<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Hannah Mayer, Autor bei</title>
	<atom:link href="https://www.unipress.at/author/hannah-mayer/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.unipress.at/author/hannah-mayer/</link>
	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
	<lastBuildDate>Wed, 10 Dec 2025 11:31:12 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.2.9</generator>
	<item>
		<title>Zwischen Ruhe und Rampenlicht: Introvertiert trifft Extrovertiert</title>
		<link>https://www.unipress.at/gesellschaft/zwischen-ruhe-und-rampenlicht-introvertiert-trifft-extrovertiert/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/gesellschaft/zwischen-ruhe-und-rampenlicht-introvertiert-trifft-extrovertiert/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2025 11:31:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21914</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen stellen sich gerne auf die große Bühne, die anderen verkriechen sich lieber in der letzten Reihe und sehen zu. Ein Blick hinter&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/zwischen-ruhe-und-rampenlicht-introvertiert-trifft-extrovertiert/">Zwischen Ruhe und Rampenlicht: Introvertiert trifft Extrovertiert</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen stellen sich gerne auf die große Bühne, die anderen verkriechen sich lieber in der letzten Reihe und sehen zu. Ein Blick hinter die Kulissen.</span></div>
<p><span id="more-21914"></span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;"><strong>Meister im Rückzug</strong> </span></h3>
<p><em><span style="font-weight: 400;">von Hannah Mayer</span></em></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Uns umgeben viele Vorurteile: Die einen halten uns für spießig, die anderen für verklemmt. Immer heißt es, wir seien zu still. Dabei sind wir nur introvertiert. Und Ruhe – </span><i><span style="font-weight: 400;">am besten viel davon </span></i><span style="font-weight: 400;">– ist genau das, was wir brauchen, um Kraft zu tanken. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zugegeben, manchmal brauchen wir auch soziale Interaktion. Aber wenn, dann bitte nur für kurze Zeit. Und am liebsten nur zu zweit. Alles andere ist Stress pur. Wie hält der Extrovertierte das nur aus? Und wenn das Treffen länger als 30 Minuten dauert oder mehr als vier Leute dabei sind, droht die soziale Batterie in den roten Bereich zu rutschen. Dann hilft nur noch die 72-Stunden-Isolation. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zu viel Kontakt mit Menschen ist einfach anstrengend. Manchmal träume ich von einem Kurzurlaub auf einer einsamen Insel und Noise-Cancelling-Kopfhörern. Oder von einer Einsiedlerhütte. Wie oft habe ich mich schon stundenlang in meinem Zimmer verkrochen, in irgendein Hobby vertieft, ohne mich einsam zu fühlen? Ganz ehrlich, ich würde zehnmal lieber einen Self-Care-Abend in Ruhe zu Hause planen, als meinen Samstagabend irgendwo auswärts zu verbringen. Da sind ja viel zu viele andere Leute unterwegs&#8230; und am Ende müsste ich mich dann auch noch mit denen unterhalten. Gruselig.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor Situationen, in denen ich Small Talk machen muss, würde ich am liebsten weglaufen. Wenn ich kann, gehe ich solchen Situationen sogar aktiv aus dem Weg. Hast du schon mal in der Wohnung gewartet, bis der Nachbar nicht mehr im Flur herumsteht? Nein? Ich schon. Dabei hatte ich eigentlich einen wichtigen Termin. Mein Herz raste schon bei der bildlichen Vorstellung, wie ich mich beim Doktor für meine Verspätung entschuldigen sollte. Ich hätte mir danach übrigens aus Scham fast einen neuen Arzt gesucht – bis ich gecheckt habe, dass ich dafür ein Telefonat führen müsste&#8230; </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bin zwar nicht gut im Socializing, aber ich habe andere Stärken: Wäre People Watching eine olympische Disziplin, hätte ich längst Gold für mein Land geholt. Während die Extrovertierten damit beschäftigt sind, einen ganzen Raum zu unterhalten, sitze ich die meiste Zeit still da und nehme die Details wahr, die den Extrovertierten durch die Lappen gehen. An meinen Namen erinnert sich am Ende des Abends dafür natürlich niemand mehr. Für die anderen bin ich so etwas wie ein Geist. Kein Wunder, dass ich Expertin im Ghosting bin. Die aktuelle Wartezeit auf eine Antwort von mir auf Whatsapp beträgt ca. 3-4 Werktage&#8230; oder Monate. Sorry an meine Freunde. Also die zwei, die ich habe.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><strong>Hat zwar keiner gefragt, aber ich sag’s trotzdem</strong></h3>
<p><em><span style="font-weight: 400;">von Anna Mayr</span></em></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hallo zusammen, alles klar? Sorry für die Verspätung, ich hab grad so viel um die Ohren, aber jetzt hab ich’s ja geschafft. Worüber redet ihr gerade? Ah ja, Extrovertiertheit? Da kann ich auch was beitragen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Manche sagen, wir als Extrovertierte sind zu viel und zu laut. Ich sage: Lieber zu viel und zu laut als allein zuhause. Wir sind nur einmal jung. Wir wollen raus in die Welt und alles sehen und alles erleben. Der erste Unitag in einer fremden Stadt? Gruppenurlaub in Kroatien? Eine Party, auf der man niemanden kennt? Genau das brauchen wir, um uns richtig lebendig zu fühlen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Small-Talk sind wir Profis. Wie praktisch es doch ist, sich immer wieder auf bestimmte Themen stürzen zu können. </span><i><span style="font-weight: 400;">In Innsbruck scheint echt immer die Sonne! Der Blick auf die Nordkette ist soo schön! Endlich Semesterferien, wie liefen deine Klausuren? </span></i><span style="font-weight: 400;">Und wenn es keine Themen mehr gibt, haben wir immer noch unsere Königsdisziplin: Oversharing. Einmal alles ungefiltert aus dem Leben brabbeln; es hat zwar niemand gefragt, aber Hauptsache kein unangenehmes Schweigen. Natürlich besteht die Gefahr, das später zu bereuen, aber darüber denken wir nicht nach. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und ganz egal ob neue Nachbarn im Treppenhaus, neue Gesichter auf der Arbeit oder neue Mitglieder in der Unizeitung: Natürlich warten wir keine Sekunde, um uns vorzustellen. Sollen sich doch alle wohlfühlen! Und ja, wir merken uns auch direkt eure Namen – oder verwechseln sie charmant für die nächsten zwei Wochen. Big sorry nochmal Klara, äh Sarah. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zugegeben, manchmal sind wir auch gern allein, aber bitte nur beim Spazieren mit Podcast auf den Ohren. Stille ist auch cool, am Ende vom Yogakurs zum Beispiel. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ah ja, und ich muss euch unbedingt noch von meinem Wochenende erzählen, Skifahren war so. geil. Und was ich auch noch sagen wollte: Eigentlich war am Abend bisschen chillen geplant, aber jetzt schmeiße ich doch spontan eine Party. Ihr kommt doch auch, oder?</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/zwischen-ruhe-und-rampenlicht-introvertiert-trifft-extrovertiert/">Zwischen Ruhe und Rampenlicht: Introvertiert trifft Extrovertiert</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/gesellschaft/zwischen-ruhe-und-rampenlicht-introvertiert-trifft-extrovertiert/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Meine Stimme soll gehört werden“ – Josi im Interview</title>
		<link>https://www.unipress.at/gesellschaft/josi-im-interview/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/gesellschaft/josi-im-interview/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 11:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21628</guid>

					<description><![CDATA[<p>Josi ist als Video-Creatorin für ihren feministischen und gesellschaftskritischen Content auf den sozialen Netzwerken bekannt. Im Interview erklärt sie, was Feminismus für sie bedeutet, wie sie im echten Leben auf&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/josi-im-interview/">„Meine Stimme soll gehört werden“ – Josi im Interview</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Josi ist als Video-Creatorin für ihren feministischen und gesellschaftskritischen Content auf den sozialen Netzwerken bekannt. Im Interview erklärt sie, was Feminismus für sie bedeutet, wie sie im echten Leben auf Diskriminierung reagiert und warum ihr das Thema mentale Gesundheit so am Herzen liegt.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Unter dem Handle @josischreibt_ veröffentlicht Josi seit drei Jahren lehrreiche Kurzvideos auf Instagram und TikTok. In ihren Beiträgen äußert sie Kritik am Patriarchat, spricht sich gegen Diskriminierung aus und macht mentale Gesundheit zum Thema. Sie hat selbst schon seit ihrer Jugend mit der Angststörung Agoraphobie zu kämpfen. Betroffene haben Angst vor Orten oder Situationen, von denen sie notfalls nur schwer entkommen können. Vor ihrer Arbeit als Content Creatorin war Josi als Erzieherin unter anderem im Frauenhaus tätig und hat während ihres Psychologiestudiums schon auf ihrem damaligen Tumblrblog zu feministischen Themen geschrieben. Mittlerweile hat sie sich auf Social Media eine Reichweite von mehreren hunderttausend Followern aufgebaut. Für ihre Arbeit erhält sie neben Lob und Dankbarkeit auch sehr viel Hate – von Männern und von Frauen. Was sie trotzdem motiviert, ihre Arbeit weiterzumachen, welche Vorbilder sie geprägt haben und welche Lehren sie aus ihrem Leben mit der Angststörung gezogen hat, erzählt Josi im Interview mit UNIpress.</span></p>
<p><b>UNIpress: Josi, was hat dich dazu motiviert, edukativen Content auf Instagram und TikTok zu veröffentlichen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><em>Josi</em>: Ich hatte schon während meiner Studienzeit einen Blog, damals noch auf Tumblr, und da habe ich auch schon über feministische Themen geschrieben, einfach weil ich Lust darauf hatte. Das hab ich dann aber irgendwann während des Studiums ein bisschen schleifen lassen. Vor jetzt mittlerweile drei Jahren hatte ich nochmal die Idee, dass ich gerne noch mal was machen möchte, was für mich Mehrwert hat und sich für mich sinnhaft anfühlt. Denn ich hab Dinge zu sagen. Ich bin mit einigen Dingen unzufrieden und ich habe den Wunsch und den Drang, mich mitzuteilen, anstatt alles stillschweigend so hinzunehmen, wie es ist. So hab ich dann relativ spontan und impulsiv mit diesen Kurzvideos auf Social Media gestartet.</span></p>
<p><b>Du hast Psychologie studiert, bist gelernte Erzieherin und hast im Frauenhaus gearbeitet. Wie hat dich dein bisheriger Lebensweg in dieser Hinsicht beeinflusst?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Genau, ich bin gelernte Erzieherin, habe ein Psychologiestudium begonnen, aber nicht abgeschlossen. Die Zeit im Frauenhaus war schon sehr prägend. Ich glaube, es gibt einen Unterschied dazwischen, feministische Videos zu machen und das wirklich live zu erleben. Das ist eine große Diskrepanz und das habe ich auch gemerkt. Es hat mich sehr traurig gemacht. Es hat mich schockiert, zu sehen, wie schwer es teilweise auch ist, als Frau Unterstützung zu bekommen – gerade, wenn das Einkommen nicht reicht. Aber auch, wie schwierig das für Frauen ist, die zwar ein Einkommen haben, die also nicht vom Jobcenter abhängig sind. Die müssen das alles selbst bezahlen, und das kann, gerade wenn man ein geringes Einkommen hat, eine sehr große Hürde sein. Am meisten mitgenommen hat mich diese emotionale Abhängigkeit, die Opfer von Tätern haben. Da gibt es keine Rationalität. Da kommt man auch oft nicht durch. Das ist ein Kreislauf, und dieser Kreislauf wird leider oft vererbt. Ich hatte Situationen, in denen Frauen vor die Wahl gestellt wurden. Da hieß es dann: „Entweder du behältst die Kinder oder du gehst zu deinem gewalttätigen Mann zurück“. Und sie sind zum Mann zurückgegangen. Das heißt, die Kinder werden dann in ein System der Obhut gegeben, aus dem sie vielleicht nie wieder rauskommen. Sie werden davon ihr Leben lang geprägt sein, wenn sie die ersten Jahre im Kinderheim leben. Und das zu erkennen, wie strukturell das Problem ist, aber gleichzeitig, wie sehr es auch individuell in den Menschen verankert sein kann und wie wenig man da mit Rationalität durchkommt. Das tut weh und lässt ein Ohnmachtsgefühl in einem aufkommen.</span></p>
<p><b>Wie lange hast du im Frauenhaus gearbeitet?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Nicht zu lange, eben wegen dieser ganzen Faktoren. Wenn ich mich recht erinnere, etwa ein Jahr.</span></p>
<p><b>Du hast auf Social Media schon erzählt, dass du mit starken, selbstständigen Frauenbildern aufgewachsen bist. Wie haben dich die Frauen in deinem Leben geprägt? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Durch ihre Existenz. Die Frauen in meinem Leben haben mir Stärke vorgelebt. Sowohl emotional als auch körperlich. Meine Mutter hat zu Hause Laminat verlegt, die Möbel gemacht, gemalert – sie hat alles gemacht. Das lag auch daran, dass keine Vaterfigur da war, aber so war es halt auch selbstverständlich, dass meine Mutter das macht. Und das habe ich von ihr übernommen. Ich muss nicht gleich einen Mann um Hilfe bitten, sondern ich kann es erst mal selbst probieren. Dann kann ich ja immer noch um Hilfe bitten. Natürlich gibt es gesellschaftliche Hürden, die einem in den Weg gelegt werden – gerade für alleinerziehende Mütter, so wie ich das in meiner Familie erlebt habe. Aber grundsätzlich ist mein Geschlecht nicht der Grund dafür, warum ich Dinge nicht schaffen kann. Rein körperlich und emotional kann eine Frau alles schaffen, was auch ein Mann schaffen kann.</span></p>
<p><b>Gab es in deinem Leben bestimmte Vorbilder, die dich geformt haben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, vor allem meine Mutter, aber auch meine Oma. Die sind vom gleichen Schlag. Beide sind selbständig und stark. Ich hatte aber auch Chefinnen, die ich als sehr stark und klar und direkt empfunden habe, und die haben mich auch positiv beeinflusst. </span></p>
<p><b>Was bedeutet Feminismus für dich?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Grunde genommen bedeutet Feminismus für mich Chancengleichheit. Gleichberechtigung von allen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, von ihrer sexuellen Orientierung, ethnischen Gruppierung et cetera. Gleichzeitig ist Feminismus für mich aber auch eine politische Kritik. Es ist immer noch eine Bewegung, eine laute, offene Kritik und ein Wunsch nach Veränderung. Feminismus ist etwas Machtvolles.</span></p>
<p><b>Frauen sollen sich im Patriarchat sehr stark mit der Mutterrolle identifizieren – Feministinnen haben daran immer wieder Kritik geübt. Wie identifizierst du dich mit dieser Rolle?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bin stolz darauf, eine Mama zu sein. Ich habe ein Kind heranwachsen lassen, es geboren und gestillt. Das war ein großer körperlicher und mentaler Akt. Mein Feminismus und meine Mutterschaft sind für mich kein Kontrast. Ich kann mich mit beiden Rollen sehr gut identifizieren.</span></p>
<p><b>Hast du mit deinem Kind schon über Feminismus gesprochen – oder, falls es noch zu jung ist, hast du dir Gedanken gemacht, wann und wie du das Thema ansprechen möchtest?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">So wie ich es in meiner Familie mitbekommen habe. Ich erlebe uns in der Familie alle als sehr gleichberechtigt und ich glaube, dass wir Feminismus ganz gut nonverbal vorleben. Bei uns gibt es zum Beispiel auch keine „geschlechtsspezifischen“ Spielzeuge.</span></p>
<p><b>Du hast mal gesagt, du hoffst, mit deiner Arbeit zum Nachdenken und zum Lernen anzuregen. Nun besteht das Patriarchat aber schon seit mehreren tausend Jahren und Frauen werden noch immer in vielen Bereichen diskriminiert. Du selbst erfährst auch viel Hate für deine Arbeit – sowohl von Männern als auch von Frauen. Was motiviert dich dazu, deine Arbeit weiterzuverfolgen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich hab noch nicht alles gesagt, was ich sagen will, und solange das nicht der Fall ist, werde ich weiterhin online was sagen. Mein Impuls, Dinge richtig zu stellen, die teilweise auch falsch online verbreitet werden, ist immer noch stärker als der Hate. Außerdem bekomme ich neben sehr vielen negativen Nachrichten auch sehr, sehr viele positive Rückmeldungen. Ich bekomme immer wieder gespiegelt, dass das, was ich tue, richtig wichtig ist. Zum Beispiel auch jetzt gerade in diesem Interview. Meine Stimme soll gehört werden. Das gibt mir ein gutes Gefühl und bestärkt mich weiterzumachen.</span></p>
<p><b>Du hast in der Vergangenheit offen über deine Erfahrungen mit Agoraphobie gesprochen, die dich seit deiner Jugend begleitet. Was hast du über dich selbst im Leben mit deiner Angststörung gelernt?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das hätte ich gar nicht gedacht und oft empfinde ich es nicht so, aber ich habe gelernt, dass ich sehr, sehr stark bin und dass ich mich nie aufgebe. Ich habe mich nie aufgegeben und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das auch in Zukunft nicht tun werde. Ich kann mich auf eine innere Stärke verlassen. </span></p>
<p><b>Wie wirkt sich deine Angststörung auf deinen Alltag aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist unterschiedlich. Ich habe gute und schlechte Tage. Was aber immer ist, ist, dass ich sehr viel in meinem Kopf und gleichzeitig auch sehr viel in meinem Körper bin. Ich höre in mich rein – was läuft da vielleicht gerade schief in meinem Körper? Was sind Anzeichen für Angst? Gleichzeitig bin ich schneller gestresst von äußeren Reizen, als es wahrscheinlich andere Personen sind. Einzelne alltägliche Situationen, wie zum Beispiel, wenn ich mir mal im Nagelstudio die Nägel machen lasse, können schon Stress auslösen.</span></p>
<p><b>Magst du auch erzählen, wie das während deiner Zeit als Erzieherin oder im Studium war?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das war auch schwierig, sage ich ganz ehrlich. Im Studium hat es mich oft überfordert, in den Vorlesungen mit den vielen Kommilitonen zu sitzen. Und in der Kita kam es immer darauf an, wie stressig es war. Ich kann aber grundsätzlich besser mit Stress von Kindern umgehen als mit Stress von Erwachsenen. Ich war auf jeden Fall nicht verkehrt für den Beruf, würde ich sagen.</span></p>
<p><b>Wie hat sich die Agoraphobie bei dir geäußert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das war ein schleichender Prozess. Meine erste Angstattacke hatte ich mit 16. Das war noch in meiner Schulzeit und das hat sich dann so ein bisschen verselbstständigt. Ich habe erstmal Angst entwickelt vor dem Unterrichtsfach, in dem ich meine erste Angstattacke hatte. Das hat sich dann aber immer weiter ausgebreitet auf jedes Unterrichtsfach, und dann irgendwann auf meinen Alltag und schließlich auf jeden Aspekt meines Lebens.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zu der Zeit haben wir in den Medien und der Gesellschaft nicht offen über psychische Erkrankungen geredet. Das heißt, ich konnte gar nicht greifen, was da passiert, dass das eine psychische Erkrankung ist, die sich da gerade aufbaut. Das war gar keine Option in meinem Kopf. Ich dachte, ich reagiere total überempfindlich. Mir war das unangenehm, also habe ich nicht darüber geredet. Ich hatte oft Bauchweh deswegen. Mit Anfang 20 hat mein Umfeld dann gesagt, dass es schon auffällig ist, dass ich so oft Bauchweh habe und viele Treffen absage und mich mehr und mehr isoliere. Da wurde mir das gespiegelt, dass irgendwas nicht ganz so läuft, wie es laufen sollte.</span></p>
<p><b>Die mentale Gesundheit ist in unserer Gesellschaft noch immer ein stark stigmatisiertes Thema. Über psychische Erkrankungen zu sprechen, kann sehr beängstigend sein. Wie war es für dich, deine Krankheit offen zu thematisieren?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Gar nicht beängstigend. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mit Social Media angefangen habe. Einerseits wollte ich über Themen sprechen, die mir wichtig sind, und da gehört auch meine Angststörung dazu. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass ich in den sozialen Medien nicht repräsentiert werde. Klar, es gibt Accounts, die über psychische Erkrankungen reden und da gibt es vielleicht auch mal eine Angststörung. Aber niemand hatte so richtig die Symptomatik, die ich habe. Ich hab das zumindest nicht gesehen, dass jemand explizit eine Agoraphobie hatte und ich wollte und will weiterhin, dass sich niemand so ungesehen und allein fühlt, wie ich mich oft gefühlt habe. So als ob ich die einzige Person wäre, der es so geht. Ich habe aber auch Therapien gemacht, in denen ich gelernt habe, diese Scham abzulegen, um über meine psychische Erkrankung zu reden.</span></p>
<p><b>Was würdest du einer betroffenen Person raten, die sich nicht traut, sich zu öffnen oder sich Unterstützung zu suchen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bitte trau dich. Es kann nur besser werden. Das Schlimmste, was man tun kann, ist sich zu isolieren und alleine zu bleiben mit der Angst. Je mehr man Angst vermeidet, desto stärker wird sie. Auch wenn man das nicht hören will. Das ist aber so. Sich zu isolieren, das gibt einem ein gutes Gefühl für den Moment, wird einen dauerhaft aber nur kränker machen.</span></p>
<p><b>Viele Menschen finden Vorbilder in den Sozialen Medien. Du hast mittlerweile eine große Reichweite. Fühlst du dich wie ein Vorbild für andere? Und wenn ja, wie gehst du mit dieser Verantwortung um?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich weiß, dass ich für viele ein Vorbild bin, weil sie es mir schreiben. Aber für mich fühlt es sich wahnsinnig surreal an. Ich finde das ganz absurd. Manchmal, wenn ich draußen unterwegs bin, sprechen mich Leute an und dann denke ich krass, eigentlich könnte mich ja jederzeit jemand erkennen. Ich kann mich mit dieser vermeintlichen Vorbildfunktion noch nicht so ganz identifizieren, weil sich das für mich einfach noch sehr absurd anfühlt – und das nach 3 Jahren. Ich weiß nicht, ob da jemals der Punkt kommt, wo ich sage, ja, ich habe einen Einfluss im Leben anderer Menschen. Vielleicht kommt es noch, vielleicht auch nicht. Ich versuche natürlich trotzdem, dieser Rolle so gerecht wie möglich zu werden und keine doofen Sachen zu machen. Aber so ganz greifen kann ich es noch nicht.</span></p>
<p><b>Die For You Page auf TikTok ist ja oft ein Spiegelbild dessen, was wir konsumieren. Du hast schon oft auf Content reagiert, der misogynistische oder diskriminierende Haltungen widerspiegelt. Wie würdest du deine eigene For You Page beschreiben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ganz anders, als man das vielleicht denkt. Ich bekomme oft Kommentare wie „Oh man, du tust mir so leid für deine For You Page“, aber ich bekomme diese Videos immer zugeschickt. Ich gucke sie mir nur einmal an, speichere sie ab und dann merkt sich das Tiktok zum Glück nicht so. Meine For You Page besteht eher aus Popkultur, einigen Musikern, viel auch aus den USA. Witzige Videos werden mir immer mal wieder ausgespielt. Mutterschaft ist auch so ein Thema, das bei mir auftaucht, weil ich selber Mutter bin. Und mentale Gesundheit, aber auch andere feministische Accounts, denen ich folge.</span></p>
<p><b>Wie entscheidest du, auf welche Inhalte du reagierst?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich schaue immer ein bisschen auf die Inhalte. Manchmal sind das auch so Inhalte, die wir schon tausendmal gehört haben. Da denk ich mir, die machen das nur noch, um Klicks zu bekommen, darauf will ich jetzt gar nicht eingehen. Ich will denen gar nicht die Aufmerksamkeit geben. Ich gucke, dass ich da vielleicht einen Funken Mehrwert mit einbringen kann. Klar, es kann auch mal ein Video sein, in dem wir uns einfach nur über die misogynen Aussagen lustig machen können, die da getätigt werden. Aber ich versuche immer ein bisschen Wissen reinzubringen, als lehrhafte Komponente. Und da gucke ich halt, welche Videos sich dafür eignen und welche nicht.</span></p>
<p><b>Was löst es in dir aus, dir solche Videos anzusehen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Nicht allzu viel. Das ist aber, glaube ich, ein wichtiger Punkt, weil sonst wäre ich dafür nicht gemacht. Wenn ich mir jeden Tag solche Videos angucke, mich das aber emotional zu sehr ergreift, dann würde ich daran kaputt gehen – und dann hätte ich wahrscheinlich schon längst aufgehört mit Social Media. Ich habe da mit der Zeit eine gewisse Resilienz entwickelt. Ich kann mich erinnern, am Anfang habe ich manchmal Videos geguckt und da hat mein Herz richtig gepocht, weil mich das so wütend gemacht hat. Aber mittlerweile ist das nicht mehr so. Ich habe mich daran gewöhnt und schaffe es, eine Distanz zum Content zu wahren.</span></p>
<p><b>Wie viel Zeit steckst du in die Recherche für deine Videos – und wie läuft das bei dir ab?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist unterschiedlich. Es kommt immer darauf an, wie komplex das Thema ist. Gerade bei Fake News, wo dann zum Beispiel biologische Fakten komplett verdreht werden, um Frauen abzuwerten, da muss ich dann schon mehr dafür recherchieren – denn ich bin keine Biologin. Das kann dann wirklich ein paar Stunden dauern. Ich will ja auch gute Quellen finden. Davon mache ich mir dann auch Screenshots, damit ich sie in meine Videos einbauen kann. Oft sind mir die Informationen aber auch schon bewusst. Da muss ich nicht mehr in die Recherche gehen. Das sind dann Sachen, die ich entweder von anderen Creators gehört – da lerne ich auch viel – oder selbst schon mal gelesen habe. Die Kriminalstatistik, zum Beispiel, gucke ich mir regelmäßig an für meinen Content. Irgendwann sitzen diese Informationen einigermaßen und dann muss ich da nicht mehr so in die Recherche gehen.</span></p>
<p><b>Wenn wir noch mal zurückblicken auf die Zeit, als du deinen Tumblr-Blog hattest. Da hast du ja auch schon über feministische Themen geschrieben. Wo hast du damals das Wissen herbekommen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Damals habe ich dann vor allem über Themen geschrieben, mit denen ich in Berührung gekommen bin. Ich kann mich erinnern, da habe ich gerade im Mutter-Kind-Heim ein Praktikum als Erzieherin gemacht, und dann habe ich zum Beispiel einen Artikel über Teenagerschwangerschaften geschrieben. Dazu habe ich damals wirklich das Internet einmal komplett durchforstet und mir dieses Wissen angeeignet.</span></p>
<p><b>Wie gehst du mit dem Druck um, immer auf dem neuesten Stand zu sein oder Themen zu behandeln, die viele Menschen beschäftigen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Druck ist auf jeden Fall das richtige Wort, gerade weil die sozialen Netzwerke ja mein Arbeitsplatz sind. Und diese Algorithmen der sozialen Netzwerke sind nicht so gnädig. Wenn man ein paar Tage nichts postet, wird man schnell mal in den Aufrufen zurückgestuft. Das löst schon Druck aus. Ich versuche aber, mich davon ein bisschen zu distanzieren. Wenn mir zum Beispiel ein Thema sehr wichtig ist, dann versuche ich auch immer öfter, einfach Beiträge von anderen zu teilen, die dazu schon etwas gesagt haben. Ich muss nicht die Person sein, die jedes einzelne Thema abdeckt – das kann ich auch gar nicht sein. In der Aktivismus-Bubble kann man das ein bisschen aufteilen. Dann teile ich einen Beitrag einer Kollegin oder eines Kollegen und habe trotzdem vielleicht einen Teil dazu beigetragen, ein Thema oder eine Message in die Welt zu tragen.</span></p>
<p><b>In Videos diskutierst du feministische und gesellschaftliche Themen auf reflektierte, schlagfertige und oft auch sarkastische Weise. Wie reagierst du im echten Leben auf misogyne oder diskriminierende Aussagen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich erlebe nicht so oft misogyne Aussagen in meinem Umfeld, weil ich ein Umfeld habe, das sehr gut aufgeklärt ist. Wenn ich aber auf der Straße etwas sehe, was ich nicht in Ordnung finde, dann mache ich sehr schnell meinen Mund auf – natürlich vorausgesetzt, für mich besteht keine akute körperliche Gefahr. Das war zum Glück noch nie der Fall. Da gerate ich auch öfter mal mit wildfremden Passanten verbal ein bisschen aneinander. Ich kann das nicht sehen, wenn da jemand gerade richtig respektlos oder übergriffig gegenüber einer anderen Person ist. </span></p>
<p><b>Zum Abschluss: Wer inspiriert dich gerade?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Gute Frage. Ich fand es schon immer schwierig zu sagen, dass mich einzelne Personen inspirieren. Ich glaube, was mich inspiriert, sind die Ziele, die ich im Leben habe – was ich noch machen und für mich noch erreichen möchte. Das spornt mich an. Eine Sache ist gerade in Arbeit, aber da will ich noch keine großen Wellen schlagen. Aber ganz allgemein gesagt: Ich habe noch berufliche Ziele, die sich jetzt nicht nur auf Social Media begrenzen. Ich habe im Privaten Wünsche und Ziele. Und ich wünsche mir, dass meine Angst mir nicht so im Weg steht. Da bin ich motiviert und inspiriert, weiter für mich und meine persönliche Freiheit zu kämpfen.</span></p>
<p><b>Vielen Dank für das Gespräch!</b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/josi-im-interview/">„Meine Stimme soll gehört werden“ – Josi im Interview</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/gesellschaft/josi-im-interview/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Einsamkeit kann uns alle treffen‟: Im Gespräch mit Psychotherapeutin Christine Trenn</title>
		<link>https://www.unipress.at/gesellschaft/einsamkeit-kann-uns-alle-treffen-im-gespraech-mit-psychotherapeutin-christine-trenn/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/gesellschaft/einsamkeit-kann-uns-alle-treffen-im-gespraech-mit-psychotherapeutin-christine-trenn/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jun 2025 11:30:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21632</guid>

					<description><![CDATA[<p>Warum sich Menschen einsam fühlen, kann viele Gründe haben. Dahinter steckt das menschliche Bedürfnis nach Kontakt und Zugehörigkeit. Doch kaum jemand spricht offen darüber: Das Thema ist gesellschaftlich immer noch&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/einsamkeit-kann-uns-alle-treffen-im-gespraech-mit-psychotherapeutin-christine-trenn/">„Einsamkeit kann uns alle treffen‟: Im Gespräch mit Psychotherapeutin Christine Trenn</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Warum sich Menschen einsam fühlen, kann viele Gründe haben. Dahinter steckt das menschliche Bedürfnis nach Kontakt und Zugehörigkeit. Doch kaum jemand spricht offen darüber: Das Thema ist gesellschaftlich immer noch stark stigmatisiert. Psychotherapeutin Christine Trenn gibt im UNIpress-Gespräch einen Überblick über normale und chronische Einsamkeit und was dagegen hilft.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Christine Trenn ist Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie und arbeitet als Fachdienstleiterin in einer ambulanten Suchtberatungsstelle in Hessen. Außerdem berät sie Studierende bei persönlichen Herausforderungen – auch jenseits der Sucht. Themen wie Einsamkeit begegnen ihr bei ihrer Arbeit nicht selten. Denn von Einsamkeit kann jeder Mensch betroffen sein – unabhängig von seinem Alter und sozioökonomischen Status. Welche Menschen besonders von Einsamkeit betroffen sind, wie viel Einsamkeit normal ist und wie man mit Einsamkeitsgefühlen umgehen kann, erklärt Frau Trenn im Interview mit UNIpress.</span></p>
<p><strong>UNIpress: Frau Trenn, gibt es einen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><em>Christine Trenn</em>: Für mich wäre das Alleinsein eine Isolation, die objektiv nachvollziehbar ist. Das heißt, ich sitze alleine in meinem Zimmer oder ich bin alleine zu Hause. Einsamkeit hingegen wäre die subjektiv erlebte Isolation. Ich bin auf einer Party, also objektiv gesehen bin ich da nicht allein. Aber subjektiv habe ich das Gefühl, ich gehöre gar nicht dazu. Alle haben Spaß und keiner beachtet mich und keiner schaut mich auch nur an.</span></p>
<p><strong>Könnte man das auch mit dem Selbstwertgefühl in Verbindung bringen? Wenn man ein geringes Selbstwertgefühl hat, dann denkt man vielleicht, ich habe niemanden, den ich anrufen kann. Weil man sich im Leben der anderen einfach nicht wichtig genug fühlt. Das ist ja ein sehr subjektives Gefühl.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Genau. Einsamkeit ist ein sehr subjektives Gefühl, das sehr viel damit zu tun haben kann, wie ich mich selbst sehe und wie ich zu Beziehungen stehe, zum Beispiel durch meine bisherigen Bindungserfahrungen, die mein Selbstbild beeinflussen. Wenn ich dann Überzeugungen habe wie „Ich bin für andere nicht wichtig‟ oder „Ich werde sowieso nur verarscht‟, dann führt das natürlich dazu, dass ich soziale Beziehungen meide und meine Bedürfnisse nicht äußere, weil ich anderen nicht zur Last fallen will oder weil ich Angst vor sozialer Ablehnung habe. Und das bedeutet, dass ich im Endeffekt keine positiven Erfahrungen machen kann und dass die Einsamkeit sich verstärkt – und zwar sowohl in meinem subjektiven Empfinden als auch in der objektiven Tatsache, dass ich dann alleine bin. </span></p>
<p><strong>Wie hängt das mit den Bindungstypen zusammen? Empfindet jemand, der ein sicherer Bindungstyp ist, auch Einsamkeit? Und empfindet er Einsamkeit in der gleichen Weise wie jemand, der ein unsicherer Bindungstyp ist?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist eine spannende Frage. Einsamkeit kann uns alle treffen. In Form von vorübergehender Einsamkeit kennen wir sie wahrscheinlich alle aus unserem Alltag, zum Beispiel, wenn man am Sonntag allein zu Hause ist und die Arbeitskollegen vermisst, die man erst am Montag wiedersieht. Es gibt auch situative Einsamkeit, etwa wenn sich der Freundeskreis nach einer Trennung ändert, wenn der Partner verloren geht oder wenn jemand stirbt. Das sind Situationen, die uns alle treffen und als Trigger Einsamkeit auslösen können, egal welchen Bindungstyp wir haben. Sie haben weniger mit unserer Verarbeitung zu tun. In Bezug auf die Bindungstypen kann ich mir schon vorstellen, dass unsicher gebundene Menschen oft ihre Denkmuster haben, die dann aktiviert werden. Sie fühlen sich dann in ihren Überzeugungen bestätigt.</span></p>
<p><strong>Das heißt, dass Vulnerabilität sowohl eine Rolle bei der Entstehung von Einsamkeitsgefühlen spielt, aber auch durch Einsamkeit verstärkt werden kann, oder?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, da würde ich immer eine Wechselwirkung sehen. Wie auch bei psychischen Störungen. Einsamkeit an sich hat keinen Störungswert, da sie jeden vorübergehend treffen kann. Einsamkeit kann aber mit psychischen Erkrankungen einhergehen oder eine Folge von psychischen Erkrankungen sein. Zum Beispiel, wenn ich mich wegen einer Depression zurückziehe. Das kann natürlich auch eine Art von Aufrechterhaltung sein. Also so ein Gefühl von „Niemand ist für mich da‟, was ich natürlich durch mein Verhalten massiv beeinflusse.</span></p>
<p><strong>Sind bestimmte Faktoren wie Alter, Geschlecht oder sozialer Status ausschlaggebend dafür, wer besonders anfällig für Einsamkeit ist?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, man könnte sagen, dass es Risikofaktoren gibt. Aber so einfach ist es nicht. Man muss das etwas differenzierter betrachten als nur das Alter oder das Geschlecht per se. Tatsächlich nimmt die Einsamkeit im Laufe des Lebens eher zu – wobei das Spannende ist, dass sich die 80-Jährigen weniger einsam fühlen als die 65- bis 70-Jährigen. Es gibt Peaks in den Dreißigern und Sechzigern. Es ist auch nicht so, dass Frauen sich generell einsamer fühlen oder Männer sich einsamer fühlen. Interessant ist, dass sich eher Kinder und Jugendliche des männlichen Geschlechts einsamer fühlen. Aber das ist zahlenmäßig kein so großer Unterschied.</span></p>
<p><strong>Es lassen sich aber Trends feststellen?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Problem ist, dass die Studien super heterogen sind. Viele Studien sagen, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Eine Studie findet keinen Unterschied. Und eine andere Studie sagt, wenn man einen Unterschied finden will, dann ist der in der Kindheit und Jugend, wo sich eher die Männer ein bisschen einsamer fühlen.</span></p>
<p><strong>Ich finde das total überraschend, weil man ja immer von dem großen Problem der Einsamkeit im Alter in unserer Gesellschaft liest und hört.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, es wäre zu einfach zu sagen, es liegt am Alter. Vielmehr kommen zusätzliche Risikofaktoren hinzu, wie Todesfälle im Umfeld, allein zu leben, schlechter Gesundheitszustand, Arbeitslosigkeit und weniger Kontakte durch die Rente. Ältere Menschen sind häufig sozioökonomisch benachteiligt und vereinsamen.</span></p>
<p><strong>Die sozialen Medien machen es uns heute leichter denn je, Kontakte zu knüpfen und Gleichgesinnte zu finden – und doch fühlen sich viele Menschen einsam.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja. Auch das ist spannend. Wenn soziale Medien genutzt werden, um bestehende Kontakte zu pflegen oder neue Kontakte zu knüpfen, dann reduziert das eher die empfundene Einsamkeit. Werden sie jedoch zur Kompensation, also als Flucht, genutzt, verstärkt das die empfundene Einsamkeit.</span></p>
<p><strong>Welche Rolle spielt hier das Alter? Ältere Menschen tun sich ja oft schwerer, mit den sozialen Medien umzugehen oder sich da zurechtzufinden.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei den Älteren ist die Nutzung von Social Media eher ein Schutzfaktor, weil es  leichter ist, Kontakt zu halten – zum Beispiel zu den Kindern oder zu den Enkelkindern, wenn die weiter weg sind. Und bei den jungen Menschen scheint es eher ein Risikofaktor zu sein.</span></p>
<p><strong>Spielt da nicht auch FOMO eine Rolle? Man sieht immer das Leben der anderen und dann denkt man: Oh, die machen jetzt wieder was zusammen und ich bin nicht dabei, oder die haben einen bestehenden Freundeskreis und die sehen sich, was weiß ich, fünfmal die Woche – und ich habe das nicht.</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das wäre genau diese passive Nutzung, dass ich nur schaue, was die anderen machen. Das würde die Einsamkeitsgefühle eher verstärken, wenn ich einfach nur scrolle.  Oder auch wenn die Onlinekontakte alles ersetzen und als Flucht dienen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Je weiter ich scrolle, desto mehr bestätige ich natürlich die Muster, die ich habe. Das ist es, was das Gefühl der Einsamkeit aufrechterhält. Und ich suche ja ganz gezielt nach dieser Bestätigung, auch wenn es nicht unbedingt ein gutes Gefühl ist, sie zu finden. Da geht es wirklich mehr darum, mich selbst zu verstärken.</span></p>
<p><strong>Wie viel Einsamkeit ist normal? Wann würde man sagen, dass man sich zu einsam fühlt oder dass es vielleicht schon in Richtung Depression geht?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Einsamkeit gehört zum Leben. Ich begründe das gerne so ein bisschen mit der Evolution. Und Einsamkeit ist natürlich evolutionär der Indikator dafür: Hey, du brauchst deine Gruppe. Du musst Kontakt zu Menschen haben, weil ohne Menschen kannst du nicht überleben. Das ist einfach eines der menschlichen Grundbedürfnisse. Wenn das bedroht ist, fühle ich mich einsam.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn das länger anhält oder chronisch wird und ich vielleicht auch innerlich den Glauben habe, dass diese Einsamkeit nicht mehr weg geht oder dass ich vielleicht gar keinen Einfluss darauf habe, das würde ich schwierig finden. Dann fängt es an, wirklich belastend zu werden.</span></p>
<p><strong>Wann ist Einsamkeit chronisch?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, das darf absolut subjektiv und individuell bleiben. Also ich finde es völlig in Ordnung, wenn jemand nach zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren darüber klagt. Die Belastung ist total individuell. Es geht ja nicht darum, Kriterien für eine psychische Störung festzulegen, weil Einsamkeit keine psychische Störung ist. Aber: Einsamkeit kann belastend sein und man darf sich dafür Hilfe suchen.</span></p>
<p><strong>Was können Betroffene denn tun, um diesen Gefühlen zu begegnen?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das hängt davon ab, ob die Betroffenen in der Lage sind, das Gefühl auszuhalten und ob sie über die notwendigen Skills verfügen, aktiv zu werden. Sind sie in der Lage, Kontakte wieder zu aktivieren, sie zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen? </span><span style="font-weight: 400;">Oder werden sie durch ihre negativen Gedanken über sich selbst, ihre Beziehungen und andere Menschen in diesem eigentlich evolutionär durchaus sinnvollen Verhalten gehemmt?</span><span style="font-weight: 400;"> Es ist wichtig, authentisch zu sein und auch Schwächen zuzulassen.</span></p>
<p><strong>Aber was macht man, wenn man sich einfach nicht traut?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das hängt vom Einzelfall ab. Wenn jemand in Therapie kommt, dann schauen wir uns das soziale Netzwerk an: Gibt es da jemanden? Was möchte ich da verändern? Welche Kontakte könnte ich überhaupt reaktivieren? Wo könnte ich vielleicht neue finden?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das klingt auf den ersten Blick logisch, scheitert aber oft an Denkmustern. Hier könnte man ansetzen und diese Denkmuster mit den kognitiven Mitteln der Psychotherapie in Frage stellen. Man könnte zum Beispiel ein Verhaltensexperiment machen: Wir probieren einfach mal aus, ob sich diese negativen Annahmen, die ich habe, überhaupt bestätigen. Häufig konzentrieren sich einsame Menschen in ihrem Alltag eher auf die negativen Erfahrungen, die sie mit Menschen machen. Sie merken gar nicht, dass der Busfahrer sie freundlich gegrüßt hat, dass ihnen gerade jemand die Tür aufgehalten hat oder dass sie jemand bei der Arbeit gefragt hat, wie ihr Wochenende war – all diese kleinen positiven zwischenmenschlichen Gesten, die dazu beitragen können, die Denkmuster wieder zurechtzurücken. In der Therapie wird also versucht, den Fokus ein wenig zu verschieben. Das wiederum eröffnet neue Perspektiven und Optionen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine andere Möglichkeit wäre, wenn man keine Ahnung hat, was die Ursache des Gefühls ist, ein Protokoll zu führen: Wann treten diese Einsamkeitsgefühle auf? Und man kann explorieren, ob in der näheren Vergangenheit etwas passiert ist – nach dem Auslöser suchen.</span></p>
<p><strong>Was kann ein Mensch tun, bei dem es vielleicht noch nicht so schlimm ist, dass er eine Therapie machen muss oder will? Was kann er gegen das Gefühl der Einsamkeit tun?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei Menschen, die jetzt vielleicht noch nicht pathologisch krank sind und keine Therapie suchen, fände ich es immer wichtig, dieses Gefühl erst einmal einfach anzunehmen. Sich in Achtsamkeit zu üben, indem man die Emotionen erst einmal überhaupt wahrnimmt und versucht, sie einzuordnen. Was ist jetzt los, dass ich mich einsam fühle? So ein bisschen Ursachenforschung zu betreiben und erst mal zu sagen: Das ist auch erstmal okay, ich darf mich auch mal einsam fühlen. Das gehört zum Menschsein dazu. Und je nachdem, was die Ursache ist, gibt es Möglichkeiten, das zu ändern. Dann kann ich schauen, wo ich Lust habe, etwas zu machen? Was sind meine Interessen, meine Werte?  Und dann zu gucken, wo finde ich vielleicht Leute, die ähnliche Interessen oder Werte haben, weil das meistens bedeutet, dass ich mit ihnen gut auskomme.</span></p>
<p><strong>Eine letzte Frage: Was würden Sie als Therapeutin einem Menschen mitgeben, der sich einsam fühlt?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dass er damit nicht alleine ist. Ich glaube, das ist am Anfang wichtig, weil Einsamkeit auch etwas ist, was sehr schambesetzt ist. Das auszusprechen und den Kontakt zu suchen, muss man sich erst trauen.</span></p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/einsamkeit-kann-uns-alle-treffen-im-gespraech-mit-psychotherapeutin-christine-trenn/">„Einsamkeit kann uns alle treffen‟: Im Gespräch mit Psychotherapeutin Christine Trenn</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/gesellschaft/einsamkeit-kann-uns-alle-treffen-im-gespraech-mit-psychotherapeutin-christine-trenn/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Teilnehmer:innen für Onlinestudie zu Resilienz gesucht</title>
		<link>https://www.unipress.at/wissenschaft/teilnehmerinnen-fuer-onlinestudie-zu-resilienz-gesucht/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/wissenschaft/teilnehmerinnen-fuer-onlinestudie-zu-resilienz-gesucht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 May 2025 10:30:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lokal]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21468</guid>

					<description><![CDATA[<p>Um alltägliche Herausforderungen und globale Krisen zu bewältigen, ist eine starke psychische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, von großer Bedeutung. Doch nicht jeder Mensch besitzt diese Fähigkeit in gleichem Maße. Ein&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/wissenschaft/teilnehmerinnen-fuer-onlinestudie-zu-resilienz-gesucht/">Teilnehmer:innen für Onlinestudie zu Resilienz gesucht</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Um alltägliche Herausforderungen und globale Krisen zu bewältigen, ist eine starke psychische Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, von großer Bedeutung. Doch nicht jeder Mensch besitzt diese Fähigkeit in gleichem Maße. Ein aktuelles Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck bietet Studierenden und Interessierten die Möglichkeit, ihre Resilienz durch ein kostenloses Online-Training gezielt zu fördern.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die uns dabei hilft, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen und seelisch zu verarbeiten. Gerade in Krisenzeiten – sei es auf persönlicher oder gesellschaftlicher Ebene – spielt sie eine entscheidende Rolle. Auch Studierende profitieren im Trubel hoher Anforderungen und globaler Herausforderungen von einer starken Resilienz. Doch nicht alle Menschen verfügen über dieselbe Ausprägung dieser inneren Stärke: Während manche mit Belastungen relativ gut umgehen können, geraten andere schneller an ihre Grenzen. Die gute Nachricht ist: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern kann erlernt, trainiert und gezielt gestärkt werden. Genau an diesem Punkt setzt ein aktuelles Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck an.</span></p>
<h3><b>Online-Training für mehr psychische Belastbarkeit</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Rahmen des Projekts der Medizinischen Universität Innsbruck, das vom Land Tirol gefördert wird, wird ein kostenloses, online durchführbares Resilienztraining angeboten – also komplett flexibel und ortsunabhängig. Zum Einsatz kommen dabei zwei unterschiedliche Trainingsverfahren, die gezielt dabei helfen sollen, die psychische Widerstandskraft zu stärken: zum einen die progressive Muskelentspannung, zum anderen das RASMUS-Resilienztraining. Das Training umfasst zehn Wochen mit jeweils einer einstündigen Einheit pro Woche. Die Teilnehmenden können an einem der beiden Interventionsverfahren teilnehmen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die progressive Muskelrelaxation ist ein bewährtes Entspannungsverfahren, das darauf abzielt, die Wahrnehmung von Anspannung und Entspannung zu schulen. Dabei spannen die Teilnehmenden gezielt bestimmte Muskelgruppen an, um sie anschließend bewusst zu lockern. Beim RASMUS-Resilienztraining geht es darum, den Teilnehmenden bewusst zu machen, wie sie ihre Ressourcen zur Stressbewältigung effektiv nutzen, ihre Emotionen regulieren und ein stabiles soziales Netzwerk aufbauen können. Durch diesen Prozess wird den Teilnehmenden außerdem Achtsamkeit vermittelt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Teilnehmer:innen der Studie haben zudem die Möglichkeit, an drei MRT-Untersuchungen teilzunehmen. Dabei wird erforscht, welche Auswirkungen die Online-Maßnahmen auf die Struktur, den Stoffwechsel und die Funktion des Gehirns haben. Die Teilnahme an diesen Untersuchungen ist jedoch vollständig freiwillig und beeinflusst nicht die Möglichkeit, am Hauptteil der Studie teilzunehmen.</span></p>
<h3><b>Wichtiger Hinweis zur Teilnahme</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Training zur Förderung der Resilienz kann sehr hilfreich sein. Dennoch ist es wichtig, dass solche Maßnahmen keinen Ersatz für eine psychiatrisch-psychologische Behandlung darstellen. In manchen Situationen ist eine psychiatrische oder psychologische Intervention erforderlich. Wer sich bereits in entsprechender Behandlung befindet, kann nicht an der Studie teilnehmen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Weitere Informationen zum Forschungsprojekt, dem Ablauf und den Teilnahmevoraussetzungen sind auf der <a href="https://www.resilienz-tirol.at/">Homepage</a> verfügbar. Interessierte können sich dort auch direkt für die Teilnahme anmelden und den ersten Fragebogen ausfüllen.</span></p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/wissenschaft/teilnehmerinnen-fuer-onlinestudie-zu-resilienz-gesucht/">Teilnehmer:innen für Onlinestudie zu Resilienz gesucht</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/wissenschaft/teilnehmerinnen-fuer-onlinestudie-zu-resilienz-gesucht/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Wir halten an unseren Forderungen fest“ – GRAS-Spitzenkandidat Niklas Krantz im Interview</title>
		<link>https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 May 2025 12:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[ÖH-Wahl 2025]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21415</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bei den ÖH-Wahlen vom 13. bis 15. Mai tritt Niklas Krantz als Listen-Zweiter zusammen mit Anna Schramm im Spitzenduo der GRAS an. Im Interview spricht er unter anderem über freien&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/">„Wir halten an unseren Forderungen fest“ – GRAS-Spitzenkandidat Niklas Krantz im Interview</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Bei den ÖH-Wahlen vom 13. bis 15. Mai tritt Niklas Krantz als Listen-Zweiter zusammen mit Anna Schramm im Spitzenduo der GRAS an. Im Interview spricht er unter anderem über freien Hochschulzugang, mobile Lehre und warum die GRAS trotz politischer Hürden weiterhin an ihren sozialen und nachhaltigen Forderungen festhält.</div>
<p><span id="more-21415"></span></p>
<p>Von <b>13. bis 15. Mai</b> finden die <b>ÖH-Wahlen</b> statt. Du kannst dabei auf drei Ebenen deine Stimme nutzen: für deinen Studiengang wählst du die <b>Studienvertretung</b> (StV), für deine Universität die <b>Universitätsvertretung</b> (UV) und österreichweit die <b>Bundesvertretung</b> (BV). Wahlberechtigt sind <i>alle</i> Studierenden, die ihren ÖH-Beitrag fürs Sommersemester 2025 bis spätestens 25. März eingezahlt haben. In der <a href="https://www.unipress.at/ueber-uns/archiv-2/"><b>UNIpress-Wahlausgabe</b></a> findest du eine Übersicht über die Kandidat:innen für die STVen (sortiert nach Studiengang) sowie eine Vorstellung der Spitzenkandidat:innen und Listen für die UV an der Uni Innsbruck.</p>
<p>Um dir eine weitere Orientierung bei deiner Wahlentscheidung zu geben, haben wir außerdem die Innsbrucker Spitzenkandidat:innen zum ausführlichen Interview getroffen (nur vom RFS erhielten wir keine Rückmeldung auf unsere Anfragen). Am Wahlzettel stehen diesmal (sortiert nach ihren Stimmen bei der letzten ÖH-Wahl):</p>
<ul>
<li aria-level="1"><a href="https://www.unipress.at/campus/wir-wollen-wieder-in-die-exekutive-ag-spitzenkandidat-julian-herb-im-interview/"><b>AG</b> – AktionsGemeinschaft Innsbruck: Uni lebt!</a></li>
<li aria-level="1"><a href="https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/"><b>GRAS</b> – Grüne und Alternative Student_innen</a></li>
<li aria-level="1"><a href="https://www.unipress.at/campus/die-oeh-wurde-gegruendet-um-politisch-zu-sein-vsstoe-spitzenkandidatin-julia-hofer-im-interview/"><b>VSStÖ</b> – Verband Sozialistischer Student_innen in Österreich</a></li>
<li aria-level="1"><a href="https://www.unipress.at/campus/wir-setzen-auf-konkrete-services-anstatt-politische-postings-junos-spitzenkandidat-florian-luxner-im-interview/"><b>JUNOS</b> – Junge liberale Studierende</a></li>
<li aria-level="1"><a href="https://www.unipress.at/campus/es-braucht-uns-fuer-eine-linke-oeh-ksv-lili-spitzenkandidatin-lina-brantsch-im-interview/"><b>KSV-LiLi</b> – Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste</a></li>
<li aria-level="1"><b>RFS</b> –  Ring Freiheitlicher Studenten – Liste Biermann</li>
</ul>
<p>Seit der letzten Wahl 2023 bildet eine „linke Koalition“ aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi die ÖH-Exekutive in Innsbruck. AG und JUNOS, die in der Vergangenheit eine Koalition gebildet hatten, sind in der Opposition. Der RFS konnte 2023 kein Mandat in der Universitätsvertretung erreichen und wagt jetzt einen erneuten Anlauf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Interview mit Niklas Krantz (GRAS)</h3>
<p>Niklas Krantz studiert Architektur und engagiert sich als Teil des GRAS-Spitzenduos für eine gerechte und nachhaltige Hochschulpolitik. Wir haben ihn zum Interview getroffen.</p>
<p><b>UNIpress: Niklas, ihr wart in den letzten zwei Jahren Teil der ÖH-Exekutive. Einige eurer jetzigen Forderungen – wie das Klimaticket, die Öffi-Offensive oder auch Safe Spaces – standen schon damals auf eurer Agenda. Warum konntet ihr diese Punkte bisher nicht umsetzen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Niklas Krantz: Ich würde sagen, das liegt daran, dass wir mit unterschiedlichen Instanzen sprechen müssen. Bei der Öffi-Offensive ist beispielsweise die Stadt zuständig, während die Uni in anderen Bereichen ihre Rolle spielt. Beim Klimaticket hingegen ist vor allem der Bund gefragt – hier setzt sich jedoch primär die Bundes-GRAS ein. Von der ÖH aus haben wir durchaus Hebel, aber es ist oft schwierig, sich mit den höheren Instanzen auseinanderzusetzen. Trotzdem bleiben wir dran – auch wenn es manchmal Gegenwind gibt.</span></p>
<p><b>Das bekannte Semester-Opening wird von verschiedenen Tiroler ÖHs, unter anderem der ÖH MedUni, der ÖH MCI und der ÖH Umit, mit organisiert. An der Uni Innsbruck trägt das aber nicht mehr die ÖH-Exekutive aus GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi mit, sondern durch die FV Sowi und Natwi Technik mittlerweile de facto die AG. Wieso?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Semester-Opening war lange ein Hauptprojekt der AG. Die Exekutive organisiert jetzt andere Veranstaltungen wie das GEIWI-Fest und die SOWI-Party. Warum das Semester-Opening nicht mehr von der Exekutive unterstützt wird, ist mir nicht bekannt, aber es wäre erfreulich, wenn das in Zukunft wieder möglich wäre.</span></p>
<p><b>Warum verzögert sich die Wiedereröffnung der SOWI Mensa und des UBI Chat immer weiter?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Problem bei den Mensen ist, dass die bisherigen Träger:innen abgetreten sind. Die Uni plant schrittweise Neueröffnungen, wobei die Technik-Mensa laut Plan zum kommenden Wintersemester starten soll. In der SOWI-Mensa muss einiges renoviert werden, was die Neueröffnung erschwert. Außerdem wollen sich die neuen Träger auch nach ihren Vorstellungen einrichten. Unser letzter Stand ist aber: Die Wiedereröffnung soll fix im Wintersemester erfolgen.</span></p>
<p><b>Wenn du auf die letzten zwei Jahre in der Exekutive zurückblickst: Was habt ihr erreicht? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich war in der Exekutive gar nicht so aktiv, aber einige wichtige Dinge wurden umgesetzt, wie die gratis Menstruationsartikel auf allen Toiletten. Das war ein langes Debakel, aber wir haben es schließlich endlich durchbekommen. Zudem haben wir das gratis Stadtrad verlängert und den Mensabon wieder eingeführt. In jeder Mensa gibt es nun mindestens eine vegane Option pro Tag, was vor allem von der GRAS kam. Wir sind außerdem gut mit unserer Bundesfraktion vernetzt, von der unter anderem die gratis HPV-Impfung und eine starke Lobbyarbeit für Studierende in Österreich kamen.</span></p>
<p><b>Wie hat aus deiner Sicht die Koalition mit KSV-LiLi und VSStÖ funktioniert? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Anfangs gab es schon ein relativ großes Maß an Differenzen zwischen den drei Fraktionen – sowohl auf ideologischer Ebene als auch in persönlicher Hinsicht. Man musste sich erst einmal annähern, bevor man wirklich gemeinsam, in Anführungszeichen, „regieren“ konnte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube aber, dass sich das mit der Zeit deutlich verbessert hat. Nach und nach hat man sich besser eingespielt, und letztlich haben viele der Projekte, die gemeinsam umgesetzt wurden, auch wirklich Früchte getragen.</span></p>
<p><b>Was ist euer politisches Ziel für diese ÖH-Wahlen? Wollt ihr wieder in die Exekutive? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja. Das liegt uns sehr am Herzen. Wir wollen unsere Politik weiter vorantreiben, wie in den letzten zwei Jahren. Im Wahlprogramm sieht man auch, dass es noch einige Punkte gibt, die aktuell nur teilweise umgesetzt sind – und genau dafür wollen wir weiterhin pushen. Mit wem eine Zusammenarbeit möglich ist, wird sich natürlich erst nach der Wahl zeigen. Aber wir hoffen sehr, dass wir auch weiterhin Teil der Exekutive bleiben können.</span></p>
<p><b>Was steckt da gerade halb in der Umsetzung, was ihr weiter verfolgen wollt?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Momentan stehen unter anderem Campusbegrünungen an, wie die des GEIWI-Hofs, die bereits vom Rektorat genehmigt wurde. Auch an anderen Standorten, etwa an der Technik, sind weitere Begrünungsmaßnahmen in Planung. Darüber hinaus wollen wir den Mensabon erhöhen, was vor allem in der Zuständigkeit des Ministeriums liegt, aber wir stehen im Austausch mit der Bundes-ÖH. Ein weiteres wichtiges Thema sind Projekte zur Klimaneutralität wie Photovoltaikanlagen und nachhaltiger Wasserverbrauch, die derzeit noch in der Planungsphase sind. Außerdem setzen wir uns weiterhin für eine bessere Öffi-Taktung in Zusammenarbeit mit Stadt und Land ein. </span></p>
<p><b>Angenommen, ihr schafft es erneut in die Exekutive: mit wem würdet ihr am liebsten koalieren?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das würde ich erstmal relativ offen lassen. Persönlich bin ich ein großer Fan einer linken Exekutive – rein aus ideologischer Sicht. Aber grundsätzlich gibt es bei uns einen breiten Konsens, dass wir uns alle Optionen offenhalten wollen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das heißt konkret: Wir möchten im Vorfeld niemandem den Vorzug geben. Im Mittelpunkt steht für uns, dass wir unsere Politik – also die linke und die Klimapolitik – weiter voranbringen. Mit wem das am besten umsetzbar ist, wird sich nach der Wahl herausstellen.</span></p>
<p><b>Gibt es eine Fraktion, mit der ihr eine Zusammenarbeit jetzt schon fix ausschließt? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Endeffekt gibt es da eine Fraktion, die man ziemlich sicher ausschließen kann – das ist der RFS. Meines Wissens nach hat er es auch noch nie in die Hochschulvertretung geschafft. Bei den anderen Fraktionen sagen wir im Vorfeld grundsätzlich nicht nein.</span></p>
<p><b>Wie steht ihr zum allgemeinpolitischen Mandat der ÖH? Soll sich die ÖH auch allgemeinpolitisch positionieren?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das allgemeinpolitische Mandat der ÖH ist für uns einer der wichtigsten Aspekte. Die linke Exekutive hat auch dazu beigetragen, dass sich die ÖH klar positioniert – zum Beispiel durch die Kampagne gegen Rechts oder durch Kundgebungen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die ÖH ist mittlerweile auch politisch gut vernetzt – ganz im Gegensatz zur Zeit unter der AG, die solche Vernetzung nicht gefordert hat.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und die ÖH ist die Vertretung der Studierenden – wie jede andere Vertretung hat auch sie die Aufgabe, die Interessen bundesweit sichtbar zu machen und sich dafür einzusetzen, dass Studierende Zugang zu Wohnraum, Essen und sonstigem haben. Und das in ausreichender Menge und so günstig wie möglich.</span></p>
<p><b>Kurz zusammengefasst, was sind eure wichtigsten Forderungen?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Unsere wichtigsten Forderungen betreffen zum einen das Thema Wohnen. Wir wollen den Ausbau von Studierendenwohnheimen massiv fördern. Außerdem fordern wir eine Mietzinsbeihilfe ab dem ersten Tag – unabhängig von der Staatsbürgerschaft und auch für Studierende, die in Wohnheimen leben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein weiteres zentrales Anliegen sind für uns die Mensen. Wir haben hier bereits viele Fortschritte gemacht, aber insbesondere die Preise müssen weiter gesenkt werden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir sind die GRAS – wir stehen für Klimaneutralität ein. Uns liegt es am Herzen, dass Hochschulen klimaneutral werden und damit auch eine Vorreiterrolle in der Gesellschaft einnehmen. Denn wenn nicht die Hochschulen mit gutem Beispiel vorangehen – wer dann?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In diesem Zusammenhang wollen wir auch mehr öffentliche Räume schaffen, in denen man sich wirklich gerne aufhält: mit mehr Begrünung und mehr Bänken. Das sind für uns die wichtigsten Aspekte.</span></p>
<p><b>Ihr sprecht euch gegen Zugangsbeschränkungen an Unis aus – also für einen offenen Hochschulzugang. Wie soll das in der Praxis bei stark nachgefragten Studiengängen wie Medizin oder Psychologie funktionieren, wo es jährlich tausende von Bewerber:innen gibt? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich kann noch eine Parallele ziehen, wenn ich darf. Im Architekturstudium sehen wir derzeit im Bachelor eine sehr hohe Nachfrage – unter anderem, weil es aktuell einen komplett freien Hochschulzugang gibt. Das hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Anmeldungen in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt hat. In Zukunft soll deshalb eine niederschwellige Aufnahmeprüfung in Form eines kleinen Bewerbungsschreibens kommen. Das soll aber erst ab einer bestimmten Zahl an Anmeldungen greifen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf der anderen Seite gibt es Studienrichtungen wie Psychologie oder Medizin, die ohnehin sehr groß sind – und gerade hier wäre es dringend notwendig, die Hochschulen weiter auszubauen. Der Bedarf an Psycholog:innen und Mediziner:innen ist enorm. Ich sehe das auch in meiner Heimat: Es fehlen derzeit überall Ärzt:innen, sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Medizinstudienplätze in den letzten zehn Jahren halbiert – das ist absolut nicht förderlich.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei wäre das Geld eigentlich da, um die Studienplätze weiter auszubauen und zu finanzieren.</span></p>
<p><b>Woher sollen die Mittel und das Personal kommen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hauptsächlich aus staatlichen Geldern – so wie bisher. Unserer Meinung nach ist das auch weiterhin möglich. Die Hochschulen erhalten ja bereits einen bestimmten Saldo pro Studierenden, mit dem sie Fakultäten und weiteres finanzieren.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was wir fordern, ist eine klare Ausweitung der Investitionen in Bildung. Denn Bildung ist für uns ein Grundrecht – und jede:r sollte zumindest die Möglichkeit bekommen, zu studieren. Ob man das Studium dann tatsächlich abschließt, ist eine individuelle Entscheidung. Aber es darf auf keinen Fall an fehlendem Personal oder mangelnder Finanzierung scheitern.</span></p>
<p><b>Ihr setzt euch für eine freie Wahl von Namen und Pronomen an der Uni ein. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie lässt sich das im Prüfungswesen umsetzen, wo die Identität eindeutig verifiziert werden muss? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt ein eindeutiges Identitätsverifikationssystem – und das ist der Studierendenausweis. Wenn jemand eine Änderung des Namens oder der Pronomen an der Hochschule wünscht, sollte das selbstverständlich auch auf dem Ausweis sichtbar sein. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht umsetzbar sein sollte. Die Identifizierbarkeit der Person ist dadurch keineswegs gefährdet, denn das sollte im Verwaltungssystem abbildbar sein.</span></p>
<p><b>Wie oft sollte eine Namensänderung für Studierende aus eurer Sicht möglich sein?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt nachvollziehbare Gründe, warum Menschen ihren Namen ändern – meist passiert das ein- oder vielleicht zweimal. Und auch wenn es weniger sichtbare Gründe gibt, ist der tatsächliche Anteil an Studierenden, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, vermutlich sehr gering.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir sehen aktuell in Deutschland, dass mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz eine jährliche Namensänderung ermöglicht wurde. Das wäre natürlich auch bei uns eine denkbare Option.</span></p>
<p><b>Wie verhindert man, dass sich jemand einfach als jemand anderes ausgibt?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Na ja, dafür gibt es weiterhin Identifikationsmöglichkeiten. Man muss ja ohnehin den Studierendenausweis bei Prüfungen vorlegen. Das Lehrpersonal sollte also auch auf das Foto achten. Wenn man sich auf dem Bild im Ausweis wiederfindet, sollte es auch mit der tatsächlichen Person übereinstimmen – und damit wäre die Identität klar.</span></p>
<p><b>Ihr fordert Chancengleichheit für alle Studierenden – gleichzeitig dürfen laut Satzung nur FINTA*-Personen Spitzenkandidat:innen eurer Bundespartei werden. Und wenn eine FINTA*-Person einen Safe Space einfordert, müssen Cis-Männer den Raum verlassen. Wie passt das zusammen? Besteht da nicht die Gefahr, dass man bestehende Ungleichheiten durch neue Formen von Ausschluss reproduziert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das glaube ich persönlich nicht. Satzungsgemäß habe ich kein Problem damit, dass nur FINTA*-Personen Bundesspitzenkandidat:innen werden können, vor allem, weil wir in den letzten Jahren unglaublich gute Bundesspitzenkandidat:innen hatten. Unsere Listen sind paritätisch besetzt – das muss auch so sein. Uns geht es darum, als feministische Fraktion die Stimmen von FINTA*-Personen zu stärken, und das liegt uns sehr am Herzen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich sehe keinen großen Widerspruch darin. Persönlich habe ich nicht das Gefühl, dass meine Chancen dadurch beeinträchtigt werden. Klar, ich könnte nicht Bundesspitzenkandidat:in werden, aber das ist auch nicht mein Ziel.</span></p>
<p><b>Ihr setzt euch für mehr Flexibilität im Studium ein, etwa durch den Ausbau von Hybridlehre, ein Recht auf Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen und eine leichtere Vereinbarkeit von Job und Studium. Wie wollt ihr diese Maßnahmen konkret umsetzen und sicherstellen, dass alle Studierenden davon tatsächlich profitieren?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Na ja, der weitere Ausbau der hybriden Lehre war während Corona ja mehr oder weniger ein Selbstläufer. Ich denke, das lässt sich auch wiederholen. Der Vorteil wäre wahrscheinlich, dass Studierende nicht 24/7 vor Ort sein müssten. Da sehe ich schon die Möglichkeit, das weiter auszubauen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zudem gibt es eigentlich in jedem Vorlesungssaal und Hörsaal an der Uni Möglichkeiten zur Aufzeichnung von Vorlesungen. Allerdings habe ich auch selbst schon die Erfahrung gemacht, dass sich Lehrpersonal geweigert hat, diese Aufzeichnungen zu erstellen. Ein weiteres Problem ist, dass in einem Hörsaal mit 600 Plätzen oft mehr als 600 Studierende angemeldet sind. Das führt dann dazu, dass man entweder auf den Stufen sitzen muss, was gegen Brandschutzbestimmungen verstößt, oder gar nicht teilnehmen kann. Die technischen Möglichkeiten zur Aufzeichnung sind an der Uni eigentlich recht niederschwellig und gut umsetzbar, vor allem mit der Unterstützung des technischen Supports.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was das Thema Arbeiten neben dem Studium angeht: Wir fordern einerseits die Möglichkeit für ein Teilzeitstudium. Darüber hinaus möchten wir auch Beurlaubungen für Studierende einführen, die arbeiten müssen, um sich selbst zu finanzieren. Es muss möglich sein, eine Auszeit zu nehmen oder das Studium in reduzierter Form fortzusetzen, ohne dafür benachteiligt zu werden – zum Beispiel durch zusätzliche Stundengebühren nach den Toleranzsemestern. Generell sind wir gegen Studiengebühren und fordern ein Grundstipendium für alle Studierenden, damit Arbeit neben dem Studium nicht mehr notwendig ist. Bis wir dieses Ziel erreichen, braucht es aber dringend konkrete Maßnahmen, die das Studium neben der Arbeit erleichtern.</span></p>
<p><b>Ihr wollt ein Grundstipendium einführen und die Studienbeiträge abschaffen. Wie soll das finanziert werden?</b><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Meines Wissens nach macht der Anteil der Studienbeiträge an der Finanzierung der Hochschule nur einen geringen Teil aus. Besonders, weil diese Gebühren für viele auch ein Anreiz sind, das Studium vor Überschreitung der Toleranzsemester abzuschließen und nicht zu bezahlen. Die Hochschule wird primär aus öffentlichen Geldern finanziert, und das sollte auch weiterhin der Fall sein. Das Grundstipendium soll sicherstellen, dass jeder die Möglichkeit hat, zu studieren – das ist auch freier Hochschulzugang. Diese Grundfinanzierung würde ein solides Standbein bieten, um Studierende aus der Armut zu halten und denen, die sonst keinen Zugang zur Hochschulbildung hätten, die Chance zu geben, zu studieren.</span></p>
<p><b>Ihr fordert ein kostenloses Klimaticket für alle Studierenden.  Jetzt ist Österreich aber in einer Rezession, wir haben ein haushohes Budgetloch und uns drohte schon ein EU-Defizitverfahren. Aus Kostengründen wird das kostenlose Klimaticket für 18-jährige jetzt auch abgeschafft. Wie soll da ein kostenloses Klimaticket für die vielen hunderttausenden Studierenden in Österreich finanziell drin sein?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Endeffekt hat die letzte Regierung gezeigt, dass es möglich ist, das Klimaticket für alle 18-Jährigen anzubieten. Ja, Österreich ist in einer Rezession, aber es ist nicht so, als würde dem Staat wirklich das Geld fehlen. Vieles fließt in die Wirtschaft, und auch klimaschädliche Subventionen sind dabei. Wenn man also beginnen möchte, am Budget zu sparen, könnte es sinnvoll sein, dort anzusetzen. Denn klimaschädliche Subventionen werden uns mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus der Rezession heraushelfen – zumindest sieht es momentan nicht danach aus. Diese Gelder könnten stattdessen in den Sozialstaat investiert werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Gewerbesteuern zu erhöhen.</span></p>
<p><b>Kann sich dann nicht auch einfach jeder immatrikulieren, der ein kostenloses Klimaticket möchte, auch wenn die Person gar nicht studieren will?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Möglichkeit besteht sicherlich – das sieht man auch in Deutschland. Vor dem Deutschlandticket gab es dort die Semestertickets, und viele haben sich immatrikuliert, um einen extrem günstigen Tarif zu bekommen. Andererseits profitieren die Hochschulen trotzdem davon: Auch wenn die Studierenden nicht prüfungsaktiv sind, erhalten die Hochschulen dennoch Gelder pro Student.</span></p>
<p><b>In der jetzigen Bundesregierung ist das unrealistisch – muss man bei seinen Forderungen nicht im Rahmen des Möglichen bleiben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das halte ich persönlich für den falschen Ansatz. Ich finde, man muss immer mehr fordern, als man tatsächlich durchsetzen kann – sonst nimmt man sich selbst die Grundlage für Verhandlungen. In Gesprächen kann man dann sagen: Okay, wir geben an der einen Stelle nach, dafür behalten wir einen anderen Punkt bei oder versuchen es ein anderes Mal noch einmal.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und ich halte die meisten unserer Forderungen auch für realistisch und umsetzbar. Unser Wahlprogramm besteht aus Dingen, von denen wir uns erhoffen, dass sie durchzubringen sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn wir weniger fordern würden, hätten wir wahrscheinlich auch weniger Hoffnung, überhaupt etwas verändern zu können. Es ist also auch eine Frage des Antriebs. Wir halten an unseren Forderungen fest.</span></p>
<p><b>Darüber hinaus fordert ihr den Ausbau der Fernzüge. Aber gerade grenzüberschreitender Zugverkehr ist doch oft eine zwischenstaatliche Angelegenheit, die in der Verantwortung von Verkehrsministerien oder der EU liegt. Wie wollt ihr als Studierendenvertretung hier realistisch gesehen Einfluss nehmen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Na ja, das Verkehrsministerium – sowohl vom Land Tirol als auch vom Staat Österreich – ist doch sehr stark an diesem zwischenstaatlichen Abkommen beteiligt. Wir haben dazu auch einmal mit einem unserer grünen Landtagsabgeordneten gesprochen. Dabei ging es zum Beispiel um die Strecke Innsbruck–München, bei der es relativ schwierig ist, die Taktung zu erhöhen, da sie gewissermaßen in privater Hand der ÖBB liegt – da kommt man schlecht ran. Der Handlungsspielraum ist dort also begrenzt, aber man kann sich trotzdem weiterhin dafür einsetzen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein besonderes Anliegen ist uns die Verbindung zum Brenner. Wir möchten erreichen, dass die Taktung dorthin verbessert wird – sowohl für Südtiroler Studierende als auch für alle anderen, die in ihrer Freizeit Richtung Südtirol oder Italien reisen möchten. Auch wenn das primär eine Entscheidung der ÖBB ist – abgesehen von der Gleisvergabe, die zwischen ÖBB und Trenitalia abgestimmt werden muss – hoffen wir, hier Gespräche mit den zuständigen Stellen führen zu können. Das Anliegen ist aus Sicht der Studierenden jedenfalls dringlich.</span></p>
<p><b>Welche Lehren habt ihr aus den letzten zwei Jahren gezogen – und welche Veränderungen oder Verbesserungen wollt ihr in den kommenden Jahren umsetzen, um mehr für die Studierenden zu erreichen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, eine der wichtigsten Lehren, die wir aus unserer Zeit in der Exekutive gezogen haben, ist, zunächst einmal den Rahmen der Möglichkeiten auszutasten: Wo kommen wir leicht ran, wo lassen sich gute Connections aufbauen, wo lässt sich effektiv etwas fordern und tatsächlich auch durchsetzen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Bereich, den wir in Zukunft noch stärker ausbauen wollen, sind die Verbindungen der ÖH – sowohl zum Bund als auch innerhalb der Universität. Wir wollen die Position der ÖH weiter stärken und verankern. Ein konkretes Beispiel ist der neue Vizerektor für Infrastruktur, der sich aktuell noch einarbeitet. Die Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger war sehr positiv, und wir hoffen, dass wir daran anknüpfen können – insbesondere bei unseren Zielen rund um Klimaneutralität und Umweltschutz.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Darüber hinaus wird es immer wichtiger, die Wahlbeteiligung zu erhöhen – und dafür muss sich auch die Öffentlichkeitsarbeit der ÖH verbessern. Viele Studierende wissen gar nicht, welche Angebote es vonseiten der ÖH gibt. Ein gutes Beispiel ist der neu aufgesetzte psychotherapeutische und psychologische Fördertopf: Mehr als die Hälfte der Studierenden, mit denen ich darüber gesprochen habe, hatte davon noch nie gehört. Und das ist schade, denn es ist ein wichtiges Projekt zur Förderung der psychischen Gesundheit.</span></p>
<p><b>Danke für das Gespräch!</b></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/">„Wir halten an unseren Forderungen fest“ – GRAS-Spitzenkandidat Niklas Krantz im Interview</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/campus/wir-halten-an-unseren-forderungen-fest-gras-spitzenkandidat-niklas-krantz-im-interview/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deutschland hat sich entschieden: Was jetzt folgt</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/deutschland-hat-sich-entschieden-was-jetzt-folgt/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/politik/deutschland-hat-sich-entschieden-was-jetzt-folgt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2025 11:30:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21212</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach dem Bruch der Ampelkoalition im November letzten Jahres und der Vertrauensfrage vor Weihnachten fanden im Februar vorgezogene Bundestagswahlen in Deutschland statt. Eigentlich war die Wahl für September dieses Jahres&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/deutschland-hat-sich-entschieden-was-jetzt-folgt/">Deutschland hat sich entschieden: Was jetzt folgt</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Nach dem Bruch der Ampelkoalition im November letzten Jahres und der Vertrauensfrage vor Weihnachten fanden im Februar vorgezogene Bundestagswahlen in Deutschland statt. Eigentlich war die Wahl für September dieses Jahres geplant. Entsprechend kurz war der Wahlkampf. Jetzt geht es darum, die politische Zukunft des Nachbarlandes neu zu definieren.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Wahlkampf war kurz, aber ereignisreich. Die AfD akzeptierte die Unterstützung von Elon Musk. Mit ihm sprach Parteichefin Alice Weidel sogar einmal live auf seiner Plattform X (ehemals Twitter). Diese Einmischung wurde heftig kritisiert. Darüber hinaus wurde der Partei vorgeworfen, eine illegale Großspende über einen Strohmann angenommen zu haben. Die SPD versuchte die Gen Z mit Memes auf TikTok von sich zu überzeugen. Und während der Kanzlerkandidat der Grünen, Robert Habeck, Wahlkampf an deutschen Küchentischen führte, akzeptierte Friedrich Merz im Bundestag die Hilfe der AfD bei der Abstimmung über seinen Fünf-Punkte-Antrag zur deutschen Asylpolitik und durchbrach damit die Brandmauer. Es war ein Hetzen gegeneinander und gegen benachteiligte Gruppen. Denn im Wahlkampf stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt der politischen Debatte: Migration.</span></p>
<h3><strong>Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2025</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade die Grünen waren oft Ziel medialer und politischer Hetze. Dennoch konnte Robert Habeck mit seiner Kanzlerkampagne die Grünen über der 10-Prozent-Marke halten, auch wenn die Partei mit 11,6 Prozent gegenüber der Bundestagswahl 2021 (14,8 Prozent) an Boden verlor. Nach dem Wahlergebnis kündigte Habeck seinen Rückzug aus der Parteispitze an – eine Entscheidung, die inzwischen 400.000 Menschen in einem offenen Brief an ihn bedauern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch Christian Lindner kündigte seinen Rückzug aus der Politik an, nachdem seine Partei, die FDP, an der 5-Prozent-Hürde gescheitert war. Ebenso verpasste das BSW knapp den Einzug in den Bundestag.</span> <span style="font-weight: 400;">Der Partei von Sahra Wagenknecht fehlten nach der Auszählung 13.400 Stimmen. Wagenknecht zweifelt das Ergebnis an und erwägt, Einspruch einzulegen. Experten bezweifeln jedoch, dass dies zu Neuwahlen führen könnte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die CDU/CSU erzielte mit 28,5 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis in ihrer Parteigeschichte, feierte aber trotzdem ihren Triumph – denn sie wurde stimmenstärkste Partei und ihr Spitzenkandidat Friedrich Merz ist somit Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Partei mit den zweitmeisten Stimmen ist die teilweise als rechtsextrem eingestufte AfD, die mit 20,8 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis erreichte. Einen weiteren historischen Sieg verbuchte die Linkspartei. Sie erreichte erstmals knapp 9 Prozent und wird damit in den Bundestag einziehen. Sowohl die AfD als auch die Linke nutzten die sozialen Medien für ihren Wahlkampf und gewannen damit Stimmen.</span></p>
<h3><strong>Friedrich Merz: Ein Kanzler in spe, der polarisiert</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Friedrich Merz ist noch gar nicht offiziell im Amt, da hat er schon mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu Pläne für dessen Besuch geschmiedet. Gegen Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Merz hatte Netanjahu nach eigenen Angaben zugesagt, er werde sich persönlich dafür einsetzen, dass Netanjahu ohne Konsequenzen nach Deutschland einreisen könne – und sich damit praktisch gegen das Gesetz gestellt. Denn Deutschland ist als Vertragsstaat verpflichtet, mit dem IStGH zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, dass Netanjahu bei einer Einreise nach Deutschland eigentlich festgenommen werden müsste.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Parteivorsitzende der Linken, Jan van Aken, dessen Partei voraussichtlich die künftige Opposition in der Regierung bilden wird, hat sich bereits ablehnend zu dem Vorhaben von Merz geäußert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Darüber hinaus hat die Union eine Kleine Anfrage an die noch bestehende rot-grüne Bundesregierung gestellt, in der sie Auskunft über die staatliche Förderung von NGOs verlangt. Mit einer Kleinen Anfrage können Fraktionen oder einzelne Abgeordnete von der amtierenden Regierung Auskünfte über bestimmte Sachverhalte einfordern. Sie dient vor allem der Kontrolle der Exekutive. Die Union will die Neutralität der Verbände und Organisationen überprüfen. Dazu wurden 551 Fragen an die amtierende Regierung gerichtet. Bei den Vereinen und Organisationen handelt es sich vor allem um solche, die sich nach Merz&#8217; Abstimmung mit der AfD im Bundestag im Januar laut Union an den anschließenden Protesten gegen Rechts und damit auch gegen die CDU beteiligt haben. Damit will die Union Zweifel an deren Gemeinnützigkeit wecken. Vor allem SPD, Grüne und Linke kritisieren das.</span></p>
<h3><strong>Es war einmal die Ampel </strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die AfD und die Union verdanken ihre Wahlerfolge unter anderem der Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung mit der Ampelkoalition. Die Ampelregierung regierte fast vier Jahre, bevor sie zerbrach. Rückblickend auf die Regierungszeit scheint allgemeiner Konsens zu sein, dass die Ampel zu wenig umgesetzt hat. Das ist die Konsequenz: Politisch soll künftig wieder ein anderer Wind wehen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">2021 sollte schon einmal eine politische Wende bringen. Auch damals konnte man aus dem Wahlergebnis den Wunsch nach Veränderung herauslesen. Die „Fortschrittskoalition“ aus SPD, Grünen und FDP formulierte anfangs hohe Ansprüche an sich selbst. Realpolitisch konnte sie davon nur ein Drittel ganz oder teilweise umsetzen. Ein weiteres Drittel wurde zumindest in Angriff genommen. Uneinigkeit zwischen den Koalitionsparteien ist der Grund für die mangelnde Umsetzung der einstigen Vorhaben. Gleichzeitig sah sich die Ampelkoalition mit Herausforderungen wie der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine konfrontiert.</span></p>
<h3><strong>Union auf Koalitionssuche</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die CDU/CSU und Merz sind jetzt für die Regierungsbildung verantwortlich. Trotz der kontroversen Aktion von Merz im Bundestag hat die Union eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen – obwohl sie die zweitstärkste Kraft im Bundestag ist. Ein Zweierbündnis mit der SPD ist wahrscheinlich. Dafür müssen sich die Parteien jedoch zunächst einigen – was angesichts der zahlreichen Widersprüche in ihren Wahlprogrammen schwierig werden könnte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Einer der zentralen Punkte dürfte die Asylpolitik sein. Der von Merz im Bundestag vorgestellte Fünf-Punkte-Plan ist bereits auf Kritik gestoßen. Er verstößt zumindest in Teilen gegen EU-Regeln. Punkte wie die Zurückweisung von Schutzsuchenden lehnt die SPD bislang als verfassungswidrig ab. Merz betonte jedoch, dass er in der Migrationspolitik zu keinen Kompromissen bereit sei.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die beiden Parteien haben sich bereits am 28. Februar für Sondierungsgespräche getroffen. Die Koalitionsverhandlungen sollen nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am 2. März beginnen. Merz will bis Ostern eine Regierung gründen. Es bleibt abzuwarten, ob es am Ende zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien und damit zu einer Regierungsbildung kommen wird.</span></p>
<h3><strong>The Future Is (Still) Male</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Fakt ist: Künftig werden weniger Frauen im Bundestag sitzen. Im nächsten Bundestag haben Frauen nur noch einen Anteil von 31,2 Prozent an den Abgeordneten. 2021 waren es immerhin noch 3,5 Prozent mehr. Das ist ein Rückschritt auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung. Konkret heißt das: Die Perspektive von Frauen muss Teil des Denkens der künftigen Regierung sein.</span></p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/deutschland-hat-sich-entschieden-was-jetzt-folgt/">Deutschland hat sich entschieden: Was jetzt folgt</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/politik/deutschland-hat-sich-entschieden-was-jetzt-folgt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Für und Wider: War früher alles besser?</title>
		<link>https://www.unipress.at/gesellschaft/fuer-und-wider-war-frueher-alles-besser/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/gesellschaft/fuer-und-wider-war-frueher-alles-besser/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 11:33:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21161</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Mensch strebt nach Wachstum, nach Fortschritt. Ob sich uns dabei das Universum öffnet oder ob unser Funkeln verloren geht – das steht wohl in den Sternen. Macht der Moderne&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/fuer-und-wider-war-frueher-alles-besser/">Für und Wider: War früher alles besser?</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Der Mensch strebt nach Wachstum, nach Fortschritt. Ob sich uns dabei das Universum öffnet oder ob unser Funkeln verloren geht – das steht wohl in den Sternen.</span></div>
<h2><strong>Macht der Moderne</strong></h2>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">von Hannah Mayer</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">„Früher war alles besser“, höre ich meine Großeltern sagen und kann nur mit dem Kopf schütteln. Für alles Geld der Welt würde ich nicht in den alten Zeiten leben wollen. Das Hier und Jetzt ist so viel besser. Abgesehen von guter medizinischer Versorgung und fließendem Wasser habe ich Zugang zu allem Wissen der Welt, jederzeit und überall. Ich bin über das World-Wide-Web so gut vernetzt, dass ich mit der ganzen Welt per Du bin, und ich könnte über Nacht ein Internet-Sternchen werden, wenn ich wollte. Alles, was ich brauche, ist ein einziges Gerät, das mein ganzes Leben speichert. Es ist immer in meiner Tasche und übernimmt das Denken für mich. Das moderne Telefon gibt es To Go. Kabelgewirr und Wählscheiben gehören mittlerweile der Vergangenheit an. </span><i><span style="font-weight: 400;">So</span></i><span style="font-weight: 400;"> sage ich der FOMO den Kampf an: Ich bin immer und überall erreichbar. Glaubt mir, ich verpasse gar nichts.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich schwöre, es ist nur </span><i><span style="font-weight: 400;">ein bisschen</span></i><span style="font-weight: 400;"> anstrengend, ständig online zu sein und unter dem permanenten Sog von Doomscrolling zu stehen. Das ist der Preis, den ich bereit bin, für eine Toilettenspülung und endlosen Konsum zu zahlen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Übrigens, statt Briefmarken sammle ich jetzt Klicks, und Skifahren gehe ich nur noch in der virtuellen Realität. Das macht auch Sinn. Auf den Pisten liegt sowieso nur Kunstschnee, und die Wissenschaftler drohen ständig mit dem Klimawandel. Außerdem ist mir das viel zu kalt. Da buche ich lieber den nächsten Flug nach Thailand und mache Urlaub à la Travelblogger.</span></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">The world is my oyster</span></i><span style="font-weight: 400;">  – die Moderne macht&#8217;s möglich. Geprägt von rasantem, unaufhaltsamen Wachstum, entwickeln wir uns weiter für eine Zukunft, die alle Grenzen sprengt. Ich muss nichts mehr selber machen: Ich muss nicht lesen, nicht schreiben und auch nicht staubsaugen. Und neue Innovationen stehen schon in den Startlöchern. Ich denke an morgen und träume von meinem eigenen C-3PO wie in Star Wars. Und schon bald werden wir fliegende Autos lenken, außerirdisches Leben auf fernen Planeten begrüßen und übers lange Wochenende zum Mond reisen.</span></p>
<h2><strong>Irgendetwas fehlt</strong></h2>
<div class="fusnote bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">von Sophie Borbe</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Da stehe ich nun, in meinem Betonzimmer neben der Straße im 21. Jahrhundert und koche Kokosmilch mit importierten Kichererbsen. Fenster braucht man nicht mehr öffnen, gelüftet wird ja automatisch. Ein undichter Altbau wäre mir viel lieber gewesen. Das künstliche Licht meiner LED-Lampe wärmt nicht. Zu grell ist das Weiß. Immerhin sind die Winter nicht mehr kalt, sie frösteln aber im Herzen. Beim Anblick schneekarger Bergwiesen zum Beispiel. Warm halten tun dann nur die alten Bilder von meinem Opa auf Tourenski, als er im Inntaler Tiefwinter todernst in die Kamera starrt. Bilder im Kopf und im Album, das hat heutzutage eh keiner mehr. Davon gibt’s ja jetzt genug am Screen. Wir entfremden uns vom eigentlichen Leben. Von der Essenz.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir starren nur noch verkrümmt in bunte Kästchen. Darin treffe ich meine Freunde und klicke mich dann bis nach Amerika. Wo man ja am besten auch physisch irgendwann mal hin sollte, bei allem, was heutzutage möglich ist. Das sollte man auf keinen Fall verpassen. Und auch keine der anderen 100.000 Möglichkeiten, die täglich auf einen einströmen. YOLO, du lebst ja nur einmal. Und bitte möglichst schnell.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zum Stichwort Medien – Schreiben hätte man sowieso früher müssen. Wo es noch </span><i><span style="font-weight: 400;">den Walde</span></i><span style="font-weight: 400;"> und </span><i><span style="font-weight: 400;">das Kinde</span></i><span style="font-weight: 400;"> gab und man </span><i><span style="font-weight: 400;">hochallerfreundlichst</span></i><span style="font-weight: 400;"> begrüßt wurde. Gliedsatz um Gliedsatz, schön verschachtelt und verschnörkelt. Inmitten der behütete Kern, den niemand je mit Sicherheit knackte. (Ausgenommen der Korrekturraster der Deutschmatura.) Damals, wo die Lesesucht der Jugend noch die schlimmste Sorge war. Da hätte man gelacht, dass so ein Laster jetzt das erstrebenswerteste ist – neben all unseren neuen, digitalen Gefahren.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Wie wir heute leben, das ist vielleicht toll. Aber irgendetwas fehlt“, erinnere ich mich an ein Zitat aus dem Fernsehen, wo jemand eine alte Schmiede wieder zum Glühen brachte. Was ist es, das fehlt? Zurück zu den Wurzeln muss man gehen. Einen Text in der Hand haben, den Geruch von Papier einatmen. Und bitte! Antik und verstaubt soll es riechen, ja nicht frisch gedruckt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/fuer-und-wider-war-frueher-alles-besser/">Für und Wider: War früher alles besser?</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/gesellschaft/fuer-und-wider-war-frueher-alles-besser/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Und wieder gilt: America First</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/und-wieder-gilt-america-first/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/politik/und-wieder-gilt-america-first/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 11:33:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21156</guid>

					<description><![CDATA[<p>Seit einer Woche ist Donald Trump wieder im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten und schon jetzt gerät die liberale internationale Ordnung ins Wanken. Seine ersten Amtshandlungen bedeuten nicht nur&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/und-wieder-gilt-america-first/">Und wieder gilt: America First</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Seit einer Woche ist Donald Trump wieder im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten und schon jetzt gerät die liberale internationale Ordnung ins Wanken. Seine ersten Amtshandlungen bedeuten nicht nur für die USA Ungewissheit und grundlegende Veränderungen  – sondern für die ganze Welt. </span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Nach einer turbulenten ersten Amtszeit, geprägt von politischen Konflikten, Kontroversen und einer gescheiterten Amtsübergabe, kehrte Donald Trump am 20. Januar 2025 ins Weiße Haus zurück. Seine zweite Amtszeit scheint schon jetzt nicht minder ereignisreich: Innerhalb weniger Tage verstößt er mit einem seiner Dekrete offenbar gegen die US-Verfassung, reformiert das Land, erhebt Machtansprüche und schickt Warnungen an andere Länder. Ein großer Unterschied zu vorher: Diesmal hat er die mächtigsten Männer der Welt in seinem Arsenal.</span></p>
<h3><b>Eine Allianz der Superreichen</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenige Tage vor der Amtseinführung Trumps wandte sich der scheidende Präsident Biden an das amerikanische Volk und warnte, dass es Zeuge werde, wie in den Vereinigten Staaten eine Oligarchie zum Leben erwache. Tatsächlich saßen drei der reichsten Männer der Welt bei der Amtseinführung Trumps in der ersten Reihe, während das Kabinett in der zweiten Reihe Platz nahm. Das mutet fast dystopisch an. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos haben sich die Gunst Trumps verdient, indem sie große Summen für seinen Wahlkampf oder seinen Inauguration Fund gespendet haben. Alle drei haben Einfluss auf die mediale Kommunikation. Meta-CEO Zuckerberg kündigte, als eine Art Geschenk an Trump, sogar die Abschaffung des Faktenchecks auf seinen Social Media-Plattformen an. Jeff Bezos gehört Amazon und mittlerweile auch die Washington Post, die entgegen der Tradition der letzten Wahljahre diesmal keine Wahlempfehlung für die Demokratische Kandidatin abgab. Musk besitzt die Plattform X (vormals Twitter) und hat zuletzt in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er sich für die AfD ausgesprochen hatte und auf X einen Livestream mit Parteichefin Alice Weidel hostete.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein Moment, der vor allem Zeitzeug:innen und vielen Deutschen und Österreicher:innen wie aus dem Geschichtsbuch erschien und im Internet heftige Diskussionen auslöste: Als Musk bei Trumps Vereidigung nicht einmal, sondern zweimal mutmaßlich den Hitlergruß zeigte. Im Netz wird spekuliert, geleugnet, entschuldigt – doch das Zeigen einer solchen Geste bei einer politischen Veranstaltung ist einschlägig.</span></p>
<h3><b>(K)ein Beschützer der Verfassung</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Tag der Inauguration wandte sich Biden außerdem an das Militär mit der Botschaft, sich an ihren Eid zu erinnern. Dieser besagt, dass sie schwören, die Verfassung der Vereinigten Staaten zu unterstützen und gegen alle Feinde im In- und Ausland zu verteidigen. Ein klares Signal: Biden äußert seine Besorgnis.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenig später unterzeichnete Präsident Trump ein Dekret zur Abschaffung des Geburtsrechts auf Staatsbürgerschaft. Dies verstößt gegen den 14. Zusatzartikel zur US-Verfassung. Der 14. Zusatzartikel zur US-Verfassung verleiht jeder in den Vereinigten Staaten geborenen Person automatisch die US-Staatsbürgerschaft. Aus diesem Grund haben nach derzeitigem Stand 22 Bundesstaaten und zwei Städte eine Klage gegen die Trump-Administration eingereicht. Bundesrichter John Coughenour hat Trumps Dekret am darauffolgenden Donnerstag vorerst gestoppt.</span></p>
<h3><b>Trumps Politik: Rückschritte und Umkehrungen</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Schon der erste Tag hat gezeigt: Trump hält, was er verspricht. </span><i><span style="font-weight: 400;">Zumindest teilweise</span></i><span style="font-weight: 400;">. Nicht nur, dass die USA – eine Woche nach den extremen Bränden in Los Angeles – aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. Trump hat auch ein Dekret unterzeichnet, das den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation vorsieht. Bereits 2020 hatte Trump den Austritt aus der WHO eingeleitet – ein Schritt, den Biden stoppte. Damals begründete Trump den Rückzug der USA mit dem unzureichenden Umgang der WHO mit der Covid-19-Pandemie und warf ihr eine chinafreundliche Haltung vor. Diesmal geht es vor allem um Geld. Allerdings ist es Geld aus den USA, das die Organisation maßgeblich finanziert. Welches Land die finanzielle Lücke schließen könnte, steht derzeit in den Sternen geschrieben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch das war nicht die einzige Amtshandlung der Biden-Administration, die Trump am vergangenen Montag rückgängig machte: Seine allererste Amtshandlung war die Aufhebung von 78 Dekreten aus der Biden-Ära. Dabei ging es um Maßnahmen zum Klimaschutz, den Schutz der LGBTQ+-Community vor Diskriminierung, die Reform des Gefängnissystems und den Affordable Care Act. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Darüber hinaus hob er am Dienstag, den 21.1., den Equal Employment Opportunity Act von 1965 auf. Das Gesetz verbot Diskriminierung am Arbeitsplatz und sollte allen Menschen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Trump erklärte außerdem, dass es nur zwei Geschlechter gebe, nämlich männlich und weiblich, und kündigte an, dass er Förderprogramme, die Transgender Menschen anerkennen, streichen wolle.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ebenfalls wie angekündigt: Präsident Trump hat den nationalen Notstand an der Grenze zu Mexiko ausgerufen und die Erlaubnis erteilt, das Militär dorthin zu entsenden. Darüber hinaus kündigte er Massendeportationen an und wiederholte seine Behauptung, illegale Einwanderer trügen maßgeblich zur Kriminalitätsrate bei – was durch Studien widerlegt wurde. Studien des </span><span style="font-weight: 400;">CATO Institutes und der National Academy of Social Sciences </span><span style="font-weight: 400;">haben gezeigt, dass illegale Einwanderer in Texas eine niedrigere Kriminalitätsrate als gebürtige US-Bürger:innen aufweisen. Außerdem haben die Einwanderungsbehörden in den letzten vier Jahren mehr als 160.000 Personen mit Vorstrafen, Anklagen oder ausstehenden Haftbefehlen registriert. Die meisten dieser Personen wurden abgewiesen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie das Weiße Haus am Donnerstag, dem 23.1., mitteilte, wurden in den drei Tagen seit der Inauguration bereits 538 illegal eingereiste Kriminelle festgenommen. Zudem hat die Trump-Regierung über das darauffolgende Wochenende bereits mehrere hundert Menschen abgeschoben – in Militärflugzeugen und angekettet. Drei Maschinen flogen nach Guatemala. Weitere Abschiebeflüge waren nach Mexiko und Kolumbien geplant. In Mexiko erhielten die US-Flugzeuge jedoch zunächst keine Landeerlaubnis. Inzwischen sind dort nach Angaben von Trumps Sprecherin vier Flugzeuge gelandet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro sprach sich gegen die Abschiebeflüge in Militärflugzeugen aus. Kolumbien werde keine Landeerlaubnis erteilen, solange die Abschiebeflüge nicht menschenwürdig durchgeführt würden. Trump reagierte daraufhin mit Drohungen: Zölle in Höhe von 25 Prozent, die nach einer Woche auf 50 Prozent erhöht werden sollten, sowie ein Reiseverbot und die Aufhebung von Visa für kolumbianische Regierungsbeamte. Er begründete die Maßnahmen damit, dass die nationale Sicherheit der USA gefährdet sei, wenn Kolumbien nicht kooperiere. </span></p>
<h3><b>Politik zu seinen Gunsten</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Während Trump Biden für die Begnadigungen kritisierte, die dieser kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt ausgesprochen hatte, begnadigte er selbst ohne Zögern an seinem ersten Tag im Amt fast alle Teilnehmer der Ausschreitungen vom 6. Januar 2021. Ein weiterer Schritt in seinem Bemühen, die Geschichte umzuschreiben: Den gewaltsamen Sturm auf das Kapitol versuchte er zuletzt als „Day of Love“ umzudeuten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch für TikTok-Nutzer:innen aus den USA hat Trump nun eine neue Richtung eingeschlagen: Nur einen Tag vor seiner Amtseinführung wurde Trump zum unerwarteten Helden, als er TikTok vor dem Verbot bewahrte – obwohl er es war, der das Verbot 2020 in die Wege geleitet hatte. Doch während des letzten Wahlkampfes hat er erkannt, dass TikTok ihm helfen könnte, mehr junge Wähler:innen zu gewinnen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die App soll zunächst für 75 Tage aktiv bleiben. In dieser Zeit soll ein Käufer in den USA gefunden werden.</span></p>
<h3><b>Diese Versprechen hat er gebrochen</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Vieles von dem, was Trump versprochen hatte, was er an seinem ersten Tag im Amt tun würde, hat er nicht gehalten. Weder hat er den Krieg zwischen Russland und der Ukraine beendet, noch hat er die Lebensmittelpreise gesenkt – stattdessen hat er die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente erhöht, indem er Bidens Dekrete rückgängig gemacht hat.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seine ersten Schritte zur Beendigung des Ukraine-Krieges folgten am letzten Donnerstag – über seine Onlineplattform Truth Social teilte er dem Kreml-Chef Putin mit, er solle den Krieg beenden, andernfalls drohe er mit „hohen Steuern, Zöllen und Sanktionen“.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Andere seiner anfänglichen Versprechen kann er nicht einmal (rechtlich) durchsetzen, wie etwa die Abschaffung des Geburtsrechts auf Staatsbürgerschaft oder die Auflösung der Existenz von Transgender-Personen. Außerdem wollte er gleich am ersten Tag die Zölle auf Handelsgüter aus Mexiko und Kanada auf 25 Prozent erhöhen – Zölle, die US-Bürger zahlen. Auch das Einreiseverbot für muslimische Länder, das er zuvor angekündigt hatte, hat er (noch) nicht wieder in Kraft gesetzt.</span></p>
<h3><b>Zur Antrittsrede: Machtansprüche und Gottgesandte</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Trump stellt häufig Behauptungen auf, die durch Fakten widerlegt wurden, um Verwirrung zu stiften. Seine Antrittsrede enthielt viele Falschaussagen, die inzwischen widerlegt sind, wie zum Beispiel die Zahl und Nationalität der Toten beim Bau des Panamakanals, der trotz seiner Neutralität in den Besitz der USA übergehen sollte – zumindest seinen Bestrebungen nach.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seinen vermeintlichen Ansprüchen auf den Panamakanal sowie auf Grönland und Kanada begegnet die internationale Politik mit klaren Ansagen. Vor allem in den europäischen Ländern scheint sich ein Konsens herauszubilden, sich von den USA nicht einschüchtern zu lassen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trump behauptete zudem, er sei von Gott gerettet worden (da er seinen Mordanschlag überlebt hat), weil Gott wolle, dass er Amerika wieder großartig mache. Aber wie großartig ist ein Land, das für die Freiheit gekämpft hat, wirklich, wenn es Minderheiten die Freiheit nimmt? „Make America Great Again“ – für weiße, reiche Männer.</span></p>
<h3><b>Das war erst Tag eins</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Insgesamt scheint Trumps Amtsantritt eine Periode tiefgreifender politischer Veränderungen einzuläuten. Er schmiedet neue Allianzen und stellt alte Politiken auf den Prüfstand. Es bleibt spannend, wie diese Entscheidungen Amerika und die ganze Welt beeinflussen werden. Denn das war erst Tag eins.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/und-wieder-gilt-america-first/">Und wieder gilt: America First</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/politik/und-wieder-gilt-america-first/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wohin mit der Neutralität? Ein Gespräch über die österreichische Außenpolitik</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/wohin-mit-der-neutralitaet-ein-gespraech-ueber-die-oesterreichische-aussenpolitik/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/politik/wohin-mit-der-neutralitaet-ein-gespraech-ueber-die-oesterreichische-aussenpolitik/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 11:33:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21128</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Interview mit UNIpress reflektiert der Außenpolitik-Experte Professor Martin Senn die Bedeutung der Neutralität im aktuellen politischen Klima, gibt einen Ausblick auf die mögliche Zukunft der Rolle Österreichs in Europa&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/wohin-mit-der-neutralitaet-ein-gespraech-ueber-die-oesterreichische-aussenpolitik/">Wohin mit der Neutralität? Ein Gespräch über die österreichische Außenpolitik</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Im Interview mit UNIpress reflektiert der Außenpolitik-Experte Professor Martin Senn die Bedeutung der Neutralität im aktuellen politischen Klima, gibt einen Ausblick auf die mögliche Zukunft der Rolle Österreichs in Europa und international und erklärt, welche Chance er darin sieht.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen und wechselnder internationaler Allianzen wird die österreichische Neutralität wieder zum Thema der politischen Diskussion. Hat die Neutralität in der gegenwärtigen Weltordnung eine Zukunft? Dr. Martin Senn, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck und Experte für österreichische Außenpolitik, gibt Aufschluss im Interview.</span></p>
<p><b>UNIpress:</b> <b>Herr Professor Senn, welche Rolle spielt die Neutralität im österreichischen Selbstverständnis und in der Identität des Landes?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><em>Martin Senn:</em> Eine ganz zentrale Rolle. Im Prinzip ist die Neutralität von einem außenpolitischen Instrument zu einem Hauptidentitätsmerkmal der Gesellschaft geworden.</span></p>
<p><b>Wie hat sich das Verständnis der Neutralität seit dem Staatsvertrag von 1955 verändert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Neutralität hat sich in mehreren Phasen entwickelt. In einer ersten Phase hat man sich an den Status eines neutralen Staates herangetastet. Dabei hat man sich von dem Modell der Schweiz, das als Vorbild für die österreichische Neutralität gedient hat, entfernt und sich im Rahmen der internationalen Organisationen positioniert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dann folgte in den Siebziger-, Achtziger-Jahren unter der SPÖ-Regierung, insbesondere unter Bruno Kreisky, eine Phase einer sehr aktiven Neutralitätspolitik. Man hat versucht, sich als Brückenbauer zu engagieren und in Konflikten zu vermitteln.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In den 1990er Jahren hat sich Österreich zur Europäischen Union orientiert, was zu einer Schrumpfung der Neutralität geführt hat. Bis es in der letzten Phase zu einer weitgehenden Entpolitisierung der Neutralität gekommen ist. Man hat sich nicht mehr darüber ausgetauscht, was man mit der Neutralität will.</span></p>
<p><b>Sie haben die Neutralität der Schweiz als ursprüngliches Vorbild für die eigene Neutralitätspolitik in Österreich genannt. Wie unterscheidet sich die österreichische Neutralität heute von der Neutralität der Schweiz?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor allem durch die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen. Österreich ist seit 1955 Mitglied der UNO, während die Schweiz erst relativ spät Mitglied der UNO geworden ist, nämlich 2002. Außerdem ist Österreich der Europäischen Union beigetreten, die eine Solidargemeinschaft darstellt, die Schweiz nicht.</span></p>
<p><b>Welche Implikationen hat das für Österreichs Neutralitätspolitik?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Hauptpunkt ist die Mitgliedschaft in solchen Solidargemeinschaften. Man muss sich mit der Frage auseinandersetzen, an welcher Stelle es zu Konflikten zwischen den Solidaritätserwartungen der anderen und dem Status der Neutralität, den wir haben, kommt.</span></p>
<p><b>Österreich sagt selbst, dass Neutralität und Solidarität gleichzusetzen sind.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, das kann stimmen. Die Frage ist, wie weit geht die Solidarität?</span></p>
<p><b>Wie beeinflusst die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union die praktische Umsetzung der Neutralität?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Österreich hat seine Neutralität im Bereich der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik durch Artikel 23j des Bundesverfassungsgesetzes aufgehoben. Österreich kann sich – sofern es dies möchte – in vollem Umfang an den Maßnahmen der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik beteiligen. In der politischen Umsetzung ist Österreich aber darauf bedacht, nicht zu sehr von der Neutralität abzuweichen.</span></p>
<p><b>Wie wirkt sich die Neutralität auf die sicherheitspolitische Stellung Österreichs in Europa und international aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Österreich hat den Weg der Zurückhaltung gewählt. Etwas problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass Österreich es vernachlässigt hat, in das Bundesheer zu investieren, obwohl wir uns zur militärischen Landesverteidigung und zum Schutz der Neutralität verpflichtet haben. Die Neutralität ist eher im Sinne einer weniger bewaffneten Neutralität interpretiert worden.</span></p>
<p><b>Wie könnte eine neutrale Verteidigungsstrategie aussehen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Na ja, die gibt es in dem Sinne schon. Der Anspruch des österreichischen Bundesheeres ist, eine Verletzung der österreichischen Neutralität abwehren zu können. Ob sie das de facto abwehren können, ist eine andere Frage.</span></p>
<p><b>Welche Auswirkungen haben aktuelle geopolitische Konflikte, wie der Ukraine-Krieg, auf die Neutralität Österreichs?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich würde sagen, zu wenig, denn interessanterweise hat der Ukraine-Konflikt noch nicht zu einer wirklichen Debatte darüber geführt, was wir jetzt mit der Neutralität machen sollen. Wir tun immer noch so, als würden wir im Europa des Jahres 2010 leben.</span></p>
<p><b>Welche Auswirkungen könnten verstärkte geopolitische Spannungen in Europa auf die Neutralität Österreichs haben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich frage mich, was wir noch an Spannungen brauchen. Wir haben schon enorm viele geopolitische Spannungen in Europa und trotzdem wird nicht über die Neutralität gesprochen. Im Gegensatz zur Schweiz, wo das schon mehr thematisiert wird.</span></p>
<p><b>Inwieweit könnte die Neutralität in Zukunft ein Hindernis sein, wenn Österreich sich stärker an der europäischen Verteidigungspolitik beteiligen möchte?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich sehe da kein Hindernis. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind innerstaatlich gelegt. Es ist eher eine politische Frage, was man noch als mit der Neutralität vereinbar argumentieren kann. Ich glaube, dass die Diskussion eher in die Richtung gehen sollte, was der Beitrag ist, den wir innerhalb Europas leisten wollen. Ist es nachvollziehbar, dass wir Solidarität von anderen Staaten erwarten würden, aber anscheinend nicht bereit sind, uns solidarisch zu zeigen? Darüber sollten wir nachdenken.</span></p>
<p><b>Glauben Sie, dass Österreich auf lange Sicht neutral bleiben kann, oder gibt es Szenarien, in denen eine Aufhebung der Neutralität denkbar wäre?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, Österreich kann schon neutral bleiben, aber man muss die Neutralität neu definieren, im Prinzip neu erfinden. Was uns international sehr unglaubwürdig macht, ist, wenn wir weiterhin eine Neutralität betreiben, die im Endeffekt nicht wirklich mit den neuen geopolitischen Realitäten übereinstimmt. Wir müssen uns austauschen und überlegen, was wir jetzt mit der Neutralität machen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, die da geführt werden muss. Wichtig ist, dass wir uns darüber unterhalten.</span></p>
<p><b>Wie könnte sich eine Veränderung der Neutralität auf die Außenpolitik Österreichs auswirken?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn die Neutralität neu und auch wieder aktiver gedacht wird, dann würde man erwarten, dass Österreich mehr außenpolitische Initiativen setzt und versucht, sich als tatsächlicher Vermittler zu positionieren. Das würde wahrscheinlich bedeuten, dass die österreichische Außenpolitik wieder mehr an Kontur gewinnt.</span></p>
<p><b>Was bedeutet es, wenn Österreich sich als Vermittler platziert?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das heißt, dass man zunächst einmal das Vertrauen der Konfliktparteien hat, dass man auch die Konfliktdynamiken kennt und dass man in der Lage ist, die Konfliktakteure an einen Tisch zu bringen, wie es die Norweger immer wieder gemacht haben. Das würde dann konkret bedeuten, dass man wirklich fähig ist, Kommunikationskanäle zwischen zwei Parteien herzustellen, dass man es ermöglicht, dass Positionen ausgetauscht werden und dass man über Friedensabkommen nachdenkt.</span></p>
<p><b>Ist es vorstellbar, dass Österreich in Zukunft eine aktivere Rolle in internationalen Friedensmissionen oder Konfliktlösungen einnimmt?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Klar. Sowieso. Aber das ist eine Frage der Ressourcen. Man muss solche Vermittlerrollen wirklich aufbauen. Das geht nicht von jetzt auf gleich, das muss man kultivieren, da muss man investieren, da braucht man Expertise dafür. Die Neutralität alleine kann das nicht ausmachen.</span></p>
<p><b>Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen, wie könnte Österreichs Außen- und Sicherheitspolitik im Jahr 2050 aussehen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich wünsche mir, dass in Österreich – und da meine ich auch die Bevölkerung – das Bewusstsein wächst, dass wir uns, gerade weil wir ein kleines Land sind, sehr intensiv mit Außenpolitik beschäftigen müssen und dass es auch mehr Politiker:innen geben muss, die wirklich Außenpolitik machen. Es gibt immer noch die Sichtweise, dass Außenpolitik für uns irrelevant ist, weil wir ein kleines Land sind, versteckt hinter den NATO-Staaten. Wir sind zwar Mitglied der EU, aber letztlich sind wir ein souveräner Staat und als solcher müssen wir Außenpolitik betreiben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich erwarte, dass auch in Österreich in den nächsten Jahren ein gewisses Umdenken stattfinden wird: Dass man sich nicht hinter diesem Neutralitätsstatus verstecken kann und dass man darüber nachdenkt, wie man in Europa solidarisch handeln kann. Es wird Zeit brauchen, es wird auch Arbeit im Inneren brauchen, aber es wird auf jeden Fall in den nächsten Jahren kommen. Ich gehe nicht davon aus, dass Österreich in absehbarer Zeit die Neutralität aufgeben wird. Aber ich würde schon hoffen, dass wir das Verhältnis von Solidarität und Neutralität austarieren.</span></p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/wohin-mit-der-neutralitaet-ein-gespraech-ueber-die-oesterreichische-aussenpolitik/">Wohin mit der Neutralität? Ein Gespräch über die österreichische Außenpolitik</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/politik/wohin-mit-der-neutralitaet-ein-gespraech-ueber-die-oesterreichische-aussenpolitik/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Trump ist nur der erste Dominostein</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/trump-ist-nur-der-erste-dominostein/</link>
					<comments>https://www.unipress.at/politik/trump-ist-nur-der-erste-dominostein/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hannah Mayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Nov 2024 12:49:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=21050</guid>

					<description><![CDATA[<p>Nach der Wiederwahl Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten steht viel auf dem Spiel. Seine erste Amtszeit war bereits turbulent, nicht nur für die USA, sondern auch für die internationalen&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/trump-ist-nur-der-erste-dominostein/">Trump ist nur der erste Dominostein</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><i><span style="font-weight: 400;">Nach der Wiederwahl Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten steht viel auf dem Spiel. Seine erste Amtszeit war bereits turbulent, nicht nur für die USA, sondern auch für die internationalen Beziehungen. Was können wir von seiner Rückkehr in die Rolle des Regierungschefs einer Weltmacht erwarten?</span></i></div>
<p><span id="more-21050"></span></p>
<div>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn es etwas gibt, das die ersten vier Jahre unter Trump gezeigt haben, dann, dass er in seinen politischen Entscheidungen unberechenbar ist. Das macht es für den Rest der Welt umso schwieriger, sich auf die Zukunft unter einer zweiten Trump-Präsidentschaft vorzubereiten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine zweite Amtszeit von Trump ist in vielerlei Hinsicht eine Gefahr für das amerikanische Volk. Aber nicht nur Amerika wird wahrscheinlich unter Trumps Herrschaft leiden. Die demokratische Welt als Ganzes könnte auf dem Weg dorthin ein paar Schläge einstecken.</span></p>
<h3><strong>Ganz nach dem Motto „America First“</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Während seiner gesamten Wahlkampagne bestand Trumps häufigste Strategie darin, seine politischen Gegner zu verunglimpfen und Versprechungen zu machen, für die er keine konkreten Handlungsschritte nennen konnte. Allerdings hat er offen über seine menschenrechtsverachtenden Pläne gesprochen, medizinische Abtreibungen zu verbieten und Randgruppen zu diskriminieren. Er verspricht die Massendeportation von elf Millionen undokumentierten Einwanderern, das Schließen der südlichen Grenzen und die Abschaffung der angestammten Staatsbürgerschaft. Höhere Zölle und eine Reform des nationalen Gesundheitssystems in Zusammenarbeit mit dem Impfgegner Robert F. Kennedy stehen auch auf dem Programm. Außerdem kündigte er an, die USA würden unter seiner Präsidentschaft erneut aus dem Pariser Klimaabkommen austreten, obwohl die Vereinigten Staaten laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) zu den größten Kohlenstoffdioxidemittenten unter den G20-Staaten zählen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Nichtsdestotrotz war das Ergebnis eindeutig. Trump gewann die Wahl und hat selbst bei (weißen) Frauen, Latinos und queeren Wählern gut abgeschnitten. Für viele Wähler:innen überwog die Unzufriedenheit mit der Biden-Regierung, und ein ausschlaggebender Grund, der viele dazu brachte, für ihn zu stimmen, war die Wirtschaft. Doch seine Pläne für die amerikanische Wirtschaft kommen nicht dem einfachen Volk zugute. Sie begünstigen die Reichen. Denn Trump ist nicht der Mann des Volkes, als den ihn seine Wähler:innen hinstellen.</span></p>
<h3><strong>Die Geburtsstunde eines Diktators?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Trump macht kein Geheimnis aus seiner Faszination für die Diktatoren des 21. Jahrhunderts wie Putin und aus seinen eigenen diktatorischen Zügen, die er nach eigener Aussage zumindest am ersten Tag nach seiner Rückkehr ins Amt zeigen will. Sein Wunsch, in die Fußstapfen der Diktatoren dieser Welt zu treten, wurde von Trumps ehemaligen Stabschef John Kelly bestätigt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Er hat bereits damit gedroht, seine politischen Gegner durch das Justizministerium verfolgen zu lassen. Und er hat sich bereit erklärt, 2028 noch einmal zu kandidieren. Dafür müsste er den Verfassungszusatzartikel über die rechtlich zulässige Amtszeit von US-Präsidenten ändern, der maximal zwei Amtsperioden erlaubt. Da hierfür aber Zwei-Drittel-Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat und zusätzlich noch drei Viertel der Staaten nötig wären, ist das sehr unwahrscheinlich. </span></p>
<h3><strong>Was ist realistisch?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Fakt ist, dass die Republikaner auch in diesem Wahlkampf erneut die Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus gewonnen haben. Das bedeutet, dass Trump den Kongress auf seiner Seite hat und es somit leichter für ihn sein wird, seine Wahlversprechen durchzubringen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Seine Paranoia gegenüber politischen Gegnern und angeblichen Verrätern im eigenen Land hat ihren Ursprung in seiner ersten Amtszeit: Damals versuchten Angehörige seines Kabinetts, manche seiner Maßnahmen zu verhindern, die sie für untragbar hielten. Es ist möglich, dass er dieses Mal viel mehr Macht ausüben kann, wenn er sein Versprechen einlöst, seine Gegner zu verfolgen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei seiner Auswahl für die jetzige Trump-Administration beschränkt er sich ausschließlich auf brennende Befürworter seiner Politik. Viele von ihnen sind kontrovers bis fragwürdig –  Trump legt für seine Regierung großen Wert auf die frühere Medienpräsenz seiner Nominierten. Einige von ihnen waren bis vor kurzem Moderatoren des rechtskonservativen Senders Fox News und wurden nun auf Posten wie Verteidigungs- oder Verkehrsminister befördert. Elon Musk erhielt einen Posten, der eigens für ihn geschaffen wurde. Sie in sein Team zu integrieren, kann ein strategischer Schachzug sein, der es ihm ermöglicht, ungehindert zu agieren. Es kann aber auch ein Eigentor sein, wenn sie sich als Amateure erweisen. Tatsache ist: Trumps Kabinett gleicht einem Gruselkabinett.</span></p>
<h3><strong>Weltweite Konsequenzen</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Spürbar ist jedenfalls die klare Distanzierung der USA hinweg von ihrer Rolle als Hüter der liberalen internationalen Ordnung hin zur egozentrischen Priorisierung der eigenen Nation. Was aus der demokratischen Welt ohne ihren Hegemonen wird, steht in den Sternen geschrieben. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die USA spielen eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft und in internationalen Organisationen wie der NATO. Ein vollständiger Rückzug der USA aus der NATO ist zwar unwahrscheinlich. Aber unter Präsident Trump wird man sich nicht mehr darauf verlassen können, dass die USA ihre schützende Hand über Europa halten. Europa wird stärker auf sich selbst gestellt sein und lernen müssen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das stellt den Kontinent vorerst auf eine harte Probe. Vor allem, wenn Putin die Schwäche Europas für seinen Krieg gegen die Ukraine nutzt. Trump hat im Wahlkampf behauptet, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine innerhalb eines Tages beenden zu wollen. Eine Strategie dafür konnte er jedoch nicht nennen. Mehr Unterstützung für die Ukraine ist von Trump nicht zu erwarten. Im Gegenteil könnte er versuchen, das Land zur Akzeptanz einer Verhandlungslösung mit Russland, inklusive substanziellen Gebietsverlusten, zu zwingen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Weltwirtschaftlich ist damit zu rechnen, dass ein Güterhandel mit den USA künftig sehr teuer wird. Der europäische Markt ist stärker vom Handel mit den USA abhängig als umgekehrt. Als exportorientierte Länder werden vor allem Österreich und Deutschland besonders betroffen sein. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass ein Handelskrieg unter Trump Deutschland bis zu 180 Milliarden Euro kosten könnte. </span></p>
<h3><strong>Trump als Vorbild für Europas Rechte?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Wiederwahl eines verurteilten Kriminellen und Sexualstraftäters zum US-Präsidenten wird wahrscheinlich ein falsches Vorbild für Europa sein, das ebenfalls einen Rechtsruck erlebt. Es könnte ein Zeichen der Hoffnung für stolze Faschisten sein, und eine Gelegenheit für rechte Parteien, ihre Agenda voranzutreiben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Parteien sind nämlich gerade auf Siegeszug: Bei der Nationalratswahl im September sowie der Landtagswahl in der Steiermark ging die FPÖ als stärkste Kraft hervor. Während der Chef der FPÖ Steiermark Mario Kunasek mit großer Sicherheit Landeshauptmann werden wird, versuchen im Bund drei Parteien, eine Regierung ohne die Blauen auf die Beine zu stellen. Ob die Verhandlungen Erfolg haben, wird sich zeigen. Generell bleibt es spannend: Im Burgenland stehen im Januar 2025 die Landtagswahlen an. In größerem Umfang wird es in Deutschland wahrscheinlich im Februar nächsten Jahres zu Neuwahlen kommen, nachdem die Ampelkoalition am selben Tag, an dem Trump Präsident geworden ist, zusammengebrochen ist. Die Landtagswahlen des vergangenen Jahres haben das Erstarken rechter Parteien in Ostdeutschland gezeigt. Auch die Union rückt weiter nach rechts, und laut Prognosen würde sie derzeit die meisten Stimmen erhalten, wenn heute gewählt würde. Und mit der rechtsextremen AfD als zweitstärkste Kraft in der Wählergunst sieht es im Nachbarland nach einer regelrechten rechten Zeitenwende aus. Trump war wohl erst der Anfang.</span></p>
</div>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/trump-ist-nur-der-erste-dominostein/">Trump ist nur der erste Dominostein</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.unipress.at/politik/trump-ist-nur-der-erste-dominostein/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
