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	<title>Matthias Fleischmann, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Die fünf Stadien des Prüfungsstresses</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jan 2022 12:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jeden Jänner geht an der Universität Innsbruck eine Seuche um, die sich „Aufschieberitis“ nennt. Wir haben dieses weit verbreitete Übel für euch analysiert. Werden Studierende diesen Monat danach gefragt, wie&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Jeden Jänner geht an der Universität Innsbruck eine Seuche um, die sich „Aufschieberitis“ nennt. Wir haben dieses weit verbreitete Übel für euch analysiert.</div>
<p><span id="more-15618"></span></p>
<p>Werden Studierende diesen Monat danach gefragt, wie es ihnen gehe, haben alle eine Universalantwort parat: „Ich bin so im Stress!“ Wenig überraschend, schließlich ist Prüfungszeit. Stress ist aber nicht gleich Stress. Sondern setzt sich aus insgesamt fünf Phasen zusammen:</p>
<h3>Verleugnung</h3>
<p>„Na klar geh ich mit Skifahren. Müsste eigentlich lernen, aber dafür ist schon noch genug Zeit.“ Jaja, das kennt ihr doch auch, oder nicht? Studierende sind schon von Natur aus Prokrastinierer, denn es gibt doch nichts schöneres, als Game of Thrones zu glotzen oder ein Dosenbier zu zischen, wenn man eigentlich Bücher pauken sollte. Die Prüfung ist eh noch weit entfernt und was man in der Vorlesung, die ja ohnehin ganz und gar nicht prüfungsrelevant ist, verpasst, das kann man sich getrost von fleißigeren Bienchen oder direkt aus dem Internet holen.</p>
<h3>Wut</h3>
<p>Doch irgendwann kommt dann die Erkenntnis, dass die Prüfung doch näher ist als erwartet und die Wut kocht hoch. Wut auf sich selbst, da man sich immer noch nicht dazu überwunden hat, die ersten Leuchtstiftstriche zu setzen. Wut auf die anderen, die mit ihren Textmarker-neongelb strahlenden Seiten tagtäglich um acht zu ihrem Bib-Platz stolzieren. Wut auf die Lehrenden, deren Deadlines so straff sind wie Donatella Versaces Gesicht und Wut auf das System, welches einem doch so viel Energie abverlangt. Doch auch das Feuer des Zorns brennt allmählich ab und macht Platz für das dritte Stadium:</p>
<h3>Verhandeln</h3>
<p>Spätestens nach dem 167ten Vater Unser, nach nächtelanger Psalm-Rezitation und zahlreichen Schwurablegungen wird einem wohl klar, dass der liebe Gott auch nicht jedem hilft, besonders nicht den Aufschiebern. Nun fängt man aber zu verhandeln an und zwar nicht mehr mit Gott, sondern mit sich selbst. Man denkt an den zweiten, noch weit entfernten Prüfungsantritt, und verkündet dabei: „Wer sein Studium liebt, der schiebt!“ oder dergleichen Postulate. So manch einer sprudelt dabei förmlich vor rhetorischer Kreativität und entwickelt der Menschheit bisher gänzlich unbekannte Arten von Arbeitsvermeidungsstrategien. Doch die Zeit ist ein unbarmherziger Genosse und auch der zweite Prüfungsantritt rückt näher und näher, unbeeindruckt und unbestechlich integer.</p>
<h3>Trauer</h3>
<p>Auf das Verhandeln folgt die traurige Einsicht, dass das Unvermeidliche unausweichlich ist, und der Student verfällt in einen Zustand, den Experten (und damit ist der Autor gemeint) als prätraumatische Prüfungsdepression bezeichnen. Tägliche Arbeit, unter der Woche auszugehen ist vorerst auch vom Tisch. Für Studierende ein Alptraum – andere nennen es Alltag. So was kann dann schon mal einige Wochen anhalten, bis sich dann schließlich die letzte Phase durchsetzt, nämlich jene der:</p>
<h3>Akzeptanz</h3>
<p>Schlussendlich ist es doch nur eine Prüfung von vielen, Teil eines Sammelsuriums an Tests, mit denen uns das Leben tagtäglich konfrontiert und auch wenn man dabei auf die Schnauze fallen sollte, so ist das Versagen doch auch ein Teil von uns selbst. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ rät da so manch ein Motivationsratgeber und hat dabei auch Recht. Kein Fehlschlag ist umsonst, keine Prüfung vergeudete Zeit. Nur wer sich von den ersten vier Stadien in die Knie zwingen lässt, hat schon von vornherein verloren. Und am Ende läuft es ohnehin besser als gedacht. In diesem Sinne wünschen wir euch eine erfolgreiche Prüfungsphase, wir sehen uns in den Bibliotheken.</p>
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		<title>Metaphorical Wars: Fighting the Invisible Enemy?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jan 2021 10:28:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>As a response to the ongoing coronavirus pandemic, leaders around the world have succumbed to the extensive use of warfare rhetoric. But is this kind of language really suited to&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">As a response to the ongoing coronavirus pandemic, leaders around the world have succumbed to the extensive use of warfare rhetoric. But is this kind of language really suited to describe the current crisis?</div>
<p><span id="more-8550"></span></p>
<blockquote><p>There have been as many plagues as wars in history; yet always plagues and wars take people equally by surprise.</p>
<p>–Albert Camus, The Plague («La Peste»), 1947.</p></blockquote>
<p>Camus’s writings and philosophy have been invoked countless times in the past year to make sense of the ongoing pandemic, with The Plague once again becoming a bestseller and numerous takes being published about how it “<a href="https://www.newstatesman.com/the-plague-albert-camus-coronavirus-resurgence">became the defining book</a>” of the current conjuncture. For instance, Alain de Botton <a href="https://www.nytimes.com/2020/03/19/opinion/sunday/coronavirus-camus-plague.html">wrote</a> that Camus was captured by pestilence fiction due to his view that epochal events such as plagues or wars are “dramatic instances of a perpetual rule: that all human beings are vulnerable to being randomly exterminated at any time” — and this can be done by a deadly pathogen just like through the lethal consequences of deliberate human actions.</p>
<p>Indeed, Camus observed that disease outbreaks or armed conflicts have similar effects on humanity in a sense that they expose our incapacity — or rather indisposition — to adequately overcome them. They are a recurring feature of human history, yet we seem to never really be prepared when faced with their resurgence. They lurk beneath the thin ice of society’s fragile peace and health systems, ready to emerge at any time and pounce on the most vulnerable. They come and go and return like waves. They are “<a href="https://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(02)11807-1.pdf">deadly comrades</a>” that “have accounted for a major proportion of human suffering and death.”</p>
<h3>“Heroic” Couch Potatoes and Wartime Leaders</h3>
<p>It is no wonder then that comparisons of wars and plagues persist. After all, analogies can contribute to our understanding of the present, and the present does feel like living during wartime. Consider Angela Merkel’s unprecedented televised address in March calling the pandemic the <a href="https://www.dw.com/en/merkel-coronavirus-is-germanys-greatest-challenge-since-world-war-ii/a-52830797">biggest crisis for Germany since World War II.</a> Then, as the second wave came crashing in, the German government released a campaign video calling for everyone to stay at home on their couch — the frontline for these “special heroes.”</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">The German Govt&#39;s latest Corona advert &#8211; now subtitled in English. Quite good. <a href="https://t.co/nbRZIm9RcN">pic.twitter.com/nbRZIm9RcN</a></p>
<p>&mdash; Axel Antoni (@antoni_UK) <a href="https://twitter.com/antoni_UK/status/1327701477008285696?ref_src=twsrc%5Etfw">November 14, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Moreover, according to war studies professor <a href="https://www.newstatesman.com/science-tech/2020/04/coronavirus-and-language-war">Lawrence Freedman</a>, the current moment does resemble an era of conflict, considering that it “requires the same resilience and appreciation of danger, as governments are obliged to promise that they will do ‘whatever it takes’ to keep their people safe.” Lacking a definitive objective, the success of how governments respond is measured by national death tolls, which are often wrongly estimated and thus unreliable. In order to cope with rising numbers of infection and death, states demand the assistance of their citizens. Everyone is called to fulfill their duty to contain the pandemic; every citizen is told to do their bit and to perform a “special” kind of “heroic” action.</p>
<p>Consider how UK premier Boris Johnson, days before being infected himself, <a href="https://www.gov.uk/government/speeches/pm-address-to-the-nation-on-coronavirus-23-march-2020">addressed the British public</a> last March: “[I]n this fight we can be in no doubt that each and every one of us is directly enlisted.” By subsequently stressing that “[e]ach and every one of us is now obliged to join together,” Johnson evoked warlike sentiments which illustrate the imperative for society to make a huge sacrifice to achieve a certain goal — coming together to “beat” a common “deadly enemy.”</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">We have the resolve and the resources to win the fight against <a href="https://twitter.com/hashtag/Coronavirus?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Coronavirus</a> <a href="https://t.co/g1SnxlMEzV">pic.twitter.com/g1SnxlMEzV</a></p>
<p>&mdash; Boris Johnson (@BorisJohnson) <a href="https://twitter.com/BorisJohnson/status/1240307154671874050?ref_src=twsrc%5Etfw">March 18, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Indeed, pundits and commentators sympathetic to the British prime minister dubbed his leadership amidst the crisis as his “<a href="https://www.politico.eu/article/boris-johnson-faces-up-to-his-history-moment/">Churchill moment</a>.” While across the Atlantic, the US — which has constantly been breaking daily infection and death records — saw Donald Trump designate himself as a “<a href="https://www.politico.com/news/2020/03/18/trump-administration-self-swab-coronavirus-tests-135590">wartime president</a>” fighting an “invisible enemy,” ignorant of the fact that, as <a href="https://twailr.com/war-and-the-coronavirus-pandemic/">Catherine Connolly</a> correctly points out, he is already a wartime executive as commander-in-chief of the US military “continuing its ‘war on terror’ in numerous countries.”</p>
<h3>Flawed Comparisons and Expectations</h3>
<p>There are indeed some undeniable characteristic parallels between wars and pandemics, but recklessly invoking such analogies can be faulty for various reasons. The most crucial one, according to Freedman, is that “it is offensive to suggest that those inflicted by the disease have been called to combat, as if their survival depends on inherent willpower rather than medical, social and economic factors far beyond their control.”</p>
<p>Underlining this call for mobilization is the heroization of healthcare professionals and other essential workers, who are exposed to greater risks than the average person and have thus been <a href="https://www.brookings.edu/interactives/meet-the-covid-19-frontline-heroes/">labeled</a> as “frontliners” or “war heroes.” As with soldiers in war, this creates an expectation for them to internalize that they have to face a risk for the greater good, leading to the notion that they are <a href="https://www.nytimes.com/2020/05/05/opinion/coronavirus-nyc-subway.html">less “essential” and more “sacrificial”</a>.</p>
<p>Another problem with succumbing to war metaphors is that it evokes an expectation of peace. War is conventionally defined as an armed conflict between groups and entities and as such it is expected that it has to end at some point, such as through peace deals. But you cannot forge a deal with a virus, which makes the use of warfare rhetoric questionable. Nonetheless, governments worldwide have often utilized such language to wage “wars” against a variety of issues that “plague” society — from Johnson’s “war” on <a href="https://sourcebooks.fordham.edu/mod/1964johnson-warpoverty.asp">poverty</a> to Bush’s “war” on <a href="https://www.brookings.edu/articles/nasty-brutish-and-long-americas-war-on-terrorism/">terror</a> to Duterte’s “war” on <a href="https://www.reuters.com/investigates/section/philippines-drugs/">drugs</a>.</p>
<p>Considering the war metaphor’s conspicuous unsuitability of describing the pandemic, it does seem strange that so many political leaders broadly employ such perplexing narratives. So what is it that drives governments all around the globe to resort to the language of war despite its inaccuracy?</p>
<h3>Finding Meaning and Mobilizing Valor</h3>
<p>Essentially, what these metaphors do is that they produce meaning by applying existing vocabulary to virus-related contexts in order to better describe the situation and help us cope. Sociolinguistics professor <a href="https://theconversation.com/coronavirus-has-led-to-an-explosion-of-new-words-and-phrases-and-that-helps-us-cope-136909">Robert Lawson</a> put it in the following way: “In times of significant social or civic change, linguistic creativity not only reflects the major preoccupations of the time, but also shows how people gather to talk about new challenges and contexts.” This linguistic coping mechanism is not exclusive to the novel coronavirus, considering that metaphors have a long tradition of being used to describe diseases and have been analyzed extensively. <a href="https://www.nytimes.com/1989/01/16/books/books-of-the-times-shaping-the-reality-of-aids-through-language.html">Susan Sontag</a>, for instance, investigated the use of metaphors in the discourse surrounding HIV/AIDS.</p>
<p>Indeed, the war analogy has proven to be predominant in the discourse surrounding Covid-19 because it gives the<a href="https://www.theatlantic.com/international/archive/2020/03/war-metaphor-coronavirus/609049/"> possibility to emphasize the seriousness</a> of the virus — to underscore the importance of realizing the severity of the situation that merits swift action. Leaders thus resort to such metaphors in order to convince the people to comply and cooperate.</p>
<p>Moreover, these metaphors are appealing because of their capacity to mobilize or orchestrate acts of heroism. In addition to highlighting the “heroic” acts of healthcare workers, such language also gave political officials the opportunity to prove themselves as “strong” leaders, leading to a boost in their popularity and the consolidation of the power of the state. Since “war is the business of the state par excellence,” as <a href="https://theconversation.com/stop-calling-coronavirus-pandemic-a-war-135486">Alexandre Christoyannopoulos</a> writes, there is no wonder then that the framework of state responses to the pandemic is wrapped “in military language [that] reinforce[s] such statist thinking.”</p>
<p>However, such securitized narratives are prone to exploitation by political actors who take advantage of the crisis to call on distorted memories or reclaim a mythical past to further justify the extensive use of military force, which reinforce nationalist sentiments and reactionary imagery that generate fear, diffuse public panic, inflame xenophobic paranoia, and deepen further social polarization in a period where cross-border unity is desperately needed.</p>
<h3>From a Rhetoric of Aggression to Narratives of Solidarity</h3>
<p>We should be skeptical of instrumentalizing narratives of war as the intuitive answer to critical situations such as the current Covid-19 pandemic. Using a language that glorifies “strong” leaders and uses national infection rates and death tolls as a metric for success falls short of meeting a challenge that is global in nature. The ultimate goal is not to broker a “peace deal” between national leaders and invading pathogens — as the war rhetoric might suggest—but rather, it is to ensure global health security by emphasizing transnational cooperation.</p>
<p>While there is indeed a need to communicate the severity of what we are all facing, it should be acknowledged that the virus cannot be contained within the confines of nation-state borders. This entails a robust response that emphasizes health as a fundamental human right rather than a mere national prerogative.</p>
<p>Camus, in accepting the <a href="https://www.nobelprize.org/prizes/literature/1957/camus/speech/">Nobel Prize in Literature in 1957</a>, said that every generation undoubtedly “feels called upon to reform the world,” which includes the colossal task of “preventing the world from destroying itself.” This sentiment bears utmost scrutiny in today’s turbulent era where the imperative to prevail over a universal threat necessitates drifting away from militaristic rhetoric. Instead, we must foster a more sensible approach and turn towards transformative narratives that put people at the center and affirm humanity’s mutual interdependence.</p>
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		<title>Defizite digitaler Demokratie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Oct 2020 10:48:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Soziale Medien spielen im heutigen demokratischen Prozess eine große und teils förderliche Rolle. Gleichzeitig können sie aber auch demokratiegefährdend sein. Soziale Netzwerke sind ein konstituierendes Element der modernen Gesellschaft und&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Soziale Medien spielen im heutigen demokratischen Prozess eine große und teils förderliche Rolle. Gleichzeitig können sie aber auch demokratiegefährdend sein.</div>
<p><span id="more-7104"></span></p>
<div>
<p>Soziale Netzwerke sind ein konstituierendes Element der modernen Gesellschaft und auch der modernen Form der Demokratie. Mit dem Wachstumsschub der letzten Jahre wuchs auch ihr Einfluss auf demokratische Prozesse. Häufig werden soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter als neue, globalisierte Arena des öffentlichen Diskurses betrachtet, in dem Proteste organisiert, Demonstrationen geplant und Bewusstsein für relevante Themen geschaffen werden kann. Allerdings zeigen kürzliche Entwicklungen, dass mit der Entstehung der neuen Medien auch neue Gefahren für die Demokratie aufkommen. Fake News, Filterblasen, Datenlecks und Wahlkampfbeeinflussungen werfen einen Schatten auf das Verhältnis von Demokratie und sozialen Netzwerken.</p>
<h2>Tag der offenen Tür im Informationspalast</h2>
<p>Es geht immer um Informationen, wer sie hat, wer sie weitergibt, wer sie kauft, wer sie auswertet. Seit jeher entscheiden die Menschen aber nicht selbst, welche Informationen ihnen zukommen. Früher diktierten Kaiser und Papst, was das Volk wissen sollte. Später nahm ihnen der Journalismus diese Arbeit in gewisser Weise ab. Er war der große Gatekeeper des Informationsflusses, der diesen filterte, modifizierte und bearbeitete. Doch heute ist alles anders. Durch die Entstehung des Internets und des Web 2.0 sind Unmengen von Informationen frei verfügbar geworden. Die Tore zum Informationspalast stehen offen und keine Gatekeeper stehen davor. Alle können ihn betreten und durch seine Gemächer wandern. Das kann der Demokratie sehr guttun. Durch die Möglichkeit des freien und unkontrollierten Informationsaustausches öffnen sich Räume, in denen ein digitaler, schneller und leicht zugänglicher öffentlicher Diskurs stattfinden kann. Allerdings haben diese neuen Räume auch sehr dunkle Ecken. In ihnen lauern Falschinformationen und alternative Fakten, denn durch die Absenz einer Zwischeninstanz können Informationen ungefiltert und unkontrolliert an die Leserschaft dringen.</p>
<p>Alle können ihre Meinungen in sozialen Netzwerken frei äußern und alle haben das Recht, zu glauben oder nicht zu glauben, was die anderen schreiben. Dadurch wird es schwierig, Meinungen von Tatsachen, das Wahre vom Gelogenen, das Faktische vom Postfaktischen zu unterscheiden.</p>
<p>Auch politische Persönlichkeiten verwenden heute Twitter und Facebook. Dank der sozialen Medien können sie direkt mit der Gesellschaft in Kontakt treten und sich dabei genauso zeigen, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen. Donald Trump gibt hier eines der besten Beispiele ab. Mit seiner selbstdeklarierten „großartigen und unübertroffenen Weisheit“ bereichert er eine 87 Millionen Follower starke Gruppe tagtäglich mit Selbstbeweihräucherungen. Und auch seinen knappen Wahlsieg im Jahre 2016 verdankte er den sozialen Netzwerken. Er erkannte, wie so manche vor ihm, dass der Tag der offenen Tür im Informationspalast noch nicht gekommen ist. Gatekeeper existieren nach wie vor, doch sie haben sich verändert, sind unscheinbarer und komplexer geworden. Heute bestimmen von unseren persönlichen Daten gespeiste Algorithmen, welche Inhalte bei uns am besten ankommen und welche wir dementsprechend sehen sollen.</p>
<h2>Ein Gatekeeper namens Microtargeting</h2>
<p>Microtargeting ist ein tückischer Türsteher. Er zeigt den Menschen, was sie sehen wollen. Die Werbebranche nutzt diese Taktik, um Produktplatzierungen anzupassen und damit höhere Verkaufszahlen zu erzielen. Unternehmen arbeiten mit sogenannten Werbenetzwerken zusammen, die genau analysieren, welche Werbungen wir gerne sehen und welche nicht. Dies geschieht mithilfe sogenannter Tracker, die unser individuelles Surfverhalten untersuchen. Algorithmen werden mit diesen Informationen gespeist und lernen uns immer besser kennen: Brillenstärke, Musikgeschmack, Lieblingsmandelmilchmarke. Das klingt zwar banal, aber in der Summe ergeben diese Informationen ein Profil, aus dem sich auch sehr persönliche Informationen ableiten lassen, die wir der Öffentlichkeit ansonsten nicht preisgeben würden. Dazu gehören politische Gesinnung, sozialer Status, Reichtum und Sexualität. Es wird also nicht nur ermittelt, welche Mandelmilch wir am liebsten kaufen, sondern wer wir sind, wie wir denken, was wir tun.</p>
<p>Die Strategie des Microtargeting gibt es schon lange. Doch in den letzten Jahren entwickelte sie sich durch den Einfluss der sozialen Medien in einem überraschenden Tempo weiter. Der Big-Data-Spezialist Michal Kosinski war einer der ersten, die Facebook verwendeten, um Daten für die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen zu sammeln. Dafür entwickelte und verfeinerte er an der Cambridge University neue Modelle, machte sie präziser und effektiver. 2012 konnte er anhand von lediglich 68 Facebook-Likes mit hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob eine Person demokratisch oder republikanisch wählt, welche Hautfarbe sie hat und welche Sexualität. Und das ist bereits acht Jahre her. Später warnte er im Gespräch mit dem Schweizer Wochenendblatt „Das Magazin“ vor dem Stein, den er ins Rollen gebracht hatte: „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“.</p>
<p>Besonders demokratiegefährdend wird diese Bombe, wenn sie die Form von sogenannten Dark Posts annimmt, die bestimmten Zielgruppen gezeigt werden, anderen aber verborgen bleiben. Dadurch wird die kritische Öffentlichkeit, die ein solches Posting in Frage stellen würde, umgangen und nur jener Teil der Bevölkerung angesprochen, dem die Anzeige mit hoher Wahrscheinlichkeit zusagt. Dies ermöglicht es den Parteien, Lügen und sich widersprechende politische Inhalte zu verbreiten. So können extremistische Parteien ihren gemäßigten Wählern gemäßigtere Bilder, ihren extremeren Wählern aber extremere Bilder zeigen. Spätestens durch den Skandal um das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica &#8211; welchen Netflix in seiner letztjährigen Doku „The Great Hack“ thematisierte &#8211; wurde klar, welch erheblichen Einfluss Microtargeting und Dark Posts auf den Ausgang einer Wahl haben können.</p>
<h2>Der Fall Cambridge Analytica</h2>
<p>Bereits vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 kam Alexander Nix, dem CEO von Cambridge Analytica, die Idee, im großen Stil Daten über die Wählerschaft zu sammeln und diese dann an Kandidierende zu verkaufen. Der ultrakonservative Multimillionär Robert Mercer und seine Tochter Rebekah unterstützten das Vorhaben finanziell. Auch Steve Bannon stellte sich hinter die Idee. Cambridge Analytica unterstützte zuerst Ted Cruz im Wahlkampf, wechselte später aber zu Team Trump.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><iframe loading="lazy" title="The Great Hack | Official Trailer | Netflix" width="1170" height="658" src="https://www.youtube.com/embed/iX8GxLP1FHo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ihre Arbeitsweise basiert auf dem sogenannten OCEAN-Modell, mit dem Persönlichkeitsprofile anhand der folgenden fünf Faktoren erstellt werden: Offenheit (Wie aufgeschlossen gegenüber Neuem ist die Person?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch?), Extraversion (Wie gesellig?), Verträglichkeit (Wie kooperativ?) und Neurotizismus (Wie verletzlich?). Um die Faktorenanalyse durchzuführen, benötigte die Firma eine ungeheure Menge an demographischen und psychographischen Daten. Erstere umfassen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Religion und Wohnort, also Informationen, die relativ leicht zugänglich sind. Letztere hingegen beinhalten wesentlich vertraulichere Informationen, zum Beispiel über Lebensstil, politische Einstellung und Werbeempfänglichkeit.</p>
<p>Schlussendlich entschied man sich dafür, die Daten mithilfe jenes sozialen Netzwerkes zu sammeln, auf dem heute fast ein Drittel der Weltbevölkerung aktiv ist: Facebook. Dafür beauftragte das Unternehmen einen Cambridge-Dozenten namens Aleksandr Kogan mit der Entwicklung einer Quiz-App. Diese verknüpfte Kogan mit Facebook und erhob den Anspruch, die daraus gewonnenen persönlichen Daten für Forschungszwecke zu verwenden. Kopien der Daten landeten jedoch auf den Rechnern von Cambridge Analytica. Da für Kogan auch die Informationen über die Freunde der Nutzer seiner App einsichtig waren (damals war so etwas noch möglich), konnte er eine riesige Menge von Nutzerdaten sammeln. Mit diesen erstellte Cambridge Analytica über 50 Millionen Persönlichkeitsprofile, laut Angaben des CEOs Alexander Nix sogar 220 Millionen.</p>
<h2>Die Blase muss platzen!</h2>
<p>Mit Social Media brach ein neues Zeitalter der stetigen Fragmentierung der politischen Öffentlichkeit heran. Alternative Fakten und Falschinformationen werden uns als Fakten verkauft. Die neuen Gatekeeper sperren uns in unsere Echokammern und weil wir uns in ihnen so wohl fühlen, vergessen wir den Wunsch, auch die anderen Räume des Informationspalastes zu betreten. Doch in unseren Kammern herrscht Einseitigkeit anstatt Meinungsverschiedenheit, es fehlt an Dialektik. Wir befinden uns in Blasen und können richtig nicht von falsch unterscheiden, werden in unserer Unwissenheit noch durch die Unwissenheit der anderen ermutigt. Verschlimmert wird diese Verstümmelung des öffentlichen Diskurses noch dadurch, dass Microtargeting dazu verwendet wird, um uns genau das zu zeigen, was wir sehen wollen. Dadurch werden wir in unseren eigenen Meinungen bestätigt, wir beginnen zu denken, dass wir zur Meinungsmehrheit gehören und dass alle anderen falsch liegen.</p>
<p>Schlussendlich liegt es an uns, diese Filterblasen mit scharfem Verstand zum Platzen zu bringen, den Gatekeepern Schlüsselbund und Taschenlampe aus der Hand zu reißen, um Dark Posts ans Licht zu zwingen. Doch erst nachdem wir gecheckt haben, was heute bei Facebook so abgeht.</p>
</div>
<p><em>Dieser Artikel erschien ursprünglich in der UNIpress Novemberausgabe von 2019. Ihr findet diese in unserem <a href="https://www.unipress.at/ueber-uns/archiv/">Archiv</a>.</em></p>
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		<title>Die Verschwörung der Kinderfresser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2020 07:53:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Anhänger von QAnon glauben fest daran, dass die Welt von einer Gruppe pädophiler Satanisten kontrolliert wird. Wir tauchen ein in die Welt der wohl waghalsigsten Verschwörungsideologie unserer Zeit. Langsam&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Die Anhänger von QAnon glauben fest daran, dass die Welt von einer Gruppe pädophiler Satanisten kontrolliert wird. Wir tauchen ein in die Welt der wohl waghalsigsten Verschwörungsideologie unserer Zeit.</div>
<p><span id="more-6082"></span></p>
<p><em>Langsam dämmert es. Durch das offene Fenster hörst du lachende Stimmen vom gegenüberliegenden Balkon, die wirr mit den Geräuschen der Straße verschmelzen. Dein beharrlicher Blick liegt auf dem verweinten<a href="https://youtu.be/Cr-VBL2h5NA?t=152"> Gesicht eines Pop-Musikers</a>, der in manischer Manier aus deinem Handy zu dir spricht. Zwischen seinen gequälten Schluchzern spricht er von einem pädophilen Netzwerk. Entmenschte Eliten vergewaltigen und foltern unschuldige Kinder, missbrauchen ihre Adern als Jungbrunnen. Sie fressen sie, laben sich an ihrem Blut, das sie verjüngt und belebt. Du beginnst selbst zu recherchieren und wirst fündig: Adrenochrome, ein Bild von Bill Clinton und Jeffrey Epstein, mysteriöse Codes in den geleakten Mails von John Podesta, pädophiler und satanistischer Symbolismus in den höchsten Rängen unserer Gesellschaft. Der Schauder prasselt dir wie heftiger Regen auf den Rücken. Alles hängt zusammen.</em></p>
<p><em>Langsam dämmert es dir und die lachenden Nachbarsstimmen wirken wie Hohn. Die Leute an der Uni, deine Eltern, deine Freunde – sie alle wurden getäuscht. Sie feiern die Kinderschänder von Pedowood und Washington. Niemand unternimmt etwas gegen sie, niemand glaubt dir. Verzweiflung und Ohnmacht bohren sich in dein Gewissen. Doch dann erinnerst du dich. Der Sturm wird kommen. Q hat einen Plan.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Köpfungen, Sex, und natürlich Pizza</h3>
<p>Die Suche nach den Anfängen von QAnon führt uns in die Washingtoner Pizzeria „Comet Ping Pong“. Neben krossen Pizzen und Rucola-Salat, stehen dort auch Mädchen und Buben auf der Speisekarte – zumindest, wenn man der Verschwörungserzählung „Pizzagate“ Glauben schenkt. Diese vermutete nämlich die Existenz eines organisierten Netzwerks von pädophilen Kinderschändern und Menschenhändlern, welches sich im Keller des Restaurants einnistete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_6031" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-6031" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-6031" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Comet_Ping_Pong_Pizzagate_2016_01-1.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Comet_Ping_Pong_Pizzagate_2016_01-1.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Comet_Ping_Pong_Pizzagate_2016_01-1-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Comet_Ping_Pong_Pizzagate_2016_01-1-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Comet_Ping_Pong_Pizzagate_2016_01-1-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-6031" class="wp-caption-text">© Farragutful / Wikimedia Commons</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Grundlage für diese Annahme waren die kurz zuvor geleakten Mails von John Podesta, dem Kampagnenmanager von Hillary Clinton, die sich damals mitten im Wahlkampf befand und kurzerhand zur Anführerin dieses Zirkels des Bösen ernannt wurde. Anhänger von Pizzagate glauben, in der Korrespondenz zwischen Podesta und dem Restaurantbesitzer Alefantis geheime Code-Wörter für die Kommunikation zwischen Pädophilen entdeckt zu haben und konstatieren die vermeintliche Ähnlichkeit des Restaurantlogos mit satanistischer Symbolik. Seine Anfänge hatte Pizzagate auf dem News-Aggregator Reddit, genauer gesagt auf dem Subreddit <em>/r/The_Donald</em>, der sich der Unterstützung von Donald Trump verschrieb (Subreddits sind die thematischen Foren, in die Reddit sich gliedert). Der ursprüngliche Post wurde schnell gelöscht, woraufhin eine <a href="https://www.snopes.com/fact-check/pizzagate-conspiracy/">Zusammenfassung</a> auf dem Subreddit <em>/r/pizzagate</em> erschien, die auf angeblich pädophile und kultische Symbole im Restaurant hinwies:</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>Everyone associated with the business [Comet Ping Pong] is making semi-overt, semi-tongue-in-cheek, and semi-sarcastic inferences towards sex with minors. The artists that work for and with the business also generate nothing but cultish imagery of disembodiment, blood, beheadings, sex, and of course pizza.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach kurzer Zeit griffen die Medien die Geschichte auf und schrieben sie als Humbug ab. Doch wie später auch QAnon, zeichnet sich Pizzagate durch eine dogmatische Medienskepsis aus. So kam es, dass sich ein Familienvater aus North Carolina dazu entschloss, der Sache selbst auf den Grund zu gehen und dem pädosexuellen Pizzazirkel den Belag wegzuschießen. Bewaffnet stürmte Edgar M. Welch das Gebäude, feuerte eine Kugel in die Luft und verließ das Restaurant wieder mit dem Wissen, dass es gar keinen Keller gab, in dem sich ein Netzwerk hätte einnisten können. Nach diesem enthüllenden Ereignis revidierten viele ihre Ansichten und entschuldigten sich bei den Besitzern. Und auch die sozialen Netzwerke und Imageboards distanzierten sich von der Theorie. <a href="https://www.reddit.com/r/pizzagate/">„We don’t want witchhunts on our site”</a> steht heute dort, wo früher der Subreddit <em>/r/pizzagate</em> zu finden war.</p>
<p>Trotzdem blieb Pizzagate eine steinofenheiße Angelegenheit. Heute noch glauben viele an die Existenz des pädokriminellen Netzwerks, wie die Kommentare unter <a href="https://www.youtube.com/watch?v=8EJ3zbKTWQ8">Justin Biebers Song Yummy</a> illustrieren. Einige bauten die Grundthese von Pizzagate aus und kamen zum Schluss, dass es eine pädophile Organisation geben müsse, die über die angenommenen Ausmaße von Pizzagate hinausgeht: eine Kabale von Eliten und Promis aus Washington und Hollywood, die im Hintergrund die Schicksale der Welt lenkt. Im Nährboden dieser Annahme entstand QAnon und machte – insbesondere durch den Einfluss ihres Anführers &#8220;Q&#8221; – aus einer einzelnen Verschwörungserzählung eine neue Religion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Das Qlaubensbekenntnis</h3>
<p>Im Oktober 2017 betrat ein Informant namens „Q“ die Bildschirmflächen und postete angeblich geheimes Insider-Wissen auf der Website 4Chan. Der Buchstabe Q ist eine Anspielung auf die Q-Freigabe des US-amerikanischen Energieministeriums, welche den Zugriff auf Staatsgeheimnisse ermöglicht, die Atomwaffen und Kernmaterial betreffen. Q suggeriert damit, dass er Einsicht in die wichtigsten Informationen der Nation habe und bereit sei, diese weiterzugeben. Zusammen mit der Abkürzung „Anon“ für Anonymous, entstand daraus der Begriff QAnon als Bezeichnung für die Anhängerschaft, die seine Informationen – genannt „QDrops“ – konsumiert und interpretiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_6108" style="width: 461px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-6108" decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-6108" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Hillary.png" alt="" width="451" height="386" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Hillary.png 751w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Hillary-300x256.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Hillary-585x500.png 585w" sizes="(max-width: 451px) 100vw, 451px" /><p id="caption-attachment-6108" class="wp-caption-text">Der erste QDrop, der fälschlicherweise die Festnahme Hillary Clintons prophezeite</p></div>
<p>Auf der Basis von Pizzagate entstanden die heutigen Grundprämissen von QAnon, die von der Mehrheit der Anhänger geteilt werden. Diese beinhalten die Annahme eines sogenannten „Deep State“, eines Staates im Staat, der die Regierung und die Medien kontrolliert und die Bevölkerung manipuliert. Viele glauben, dass dieser Deep State von Pädophilen und Satanisten gelenkt wird. Donald Trump wisse über diese Machenschaften Bescheid und habe sich wählen lassen, um ihnen ein Ende zu bereiten. Anhänger glauben, dass Trump mit dem Militär zusammenarbeitet, um eine Welle von Massenverhaftungen durchzuführen, die sie „The Storm“ nennen. Diese Meinungen werden dadurch gefestigt, dass Trump selbst – ob bewusst oder unbewusst – zuweilen QAnon-Vokabular verwendet, wie beispielsweise <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HH0AvaG3SqQ">bei diesem hochrangigen Treffen</a> von Militärs, wo Trump von einer „Ruhe vor dem Sturm“ sprach.</p>
<p>Die erwarteten Verhaftungen – deren Beginn Q bereits mit dem ersten QDrop angekündigt hatte – würden das Ende des Deep State markieren und seien die Folge des „Great Awakening“, des großen Erwachens, welches durch Q und seine Anhänger initiiert wird. Dieses Erwachen bedeutet einerseits das Aufkommen einer neuen Denkweise, die sich von vermeintlich verlogenen Massenmedien emanzipiere und andererseits die wachsende Erkenntnis, dass der Deep State an allem Schuld trage und dafür zu verurteilen sei. Dabei wird so gut wie alles, was auf der Welt schiefläuft, auf einige wenige angeblich abgrundtief böse Eliten zurückgeführt.</p>
<p>Durch die Bündelung dieser Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen, entstand eine neue Ideologie, die sich durch ein gemeinsames Bekenntnis zu einer Art Religion entwickeln konnte. Dabei nimmt QAnon teils prophetische und utopische Ausmaße an. Es ist ein in seinen Zielen optimistisches Glaubenssystem, welches davon ausgeht, dass sich die Welt bald zum Besseren wenden wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">Think about it. A world where there is no war, no killing, organic food, free energy, real money etc. You might think it&#39;s a fantasy but it&#39;s really going to happen. Trust the plan. trust Q. WWG1WGA.</p>
<p>&mdash; ? ?? ???????! (@qincontrol) <a href="https://twitter.com/qincontrol/status/1270827214767034368?ref_src=twsrc%5Etfw">June 10, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<div class="bildunterschrift">Tweet eines mittlerweile gelöschten Users; das Motto WWG1WGA steht für „Where We Go One, We Go All”</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit solchen Prophezeiungen erinnert QAnon an den in vielen Religionen verbreiteten Millennialismus, also den Glauben an eine große, paradiesische Revolution des irdischen Lebens. Gleichzeitig ist QAnon aber auch apokalyptisch, befürchtet, dass die Dekadenz der Eliten zum Untergang führen könnte, wenn nicht schnell gehandelt wird. Für die Anhänger von QAnon geht es also um nicht weniger als um das Schicksal der Welt, um die Rettung der Menschheit vor ihrem moralischen Verfall. Aufgrund dieser religiösen Charakteristika, wäre es gut möglich, dass QAnon zu einer neuen Art von Glaubenslehre aufsteigt und sich als solche längerfristig etabliert. In einem <a href="https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2020/06/qanon-nothing-can-stop-what-is-coming/610567/">Artikel in <em>The Atlantic</em></a> vergleicht Adrienne LaFrance QAnon mit christlichen Gruppierungen in den USA und erkennt Parallelen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>Does it matter that we do not know who Q is? The divine is always a mystery. Does it matter that basic aspects of Q’s teachings cannot be confirmed? The basic tenets of Christianity cannot be confirmed. Among the people of QAnon, faith remains absolute. True believers describe a feeling of rebirth, an irreversible arousal to existential knowledge. They are certain that a Great Awakening is coming.</p>
<p>&nbsp;</p></blockquote>
<p>Mittlerweile haben QAnons Anhänger eine ruchbare Reichweite, vor allem im Ursprungsland USA, wo es bereits Kongress-Kandidaten gibt, die QAnon offen unterstützen oder an Pizzagate glauben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">I haven’t been able to order Pizza ? <br />Thanks a lot pedo’s</p>
<p>&mdash; Angela Stanton King ?? (@theangiestanton) <a href="https://twitter.com/theangiestanton/status/1291065520410759168?ref_src=twsrc%5Etfw">August 5, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Genaue Mitgliederzahlen sind schwer zu ermitteln, allerdings macht sich der wachsende Einfluss entsprechender Mythen auch in Deutschland – dem Land mit den <a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/qanon-verschwoerungsideologie-zum-mitmachen-a-8656ef8e-b2dc-4b90-a09f-8cb6e4a4db19">zweitmeisten QAnons</a> – zunehmend bemerkbar, wie das Beispiel von Xavier Naidoo zeigt. Wie konnten solch halsbrecherische Hypothesen eine derart große Anhängerschaft generieren?</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Das Erfolgsrezept – Eine Brise von Allem</h3>
<p>Die Anziehungskraft von QAnon liegt in seiner Flexibilität und Vielseitigkeit. Anders als bei Pizzagate, geht es hier nicht mehr um eine einzelne Verschwörungserzählung, der man glauben oder nicht glauben kann, sondern um ein ganzes Konglomerat an solchen. Die Anhänger können somit selbst entscheiden, welchen Erzählungen sie wie viel Glauben schenken und welche davon ihnen am wichtigsten sind.</p>
<p>Manche stehen dabei in der Tradition von Pizzagate und fokussieren sich auf pädophile Weltverschwörungen oder betonen satanistische Vorlieben der globalen Elite. Dieses Erbe von Pizzagate bleibt einer der relevantesten und zentralsten Punkte von QAnon. Viele glauben dabei, dass die Kinder nicht nur vergewaltigt, sondern sogar gefressen werden. Ein Begriff, der immer wieder mit vermeintlichem Kinderkannibalismus in Verbindung gebracht, ist Adrenochrome. Diesem Stoffwechselprodukt wird eine verjüngende Wirkung nachgesagt, weshalb es von den Kindern extrahiert und getrunken würde. Jüngst gab es vermehrt Stimmen in sozialen Netzwerken, die bestimmten Personen Pädophilie oder Kindermord unterstellten. So war etwa <a href="https://twitter.com/search?q=%23BillClintonIsAPedo&amp;src=recent_search_click">#BillClintonIsAPedo</a> ein vielverwendetes Twitter-Hashtag im diesjährigen Sommer. <em>[Anm. d. Red. vom 09.11.20: Mittlerweile scheinen Beiträge, die mit diesem Hashtag versehen wurden, gelöscht worden zu sein. Allerdings finden sich noch immer derartige Beiträge unter dem ähnlichen Hashtag <a href="https://twitter.com/search?q=%23BillClintonsAPedo&amp;src=typed_query">#BillClintonsAPedo.</a>]</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">Bill Clinton had sex with children.</p>
<p>&mdash; Julian&#39;s Rum ? (@JuliansRum) <a href="https://twitter.com/JuliansRum/status/1291106865682817027?ref_src=twsrc%5Etfw">August 5, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr">Don&#39;t let them distract you.<a href="https://twitter.com/hashtag/BeirutBlast?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#BeirutBlast</a> is horrifically sad.<br />But it is also theater orchestrated by intelligence agencies, designed to make the public forget that <a href="https://twitter.com/hashtag/BillClintonIsAPedo?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#BillClintonIsAPedo</a></p>
<p>Don&#39;t let them win. When we stop them, we stop the horrors.</p>
<p>Trend it again.</p>
<p>&mdash; E. (@ETheFriend) <a href="https://twitter.com/ETheFriend/status/1290762566122254336?ref_src=twsrc%5Etfw">August 4, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum Teil nehmen diese Anschuldigungen hexenjagdähnliche Zustände an. So postete ein User namens „qanonsociety“ häufig Videos der Fernsehpersönlichkeit Howie Mandel auf Instagram und versah sie mit Hashtags wie #pedogate oder #savethechildren. Häufig verschwinden solche User nach einer Weile wieder oder werden gesperrt, wie es auch bei „qanonsociety“ der Fall zu sein scheint. Doch neue Accounts sprießen ständig aus dem digitalen Boden, führen die Anschuldigungs-Rhetorik ihrer Vorgänger weiter und weiten den Kreis der Beschuldigten aus, wie der folgende Tweet veranschaulicht. Neben Bill Clinton wird hier eine Vielzahl von berühmten Persönlichkeiten des Kinderschändens bezichtigt – darunter Tom Hanks, Jimmy Kimmel und Oprah Winfrey, um nur ein paar zu nennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true">
<p lang="en" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/BillClintonIsAPedo?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#BillClintonIsAPedo</a> and he is NOT alone&#8230; <a href="https://t.co/lQqdKK4xEG">pic.twitter.com/lQqdKK4xEG</a></p>
<p>&mdash; Be Inspired (@Palinspired) <a href="https://twitter.com/Palinspired/status/1289675097754615808?ref_src=twsrc%5Etfw">August 1, 2020</a></p></blockquote>
<p><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Neben diesem Aspekt von QAnon, lässt sich dort in letzter Zeit außerdem ein starker Fokus auf das Corona-Virus beobachten. In einem Post von „QAnon Austria“ wird beispielsweise Hydroxychloroquin als vermeintliches Heilmittel gegen Corona genannt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-6052" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Qanon-austria-telegram-Hydro-e1596982818603.jpg" alt="" width="1024" height="1096" /></p>
<div class="bildunterschrift">Die rote Pille aus dem Kultfilm „Matrix“ steht symbolisch für eine oft bittere Wahrheit.</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Viele sind der Ansicht, dass Covid-19 gezielt künstlich geschaffen worden sei oder dass ein funktionierendes Medikament vor der Bevölkerung verheimlicht werden würde. Das oftmals als „China Virus“ bezeichnete Virus sei geschaffen worden, um Donald Trumps Ruf zu zerstören und Joe Biden somit zum Sieg bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen zu verhelfen. China wolle nämlich die USA wirtschaftlich ausbeuten und dies sei unter Trump nicht möglich. Auch andere Gesundheitsmythen machten sich in QAnons Gemeinde breit. Unter den Mitgliedern findet man Impfgegner, die rhetorisch vor allem gegen Bill Gates vorgehen, esoterische Wundermittelsucher und 5G-Skeptiker.</p>
<p>Viele dieser Theorien lassen sich in spezifischen Fällen widerlegen und werden es auch meist durch mehrere Quellen, wie beispielsweise die Behauptung, dass Tom Hanks<a href="https://factcheck.thedispatch.com/p/was-tom-hanks-arrested-for-pedophilia"> in Australien wegen Pädophilie verhaftet</a> worden sei. Doch oftmals glauben QAnons, trotz widersprüchlicher Faktenlage, an das anfänglich Behauptete. Adrienne LaFrance schreibt <a href="https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2020/06/qanon-nothing-can-stop-what-is-coming/610567/">in <em>The Atlantic</em></a> dazu:</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>[T]his is a very welcoming belief system, warm in its tolerance for contradiction.</p>
<p>&nbsp;</p></blockquote>
<p>Widersprüche werden durch die Annahme, dass Medien und Wissenschaftler systematisch Lügen verbreiten, für nichtig erklärt. Mit dem Kampf gegen die angeblich manipulativen Massenmedien wird der Kampf gegen das Böse für QAnon zum Zweifrontenkrieg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>„We are the news now“</h3>
<p>Dieser „Information Warfare“, dieser Informationskrieg, ließ sich vor kurzem symptomatisch in Berlin beobachten. Am 1. August gab es dort eine Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen, bei der auch QAnon-Anhänger anwesend waren und Videos vom Geschehen an ihre Telegram-Gruppen sendeten. Laut Polizei waren es etwa <a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-08/anti-corona-demonstration-berlin-coronaleugner-querdenken-711-rechtsextremismus-abstandsregel">17.000 Leute</a>, aber in den Gruppen zeichnet sich ein anderes Bild ab. „80.000 Leute, die Medien schreiben sicher wieder nur 20.000“, schreibt dort ein Nutzer und ein anderer schätzt die Zahl sogar um ein Vielfaches höher: „ARD/NTV = 17.000 Demonstranten, Realität: 1,3 Millionen Menschen“. Zur Untermauerung dieser Thesen werden zweifelhafte Beweisfotos gepostet, die die Demo mit der Love Parade von 2001 vergleichen, dabei aber nur Ausschnitte von den damals etwa 1,2 Millionen starken Besuchermassen zeigen.</p>
<p>Im Informationskrieg gilt für QAnon das Motto „We are the news now”. Anhänger betonen dabei immer wieder, wie wichtig es sei, sich eine Meinung fernab von Mainstream-Medien zu bilden, auf eigenständige Recherche zu vertrauen und alternative Quellen zu verwenden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-6116" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/FUß-telegram.png" alt="" width="732" height="458" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/FUß-telegram.png 732w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/FUß-telegram-300x188.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/FUß-telegram-585x366.png 585w" sizes="(max-width: 732px) 100vw, 732px" /></p>
<div class="bildunterschrift">So endet jede Nachricht im Telegram-Channel „QAnon Austria“</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gleichzeitig wird aber dogmatisch davon ausgegangen, dass Mainstream-Medien Teil des Zensurapparats sind, während dem anonymen Q sehr viel Vertrauen entgegengebracht wird. Obwohl sich schon einige von Q’s Prophezeiungen nicht bewahrheitet haben – wie die vermeintlich bevorstehende Verhaftung Hillary Clintons – bleibt der Glaube an ihn, sowie an seinen Plan und an „The Storm“ quasi unumstößlich. Wie passt das zusammen?</p>
<p>Wir haben einen Tiroler QAnon dazu befragt. Manuel F. [<em>Name von der Redaktion geändert]</em> steht offen zu Q, möchte aber aufgrund der Arbeit anonym bleiben. Auf die Frage, warum er glaube, dass die Massenmedien lügen, antwortet Manuel mit Gegenfragen: „Warum wird ‚freies Denken‘ lächerlich gemacht, herausgefordert und bedroht, wenn eine Person gegen die ‚Mainstream-Erzählung‘  ist?“ Er konstatiert, dass der Mainstream verwendet wird, um „einen dominierenden Meinungstrend zu erzeugen. Wenn die Mehrheit der Menschen &#8216;x&#8217; glaubt, dann muss &#8216;x&#8217; validiert/wahr sein.“ Damit seien die Medien fähig, Leute und ihre Meinungen zu beeinflussen und zu kontrollieren. Dies sei aber problematisch, da ein großer Teil der Mainstream-Medien im Besitz von großen Konzernen oder einflussreichen politikernahen Personen – wie etwa Rene Benko – sei.</p>
<p>Doch warum sollten dann Informationen von Q – welcher der Politik ebenfalls sehr nahe steht – für bare Münze genommen werden? Manuel bezeichnet Q als „einen wichtigen Hintergrundkanal und die größte militärische Geheimdienstoperation der Geschichte“. Für bare Münze würden seine Informationen allerdings nicht genommen, da Q zum Großteil Fragen stelle und zum Nachdenken anrege, anstatt fertige Antworten zu liefern. Q&#8217;s Falschmeldungen seien bewusst gesetzt worden, „um den Feind in die Irre zu führen“ und dementsprechend nicht an die QAnons adressiert gewesen. Manuel F. fasst die Rolle des Informanten zusammen: „Q ist kryptisch, smart, subtil und bietet Anhaltspunkte, die um Kontext und Verbindung bitten“. Werfen wir einen genaueren Blick auf diesen angeblichen Fragenmeister.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Q der Profipsychologe</h3>
<p>Das Konzept von anonymen Informanten, die sich auf Imageboards äußern, ist nicht neu, aber keiner konnte bisher eine so große Gefolgschaft generieren wie Q. Das Times Magazine zählte ihn 2018 sogar zu den <a href="https://time.com/5324130/most-influential-internet/">25 einflussreichsten Internetpersönlichkeiten</a> des Jahres. Um die Identität von Q ranken sich viele Mythen. Er sei Trump selbst, Michael Flynn, Dan Scavino oder gar John F. Kennedy Jr., der seinen Tod gefälscht hat, um im entscheidenden Moment wieder in Erscheinung zu treten und Trump im Kampf gegen die Kabale zu unterstützen. Es steht noch nicht einmal fest, ob Q eine Einzelperson oder eine Personengruppe ist. Wie kann eine so mysteriöse Persönlichkeit eine so große Reichweite haben? Das Geheimnis liegt in seiner Rätselhaftigkeit. Nachdem sich anfängliche Prognosen als falsch erwiesen hatten, änderte Q nämlich seine Strategie und die QDrops wurden kryptischer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-6119 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Download.png" alt="" width="1024" height="753" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Download.png 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Download-300x221.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Download-768x565.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/Download-585x430.png 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Beispiele von Q&#8217;s kryptischen QDrops von der Website qanon.pub</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die mittlerweile 4.620 (Stand 13.08.20) tweet-ähnlichen Beiträge sind voller Abkürzungen, Parolen und Rätsel. Dadurch gibt Q seinen Lesern das Gefühl, eigenständig zu denken und dass der Preis seiner Rätselspiele nichts Geringeres ist, als die Wahrheit selbst. <a href="https://youtu.be/85y5BS8vOW8?t=377">„Q never asks anybody to believe anything“</a>, schwärmt eine Anhängerin auf Youtube, „he wants people to go out there and do their own research”. Dadurch sehen sich die QAnons als Gäste in einem streng geheimen Informationspalast, als Mitarbeiter und Forschende in den höchsten militärischen Rängen. Einige haben es sich zur Aufgabe gemacht, Ordnung und Sinn in diesen Informationspalast zu bringen, damit sich andere besser darin zurechtfinden, wie etwa der Twitter-User „<a href="https://twitter.com/prayingmedic">prayingmedic“</a>. „Researchers“ wie er sammeln und interpretieren QDrops, die auch als „Brotkrümel“ bezeichnet werden, und haben sich damit den passenden Spitznamen „Bäcker“ eingeholt. Mittlerweile gibt es hunderte von solchen Bäckern, die Echos von Q’s Worten in die digitale Welt schicken und in einem großen QAnon-Kanon erklingen lassen.</p>
<p>Jene, die ihren Rufen und den Brotkrümeln folgen, finden wie Hänsel und Gretel zur grausamen Erkenntnis, dass im tiefen Dunkel Kinderfresser lauern. Mit der Annahme eines pädophilen Systems knüpft Q dabei an ureigene elterliche und menschliche Instinkte und Ängste an. Es ist die Furcht, unschuldige Kinder auf die schlimmste Weise zu verlieren und die Angst vor der Ohnmacht im Angesicht einer großen Organisation des Bösen, die die Gesellschaft in ihren Fängen hält. Nur als Gemeinschaft sei es möglich, diesem Feind Einhalt zu gebieten. QAnon gibt seinen Anhängern das Gefühl, einem moralisch guten Kollektiv anzugehören, sich auf die richtige Seite gestellt zu haben. Dieser Dichotomie liegt jedoch die Annahme zugrunde, dass die Welt in gute und böse Menschen eingeteilt werden kann. <em>[Anm. d. Red. vom 09.11.20: Auf qmap.pub – einer der größten Websites von QAnon, wo QDrops gelistet und kontextualisiert wurden – fand sich eine solche Kategorisierung, bevor der Betreiber<a href="https://www.insider.com/qanon-website-shut-down-after-developer-identified-2020-9"> im September identifiziert wurde</a> und die Website daraufhin offline ging.]</em></p>
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<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-6121" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/08/collagehu-1-scaled-e1597155502899.jpg" alt="" width="1024" height="691" /></p>
<div class="bildunterschrift">Bei QAnon wird die Menschheit in Gut und Böse kategorisiert. Quelle: qmap.pub</div>
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<p>Q macht die Welt verständlich, simplifiziert sie für seine Anhänger. In seiner Welt sind Menschen entweder „patriotisch“ oder „böse“, oder aber sie sind vom Weg abgekommen und werden als „pawns“ von den Bösen kontrolliert. Nur wenn sich die Patrioten gegen fehlgeleitete und böse Menschen durchsetzen, kann sich alles zum Guten wenden und der prophezeite Sieg sich in epochalen Ausmaßen bewahrheiten. Das Gefühl, Teil von etwas Wichtigem und Großem zu sein, schweißt die Gemeinschaft zusammen, wie ihr Motto WWG1WGA („Where we go one, we go all“) zeigt. Manuel F. beschreibt, was dieser Satz für ihn bedeutet:</p>
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<blockquote><p>„Where we go one, we go all“ hat für mich eine große und gleichzeitig wunderschöne Bedeutung. Es geht nicht nach Rasse, es geht nicht nach Religion, es geht nicht nach Kultur, es geht nicht nach Klasse, es geht nicht nach politischer Zugehörigkeit, es geht nicht um eine Person oder eine Gruppe/Bewegung. Es geht in erster Linie um die Menschen und die Menschlichkeit. Um dich und um mich. Gemeinsam sind wir stark und können etwas bewegen. Frei nach dem Motto: Einer für alle und alle für einen.</p></blockquote>
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<p>Diese inklusive Gruppendynamik hat aber auch zur Folge, dass Menschen immer tiefer in die Sache hineingezogen werden. Wer tatsächlich fest davon überzeugt ist, dass es eine Verschwörung der Kinderfresser gibt, kann wohl nicht untätig dabei zusehen, wie diese damit davonkommt. Im schlimmsten Falle würden manche auch nicht davor zurückschrecken, Gewalt anzuwenden, um ihr Einhalt zu gebieten, wie das Beispiel von Edgar M. Welch im Comet Ping Pong zeigte. Das FBI warnte bereits vor möglichen Gewalttaten und bezeichnete QAnon als „domestic terror threat“. So weit muss es nicht kommen, andere Negativeffekte sind aber nicht von der Hand zu weisen. Leute, die sich QAnon verschreiben, riskieren oft ihren Arbeitsplatz, verlieren ihren Zugang zu Freunden und Familie. Manche Mitglieder werden in die Einsamkeit getrieben, fühlen sich missverstanden, angelogen und verzweifelt. Doch wie in jeder guten Geschichte, müssen die Helden Opfer bringen, tragen die schwere Wahrheit in die Welt und erhalten im Gegenzug Halt und Hoffnung.</p>
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<p><em>Du nimmst noch einen Schluck Wasser und setzt dich in deine Recherche-Sitzecke zwischen Bücher und Kissen. An der Wand hängen Fotos und Zeitungsschnipsel, die in einem spinnennetzartigen Geflecht von Stecknadel und Faden miteinander verbunden sind. Seit deinem „Great Awakening“ sind bereits einige Monate vergangen. Du bist umgezogen. Seit du zum Bäcker wurdest, lebst du allein. Das ist schade, aber der Kampf gegen das Böse ist zu wichtig, um Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse zu legen. Immerhin muss ein Schattenkrieg mit biblischen Proportionen gewonnen werden und es gibt viel zu tun. </em><em>Du atmest tief ein, legst dir deine Notizen zurecht und machst die Kamera an: „Der Sturm wird kommen. Q hat einen Plan.“</em></p>
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		<title>Hausbesetzung in Innsbruck aufgelöst</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/hausbesetzung-innsbruck/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2020 12:41:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 19. Juni begannen Aktivisten und Aktivistinnen ein leerstehendes Haus in der Kapuzinergasse zu besetzen. Nach dem Abwenden einer polizeilichen Räumung verließen sie in der Nacht auf Sonntag freiwillig das&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Am 19. Juni begannen Aktivisten und Aktivistinnen ein leerstehendes Haus in der Kapuzinergasse zu besetzen. Nach dem Abwenden einer polizeilichen Räumung verließen sie in der Nacht auf Sonntag freiwillig das Haus.</div>
<p><span id="more-4762"></span></p>
<p>„Dieses Haus ist besetzt“ liest man auf der aus einem Fenster hängenden Flagge. Ziel der Aktion war es, auf die Mietnotstände in Innsbruck aufmerksam zu machen. Der Vermieter beantragte die Auflösung der Besetzung, woraufhin die Polizei am Samstagabend aufrückte und die Aktivisten und Aktivistinnen zum Verlassen aufforderte. Anders als in TT und Krone berichtet, war der Vermieter zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Er befand sich im Telefongespräch mit dem anwesenden Innsbrucker Gemeinderat Mesut Onay, der laut Eigenangaben nur eine polizeiliche Räumung verhindern wollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><iframe loading="lazy" title="UNIpress Investigativ: Hausbesetzung Innsbruck 20.6.2020 - Redakteur Samir Steurer live vor Ort." width="1170" height="658" src="https://www.youtube.com/embed/qUmcAXJ4HAQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<div class="bildunterschrift">Eindrücke von der versuchten Räumung am 20.06. und vom verlassenen Haus am Tag danach (c) Samir Steurer</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Gruppe von Besetzenden, die sich selbst „Kapuze“ nennt, betont ebenfalls, dass Mesut Onay nicht ihr Vertreter sei. Die Vermittlung zwischen dem Hausbesitzer und den Hausbesetzenden sei laut Onay „sehr gut“ verlaufen. Zu einer Räumung kam es schlussendlich nicht und man einigte sich darauf, mit dem Vermieter über eine gemeinsame Lösung zu diskutieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-4768" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-2020-06-21-at-18.54.17.png" alt="" width="698" height="452" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-2020-06-21-at-18.54.17.png 698w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-2020-06-21-at-18.54.17-300x194.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/06/Screenshot-2020-06-21-at-18.54.17-585x379.png 585w" sizes="(max-width: 698px) 100vw, 698px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Die Gruppe betont, dass Onay sie nicht vertrete.</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Laut dessen Angaben stehe das Haus seit einigen Jahren leer. Man bemühe sich aber schon länger darum, das Gebäude umzubauen und dann wieder zu vermieten. Bei der Genehmigung des Bauantrages sei es aber zu Verzögerungen gekommen. Persönlich habe er nichts mit den Hausbesetzenden zu tun. Er verstehe die Beweggründe der Aktion, schlussendlich sei das Haus in der Kapuzinergasse jedoch sein Privatbesitz.</p>
<p>„Sie haben die Aktion gemacht, um auf den Missstand hinzuweisen, dass die Mietpreise ständig erhöht werden.“, so Onays Einschätzung. Der Vermieter – der anonym bleiben möchte – betont im UNIpress-Gespräch, dass er nicht die Preise durch Spekulation in die Höhe treiben wolle. Das Gebäude sei nur Teil des „Familienbetriebs“.</p>
<p>Zu persönlichen Verhandlungen zwischen dem Vermieter und der „Kapuze“ kam es schlussendlich nicht. Die Besetzenden verließen in der Nacht auf Sonntag freiwillig das Gebäude. Unsere Presseanfragen an die Aktivisten und Aktivistinnen blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.</p>
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		<title>Wenn Studis schreiben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2020 15:26:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht nur in Innsbruck wird studentischer Journalismus hochgelebt, denn im deutschsprachigen Raum sprudelt es förmlich vor Studierendenzeitungen. Seit jeher erfüllen Studierendenzeitungen eine wichtige Rolle, denn sie bieten dem kritischen, akademischen&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Nicht nur in Innsbruck wird studentischer Journalismus hochgelebt, denn im deutschsprachigen Raum sprudelt es förmlich vor Studierendenzeitungen.</div>
<p><span id="more-3918"></span></p>
<p>Seit jeher erfüllen Studierendenzeitungen eine wichtige Rolle, denn sie bieten dem kritischen, akademischen Nachwuchs ein Sprachrohr. Dabei haben die einzelnen Medien zum Teil sehr unterschiedliche Formen. So gibt es Studierendenzeitungen, die sich ausschließlich mit Hochschulpolitik und dem Uni-Leben auseinandersetzen. Andere wiederum machen auf ihren Seiten Platz für Kulturschaffende und die Beleuchtung gesamtpolitischer Ereignisse. Die meisten Studierendenzeitungen verstehen sich auch als Ausbildungsmedium für Menschen, die erste redaktionelle Erfahrungen sammeln wollen.</p>
<h3><a href="https://www.unauf.de/">UnAufgefordert</a> (Berlin, DE)</h3>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-3962 alignright" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Abbildung-1.-UnAufgefordert-e1589730743338.png" alt="" width="430" height="604" />Was sind eure thematischen Schwerpunkte?</strong></p>
<p>Unser thematischer Schwerpunkt wechselt von Ausgabe zu Ausgabe. In der Regel entscheiden wir uns gemeinsam mit den Redakteuren für ein Thema, unter dem das Heft stehen soll, z.B. Sex, Wohnraum, Klima etc. Dazu werden dann die meisten Artikel verfasst. Ansonsten liegt der Fokus selbstverständlich auf dem Universitätsbetrieb, insbesondere der Hochschulpolitik. Also alle Kontroversen zwischen Studierenden und Unileitung/Professorenschaft versuchen wir aufzugreifen, lassen aber auch gerne interessante Protagonisten aus der Universitätslandschaft zu Wort kommen. Online ist unser Fokus ausgewogen, wir haben viele Kulturrezensionen, führen aber auch Interviews und schreiben sonstige Artikel.</p>
<p><strong>Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?</strong></p>
<p>Ein Alleinstellungsmerkmal könnte unser Fokus auf die Arbeit des Studierendenparlamentes sein. Wir sind von einer Finanzierung seitens der Universität unabhängig und finanzieren uns durch den Verkauf von Anzeigen. Das gibt uns die Möglichkeit auch kritisch die Arbeit der Hochschulleitung, aber auch der Studierendenvertreter zu begleiten.</p>
<p><strong>Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?</strong></p>
<p>Wenn zum Beispiel zu Beginn des Semesters ein neues Heft in Planung ist, setzen wir uns mit den alten und neuen Redakteuren in unseren Räumen zusammen. Meistens haben wir als Chefredaktion schon erste Ideen über ein Heftthema, lassen aber zunächst die Redakteure Ideen sammeln. Häufig kommen wir über Artikelideen auf ein Oberthema. Dann hat jeder Redakteur Zeit sich eine Artikelidee auszudenken, die wir jede Woche im Plenum besprechen und bei der Recherche helfen. Nachdem wir alle Artikel beisammenhaben, geben wir dem Layouter und Illustratoren den Auftrag, das Heft zu gestalten. Ab einer festgesetzten Deadline korrigieren wir dann in einer Schlussredaktion zusammen mit den Redakteuren die Artikel in drei Durchläufen, ehe sie finalisiert sind.</p>
<h3><a href="http://zs-online.ch/">Zürcher Studierendenzeitung</a> (Zürich, CH)</h3>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-3956 alignleft" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Abbildung-2.-Zürcher-Studierendenzeitung-e1589730812312.png" alt="" width="430" height="581" />Was sind eure thematischen Schwerpunkte?</strong></p>
<p>Wir schreiben über News von der Uni und der ETH Zürich, was sich gerade in den Studiengängen tut und ordnen ein, was das für Studierende bedeutet. Wir berichten auch über die Theater-, Konzert- und Filmszene der Stadt und rezensieren aktuelle Bücher und Alben. Dazu haben wir jeweils in der Mitte der Ausgabe einen großen Themenschwerpunkt. Die letzten Male haben wir über die Klimakrise, das Praktikum oder den schweizweiten Frauenstreik geschrieben.</p>
<p><strong>Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?</strong></p>
<p>Unsere Zeitung wird allen Studierenden der Universität Zürich und einigen Studis der ETH direkt in ihre Briefkästen geliefert. Dementsprechend liegt unsere Auflage bei knapp 28.000 Exemplaren. Zudem sind wir komplett durch Werbung eigenfinanziert, was uns wiederum erlaubt, kritisch über die Uni oder die ETH zu schreiben. Außerdem sind viele unserer Redakteur*innen mittlerweile gestandene Medienschaffende – zum Beispiel bei der „Republik“, beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) oder beim „Tages-Anzeiger“.</p>
<p><strong>Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?</strong></p>
<p>Zweimal im Jahr trifft sich die Redaktion für mehrere Tage und bespricht das kommende halbe Jahr. Dort werden die Themenschwerpunkte ausdiskutiert und beschlossen. Diese drei bis vier Thementexte werden ausschließlich vom festen Redaktionsteam verfasst. Zweieinhalb Wochen vor Redaktionsschluss organisiert die Redaktion eine offene Sitzung, an der alle interessierte Studierende willkommen sind. Dort können sie sich dann einem Vorschlag für einen News- oder Kultur-Artikel der Redaktion annehmen und schreiben. Nach dem Redaktionsschluss produziert die Redaktion innerhalb einer Woche die Ausgabe, bevor sie am Sonntagabend in die Druckerei geschickt wird.</p>
<h3><a href="http://presstige.org/">presstige</a> (Augsburg, DE)</h3>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-3969 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Presstige-e1589731049811.jpg" alt="" width="800" height="548" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Presstige-e1589731049811.jpg 800w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Presstige-e1589731049811-300x206.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Presstige-e1589731049811-768x526.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Presstige-e1589731049811-585x401.jpg 585w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" />Was sind eure thematischen Schwerpunkte?</strong></p>
<p>Unsere Schwerpunkte ergeben sich aus den verschiedenen Rubriken, in die unsere Zeitung gegliedert ist. Hauptsächlich dreht sich aber alles um studentische Themen und studentisches Leben. In “Weltwärts” berichten wir über Nachrichten aus aller Welt, die einen als Studenten ebenfalls beschäftigen. In “Seitwärts” erscheinen Artikel zu allen Themen, die Freizeit und Kultur betreffen. Zu “Heimwärts” gehört alles, was Augsburg und das Leben vor Ort betrifft. In “Wortwärts” ist Platz für Geschichten, Gedichte und kreatives Schreiben. Und bei “Vorwärts” behandeln wir Themen rund um Uni, Studium und Berufsleben. Grundsätzlich sind wir thematisch allerdings nicht eingeschränkt, jeder kann über das schreiben, was ihn interessiert und bewegt.</p>
<p><strong>Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?</strong></p>
<p>Wir haben ein sehr weites Themenspektrum und keine Beschränkungen, was den Inhalt angeht. Zudem gibt es uns momentan nur als Online-Zeitung, wodurch sich unsere Arbeitsabläufe und Aufgaben doch sehr von einer gedruckten Zeitung unterscheiden.</p>
<p><strong>Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?</strong></p>
<p>“Fertiges Blatt” ist relativ, da es uns nur als Onlineausgabe gibt, bei der im Schnitt zwei Artikel pro Woche erscheinen. Deswegen gibt es bei uns keine kollektive Phase der Ideenfindung, des Schreibens und des Layoutens. Jeder durchläuft diese Phasen für jeden neuen Artikel alleine und dementsprechend unterschiedlich ist auch der Prozess. Grundsätzlich folgt aber natürlich auch bei uns auf eine Idee die Recherche, dann das Schreiben und Korrekturlesen lassen und schließlich das Layout und die Veröffentlichung.</p>
<h3><a href="https://libelle.me/">Libelle</a> (Graz, AT)</h3>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-3957 alignleft" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Abbildung-4.-Libelle-e1589730861781.png" alt="" width="430" height="574" />Was sind eure thematischen Schwerpunkte?</strong></p>
<p>Die Libelle hat bei jeder Ausgabe einen anderen roten Faden, der sich durch das Magazin<br />
zieht. Da sie in zwei Teile geteilt ist, kann dadurch der Schwerpunkt variieren. Bei unserer<br />
letzten Ausgabe waren die beiden Schwerpunkte „How to survive University“ und das<br />
allgegenwertige Thema „Nachhaltigkeit“. Schwerpunkte und rote Fäden sind für uns<br />
wichtig, da sie die Harmonie des Magazins ausmachen. Dennoch ist die Libelle nicht nur<br />
von einem Thema geprägt, wobei zwischen Schwerpunkt und Thema wie folgt<br />
unterschieden wird: Der Schwerpunkt gibt uns die Richtung vor, das Thema ist in irgendeiner Weise im Schwerpunkt vorhanden. So entsteht ein breites Spektrum an Themenbereichen, die sich in dem einen Schwerpunkt wiederfinden.</p>
<p><strong>Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?</strong></p>
<p>Das Besondere an der Libelle ist ihr gerader Stil und ihr breites Spektrum an<br />
Informationen. Sie hat nicht nur einen serviceorientierten Teil, sondern glänzt auch mit<br />
ihrer sachlichen, allgemeinpolitischen Seite. Uns geht es darum, Studierende so gut wie<br />
möglich zu informieren. Durch ihr gerades Layout ist sie für jedes Auge angenehm zu lesen.</p>
<p><strong>Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?</strong></p>
<p>Die fundamentale Ideenfindung findet im Kleinen statt. Unsere Pressemitarbeiter*innen<br />
überlegen sich gemeinsam ein Hauptthema, welches sich durch das Magazin zieht.<br />
Grundsätzlich ist es aber jedem erlaubt, über ein Thema zu schreiben, dass diejenige<br />
Person interessiert. Bei der Redaktionssitzung schauen wir dann, ob es in die nächste<br />
Ausgabe passt oder nicht.</p>
<h3><a href="https://www.ruprecht.de/">ruprecht</a> (Heidelberg, DE)</h3>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-3958 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Ruprecht-e1589730972958.png" alt="" width="800" height="505" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Ruprecht-e1589730972958.png 800w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Ruprecht-e1589730972958-300x189.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Ruprecht-e1589730972958-768x485.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Ruprecht-e1589730972958-585x369.png 585w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" />Was sind eure thematischen Schwerpunkte?</strong></p>
<p>Unsere thematischen Schwerpunkte liegen zum einen in der Hochschulpolitik sowie in der regionalen Berichterstattung, zum anderen decken wir die Themen studentisches Leben, Kultur und Wissenschaft ab. Auf unserer letzten Seite veröffentlichen wir Satirebeiträge. Wir haben auch studentische Auslandskorrespondenten. Darüber hinaus fühlen wir uns keiner Weltanschauung verpflichtet.</p>
<p><strong>Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?</strong></p>
<p>Der ruprecht gehört mit einer Auflage von 10.000 nicht nur zu den auflagenstärksten Studierendenzeitung Deutschlands, sondern ist auch eine der ältesten: Die erste Ausgabe ist 1987 erschienen. Seitdem erscheinen wir ohne Unterbrechung, drei Mal im Semester. Darüber hinaus hatten wir noch nie einen Chefredakteur. Die Redaktion ist basisdemokratisch organisiert.</p>
<p><strong>Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?</strong></p>
<p>Wir treffen uns immer an Montagen, um die Themen zu besprechen: jeder kann Themen einbringen, die Redaktion stimmt darüber ab, ob wir einen Artikel über das Thema veröffentlichen. Jeder darf sich auch zu Artikeln melden, sie schreiben und fotografieren. In der Schlussredaktion verwandeln wir die Artikel und Fotos mit InDesign in eine Zeitung. Dabei redigieren und korrigieren wir alle Artikel.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Stiften und Stäben</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/interview-max-zirngast/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2020 12:27:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Journalist und Aktivist Max Zirngast saß für über drei Monate in einem türkischen Gefängnis. Wir sprechen mit ihm über Medien, das Gefangensein und die Lage in der Türkei. UNIpress:&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der Journalist und Aktivist Max Zirngast saß für über drei Monate in einem türkischen Gefängnis. Wir sprechen mit ihm über Medien, das Gefangensein und die Lage in der Türkei.</div>
<p><span id="more-3046"></span></p>
<p><strong>UNIpress</strong><em>: Im Buch „Die Türkei am Scheideweg“ schreibst du, dass wir nicht das Recht hätten, den Kampf für eine bessere Welt aufzugeben. War dies der Grundsatz, der dich in die Türkei geführt hat?</em></p>
<p><strong>Max Zirngast</strong>: Ich glaube, ich habe den Satz in Bezug auf den 10. Oktober 2015 in Ankara gesagt. Damals sind bei einem doppelten Selbstmordanschlag während einer Demonstration für die Demokratie über hundert Menschen gestorben. Und im Andenken an diese Menschen haben wir nicht das Recht, ihren Kampf aufzugeben. Also nein, das war nicht unbedingt der Satz, der mich in die Türkei geführt hat, denn ich glaube, dass er überall gilt. Ich bin aufgrund einer Reihe von Zufällen in die Türkei gegangen: Aufgrund von Menschen, mit denen ich Kontakt hatte und weil es mich interessiert hat, wie es um die Geschichte und um die Lage in dem Land steht. Es hätte auch woanders sein können, ist aber dann eben die Türkei geworden. Und über die Jahre hinweg wächst man zusammen und es entwickeln sich Bindungen, die sehr tiefgehend sind und dann auch nicht so leicht aufhören.</p>
<div id="attachment_3053" style="width: 283px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-3053" decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-3053" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Zwischen-Stiften-und-Stäben.-Abbildung-3.-UP-März-20-700x1024.jpeg" alt="Die Türkei am Scheideweg Buch" width="273" height="399" /><p id="caption-attachment-3053" class="wp-caption-text">©Edition Assemblage</p></div>
<p><strong>UP: </strong><em>Welche Erfahrungen hast du mit der dortigen Medienlandschaft gemacht?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Ich habe jetzt nicht direkt mit den türkischen Medien gearbeitet. Das heißt aber nicht, dass ich nicht Bekannte, Freunde und Freundinnen habe, die bei türkischen Medien arbeiten. Vor allem in den Jahren, in denen ich dort war – ab dem Putsch im Juli 2016 und dem darauffolgenden Ausnahmezustand – haben wir eine rapide Transformation der Medienlandschaft gesehen. Sie war zwar schon davor ziemlich auf das Regime zugetrimmt, wurde dann aber so transformiert, dass 90 bis 95 Prozent der Medien nun direkt dem Regime unterstehen. Das passierte teilweise durch direkte Repressionen, Entlassungen, Festnahmen und dem Verbot von Medien. Indirekt passierte es dadurch, dass ökonomischer Druck ausgeübt und Medien aufgekauft wurden. Heute haben wir eine Medienlandschaft, die mehr oder weniger auf Linie ist. Gleichzeitig gibt es aber vor allem im Internet eine extrem spannende, alternative, kritische Medienlandschaft.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Warst du dir der Risiken deiner Tätigkeit von Anfang an bewusst?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Ja, grundsätzlich schon. Es ist klar, dass so etwas in der Türkei passieren kann. Aber das Level der Repression hat sich in den Jahren, in denen ich dort war, verändert. Es ist sehr viel stärker geworden und die Repression ist über traditionell von solchen Maßnahmen betroffene Kreise – also vor allem die kurdische und linke Opposition – hinausgegangen und hat noch viel größere Bereiche der Gesellschaft erfasst.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Du warst letztendlich über drei Monate in Haft und schreibst dazu, dass du die Tage im Gefängnis nutzen und gegen die Zermürbung ankämpfen wolltest. Was waren dabei die großen Herausforderungen?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Das ist eine Haltung, die man meines Erachtens wählen muss, um dort halbwegs aufrecht wieder herauszukommen. Wir haben versucht, die Zeit möglichst produktiv zu nutzen, viel zu lesen, Sport zu machen – also Körper und Geist fit zu halten. Und ich glaube, dass uns das einigermaßen gut gelungen ist.</p>
<blockquote><p>Man kämpft im Prinzip gegen die Einrichtung des Gefängnisses per se: Das Raum- und Zeitregime des Gefängnisses mit allem, was dazu gehört.</p></blockquote>
<p>Wir haben auf die Isolation, die Unsicherheit und die spezifische Raum-Zeit-Struktur dort mit Kreativität, Disziplin und Solidarität geantwortet.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Du schreibst nicht nur politikwissenschaftliche und journalistische Texte, sondern etwa auch über Raum und Zeit im Gefängnis. Ist das Schreiben für dich auch in gewisser Weise zum Selbstzweck geworden?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Nein, eigentlich nicht. Ich schreibe in erster Linie politische Kommentare – journalistisch, politikwissenschaftlich, an der Schnittstelle von Journalismus und Politikwissenschaft oder an der Schnittstelle von Wissenschaft und politischer Intervention. Das ist mein spezifischer Stil, den ich für durchaus produktiv und gut halte. Klarerweise muss man im Gefängnis zu anderen Methoden und Textformen greifen – allein schon, weil alles durch die Zensur geht. Auch die Art und Weise, wie man im Gefängnis schreibt, ist anders: Man schreibt nicht am Computer, sondern mit Stift und Papier und die Recherchemöglichkeiten sind relativ gering. Ich glaube aber nicht, dass das Schreiben bei mir allein zum Selbstzweck wird. Ich glaube, dass es viele Wege gibt, um gewisse Inhalte zu vermitteln, und ich versuche, sie alle mehr oder weniger einzusetzen und für mich zu gewinnen.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-3052 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/05/Zwischen-Stiften-und-Stäben.-Abbildung-2.-UP-März-20-1024x683.jpg" alt="Flagge Türkei" width="1024" height="683" /></p>
<p><strong>UP: </strong><em>Was war aus deiner Sicht der eigentliche Grund deiner Freilassung?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Ich glaube, dass wir das nie erfahren werden. Ich gehe von einem Zusammenspiel von mehreren Gründen aus, sowohl bei der Entlassung nach drei Monaten als auch beim Freispruch nach einem Jahr. Wesentliche Faktoren sind die internationale Solidaritätskampagne, die große Medienaufmerksamkeit und Solidaritätsbekundungen aller Art. Dadurch wurde Druck auf die österreichischen Behörden ausgeübt. Was sie dann genau gemacht haben, weiß ich nicht, sie haben es mir nie gesagt. Und dann kam dazu, dass die Anklage auch für die Verhältnisse in der Türkei dünn und schwach war. Außerdem erfolgte der Freispruch in einer Phase, wo das Regime politisch eher in die Ecke gedrängt war. In diese Phase fiel nicht nur unser Freispruch, es gab auch Freisprüche und Entlassungen von vielen anderen Menschen. Ich glaube, dass die türkischen Behörden gewisse Prozesse, die nicht unbedingt von staatstragender Bedeutung waren, schnell abwickeln und die überfüllten Gefängnisse damit entlasten wollten.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Die Grazer Staatsanwaltschaft stellte ebenfalls Untersuchungen gegen dich an und stand hierzu auch mit den türkischen Behörden in Kontakt. Wie bewertest du das?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Ja, das ist eben interessant, weil es nicht nur gegen mich ging. Es scheint Usus zu sein, dass die jeweils zuständige österreichische Staatsanwaltschaft bei Prozessen in der Türkei aktiv wird. Das Interessante bei meinem Fall ist, dass auch die Ermittlungsergebnisse der österreichischen Kriminalpolizei hervorgehoben wurden, die im Übrigen relativ absurd sind. Das war eine wüste Zusammenstellung an Unwahrheiten und Sachen, die nicht einmal die Türkei in ihrer Anklage gegen mich behauptet hat.</p>
<blockquote><p>Aber da hat die Grazer Staatsanwaltschaft sozusagen Schützenhilfe für die türkische Justiz geleistet.</p></blockquote>
<p>Es ist dann glücklicherweise nicht dazu gekommen, dass das irgendwelche tragischen Auswirkungen für uns hatte, aber es hätte durchaus passieren können, dass sich die türkische Justiz dann motiviert fühlt, weiter zu machen.</p>
<p>Im Wesentlichen haben wir dadurch gesehen, dass sich Teile der österreichischen Justiz die Haltung zu eigen machen, die Türkei als demokratischen Rechtsstaat und die türkische Justiz als funktionierende Justiz anzusehen. Mit Aussagen wie &#8220;Wir können nicht vom Schreibtisch aus der Türkei die Rechtsstaatlichkeit absprechen&#8221; schlagen sie sich auf die Seite dieses Regimes und stellen sich gegen die Menschen, die angeklagt sind. Bei mir war es so, dass mit der Einstellung des Verfahrens in der Türkei auch das Verfahren in Österreich eingestellt wurde, aber nicht davor, sondern als Reaktion darauf. Es gibt aber zum Beispiel auch Verfahren, wie das von Mülkiye Laçin, einer österreichischen Staatsbürgerin, die seit über dreißig Jahren in Wien wohnhaft ist und dort Arbeit und Familie hat. Sie durfte zwar aus der Türkei ausreisen, aber ihr Prozess läuft weiter. Es wurde in Erfahrung gebracht, dass es auch in Österreich ein Ermittlungsverfahren gegen sie gibt. Sollte sie in der Türkei verurteilt werden, stellt sich die Frage, was die österreichische Justiz machen würde.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Dein und ihr Fall sind keine Einzelfälle. Du hast von vollen Gefängnissen und vielen laufenden Prozessen in der Türkei gesprochen. Berichten internationale Medien ausreichend über die Lage in der Türkei?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Schwierig ist, dass die Zahl der Fälle von politisch Inhaftierten in der Türkei in die Zehntausende geht. Und klarerweise erregen Fälle, die keinen Bezug zu Österreich oder Deutschland haben oder keine großen Fälle sind, keine allzu große Aufmerksamkeit. Das ist der Medienlogik inhärent. Es wäre wichtig, dass man diese Fälle berücksichtigt. Man muss verstehen, dass die politischen Repressionen durch die Antiterrorpolizei und durch den Justizapparat staatliche Politik sind und keine Ausnahmefälle. Nach meinem Freispruch die Aussage zu tätigen, dass dadurch ein Schritt zur Rückkehr zum Rechtsstaat stattgefunden hätte, ist natürlich absurd, wenn immer noch Zehntausende von politischen Gefangenen in Gefängnissen sind und viele mehr einen Prozess am Laufen haben. Es gibt gerade einen Fall, wo ein Vorarlberger in der Türkei zu über sechs Jahren Haft verurteilt wurde:</p>
<blockquote><p>Ilhami Sahbaz war nur dort, um seinen kranken Vater zu besuchen.</p></blockquote>
<p>Es dürften psychische Folter und Druck auf ihn ausgeübt worden sein – nämlich indem ihm gesagt wurde, dass sein Vater verschwinden würde, wenn er gewisse vorgefertigte Aussagen nicht unterschreibe. Es ist in der Praxis schon oft passiert, dass Menschen dazu gezwungen werden, irgendwelche Zettel zu unterschreiben. Und dieser Fall ist jetzt erst seit einigen Tagen in der österreichischen Medienöffentlichkeit. Diese sollte das österreichische Außenministerium dazu drängen, den Fall neu aufzurollen, sodass sein Urteil revidiert wird.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Welche Ziele willst du in nächster Zeit erreichen?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: (lacht) Das ist eine gute Frage. Ich war vier Jahre in der Türkei. Ich bin seit vier Monaten wieder hier und habe diese Zeit im Prinzip herumreisend verbracht und eine große Zahl an Vorträgen, Interviews, Diskussionsrunden oder andere Veranstaltungen hinter mir. Das wird noch ein paar Wochen so weitergehen und dann werde ich diese Form von Tätigkeit, zumindest in dieser Intensität, beenden. Ich möchte zu einem geregelteren Leben zurückkehren und mein Masterstudium fertigmachen, das ich aufgrund der Verhaftung nicht beenden konnte. Mein Einsatz für die Werte, die mir wichtig sind, wird natürlich weitergehen &#8211; in welchem Zusammenhang auch immer.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Kannst du dir vorstellen, auf absehbare Zeit wieder in die Türkei zurückzukehren?</em></p>
<p><strong>Zirngast</strong>: Ich kann es mir auf jeden Fall vorstellen. Aber ich habe mich dafür entschieden, es fürs Erste nicht zu machen. Ich habe grundsätzlich kein Einreiseverbot, aber ich bin im Moment relativ exponiert in der Öffentlichkeit. Es handelt sich dabei immer um eine Risikoabschätzung und darauf will ich es im Moment nicht ankommen lassen. Die Türkei kann sich aber ändern: Es kann zu einer Demokratisierung kommen und dann ändern sich auch die Möglichkeiten. Ich würde sehr gerne in die Türkei reisen und wenn ich es für sinnvoll und nicht riskant halte, werde ich das auch machen.</p>
<p><strong>UP: </strong><em>Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.</em></p>
<p><em>(Gespräch vom 07. Februar 2020)</em></p>
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		<title>„Irgendwas mit Hochgebirge“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Fleischmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2020 12:10:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dr. Georg Kaser ist Glaziologe, Klimaforscher und Leitautor für die Berichte des Weltklimarats. Wir sprechen mit ihm über seine Forschung, den Klimawandel und dessen mediale Darstellung. UNIpress: Freuen Sie sich,&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Dr. Georg Kaser ist Glaziologe, Klimaforscher und Leitautor für die Berichte des Weltklimarats. Wir sprechen mit ihm über seine Forschung, den Klimawandel und dessen mediale Darstellung.</div>
<p><span id="more-2925"></span></p>
<p><strong>UNIpress</strong>: <em>Freuen Sie sich, wenn es draußen kalt ist, so wie heute?</em></p>
<p><strong>Georg Kaser</strong>: Wenn es gleichzeitig auch so schön ist wie heute, dann ist das einfach fein, ja.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Hat das Interesse an den Gletschern durch das Bergsteigen begonnen oder wo rührt das her?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Ja, ich war ein sehr passionierter Bergsteiger und aus der unglücklichen Situation einer Matura heraus, die eigentlich eine technische Matura war und mich nicht wirklich interessiert hat, ist dann der Studienweg einmal begonnen worden. Irgendwas mit Hochgebirge&#8230;. Durch die verschiedenen Innsbrucker Institute und Vorlesungen wandernd bin ich dann auf der Meteorologie gelandet, habe das dann studiert und letztendlich auch meine Dissertation in einer gletscherkundigen Arbeit bestritten. In Innsbruck ist eine von zwei Universitäten weltweit, wo die Glaziologie innerhalb der Atmosphärenwissenschaften betrieben wird. Das heißt, dass wir uns mit der Grenzschicht zwischen Schnee und Atmosphäre beschäftigen und wie die beiden gekoppelt sind.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Ist die Gletscherforschung das Ziel Ihrer Wanderung gewesen, sozusagen das Gipfelkreuz?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: (Lacht) Naja, das ist jetzt eine Gewissensfrage. Das Gipfelkreuz hatte mich nie interessiert, immer sozusagen der Weg. Wir sind ja damals auch im Fahrwasser von Reinhold Messner unterwegs gewesen und da war das Gipfelkreuz sowieso verpönt und wenn, dann war es der Weg, der das Ziel ist. Das hat er so formuliert. So ist es auch uns gegangen, uns jungen Bergsteigern damals. Aber auch das hat sich dann durch die Mitarbeit bei Feldarbeiten und durch das Hineinwachsen in die Forschungsarbeiten graduell verschoben und irgendwann war dann schon das Messen und das Sammeln von Daten das Ziel. Aber wenn man nebenbei noch schnell mit Langlaufskiern auf die Weißkugel laufen konnte, dann war das schon schön.</p>
<div style="padding: 2%;">
<hr style="margin-top: 20px;" />
<div class="penci-column column-1-4">
<div id="attachment_2928" style="width: 1717px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-2928" decoding="async" loading="lazy" class="image-gastautor-hf wp-image-2928 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-scaled.jpg" alt="Irgendwas mit Hochgebirge. Abbildung 1" width="1707" height="2560" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-scaled.jpg 1707w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-200x300.jpg 200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-683x1024.jpg 683w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-768x1152.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-1024x1536.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-1365x2048.jpg 1365w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-1920x2880.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-1170x1755.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2020/04/Irgendwas-mit-Hochgebirge.-Abbildung-1-585x878.jpg 585w" sizes="(max-width: 1707px) 100vw, 1707px" /><p id="caption-attachment-2928" class="wp-caption-text">©Sofie Hofer</p></div>
</div>
<div class="penci-column column-last column-3-4">
<h5 class="headline-gastautor">Univ.-Prof. Dr. Georg Kaser</h5>
<p style="font-size: 15px; margin-bottom: 0px;"><em>Georg Kaser ist Professor am Institut für Atmosphären- und Kryosphärenforschung der Universität Innsbruck. Er gilt als einer der bedeutensten Klimaforscher weltweit und ist seit 2003 Lead Author für den Bericht des Weltklimarats (IPCC).</em></div>
<div class="clearfix"></div>
<hr style="margin-bottom: 40px;" />
</div>
<p><strong>UP</strong><em>: Was fasziniert Sie am meisten an der Thematik?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Mich haben immer die Prozesse fasziniert, nicht ob der Gletscher größer oder kleiner wird, sondern warum er das tut. Ich war damals auch irgendwie zufrieden damit, über irgendetwas zu forschen, was mir Spaß macht. Irgendwann nach meiner Dissertation traf ich die klare Entscheidung, Wissenschaftler zu werden. Ich wollte es ordentlich und gründlich machen und sehr viel mehr reinstecken, als nur beim Bergsteigen ein paar Messungen zu machen. Es gab dann eine relativ dringliche Anfrage von peruanischen Glaziologen und man hat mir gesagt: „Du warst schon zweimal dort zum Bergsteigen, also fahr hin und schau dir das an. Das war mein erster Schritt in die Tropen.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Wie lange waren Sie in den Anden?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: 1988 war ich sozusagen im Auftrag der Universität als Forscher dort. Da sind dann die ersten Forschungsprojekte entstanden. Das erste Projekt wurde genehmigt, aber ich musste es zurückgeben, weil diese Terrorgeschichten des Sendero Luminoso in das Forschungsgebiet übergegriffen hatten. Deshalb haben uns die peruanischen Kollegen geraten, nicht hinzukommen. Dieses Projekt musste ich damals dann an den FWF, den österreichischen Wissenschaftsfond, zurückgeben. Ich hatte ein wunderschönes genehmigtes Projekt und ich konnte keinen Cent dafür ausgeben. Das hat dazu geführt, dass wir uns zuerst in Ostafrika umgeschaut haben, weil wir schon Hypothesen und Themen formuliert hatten, die sich speziell auf tropische Bedingungen bezogen hatten. Dann bin ich am Ruwenzori gelandet. Da sind wir mit den Restbeständen der ugandischen Terrorherrschaften von Idi Amin und Milton Obote und mit dem Konflikt mit Kongo in Berührung gekommen. Wir konnten nicht wirklich ein Forschungsprojekt beginnen, weil es zu unsicher war. Man wollte mal einen Mitarbeiter von mir einsperren und wir haben viele Stunden verhandelt, damit das nicht passiert. Das war schon eine sehr brenzlige Situation.</p>
<p>Später habe ich dann ein Projekt nach dem anderen in der Cordillera Blanca in Peru machen können. Danach hat es eine journalistische Anfrage von der New York Times und von National Geographic gegeben, weshalb ich direkt von Peru zum Kilimanjaro nach Afrika gefahren bin. Wir sind dann mit den Journalisten hinaufgegangen und die haben viele Fragen gestellt.</p>
<blockquote><p>Wir haben dort auf fast 6.000 Metern Höhe Skizzen in die Asche gezeichnet und Hypothesen erstellt.</p></blockquote>
<p>Als ich zurückgekommen bin, habe ich einen Projektantrag an den österreichischen Fonds zur Förderung Wissenschaftlicher Forschung gestellt, der genehmigt wurde. Wir haben heute noch Stationen dort stehen. Die Grunderkenntnis unserer Forschung dort war, dass es vielleicht der einzige Gletscher weltweit ist, an dem wir keinen anthropogenen Klimawandel ablesen können. Das hat dazu geführt, dass man mich 2003 zum Weltklimarat (IPCC) eingeladen hat.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Weiß man auch warum es sich beim Kilimanjaro so verhält?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Wir haben dort keine positiven Temperaturen. Es ist eine sehr trockene und windstille Gegend. Das heißt, dass es auch bei bis zu -12 Grad Celsius Schmelzprozesse geben kann, wenn die Sonne stark genug ist und kein Wind weht. Dann hat die Eisfläche null Grad Celsius und schmilzt. Das sieht man an den typischen Eiskerzen. Sobald das schmelzende Eis ein paar Millimeter weiter mit Luft, die bis zu -10 Grad hat, in Berührung kommt, gefriert es wieder. Solche Prozesse und Subliminationsprozesse sind am Kilimanjaro dominierend. Verdunstung geht bei null Grad fast genauso wie bei -10 Grad oder sogar bei -30 Grad. Es braucht nur einen Dampfdruckgradienten, also einen Trockenheits- oder Feuchtigkeitsunterschied zwischen Eisoberfläche und Umgebungsluft. Am Kilimanjaro gibt es Trocken- und Feuchtzeiten, die mit der Sonne zusammenhängen. Dazu kommt auch noch Vulkanismus, der zur Fumarolentätigkeit [Fumarole sind vulkanische Dampfaustrittstellen] führt. Da entstehen Hotspots, die Löcher im Gelände bilden, was wiederum Dome von unten ins Eis hineinformt. Wir haben dann erkannt, dass dies Prozesse sind, die nichts mit dem anthropogenen Klimawandel zu tun haben, sondern für den Ort einfach typisch sind.</p>
<p>Die Frage lautete nicht, warum die Gletscher dort weggehen, sondern wie sie je da hinaufgekommen sind. Man hat an den Klimamodellen erkannt, dass es immer wieder Phasen gibt, die vom Niederschlag her günstig sind. Eine solche Feuchtzeit mit außergewöhnlich viel Niederschlag haben wir um den Jahreswechsel 2006-2007 miterlebt. Zu dieser Zeit gab es keine Besteigungen und wir waren dann nach vielen Wochen die ersten, die hinaufgegangen sind. Da lag bis zu einem Meter Schnee. Bein normalem Schneefall von 10 bis 20 Zentimetern pro Feuchtzeit scheint die Sonne durch den Schnee durch und erwärmt die darunter liegenden dunklen Aschen. So schmilzt der Schnee von unten innerhalb einiger Tage oder Wochen. Wenn aber so viel Schnee liegt wie Anfang 2007, dann scheint die Sonne nicht mehr durch. Dies verhindert, dass dieser hocheffiziente Umweg der Erwärmung von unten in Bewegung gesetzt wird und der Schnee bleibt liegen und Reste dieser Schneedecke waren noch über ein Jahr nachher vorhanden. Wenn mit jeder Regenzeit wieder so viel Niederschlag fällt, dann wird relativ schnell eine Höhe von 20 Metern erreicht. Es braucht nur eine Phase erhöhter Niederschläge, die aus den Anomalien der Meeresströmungen im indischen Ozean hervorgeht. Da gibt es Phasen, die ganz natürlich in der internen Variabilität des Systems sind, welche feuchtere Luft nach Ostafrika bringen. Sowas dürfte es alle paar hundert Jahre geben, das letzte Mal um die 1830er Jahre herum.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Sie haben also in vielen Gebieten geforscht, sind aber auch fasziniert von den hiesigen Gletschern. Würden Sie sagen, dass Sie deshalb wieder zurückgekehrt sind?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Wir sind in die Heimat zurückgekehrt, weil wir detailliertere Prozesse anschauen mussten und es ist völlig sinnlos, das in 5.000 oder 6.000 Metern Höhe zu machen. Wir mussten die Forschung in eine Laborsituation zurückzubringen. Und dann haben wir gesagt: „Naja, wir sitzen ja auf den Labors.“ Unser Hintereisferner ist das Labor der Innsbrucker Gletscherforschung und seit 1975 gibt es nebenan ein Gletscherskigebiet, das uns unmittelbar dorthin bringt. Wir haben sogar eine Stromleitung zum Gletscherrand. In der Zwischenzeit haben wir dort ein Labor aufgebaut, das weltweit einzigartig ist. Der Grund für die Rückkehr ins „Labor“ war also keine Reisemüdigkeit, sondern einfach der nächste wissenschaftliche Schritt.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Können Sie erklären, worum es beim IPCC geht?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Das IPCC ist das Intergovernmental Panel on Climate Change, welches aus 196 nationalstaatlichen Regierungen besteht. Diese haben sich im Jahre 1988 zusammengeschlossen und Wissenschaftler weltweit beauftragt, einen Sachstandsbericht abzuliefern. Da verhält es sich so ähnlich, wie wenn ein Gemeinderat irgendeine Idee oder ein Problem hat und keiner von den Gemeinderatsmitgliedern sich wirklich damit auskennt. Dann sagt der Gemeinderat: „Naja, dann müssen wir eben eine fachliche Expertise einholen.“ Die Entscheidung bleibt dann aber im Gemeinderat und so ist es auch beim IPCC. Die Frage dabei war, wie es mit unserem Klima ausschaut, wie es sich verändern wird, welche Zukunft wir haben werden. Zwei Jahre später war der erste Bericht fertig und verursachte viel Bewegung weltweit. Es sind dann Berichtzyklen entstanden, wobei die Wissenschaftler immer wieder gesagt haben: „Wir haben euch eh schon alles gesagt. Lasst uns wieder in Ruhe forschen.“ Und die Regierungen haben immer geantwortet: „Nein, bitte macht wieder einen Bericht. Wir wissen da noch nicht genug.“</p>
<p>Das IPCC besteht aus drei Arbeitsgruppen. Einmal eine, die sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen beschäftigt und eine zweite, die sich mit den Auswirkungen auf unterschiedliche Systeme befasst. Die dritte Gruppe beschäftigt sich mit &#8220;Mitigation&#8221;, also mit dem, was wir auf Deutsch so eigenartig als Klimaschutz bezeichnen. Es werden dann Wissenschaftler aus aller Welt eingeladen, meistens an die 200 pro Arbeitsgruppe, die zusammen den Bericht schreiben. Momentan befinden wir uns im sechsten Berichtzyklus. Aber es ging immer nur darum, den Wissensstand darzustellen.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Lenkt die Politik auch ein?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Wenn die Berichte entstehen, müssen sie einen Begutachtungszyklus durchlaufen und am Ende gibt es eine Runde, wo nur mehr die Regierungsvertreter begutachten. Dann wird die Sache in die Schlussverhandlung gebracht und dort geht es darum, dass die sogenannte „Summary for Policymakers“ verhandelt wird. Hier sehen viele Leute eine Beeinflussung durch die Politik. Die mag schon da und dort ein bisschen passieren, besonders in der Arbeitsgruppe Klimaschutz und in der Arbeitsgruppe Impact. Aber was wollen sie in der physikalischen Gruppe groß beeinflussen?</p>
<p>Es ist zum Beispiel einmal darum gegangen, dass die großen tropischen Stauseen Methangas emittieren. Da hat es eigentlich nur eine Messung an einem brasilianische Stauseen gegeben. Die brasilianische Regierungsvertreterin, eine Wissenschaftlerin und Administratorin, hat gesagt: „Das könnt ihr hineinschreiben, aber ihr könnt nicht hineinschreiben, dass dort Brasilien das Beispiel ist, weil dann scheint es so, als hätten nur wir ein Problem damit.“ Aber wir hatten halt nur diese eine Evidenz und am Ende haben die anderen Regierungsvertreter das mit Brasilien ausverhandelt. Das war eine sehr gute Verhandlerin, ganz eine starke Frau. Sie hat knallhart gekämpft, aber irgendwie um das Falsche.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Worüber wird heutzutage gestritten und diskutiert?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Über ähnliche Geschichten. Da stehen dann Länderschilder, wo zum Beispiel „Saudia-Arabia“ draufsteht, wie bei den klassischen UN-Verhandlungen. Der Chairman sagt dann: „Please, Saudi-Arabia.“ Und da kommt das Lob für das Verhandlungsteam und das Lob für das Schreibteam, aber dann kommt die Aussage: &#8220;It&#8217;s a beautiful report and I agree, but&#8230; my minister would not understand this sentence&#8221;. Das heißt: Dieser Satz muss heraus! Und dann gehen die Diskussionen los.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Wie geht man mit möglichen Kommunikationsproblemen zwischen Leuten aus verschiedenen Wissenschaftgebieten um?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Das ist eine heikle Geschichte. Da gibt es immer wieder Gespräche darüber, wie zum Beispiel die Begriffe „Global South“ oder „Third World“ definiert werden sollen. Sowas gibt es immer wieder. Aber wir arbeiten konstruktiv und das schätze ich auch so sehr an der Arbeit im IPCC. Da ist kein Konkurrenzkampf. Auf Tagungen sagt man: &#8220;Halt, das darf ich nicht alles erzählen, weil die würden mir das abschauen&#8221; Im IPCC gibt es das nicht. Dort herrscht eine andere Stimmung. Man will diese Probleme zusammen lösen und dadurch kommt eine Dynamik auf, die rein menschlich wertvoll ist. Das Endprodukt spiegelt das auch wider.</p>
<p>Am Ende ist das Problem jenes, dass es in manchen Fachbereichen und an manchen Schnittstellen nicht genügend wissenschaftliche Evidenz gibt. Das Problem liegt eher hier und nicht so sehr an den Definitionsunterschieden. Die Naturwissenschaften haben sich seit etwa 150 Jahren auf sehr hohem Niveau mit Klimaphysik beschäftigt. Die Impact-Wissenschaftler arbeiten jetzt vielleicht seit dreißig oder vierzig Jahren, die Gesellschaftswissenschaftler sind erst vor ungefähr zehn bis fünfzehn Jahren in dieser Vehemenz in die ganze Diskussion hineingekommen. Und da sind sehr unterschiedliche wissenschaftliche Kulturen entstanden. Etwas naturwissenschaftlich zu messen und zu sagen: &#8220;Ja, das ist so und so&#8221; ist leichter als gesellschaftswissenschaftliche Maßzahlen zu finden. Ich glaube, am Ende kommt immer wieder das Bestmögliche heraus, aber der Weg dorthin ist nicht ganz so einfach, wie wenn die nur Naturwissenschaftler an einem Bericht arbeiten würden.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung des Projektes IPCC?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Ja, das ist schon etwas, was auf allerhöchstem Niveau passiert, was einfach notwendig war, was gut gemacht worden ist, was ich anderen Wissenschaftsbereichen auch wünschen würde, weil es auch um die Rigorosität des Umgangs mit wissenschaftlichen Ergebnissen geht. Im Bereich der Klimaforschung ist diese sehr intensiv und prägend geworden und dies vermisse ich bei anderen Wissenschaftszweigen. Und die andere Frage ist natürlich, ob es jetzt etwas bewirkt hat, ob es einen Einfluss hatte. Da kann man nur sagen:</p>
<blockquote><p>Wir haben euch vor vierzig Jahren alles gesagt. Jetzt schreit nicht Zeter und Mordio. Tut endlich etwas.</p></blockquote>
<p>Wir haben euch gesagt, dass man damit umgehen kann, aber es bedarf ganz großer Anstrengungen. An jedem Tag, den ihr zuwartet, wird es noch dramatischer werden. Wir sind mittlerweile schon mittendrin in dem Klimawandel, den wir vor 40 Jahren vorhergesagt hatten. Es ist alles eingetreten, einiges schneller und stärker, als wir es uns damals erlaubt haben, zu sagen.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Liegt es schlussendlich an jedem und jeder Einzelnen oder ist der Kampf gegen den Klimawandel eine globalpolitische Frage?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Das Ziel ist ganz klar. Es muss bis 2050 oder möglichst schneller, in den nächsten Jahrzehnten, eine Netto-Null an CO2-Emissionen und Methan- und Stickstoffverbindungsemissionen geben. Netto-Null heißt, dass ich etwas emittieren kann, wenn ich gleichzeitig etwas negativ emittiere. Da setzt man sehr stark auf biotechnische Maßnahmen. Und wenn ich das als Ziel habe, dann erübrigt sich die Frage, ob jeder und jede Einzelne oder die Weltengemeinschaft etwas tun muss, weil alle müssen. Es braucht meines Erachtens eine kritische Masse von Einzelnen, die das möglicherweise schon für sich leben und Druck auf die politischen Entscheidungsträger machen. Damit meine ich nicht nur die Politik, sondern vor allem auch die großen Konzerne.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Ist es auch die Aufgabe der Medien, sich für den Klimaschutz einzusetzen?</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Die Medien spielen natürlich eine ganz wesentliche Rolle. Sie waren lange Zeit Verursacher eines Problems, aber aus einem nachvollziehbaren Grund. Und zwar haben die Journalisten sehr lange nicht eingesehen, dass der Grundsatz des Journalismus, zu jeder Darstellung eine Gegendarstellung zu zeigen, bei diesen Themen kontraproduktiv ist. Wir Wissenschaftler machen das eh schon permanent. Wenn Sie ein Paper publizieren, dann werden drei andere sagen: &#8220;Schauen wir mal, ob seine Messungen und Schlüsse richtig sind.“ Erst wenn etwas in etwa fünf Jahre Bestand hat, kann man sagen: „Das ist jetzt die gemeinsame Erkenntnis.“ Dann wird weiterdiskutiert. Der Kreis wird größer. Und irgendwann kommt man zu einer Art Konsens. Und wenn wir und zwanzig andere mit diesem Konsens hinausgehen, Dann brauche ich nicht noch einen Journalisten, der sagt: „Ich hol mir noch jemanden, der eine Gegenposition hat, weil das spannend ist und weil ich das so gelernt habe.“</p>
<p>Vor etwa sieben oder acht Jahren, hat als erstes jemand, ich glaube es war die Los Angeles Times, gesagt: &#8220;Wir haben es jetzt verstanden. Wir lassen diese Gegenpositionen nicht mehr zu.&#8221; Da sind dann gleich The Observer und The Guardian aufgesprungen und sie sind heute noch die Avantgarde bei dieser Klimavermittlungsgeschichte. Ich bin da aber vorsichtig, weil ich glaube, dass in allernächster Zeit wieder eine massive Gegenbewegung kommen wird.</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Wie gehen Sie mit Leuten um, die dem Klimawandel skeptisch gegenüberstehen? Damit werden Sie sicher auch konfrontiert.</em></p>
<p><strong>Kaser</strong>: Oh ja! Also skeptisch sind wir selbst genug. Da braucht es nicht noch Skeptiker. Wenn sie es leugnen wollen, dann sind sie Leugner, aber keine Skeptiker. Eigentlich bin ich der Meinung, dass wir nicht mehr die Zeit und die Energie haben, uns dem hinzugeben. Wenn es irgendwie geht, ignoriere ich das Ganze und so machen es die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen. Allerdings haben die Leugner auch die Taktik geändert. Ich habe gerade einen Fall am Laufen, wo mich jemand sehr harmlos etwas gefragt hat. Er meinte: &#8220;Ja, ganz toll, was Sie da machen, aber ich habe jetzt da etwas gelesen, wo Sie zitiert werden. Stimmt das überhaupt so?&#8221; Und er zeigt mir eine Stelle aus irgendeiner indischen Webzeitung oder so. Und ich schreibe relativ locker zurück: &#8220;Ja, das Zitat stammt von mir, allerdings nur gesprochen, nie geschrieben, aber nie in dem Kontext. Das ist in einem völlig anderen Kontext gewesen.“ Da vergehen zwei Monate und dann schreibt er mir eine fünf Seiten lange Frageliste, wo mir schon alles klar wurde. Also mein Tipp war: Zivilingenieur in Pension, männlich natürlich, um die sechzig oder siebzig herum. Das ist so die klassische Leugnerkategorie. Wir kennen sie ja. Aber im Prinzip: Nein, ich lasse mich nicht mehr drauf ein.</p>
<blockquote><p>Der Klimawandel passiert. Wer es nicht begreifen will, soll es einfach lassen.</p></blockquote>
<p>Man sollte lieber die Leute stärken, die das begriffen haben, die sehr authentisch sagen: &#8220;Es ist unsere Zukunft.&#8221; Denen sollte man Mut geben, sie unterstützen und sagen: &#8220;Macht weiter, macht weiter, macht weiter. Ihr seid sozusagen fast die letzte Chance.&#8221; Es gibt sehr viel Bewegung, viele große Konzerne haben bereits umgestellt. Die US-amerikanischen Universitäten haben das auch seit langem schon gemacht und die sind ja große Wirtschaftsbetriebe, im Gegensatz zu uns Hungerleidern. Also ja, man sollte da die Zeit hineinstecken und sagen: &#8220;Tut was, es lohnt sich, schaut die Zahlen an. Ihr habt Recht.“</p>
<p><strong>UP</strong><em>: Vielen Dank für das Gespräch.</em></p>
<p><em>(Gespräch vom 21. Jänner 2020)</em></p>
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