Immer wenn es dunkel wird – Freiluftkino im Zeughaus

von Arianna Werth
Lesezeit: 4 min
Im August öffnet das Zeughaus seine Tore für ein alljährlich heiß herbeigesehntes Highlight des Innsbrucker Kultursommers. Heuer findet das große Open-Air-Kino erstmals bei freiem Eintritt statt. Wir werfen einen Blick ins Programm.

An allen Abenden können Freunde des Sommerfilms über die Kinoleinwand in das süße Leben – „La dolce vita“ – eintauchen. Unter diesem Titel läuft das Gemeinschafts-Event von Cinematograph/Leokino, Treibhaus und den Tiroler Landesmuseen. Wie angedeutet, werden im diesjährigen Programm besonders die Werke der alten italienischen Meister des Films zelebriert: Federico Fellini, Vittorio De Sica, Roberto Rossellini, Francesco Rosi, Sergio Leone, um nur ein paar zu nennen. Und mit an ihrer Seite sind die leuchtenden Stars am Schauspiel-Himmel: Sophia Loren, Anna Magnani und Marcello Mastroianni erwachen für uns, natürlich ausschließlich im Originalton mit Untertiteln, unter den Sternen zum Leben.

Ergänzt wird das ganze Spektakel durch teils modernere deutsche, schweizerische, griechische, britische, amerikanische und französisch-belgische Produktionen. Von bissigen Komödien bis hin zu gespenstigen Horrorfilmen und – als Hommage an den kürzlich verstorbenen Ennio Morricone – spannungsgeladenen Italo-Western („Spiel mir das Lied vom Tod“), ist für jeden Geschmack etwas dabei.

 

Die letzten Vorbereitungen für einen Corona-sicheren Kino-Genuss

Wichtiges zum Karten-Procedere

Damit es Corona-bedingt bei den 450 Kinogängern jeden Abend bleibt und das Bewegte-Bilder-Erlebnis ohne größere Menschenansammlungen über die Bühne geht, muss man sich online einen Platz reservieren. Frühestens vier Tage und spätestens bis Mitternacht vor dem Veranstaltungstermin kann man dann die Eintrittskarten beim Treibhaus oder Leokino für eine Mindestspende von einem Euro, die auf Anfrage auch rückerstattet wird, abholen. Hat man dies alles in die Wege geleitet, steht einem szenischen Sommernachtstraum nichts mehr im Wege. Als Vorgeschmack bieten wir euch drei Kostproben dieses filmischen Festessens.

„Roma città aperta“ („Rom, offene Stadt“) von Roberto Rossellini, 1945

… handelt von antifaschistischen Widerstandskämpfern in Rom, das 1943 von den Deutschen besetzt und zur offenen Stadt erklärt wird.

Der Regisseur begann mit den Dreharbeiten in den Straßen und Wohnungen Roms nur zwei Monate nach dem Abzug der Nazis aus der Hauptstadt. Zerstörte Studios, fehlendes Geld, primitive Technik, chaotische Zustände und ein – bis auf die beiden Hauptdarsteller – durchwegs von Laien besetzter Cast, von dem die meisten gestern noch Beteiligte am Geschehen gewesen waren, machen den Film zu einem Schlüsselwerk des italienischen Neorealismus. Rossellini teilt die Welt nicht in gute Italiener und schlechte Deutsche ein, sondern in Verbrecher und Alltagsmenschen, die im entscheidenden Moment das Richtige tun.

„La vita è bella“ („Das Leben ist schön“) von Roberto Benigni, 1997

…ist ein Lied auf den unerschütterlichen Glauben an die Schönheit des Lebens.

Von diesem Glauben nimmt der jüdische Italiener Guido die Kraft, seinen Sohn Giosuè vor der grauenvollen Realität im Konzentrationslager zu bewahren. In der ersten Hälfte des Films begleiten wir den Lebenskünstler Guido, wie er mit grandioser Komik der „Principessa“ Dora den Hof macht und sie schließlich heiratet, während mit dem zweiten Teil des Films ein viel düsterer Ton angeschlagen wird. Guido und Giosuè werden ins KZ deportiert, Dora folgt ihnen freiwillig. Um seinen Sohn zu beschützen, erzählt der Vater dem kleinen Giosuè, das Ganze sei ein Spiel mit vielen Regeln, die man alle einhalten müsse, um zu siegen. Mit großer Sensibilität schafft es Benigni, Bilder für das Nicht-Abbildbare zu finden.

 

Abends öffnen sich die Türen für das Open-Air-Kino im Zeughaus

„Zorba the Greek” („Alexis Sorbas”) von Michael Cacoyannis, 1964

…beruht auf dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis und erzählt die Geschichte von Alexis Sorbas, einem leidenschaftlichen Makedonier, der durch eine zufällige Begegnung mit dem Schriftsteller Basil nach Kreta reist, um dort gemeinsam ein aufgelassenes Braunkohlebergwerk wieder in Betrieb zu nehmen.

Trotz persönlicher Schicksalsschläge und traumatischer Kriegserlebnisse hat Sorbas seine unbändige Lebensfreude nicht verloren, die der Darsteller Anthony Quinn durch eine umwerfend expressive Körpersprache im Sirtaki-Tanz zum Ausdruck bringt, welcher mit diesem Film zur Legende wurde. Basil steht im Kontrast zu ihm: Er ist bücherversessen, verkopft und zurückhaltend. In Sorbas hingegen brennt ein unauslöschliches Feuer – er genießt den Augenblick und verschlingt das Leben mit einem Lachen. Er ist sich sicher, was Basil fehlt: Der „Wahnsinn“, der spontane Zugriff, der erst einen Mann ausmacht, der „Hände hat“.

Nähere Informationen zu Organisation, Einlass, Beginn und Programm findet ihr hier. UNIpress wünscht euch allen „buon divertimento“!

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