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	<title>Anna Kirchgatterer, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Von Bergen und Brücken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Dec 2021 11:20:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[EssaysIBK]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir befinden uns im Jahr 11hundertirgendwas. Am Inn steht eine kleine Ansammlung an Häusern, die meisten aus Holz. Es sind so wenige, dass man sie mühelos zählen könnte. Zwischen den&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Wir befinden uns im Jahr 11hundertirgendwas. Am Inn steht eine kleine Ansammlung an Häusern, die meisten aus Holz. Es sind so wenige, dass man sie mühelos zählen könnte.</div>
<p><span id="more-15284"></span></p>
<p>Zwischen den Gebäuden gackern ein paar Hühner und die ersten Händler beginnen schon, ihre Waren anzupreisen. Wo später die Maria-Theresien-Straße verläuft, zieht sich ein Feldweg, über den ein Bauer gerade seinen Karren zieht. Es ist Markttag. Die beschauliche Ansammlung von Häusern – und doch die größte in der Umgebung – ist ein willkommener Zwischenstopp für die von Nord nach Süd und zurück ziehenden Händler. Das Prunkstück und ganzer Stolz der werdenden Stadt ist die neu errichtete Brücke über den Inn.</p>
<h3>Brücken schlagen</h3>
<p>Heute gibt es fast keine Zeugnisse mehr von dieser ersten Brücke, durch die Innsbruck zu dem wurde was es heute ist. Für eine Bevölkerung, die auf Fähren oder breite, seichte Stellen im Flusslauf angewiesen war, war eine Brücke eine große Errungenschaft. Für die Menschen, die nicht weit herumkamen, war dieses Bauwerk von ähnlicher Bedeutung wie das Kolosseum in Rom oder die ersten Wolkenkratzer. Eine zum Dorf gehörende Brücke war etwas Besonderes, bedeutete weiterwachsenden Wohlstand. Erst im 16. Jahrhundert baute man eine zweite.</p>
<p>Im 21. Jahrhundert finden sich am Stadtgebiet schließlich 15 Brücken. Es spannen sich Balken-, Bogen- oder Schrägseilbrücken über den Inn, sie gehören zum Stadtbild wie die altehrwürdigen Gebäude der Altstadt, die vielen Kirchen, die Klinik und die hässlichen Türme der Geiwi. Tatsächlich aber würde man von der Hungerburg hinunter auf die Stadt blickend eher auf die architektonisch missglückten Hallen der Wissenschaft mit Betonhof als auf die Universitätsbrücke davor aufmerksam machen. „Schau, hier sitze ich seit drei Jahren und studiere.“</p>
<p>Apropos Studieren: Als die Uni Innsbruck ihr neues Motto für die 350 Jahre-Feier auswählen musste, hatte sie die Qual der Wahl. Bezieht sie sich auf die einzigartig machenden Berge oder die symbolisch so schön aufladbaren Brücken? Man entschied sich für letzteres, für die Aufforderung, gemeinsam Brücken in die Zukunft zu bauen. Man hätte auch miteinander einen Berg erklimmen können. Aber da wäre der Gipfel dann irgendwann erreicht. Die Berge sind eine Begebenheit, an die man sich anpassen muss. Brücken bieten die Möglichkeit, die Umwelt zu gestalten.</p>
<p>Und dies wird in Innsbruck gemacht. Das Leben in Innsbruck spielt sich ab zwischen Altstadt und Höttinger Gasse, zwischen Sowi, Hofgarten und St. Nikolaus, der Hauptuni und Hötting. Studierende düsen mit dem Rad zu Konzerten, Verabredungen und Sportevents. Die Brücken sind das verbindende Glied, Adern die kaum jemals auffallen – außer man steht bei Hochwasser vor der gesperrten Fußgängerbrücke. Brücken haben nämlich eine entscheidende Eigenschaft: Sie fallen meist nur auf, wenn sie nicht da sind.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-15288" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer-300x201.jpg" alt="" width="1024" height="686" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer-300x201.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer-768x515.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer-585x392.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/Innsbruck_Ansicht_Dürer.jpg 800w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Albrecht Dürer hat nicht nur den berühmten Hasen gemalt, sondern auch eine Ansicht von Innsbruck (1495). Die Lage am Inn spielt eine wichtige Rolle, die Stadt sieht fast ein bisschen aus wie Venedig. Die Umrisslinien der historischen Stadtansicht wurden in den Pavillon in St. Nikolaus (Waltherpark) eingepasst. Dort soll der Maler gestanden haben, als er die Stadt auf seiner Leinwand festhielt.</div>
<h3>Brücken überbrücken</h3>
<p>Die Stadt Innsbruck nützt die Bauwerke selbst als Mittel des Marketings und nennt die Brücke ein „Symbol für die Überwindung von Gräben und trennenden Grenzen“. Dass die Partnerstädte New Orleans und Grenoble Namensgeber für zwei sind, verwundert nicht. Was gibt es besseres, als seine guten Absichten mit der Benennung einer Brücke zu bekunden, sie auf ein verbindendes Bauwerk zu projizieren?</p>
<p>Jener oben erwähnte Steg, der bei Hochwasser gerne gesperrt wird, ist übrigens nach einem französischen General benannt. Marie Émile Antoine Béthouart war während der Besatzung in Tirol, er sicherte sich die Beliebtheit bei den Tirolern indem er 1950 einen Kranz am Andreas-Hofer-Denkmal am Bergisel niederlegte. Wen wundert es da, dass der Gemeinderat fünfzig Jahre später einstimmig beschließt, den Steg nach ihm zu benennen? Eine Brücke für einen Diplomaten, der wusste, wie er die Tiroler für sich einnimmt. Etwas weiter flussabwärts ist ein Steg nach einem gewissen Hans Psenner benannt. Er war der „Vater des Alpenzoos“, passenderweise passiert man den nach ihm benannten Steg, wenn man sich zu Fuß auf den Weg zum höchstgelegenen Zoo Europas macht.</p>
<p>Brücken schlagen, eine goldene Brücke bauen – ein solches Bauwerk kann für verschiedenste Metaphern verwendet werden. Nicht umsonst wird sie in Philosophie und Literatur gerne verwendet. Franz Kafka ging wie gewohnt einen eher unüblichen Weg, macht in seinem Gleichnis „Die Brücke“ das Bauwerk zu einem Mischwesen zwischen ebenjenem und Mensch. Es wartet darauf, endlich den ihm zugeschriebenen Sinn zu erfüllen. In keiner Karte ist die aus menschlichen Bestandteilen bestehende Brücke eingezeichnet, kein Tourist oder Wanderer hat sich je zu ihr verirrt.</p>
<p>„Dann aber – gerade träumte ich ihm nach über Berg und Tal – sprang er mit beiden Füßen mir mitten auf den Leib. Ich erschauerte in wildem Schmerz, gänzlich unwissend. Wer war es? Ein Kind? Ein Traum? Ein Wegelagerer? Ein Selbstmörder? Ein Versucher? Ein Vernichter? Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon, ich stürzte, und schon war ich zerrissen und aufgespießt von den zugespitzten Kieseln, die mich immer so friedlich aus dem rasenden Wasser angestarrt hatten.“</p>
<h3>Brücke zur Realität</h3>
<p>Innsbrucks Brücken sind dann aber doch nicht ganz so einsam wie jene von Kafka beschriebene. Täglich sind tausende Menschen unterwegs, spazieren, flanieren, eilen, laufen, marschieren, schlendern, rollen oder wandern über die Wege der Stadt. Ein Bauwerk wie eine Brücke könnte da schon einiges erzählen. So zeugen zum Beispiel die Schlösser an der Innbrücke und am Emile-Béthouart-Steg von den zahlreichen Liebesbekundungen, die auf und um den Inn gegeben wurden. Über die Karwendelbrücke wurde regelmäßig von den Feiern im Hafen heimgewankt, der Blödsinn, der da oft geredet wird, würde wohl kein nüchternes Ohr erfreuen. Und wie man hört, wurden bei Mondschein – oder auch bei Tageslicht – schon so manche Hüllen fallengelassen. Die Resultate erfreuten einzelne Lover oder auch ganze Fachschaften, wie das Titelbild der Februarausgabe 2015, auf dem unser damaliger Chefredakteur Tim Jekat als Schwimmer posierte.</p>
<p>Die Lesart Kafkas der scheiternden zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft uns auch heute immer wieder – nicht nur in Zeiten von Corona. Es wurden Brücken gebaut und abgerissen, neue Bauweisen erprobt und ältere Stege gepflegt. Auch in unserer Stadt mussten Brücken neu aufgebaut werden. So wurde jene Behelfsbrücke, die vor der Grenobler Brücke ihren Platz einnahm, vom Schutt der alten Mühlauer Brücke weggeschwemmt.</p>
<p>Von der kleinen Häuseransammlung des hochmittelalterlichen Markt Innsbruck ist nicht mehr viel da. Die Stadt hat sich mit der Zeit verändert, vergrößert. Eine Brücke ist nicht mehr Alleinstellungsmerkmal in der Region. Im Wappen und vor allem auch im Namen ist diese Erinnerung aber geblieben. Egal, was in der Studienzeit in Innsbruck so geschehen mag und wohin es einen verschlägt. Die Brücken hinter uns werden wir nicht abbrechen.</p>
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		<title>Leichte Lösung Leerstandsabgabe?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Dec 2021 12:03:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neue Stadt, neue Freunde, neue Wohnung. Gerade aber die Suche nach letzterem wird laut einer aktuellen Zählung der Stadt Innsbruck erschwert. Denn rund 9 Prozent der Wohnobjekte stehen dem Markt&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Neue Stadt, neue Freunde, neue Wohnung. Gerade aber die Suche nach letzterem wird laut einer aktuellen Zählung der Stadt Innsbruck erschwert. Denn rund 9 Prozent der Wohnobjekte stehen dem Markt gar nicht zur Verfügung.</div>
<p><span id="more-15276"></span></p>
<h2>Die Leerstandserhebung</h2>
<p>Das Referat für Gebäude- und Wohnungsregister kommt laut einer aktuellen Zählung auf eine Leerstandsquote von 8,9 Prozent im Stadtgebiet von Innsbruck. Dafür wird gerade nach und nach der städtische Bestand aller Gebäude und Wohnungen mithilfe des Zentralen Melderegisters auf den aktuellen Stand gebracht. Als „leer“ gezählt wurden jene Wohnungen, bei denen seit mindestens sechs Monaten kein Haupt- oder Nebensitz gemeldet war.</p>
<p>Mehrere Sprengel im Westen und viele weitere Innsbrucker Wohnungen wurden vom Referat überprüft. Von den insgesamt 77.500 Wohnungen in Innsbruck konnten bis zum 1. November 24.594 Einheiten bzw. 31,7 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes korrigiert werden. Von diesen finden sich wiederum rund 20.000 seit mindestens sechs Monaten im Monitoring der Statistik und davon standen 1.700 im letzten halben Jahr leer.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-15279 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2.jpg" alt="" width="1280" height="853" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2.jpg 1280w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-1024x682.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2021/12/unipress-kirchgatterer-wohnen-symbolfoto-2-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></p>
<p>Die Arbeit des Referats für Gebäude- und Wohnungsregister ist zeitaufwändig: Passen baurechtlich bewilligte oder im Grundbuch eingetragene Einheiten nicht mit dem Melderegister zusammen, liegt ein „Klärungsfall“ vor. Dieser muss in direktem Kontakt mit den betroffenen Bewohner:innen bzw. den Eigentümer:innen sowie deren Hausverwaltungen geprüft werden. Die Klärung hänge auch von deren Kooperationsbereitschaft ab, so Referatsleiter Manfred Hirsch.</p>
<h2>Rahmengesetze vom Land sollen kommen</h2>
<p>„Die neuen Daten zeigen, dass der Anteil unbewohnter Wohnungen deutlich höher ist als bisher angenommen. Fast jede zehnte Wohnung steht leer, was die Wohnungspreise aufgrund der Verknappung des Angebotes in die Höhe treibt. Umso dringlicher muss das Land Tirol endlich die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Leerstandsabgabe schaffen“, bekräftigt Bürgermeister Georg Willi die Forderung der Stadt Innsbruck. Ziel der Abgabe ist es, leere Wohnungen auf den Markt zu bringen und diesen zu entspannen.</p>
<p>Im Land arbeite man bereits auf Hochtouren: „Betreffend die Vorbereitung eines Gesetzesentwurfs für die Abgabe findet derzeit ein intensiver fachlicher und politischer Diskurs statt und es wird an einem entsprechenden Entwurf gearbeitet.“ Mit einem entsprechenden gesetzlichen Rahmen des Landes kann die Stadt Innsbruck in weiterer Folge spezielle Maßnahmen zur Mobilisierung von Leerstand ergreifen, wie zum Beispiel eine Leerstandsabgabe einführen. Wann der gesetzliche Rahmen stehen soll, kann nicht gesagt werden.</p>
<p>Dass die Raumordnungsplanung in Innsbruck nicht immer die gewünschten Effekte erzielt, zeigt auch die <a href="https://www.unipress.at/gesellschaft/wohnhaus-hotel/">Umwandlung eines Wohnhauses gegenüber der Hautptbibliothek in ein Hotel</a> (UNIPress berichtete). Für die Stadt bleibt das Thema (studentisches) Wohnen aber zwangsläufig aktuell. In einem 2020 vom Amt für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration herausgegebenen Bericht wird empfohlen, das Angebot an Heimplätzen auszubauen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Dies sieht auch Bürgermeister Georg Willi, der<a href="https://www.unipress.at/politik/wo-ein-willi-da-ein-radweg/"> im Februar einige Projekte für studentisches Wohnen ankündigte</a>.</p>
<h2>Studentisches Wohnen in Zahlen</h2>
<p>Viele Maturant:innen und Spät(er)entschlossene entscheiden sich, ihr Studium in Innsbruck zu beginnen. Ein für viele nachvollziehbarer Gedanke, bietet Innsbruck doch viele Vorteile. Allerdings verschafft manchen die Suche nach einer Wohnung einen ersten Dämpfer.</p>
<p>Denn gefühlt ist der Innsbrucker Wohnungsmarkt katastrophal. Besonders im September gibt es für ein Zimmer einige dutzend Anfragen, aber auch unterm Jahr ist die Wohnungssuche kein Zuckerschlecken. Rund 22 Prozent der Bevölkerung in Innsbruck (gerechnet anhand von Haupt- und Nebenwohnsitzen) sind Studierende. In verschiedenen Erhebungen wurde daher versucht, studentisches Wohnen zu vermessen, so der vom Amt für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration herausgegebene Bericht.</p>
<p>Laut diesem wohnten im Wintersemester 2017/18 10,5 Prozent der Studierenden in Studierendenheimen, 37 Prozent in WGs und je circa ein Fünftel im Elternhaushalt oder mit dem/der Partner:in zusammen. Im Sommer 2018 zahlte man für ein Einzelzimmer in einem der 38 Studentenheime im Schnitt 340 Euro. Wer ein solches ergattern konnte (oder wollte), wohnt verhältnismäßig günstig in Tirols Hauptstadt, denn im Mittel gaben Studierende 2019 420 Euro monatlich fürs Wohnen aus. Laut Studierenden-Sozialerhebung ist speziell das Innsbrucker WG-Leben teurer als in anderen Hauptstädten. Trotzdem wohnen bei uns vergleichsweise mehr Menschen in WGs als im Städte-Durchschnitt.</p>
<h2>Anlaufstellen</h2>
<p>Auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung kann die <a href="https://wohnen.oehweb.at/">ÖH Wohnungsbörse</a> oder auch der <a href="https://www.oehweb.at/wp-content/uploads/2021/10/Heimkompass2021_Endfassung.pdf">Heimkompass</a> wertvolle Dienste leisten. Das <a href="https://www.oehweb.at/services/heime-und-wohnen/">Referat für Heime und Wohnen</a> steht dir außerdem bei Problemen mit Vermieter:innen oder sonstigen Fragen rund ums Thema Wohnen zur Seite. Sei es die Mietzinsbeihilfe, ein Wasserschaden oder die nicht zurückgezahlte Kaution; das Referat steht einem immer zur Seite.</p>
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		<title>Ein Jahr Corona und (k)ein Ende in Sicht</title>
		<link>https://www.unipress.at/wissenschaft/prof-weiss-im-interview/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2021 11:01:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Man kann davon ausgehen, dass es im Sommer besser wird“, meint Prof. Günter Weiss im Gespräch über die Studie in Schwaz, Sport und den kommenden Sommer. UNIpress: Anfang Februar haben&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">„Man kann davon ausgehen, dass es im Sommer besser wird“, meint Prof. Günter Weiss im Gespräch über die Studie in Schwaz, Sport und den kommenden Sommer.</div>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Anfang Februar haben Sie sich gegen eine Isolation Tirols ausgesprochen. Mittlerweile ist die Anzahl der mit der „südafrikanischen“ Virusvariante B.1.351 infizierten Personen zurückgegangen und im Bezirk Schwaz hat die Impfung begonnen. Ist die Lage unter Kontrolle?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Zu dem Zeitpunkt Anfang Februar, als diese Mutationen aufgetreten sind, hat man die schon in ganz Europa an verschiedenen Orten nachgewiesen. Deshalb ging es auch nicht mehr darum, diese zu verdrängen, die waren da schon eine Begebenheit. Es ging darum <span class="aCOpRe">–</span> und das macht man bei jedem Infektionsgeschehen <span class="aCOpRe">– </span>zu versuchen, die Infektionszahlen zu reduzieren und die Ausbreitung einzudämmen. Das heißt, ich muss diejenigen testen, die Symptome haben, rasch ein entsprechendes Contact Tracing betreiben, die Impfungen vorantreiben und die Leute auffordern, die Hygieneregeln einzuhalten, auch wenn diese den Menschen schon beim Hals heraushängen. Um die Lage unter Kontrolle zu bekommen, muss ich auf lokale Maßnahmen setzen.</p>
<p>Bei einer Virusmutation bleiben jene Viren über, die einen entsprechenden Vorteil haben, also entweder ansteckender sind oder Menschen wieder befallen können, die schon einmal eine Infektion hatten. Wir sehen das auch bei der britischen Mutante, die jetzt die dominierende in Österreich ist. Sie bleibt übrig, weil sie einfach ansteckender ist. Und das zweite Problem beim britischen Virus ist, dass die Infektionen mitunter schwerer verlaufen und <span class="aCOpRe">–</span> so die Zahlen aus England <span class="aCOpRe">– </span>häufiger zu Todesfällen führen.</p>
<p>Mutationen sind Teil einer Virusinfektion und Teil des pandemischen Geschehens. Wir müssen versuchen, die Infektionszahlen so gut wie möglich unter Kontrolle zu bringen, aber auch lernen, mit dem Virus zu leben und einen pragmatischen Zwischenweg finden zwischen Schutz, Infektionsbekämpfung und einem halbwegs normalen Leben für die Bevölkerung.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>In Schwaz haben sich 76% der Impfberechtigten zur Impfung angemeldet. Ist das genug?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Das ist meiner Meinung nach eine sehr hohe Zahl. Man wird im weiteren Verlauf sehen, inwieweit eine so hohe Durchimpfungsrate in einer relativ kurzen Zeit einen Einfluss auf das Infektionsgeschehen generell hat und wie schnell es dann zurückgeht. Man muss den Leuten aber auch sagen, dass es eine Zeit dauert, bis eine Impfung einen entsprechenden Schutz bietet. Da kann man von zwei bis drei Wochen ausgehen. Man muss sich auch weiterhin an die entsprechenden Umgangs- und Hygieneregeln halten, um zu verhindern, dass man sich infiziert oder die Infektion weitergibt.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Ohne etwas verharmlosen zu wollen: Nach einer Recherche der Zeit, veröffentlicht am 17. Februar 2021, sind zwischen 20 und 30 Prozent der Menschen, die in der offiziellen Statistik Deutschlands, bzw. des Robert-Koch-Instituts als stationär behandelte Corona-Patienten geführt werden, nicht wegen Corona im Krankenhaus. Sie wurden zufällig positiv getestet, etwa Schwangere oder verunfallte Personen. Gibt es für Österreich, bzw. für Innsbruck, ähnliche Zahlen?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Nicht alle Patienten, die Corona-positiv sind, sind wegen dieser Erkrankung im Krankenhaus. Es kann natürlich sein, dass jemand einen Herzinfarkt hat oder von einem Baugerüst fällt und dann stellt sich heraus, dass er Corona-positiv ist. Das ist ein Phänomen, das wir weltweit sehen und auch hier haben. Für genaue Zahlen müssten Sie die AGES fragen.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Ernährung, Sport und genügend Schlaf werden auch bezüglich einer Coronainfektion immer wieder als Faktoren genannt, um diese besser überwinden zu können. Viele Möglichkeiten, Sport zu machen, sind in den letzten Monaten weggefallen. Sollte auf diese Faktoren mehr Rücksicht genommen werden, besonders auch mit Blick darauf, dass uns das Virus noch länger beschäftigen könnte?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Prinzipiell hat sich gezeigt, dass regelmäßige körperliche Tätigkeit das Risiko für schwere Verläufe von Virusinfektionen wie Influenza minimiert. Wir sind von Anfang an dafür eingetreten, dass die Leute auch Bewegung im Freien machen können, da dies nicht nur positive Effekte auf das Immunsystem, sondern natürlich auch auf die psychische Gesundheit hat. Insofern ist es wichtig, den Leuten die Möglichkeit zu bieten, im Freien zu sein oder auch Sport zu machen. Gute Ernährung ist immer ein Punkt, der gebracht wird, wobei immer die Frage ist, was man darunter versteht. Sie scheint aber mitunter eine Rolle zu spielen. Das Sonnenlicht spielt auch eine Rolle, vor allem in der kalten Jahreszeit. Vitamin-D-Mangel ist mit einem erhöhten Infektionsrisiko assoziiert. Eine gesunde Lebensweise ist wichtig, Raucher zum Beispiel haben ein höheres Risiko, an Corona zu erkranken. Auch der Body-Maß-Index spielt eine Rolle.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Österreich ist Testweltmeister. Ist das viele Testen der richtige Weg?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Man muss das differenziert sehen. Die Massentestungen, also möglichst viele Menschen an einem Tag zu testen, haben sich als nicht sehr effektiv erwiesen und konnten das Infektionsgeschehen nicht zurückdrängen. Diesbezüglich gibt es auch Daten aus anderen Ländern, wie zum Beispiel der Slowakei oder Südtirol. Wichtig ist, dass die Menschen niederschwelligen Zugang zum Testen haben, wenn sie Symptome haben. Sinn macht es auch, in sehr vulnerablen Bereichen zu testen, wo die Leute noch nicht geimpft sind, sei das jetzt im Krankenhaus oder in Alten- und Pflegeheimen. Aber es ist nicht zwingend notwendig, in allen Bereichen einen Test zu machen. Bei den Selbsttests hat man darüber hinaus auch keinen Einblick, wie gut diese durchgeführt wurden.</p>
<p>Niederschwelliger Zugang zu Tests macht Sinn, man muss aber überlegen, wo und wie viele Testungen in gewissen Bereichen wirklich zur Beherrschung des Infektionsgeschehens beitragen. Man hat viele Testkapazitäten hochgefahren, um eine gewisse Normalität begleitend zu ermöglichen. Da ist es natürlich auch wichtig, eine gewisse Konsistenz zu wahren. Es versteht niemand, dass ich zwar für den Friseur einen Test brauche, aber ich brauche zum Beispiel keinen Test, wenn ich zum Zahnarzt gehe. Wenn man schon so viel testet, muss man auch evaluieren, was das wirklich bringt. Dazu kommt auch eine falsche Sicherheit. Der Test ist eine Momentaufnahme, findet aber aufgrund der geringen Empfindlichkeit nicht alle Infizierten. Wenn man negativ getestet ist, heißt das nicht, dass man zu diesem Zeitpunkt nicht infektiös ist, zudem kann das am nächsten Tag schon wieder ganz anders aussehen. Unterm Strich kann es passieren, dass ich das, was ich durch die Tests gewonnen habe, indem ich einige Infizierte finde, durch die entsprechende Sorglosigkeit mit mangelnden Hygienemaßnahmen aufgrund des negativen Tests dann wieder verliere.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Testen bevor ich auf ein Bier gehe – macht das Sinn?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Durch das Testen fischt man – wie gesagt – ein paar Infizierte heraus, aber wenn die Leute letztendlich eng beisammensitzen und doch ein Positiver dabei ist, dann ist der Effekt vom Testen wieder aufgehoben. Im Endeffekt scheinen die Hygienemaßnahmen und die Kontaktregeln deutlich sinnvoller zu sein. In Österreich wird versucht, einen Mittelweg zu gehen. Ob der erfolgreich ist, wird man sehen.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Wir „feiern“ jetzt bald den ersten Jahrestag des Lockdowns. Wann haben Sie erkannt, dass das Coronavirus unser aller Leben beeinflussen wird?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Das war im Jänner klar. Allerdings war mir da noch nicht klar, dass es derartige Auswirkungen haben wird. Man ist eher davon ausgegangen, dass es auch bei uns immer wieder Fälle geben wird. Dass bereits Mitte Februar das Virus in ganz Europa verbreitet war und es eben auch zum Beispiel in Italien schon besonders viele Fälle gab, das haben wir erst zu dieser Zeit bemerkt. Ab Mitte/Ende Februar hat sich herauskristallisiert, dass das etwas ist, das uns noch lange beschäftigen wird. Das hat sich leider bewahrheitet. Überraschend war auch, dass die Vehemenz der zweiten Welle so stark war und so früh gekommen ist. Was auch überraschte, ist der Umstand, dass es jetzt schon so viele Mutationen gibt und sich diese laufend verändern und auch das Verhalten des Virus sich dadurch verändert.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Auch der Alltag der Studierenden ist von der Pandemie stark betroffen. Wir haben viel mitgetragen, aber langsam geht uns <span class="aCOpRe">–</span> wie so vielen anderen auch <span class="aCOpRe">–</span> die Luft aus. Gibt es etwas, das Sie jungen Menschen mitgeben möchten?</em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Es ist für alle Gesellschaftsschichten eine große Herausforderung. Sowohl was das Gesundheitliche, das Psychische, das Soziale, aber auch die wirtschaftlichen Ängste betrifft, die vorhanden sind. Das schwierige ist die Pandemiemüdigkeit, die sich eingeschlichen hat. Im Endeffekt geht es dann besser, wenn wir uns an diese Regeln halten und versuchen, durch die Maßnahmen und die Kontaktbeschränkungen eine weitere Ausbreitung zu verhindern und so schrittweise wieder in Richtung Normalität gelangen. Wenn man dann zum Inn geht und sieht, dass da Hunderte nebeneinander sitzen, ohne sich um irgendwelche Abstands- oder Hygienemaßnahmen zu scheren, dann ist das natürlich etwas, das dem weiteren Geschehen abträglich ist. Es prolongiert die Pandemie und betrifft somit auch jene Studierenden und jungen Menschen, die sich an die Maßnahmen halten. Man kann wohl davon ausgehen, dass es im Sommer besser wird – einerseits durch die Jahreszeit und zweitens auch natürlich durch die vermehrte Durchimpfungsrate. Ich glaube, jeder kann seinen Beitrag leisten und diese Pandemie kann nur gelöst werden, wenn alle an einem Strang ziehen.</p>
<p>Viele sind ob der Einschränkungen im täglichen Leben aufgrund der Pandemie erschöpft. Der Weg, den man gehen muss, ist ein schwieriger. Es ist ein Balanceakt, einerseits entsprechende Vorsicht walten zu lassen, um dann aber andererseits schrittweise den Menschen wieder ein normales Leben zurückzugeben.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Was sind Ihre ersten Pläne, wenn es wieder ruhiger geworden ist? </em></p>
<p><strong>Weiss:</strong> Mit meiner Familie essen gehen.</p>
<p><strong>UNIpress:</strong> <em>Vielen Dank für das Gespräch!</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Günter Weiss ist Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin VI mit den Schwerpunkten Infektiologie, Immunologie, Rheumatologie und Pneumologie. 1996 habilitierte er sich für Medizinische Biochemie und 1999 für Innere Medizin. Er ist außerdem Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin und u.a. gewähltes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.</em></p>
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		<title>5 Lokale für das erste Bier nach dem Lockdown</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2021 12:42:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum ein Mensch ist mittlerweile nicht genervt von den Ausgangsbeschränkungen – für alle, die schon vergessen haben, was ihr Lieblingslokal war, hier ein paar Tipps, wo sich das erste Bier&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Kaum ein Mensch ist mittlerweile nicht genervt von den Ausgangsbeschränkungen – für alle, die schon vergessen haben, was ihr Lieblingslokal war, hier ein paar Tipps, wo sich das erste Bier nach dem Lockdown kippen lässt.</div>
<p>Vorfreude ist die schönste Freude. So oder so ähnlich ging der Spruch meiner Mutter, wenn ich meinte, dass ich etwas kaum noch erwarten kann. Die Ereignisse, die man herbeisehnt, haben sich seit der Kindheit etwas verändert, der zugegeben etwas altkluge Spruch hat aber immer noch einen nicht ganz unwahren Kern.</p>
<h2>1. Das Zappa</h2>
<p>Wuzler, Dart und Airhockey, schräge Einrichtung und ein Raucherbereich, in dem echt viel gequalmt wurde, als man es noch durfte. Diese Beschreibung trifft auf viele Bars zu, das ZAPPA hebt sich aber definitiv aus der Menge hervor. Die Einrichtung ist noch einen Tick abgefahrener als in allen anderen Lokalitäten und die Auswahl an Getränken ist groß. Die Musik ist vielfältig, präsentiert wird das Beste aus den letzten Jahrzehnten, Rockliebhaber kommen auf ihre Kosten.<br />
Übrigens: Das Zappa feiert im Februar sein 30-jähriges Bestehen. Happy Birthday!</p>
<h2>2. John Montagu</h2>
<p>John Montagu war der 4. Earl of Sandwich. Wie er herausgefunden hat, lässt sich Rindfleisch zwischen zwei getoasteten Scheiben Weißbrot besser während des Arbeitens essen, im gleichnamigen Lokal kann man sich für sein Sandwich Zeit nehmen. Das Montagu ist ein Studentenlokal, wie man es sich heute vorstellt. Im liebevoll eingerichteten Gewölbekeller finden gerne Veranstaltungen statt, aber auch ohne lassen sich dort Bier oder Limonade bei einem netten Gespräch genießen.</p>
<p>Und: Im dazugehörenden Hostel können die Freunde untergebracht werden, die man im eigenen WG-Zimmer nicht mehr beherbergen kann.</p>
<h2>3. Jolly</h2>
<p>Noch länger als ins ZAPPA kann die Innsbrucker Studentenschaft ins Jolly gehen. Seit 1980 gibt es die kleine Bar, die Einrichtung ist Zeuge. Das hat durchaus sein Flair, in normalen Zeiten hält man es hier gut bis zur Sperrstunde aus. Empfehlenswert ist das PUB QUIZ, das aber leider nur zweimal im Jahr stattfindet.</p>
<p>Kleiner und etwas unerwarteter Bonus: eine Büchertauschecke.</p>
<h2>4. Galway Bay</h2>
<p>In dieser Aufzählung auf keinen Fall vergessen darf man das Galway. Neben den legendären St. Patricks Day-Feiern, die hier schon über die Bühne gegangen sind, lässt sich auch einfach ein gemütliches Bier trinken. Und wer schon an eine After-Corona-Party denkt: Im Keller gibt es die passende Location.</p>
<h2>5. Tribaun</h2>
<p>In eine Aufzählung, die sich um Bier dreht, ist das Tribaun einfach mitaufzunehmen. Die Auswahl ist schlicht unschlagbar und zeigt sich bereits an der beeindruckenden Reihe an Zapfhähnen an der Bar. Das Angebot wechselt auch immer wieder. Kleiner Tipp: Hunger mitbringen.</p>
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		<title>Flaumiger Schnee und Kasspatzln – das Lebenselixier der Österreicher*innen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Jan 2021 10:43:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die einen lieben es, an den anderen geht die Saison spurlos vorbei. Aber Fakt ist: Jeden Winter ziehen tausende Menschen ihre Bahnen durch den Schnee. Sie stehen Schlange vor den&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Die einen lieben es, an den anderen geht die Saison spurlos vorbei. Aber Fakt ist: Jeden Winter ziehen tausende Menschen ihre Bahnen durch den Schnee. Sie stehen Schlange vor den Gondeln und kehren mit roten Wangen in die Hütten ein. Im Wahlfisch stellen wir uns die alles entscheidende Frage: Gehört das Skifahren zur österreichischen Identität?</div>
<h2>Glücksmomente auf zwei Bretteln</h2>
<div class="bildunterschrift">Anna Kirchgatterer</div>
<p>Eine lässige Piste und die Sonne im Gesicht lassen jedes Herz höherschlagen. Die Skischuhe wiegen zunächst noch schwer, aber gemeinsam mit den zwei Brettln werden sie beinahe zu Flügeln. Federleicht, als würde man fliegen, zieht man seine Bahnen durch die weiße Pracht. Bedächtig fährt man seine ersten Schwünge, kostet dieses ganz besondere Gefühl aus.  Gerade nach den Strapazen der Einschränkungen wird es guttun, wieder auf der Piste stehen zu können.</p>
<p>Die meisten von uns sind quasi auf den zwei Brettln großgeworden. Nicht selten hört man den Ausspruch „Ich konnte Skifahren, bevor ich laufen konnte.“ Auf der Wiese hinterm Haus oder bei einem nahegelegenen Lift hat man seine ersten Bogerl im Pflug gezogen. Immer wieder ist man im Schnee gelandet und hat sich mit roten Wangen und halberfrorenen Fingern am Kachelofen aufgewärmt. Es sind ganz besondere Kindheitserinnerungen. Erinnerungen an Junkfood und Videospiele hingegen haben sicherlich auch ihren Einfluss, zumindest werden da Gaumen und Daumen trainiert.</p>
<p>Kein Sport ist so vielfältig wie das Skifahren. Man kann Buckelpisten bezwingen, Rennstrecken hinunterbrettern, seine Freestyle-Künste im Park verbessern oder durch hüfttiefen Powder gleiten. Kein Wunsch bleibt offen, für jeden ist das Passende dabei. Wer verletzungs- oder motivationsbedingt aussetzen muss, verlegt die sportliche Aktivität einfach auf die Couch. Denn auch die Rennen gehören zu Österreichs Identität. Wer von uns hat nicht schon einmal die Daumen für Hirscher, Matt und Co. gedrückt, hat nicht schon einmal mit ihnen mitgefiebert, sich zuhause geärgert oder gefreut? Andere hingegen kommen nie von der Couch weg, sie bemitleiden sich chipsessend und vermeiden die Waage, lästern über Lockdown und Regierung.</p>
<p>Skifahren macht glücklich und stärkt das Herz-Kreislaufsystem. Es gehört zur österreichischen Identität wie das Raunzen zu den Wienern. Wie das gute Essen zu den Südtirolern und die Diphthonge zu den Vorarlbergern. Es stärkt Körper und Geist, ist der Ausdruck einer Lebenseinstellung, der Nationalsport schlechthin. Kurz formuliert: Das Skifahren ist ein Identitätsmerkmal für alle Österreicher*innen.</p>
<div id="attachment_8453" style="width: 1290px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-8453" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-8453 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010.jpg" alt="" width="1280" height="960" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010.jpg 1280w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010-1024x768.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010-1170x878.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/IMG-20171223-WA0010-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /><p id="caption-attachment-8453" class="wp-caption-text">©Magdalena Altmiks</p></div>
<h2>Dann ab auf die Skier?</h2>
<div class="bildunterschrift">Magdalena Altmiks</div>
<p>Gastronomie, Schulen und Museen kann man ja verstehen – aber wehe, die Skigebiete starten ihre Lifte nicht. Das geht einem dann doch zu weit. Da geht ein Stück österreichischer Identität verloren! Das Recht darauf, beim ersten Flocken Schnee zu völlig überteuerten Preisen auf die Bretter zu steigen, um danach einen seinem Preis nicht gerecht werdenden Kaiserschmarrn zu genießen, lässt sich der Österreicher und die Österreicherin nicht so schnell nehmen.  Doch letztes Jahr war alles anders. Anstatt sich in mit Touristen überfüllte Gondeln zu stürzen, war man gefangen in der eigenen Wohnung.  Denn wer will schon zuhause im Warmen sitzen, mal so richtig entspannen und die Geborgenheit der eigenen vier Wände genießen, wenn man auch in der Kälte frieren oder die Enge der Gondeln mal hautnah erleben kann.</p>
<p>Doch seit dem 24. Dezember hat sich das ja geändert. Jetzt heißt es wieder die Skier aufs Auto montieren und auf ins Stubaital. Auf der Piste hat man ja auch Abstände. Dass die meisten Studierenden kein Auto haben und dann alle gemeinsam im Bus – geschweige denn in den Gondeln – sitzen, jetzt mal außer Acht . Und den Jägertee auf der Hütte gibt es dann wahrscheinlich auch nicht.</p>
<p>Immer wieder ist aber auch von der wirtschaftlichen Perspektive die Rede. 14,9 Milliarden Euro Einnahmen konnten in der Wintersaison 2019 durch den Tourismus verzeichnet werden. Diese Saision dürfen diese Touristen zwar noch gar nicht nach Österreich einreisen, aber das ignorieren wir mal geflissentlich. Denn wer kann sich einen Winter ohne den beliebten Sport vorstellen? Und danach geht es noch zum Après-Ski. Was soll da schon schief gehen? Ach stimmt, das darf man ja auch nicht mehr. Woran das wohl liegt ist nach Ischgl im Frühjahr unerklärlich. Denn was ist schon Skifahren ohne Après-Ski?</p>
<div id="attachment_8447" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-8447" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-8447 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/ski-1878902_1920.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-8447" class="wp-caption-text">Gedränge und Geschubse – wer will das bitte?</p></div>
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		<title>Wie man „irgendwie“ ein Wohnhaus zu einem Hotel macht – Ein Nachtrag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 09:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor zwei Jahren haben wir schon einmal darüber berichtet: Aus einem Wohnhaus in der Blasius-Hueber-Straße soll ein Hotel werden. Aufmerksamen Fußgänger*innen ist das Gerüst um das Gebäude wahrscheinlich aufgefallen. Das&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Vor zwei Jahren haben wir schon einmal darüber berichtet: Aus einem Wohnhaus in der Blasius-Hueber-Straße soll ein Hotel werden. Aufmerksamen Fußgänger*innen ist das Gerüst um das Gebäude wahrscheinlich aufgefallen.</div>
<p>Das Thema Wohnen genießt nach wie vor viel Aufmerksamkeit. Nicht ohne Grund: Innsbrucks Mietpreise gehören zu den höchsten in Österreich, der Markt ist heiß umkämpft. Vor beinahe zwei Jahren war der Umbau noch nicht sicher. Und obwohl das niemand so richtig wollte, wird aus dem leerstehenden Wohnhaus ein Low-Budget-Hotel der Meininger-Hotelkette. Was ist da also passiert? Hier kommt die Geschichte, wie man „irgendwie in etwas hineingeraten“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> ist.</p>
<div class="fusnote">[1] Das Zitat stammt von Gemeinderat Maximilian Kurz (FPÖ) in Bezug auf das Hotelprojekt, Gemeinderatssitzung vom 28. März 2019. Er sagt über Bürgermeister Willi, dass dieser „irgendwie in etwas hineingeraten ist.“</div>
<h2>Aller Unheil Anfang</h2>
<p>Am 2. November 2018 wurden die Pläne durch einen Artikel der Tiroler Tageszeitung bekannt. Geplant ist, in dem betreffenden Gebäude 2020 ein Low-Budget-Hotel mit 76 Zimmern und 261 Betten zu eröffnen. Das Gebäude soll vollständig saniert und erweitert werden. Zusätzlich zu den Zimmern sind im Erdgeschoss eine Bar, Rezeption, Frühstücksraum, Gästeküche und eine „Gamezone“ geplant. Die Geschäftsführung von MEININGER Hotels zeigt sich erfreut, nennt Innsbruck das „Tor zu Italien“ und erwartet einen bunten Mix an Individualtouristen, Backpackern, Businessreisenden und Familien mit Kindern. Angepriesen wird das geplante Hotel auch bereits mit der perfekten Lage – Altstadt und Bahnhof seien nicht weit entfernt, die Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr ideal.</p>
<p>Das betroffene Gebäude stand laut Stadt bereits seit Jahren leer, als die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG), eine Tochterfirma der Stadt, 2015 an den Eigentümer, die Österreichischen Bundesforste, herantrat. Die IIG wollte ein Studentenheim errichten, der gebotene Jahresbauzins war den Bundesforsten allerdings zu niedrig. „Aus Gründen der ,Budgetkonsolidierung’ und unter dem Druck des Rechnungshofes veräußert die Republik ihre Liegenschaften durchwegs zu Höchstpreisen“, begründet der amtsführende Stadtrat für Stadtplanung, Gerhard Fritz, den nicht erfolgten Kauf des Baurechts für das Gebäude.</p>
<p>Das Baurecht wurde schließlich versteigert – Höchstbietende war die BHS Immobilienverwaltung GmbH. 2015 verpflichtete sich diese vertraglich, Wohnungen zu errichten. Die Errichtung eines Beherbergungsbetriebes war ausdrücklich nicht gestattet. Drei Jahre später hat sich die Situation verändert: Den nötigen Änderungen des Baurechtsvertrages wurde zugestimmt und damit erlaubt, anstatt Wohnungen Hotelzimmer im Gebäude einzurichten.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8005 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-5.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Die Bauarbeiten sind in vollem Gange</div>
<h2>„Architektonisch unzureichende Vorschläge“</h2>
<p>Dies geschah, da ein Plan der Immobilienverwaltung, frei finanzierte Wohnungen entstehen zu lassen, von der Stadt abgelehnt worden war. Durch den Bau dieser wäre ein Großteil des Gebäudes abgerissen worden, da das Vermieten von Altbauten weniger Erträge bringt. Die Stadt ließ das Haus als „charakteristisches Gebäude“ des Tiroler Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes unter Schutz stellen. „Das vorgelegte Neubauprojekt war stadtgestalterisch und architektonisch unzureichend [&#8230;]. Es handelt sich durchaus um ein markantes, an dieser Stelle ortsbildprägendes Gebäude, das nicht durch eine beliebige postmoderne Architektur ersetzt werden sollte“, wird der Beschluss begründet. Die BHS Immobilienverwaltung ging dagegen gerichtlich vor, im Sommer einigte man sich darauf, die Beschwerde zurückzuziehen, wenn die Stadt dem Hotelprojekt zustimmt.</p>
<p>Das Hotelprojekt wurde mit der Stadt abgestimmt, der Hausbestand soll erhalten bleiben. Das betreffende Haus steht allerdings im Kerngebiet – ein Hotel, wie das geplante, wäre nicht erlaubt gewesen. Der Widmungs- und Bebauungsplan wurde vorbereitet und im März 2019 stimmte der Gemeinderat diesem zu. Gerhard Fritz, Stadtrat für Stadtplanung (Grüne), betonte damals auf Anfrage der UNIpress, dass das Gebäude lange Zeit leer gestanden hätte. Außerdem könne die Stadt keine bestimmte Nutzung erzwingen. Er nannte das Projekt „in der vorliegenden Form mit der Stadtplanung abgestimmt als die einzig realistische Lösung unter der Voraussetzung der Erhaltung des Bestandes.“ Dass gegen die erforderliche Flächenumwidmung gestimmt werden solle, hielt er damals nicht für sinnvoll, der Hotelbetrieb widerspreche dem öffentlichen Interesse ja nicht. Außerdem sei Bürgermeister Georg Willi bereits im Gespräch mit dem Investor, in der Blasius-Hueber-Straße oder an anderer Stelle, leistbares studentisches Wohnen zu ermöglichen.</p>
<h2>Hitzige Debatten</h2>
<p>Im März 2019 war es dann soweit: Die Umwidmung der Fläche stand an, um den Hotelbau tatsächlich möglich zu machen. Im Gemeinderat, so ist es aus den Protokollen zu vernehmen, ging es an diesem Tag hoch her. Aus der einfachen Abstimmung wurde eine Grundsatzdiskussion, jede Fraktion sah sich noch einmal bemüßigt, ihren Standpunkt klarzustellen. Unabhängig von den gegenseitigen Anschuldigungen brachte die Debatte noch einmal Licht in die Sache.</p>
<p>Bürgermeister Willi stellte klar, dass die Österreichische Bundesforste AG einen gesetzlichen Auftrag hat, freiwerdende Immobilien zum maximalen Marktwert zu verwerten. Ab diesem Zeitpunkt wäre jeder Gedanke von leistbarem Wohnraum hinfällig gewesen. Die Innsbrucker Immobilien GesmbH &amp; Co KG bot einen Baurechtszins von €25.000 im Jahr, vom Bestbieter kam ein Angebot über €77.000. Das Gebäude sollte abgerissen werden und wurde daraufhin unter Schutz gestellt. Der Bauwerber und der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte konnten sich schließlich auf die Errichtung eines Low-Budget-Hotels einigen – mit einer Zusage des Bürgermeisters, dass die entsprechenden Widmungen sowie Änderungen der Bebauungspläne beschlossen werden, wenn das Hotel wie vereinbart errichtet werde. Kurz: Nach der Versteigerung des Baurechts war, so Willi, keine Möglichkeit mehr gegeben, das Objekt für leistbaren Wohnraum zu verwenden. Erwähnt wird außerdem, dass laut Analysen der Bedarf für ein Hotel in dieser Preisklasse gegeben ist. Die Änderung des Bebauungsplanes wurde mit einem Mehrheitsbeschluss angenommen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8007 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-10.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<h2>Reaktionen aus dem Bund</h2>
<p>Selma Yildrim, Nationalratsabgeordnete der SPÖ, hat sich in der Angelegenheit an die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Elisabeth Köstinger (ÖVP), gewandt. Im November 2018 hinterfragte sie unter anderem die Einnahmen für das Areal und die fehlende Zusammenarbeit von Gebietskörperschaften. Zudem erkundigt sie sich, ob denn die Bundesforste angehalten sind, möglichst hohe Einnahmen zu lukrieren. Auch nach den Anliegen des Ressorts wird gefragt. Köstingers Antwort ist unbrauchbar: „Es wird darauf verwiesen, dass die vorliegenden Fragen die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Österreichischen Bundesforste AG betreffen, welche nicht vom Interpellationsrecht umfasst ist. Auf Art. 52 B-VG darf in diesem Zusammenhang verwiesen werden.“</p>
<p>Nach einer zweiten Anfrage vom 19. Februar 2019 wird darauf hingewiesen, dass „die Mitglieder des Aufsichtsrats [&#8230;] ihr Mandat grundsätzlich weisungsfrei und zum Wohle der Gesellschaft ausüben“. Dies ist offenbar eine dehnbare Auffassung.</p>
<h2>Heute</h2>
<p>Das Haus ist eingerüstet, nirgends findet sich ein Hinweis darauf, was hier entstehen soll. Dass Werbefläche vergeudet wird, verwundert zunächst. Auf Anfrage der UNIpress teilt man uns mit, dass die Entscheidung diesbezüglich nicht bei MEININGER lag. Der Hotelbau ist bei der lokalen Bevölkerung – soweit informiert – nicht besonders beliebt. Dass man keine großen Tafeln anbringt, ist daher nicht verwunderlich. Kritik und unpopuläre Aktionen, wie etwa eine Hausbesetzung wie sie in der Kapuzinergasse stattfand (<a href="https://www.unipress.at/politik/hausbesetzung-innsbruck/">die UNIpress berichtete</a>) blieben der Hotelkette damit erspart. Die Umbauarbeiten sind schon seit einigen Monaten im Gange. Bei einem Lokalaugenschein wird das geschäftige Treiben auf der Baustelle deutlich. Trotzdem kam es auch hier coronabedingt zu Verzögerungen. Das Hotel soll im zweiten Quartal 2021 eröffnen.</p>
<p>Worum ging es letztendlich bei der Umwidmung des Gebäudes? Warum wurde es nicht weiterhin als Wohnraum genutzt? Die Antwort ist simpel: Geld. Die Bundesforste waren verpflichtet, das Haus möglichst gewinnbringend zu verkaufen, die Stadt konnte oder wollte bei den Angeboten nicht mithalten. Die gebotenen €77.000 im Jahr müssen wieder hereingebracht werden, das Hotel scheint eine gewinnbringende Angelegenheit zu sein. Der Preis für eine Nacht soll übrigens, je nach Kategorie, bei €19 bis €27 beginnen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8006 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6-263x175.jpg 263w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/11/BudgetHotel20112020-6.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Der Eingangsbereich</div>
<h2>Hoffentlich kein Vorbild, das Schule macht</h2>
<p>Die Situation war beinahe von Beginn an aussichtslos. Es zeigt sich, dass der anhaltende Ruf nach leistbarem Wohnraum teils schwer umzusetzen ist. Dass nicht jedes Haus, dessen Vermietung nicht ertragreich genug ist, abgerissen werden kann, liegt auf der Hand. Hier ist aber auch die Politik in der Pflicht, nicht nur neue Wohnungen medienwirksam zu bauen, sondern auch einen Schwund in die andere Richtung zu verhindern. Dass die Wohnungen jahrelang leer gestanden haben ist bedauerlich, das heißt aber nicht, dass sie nicht gebraucht worden wären.</p>
<p>Dass der Gemeinderat einer Änderung des Widmungs- und Bebauungsplanes zugestimmt hat, ist ein Zeichen in die falsche Richtung. Mit einer Ablehnung wäre die Stadt Innsbruck aber vertragsbrüchig geworden. Fakt ist: Für leistbares Wohnen Sorge zu tragen, heißt, sich eben nicht den Regeln des freien Marktes zu unterwerfen. Diesbezüglich ist aber auch der Bund in die Pflicht zu nehmen. Zu hoffen bleibt, dass es sich hier um kein Vorbild handelt, das Schule macht.</p>
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		<title>Vorspiegelung falscher Tatsachen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jan 2021 12:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht nur das Cover des Werks bemüht sich um ein Täuschungsmanöver. Die Inszenierung der Kunstfigur Rafael Horzon von Rafael Horzon nutzt alles, was ein Buch an szenischem Material liefern kann.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Nicht nur das Cover des Werks bemüht sich um ein Täuschungsmanöver. Die Inszenierung der Kunstfigur Rafael Horzon von Rafael Horzon nutzt alles, was ein Buch an szenischem Material liefern kann.</div>
<p>Rafael Horzon ist Unternehmer und Sachbuchautor, auch wenn auf Wikipedia lange etwas anderes behauptet wurde. Er besucht die Hochzeit des Bloggers Carl Jakob Haupt, eröffnet das Deutsche Zentrum für Dokumentarfotografie und beehrt diverse weitere Veranstaltungen mit seiner Anwesenheit. Und trotzdem ist es etwas zu still um ihn geworden. Daher hat er ein neues Ziel: Den Nobelpreis gewinnen.</p>
<blockquote><p>„Aus dieser einfachen Grundidee zaubert Rafael Horzon ein wahres Meisterwerk, das manchmal tieftraurig ist und hauptsächlich unfassbar lustig, und vor allem ist an dieser wahnwitzigen Geschichte auch noch kein Wort erfunden&#8230;“</p></blockquote>
<p>So verspricht es der Klappentext. Schnell wird aber klar: Selbstironie findet sich nicht nur an den Rändern des Werks. Sie gehört ebenso zur Inszenierung wie die im Buch eingefügten Dokumentarfotos.</p>
<p>Die/der Leser*in könnte das Gefühl haben, den Protagonisten und den gleichnamigen Autor beinahe greifen zu können und ist dennoch denkbar weit davon entfernt. Das Spiel mit der Autofiktionalität erinnert an Thomas Glavinic´ „Das bin doch ich“ oder Horzons erstes Werk „Das weisse Buch“. Und doch ist alles ein wenig inszenierter, ein wenig weiter Richtung Spitze getrieben. Da verwundert es auch nicht, dass Christian Kracht das Buch für „erhebend“ und Daniel Kehlmann es für „bewegend“ befindet. Handelt es sich hier um Werbung? Vielleicht, aber in erster Linie gehört es zur Vorführung.</p>
<p>Denn eines ist klar: Der Autor Rafael Horzon zeichnet seinen Protagonisten Rafael Horzon nicht gerade von der vorteilhaftesten Seite. Er ist naiv, das Verhalten erinnert stellenweise an jenes eines Kleinkindes und die Bezeichnung „Beeinflussbar“ greift zu kurz. Seine Meinung dreht sich wie ein Fähnchen im Wind, trotzdem scheint er bei seinen Kollegen nicht schlecht anzukommen. Es ist ein Versteckspiel, bei dem an manchen Stellen wahrscheinlich nicht einmal der Autor selbst weiß, wo die Grenze zwischen Kunstfigur und Realität verläuft.</p>
<p>Der Weg zum Erfolg ist ein langer und auch Andeutungen auf eine Ghostwriterin des ersten Buches dürfen nicht fehlen. Das Scheitern wird in dem Werk zelebriert, neu ist es in der Literatur aber nicht. Beziehungsweise ist es nicht neu, dass das erwartete Versagen überraschenderweise – Achtung Ironie – dann doch ausbleibt.</p>
<p>Es ist alles ein wenig überzogen, alles ein wenig zu dandyhaft und deshalb genau so gewollt. Wer über den Schreck der ersten Seiten hinweglesen und sich auf den übertrieben einfachen Stil einlassen kann, wird seinen Spaß an diesem Werk haben.</p>
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		<title>Der Geist der vergangenen Weihnachtsmärkte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Dec 2020 11:08:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kurz sind die Tage und grau. Ich sitze allein an meinem Schreibtisch und grüble vor mich hin. Schon lange habe ich mit keiner Menschenseele mehr Kontakt, der Lockdown und meine&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Kurz sind die Tage und grau. Ich sitze allein an meinem Schreibtisch und grüble vor mich hin.</div>
<p>Schon lange habe ich mit keiner Menschenseele mehr Kontakt, der Lockdown und meine strengen moralischen Vorstellungen verbieten es mir. Hin und wieder sagen meine Freunde über den Bildschirm „Hallo“. Man versucht, Verbindung zu halten, trifft sich über diverse Netzwerke und gibt es dann doch langsam auf. Mein Bier trinke ich nun allein. Das Gras schmeckt zwar mit den passenden Gesprächen besser, zur Not tut es aber auch Musik oder ein Unikurs.</p>
<p>Es schneit, doch das Wetter vor den Fenstern kümmert mich nicht. Grauer Matsch liegt auf den Straßen, aber dank diversen Lieferservices und Co. bin ich vor allen Gefahren gefeit. Ich muss keinen Schritt vor die Tür setzen. Was hätte es auch für einen Zweck, in einer Welt ohne menschliche Kontakte und Nähe. In einer kalten Welt, nicht nur wegen des Wetters. Es ist einfach, sich zurückzuziehen, alle Verbindungen zur Außenwelt zu kappen. Hin und wieder klopft ein Kollege über einen Messenger an die Tür. Es ist leicht, ihn abzuwimmeln, viel leichter, als würde er in Leib und Blut vor dem Haustor stehen.</p>
<p>Ich presse die Lippen in meinem fahlen Gesicht aufeinander und beuge mich tiefer über meine Bücher. Beleuchtet werden diese von einer einsamen Lampe. Die Sonne ist schon längst untergegangen, die Weihnachtsbeleuchtung schimmert leicht durch die Jalousien. Wenn ich an die Menschen draußen denke, werde ich wütend. Ich will nichts mit ihnen zu tun haben, keine alten Geschichten austauschen und mich „auf Weihnachten einstimmen“. Was sollte das heurige Weihnachtsfest auch werden, was sollte es bringen, außer dem fahlen Nachgeschmack riskanten Verhaltens.</p>
<h2>Stille Weihnacht</h2>
<p>Heiligabend sitze ich allein an meinem Schreibtisch. Um mich herum ist es ruhig, die Mitbewohner sind in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien gefahren, Freunde haben sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet. Ich lege keinen Wert auf Gesellschaft, habe mich an die Einsamkeit und die damit einhergehende Stille gewöhnt. Was bringt es schon, ein frohes Fest zu wünschen, wenn so wenig an diesem Jahr froh war. Der Tag reiht sich nur in eine Reihe anderer trostloser.</p>
<p>Seufzend drehe ich mich auf die andere Seite, starre nun von meinem Bett aus nicht mehr den Schrank, sondern einen Sessel an. Radiohören oder Netflixschauen habe ich aufgegeben, zu viel erinnert mich an den Umstand, dass diese Zeit im Jahr eine glückliche sein sollte. Und während ich so vor mich hin brüte, dämmere ich langsam in einen leichten Schlaf.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8301 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos.jpg" alt="Das Chaos nimmt überhand " width="1280" height="853" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos.jpg 1280w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-1024x682.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/chaos-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></p>
<div class="bildunterschrift">
<p>Das Chaos nimmt überhand</p>
</div>
<p>„Bro, du kriegst heute noch Besuch.“</p>
<p>„Was? Wer ist da?“</p>
<p>„Ich bins, Jakob.“</p>
<p>„Alter, was machst du da?“</p>
<p>„Ich bin schon wieder weg, hab meine Schüssel vergessen. Aber dich wollen heute noch drei Geister besuchen. Ich konnte sie nicht davon abhalten. Frohe Weihnachten, Paul.“</p>
<p>„Whaaat. Warte.“</p>
<p>Aber da bin ich schon wieder allein. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und sehe mich um. In meinem Zimmer hat sich nichts verändert, nichts weist darauf hin, dass soeben noch mein Mitbewohner in der Tür gestanden ist. Die Socken liegen wie Wollmäuse unter dem Regal, auf dem Schreibtisch türmen sich die Bücher und die Efeutute welkt einsam in einer Ecke vor sich hin. Langsam werden die Augenlider wieder schwerer, bis ich in einen tiefen Schlaf falle.</p>
<p>Als die nahe Kirchenuhr 01:00 Uhr schlägt, werde ich plötzlich wach. Ein unerklärlicher Wind weht durch das Zimmer, die Vorhänge blähen sich angsteinflößend auf und von irgendwoher kommt ein unheimliches Pfeifen. Erschrocken richte ich mich auf und suche nach der Ursache des Getöses. Als ich gerade zu dem Schluss komme, dass es keine schlüssige Erklärung gibt und den Kopf unter die Decke stecken will, steht eine Frau vor mir. Nein, sie steht nicht vor mir, vielmehr schwebt sie einige Zentimeter über dem Boden. Sie ist schön anzusehen in ihrem weißen Kleid, das leicht durchscheinend ist, aber anstatt den Blick auf ihren Körper freizugeben, lässt sich nur das Bücherregal hinter ihr erahnen.</p>
<p>„Wer bist du?“</p>
<p>„Ich bin der Geist der vergangenen Weihnachtsmärkte.“, sagt die Frau in einer Stimme, die wohl unheimlich klingen soll.</p>
<p>Ich erinnere mich an die Vorhersage meines Mitbewohners. Der war doch total bekifft. Das kann doch unmöglich stimmen. Und trotzdem schwebt da eine Frau durch mein versifftes WG-Zimmer.</p>
<p>„Was willst du?“</p>
<p>„Wir machen eine kleine Reise in die Vergangenheit.“</p>
<h2>Am Weihnachtsmarkt in Unterhose</h2>
<p>Und da stehe ich schon auf dem Platz meiner Heimatstadt. Während dicke Flocken sanft auf die Dächer der Buden, in denen Punsch ausgeschenkt und kleine Geschenke verkauft werden, fallen, stehe ich in einem T-Shirt und Unterhose mitten auf dem Platz. Doch die Menschen scheint dies nicht zu berühren.</p>
<p>„Wo sind wir?“</p>
<p>„Du weißt, wo wir sind.“</p>
<p>„In V*. Aber wie soll das gehen? Und warum habe ich keine Hose an?“</p>
<p>„Du hättest eine anziehen müssen. Aber keine Angst, die Menschen können dich nicht sehen oder hören. Wir befinden uns im Jahr 2013. Du bist noch zur Schule gegangen. Da kommst du schon.“</p>
<p>Der Geist deutet auf eine Horde von Schülern. Scherzend laufen sie über den Platz, die Rucksäcke über den Schultern.</p>
<p>„Ich hab damals wirklich nicht gut ausgesehen. Sieh dir nur die Frisur an, die Haare sind ja viel zu lang. Und fettig.“</p>
<p>Der Geist lacht. Die Schüler haben sich zu einem der Stände gestellt. Jetzt erst erkenne ich, dass es jener meiner alten Schule ist. In der Hütte stehen Schulkameraden, die offenbar auch selbst die zu verkaufenden Getränke konsumieren – und dies nicht zu knapp. Gerade hat einer eine Runde Jägermeister hervorgezaubert und man stoßt an. Beim Trinkspruch muss ich lachen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8298" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/weihnachtsmarkt1.jpg" alt="Erinnerungen an vergangene Zeiten " width="1024" height="731" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/weihnachtsmarkt1.jpg 675w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/weihnachtsmarkt1-300x214.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/weihnachtsmarkt1-585x418.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">
<p>Erinnerungen an vergangene Zeiten</p>
</div>
<p>„Erinnerst du dich?“</p>
<p>„Ja natürlich. Wir sind am 23. Dezember immer nach der Schule auf den Platz gegangen. Da haben wir dann Glühwein getrunken von vormittags bis abends und dann sind wir noch in unsere Stammbar.“</p>
<p>„Auf dem Platz hast du viele Leute getroffen.“</p>
<p>„Es war immer ziemlich lustig.“</p>
<p>Zwischen dem Geschnatter der ganzen Menschen versteht man nur schwer ein einzelnes Wort. Es ist lebhaft und ein Trinkspruch folgt dem nächsten. Gerade trifft die jüngere Version meiner selbst eine alte Nachbarin. Ich lache sie an, freue mich, sie zu sehen. Ich war damals ein wenig verliebt in sie.</p>
<p>„Es wird Zeit zu gehen“, meint der Geist und in diesem Moment verändert sich auch schon die Szenerie.</p>
<p>Wir stehen nun auf einem anderen Platz – jenem der Innsbrucker Altstadt.</p>
<p>„Was machen wir hier? Das ist doch nur ein Touristenmagnet.“</p>
<p>„Aber da bist du. Schau!“</p>
<p>Die jüngere Version meiner selbst hat sich etwas verändert – die roten Stellen von den Pickeln im Gesicht sind weniger und der Lockenkopf macht den Eindruck, als hätte vor kurzem jemand versucht, ihn ein wenig gepflegter ausschauen zu lassen. Die Wangen sind von der Kälte rosa geworden, in den Augen leuchtet der Schalk. Die Tasche auf den Schultern ist noch ganz neu, es ist mein erstes Semester. Gemeinsam mit einigen anderen Studierenden überquere ich den Platz und bleibe bei einem Raclettestand stehen.</p>
<blockquote><p>„Siehst du, wie fröhlich ihr wart?“, fragt der Geist.</p></blockquote>
<p>„Waren. Betonung auf das Präteritum. Die Vergangenheit. Du bist ja auch der Geist der Vergangenheit – wenn ich diesem ganzen Humbug Glauben schenken darf.“</p>
<p>„Warum glaubst du, so etwas könne nicht mehr geschehen?“</p>
<p>„Viele gehen weg aus der Stadt. Die ganze Situation ist anstrengend und wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten, wird sich so schnell nichts ändern. Ich sitze den ganzen Tag vor dem Laptop und sehe niemanden, ich habe keine Lust, in Erinnerungen zu schwelgen und so zu tun, als wäre alles in Ordnung.“</p>
<p>Die Gruppe beschließt gerade, das „Magic“ auszuprobieren. Lachend geht ein Paar voran, die anderen folgen. Später würde man noch im Copa Cabana in die Mikrofone brüllen.</p>
<p>„Schauen wir uns noch eine andere Szene an“, meint der Geist und schon sitzen wir in meiner Küche in der WG.</p>
<p>Die Wände sind noch nicht ganz so voll mit Plakaten, neben den Schränken stehen ein paar alte, wacklige Stühle. Auf der Fensterbank wachsen Kräuter und an der Tür hängen Postkarten. Eine Gruppe sitzt um den Tisch. Die Hände sind voller Mehl, es riecht nach Glühwein. Gerade diskutieren zwei, wer die erste Ladung Teig ausrollen soll. Daneben stehen bunte Zuckerkugeln und Nüsse. Einer macht einen Scherz, woraufhin ein Mädchen das Mehl in ihren Händen in seine Richtung wirft. Sie lachen, es wird zurückgeworfen und schon sieht es in der Küche aus, als hätte es geschneit. Leicht betrunken und bekifft backen wir die letzten Kekse fertig. Die Gruppe ist ausgelassen.</p>
<p>„Das war ein schöner Abend“, sage ich ein wenig wehmütig.</p>
<p>„Und solche wird es wieder geben“, meint der Geist der Vergangenheit.</p>
<p>„Ja, wahrscheinlich.“</p>
<p>„Ich bringe dich zurück. Du bekommst heute noch Besuch von ein oder zwei weiteren Geistern. Der eine ist ein ziemlicher Grantscherben.“</p>
<p>„Auf Wiedersehen.“</p>
<p>In meinem Zimmer hatte sich nichts verändert. Ich lege mich in mein Bett, nicht sicher, ob ich gerade geträumt habe.</p>
<h2>Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht</h2>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-8297 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke.jpg" alt="source: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weihnachtsmarkt_zu_Innsbruck.jpg]" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/12/Weihnachtsmarkt_Innsbruck-burkhard-mücke-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Die grünen Stände und die Menschenmassen am Platz vorm goldenen Dachl fehlen heuer.</div>
<p>„Hallo, mein Freund. Auf, auf, komm aus den Federn wir machen einen kleinen Ausflug.“</p>
<p>Ich setze mich auf, vor Schreck falle ich beinahe aus dem Bett. Vor mir steht ein Mann mittleren Alters in einem eigenartigen Weihnachtsmannkostüm. Auf dem Kopf trägt er eine flauschige Mütze mit Bommel, insgesamt aber ist das wohl die schlechteste Interpretation des Weihnachtsmannes, die je erfunden worden ist.</p>
<p>„Gut, gehen wir“, sage ich schicksalsergeben und finde mich schon am Platz vor dem Haus meiner Eltern wieder.</p>
<p>Die Wiesen rundherum sind grün, es ist zu warm für Schnee. Auf dem Platz stehen ein paar Leute um einen Stehtisch – mit Abstand. Jeder hat seine eigene Tasse mitgebracht, Kekse stehen in der Mitte und jemand verteilt selbstgebrannten Schnaps. Die Nachbarn wollen sich das traditionelle Punschtrinken nicht nehmen lassen. In früheren Jahren hat sich fast schon ein kleiner Weihnachtsmarkt aus dem Treffen entwickelt, aber die reduzierte Form scheint die Menschen nicht zu stören.</p>
<p>Drinnen packt meine Mutter gerade ein Weihnachtsgeschenk in einen Karton, verschließt ihn und schreibt meinen Namen darauf. Meine Schwester macht währenddessen Eierlikör. Gemeinsam schmücken sie den Baum, der, wie jedes Jahr, ein bisschen schief ist. Der Vater kauft stets den letzten Baum, trifft seine Wahl aus denen, die keiner mehr will. Jedes Jahr werden darüber Scherze gemacht, meine Mutter hat sich mit dem eigenartigen Baumrettungsprogramm meines Vaters mittlerweile abgefunden.</p>
<p>„Ich denke, du hast genug gesehen. Gehen wir zurück, dann kannst du weiterschlafen.“</p>
<p>„Was ist mit dem Geist der zukünftigen Weihnachtsmärkte?“</p>
<p>„Du stirbst nicht so bald. Der hat gerade genug zu tun, den ganzen alten, griesgrämigen Menschen zu einem glücklichen Weihnachtsfest zu verhelfen. Du bist jung, wenn du es noch einmal versemmeln solltest, kriegst du eine gesunde Watschn, dann richtet dir mein Kollege schon die Wadeln.“</p>
<p>„Unangekündigte Besuche mitten in der Nacht, Gewaltandrohungen und keine Kompetenzen nachzuweisen. Eure Praktiken sind ganz schön unseriös.“</p>
<p>„Ja, ja, die Menschheit wird auch immer schwieriger zufriedenzustellen. Glaubst du, vor 200 Jahren hätte irgendjemand gewagt, sich zu beschweren? Heute wird kritisiert, dass sich die Balken biegen, aber kritikfähig sind die wenigsten. Die Juristen kommen mit allen möglichen Gründen, warum wir das nicht dürfen, die Soziologen hätten statt ihrer Geschichte gern eine ausführliche Milieustudie und die Historiker fragen, ob sie weiter in die Vergangenheit dürfen. Am schlimmsten sind die Lehramtsstudenten, die wollen dann immer wissen, wie lang die Reflexion sein soll.“</p>
<p>„Hmh.“</p>
<p>„Und? Fährst du jetzt heim zu deiner Familie?“</p>
<p>„Schätze schon.“</p>
<p>„Weißt du, ich habe schon viele Weihnachtsfeste gesehen. Jeder feiert ein bisschen anders, aber es ist eine schöne Zeit im Jahr. Und heuer muss man halt ein bisschen umdisponieren. Ich habe Menschen getroffen, die das für suboptimal halten, wie dich, und andere freuen sich, dass sie keinen Familienfeiernstress haben. Dafür haben wir heuer besonders viel Stress, weil viele meinen, es ist sowieso alles versaut.“</p>
<p>„Hmh.“</p>
<p>Ich überlege ein wenig, und als ich mich wieder umdrehe und antworten will, ist der Geist verschwunden. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob das alles gerade wirklich passiert ist. Langsam beginne ich, meinen Koffer zu packen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ideen für eine Reise durch das Zimmer</title>
		<link>https://www.unipress.at/kultur/ideen-fuer-eine-reise-durch-das-zimmer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Dec 2020 13:03:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nebelschwaden hängen vor dem Fenster, draußen hält die kalte Jahreszeit Einzug und der Inn fließt ruhig in seinen Bahnen. Über dem Lampenschirm hängt mittlerweile ein grünes Kleid und am Fenster&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/kultur/ideen-fuer-eine-reise-durch-das-zimmer/">Ideen für eine Reise durch das Zimmer</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Nebelschwaden hängen vor dem Fenster, draußen hält die kalte Jahreszeit Einzug und der Inn fließt ruhig in seinen Bahnen. Über dem Lampenschirm hängt mittlerweile ein grünes Kleid und am Fenster eine Zeitung, um das ewige Grau erträglich zu machen.</div>
<p><span id="more-8222"></span></p>
<h3 style="letter-spacing: normal;">Das Bücherregal</h3>
<p>Der gelbe Sessel ist mit Zeitschriften übersät, dafür sieht man den Fußboden: Ein altes Parkett. Am (gefühlten) Tag 1273 der Quarantäne macht sich Leo Lausmaus auf die Suche nach neuen Abenteuern in den eigenen vier Wänden. Ideen dafür gibt es von drei unterschiedlichen Experten.</p>
<p>Willi Wollmaus hat Erfahrung mit der Situation des in-der-Wohnung-sitzens und hat sich bereit erklärt, sein Wissen zu teilen. Der über 50-Jährige (so genau weiß das niemand) hat sein ganzes Leben am selben Ort verbracht. Das fände er aber nicht weiter schlimm. Er grinst, wenn er das sagt. Dass seine Expertise einmal erwünscht wäre, das hätte er sich nie erträumen mögen. Auf seiner Führung begegnet dann aber doch auch Neues: Das Bücherregal erscheint auf den ersten Blick wie ein herkömmliches, von dem bekannten Möbelriesen, zu dem jeder rennt. Ist es auch. Die Dekoration ist ebenso nicht spektakulär: Eine etwas vertrocknete Zierpflanze reiht sich neben ein paar Bildern ein. Eine interessante Sache gibt es hier aber sehr wohl: Bücher. Willi Wollmaus bemerkt zu Recht, dass Elias Canetti (gebraucht gekauft) und Gary Shteyngart (signiert!) noch nicht gelesen worden sind. Dies, liebe Leser, kommt schon mal auf die Shortlist der Erkenntnisse des Tages. Wollmaus meint tatsächlich, dass das altmodische Bücherlesen ein praktikabler Zeitvertreib sei.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter wp-image-2143 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/unipress-Bücherregal-Zimmerreise-Kirchgatterer.jpg" alt="" width="1024" height="498" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/unipress-Bücherregal-Zimmerreise-Kirchgatterer.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/unipress-Bücherregal-Zimmerreise-Kirchgatterer-300x146.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/unipress-Bücherregal-Zimmerreise-Kirchgatterer-768x374.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/unipress-Bücherregal-Zimmerreise-Kirchgatterer-585x285.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<h3>Historische Parallelen</h3>
<p>Einen etwas anderen Blickwinkel gewinnt man durch Xavier de Maistre. Der Autor hat im 18. Jahrhundert (so genau ist das ja nicht) den Roman (Germanisten verzeihen mir die schlampige Bezeichnung) „Die Reise um mein Zimmer“ veröffentlicht und ist unserer Situation meilenweit voraus. Nach einem Duell wurde er zu einem 42 Tage dauernden Hausarrest verurteilt. Offenbar aus Langeweile erklärte er sein Heim zur Welt und begann, es zu erforschen. So verzweifelt scheint die heutige Situation zwar noch nicht zu sein, trotzdem kann man ja vorsorglich seine Meinung einholen. Da der alte Herr mit Skype nicht zurechtkam, hat er um ein briefliches Interview gebeten. Eine Parallele zur heutigen Zeit sieht er aber sehr wohl: Nicht anders als damals, ist es auch heute modern, möglichst weit zu reisen und seine Eindrücke zu teilen. Eine Diskussion über die modernen Medien kam leider nicht zustande. Influencer bezeichnete er als schlimme Sache.</p>
<h3>Subjektive Meinungen zu Jogginghosen</h3>
<p>Kater Murr konnte leider keine verwertbaren neuen Erkenntnisse zu der Situation beitragen, ist aber eitel genug, dies zu glauben. Der etwa acht Jahre alte, aber durchaus noch ansehnliche Zimmergenosse, trägt am Tag des Gesprächs einen gelben Pullover und grüne Shorts. Zu kalt sei ihm damit nicht, das Fell wärme schließlich auch, aber Mode müsse auch in der Zeit des Hausarrests sein. Dass er sich an die Ausgangsbeschränkungen hält, ist ungewöhnlich, er mache dies aber aus Solidarität, wie er erklärt. Den gelangweilten StudentInnen rät er, auch mal die Vogue zu lesen, man könne schließlich nicht immer nur Statistik oder so ein unnötiges Zeugs lernen. Wer Jogginghosen trage, habe übrigens tatsächlich die Kontrolle über sein Leben verloren, meint Murr bei einem Blick über den Rand seiner Sonnenbrille hinaus.</p>
<p>Der Kater verlässt dann noch tatsächlich seinen sonnigen Liegeplatz und zeigt seine Geheimtipps. Lässig stolziert er in die Küche. Die in weiß gehaltenen Schränke stellen im hereinflutenden Licht ihre Kratzer zur Schau und am Boden liegen Brösel. In der Ecke steht eine Yogamatte, die bisher hauptsächlich als Staubfänger gedient hat. Murr stellt sich cool vor den Herd: Kochen wäre, wie er findet, der perfekte Zeitvertreib. Vor allem Fisch oder ein schönes Steak. Vegetarier solle es auch geben, er kenne aber keine. Wie lange die Situation noch andauern könnte, dazu kann Murr nichts sagen, er betont aber, dass sich sein Leben nicht viel geändert habe.</p>
<h3>Wo man Quarantänebeschäftigungsberatung finden kann</h3>
<p>Wie man die Zeit in den eigenen vier Wänden verbringt, bleibt schlussendlich jedem selbst überlassen. Wer sich Inspiration von de Maistre holen möchte, tut dies am besten über den Podcast des Bayrischen Rundfunks. Alle anderen schauen einfach mal unters Bett, vielleicht schlummert da ja bereits die Quarantänebeschäftigungsberatung.</p>
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		<title>Das Geheimrezept für Erfolg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Kirchgatterer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2020 11:08:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ja, das wünschen sich manche. Ein Hauch Charisma, eine Messerspitze Vitamin B und viel Talent – und schon ist man da, wo man hinwill. Doch viele übersehen einen wesentlichen Bestandteil&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ja, das wünschen sich manche. Ein Hauch Charisma, eine Messerspitze Vitamin B und viel Talent – und schon ist man da, wo man hinwill. Doch viele übersehen einen wesentlichen Bestandteil dieser Formel: die Beharrlichkeit.</div>
<p><span id="more-7770"></span></p>
<p>Talent zu haben ist schön; wird es aber nicht eingesetzt, ausgebaut und verfeinert, bleibt es wirkungslos. Für das Erreichen einiger Ziele braucht es viel Zeitaufwand, Geduld und Beharrlichkeit. Nicht alles gelingt beim ersten Mal, vielleicht auch nicht beim zweiten oder dritten Versuch. Es gibt Menschen, die ihre Romane an dutzende Verlage senden oder jahrelang die Sohlen ihrer Trainingsschuhe plattlaufen – nur für dieses eine Ziel. Dabei geht es nicht immer nur um die großen Ereignisse. Man kennt es auch aus dem eigenen Alltag: Prüfungen rücken näher und der Stoff wird nicht weniger. Der Lauf, bei dem man sich in einem Anflug von Übermut angemeldet hat, ist bereits in einem Monat, aber die Pace wird nicht besser. Doch wie konsequent hat man wirklich daran gearbeitet?</p>
<h2>Die Krux mit den Zielen</h2>
<p>Man möchte mehr Sport machen, sich gesünder ernähren, beweglicher werden, mehr schreiben, das Fliegenfischen oder eine Fremdsprache lernen. Die Palette an möglichen Themen, für die man brennen kann, ist grenzenlos. Aber dann liegt man am Abend im Bett und kurz, bevor man von den letzten diffusen Gedanken in den Schlaf hinübergleitet, fällt es siedend heiß ein: Man hat es nicht erledigt. Schon wieder nicht. Aber morgen, morgen wird es ganz bestimmt passieren. Da steht man ganz früh auf, erledigt die Dinge für die Uni und übt dann zwei Stunden lang Gitarre. Ach ja, Tante Mitzi hatte zum Kaffee eingeladen und am Abend ist ein Konzert. Dann übt man eben am nächsten Tag. Oder am übernächsten.</p>
<p>Der Begriff „Disziplin“ ist geläufig. Man sollte diszipliniert sein, diszipliniert arbeiten, die eigenen Handlungen beherrschen, um zum Erfolg zu kommen. Oder wir nennen es Beharrlichkeit. Beharrlich an einer Sache arbeiten, an ihr kleben wie ein Kaugummi unter den Schreibpulten der Hörsäle oder Hundekacke an den Sohlen der Laufschuhe. Beharrlich an etwas zu arbeiten heißt, es regelmäßig zu tun. Jeden Tag 15 Minuten an etwas zu arbeiten klingt nicht nach viel Zeit, auf ein Jahr gerechnet ist es dies aber sehr wohl. Genauer gesagt handelt es sich hier um 5.474 Minuten oder circa 90 Stunden. Wie viel Zeit verbringt man an einem normalen Tag auf Facebook, Instagram und Co.?</p>
<h2 class="subtitle_up">Paradebeispiel Laufen</h2>
<p>Wer dran bleibt, wird irgendwann bemerken, dass es von Tag zu Tag leichter fällt. Man schnürt die Laufschuhe, egal, ob es regnet oder die Sonne scheint. Es stellt sich nicht mehr die Frage, <em>ob </em>man laufen geht, sondern eher die Frage, <em>wie</em> man es am besten in den Tagesablauf integriert. Beharrlich etwas zu machen heißt, dass man es auch angeht, wenn man mal keine Lust darauf hat – wenn es schon spät ist und der Tag lang war. Und nach ein paar (Kilo-)Metern wird man wahrscheinlich auch merken, wie gut es tut. Es geht dabei nicht darum, sich selbst zu überfordern. Wenn man einen schlechten Tag hat, läuft man weniger. Der Trick ist hier dann wiederum, nicht jeden Tag zu einem schlechten zu erklären. Und wenn man sich einen Trainingsplan vorgenommen hat? Dann führt kein Weg daran vorbei.</p>
<h2>Der steinerne Weg</h2>
<p>Es gibt tausende Ratgeber, die einem helfen sollen, sich selbst besser zu organisieren. Man könnte ein ganzes Semester damit verbringen, sich mit den Ratschlägen verschiedenster Menschen auseinanderzusetzen – und viele sind vielleicht auch sinnvoll. Man kann sich einen Kalender kaufen, einen Zeitplan erstellen oder eine App herunterladen. Doch wenn man nicht anfängt, etwas zu <em>tun</em>, dann ist das alles vergebliche Liebesmüh.</p>
<p>Klebt euch Post-Its auf euren Spiegel, bucht Onlinekurse. Macht alles, was euch dabei hilft, produktiv zu sein – aber <em>fangt damit an</em>. Und macht weiter. Es gibt keine Zauberformel, die den steinernen Weg in eine Wasserrutschbahn verwandelt. Doch wer lernt, konsequent an etwas zu arbeiten, kann am Ende nur profitieren.</p>
<h2>Tipps zur Umsetzung</h2>
<ul>
<li><strong>Nicht zu viel vornehmen</strong>: Wer nie Sport gemacht hat, wird eine tägliche zweistündige Workout-Session nicht durchziehen. Es ist besser, klein anzufangen und Pausetage einzuplanen.</li>
<li><strong>Die wichtigsten Dinge aussuchen</strong>: Töpfern lernen oder einen Roman zu schreiben klingt faszinierend? Überleg, was dir <em>wirklich</em> wichtig ist. Es kann auch konsequent sein, Dinge wegzulassen.</li>
<li><strong>Keine Ausreden</strong></li>
<li><strong>Routinen und Gewohnheiten etablieren</strong>: Es hilft, die Vorhaben fix in den Tag einzuplanen. Der Spaziergang kommt gleich nach dem Frühstück und die Meditation vor dem Schlafengehen.</li>
<li><strong>Mitstreiter suchen</strong>: Wenn der Kollege vor der Haustür steht, kann man sich vor dem Laufen nicht drücken.</li>
<li><strong>Oder nicht darüber reden</strong>: Die Freunde können die Liebe zum Tomatenzüchten nicht nachvollziehen oder machen sich darüber lustig? Manchmal hilft es, einfach nichts davon zu erzählen.</li>
<li><strong>Anfangen und Dranbleiben</strong>: Wenn Rückschläge kommen – und sie werden kommen – lass dich nicht aufhalten.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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