzige Gewissheit inmitten einer von Fragen gekennzeichneten Existenz. Mit unseren Pipetten, Mikroskopen und Computern versuchen wir alles daran zu setzen das Leben zu verlängern, dem Tod zu trotzen, oder gar Leben zu kreieren, das vor den Fängen der Dunkelheit verschont bleibt. Die Sterblichkeit. Sie ist es, die zwischen Menschen und Göttern differenziert. Sie ist es, die das Feuer ins uns entfacht und im selben Wimpernschlag wieder erstickt. Aber sie ist es auch, die uns einen Dorn ins Fleisch bohrt, der uns dazu bewegt, aufzustehen und zu leben, abseits von bloßem Existieren. Bislang gibt es kein Elixier fürs ewige Leben. Aber genauso wenig gibt es ein Extrakt, das uns mehr die Lungen fürs Leben öffnet, wie der Exitus. Memento mori – sei dir deiner Sterblichkeit bewusst. Ein Denkanstoß, eine beschwörende Mahnung, das Leben auf den Tod vorzubereiten und den Atemzug zu genießen, selbst verborgen hinter einer Maske. Obgleich Geburtstage, Zeit mit Freunden, oder das Warten an der Bushaltestelle – es ist wichtig, dass wir uns mit dem Wert jedes Atemzuges auseinandersetzen. Bewusst wahrnehmen, bewusst erleben, bewusst leben.</p>
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		<title>Der Beweis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fabian Bär]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Dec 2021 11:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Findet sich in der Bewegung der Welt der Beweis für die Existenz Gottes? Eine thomistische Spurensuche in der Tiroler Landeshauptstadt. Das letzte statistische Quartalsblatt der Stadt Innsbruck weiß zu berichten:&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Findet sich in der Bewegung der Welt der Beweis für die Existenz Gottes? Eine thomistische Spurensuche in der Tiroler Landeshauptstadt.</div>
<p><span id="more-15484"></span></p>
<p>Das letzte statistische Quartalsblatt der Stadt Innsbruck weiß zu berichten: &#8220;Geburten und Sterbefälle bilden die beiden Pole dessen, was in der amtlichen Statistik &#8216;natürliche Bevölkerungsbewegung&#8217; genannt wird.&#8221; Ein trocken wie poetisch-amtlicher Satz, in dem bei näherer Betrachtung alles Relevante steckt. Die Bewegung vom einen Punkt zum anderen ist nicht nur die Gesamtheit unseres Lebens, sondern auch ein metaphysisches Muster, das uns in der Überbrückungsperiode zwischen den beiden Polen Geburt und Sterbefall auch in Innsbruck häufiger begegnet – und zu religionsphilosophischem Brückenbauen in der Hauptstadt anregt.</p>
<div>
<h3>Die Bewegung</h3>
<p>Alles in der Welt und definitiv alles in Innsbruck scheint in Bewegung: Sowohl in der eingangs erwähnten „natürlichen Bevölkerungsbewegung“, als auch im Sinne des Wechsels von Aufenthaltsorten von Personen, Tieren, oder Sachen beschreiben. Die Innsbrucker Straßenbahnlinien 1, 2, 3, und 5 beförderten im Zeitraum von Juli bis September 2020 beispielsweise insgesamt 7 145 947 Personen, was einem Plus von exakt 105 402 beförderten Personen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Die beförderten Personen <em>bewegten</em> sich nun also in einem Straßenbahnwaggon, beispielsweise der Straßenbahnlinie 2, von der Josef-Kerschbaumer-Straße zur Technik (West); gleichzeitig wurden sie von ebenjenem Straßenbahnwaggon, in dem sie saßen, standen, oder lagen, selbst <em>bewegt</em>. Nun mag es zutreffen, dass eine <em>Bewegung </em>der beförderten Personen stattfand und sie sich aus den Tiefen Neurums in die Weiten der Au Höttings <em>bewegt</em> hatten, gleichwohl die von ihnen gewählte Form der Bewegung nicht die bewegungsreichste war – da sie zum Großteil sitzend ausgeführt werden konnte.</p>
<p>Was uns zur nächstmöglichen Bedeutung von „Bewegung“ führt – Bewegung als körperliche Aktivität. Wird „mehr Bewegung“ verschrieben, ist damit selten das Zurücklegen von Distanzen in Straßenbahnen gemeint, sondern sportliche Betätigung. Eine Form von Bewegung mittels öffentlicher Verkehrsmittel, die beide bisher angesprochenen Bedeutungsformen in sich vereint, ist beispielsweise das Innsbrucker Stadtrad, das im August 2020 insgesamt 20 296-mal ausgeliehen wurde und den Bewohnerinnen und Bewohnern Innsbrucks die Möglichkeit bietet, sich während ihrer Bewegung zwischen zwei Orten (mehr) zu bewegen.</p>
<p>Eine weitere Form von Bewegung liegt im Zurücklegen geistiger Distanzen. Im Zeitraum von Anfang Feber bis Ende Dezember 2020 bewegten sich insgesamt 875 Innsbruckerinnen und Innsbrucker auf verschiedene Arten und in variierenden Stufen der Bewegung in das Innsbrucker Stadtmagistrat, um aus der katholischen Kirche auszutreten. Die evangelische Kirche verließen im selben Zeitraum 92 Menschen. Die Bewegung der aus den Kirchen austretenden Personen hin zur Konfessionslosigkeit ist nun keine räumlich-physische Form von Bewegung mehr, sondern eine ideelle; sie ist Ausdruck der Veränderung einer gedanklichen statt einer örtlichen Position.</p>
<p>„Veränderung“ oder &#8220;Wandlung&#8221; ist schließlich zentral für die für diesen Text (und, in weiterer Folge, unser aller Leben) relevanteste Definition von „Bewegung“: die des verstorbenen griehischen Philosophen Aristoteles. In der aristotelischen Metaphysik wird mit „Bewegung“ die Veränderung im Allgemeinen bezeichnet, etwas „bewegt“ sich von einem Zustand in den nächsten. Der &#8220;Akt&#8221; ist der wirkliche, die &#8220;Potenz&#8221; der mögliche Zustand. Die aristotelische Bewegung ist Veränderung als Zusammenspiel von Wirklichem und Möglichem. Alles Seiende ist in seinem Sein und Werden nur die momentane Aktualisierung seiner Potenzen, die Indikativisierung seiner Konjunktive und die Verwirklichung seiner Möglichkeiten . Alles, was wir sind und alles, was wir kennen, ist der frühere oder jetzige tatsächliche, wirkliche Zustand von uns und allem, der wirklicher Einflüsse bedarf, um tatsächlich zu sein – und, um sich zu verändern, genauso wirklicher Einflüsse, die Möglichkeiten zu Wirklichkeiten werden lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-15506" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/baer_der_beweis_12_21-1.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/baer_der_beweis_12_21-1.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/baer_der_beweis_12_21-1-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/baer_der_beweis_12_21-1-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/baer_der_beweis_12_21-1-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
</div>
<div class="bildunterschrift">
<p>Alles Seiende in seinem Sein und Werden: Die Indikativisierung der Konjunktive</p>
</div>
<p>Eine potenzielle Rose im Hofgarten kann zu einer tatsächlichen Rose werden; dies bedarf aber nicht potenzieller, sondern tatsächlicher äußerer Einflüsse, wie tatsächlichem Wasser, tatsächlichem Dünger, und tatsächlicher Sonneneinstrahlung. Innsbruck hat das Potenzial, eine studierendenfreundliche Stadt zu sein, die Wirklichkeit sieht anders aus und bedarf wirklichen – und nicht nur möglichen – politischen Handelns, um sich zu ändern. Stattdessen wird fleißig an der Verwirklichung des dritten PEMA-Turms gearbeitet, dessen Möglichkeiten Raum für wirklich leistbares Wohnen leider nicht einschließen. Die Welt und alles in ihr Seinde: Für Aristoteliker ein Sammelsurium an unendlichen Möglichkeiten, die von Wirklichem verwirklicht werden. In Innsbruck wie in Hall wie in Imst wie in jeder Sekunde allen Daseins. Alles sich Verändernde ist dem Prozess der Veränderung unterworfen &#8211; der Verwirklichung von Möglichkeiten durch Wirklichkeiten.</p>
<h3>Der Beweis</h3>
<p>Wenn nun alles sich potenziell Wandelnde, alles potenziell Seiende eines tatsächlichen, wirklichen Einflusses bedarf, um seinen vergangenen, jetzigen, oder zukünftigen Zustand hervorzurufen, stehen geneigte aristotelische Metaphysizierende bei genauerer Betrachtung der Welt vor einer Frage, die sich geschickt auf mehrere aufteilen lässt: Was bewirkt den tatsächlichen Seinszustand nicht nur aller Aspekte der Stadt an der Brücke über den Inn, sondern des gesamten Universums anstelle deren möglichen Nichtseinszustands? Was verwirklicht die Existenz alles potenziell Nichtexistierendens, innerhalb wie außerhalb der Mauern Innsbrucks? Was den konstanten Wandel, der unser Sein durchzieht?</p>
<p>Diese und diesen Fragen stellte sich unter anderem der Philosoph Thomas von Aquin. Seine Gedankengänge dazu finden sich im ersten der „Fünf Wege“ zur Existenz Gottes wieder und lauten folgendermaßen: Empirische Betrachtungen der Welt zeigen uns, dass Bewegung existiert. Wir sehen das in der natürlichen Bevölkerungsbewegung der Stadt Innsbruck ebenso wie in jeder sich innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen stattfindenden Zustandsveränderung alles Seienden. Jede im Hofgarten wachsende Rose, jedes im Topf auf dem Herd der Studierenden-WG kochende Reiskorn, jeder diese Stadt einkettende Berg, alle Art von Zustandsveränderung bedarf eines anderen, tatsächlich existierenden, „Veränderers“. Alles sich in Bewegung befindende bedarf eines Bewegers.</p>
<p>Thomas von Aquin führt hier das Beispiel von Holz an, das, um von einem nicht-brennenden in einen brennenden Zustand versetzt zu werden, den Akt des Feuers benötigt. Durch rein potenzielles Feuer kann potenziell brennendes Holz, beispielsweise im Dachstuhl eines potenziell brennenden Hofgartenlokas nie tatsächlich brennen – dafür braucht es tatsächliches Feuer. Genauso kann das potenziell brennende Hofgartenlokal nicht von selbst zu einem tatsächlich brennendem Hofgartenlokal werden. Die Veränderungen der Welt benötigen eine Kette an Verändernden und Verändertem, eine Reihe von Akten, die als aktualisierte Potenzen die Potenzen anderer Akte aktualisieren. Diese Kette an Veränderungen kann nun nicht in die Unendlichkeit gehen – denn selbst eine unendliche Anzahl potenzieller Glieder bringt nur eine potenzielle Kette hervor, sie benötigt einen ersten Beweger, der selbst unbewegt – unverändert – ist.</p>
<h3>Der unbewegte Beweger</h3>
<blockquote><p>Da erwiderte Gott dem Mose: Ich bin der Ich-bin. Dann sprach er:</p>
<p>So sollst du den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt!</p>
<p>Ex 3:14</p></blockquote>
<p>Dieser unbewegte Beweger, der selbst nicht in Bewegung ist, dem Zustandsveränderungsprozess nicht unterworfen, und dessen Einfluss alles Wirkliche bewirkt, kann selbst keine unverwirklichten Möglichkeiten aufweisen – da er sonst wiederum eines „unbewegteren“ Bewegers bedürfe. Der unbewegte Beweger ist durch Abwesenheit an unverwirklichten Möglichkeiten die reine Wirklichkeit. Diese Abwesenheit unverwirklichter Möglichkeiten wirft für sich auf aristotelisch-thomistischen Pfaden Wandelnden eine Reihe von Implikationen auf. Jemand, der den gesamten Inhalt aller Bücher der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol auswendig kann, hat trotzdem noch die unverwirklichte Möglichkeit, mehr Wissen haben zu können. Eine Abwesenheit unverwirklichter Möglichkeiten würde letzteres allerdings ausschließen – und sich beispielsweise in Allwissen äußern. Selbiges gilt für Macht: Georg Willi kann nicht der unbewegte Beweger sein – hat er doch die unverwirklichte Möglichkeit, mächtiger zu sein. Allmächtig ist der Innsbrucker Bürgermeister dagegen nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-15478" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis.jpg" alt="" width="2500" height="1780" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis.jpg 2500w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-300x214.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-1024x729.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-768x547.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-1536x1094.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-2048x1458.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-1920x1367.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-1170x833.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-glaube-der-beweis-585x417.jpg 585w" sizes="(max-width: 2500px) 100vw, 2500px" /></p>
<div class="bildunterschrift">
<p>Was verwirklicht die Existenz alles potenziell Nichtexistierendens, innerhalb wie außerhalb der Mauern Innsbrucks?</p>
</div>
<p>Bereits an den Andeutungen in diesen Attributen kann man vermuten, welcher geistigen Brücke es noch bedarf, um vom Marktplatz des „unbewegten Bewegers“ zur Höttinger Gasse „Gott“ zu kommen: Keiner, so lehrt uns Thomas von Aquin, da es sich genauer geantwortet um eine Definitionsfrage handelt. Im Klassischen Theismus wird „Gott“ wie der unbewegte Beweger als ontologisch erster Urgrund allen Seins definiert. Das klassisch-theistische Gottesbild ist religionsübergreifend zu finden und weist in jedem Pinselstrich Einflüsse auf und aus allen möglichen monotheistisch-religiösen Richtungen auf: Altgriechische Philosophen wie Platon und Aristoteles, jüdische Denker wie Moses Maimonides, katholische Mönche wie Thomas von Aquin oder muslimische Theologen wie Averroes sind wichtige Vertreter des Klassischen Theismus.</p>
<p>Der Gott des Klassischen Theismus ist nicht der größte aller Bäume im Hofgarten, oder der höchste Kirchturm in der Maria-Theresienstraße, sondern das Fundament, auf dem alle diese Dinge stehen. „Kein Seiender, sondern Sein selbst“, wie es der protestantische Existenzialist Paul Tillich formuliert. Der pure Akt, das reine Sein, die Abwesenheit aller unverwirklichten Möglichkeiten. Auch das Gottesbild der Bibel ist, so könnte man argumentieren, klar klassisch-theistisch. Die Frage nach dem Wesen Gottes wird von ihm selbst mit den vier hebräischen Buchstaben YHWH beantwortet – eine mögliche Übersetzung lautet „Ich bin der Ich-bin“. Die darin steckende Auflösung des Essenz-Existenz-Dichotoms, die Definition des Wesen Gottes als reines Sein fungiert als weitere Brücke zwischen altgriechischer Metaphysik und den christlichen Hintergründen, vor denen sich die natürliche Bevölkerungsbewegung der Stadt Innsbruck Jahr für Jahr vollzieht.</p>
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		<title>Grundlos Glücklich, Grundlos Sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jakob Häusle]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Dec 2021 12:53:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alle glücklichen Menschen sind einander ähnlich, jeder unglückliche Mensch ist unglücklich auf seine Weise. Eine Stadt ist ein Körper. Jede Straße ein Gliedmaß, jede Gasse ein Blutgefäß, durch das die&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Alle glücklichen Menschen sind einander ähnlich, jeder unglückliche Mensch ist unglücklich auf seine Weise.</div>
<p><span id="more-15492"></span></p>
<p>Eine Stadt ist ein Körper. Jede Straße ein Gliedmaß, jede Gasse ein Blutgefäß, durch das die Bewohner rauschen, hinein in die Geschäfte, Bars und Cafés. Sie sind der Puls, durch den man die Vibrationen und Schwingungen der Stadt spürt. Alles bewegt sich, Menschen füllen und erfüllen die Stadt, die durch sie zum Leben erwacht.</p>
<h3>Mitternachtsmette</h3>
<p>Heute vor einem Jahr waren die Innsbrucker Lokale voll. Damals konnte man Glück noch kaufen und sein Name war Bier. Unsere Kathedralen hießen Irish, Jolly und Tribaun. Ich kann mich an die Abende erinnern, an ihren immer gleichen, beinahe rituellen Ablauf. Am Anfang war kein Wort, sondern ein langes Schweigen, ein Fest der Wortarmut. Was soll ich sagen, das nicht uninteressant, aber gleichzeitig nicht zu seltsam ist? Wie vermeide ich die „Was studierst du?“ und die „Was willst du später einmal machen?“ Fragen, ohne noch dümmere stellen zu müssen? Doch die Scheu vor den neuen Menschen schwindet schnell, Bier um Bier, Schnaps um Schnaps. Unbekannte Gesichter werden zu vertrauten Freunden und vertraute Freunde zu Freunden fürs Leben. Nicht das Bier war der Grund für die nächtlichen Glücksmomente, sondern die Menschen, mit denen man es teilte.</p>
<h3>This is water</h3>
<p>Heute bin ich rausgegangen, um draußen zu sein. Ich habe die Menschen auf der Maria-Theresien-Straße gesehen, ihre hässlichen, heiligen Alltagsfratzen, ihre dummen, leblosen Augen, die jeden Anflug einer freudigen Stimmung schwarzlochgleich ins Nichts befördern. An jedem in der Stadt bin ich vorbeigegangen, mit dieser anonymen städtischen Arroganz, die alle anderen zu szenefüllenden Statisten in der Tragikomödie meines Lebens werden lässt. In den kurzen Momenten zwischen Aufwachen und dem Wachsein fällt es wie Schuppen von den Augen, alles ist ganz klar, ich weiß, was mit mir passiert. Irgendwann beginnt der ewige Schlaf. Er kündigt sich nicht an, niemand sieht ihn kommen. Dann wacht man auf und ist nicht mehr wirklich da. Nur mehr Schablonen alter Träume, Routinen, die mehr coping-mechanisms als der Ausdruck einer freien Tagesgestaltung eines freien Menschen sind. Mich begleitet das ständig nagende Gefühl, etwas Unendliches gehabt und wieder verloren zu haben.</p>
<h3>Gemeinschaft der Lesenden</h3>
<p>Auf der Bank im Hofgarten ist es so kalt geworden, dass meine Jacke dem Schatten, den die großen Eichen werfen, nicht standhalten kann. Ich friere und zittere, doch ich kann jetzt nicht gehen. Nicht mitten im Absatz. Ich atme aus und ein, verliere meine Stelle auf der Seite, finde sie wieder und verliere sie erneut. Sonnenstrahlen haben einen Weg durch das Dickicht gefunden und tanzen auf meinem Gesicht. Sie blenden mich, ich mache die Augen zu, verliere mich, finde mich wieder und verliere mich erneut. Neben mir, eine Bank weiter, sitzt eine junge Frau, ebenfalls mit einem Buch. Manchmal spähe ich im Augenwinkel nach ihr, um zu schauen, ob sie immer noch liest, oder öfter auf-, als auf ihr Buch schaut. Ich fühle mich mit ihr verbunden, eine Gemeinschaft zweier Leser auf benachbarten Bänken. Ich frage mich, ob sie das auch denkt. Die Sonnenstrahlen sind wieder hinter den Blättern verschwunden, ich mache die Augen auf. Die junge Frau ist weitergegangen.</p>
<h3>Because the Internet</h3>
<p>Manchmal schaue ich self-help Videos auf YouTube. Da erklärt dann einer, wie man seinen Tag besser strukturiert, schlechte Gewohnheiten los wird und ganz generell einfach glücklicher in seinem Leben sein kann. Aufgrund meiner masochistischen Veranlagung lese ich immer die Kommentare und bei diesen Videos lohnt es sich tatsächlich. Keine Danksagungen an den Schöpfer der Lifestyle-Tipps, keine Kalendersprüche. Das Top-Comment liest sich immer gleich. Die Leute, die diese Videos schauen, sind gefangen in einem Zirkel. Sie können nicht damit aufhören, Videos zu schauen, die ihnen erklären, wie sie ihr Leben auf die Reihe bringen können. Sie schauen also Videos, die ihnen erklären, wie sie ihr Leben auf die Reihe bringen können, anstatt ihr Leben auf die Reihe zu bringen. Bei meiner diesbezüglichen Recherche war es fünf Uhr morgens und ich war vermutlich gerade in einem ähnlichen Zirkel gefangen und trotzdem musste ich laut loslachen. Wir machen uns so viele Gedanken und Sorgen über unser Streben nach Perfektion, opfern uns der Optimierung und scheitern, natürlich, an uns selbst.</p>
<p>Dopamin gibt es – wie Zigaretten – auf Knopfdruck. Verzweifelt betteln wir den Barkeeper um eine letzte Runde Serotonin, obwohl seit Monaten Zapfenstreich ist. Bei den wöchentlichen Zoom-Meetings hoffen wir auf Verbindungen, die nichts mit dem Internet zu tun haben. Doch auch mit Touchscreen kommt es zu keiner Berührung. Alle sind so ernst geworden, das letzte demaskierte Lächeln liegt über ein Jahr zurück. Das Leben spielt sich nicht mehr in der Stadt, den Bars oder der Uni ab, sondern nur mehr in einem Gefühl und seiner Unerreichbarkeit. Womöglich ist Glück nur ein Mythos, ein unerreichbares Ding, das unserem Handeln als Leitstern dient. Vielleicht ist es auch nur ein Moment, wie jeder andere, den wir nicht und nicht zu fassen bekommen.</p>
<p>Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung von Glück und ich glaube niemandem, der behauptet, dass er etwas darüber wüsste. Ich weiß nur, wenn ich es nicht habe, so sehne ich es herbei; und wenn ich es bekomme, so fürchte ich nur, dass es mich wieder verlässt.</p>
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		<title>Träumerische Flugstunden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Kogler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Dec 2021 13:09:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erwartungen, egal ob sie an sich selbst gerichtet sind oder von jemandem anderen kommen, können zu einer lähmenden und erdrückenden Last werden. Eine träumerische Auseinandersetzung. Dem entgegengesetzt ist die Hoffnung,&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Erwartungen, egal ob sie an sich selbst gerichtet sind oder von jemandem anderen kommen, können zu einer lähmenden und erdrückenden Last werden. Eine träumerische Auseinandersetzung.</div>
<p><span id="more-15488"></span></p>
<p>Dem entgegengesetzt ist die Hoffnung, die einen trägt und motiviert. So geht es einem auch oft in einem der kulturwissenschaftlichen Nischenfächer in Innsbruck. Die Hoffnung die Welt zu verändern und einen grandiosen Job zu bekommen ist groß, die Erwartung in Innsbruck und Umgebung dafür meist aber eher klein. Doch wovon wird diese Hoffnung gefüttert? Geben wir der Hoffnung einmal einen Perspektivenwechsel und verwenden statt hoffen träumen. Im Traum scheint beinahe alles möglich zu sein, also lassen wir für ein paar Minuten unsere Träume und Hoffnungen schweifen, um unsere Motivationsbatterien für die richtige Welt wieder aufzuladen.</p>
<h3>Von Monstern und Blumen</h3>
<p>Auch in diesem Traum gibt es nicht nur Blumenwiesen und Idylle, sondern auch Momente des Alptraums. Diesen Alptraum durchleben gerade jetzt viele, vor allem Studierende kulturwissenschaftlicher Nischenfächer. Die Kulturwelt ist eingefroren und gleicht in Tirol, einer Eiswüste, die nur noch magere Pflänzchen wachsen lässt. Der Alptraum hier ist nicht die Kälte und Einsamkeit, sondern die Angst nicht genügend Praxis für die kulturell-ästhetische Jobwelt zu bekommen, beziehungsweise überhaupt je eine Stelle als Berufseinsteiger oder Berufseinsteigerin zu finden. Mit Corona sind gefühlt auch noch die letzten Sonnenstrahlen aus der Welt verdrängt worden und das Monster Zeit lauert noch gieriger über dem Studium, der Freizeit und anderen Dingen, die uns wichtig sind.</p>
<p>Doch trotz all diesen dunklen Erwartungen, schaffen es robuste Pflänzchen der Hoffnung beharrlich zu wachsen und zu gedeihen. Hier sind es die Hoffnung auf neue Chancen und Möglichkeiten, die erst durch den globalen Rahmen der Pandemie sichtbar wurden. Die rosa Blume in dieser Szenerie ist die Zeit, die durch Jobverlust und eingeschränkte soziale Kontakte in das Studium investiert werden kann. Auf einmal ist das Studium zu einer saftigen Wiese erblüht, mit einem unerschöpflichen Teich an Perspektiven, Sichtweisen und Möglichkeiten, auch in Innsbruck. Im Alptraum schafft es die Sonne langsam wieder durch die Wolken zu brechen. Sie ist gestärkt durch die vielen neuen Themen und Ideen, die während dem Semester behandelt und erforscht wurden.</p>
<h3>Augen zu und durch</h3>
<p>Angespornt durch das Licht, kann im Traum schon Mal ein Flugversuch gestartet werden. Die Lichtquelle ist eine Stellenausschreibung der Tiroler Landesmuseen, von der nicht einmal zu träumen gewagt wurde. So geht es nun an den Bau einer flugtüchtigen Bewerbung. Der Körper des Flugobjektes ist zusammengesetzt aus: Matura, einem Bachelor in Literaturwissenschaft, einem laufenden Masterstudium und Arbeitserfahrungen als Kellnerin. Zusammengehalten wird das ganze durch den Kleber der Soft Skills: Teamfähigkeit, Loyalität und Weltoffenheit – jetzt kann man nur mehr hoffen, dass das Flugobjekt nach dem Start auch einen Platz auf der hoffnungslos überfüllten Landebahn namens befristete Teilzeitstelle findet.</p>
<p>Bang-Crash-Boom. Eine harte Landung zurück in der Eiswüste. Das Feld ist zu überfüllt und die erfahreneren Fliegenden werden bevorzugt. Trotzdem, die Hoffnung ist nicht verpufft. Immerhin, der Tunnel ist sichtbar geworden und die Teile des Fliegers sind, ganz im Zeitgeist, auch wiederverwendbar und verpackungsfrei. Die TLM und ähnlich hoffnungsvolle Institutionen in Innsbruck werden wieder neue Stellen ausschreiben und Nachwuchs suchen.</p>
<h3>Lass los und du wirst fliegen</h3>
<div id="attachment_15482" style="width: 694px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-15482" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-15482" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-684x1024.jpg" alt="" width="684" height="1024" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-684x1024.jpg 684w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-200x300.jpg 200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-768x1151.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-1025x1536.jpg 1025w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden-585x876.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-hoffnung-flugstunden.jpg 1068w" sizes="(max-width: 684px) 100vw, 684px" /><p id="caption-attachment-15482" class="wp-caption-text">Foto: UNIpress</p></div>
<p>Ein weiterer Sonnenstrahl scheint über der Eiswüste auf. Eine neue Stellenausschreibung. Hier bekommt das Flugobjekt jedoch leider keine Starterlaubnis, denn als Voraussetzung wird eine andere Ausbildung des Fliegenden gefordert. Zack. Hier ist der wahrscheinlich so lange erwartete Hitzeanstieg, um die Eisdecke zu durchbrechen: Im Moment, so aussichtslos die Situation auch scheinen mag, ist es an der Zeit die Schwerelosigkeit des Traums zu testen und zu fliegen. Begleitet werde ich im Traum von einem schwebenden Vaclav Havel, der schreit: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ Die Hoffnung und Befreiung von der ständigen Sinnhaftigkeit schafft es, einen im Traum fliegen zu lassen und wird für eine Jobaussicht im kulturellen Bereich Innsbrucks auch dringend benötigt.</p>
<h3>Das Aufwachen</h3>
<p>Nun gilt es zu entscheiden, war es ein Alptraum oder doch nicht? Wache ich mit dem Gefühl auf in Richtung Utopie, einen Platz im begrenzten Berufspool Tirols, zu lenken oder werde ich am Ende doch im eisigen Höllenfeuer der dystopischen Zukunft landen? Diese Entscheidung bleibt jedem und jeder selbst überlassen. Wir alle können unseren Teil zu einer gemeinsamen und funktionierenden Gesellschaft beitragen, die vielleicht sogar weltweit funktionieren könnte, indem wir zu unseren Hoffnungen stehen. Immer noch beflügelt von der Freiheit und Hoffnung des Traumes ist es einfacher die Niederlagen im Alltag zu bewältigen oder diese gar nicht erst als solche zu sehen. Oft brauchen wir einfach mehr Mut und Hoffnung, um zu sagen, dass das Studium der Nischenfächer zwar nicht der schnelle Weg ist, aber dafür einer, der aus Überzeugung und Hoffnung für Veränderung beschritten wird. So ist der Hunger auf Kunst und Kultur in Innsbruck nach Corona hoffentlich groß genug, dass auch die weite Bevölkerung Kultur(-wissenschaft) als relevant und unverzichtbar ansieht. Wir hoffen alle auf eine sichere Zukunft, egal ob es dabei um egoistische Kleinigkeiten wie den perfekten Job geht oder um das Große und Ganze, wie den Klimawandel und eine Gesellschaft, die global aufeinander Acht gibt. Lasst uns losfliegen, hoffnungsvoll unseren Träumen entgegen, um der Sonne so nahe wie möglich zu kommen, ohne dass unsere Flügel schmelzen.</p>
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