Zeughaus – Vom Waffenarsenal zur Kulturhochburg

von Stefan Gasser
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Die Museen sperren wieder auf – der Fortsetzung unseres Museumsguides steht nichts mehr im Wege. Dieses Mal geht es um das Zeughaus. Redakteur Stefan Gasser hat die Ausstellung für euch unter die Lupe genommen.

Entweder mit dem F direkt von der Hauptuni aus oder mit der 1er von der Haltestelle Terminal Marktplatz ist man in jeweils ungefähr 10-15 Minuten in direkter Umgebung des Innsbrucker Zeughauses. Im Innenhof des rechteckigen Gebäudes wurden früher Kanonen und Munition gelagert. Heute dient es als Museum, in dem Exponate von der Bronzezeit bis zum zweiten Weltkrieg ausgestellt werden, die sich mit der Geschichte und Entwicklung Tirols beschäftigen. Außerdem finden im Sommer immer wieder Freiluftvorstellungen verschiedener Filme in den ehrwürdigen Mauern des früheren Waffendepots statt. Besonders Menschen, die sich entweder mit der Vergangenheit ihrer Wahlheimat auseinandersetzen wollen, oder den eigenen Volksschulbesuch im Zeughaus nostalgisch wiedererleben möchten (wie ich selbst), kann man einen Besuch im Zeughaus nur ans Herz legen.

Historischer Rundgang

Das Grundkonstrukt des Gebäudes stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist selbst von besonderer geschichtlicher Bedeutung (die Konstruktionsweise ist Thema einer kleinen baugeschichtlichen Nebenausstellung, die man für einen kleinen Aufpreis extra besuchen kann). Die Hauptausstellung des Museums ist modern arrangiert und steht in einem fast schon künstlerischen Kontrast zur Bausubstanz. In Form eines Rundgangs zieht man durch das Obergeschoss des Museums, um die geschichtliche und politische Entwicklung Tirols nachzuvollziehen, die anhand bestimmter Meilensteine, wie etwa den Bauernaufständen unter Andreas Hofer, dargestellt ist. Dabei stößt man auf die eine oder andere Kuriosität (wie Teile von Hofers Lederhose) und erhält einen Einblick in die etwas verschrobene Volksseele der durchaus eigenbrötlerischen Urtiroler*innen.

Zwischen Brutalität und Prosperität

Wenn man sich für die lokale Geschichte begeistern kann, wird man oft eine widersprüchliche Beziehung von Tradition und Entwicklung vorfinden. Tirol war auf der einen Seite Zentrum des Handels und der Münzprägung im Spätmittelalter, andererseits aber auch Hochburg der Hexenverfolgung – einige der damals gängigen Folterinstrumente können im Zeughaus begutachtet werden. Auch die Einstellung vieler Tiroler*innen, den anderen österreichischen Bundesländern gegenüber, hat sich nicht über Nacht entwickelt. Bereits im 17. Jahrhundert brauchten diese stets eine ‚Extrawurscht‘ – wie man am Sonderstatus Tirols unter den anderen österreichischen Provinzen sehen kann, der von Kaiser Maximilian festgelegt wurde und immerhin bis ins 19. Jahrhundert aufrecht erhalten blieb. Erst mit den Niederlagen gegen Bayern und Napoleon um 1810 verlor Tirol seine besonderen Rechte. Natürlich widmet sich die Ausstellung auch ausführlich der jüngeren Geschichte, die ebenfalls eine kuriose wie eine sehr dunkle Seite vorzuweisen hat. Anhand vergilbter Plakate, Eintrittskarten, Prospekte und Souvenirs kann man Zeitzeugen der schon mehr als 100 Jahre bestehenden Tourismus- und Winterurlaubtradition bestaunen, für die das westliche Bundesland besonders in Deutschland immer noch bekannt und beliebt ist. Doch nur wenige Schritte entfernt, werden die fröhlichen Werbungen für den Arlberg und St. Moritz gegen Propaganda von Schuschnigg, Dollfuß und später auch der NSDAP eingetauscht, die sich auch in Tirol besonderer Beliebtheit erfreut hat.

Für einen Besuch sollte man sich etwa eineinhalb Stunden Zeit nehmen. Es ist auch wichtig mit der richtigen Erwartungshaltung hinzugehen. Natürlich kann das kleine Museum kaum mit Wiener oder Münchner Größen wie dem kunsthistorischen Museum oder dem Haus des Meeres mithalten. Nichtsdestotrotz hat das Zeughaus eine kleine, aber feine Ausstellung zu bieten, die die Wolken eines verregneten Samstagnachmittags vertreiben kann – besonders, wenn man aus Rücksicht auf Andere die gängigen ‚Coronahotspots‘ vermeiden will, aber keine Lust hat zuhause zu versauern.

Weitere Informationen:

Der Eintrittspreis für Studierende liegt bei 8 Euro (+1 Euro für die Nebenausstellung)

Zeughaus

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