Wenn Studis schreiben

von Sharif Shehata
Lesezeit: 7 min
Nicht nur in Innsbruck wird studentischer Journalismus hochgelebt, denn im deutschsprachigen Raum sprudelt es förmlich vor Studierendenzeitungen.

Seit jeher erfüllen Studierendenzeitungen eine wichtige Rolle, denn sie bieten dem kritischen, akademischen Nachwuchs ein Sprachrohr. Dabei haben die einzelnen Medien zum Teil sehr unterschiedliche Formen. So gibt es Studierendenzeitungen, die sich ausschließlich mit Hochschulpolitik und dem Uni-Leben auseinandersetzen. Andere wiederum machen auf ihren Seiten Platz für Kulturschaffende und die Beleuchtung gesamtpolitischer Ereignisse. Die meisten Studierendenzeitungen verstehen sich auch als Ausbildungsmedium für Menschen, die erste redaktionelle Erfahrungen sammeln wollen.

UnAufgefordert (Berlin, DE)

Was sind eure thematischen Schwerpunkte?

Unser thematischer Schwerpunkt wechselt von Ausgabe zu Ausgabe. In der Regel entscheiden wir uns gemeinsam mit den Redakteuren für ein Thema, unter dem das Heft stehen soll, z.B. Sex, Wohnraum, Klima etc. Dazu werden dann die meisten Artikel verfasst. Ansonsten liegt der Fokus selbstverständlich auf dem Universitätsbetrieb, insbesondere der Hochschulpolitik. Also alle Kontroversen zwischen Studierenden und Unileitung/Professorenschaft versuchen wir aufzugreifen, lassen aber auch gerne interessante Protagonisten aus der Universitätslandschaft zu Wort kommen. Online ist unser Fokus ausgewogen, wir haben viele Kulturrezensionen, führen aber auch Interviews und schreiben sonstige Artikel.

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

Ein Alleinstellungsmerkmal könnte unser Fokus auf die Arbeit des Studierendenparlamentes sein. Wir sind von einer Finanzierung seitens der Universität unabhängig und finanzieren uns durch den Verkauf von Anzeigen. Das gibt uns die Möglichkeit auch kritisch die Arbeit der Hochschulleitung, aber auch der Studierendenvertreter zu begleiten.

Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?

Wenn zum Beispiel zu Beginn des Semesters ein neues Heft in Planung ist, setzen wir uns mit den alten und neuen Redakteuren in unseren Räumen zusammen. Meistens haben wir als Chefredaktion schon erste Ideen über ein Heftthema, lassen aber zunächst die Redakteure Ideen sammeln. Häufig kommen wir über Artikelideen auf ein Oberthema. Dann hat jeder Redakteur Zeit sich eine Artikelidee auszudenken, die wir jede Woche im Plenum besprechen und bei der Recherche helfen. Nachdem wir alle Artikel beisammenhaben, geben wir dem Layouter und Illustratoren den Auftrag, das Heft zu gestalten. Ab einer festgesetzten Deadline korrigieren wir dann in einer Schlussredaktion zusammen mit den Redakteuren die Artikel in drei Durchläufen, ehe sie finalisiert sind.

Zürcher Studierendenzeitung (Zürich, CH)

Was sind eure thematischen Schwerpunkte?

Wir schreiben über News von der Uni und der ETH Zürich, was sich gerade in den Studiengängen tut und ordnen ein, was das für Studierende bedeutet. Wir berichten auch über die Theater-, Konzert- und Filmszene der Stadt und rezensieren aktuelle Bücher und Alben. Dazu haben wir jeweils in der Mitte der Ausgabe einen großen Themenschwerpunkt. Die letzten Male haben wir über die Klimakrise, das Praktikum oder den schweizweiten Frauenstreik geschrieben.

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

Unsere Zeitung wird allen Studierenden der Universität Zürich und einigen Studis der ETH direkt in ihre Briefkästen geliefert. Dementsprechend liegt unsere Auflage bei knapp 28.000 Exemplaren. Zudem sind wir komplett durch Werbung eigenfinanziert, was uns wiederum erlaubt, kritisch über die Uni oder die ETH zu schreiben. Außerdem sind viele unserer Redakteur*innen mittlerweile gestandene Medienschaffende – zum Beispiel bei der „Republik“, beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) oder beim „Tages-Anzeiger“.

Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?

Zweimal im Jahr trifft sich die Redaktion für mehrere Tage und bespricht das kommende halbe Jahr. Dort werden die Themenschwerpunkte ausdiskutiert und beschlossen. Diese drei bis vier Thementexte werden ausschließlich vom festen Redaktionsteam verfasst. Zweieinhalb Wochen vor Redaktionsschluss organisiert die Redaktion eine offene Sitzung, an der alle interessierte Studierende willkommen sind. Dort können sie sich dann einem Vorschlag für einen News- oder Kultur-Artikel der Redaktion annehmen und schreiben. Nach dem Redaktionsschluss produziert die Redaktion innerhalb einer Woche die Ausgabe, bevor sie am Sonntagabend in die Druckerei geschickt wird.

presstige (Augsburg, DE)

Was sind eure thematischen Schwerpunkte?

Unsere Schwerpunkte ergeben sich aus den verschiedenen Rubriken, in die unsere Zeitung gegliedert ist. Hauptsächlich dreht sich aber alles um studentische Themen und studentisches Leben. In “Weltwärts” berichten wir über Nachrichten aus aller Welt, die einen als Studenten ebenfalls beschäftigen. In “Seitwärts” erscheinen Artikel zu allen Themen, die Freizeit und Kultur betreffen. Zu “Heimwärts” gehört alles, was Augsburg und das Leben vor Ort betrifft. In “Wortwärts” ist Platz für Geschichten, Gedichte und kreatives Schreiben. Und bei “Vorwärts” behandeln wir Themen rund um Uni, Studium und Berufsleben. Grundsätzlich sind wir thematisch allerdings nicht eingeschränkt, jeder kann über das schreiben, was ihn interessiert und bewegt.

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

Wir haben ein sehr weites Themenspektrum und keine Beschränkungen, was den Inhalt angeht. Zudem gibt es uns momentan nur als Online-Zeitung, wodurch sich unsere Arbeitsabläufe und Aufgaben doch sehr von einer gedruckten Zeitung unterscheiden.

Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?

“Fertiges Blatt” ist relativ, da es uns nur als Onlineausgabe gibt, bei der im Schnitt zwei Artikel pro Woche erscheinen. Deswegen gibt es bei uns keine kollektive Phase der Ideenfindung, des Schreibens und des Layoutens. Jeder durchläuft diese Phasen für jeden neuen Artikel alleine und dementsprechend unterschiedlich ist auch der Prozess. Grundsätzlich folgt aber natürlich auch bei uns auf eine Idee die Recherche, dann das Schreiben und Korrekturlesen lassen und schließlich das Layout und die Veröffentlichung.

Libelle (Graz, AT)

Was sind eure thematischen Schwerpunkte?

Die Libelle hat bei jeder Ausgabe einen anderen roten Faden, der sich durch das Magazin
zieht. Da sie in zwei Teile geteilt ist, kann dadurch der Schwerpunkt variieren. Bei unserer
letzten Ausgabe waren die beiden Schwerpunkte „How to survive University“ und das
allgegenwertige Thema „Nachhaltigkeit“. Schwerpunkte und rote Fäden sind für uns
wichtig, da sie die Harmonie des Magazins ausmachen. Dennoch ist die Libelle nicht nur
von einem Thema geprägt, wobei zwischen Schwerpunkt und Thema wie folgt
unterschieden wird: Der Schwerpunkt gibt uns die Richtung vor, das Thema ist in irgendeiner Weise im Schwerpunkt vorhanden. So entsteht ein breites Spektrum an Themenbereichen, die sich in dem einen Schwerpunkt wiederfinden.

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

Das Besondere an der Libelle ist ihr gerader Stil und ihr breites Spektrum an
Informationen. Sie hat nicht nur einen serviceorientierten Teil, sondern glänzt auch mit
ihrer sachlichen, allgemeinpolitischen Seite. Uns geht es darum, Studierende so gut wie
möglich zu informieren. Durch ihr gerades Layout ist sie für jedes Auge angenehm zu lesen.

Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?

Die fundamentale Ideenfindung findet im Kleinen statt. Unsere Pressemitarbeiter*innen
überlegen sich gemeinsam ein Hauptthema, welches sich durch das Magazin zieht.
Grundsätzlich ist es aber jedem erlaubt, über ein Thema zu schreiben, dass diejenige
Person interessiert. Bei der Redaktionssitzung schauen wir dann, ob es in die nächste
Ausgabe passt oder nicht.

ruprecht (Heidelberg, DE)

Was sind eure thematischen Schwerpunkte?

Unsere thematischen Schwerpunkte liegen zum einen in der Hochschulpolitik sowie in der regionalen Berichterstattung, zum anderen decken wir die Themen studentisches Leben, Kultur und Wissenschaft ab. Auf unserer letzten Seite veröffentlichen wir Satirebeiträge. Wir haben auch studentische Auslandskorrespondenten. Darüber hinaus fühlen wir uns keiner Weltanschauung verpflichtet.

Was sind eure Alleinstellungsmerkmale?

Der ruprecht gehört mit einer Auflage von 10.000 nicht nur zu den auflagenstärksten Studierendenzeitung Deutschlands, sondern ist auch eine der ältesten: Die erste Ausgabe ist 1987 erschienen. Seitdem erscheinen wir ohne Unterbrechung, drei Mal im Semester. Darüber hinaus hatten wir noch nie einen Chefredakteur. Die Redaktion ist basisdemokratisch organisiert.

Wie sieht euer Prozess von der Ideenfindung bis zum fertigen Blatt aus?

Wir treffen uns immer an Montagen, um die Themen zu besprechen: jeder kann Themen einbringen, die Redaktion stimmt darüber ab, ob wir einen Artikel über das Thema veröffentlichen. Jeder darf sich auch zu Artikeln melden, sie schreiben und fotografieren. In der Schlussredaktion verwandeln wir die Artikel und Fotos mit InDesign in eine Zeitung. Dabei redigieren und korrigieren wir alle Artikel.

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik