Die fünf Stadien des Prüfungsstresses

von Matthias Fleischmann
Lesezeit: 3 min
Jeden Jänner geht an der Universität Innsbruck eine Seuche um, die sich „Aufschieberitis“ nennt. Wir haben dieses weit verbreitete Übel für euch analysiert.

Werden Studierende diesen Monat danach gefragt, wie es ihnen gehe, haben alle eine Universalantwort parat: „Ich bin so im Stress!“ Wenig überraschend, schließlich ist Prüfungszeit. Stress ist aber nicht gleich Stress. Sondern setzt sich aus insgesamt fünf Phasen zusammen:

Verleugnung

„Na klar geh ich mit Skifahren. Müsste eigentlich lernen, aber dafür ist schon noch genug Zeit.“ Jaja, das kennt ihr doch auch, oder nicht? Studierende sind schon von Natur aus Prokrastinierer, denn es gibt doch nichts schöneres, als Game of Thrones zu glotzen oder ein Dosenbier zu zischen, wenn man eigentlich Bücher pauken sollte. Die Prüfung ist eh noch weit entfernt und was man in der Vorlesung, die ja ohnehin ganz und gar nicht prüfungsrelevant ist, verpasst, das kann man sich getrost von fleißigeren Bienchen oder direkt aus dem Internet holen.

Wut

Doch irgendwann kommt dann die Erkenntnis, dass die Prüfung doch näher ist als erwartet und die Wut kocht hoch. Wut auf sich selbst, da man sich immer noch nicht dazu überwunden hat, die ersten Leuchtstiftstriche zu setzen. Wut auf die anderen, die mit ihren Textmarker-neongelb strahlenden Seiten tagtäglich um acht zu ihrem Bib-Platz stolzieren. Wut auf die Lehrenden, deren Deadlines so straff sind wie Donatella Versaces Gesicht und Wut auf das System, welches einem doch so viel Energie abverlangt. Doch auch das Feuer des Zorns brennt allmählich ab und macht Platz für das dritte Stadium:

Verhandeln

Spätestens nach dem 167ten Vater Unser, nach nächtelanger Psalm-Rezitation und zahlreichen Schwurablegungen wird einem wohl klar, dass der liebe Gott auch nicht jedem hilft, besonders nicht den Aufschiebern. Nun fängt man aber zu verhandeln an und zwar nicht mehr mit Gott, sondern mit sich selbst. Man denkt an den zweiten, noch weit entfernten Prüfungsantritt, und verkündet dabei: „Wer sein Studium liebt, der schiebt!“ oder dergleichen Postulate. So manch einer sprudelt dabei förmlich vor rhetorischer Kreativität und entwickelt der Menschheit bisher gänzlich unbekannte Arten von Arbeitsvermeidungsstrategien. Doch die Zeit ist ein unbarmherziger Genosse und auch der zweite Prüfungsantritt rückt näher und näher, unbeeindruckt und unbestechlich integer.

Trauer

Auf das Verhandeln folgt die traurige Einsicht, dass das Unvermeidliche unausweichlich ist, und der Student verfällt in einen Zustand, den Experten (und damit ist der Autor gemeint) als prätraumatische Prüfungsdepression bezeichnen. Tägliche Arbeit, unter der Woche auszugehen ist vorerst auch vom Tisch. Für Studierende ein Alptraum – andere nennen es Alltag. So was kann dann schon mal einige Wochen anhalten, bis sich dann schließlich die letzte Phase durchsetzt, nämlich jene der:

Akzeptanz

Schlussendlich ist es doch nur eine Prüfung von vielen, Teil eines Sammelsuriums an Tests, mit denen uns das Leben tagtäglich konfrontiert und auch wenn man dabei auf die Schnauze fallen sollte, so ist das Versagen doch auch ein Teil von uns selbst. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ rät da so manch ein Motivationsratgeber und hat dabei auch Recht. Kein Fehlschlag ist umsonst, keine Prüfung vergeudete Zeit. Nur wer sich von den ersten vier Stadien in die Knie zwingen lässt, hat schon von vornherein verloren. Und am Ende läuft es ohnehin besser als gedacht. In diesem Sinne wünschen wir euch eine erfolgreiche Prüfungsphase, wir sehen uns in den Bibliotheken.

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