Innsbruck hat ein gutes Angebot für Cineastinnen und Cineasten. Neben den bekannten Kinoketten, welche vor allem Mainstream-Filme aus altbewährter Hollywoodproduktion spielen, gibt es auch kleinere Programmkinos, die Klassiker, Originelles sowie besonders anspruchsvolle Streifen zeigen. Sommer für Sommer gab es bisher Filmvorführungen unter freiem Himmel, direkt am SOWI-Campus. Innsbrucker Filmfestspiele lockten Besucherinnen und Besucher mit einer breiten Palette an Filmen aus aller Welt.
In diesem Jahr ist die Situation anders. Aufgrund von Corona können größere Veranstaltungen nur unter strengen Auflagen, mit verschobenen Terminen oder schlimmstenfalls gar nicht stattfinden. Menschen verbringen viel mehr Zeit zu Hause, nicht wenige sind häufiger denn je online. Ein Nachteil für Filmliebhaberinnen und -liebhaber? Vielleicht nicht ganz: Dass das eine fehlt, kann vielleicht auch den Blick auf das andere wieder schärfen. Eine kleine Auswahl an Alternativen, denen durch die Corona-Krise wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen könnte.
Das DVD-Regal
Manche dürften erstmals seit Langem wieder einen Blick auf das eigene (unter Umständen verstaubte) DVD-Regal geworfen haben, darunter vielleicht noch Streifen, welche die eigene Jugend in den 2000er Jahren geprägt haben, von Herr der Ringe und Star Wars bis hin zu Twilight und Harry Potter. Der eine oder andere Trash-Klassiker darf hier natürlich auch nicht fehlen, etwa ein 50er Jahre B-Movie (Tarantula) oder klassische Italo-Western (Für eine Handvoll Dollar).
Natürlich kann der eigene DVD-Player Sound, Akustik und insbesondere die Atmosphäre des Kinos nicht ersetzen. Noch dazu hat man die Filme bereits gesehen. Aber Wiedersehen macht ja bekanntlich Freude.
Das Internet
Nie zuvor dürfte es so einfach gewesen sein, dermaßen bequem von zu Hause aus an Filme zu gelangen, wie über das Internet. Streaming-Angebote von Netflix und anderen haben sich längst in der breiten Masse etabliert. Doch auch, wenn es dieses Angebot gibt – unbegrenzt ist es nicht. Wer zum Beispiel bestimmte Filme aus anderen Weltregionen (Bollywood, Nollywood) oder Klassiker von bestimmten Filmschaffenden abseits des Mainstreams (z.B. Roger Cormans The Intruder von 1962) schauen möchte, wird hier bei den gängigen Online-Anbietern nicht immer fündig.
Doch wer originelle Filme abseits der großen Streaming-Anbieter im Internet sucht, muss nicht gleich in die Illegalität abschlittern. So stellt zum Beispiel derzeit das Filmarchiv Austria ausgewählte Werke des österreichischen Films online zur Verfügung. Hinzu kommt, dass mittlerweile manche Filmstudios ihre Klassiker auf dem eigenen YouTube-Kanal der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen (z.B. der russische Kinokonzern Mosfilm).
Das Fernsehen
Letztendlich bleibt noch das altbewährte Fernsehen. So manche Cineastin und so mancher Cineast dürfte wieder verstärkt auf einige Filmperlen aufmerksam geworden sein, welche vor allem auf kulturversierteren Sendern zeitweilig laufen. Darunter fällt etwa der Film Cocktail für eine Leiche (1948) von Alfred Hitchcock: Ein Experimentalfilm, bei dem es wirkt, als sei er in nur einem Take gedreht worden.

Qualität oder Trash
Wie auch in normalen Zeiten stellt sich die Frage, ob die Filmliebhaberin beziehungsweise der Filmliebhaber sich vor allem intellektuell anspruchsvolleren Filmen widmen sollte oder es zwischendurch auch ein Klassiker des B-Movie-Genres sein darf. So könnte man die Filmkritikplattformen zurate ziehen, um die besten oder auch schlechtesten Filme herauszugreifen. Die Motivation dahinter, die besten Filme aller Zeiten zu schauen, ist freilich selbsterklärend. Seien es Monumentalfilme aus den 1950er Jahren (Ben Hur, Die Zehn Gebote) oder die namhaften Werke von Stanley Kubrick, der bekanntlich alle möglichen Genres von Science Fiction (2001: Odyssee im Weltraum) bis hin zu Satire (Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben) bespielte. Hinzu kommen die Werke von Alfred Hitchcock und einer ganzen Reihe anderer Regisseurinnen und Regisseure, von Federico Fellini bis Akira Kurosawa. Natürlich lohnt es sich durchaus, auch abseits der üblichen Verdächtigen einige Gewinnerinnen und Gewinner von Filmpreisen in Cannes, auf der Berlinale und der Biennale wie auch bei den Oscars oder bei den Golden Globes durchzuarbeiten.
Doch auch manche misslungenen Filme verdienen (zumindest der eigenen Allgemeinbildung zuliebe) ihre Aufmerksamkeit. Ein Beispiel wäre hier der Streifen Plan 9 aus dem Weltall (1959) von Edward D. Wood Jr., welcher als der schlechteste Film aller Zeiten beworben wird. Die Schauspieler (Takes aus einem anderen Filmprojekt mit dem mittlerweile verstorbenen Dracula-Star Bela Lugosi wurden einfach reingeschnitten), der Schnitt (Aufnahmen von US-Militärmanövern wurden mit solchen von an sichtbaren Fäden aufgehängten Ufomodellen zusammengeschnitten) und die Requisiten (Grabmausoleen aus Pappe) sprechen für sich. Doch eben dieser Ruf hat es dem Film beschert, dass er mittlerweile sogar bei Filmfestspielen gezeigt und auf Kultursendern wie Arte ausgestrahlt wird. Der Mehrwert dieses Streifens dürfte wohl darin liegen, zu lernen, wie man Filme eben nicht machen sollte.
Kommen Cineastinnen und Cineasten in Corona-Zeiten auf ihre Kosten?
Wer Filme liebt, kann sie auch abseits der großen Kinoleinwand ansehen. Freilich ist der Effekt bei so manchem Film dann auch ein anderer (z.B. Sound, Farbenspiel). Doch die Liste an (auch beim dritten und vierten Mal weiterhin) sehenswerten Filmen bleibt unverändert lang und wird – solange Filme gedreht werden – kontinuierlich weiterwachsen.