Flaumiger Schnee und Kasspatzln – das Lebenselixier der Österreicher*innen?

von Anna Kirchgatterer
Lesezeit: 4 min
Die einen lieben es, an den anderen geht die Saison spurlos vorbei. Aber Fakt ist: Jeden Winter ziehen tausende Menschen ihre Bahnen durch den Schnee. Sie stehen Schlange vor den Gondeln und kehren mit roten Wangen in die Hütten ein. Im Wahlfisch stellen wir uns die alles entscheidende Frage: Gehört das Skifahren zur österreichischen Identität?

Glücksmomente auf zwei Bretteln

Anna Kirchgatterer

Eine lässige Piste und die Sonne im Gesicht lassen jedes Herz höherschlagen. Die Skischuhe wiegen zunächst noch schwer, aber gemeinsam mit den zwei Brettln werden sie beinahe zu Flügeln. Federleicht, als würde man fliegen, zieht man seine Bahnen durch die weiße Pracht. Bedächtig fährt man seine ersten Schwünge, kostet dieses ganz besondere Gefühl aus.  Gerade nach den Strapazen der Einschränkungen wird es guttun, wieder auf der Piste stehen zu können.

Die meisten von uns sind quasi auf den zwei Brettln großgeworden. Nicht selten hört man den Ausspruch „Ich konnte Skifahren, bevor ich laufen konnte.“ Auf der Wiese hinterm Haus oder bei einem nahegelegenen Lift hat man seine ersten Bogerl im Pflug gezogen. Immer wieder ist man im Schnee gelandet und hat sich mit roten Wangen und halberfrorenen Fingern am Kachelofen aufgewärmt. Es sind ganz besondere Kindheitserinnerungen. Erinnerungen an Junkfood und Videospiele hingegen haben sicherlich auch ihren Einfluss, zumindest werden da Gaumen und Daumen trainiert.

Kein Sport ist so vielfältig wie das Skifahren. Man kann Buckelpisten bezwingen, Rennstrecken hinunterbrettern, seine Freestyle-Künste im Park verbessern oder durch hüfttiefen Powder gleiten. Kein Wunsch bleibt offen, für jeden ist das Passende dabei. Wer verletzungs- oder motivationsbedingt aussetzen muss, verlegt die sportliche Aktivität einfach auf die Couch. Denn auch die Rennen gehören zu Österreichs Identität. Wer von uns hat nicht schon einmal die Daumen für Hirscher, Matt und Co. gedrückt, hat nicht schon einmal mit ihnen mitgefiebert, sich zuhause geärgert oder gefreut? Andere hingegen kommen nie von der Couch weg, sie bemitleiden sich chipsessend und vermeiden die Waage, lästern über Lockdown und Regierung.

Skifahren macht glücklich und stärkt das Herz-Kreislaufsystem. Es gehört zur österreichischen Identität wie das Raunzen zu den Wienern. Wie das gute Essen zu den Südtirolern und die Diphthonge zu den Vorarlbergern. Es stärkt Körper und Geist, ist der Ausdruck einer Lebenseinstellung, der Nationalsport schlechthin. Kurz formuliert: Das Skifahren ist ein Identitätsmerkmal für alle Österreicher*innen.

©Magdalena Altmiks

Dann ab auf die Skier?

Magdalena Altmiks

Gastronomie, Schulen und Museen kann man ja verstehen – aber wehe, die Skigebiete starten ihre Lifte nicht. Das geht einem dann doch zu weit. Da geht ein Stück österreichischer Identität verloren! Das Recht darauf, beim ersten Flocken Schnee zu völlig überteuerten Preisen auf die Bretter zu steigen, um danach einen seinem Preis nicht gerecht werdenden Kaiserschmarrn zu genießen, lässt sich der Österreicher und die Österreicherin nicht so schnell nehmen.  Doch letztes Jahr war alles anders. Anstatt sich in mit Touristen überfüllte Gondeln zu stürzen, war man gefangen in der eigenen Wohnung.  Denn wer will schon zuhause im Warmen sitzen, mal so richtig entspannen und die Geborgenheit der eigenen vier Wände genießen, wenn man auch in der Kälte frieren oder die Enge der Gondeln mal hautnah erleben kann.

Doch seit dem 24. Dezember hat sich das ja geändert. Jetzt heißt es wieder die Skier aufs Auto montieren und auf ins Stubaital. Auf der Piste hat man ja auch Abstände. Dass die meisten Studierenden kein Auto haben und dann alle gemeinsam im Bus – geschweige denn in den Gondeln – sitzen, jetzt mal außer Acht . Und den Jägertee auf der Hütte gibt es dann wahrscheinlich auch nicht.

Immer wieder ist aber auch von der wirtschaftlichen Perspektive die Rede. 14,9 Milliarden Euro Einnahmen konnten in der Wintersaison 2019 durch den Tourismus verzeichnet werden. Diese Saision dürfen diese Touristen zwar noch gar nicht nach Österreich einreisen, aber das ignorieren wir mal geflissentlich. Denn wer kann sich einen Winter ohne den beliebten Sport vorstellen? Und danach geht es noch zum Après-Ski. Was soll da schon schief gehen? Ach stimmt, das darf man ja auch nicht mehr. Woran das wohl liegt ist nach Ischgl im Frühjahr unerklärlich. Denn was ist schon Skifahren ohne Après-Ski?

Gedränge und Geschubse – wer will das bitte?

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