Kabale und Liebe am Tiroler Landestheater

von Lisa Schoißengeier
Lesezeit: 2 min
Seit 03. Oktober wird Schillers „Kabale und Liebe“ im Tiroler Landestheater aufgeführt. Das bürgerliche Trauerspiel thematisiert die Ständegesellschaft des 18. Jahrhunderts und die damit verbundenen Probleme in der Liebe.

Major Ferdinands (Florian Granzner) Herz gilt der bürgerlichen Luise (Christina Constanze Polzer), doch wegen deren Standeszugehörigkeit sind beide Väter gegen die Beziehung. Luises Vater (Jan Schreiber) fürchtet um den Ruf seiner Tochter und erlaubt ihr deshalb keinen adeligen Mann. Ferdinands Vater, der Präsident (Johannes Gabl), will aufgrund seiner politischen Rolle seinen Sohn mit Lady Milford (Marion Fuhs), der Mätresse des Landesfürsten, verheiraten, um seinen Machteinfluss zu vergrößern. Kabalen werden geschmiedet, um die zwei Liebenden auseinanderzuhalten – allerdings sind diese zum Scheitern verurteilt.

Die Schauspieler*innen verkörpern Friedrich Schillers Figuren wie im Buche beschrieben. Emotionsgeladen und die Zuschauer*innen fesselnd, übermitteln sie den Inhalt des Dramas innerhalb von zwei Stunden äußerst lobenswert: „Die mit Abstand beste Inszenierung, die ich bisher gesehen habe – und ich habe das Trauerspiel schon unzählige Male besucht“, waren die Worte meiner theater- und kulturaffinen Begleitung nach der Theateraufführung.

Gleich zu Beginn ertönt die pochende Musik. Wie ein hörbarer Herzschlag im Stethoskop erfüllt sie den Saal, wirkt auf die Zuseher*innen aufgrund der Impulsivität jedoch bereits nach wenigen Sekunden eher verstörend, wodurch die psychologische Komponente des Dramas betont wird. Wenngleich die musikalische Untermalung für Ablenkung von der Darbietung sorgt und auch das Bühnenbild (Vincent Mesnaritsch) viel Raum für Interpretationen lässt, bleiben die Schauspieler*innen durch ihre gelungene Inszenierung im Vordergrund der Aufführung.

Unterstützend für das Erkennen der Figuren und des Fortgangs des Trauerspiels ist die sofort auffallende und präzise Kostümauswahl von Elke Gattinger: Die Farben alle vom selben Farbspektrum blau-lila, dennoch so unterschiedlich, dass die Zugehörigkeit der Figuren zum jeweiligen Gesellschaftsstand und der Rolle im Stück deutlich erkennbar ist. Einzig der Bösewicht Sekretär Wurm (Raphael Kübler) tanzt mit seinem knallroten Anzug aus der Reihe und erinnert an Mephistopheles in Goethes Faust.

Das Ende des Stücks ist nicht nur inhaltlich vorhersehbar, sondern wird durch das sich wandelnde Bühnenbild Akt für Akt angedeutet. Das von der Decke hängende „schwarze Loch“ kommt dem Bühnenboden immer näher, bis es sich im Finale auf gleicher Höhe mit den Sterbenden befindet und diese bildlich gesprochen erdrückt.

Auch wenn Ausdruck, Sprache und Inhalt des Trauerspiels nicht ganz der heutigen Zeit entsprechen, wurde mit sprachlichen Einwürfen wie „sweet sixteen“ versucht, das von französischen Ausdrücken durchzogene Stück zu modernisieren. Diese Einwürfe hätten nicht sein müssen, da sie eher gezwungen wirkten; allerdings wird dadurch ein breiteres Publikum angesprochen.

„Kabale und Liebe“ hätte bis zum 21. November im Großen Haus des Landestheaters aufgeführt werden sollen. Aufgrund der Covid-Bestimmungen fallen die Vorführungen derzeit aber aus. Mehr Informationen dazu findet ihr hier.

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