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	<title>Elena Rieger, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Gipfeln und Gemeinschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 12:17:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UNIpress Unterwegs]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer sich am Semesterende mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Studierender auf ein USI-Wanderwochenende ins Stubaital begibt, sollte mit allerlei Überraschungen, Denkanstößen und Anekdoten rechnen. Langeweile? Die haben wir im Tal&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Wer sich am Semesterende mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Studierender auf ein USI-Wanderwochenende ins Stubaital begibt, sollte mit allerlei Überraschungen, Denkanstößen und Anekdoten rechnen. Langeweile? Die haben wir im Tal gelassen.</span></div>
<p><span id="more-22302"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Welcher Berg hier ist der höchste? Schätzt mal.“ Es ist eines dieser Rätsel, die auf einer Hütte länger andauern, als sie eigentlich müssten. Ein paar Blicke wandern über die Gipfelkette. Es wird gezeigt, verworfen, neu überlegt. Eigentlich erstaunlich, womit man sich nach einem langen Aufstieg beschäftigen kann. Vielleicht verschiebt so ein Wochenende im Gebirge einfach die Maßstäbe. Unten wird der Alltag in Terminen und To-Dos vermessen, hier oben beschäftigt uns minutenlang die Frage, welcher Felszacken  ein paar Höhenmeter mehr misst als der daneben. Die Antwort hätte in Sekunden auf dem Bildschirm gestanden. Aber sie durfte warten. Gespräche kommen und gehen wie die Wolken, man setzt sich zu Leuten, die man gestern noch nicht kannte und ist im Hier und Jetzt präsent. Man lebt für drei Tage aus einem vollgepackten Rucksack, übernachtet mit Schlafsack im Matratzenlager, tauscht urbanen Komfort gegen eine schöne Form von Einfachheit, die sich irgendwo zwischen Kartenspielen, Kartenlesen und den kleinen Augenblicken der Stille von selbst einstellt. Vielleicht habe ich mir nicht gemerkt, welcher Berg hier der höchste ist, aber ich habe Erinnerungen mitgenommen an Stunden, die sich weder gedrängt noch gedehnt anfühlten. An gemeinsames Staunen, Scherzen, Schweigen. Und an die Leichtigkeit, mit der aus Einzelnen ein Miteinander wurde</span></p>
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		<title>Wenn ich an Instagram denke …</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 11:32:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor eineinhalb Jahren habe ich Instagram gelöscht. Die Plattform spielt für mich seither kaum noch eine Rolle. Gleichzeitig ist der Umgang mit sozialen Medien stärker in den Fokus gesellschaftlicher und&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Vor eineinhalb Jahren habe ich Instagram gelöscht. Die Plattform spielt für mich seither kaum noch eine Rolle. Gleichzeitig ist der Umgang mit sozialen Medien stärker in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Diskussionen gerückt. Zeit, nochmals genauer hinzusehen.</div>
<p><span id="more-22262"></span></p>
<p><strong>November 2024</strong>. Als ich damals über mein Verhältnis zu Instagram schrieb, ging es nicht um einen dramatischen Abschied von Social Media. Vielmehr ging es um eine App, die für mich längst mehr war als nur Unterhaltung. Instagram war Gewohnheit, Zeitvertreib, Ablenkung und manchmal auch Anlass für Vergleiche, die weder besonders hilfreich noch besonders realistisch waren. Die Entscheidung, Abstand zu gewinnen, entstand deshalb nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung sozialer Medien, sondern aus der Frage, welchen Platz sie eigentlich in meinem Alltag einnehmen sollten. Heute dient Instagram für mich vor allem als Beispiel für eine größere Entwicklung. Kaum eine andere Plattform hat die vergangenen Jahre so geprägt. Sie bündelt damit viele der Fragen, die soziale Medien aufwerfen.</p>
<h3>… denke ich an Austausch</h3>
<p>Die Frage, ob man ohne Instagram etwas verpasst, taucht bis heute regelmäßig auf. Die ehrliche Antwort lautet: natürlich. Ich habe Trends verpasst, deren Namen ich wahrscheinlich falsch aussprechen würde, neue Funktionen, die kurz als Revolution gefeiert wurden, und vermutlich auch einige virale Aufreger, die schon wieder verschwunden waren, bevor ich überhaupt von ihnen gehört habe. Manchmal erfahre ich erst später von einem schicken Urlaub, einem neuen Beziehungsstatus oder einem Meme, das mir sofort fünf Leute geschickt hätten.</p>
<p>Gleichzeitig hat sich etwas bestätigt, das ich damals nur vermutet habe: Die Menschen, deren Leben mich wirklich interessiert, bleiben auch ohne Feed Teil meines Alltags. Neuigkeiten erreichen mich über Sprachnachrichten – teils in Podcastlänge –, Telefonate, Kaffeeklatsch oder zufällige Begegnungen. Das mag weniger effizient sein als ein kurzer Blick auf eine Story oder ein schnell verteiltes Herz unter einem Beitrag, fühlt sich aber echter an. Statt Ausschnitte aus einem Wochenende zu sehen, höre ich die Geschichte dahinter.</p>
<h3>… denke ich an Reaktionen</h3>
<p>Ebenso Teil der Erfahrung waren nach und nach die Reaktionen auf mein unangekündigtes Instagram-Aus. Überraschend viele Kontakte reagierten mit Anerkennung. „Respekt“, hörte ich häufiger als erwartet. Nicht selten folgte darauf ein Satz wie: „Eigentlich würde ich auch gerne weniger Zeit auf Social Media verbringen.“ Fast jede Unterhaltung über meinen fehlenden Account entwickelte sich irgendwann zu einem Gespräch über Bildschirmzeiten, endloses Scrollen oder die Frage, warum es so schwer ist, Gewohnheiten zu ändern, die man selbst längst kritisch sieht.</p>
<p>Dabei wäre es falsch zu behaupten, mir sei das von Anfang an leichtgefallen. In den ersten Wochen war mein Verhältnis zu Instagram in etwa so konsequent wie das vieler Menschen zu Dating-Apps: gelöscht, wieder installiert, erneut gelöscht und kurz darauf doch wieder geöffnet. Erst mit der Zeit verschwand der Reflex, die nicht vorhandene App aus Gewohnheit anzuklicken. Vereinzelt gab es auch irritierte Nachfragen. Eine Person war eine Zeit lang überzeugt, ich hätte sie blockiert. Eine andere fragte, ob ich „überhaupt noch existiere“. Offenbar wirkt es inzwischen verdächtiger, keinen Instagram-Account zu haben, als einen zu besitzen.</p>
<div id="attachment_22267" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22267" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22267" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22267" class="wp-caption-text">Bye Likes. Bild: Unsplash</p></div>
<h3>… denke ich an Vergleiche</h3>
<p>Eine Veränderung habe ich erst mit etwas zeitlichem Abstand bemerkt. Früher wurden viele Momente von der Frage begleitet, ob daraus ein gutes Foto entstehen könnte. Ein schönes Café, ein Konzert oder ein besonders gelungenes Abendessen waren zwar in erster Linie Erlebnisse – gleichzeitig aber potenzieller Content. Die Kamera saß gewissermaßen mit am Tisch. Damit verbunden war auch ein subtiler Anspruch, Situationen so festzuhalten, dass sie im Nachhinein „gut aussehen“ könnten – ein Effekt, der in Studien zu sozialen Medien häufig mit gesteigertem Selbstdarstellungs- und Optimierungsdruck beschrieben wird.</p>
<p>Heute fotografiere ich immer noch regelmäßig. Der Unterschied liegt weniger im Bild als im Gedanken davor. Viele Fotos bleiben auf meinem Handy oder werden spontan an Freund:innen geschickt. Parallel dazu ist auch etwas anderes weniger geworden: der ständige Vergleich mit anderen. Natürlich vergleichen sich Menschen nicht erst seit Instagram miteinander. Soziale Medien verstärken diesen Mechanismus jedoch, weil sie fortlaufend idealisierte Ausschnitte aus dem Alltag anderer sichtbar machen. Irgendjemand scheint immer produktiver, erfolgreicher, sportlicher oder glücklicher zu sein. Ohne den permanenten Strom kuratierter Bilder meldet sich dieser Vergleichsmodus deutlich seltener zu Wort.</p>
<h3>… denke ich an digitale Pausen</h3>
<p>Als ich mir 2024 Gedanken über Instagram machte, wirkte „Digital Detox“ noch ein wenig wie ein Lifestyle-Konzept für Menschen, die ihr Smartphone übers Wochenende in eine Holzbox sperren und dabei grünen Selleriesaft trinken. Mittlerweile ist daraus beinahe Mainstream geworden. Unter Schlagworten wie „Dopamin Detox“ oder „Digital Minimalism“ versprechen Bücher, Podcasts und Influencer:innen mehr Fokus, bessere Konzentration und ein entspannteres Leben. Ausgerechnet das Offline-Sein selbst hat inzwischen eine eigene Ästhetik entwickelt – inklusive Morgenroutine, Waldspaziergang, Meditation und dem obligatorischen Post darüber, wie gut es tut, weniger online zu sein.</p>
<p>Ein genauerer Blick auf den Trend zeigt zudem, dass nicht alle Behauptungen gleichermaßen überzeugend sind. Gerade das populäre Konzept des „Dopamin Detox“ wird von Forschenden oft kritisch gesehen. Der Begriff suggeriert, man könne das Gehirn gewissermaßen von zu vielen Reizen reinigen oder auf einen gesünderen Ausgangszustand zurücksetzen. So funktioniert Dopamin allerdings nicht, da dieser Botenstoff an zahlreichen Prozessen beteiligt ist und sich nicht einfach „entgiften“ lässt. Dass geringere Ablenkung trotzdem wohltuend sein kann, steht auf einem anderen Blatt. Entscheidend ist weniger ein „Reset“ des Gehirns als der bewusste Umgang mit begrenzter Aufmerksamkeit.</p>
<div id="attachment_22268" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22268" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22268" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22268" class="wp-caption-text">Auch das Offline-Sein hat inzwischen seine eigenen Klischees. Bild: Elena Rieger</p></div>
<h3>… denke ich an junge Nutzer:innen</h3>
<p>Wie sehr sich diese Begrenzung der Aufmerksamkeit im Alltag zeigt, wird besonders dort sichtbar, wo soziale Medien früh zur Selbstverständlichkeit werden: bei jungen Nutzer:innen. In Australien gelten bereits strengere Regeln für den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 16-Jährige. Auch in Europa werden ähnliche Maßnahmen immer wieder thematisiert. In Österreich hat die Bundesregierung 2026 ein Mindestalter von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke wie Instagram, TikTok oder Snapchat beschlossen, das gesetzlich verankert werden soll. Auslöser sind unter anderem wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung, psychischer Belastung, Schlafproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten bei Jugendlichen.</p>
<p>Auch wenn solche Regelungen häufig als Eingriff in digitale Freiheit gesehen werden, verweisen sie auf Entwicklungen, die sich besonders bei jungen Menschen zeigen. Die Nutzung besteht selten nur aus einzelnen Momenten, sondern aus dauerhaften Routinen: regelmäßige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen, der direkte Vergleich mit anderen und eine ständige Verfügbarkeit, die kaum bewusste Abgrenzung zulässt. Gerade in Verbindung mit Schule, Freizeit und sozialen Beziehungen entstehen dadurch digitale Gewohnheiten, die den Alltag stark mitprägen können. Dass darüber inzwischen nicht nur in Familien und Klassenzimmern, sondern auch auf politischer Ebene gesprochen wird, überrascht vor diesem Hintergrund kaum.</p>
<div id="attachment_22269" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22269" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22269" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22269" class="wp-caption-text">Jung, online – ohne Grenzen? Bild: Unsplash</p></div>
<p><strong>Juni 2026</strong>. Die vielleicht größte Überraschung meiner letzten eineinhalb Jahre besteht darin, dass aus einem Schritt irgendwann etwas Selbstverständliches geworden ist. Instagram ist weiterhin Teil des digitalen Alltags vieler Menschen, zugleich aber auch Gegenstand kritischer Einordnung, neuer Regeln und veränderter Gewohnheiten. Meine Welt ist ohne die App weder größer noch kleiner geworden, sondern vielmehr anders strukturiert. Denn während ich früher regelmäßig an Instagram dachte, passiert heute oft das Gegenteil: Ich vergesse, wie präsent es einmal war.</p>
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		<title>Was du heute kannst besorgen…</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 10:25:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Aufgaben bleiben liegen, weil der Anfang eine Entscheidung erfordert, die gern aufgeschoben wird. Was daraus wird, heißt Prokrastination: Planen, Prüfen und Perfektionieren. Dann schauen wir weiter. Ich habe lange&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Viele Aufgaben bleiben liegen, weil der Anfang eine Entscheidung erfordert, die gern aufgeschoben wird. Was daraus wird, heißt Prokrastination: Planen, Prüfen und Perfektionieren. Dann schauen wir weiter.</div>
<p><span id="more-22227"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Text beginnen soll – so lange, dass das eigentliche Problem bereits im Raum stand, bevor der erste Satz existierte. Statt zu schreiben, habe ich mich vorbereitet, optimiert, mental eingestimmt und dabei eine gewisse Ausdauer darin entwickelt, genau das zu vermeiden, was ich eigentlich tun wollte. Prokrastination ist in meinem Studienalltag kein Ausrutscher, sondern ein erstaunlich stabiles System, und je länger ich sie beobachte, desto deutlicher wird: Es geht weniger um Zeitmanagement als um Entscheidungsfindung – oder genauer gesagt um die Kunst, Entscheidungen so lange hinauszuzögern, bis sie sich von selbst erledigen. Was sie natürlich nie tun. </span></p>
<h3>Vielleicht morgen?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Woche vor Redaktionsschluss. Ich neige dazu, das Aufschieben sehr ernst zu nehmen: Wenn ich schon prokrastiniere, dann gründlich. Ich recherchiere, ich strukturiere, ich öffne Dokumente, um sie wieder zu schließen und entwickle dabei das beruhigende Gefühl, mich dem Schreiben zumindest konzeptionell zu nähern. Tatsächlich ist das eine ziemlich elegante Selbsttäuschung, denn sie erlaubt mir, beschäftigt zu sein, ohne mich festlegen zu müssen. Und genau darin liegt der Reiz: Solange ich nicht anfange, kann ich auch nichts falsch machen – eine Logik, die kurzfristig hervorragend funktioniert und langfristig zuverlässig scheitert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Psychologie ist an dieser Stelle recht unsentimental und nimmt mir jede Ausrede mit professioneller Gelassenheit auseinander: Prokrastination hat weniger mit Faulheit zu tun als mit Emotionsregulation und ist auf ihre Art und Weise ein sehr konsequenter Umgang mit Entscheidungen – nur eben ein unproduktiver. Man schiebt nicht auf, weil man grundsätzlich nichts tun will, sondern um sich vor dem unangenehmen Gefühl zu drücken, das mit dem Anfangen einhergeht – dieser Mischung aus Unsicherheit und dem Verdacht, dass der erste Satz wahrscheinlich nicht gleich von epochaler Genialität sein wird. Dass dieses Gefühl verschwindet, sobald man ins Tun kommt, ist bekannt; dass man trotzdem nichts tut, leider auch.</span></p>
<h3>Los jetzt, aber wie?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Drei Tage vor der Deadline. Mein eigentliches Problem ist selten die Aufgabe selbst, sondern die Frage, wie ich sie beginne. </span><i><span style="font-weight: 400;">Schreibe einen Artikel über Prokrastination.</span></i><span style="font-weight: 400;"> Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen, mögliche Einstiege zu formulieren, sie gedanklich zu verwerfen und durch neue zu ersetzen, die ich ebenfalls nicht schreibe. Es ist ein bemerkenswert produktiver Stillstand: Ich treffe Entscheidungen, ohne sie umzusetzen, und halte mir so alle Optionen offen – ein Zustand, der sich intellektuell anspruchsvoll anfühlt, praktisch aber nichts hervorbringt. Der erste Satz ist deshalb weniger ein Anfang als ein Abschied von allen anderen möglichen ersten Sätzen. Und Abschiede schiebe ich offenbar gerne auf. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22229 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-scaled.jpg" alt="" width="660" height="440" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></span></p>
<div class="bildunterschrift">Hier sollte ich schreiben. Tue es aber (noch) nicht. (Quelle: Elena Rieger)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist kein individuelles Talent, sondern ein gut dokumentiertes Phänomen. In der Entscheidungsforschung wird beschrieben, dass eine große Auswahl nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führt, sondern oft genau das Gegenteil bewirkt: Aufschub oder komplette Vermeidung. Genauer gesagt „Choice Overload”, also eine Überforderung durch Möglichkeiten, bei der jede zusätzliche Option nicht als Gewinn, sondern als kognitive Belastung wirkt. Je mehr Varianten zur Verfügung stehen, desto stärker tritt ein paradoxes Kalkül in Kraft: Man wägt länger ab, antizipiert mögliche Fehlentscheidungen und verliert sich in hypothetischen Alternativen, bis die eigentliche Entscheidung zur größten Hürde wird. Prokrastination ist in diesem Sinne keine Verweigerung, sondern eine Art Strategie: Solange man nichts entscheidet, kann man sich auch nicht falsch entscheiden.</span></p>
<h3>Passt das so?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Vierundzwanzig Stunden vor der Deadline. Ein weiterer, weniger schmeichelhafter Grund für mein Aufschieben ist der Anspruch, dass das Ergebnis gut sein soll, idealerweise sofort. Ich hätte diesen Text gerne in einer Version begonnen, die bereits halb fertig wirkt, was ungefähr so realistisch ist wie ein leerer Kühlschrank, der sich von selbst füllt, wenn man lange genug davor steht. Dieser Anspruch ist nicht laut oder dramatisch, eher ein stiller Begleiter, der sich bei jedem Gedanken einmischt und fragt, ob das schon reicht – und genau dadurch verhindert, dass etwas vollendet wird, das reichen könnte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Forschung nennt das dysfunktionalen Perfektionismus, ich nenne es einen sehr höflichen Saboteur. Er tritt nicht aggressiv auf, sondern argumentiert sachlich: „Vielleicht noch nicht anfangen, vielleicht erst, wenn alles passt.“ Die Schwierigkeit ist nur, dass „Alles passt!“ ein Zustand ist, der sich hartnäckig weigert, vor dem Loslegen einzutreten. Genau darin liegt sein Effekt, denn er verschiebt den Maßstab vom Fortschritt zur Fehlervermeidung. Dieser Typ Perfektionismus geht weniger mit besseren Ergebnissen als mit einer höheren Aufschieberate einher, weil er den Einstieg blockiert und Handlung durch Abwägung ersetzt. „Gut“ wird dabei zu einer Art beweglichem Ziel, das sich immer ein Stück weiter entfernt, sobald man sich ihm nähert – und deshalb unerreichbar bleibt, solange man nicht trotzdem beginnt. </span></p>
<h3>Was wäre da noch?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Sechzig Minuten vor der Deadline. In einer spontanen Befragung einiger Kommiliton:innen, die ich – konsequent – ebenfalls aufgeschoben habe, zeigen sich ähnliche Muster. Oft wird erwähnt, dass man Aufgaben nicht beginnt, weil man nicht weiß, wie man anfangen soll; weil man befürchtet, das Ergebnis könnte nicht gut genug sein; oder weil man sich darauf verlässt, unter Zeitdruck produktiver zu werden. Letzteres wird mit einer Sicherheit vorgetragen, die beeindruckend ist, wenn man bedenkt, wie oft sie der eigenen Erfahrung widerspricht. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auffallend sind weniger die Begründungen als die Selbstverständlichkeit des Prokrastinierens. Die „Aufschieberitis” wird nicht als Problematik beschrieben, sondern als Teil des studentischen Alltags, fast wie ein inoffizielles Modul im Studium, das Dutzende belegen, ohne sich angemeldet zu haben. Auch der Zeitdruck gehört offenbar bereits zum Konzept: Er ist nicht nur Folge des Prokrastinierens, sondern wird fast einkalkuliert, als notwendiger Startschuss, der die Entscheidung ersetzt, rechtzeitig zu beginnen. Man kennt die Mechanismen, man erkennt sie bei anderen, und trotzdem wiederholt man sie selbst. Vielleicht, weil sie kurzfristig funktionieren und langfristig nur dann stören, wenn es zu spät ist, sie noch zu ignorieren. </span></p>
<h3><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-22230" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-scaled.jpg" alt="" width="2021" height="2560" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-scaled.jpg 2021w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-237x300.jpg 237w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-809x1024.jpg 809w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-768x973.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1213x1536.jpg 1213w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1617x2048.jpg 1617w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1920x2432.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1170x1482.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-585x741.jpg 585w" sizes="(max-width: 2021px) 100vw, 2021px" /></h3>
<div class="bildunterschrift">Nicht ganz so entspannt, aber symbolisch: Prokrastination ist wie ein untätiges Dasitzen vor einem Meer aus Entscheidungen. (Quelle: Elena Rieger)</div>
<h3>Na geht doch!</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Nachts. Dreiundzwanzig Uhr irgendwas. Der Moment, in dem ich meinen Text tatsächlich beendet habe, war unspektakulär genug, um ihn fast zu übersehen: Ich habe schrittweise mit dem Schreiben angefangen, ohne mich bereit zu fühlen, ohne einen perfekten Plan und ohne die große Erwartung, dass es besonders geistreich wird. Rückblickend wirkt genau das wie der entscheidende Unterschied. Viele Strategien gegen Prokrastination setzen an dieser Stelle an und versuchen, Entscheidungen zu verkleinern, etwa indem man sich vornimmt, nur einen Absatz zu schreiben oder nur zehn Minuten zu arbeiten – was zunächst nach Selbsttäuschung klingt, aber erstaunlich effektiv ist. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Denn Motivation entsteht oft erst im Tun. Sobald man begonnen hat, wird aus der Angst vor dem Anfangen eine Entscheidung für das Weitermachen, und die fällt, zu meiner eigenen Überraschung, deutlich leichter. Das bedeutet nicht, dass Prokrastination verschwindet, aber sie verliert ihren größten Vorteil – die Kontrolle über den Anfang. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die sich fast widerwillig einstellt: So schwer war&#8217;s wirklich nicht. Dieser Artikel ist nicht trotz, sondern wegen der Aufschieberei entstanden. Sie hat ihn verzögert, aber auch strukturiert, hat mich gezwungen, meine eigenen Ausweichbewegungen zu beobachten und sie ernst genug zu nehmen, um darüber zu schreiben. Die Prokrastination verschiebt den Anfang, vergrößert den Druck und hält die Illusion aufrecht, dass später der bessere Zeitpunkt sei. In Wirklichkeit ist dieser Zeitpunkt erstaunlich belanglos: Er beginnt genau dort, wo man aufhört, ihn weiter nach hinten zu verschieben – idealerweise noch vor der Deadline.</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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		<title>One click to community?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2025 11:30:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir sind ständig vernetzt – doch sind wir wirklich verbunden? Immer wieder stellt sich die Frage, ob Social Media tatsächlich Gemeinschaft schaffen kann. Wie schmal der Grat zwischen digitaler Nähe&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Wir sind ständig vernetzt – doch sind wir wirklich verbunden? Immer wieder stellt sich die Frage, ob Social Media tatsächlich Gemeinschaft schaffen kann. Wie schmal der Grat zwischen digitaler Nähe und realer Distanz sein kann, erklärt die Soziologin Lisa Waldenburger.</span></div>
<p><span id="more-21789"></span></p>
<p><strong><em>Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserer Printausgabe </em>Zusammen-Sein<em> im Sommersemester 2025.</em></strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In meinem individuellen Umgang mit Instagram habe ich erlebt, wie sich aus spontanen Blicken in den Feed oft ein Gefühl der Isolation und Unzufriedenheit entwickelte. Die App bot ein Meer an digitalen Kontakten, doch irgendwann fragte ich mich, ob sie mir mehr nahm, als sie mir gab: Selbstwert, persönliches Glück und vor allem Zeit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Soziale Medien bringen Freunde und Fremde zusammen und bieten Raum für Austausch. Doch sie verändern auch, wie wir uns selbst darstellen und was wir als echte Verbundenheit empfinden. Likes und Kommentare schaffen Nähe auf Knopfdruck – aber wie viel davon ist echt? Lisa Waldenburger, Soziologin an der Universität Innsbruck, forscht zu dieser Thematik. Ihre Fachgebiete umfassen unter anderem digitale Kultur, Mediensoziologie und aktuelle Gesellschaftstheorien. Sie betrachtet kritisch, wie soziale Medien unser Verständnis von Beziehungen formen und betont: In der Welt von Social Media zählt oft mehr der Schein als das Sein.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;"><strong><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21798 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-scaled.jpg" alt="" width="531" height="354" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Lisa-Waldenburger-Soziologin-an-der-Universitaet-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 531px) 100vw, 531px" /></strong></span></h3>
<div class="bildunterschrift">
<p class="p1">Lisa Waldenburger, Soziologin an der Universität Innsbruck. Foto: Lisa Waldenburger</p>
</div>
<h3><span style="font-weight: 400;"><strong>Gemeinschaft im Wandel</strong> </span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Soziologie bezeichnet der Gemeinschaftsbegriff allgemein das menschliche Zusammenleben in engen, vertrauten Beziehungen – sei es innerhalb von Familien, Freundeskreisen oder Nachbarschaften. Eigenschaften wie Nähe, Solidarität und gegenseitige Unterstützung stehen im Zentrum. Das hat sich auch durch die Digitalisierung nicht geändert. Stark verändert hat sich jedoch die Rolle, die Gemeinschaften in unserem Alltag spielen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Unser Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend beschleunigt“, erklärt Lisa Waldenburger und verweist auf den Soziologen Hartmut Rosa. Mehr Möglichkeiten, Kontakte und Alternativen – auch durch Social Media. Der Kaffee mit einer Freundin konkurriert plötzlich mit zahllosen digitalen Optionen. Gleichzeitig entstehen ganz neue Formen der Gemeinschaft, etwa Fan-Communities, deren Mitglieder sich ausschließlich online kennen. „Es spricht nichts dagegen, diese digitalen Gemeinschaften als echte Gemeinschaften zu betrachten“, so die Soziologin. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch verändern digitale Plattformen wie Instagram unser Gefühl von Zugehörigkeit? Sicher ist: Zeit, die wir online verbringen, fehlt uns offline. Ein Spaziergang mit dem Handy in der Hand führt selten zu neuen Begegnungen. Gleichzeitig können Verbindungen entstehen, die ohne digitale Kommunikation nicht möglich wären – besonders für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Stigmata. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die klare Trennung zwischen online und offline hält Waldenburger für unzeitgemäß. „Viele unserer sozialen Beziehungen finden mittlerweile in beiden Räumen statt.“ Ein Videoanruf kann genauso verbinden wie ein Gespräch im gleichen Raum. Aber: Soziale Medien sind weniger verbindlich. Ghosting, also plötzlicher Kontaktabbruch ohne Erklärung, ist hier keine Seltenheit – und die sozialen Sanktionen sind gering.</span></p>
<h3><strong>Schein und Schattenseiten</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Design von Instagram verstärkt das Gefühl, immer auf dem Laufenden sein zu müssen – und dabei dennoch zu <img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21802 alignright" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295.jpg" alt="" width="330" height="330" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295.jpg 2448w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-300x300.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-1024x1024.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-150x150.jpg 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-768x768.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-1536x1536.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-2048x2048.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-1920x1920.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-1170x1170.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/mobile-2598295-585x585.jpg 585w" sizes="(max-width: 330px) 100vw, 330px" />verpassen, was wirklich wichtig ist. Studien zeigen, dass kuratierte Inhalte oft den Eindruck hinterlassen, nicht genug zu sein: nicht abenteuerlustig oder erfolgreich genug. Lisa Waldenburger verweist dabei auch auf ihre eigene Forschung: „Die Nutzung sozialer Medien führt bei vielen zu digitalem Stress und der Erfahrung der Entfremdung.”</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während soziale Medien oft zu Entfremdung führen, können sie auch bestehende Beziehungen stützen. Likes und Follower schaffen keine echte Stabilität, doch sie können Verbundenheit signalisieren. Ein Like kann Anerkennung ausdrücken, das Folgen enger Freunde hält sie im Alltag präsent. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Follower, sondern wer dazugehört. So kann Instagram den Austausch erleichtern und Nähe fördern – ohne jedoch persönliche Begegnungen zu ersetzen.</span></p>
<h3><strong>Gemeinschaft oder Bühne?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Besonders komplex ist die Frage, ob Social Media primär Gemeinschaften stärkt oder Selbstdarstellung fördert. Plattformen wie Facebook boten früher mehr Möglichkeiten für den Austausch in Gruppen. Heute steht bei Instagram oft die individuelle Inszenierung im Vordergrund. Doch gerade in politisch bewegten Zeiten zeigen sich auch die gemeinschaftsstiftenden Potenziale sozialer Medien: Aktivismus, geteilte Überzeugungen, Protestbewegungen – das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch was bedeuten soziale Medien für unsere langfristigen Beziehungen? Eine intensive Nutzung digitaler Plattformen kann echte Begegnungen verdrängen. Man trifft sich nicht mehr, weil man das Wochenende der anderen bereits über Stories verfolgt hat. Waldenburger warnt: „Menschen sind soziale Wesen. Die Zeit mit Freunden und Familie ist eine der wichtigsten Resonanzquellen im Alltag.“ </span></p>
<h3><strong>Digital verbunden, aber wirklich nah?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Frage, die noch unklar ist: Können soziale Medien so gestaltet werden, dass sie Gemeinschaft fördern, ohne die mentale Gesundheit der Nutzer:innen zu gefährden? Derzeit sind viele Beiträge von Hass und Beschimpfungen geprägt, was sowohl für direkt Betroffene als auch für die gesamte Community belastend ist. Zusätzlich fördern süchtig machende Funktionen wie der Algorithmus bei Instagram eine verstärkte Nutzung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wichtiger als nur von den Plattformen Lösungen zu erwarten, sei es laut der Soziologin aber, den eigenen Umgang mit Social Media kritisch zu reflektieren. Persönliches Bewusstsein, das Reflektieren der eigenen Nutzung und das Setzen klarer Grenzen können helfen, digitalen Stress zu reduzieren. „Wenn wir wissen, was wir von den sozialen Medien erwarten und bewusst entscheiden, wie und wann wir sie nutzen, können wir sie besser für unsere Bedürfnisse einsetzen“, so Waldenburger. Die Frage ist letztlich nicht, ob Social Media uns verbindet – sondern wie wir es schaffen, diese Verbindungen im echten Leben zu spüren.</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Es zählt der Weg, den man gemeinsam geht“: Gemeinschaft auf Gipfeltour </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 10:42:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den Bergen hält mehr als nur das Seil eine Gruppe zusammen. Vertrauen, Kommunikation und kluge Entscheidungen sind die wahren Sicherungen. Einblicke in die Erfahrungen eines Bergführers. Der Fels ist&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">In den Bergen hält mehr als nur das Seil eine Gruppe zusammen. Vertrauen, Kommunikation und kluge Entscheidungen sind die wahren Sicherungen. Einblicke in die Erfahrungen eines Bergführers.</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Fels ist rau, die Luft dünn, die Schritte müssen sitzen. Wer sich in eine Seilschaft begibt, gibt Verantwortung ab – und nimmt sie gleichzeitig an. Eine solche Gruppe von Bergsteigern ist durch ein Seil miteinander verbunden und sichert sich im Fall eines Fehltrittes gegenseitig ab. Roland Mayrhofer, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, weiß, wie gute Gemeinschaft am Berg funktioniert. Seit 2012 führt er Gruppen sicher durch alpine Herausforderungen – und hat dabei einiges über das Zusammenspiel in einer Seilschaft gelernt. Oft hängt der Erfolg einer Tour weniger vom technischen Können Einzelner ab, sondern vielmehr davon, wie gut die Einheit aller Beteiligten funktioniert. Es ist diese Dynamik, die das Bergsteigen zu einer besonderen Form der Zusammenarbeit macht – eine Zusammenarbeit, in der das gemeinsame Ziel nur erreicht werden kann, wenn alle an einem Strang ziehen.</span></p>
<p><strong>UNIpress: Herr Mayrhofer, was macht für Sie eine gute Seilgemeinschaft aus?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><em>Roland Mayrhofer</em>: Das muss man aus zwei Sichtweisen betrachten. Aus beruflicher Perspektive ist eine gute Seilgemeinschaft, dass ich über die Fähigkeiten aller Gäste Bescheid weiß, diese sich wohlfühlen und ich sie sicher durch den Tag bringe. Im Kontext meiner Freunde und Kletterpartner braucht es für eine gute Seilgemeinschaft immer eine Vertrauensbasis – und natürlich auch eine gewisse Routine. Man kennt sich gut, man hat die Abläufe im Kopf und man ist ein sehr eingespieltes Team.</span></p>
<div id="attachment_21605" style="width: 610px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21605" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21605 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Roland-Mayrhofer-ist-seit-2012-als-Bergfuehrer-.-1-1.jpg" alt="" width="600" height="701" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Roland-Mayrhofer-ist-seit-2012-als-Bergfuehrer-.-1-1.jpg 600w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Roland-Mayrhofer-ist-seit-2012-als-Bergfuehrer-.-1-1-257x300.jpg 257w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Roland-Mayrhofer-ist-seit-2012-als-Bergfuehrer-.-1-1-585x683.jpg 585w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><p id="caption-attachment-21605" class="wp-caption-text">Roland Mayrhofer ist seit 2012 als Bergführer aktiv. Foto: Roland Mayrhofer</p></div>
<p><strong>Wie geht man als Bergführer mit Konflikten oder Unsicherheiten in der Gruppe um?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn ich merke, dass eine Stresssituation auftritt, versuche ich immer, erst zehn Sekunden in mich zu gehen, die Situation zu erfassen und danach in die Entscheidungsphase zu wechseln. Wichtig ist, zuerst einmal zu überlegen: Was kann man jetzt machen und wie kann man die Situation lösen? Was sind externe Einflussfaktoren und was kann ich als Bergführer ändern? Aber mir hilft es immer, mich kurz selbst zurückzunehmen, nicht in Stress zu verfallen oder irgendwelche Aktionen zu starten, die unüberlegt sind. </span></p>
<p><strong>Haben Sie Strategien, um eine motivierende Atmosphäre in der Gruppe zu schaffen?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein ganz wichtiges Thema ist Kommunikation. Man muss die Leute abholen an dem Punkt, an dem sie sich gerade befinden. Man muss herausfinden, was ihre Wünsche und Bedürfnisse sind und was sie brauchen. Ich glaube, allen Beteiligten ist es sehr wichtig, dass sie mündig behandelt werden und man als Bergführer nicht davon ausgeht: „Die laufen hinter mir her und es ist ihnen eh alles egal.“ Ich versuche, den Leuten gezielt zu vermitteln, warum ich Entscheidungen treffe. Außerdem auch ruhig zu bleiben und der Gruppe zu verdeutlichen, dass sie gut aufgehoben ist.</span></p>
<p><strong>Wie bereitet man die Teilnehmenden auch mental auf herausfordernde Situationen vor?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das macht man am besten, indem man ganz klar sagt, wie die Situation ist. Wo sind gewisse Schlüsselstellen? Wo könnten Gefahrenstellen liegen? Wo muss man besonders gut aufpassen? Das ist meine Aufgabe als Bergführer. Bei gewissen Touren, speziell wenn man an das Klettern oder 4000er denkt, bleibt einfach ein gewisses Risiko. Dieses versucht man zwar immer möglichst zu vermeiden, aber man muss darüber aufklären. Das schafft dann eine Basis, mit der man als Gemeinschaft in die Tour geht.</span></p>
<p><strong>Was haben Sie persönlich im Laufe der Jahre über Gemeinschaft gelernt?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mehr auf das Bauchgefühl zu hören und dass es wichtig ist, viel miteinander zu reden. Wir haben es oft in unserem Freundeskreis erlebt, dass man irgendwie das Gefühl hatte, dass die Situation nicht passt oder man nicht darüber gesprochen hat. Dann ist man am Gipfel und hat sich gedacht: „Hm, das war heute aber irgendwie komisch.“ Mir kommt immer vor, dass es wichtig ist, sich vorher genau untereinander abzustimmen. Das ist schon ein Learning im Alpinismus. Auch, dass man sich einmal zurücknimmt und bewusst sagt: „Heute brechen wir ab.“</span></p>
<p><strong>Stichwort moralische Dilemmas im Gebirge: Wie gehen Sie damit um?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist besonders ein Thema, wenn man heterogene Gruppen hat. Es kommt vor, dass ich merke: „Es geht nicht.“ Vielleicht muss ich dann mein Ziel ein bisschen anpassen oder die Tour überhaupt abbrechen. In diesem Fall richtet man sich immer nach dem schwächsten Glied. Wenn man sieht, dass jemand den Herausforderungen überhaupt nicht gewachsen ist und sich falsch eingeschätzt hat, dann muss man ehrlich sein. So etwas geht einfach zu Lasten der restlichen Seilschaft. Es ist sehr individuell, wie man so eine Situation gestaltet, aber es ist wichtig, irgendeine Lösung oder einen Kompromiss für alle zu finden.</span></p>
<p><strong>Inwiefern haben gemeinsame Herausforderungen in den Bergen das Potential, Menschen enger zusammenzuschweißen?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn man gemeinsam unterwegs ist, ist dieses Potential immer gegeben. Man hat beim Bergsteigen einfach sehr starke Erlebnisse, oft viele Emotionen, und man rückt im Gebirge nah zusammen. Das, was uns im Alltag, vielleicht im urbanen Raum, oft nicht so ganz gelingen will, ist in einer Seilschaft unerlässlich. Hier ist man nicht bloß für sich. Man ist voneinander abhängig und darauf muss man sich einlassen. Es entsteht relativ schnell eine gewisse Nähe und man lernt als Bergführer auch viel über sich und die Gruppe.</span></p>
<p><strong>Gab es im Laufe der Jahre mal eine besonders prägende Erfahrung in einer Seilschaft?</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Über die Jahre erlebt man natürlich allerhand Dinge. Wenn man viel unterwegs ist, gibt es auch immer wieder Situationen, die brenzlig sind. Ganz einschneidend war bei mir sicher am Anfang von meinem Bergsteigen ein Lawinenunfall, bei dem ich aber glimpflich davongekommen bin. Das war dann ausschlaggebend, dass ich mehr über mein Tun nachgedacht und mich auch in diese Richtung weitergebildet habe. Ich glaube, am Ende zählt weniger das Erreichen des Gipfels, sondern der Weg, den man gemeinsam geht. Und dieser Weg, so herausfordernd er auch ist, verbindet stärker als jedes Seil.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>From Basel with (wasted) love</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 10:30:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Großereignis wie immer &#8211; nur ganz anders. Der ESC 2025 brachte Musik, Meinung und Mitfiebern auf eine Bühne, die auch Spannungen sichtbar machte. Basel dirigierte, die Welt stimmte ab. Und&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Großereignis wie immer &#8211; nur ganz anders. Der ESC 2025 brachte Musik, Meinung und Mitfiebern auf eine Bühne, die auch Spannungen sichtbar machte. Basel dirigierte, die Welt stimmte ab. Und Österreich? Trägt jetzt mehr als nur den Pokal.</div>
<p><span id="more-21557"></span></p>
<p>Drei Shows, ein Sieger, viele Fragezeichen. Der 69. Eurovision Song Contest ließ Basel glänzen, präsentieren, organisieren. Zwischen neutralem Bühnenlicht und globaler Aufmerksamkeit zeigte sich der ESC erneut als Ereignis mit Ebenen: musikalisch laut, politisch aufgeladen, stimmungsvoll bis zum Schlussakkord. Österreich holte den Titel – und mit ihm die Verantwortung, Europas größte Musikbühne im kommenden Jahr zu bespielen. Wo, wie, mit wem? Auch Gewinner Johannes Pietsch aka JJ trug zur Debatte bei, noch bevor der Applaus verklungen war.</p>
<p><!--StartFragment--></p>
<h3 class="MsoNormal">Best of Basel</h3>
<p class="MsoNormal">Es begann mit einem Griff nach der Vergangenheit: Nemo, Vorjahressieger mit <em>The Code</em>, wollte im Eröffnungsvideo die Trophäe anfassen – die eigene hatte Nemo damals in Malmö zerbrochen – Moderatorin Sandra Studer lächelte und schnitt Nemo trocken den Weg ab: „You – don’t touch.“ Die Botschaft: Wir erinnern uns, wir lachen mit. Und dann ging es los. Basel, sonst eher Bühne für Kunstmessen und Kulturfestivals, wurde zur ESC-Metropole – verbunden durch ein Motto, das den Takt vorgab: <em>United by Music</em>. Drei Liveshows, 37 Nationen, über 160 Millionen Zuschauer – inszeniert mit jener schweizerischen Mischung aus Effizienz, Gastfreundschaft und Diskretion, mit der man sonst Weltwirtschaftsforen abwickelt.</p>
<p class="MsoNormal">35 Millionen Franken kostete das Event, etwa 95<span style="font-family: 'Arial',sans-serif;"> </span>Prozent der Hotelbetten waren belegt, und zwischen Altstadt und Messegelände wurde Basel zum Knotenpunkt europäischer Popkultur. Die Stadt organisierte mit ruhiger Hand: ein Eurovision Village im Messequartier, Kulturangebote quer durch die Innenstadt, Sicherheit sichtbar, Stimmung meist entspannt. Auch die Show selbst war durchdacht – mit kleinen Pointen zwischen den großen Auftritten. Der charmante Einspieler <em>Made in Switzerland</em>, eine musikalische Liebeserklärung an nationale Eigenheiten, blieb dabei besonders hängen. Basel versuchte nicht, größer zu wirken, als es ist – sondern zeigte, wie man ein Millionenpublikum empfängt, ohne sich zu verbiegen.</p>
<div id="attachment_21563" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21563" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21563" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/250512_Corinne-Cumming_EBU_01287-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-21563" class="wp-caption-text">© EBU/Corinne Cumming</p></div>
<h3 class="MsoNormal">Politik auf der Playlist</h3>
<p class="MsoNormal">Die Bühne unpolitisch, der Austragungsort offiziell neutral – doch der ESC 2025 blieb nicht unberührt vom Weltgeschehen. Israels Teilnahme prägte die Tage vor dem Finale: begleitet von pro-palästinensischen Protesten, erhöhter Sicherheit und spürbarer Anspannung. Vor der Halle wurde geschwiegen, gestört, gefilmt – drinnen blieb der Krieg im Gazastreifen zwar außerhalb der Songtexte, aber nicht außerhalb der Wahrnehmung. Auch das Voting stand in der Kritik: In sozialen Medien war von organisierten Kampagnen die Rede, die das Televoting zugunsten Israels beeinflusst haben könnten. Im Mittelpunkt: <em>New Day Will Rise</em>, gesungen von Yuval Raphael, einer Überlebenden des Hamas-Anschlags. Ein schlichter Auftritt, der bewegte – das Publikum reagierte emotional, die Jurys reserviert. Israels zweiter Platz zeigte, wie eng Emotion, Erinnerung und Bewertung beieinander liegen.</p>
<p class="MsoNormal">Auch der Sieger JJ bezog nach dem Finale öffentlich Stellung. In einem Interview äußerte er Unverständnis über die Teilnahme Israels und forderte Konsequenz – analog zum Ausschluss Russlands nach dem Angriff auf die Ukraine. Diese Wortmeldung sorgte für ein breites Medienecho: Während vereinzelt Zustimmung kam, überwogen in der öffentlichen Reaktion kritische Stimmen – teils mit deutlicher Schärfe. Der ORF distanzierte sich, die EBU verwies auf ihre Rolle als unpolitische Plattform. JJ stellte später klar, seine Kritik richte sich gegen die israelische Regierung, nicht gegen die Bevölkerung. Die Debatte zeigte: Der ESC ist längst mehr als ein Musikwettbewerb – er ist Resonanzraum globaler Konflikte. Und dennoch: Basel blieb auch inmitten der Spannungen eine Bühne für gelebte Diversität. Performances, Stimmen, Geschichten – so unterschiedlich wie die Länder, die sie schickten. Raum für Komplexität war weiterhin vorhanden.</p>
<h3 class="MsoNormal">Kraft, Klischees und Koffein</h3>
<p class="MsoNormal">Auch sprachlich war das Grand Finale ein Flickenteppich: Finnisch, Griechisch, Ukrainisch, Französisch, Schwedisch, &#8230; – doch Englisch blieb das Rückgrat. Estland tanzte sich mit <em>Espresso Macchiato</em> durch die Nacht, ein Shot zwischen Italo-Beat und Herzrasen. Schweden schwitzte kollektiv im Takt – Aufguss zum Mitsingen. Spanien fächerte sich mit <em>Esa Diva</em> souverän durch Glitzer und Gesten, während Finnland auf den Punkt kam, laut und lasziv. Albanien flüsterte sich durch ein einziges Wort: <em>Zjerm</em>, als Echo, Frage, Loop. Armenien blieb dynamisch, Malta bunt. Italien streichelte die Kamera, Litauen sang sich in Trance, Frankreich hielt mit <em>Maman</em> leise dagegen.</p>
<p class="MsoNormal">Griechenlands Dramatik, Deutschlands Donner und niederländische Leichtigkeit blieben sichtbar, aber nicht siegfähig. Im letzten Drittel des Abends begann sich das Feld zu sortieren, unter Spannung schoben sich Favoriten nach vorn, andere rutschten leise ab. Das Juryvoting brachte Österreich an die Spitze, das Publikum ließ Israel kurz hoffen – bis die letzte Punktezahl fiel und alles klar war. <em>Wasted Love</em> holte den Sieg mit schwarz-weißem Seesturm, stoischer Präsenz und kontrollierter Erschütterung. Und Countertenor JJ? Der schien trotz emotionaler Achterbahn ein Stück Gelassenheit zu bewahren. „Jetzt hamma den Schas gwonnen.“</p>
<div id="attachment_21562" style="width: 1610px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21562" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21562" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132.jpg" alt="" width="1600" height="1067" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132.jpg 1600w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/2505017_Sarah-Louise-Bennett_EBU_52132-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><p id="caption-attachment-21562" class="wp-caption-text">© EBU/Sarah Louise Bennett</p></div>
<h3 class="MsoNormal">#ESC26 – Austria calling!</h3>
<p class="MsoNormal">Was nun? Nach Triumph und Trophäe geht es nicht länger um Punkte, sondern um Millionen. Mindestens 30 davon stehen im Raum, und während das Feuerwerk in Basel kaum verraucht ist, beginnt in Österreich die Planungsphase. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk spricht von einer „finanzpolitischen Herausforderung“ – Ressourcen müssen gebündelt, Prioritäten gesetzt werden. Salzburg und Klagenfurt haben sich bereits aus der rot-weiß-roten Runde der Gastgeber-Kanditaten verabschiedet, der Aufwand sei für beide Städte schlicht nicht tragbar.</p>
<p class="MsoNormal">Gleichzeitig formiert sich das Bewerberfeld: Wiens Erfahrung trifft auf Linzer Offenheit, Wels hat Ambitionen, Graz hält sich im Gespräch, Oberwart überrascht – und auch Innsbruck demonstriert Panorama und Potenzial. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Der ESC ist längst mehr als ein musikalisches Megaevent – er bietet Städten die Möglichkeit, sich touristisch und kulturell in Szene zu setzen. Zwischen Stephansdom und Seegrube wird sich nicht nur entscheiden, wo Europas Bühne 2026 steht, sondern auch, welche Kulisse Österreich der Welt zeigen will. Auftritt für Aufmerksamkeit, Anziehungskraft und Außenwirkung. Bühne frei für Spekulationen.</p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Eine Zugfahrt, die ist &#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Apr 2025 10:30:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen steigen ein, steigen aus, stehen im Gang. Zwischen Abfahrt und Ankunft liegt ein Mikrokosmos der Kuriositäten – mal still, mal schrill, stets leicht entgleist.  Es beginnt wie immer: Man&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Menschen steigen ein, steigen aus, stehen im Gang. <span style="font-weight: 400;">Zwischen Abfahrt und Ankunft liegt ein Mikrokosmos der Kuriositäten – mal still, mal schrill, stets leicht entgleist. </span></div>
<p><span id="more-21309"></span></p>
<div>
<p><span style="font-weight: 400;">Es beginnt wie immer: Man kommt zum Bahnhof. Im Gepäck die leise Ahnung, dass die Reise durchaus bahnbrechend werden könnte – im Guten wie im weniger Guten. Zugfahren ist nicht nur Mobilität: Es ist Improvisation auf Schienen, ein Theaterstück ohne Probe, ein Crashkurs in Toleranz. Zwischen Durchsagen, Zwischenstopps und Zwischenmenschlichem verschwimmen Pläne, Persönlichkeiten und der Glaube an die Pünktlichkeit. Wer hier mitfährt, braucht mehr als ein Ticket – nämlich Haltung. Und ein Faible für so manche Kopfschüttelmomente in der </span><span style="font-weight: 400;">Narration</span><span style="font-weight: 400;"> des Alltäglichen.</span></p>
<h3>Gleise und Gefühle</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Zugfahrt, die ist verheißungsvoll. Zumindest in der Theorie. Die App verspricht eine durchgetaktete Reise, vielleicht sogar einen Sitzplatz mit funktionierender Steckdose. Am Bahnsteig herrscht stille Entschlossenheit, gemischt mit Auf-die-Uhr-Blicken und zögerlichem Optimismus. Vielleicht läuft heute mal alles glatt. Der Masterplan: Komfortnische am Fenster, Cappuccino aus dem Bordbistro, konzentrierte Lektüre. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Zug fährt ein. Schwer atmend, schief sortiert, überfüllt wie das E-Mail-Postfach am Wochenstart. Sobald sich die Türen öffnen, ist auch jeglicher Idealismus abgefahren. Das Einsteigen wird zur Choreografie aus Rollkoffern und Rollkragenpullovern, Menschen schieben sich wie Puzzlestücke, die nicht zusammenpassen, durch zu schmale Türen. Wer am Zug sein will, braucht Ellbogen und innere Kapitulation. Dann, die Realität: Sitzplatz belegt, Kaffeeautomat streikt, Buch bleibt im Rucksack.</span></p>
<h3>Nebengeräusche der Normalität</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Zugfahrt, die ist bunt. Im Abteil präsentiert sich ein akustischer Flickenteppich: Kindergeschrei, Tastaturgeklapper, Voicemails in Hörbuchlänge über Dinge, die man nie wissen wollte. Dazwischen der Duft von Döner to go, das Knacken von Nackenkissen und das Rascheln philosophischer Zeitschriften, die nicht mal Philosophen lesen. Die Menschheit entfaltet sich in voller Pracht: schlafend, tippend, laut telefonierend, schweigend demonstrierend. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Jede Sitzreihe fährt zweigleisig: Hier Arbeit, dort Urlaub, dazwischen ein Leben in der Schwebe. Man teilt sich Raum, Atemluft und gelegentlich das höflich unterdrückte Augenrollen. Während draußen Land und Leute vorbeiziehen, wird klar: Die Welt ist auch hier drinnen da – nur eben auf knapp 50 Quadratmetern –, in Jogginghose, mit Jumpsuit, mit Thermobecher und Tunnelblick.</span></p>
<h3>Zerreiß den Zeitplan!</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Zugfahrt, die ist unberechenbar. Der Fahrplan ist ein freundlicher Vorschlag, keine Garantie. „Wir bitten um Ihr Verständnis …“ – eine Floskel, so wohlklingend wie wirkungslos, so sicher wie ein festes RituaI. Denn sobald der Zug drei Minuten steht, ist das Kopfkino in vollem Gange: Wurde der Lokführer entführt? Ist eine Kuh aufs Gleis gefallen? Reflektiert der Railjet gerade über seine Reiseroute? Was auch immer es ist – die Welt bleibt erstaunlich stoisch.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Man sitzt, man wartet, man googelt: „Wie viel Verspätung ist normal?“ Irgendwann ist der Akku leer und man beginnt, in Haltestellen zu denken oder den Boden unter dem Sitz zu zählen. Vielleicht ist das die neue Spiritualität: Entschleunigung durch fehlende Logik. Denn am Ende weiß meist niemand, warum genau der Zug stand. Stattdessen Zucken mit den Schultern, ein kollektives Nicken, das sagt: Wir haben verstanden – nämlich nur Bahnhof.</span></p>
<div id="attachment_21312" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21312" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21312" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1946" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-300x228.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-1024x778.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-768x584.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-1536x1167.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-2048x1557.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-1920x1459.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-1170x889.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/04/IMG_0064-585x445.jpg 585w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-21312" class="wp-caption-text">Bild: Elena Rieger</p></div>
<h3>Der große Gleichmacher</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Zugfahrt, die ist lehrreich. Hierarchie löst sich auf wie der Schaum auf dem Automatenkaffee (im Falle eines funktionierenden Kaffeeautomaten). Die Businessfrau teilt sich die Armlehne mit dem Backpacker, die Pendlerin debattiert mit dem Pensionisten, der Anwalt fragt den Schüler nach dem WLAN-Code. Jeder wird hier zurückgeworfen auf das, was letztlich zählt: Geduld, Gelassenheit, gelegentliche Selbstironie.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Man lernt, sich zu arrangieren – mit fremden Füßen unter dem Sitz, mit dem Geräuschspektrum zwischen Gähnen und Grollen, mit der Tatsache, dass der hochmotivierte Schaffner immer genau dann erscheint, wenn man gerade eingenickt ist. Der Hund fiept, das Handy pingt und plingt, der Sitznachbar schweigt – am lautesten. Zugfahren macht nicht demütig, aber es dämpft den Geltungsdrang.</span></p>
<h3>Endstation Erkenntnis</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Zugfahrt, die ist vergänglich. Kaum hat man sich mit dem Rhythmus der Schienen versöhnt und sich eingenistet – körperlich und geistig –, rollt die persönliche Endstation ins Blickfeld wie ein Termin, den man zu lange ignoriert hat. Ausstieg in Fahrtrichtung links. Menschen springen auf, falten sich zurück in ihre Rollen, greifen nach Taschen und Restwürde. Kurze Verwirrung, als jemand rechts aussteigen will. Dann fährt der Zug weiter, als hätte er mit alldem nichts zu tun gehabt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zurück bleibt eine leicht eingedrückte Sitzfläche und dieses merkwürdige Gefühl, kurz Teil von etwas geworden zu sein, das weder planbar noch wiederholbar ist. Vielleicht ähnelt das Leben genau solchen Fahrten: keine endgültige Route, Zwischenhalte voller Fragezeichen, gelegentlich den Anschluss verpasst – aber immerhin in Bewegung. Manchmal reicht es nämlich schon, unterwegs gewesen zu sein. Zwischen Wehmut und Weiter.</span></p>
</div>
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		<title>Illusion Perfektion</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 13:25:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Perfektionismus: ein treuer Begleiter, der antreibt, aber auch ausbremst. Wer in der heutigen Leistungsgesellschaft glänzen will, gerät schnell in einen Strudel aus Selbstoptimierung und Selbstdruck. Doch ist Perfektion wirklich das&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Perfektionismus: <span style="font-weight: 400;">ein treuer Begleiter, der antreibt, aber auch ausbremst. Wer in der heutigen Leistungsgesellschaft glänzen will, gerät schnell in einen Strudel aus Selbstoptimierung und Selbstdruck. Doch ist Perfektion wirklich das Maß aller Dinge – oder bloß eine Illusion?</span></div>
<p><span id="more-21227"></span></p>
<div>
<p>Perfektionismus ist ein stiller Taktgeber. Er schleicht sich ein, unbemerkt und doch bestimmend. In der Schule zählt die Bestnote, im Job die makellose Präsentation, im Privatleben das vorbildliche Auftreten. Wer sich selbst zu hohe Maßstäbe setzt, läuft Gefahr, nie zufrieden zu sein – egal, wie viel erreicht wird. Die Grenze zwischen Antrieb und Belastung ist fließend. Was als Motivation beginnt, kann sich in lähmenden Druck verwandeln. Wer sich vor Fehlern fürchtet, riskiert, gar nicht erst anzufangen.</p>
<h3><strong>Glanz &amp; Glasbruch</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">An der Oberfläche wirkt Perfektionismus wie ein Erfolgsrezept. Disziplin, hohe Standards, ein unermüdlicher Antrieb – all das klingt erst einmal positiv. Perfektionisten sind detailverliebt, verlässlich, engagiert. Wer etwas anpackt, will es richtig machen, und genau das bringt viele voran. In einem Meer von Mittelmaß sorgen sie für Präzision und Qualität. Doch hinter dem glänzenden Image steckt oft eine unsichtbare Last. Der Drang zur Perfektion kann lähmen, statt zu motivieren.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Brianna Wiest, Autorin des Buches </span><i><span style="font-weight: 400;">The Mountain Is You</span></i><span style="font-weight: 400;">, beschreibt Perfektionismus als Trugbild: „Perfectionism isn&#8217;t actually wanting everything to be right. It&#8217;s a hindering thing, because it sets up unrealistic expectations about what we are capable of.“ Wie eine Fata Morgana rückt das unerreichbare Ideal immer weiter in die Ferne. Doch nicht das Streben nach Qualität bremst aus, sondern die Angst vor dem Scheitern.</span></p>
<h3><strong>Der Optimierungswahn</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Angst wird durch die moderne Gesellschaft verstärkt. Produktiver arbeiten, gesünder essen, effektiver trainieren – das Streben nach der besten Version seiner selbst ist allgegenwärtig. Apps tracken Schlafzyklen, Bücher versprechen Erfolg in zehn Schritten, Social Media zeigt perfekte Morgenroutinen. Wer stillsteht, hat verloren. Doch wenn Selbstoptimierung zum Selbstzweck wird, bleibt die Frage: Wann ist es genug?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Obsession mit Selbstverbesserung ist ein Hamsterrad, das sich immer schneller dreht. Wer sich optimiert, entdeckt ständig neue Baustellen und Schwächen, die es auszumerzen gilt. Nicht die eigene Leistung wird zum Maßstab, sondern die vermeintlich noch bessere Version, die irgendwo da draußen existiert. Zufriedenheit rückt in die Ferne, weil das Ziel sich ständig verschiebt – und an dieser Stelle beginnt sich der Druck zu manifestieren, der vom Perfektionismus ausgelöst wird.</span></p>
<h3><strong>Die unsichtbare Last</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Perfektionismus verspricht Kontrolle, doch in Wahrheit erzeugt er ein endloses Ringen um Fehlervermeidung – und oft führt genau das zu Prokrastination. Wer darauf wartet, dass der perfekte Moment kommt, um loszulegen, wartet oft vergeblich. Statt Fortschritt entsteht Stillstand, weil alles erst „perfekt” sein muss, bevor es das Licht der Welt erblickt. Die Angst, nicht zu genügen, wird zur Selbstsabotage. Maßstäbe werden unerreichbar hoch gesetzt, bis der eigene Anspruch zum Hindernis wird.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Perfectionism holds us back from showing up and trying“, so Wiest. Wer fürchtet, Fehler zu machen, riskiert, Chancen verstreichen zu lassen – aus Angst, sie nicht perfekt zu nutzen. Doch Fehler sind kein Scheitern, sondern ein natürlicher Teil des Prozesses. Jeder Musiker hat einmal schiefe Töne gespielt, jeder Autor erste Sätze wieder verworfen. Exzellenz entsteht nicht durch makellose Planung, sondern durch Ausprobieren, Lernen und Wachsen.</span></p>
<div id="attachment_21229" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21229" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21229" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1552" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-300x182.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-1024x621.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-768x466.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-1536x931.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-2048x1242.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-1920x1164.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-1170x709.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/puzzle-3223941-585x355.jpg 585w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-21229" class="wp-caption-text">Bild: Pixabay</p></div>
<h3><strong>Progress over perfection</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Perfektionismus ist nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern auch ein Spiegel der Leistungsgesellschaft. Die Welt feiert Erfolge, nicht Prozesse. Wer scheitert, fällt durchs Raster. Wer langsamer lernt, droht, abgehängt zu werden. In einer Kultur, die Perfektion belohnt, ist es kein Wunder, dass viele lieber gar nicht erst anfangen, aus Angst, mit etwas Unvollständigem oder Fehlerhaftem dazustehen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Brianna Wiest schlägt einen anderen Ansatz vor: „Instead of perfection, focus on progress.“ Es geht nicht darum, mittelmäßige Arbeit abzuliefern, sondern darum, den ersten Schritt zu machen. Statt ewig am perfekten Konzept zu feilen, kann es befreiend sein, einfach loszulegen. Jeder große Erfolg beginnt mit einem ersten, oft fehlerhaften Versuch. Und genau diese Unvollkommenheit macht Wachstum erst möglich.</span></p>
<h3><strong>Mut zur Unvollkommenheit</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Weg aus dem Perfektionismus ist keine Revolution, sondern eine bewusste Entscheidung. Es bedeutet, sich selbst die Erlaubnis zu geben, unfertig zu sein. Zu akzeptieren, dass Entwicklung ein Prozess ist und dass Fortschritt wichtiger ist als Fehlerfreiheit. Wer darauf wartet, makellos zu sein, bevor etwas gewagt wird, wird niemals ankommen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das bedeutet nicht, Standards aufzugeben oder sich mit weniger zufriedenzugeben. Es bedeutet, den Fokus zu verschieben: weg von der Illusion der Perfektion hin zur Realität der Entwicklung. „Don&#8217;t worry about doing it well, just do it“, schreibt Wiest. Die größten Erfolge entstehen nicht aus Angst vor Fehlern, sondern aus der Bereitschaft, Fehler zu machen – und daraus zu lernen.</span></p>
<h3><strong>Abschied vom Trugbild</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Perfektionismus mag ein verlockendes Ideal sein, doch er ist selten ein loyaler Freund. Was nach Ehrgeiz aussieht, kann in Selbstsabotage umschlagen. Wer sich ständig selbst im Weg steht, bleibt stehen, statt voranzugehen. Doch am Ende zählt nicht das fehlerlose Ergebnis, sondern die Bewegung. Denn nur wer ins Tun kommt, kann wirklich wachsen.</span></p>
</div>
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		<title>Zwanzigfünfundzwanzig – Retrospektive einer bewegten Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 11:30:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Jahreswechsel liegt schon ein Weilchen hinter uns, 2025 nimmt Fahrt auf. Ein Vierteljahrhundert voller Umbrüche, Innovationen und Herausforderungen hat die Welt geformt. Höchste Zeit für einen Blick zurück –&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Der Jahreswechsel <span style="font-weight: 400;">liegt schon ein Weilchen hinter uns, 2025 nimmt Fahrt auf. Ein Vierteljahrhundert voller Umbrüche, Innovationen und Herausforderungen hat die Welt geformt. Höchste Zeit für einen Blick zurück – und nach vorn.</span><span id="more-21232"></span></div>
<p>In den letzten 25 Jahren hat sich nahezu jeder Lebensbereich weiterentwickelt. Die Technik hat das Alltägliche revolutioniert, während der Gesundheitssektor, angetrieben von innovativen Technologien, neue Wege beschreitet. Doch dieser Fortschritt bleibt nicht ohne Folgen: Er wirft komplexe ethische und soziale Fragestellungen auf. Politische und gesellschaftliche Umbrüche prägen die globale Landschaft, und inmitten dieser Veränderungen hat die Digitalisierung nicht nur den Zugang zu Informationen transformiert, sondern auch die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, in ein neues Licht gerückt.</p>
<h3><strong>Technik: Von Science-Fiction zur Realität</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor 25 Jahren war vieles, was heute selbstverständlich ist, noch reine Fantasie: Smarte Assistenten, Programme, die Aufgaben automatisiert erledigen, oder autonome Fahrzeuge, die selbstständig fahren. Auch künstliche Intelligenz (KI), die es Maschinen ermöglicht, aus Daten zu lernen und Entscheidungen zu treffen, ist am Vormarsch. Doch während diese Fortschritte unser Leben erleichtern, wächst die Sorge vor deren Kontrolle. Was passiert, wenn Maschinen bessere Entscheidungen treffen als Menschen? Der technologische Wandel könnte die menschliche Entscheidungsfindung beeinträchtigen und eine zunehmende Abhängigkeit schaffen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Daneben hat sich die Blockchain-Technologie als sicheres System zur Speicherung von Daten etabliert, das über Kryptowährungen hinausgeht. Sie verändert das Finanzwesen, den Gesundheitssektor und die Logistik. Mit der Einführung von 5G, der fünften Generation mobiler Kommunikation, und dem Internet der Dinge, wo alltägliche Geräte vernetzt sind, entstehen smarte Städte. Sensoren sammeln ständig Daten, die unser Leben verbessern sollen. Doch drängende Fragen bleiben: Wie schützen wir unsere Privatsphäre in einer dermaßen vernetzten Welt und wer profitiert tatsächlich von der digitalen Revolution?</span></p>
<h3><strong>Gesundheit: Von der Pandemie zur Heilung</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die mRNA-Technologie hat während der COVID-19-Pandemie neue Maßstäbe gesetzt und bietet auch innovative Perspektiven für die Behandlung von Krebs und genetischen Erkrankungen &#8211; so nutzen die mRNA-Impfstoffe genetische Informationen, um eine Immunantwort auszulösen. Zudem ermöglicht CRISPR, eine Technologie zur präzisen Bearbeitung von Genen, bedeutende Fortschritte in der Medizin: Etwa die Möglichkeit, erbliche Krankheiten wie Mukoviszidose oder Sichelzellenanämie zu behandeln. Diese Entwicklungen geschehen jedoch nicht ohne ethische Bedenken: Wie weit dürfen wir in die menschliche DNA eingreifen? Die Debatte um „Designer-Babys“, bei denen Gene gezielt verändert werden, wird zunehmend relevant und könnte gesellschaftliche Normen herausfordern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Telemedizin, also die Nutzung digitaler Kommunikation für Arztbesuche, hat den Zugang zur Gesundheitsversorgung revolutioniert. Patient:innen können nun Diagnosen per Video-Chat erhalten, während tragbare Technologien Gesundheitsdaten in Echtzeit überwachen. Solche Fortschritte bieten zahlreiche Vorteile, jedoch bleibt offen, ob alle Menschen gleichberechtigt von diesen Entwicklungen profitieren können. Die Gefahr einer ungleichen Verteilung der Gesundheitsressourcen könnte wachsen, wenn innovative Behandlungen nur für Wohlhabende zugänglich sind.</span></p>
<h3><strong>Politik und Gesellschaft: Der Aufstieg der Ungewissheit</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die letzten 25 Jahre waren geprägt von politischen Umwälzungen, die alte Machtstrukturen ins Wanken gebracht haben. Globale Krisen wie der Klimawandel, Konflikte und die Pandemie haben Gesellschaften weltweit auf die Probe gestellt. Während einige Länder populistischen Bewegungen nachgeben, kämpfen andere um Demokratie und Freiheit. In diesem Kontext spielen digitale Technologien eine zentrale Rolle, indem sie sowohl als Instrumente für Aktivismus als auch als Kanäle für Desinformation dienen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Zudem hat der Klimawandel nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Politik. Grüne Technologien und nachhaltige Innovationen sind der neue Wettlauf, bei dem es darum geht, wer die Kontrolle über die Energiewende hat. Brennende Fragen wie diese werden in den kommenden Jahren die politischen Diskussionen prägen. Doch angesichts der Unsicherheiten wird vor allem die Fähigkeit der Gesellschaft, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, entscheidend dafür sein, Fortschritte zu erzielen und eine gerechtere Zukunft zu gestalten.</span></p>
<h3><strong>Medien: Entstehung der digitalen Informationsgesellschaft</strong></h3>
<p>Der Mediensektor hat sich in den letzten 25 Jahren auf den Kopf gestellt: Digitale Medien revolutionierten die Informationslandschaft und demokratisierten den Zugang zu Nachrichten. Inzwischen kann jede und jeder über soziale Netzwerke und Blogs Informationen verbreiten. Doch mit dieser Freiheit kommen auch Hürden: Fake News und Filterblasen gefährden die Qualität der Informationen und das Vertrauen in die traditionellen Medien. Die Herausforderung besteht mehr und mehr darin, verlässliche Quellen zu finden und den eigenen Informationskonsum kritisch zu hinterfragen.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch die Rolle von Influencer:innen hat sich verändert; sie beeinflussen zunehmend, wie Menschen Nachrichten konsumieren. Werbung ist mittlerweile oft kaum noch von journalistischen Inhalten zu unterscheiden, was Zweifel daran aufwirft, inwieweit wir zwischen Wahrheit und Meinung differenzieren können. In einer Ära, in der Algorithmen bestimmen, was wir sehen, muss die Welt lernen, mit dieser Informationsflut umzugehen und Medienkompetenz zu fördern, sodass informierte Entscheidungen getroffen werden können.</span></p>
<h3><strong>Ausblick: Was kommt als Nächstes?</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das vergangene Vierteljahrhundert war voller Überraschungen – und das nächste verspricht nicht weniger aufregend zu werden. Neurotechnologien, künstliches Leben und vielleicht sogar die Entschlüsselung des bewussten Denkens könnten unsere Definition von Menschsein und Zukunft radikal verändern.</span></p>
<p>Die größte Aufgabe wird es jedoch sein, diese Fortschritte mit Bedacht zu nutzen. Wie können wir Technologie so gestalten, dass sie nicht nur wenigen Privilegierten, sondern der gesamten Gesellschaft zugutekommt? Wie lösen wir die ethischen Dilemmata, die diese Durchbrüche mit sich bringen? Die kommenden 25 Jahre könnten uns in eine Zukunft führen, die heute noch jenseits unserer Vorstellungskraft liegt – doch wir haben die Macht, gemeinsam ihren Kurs zu bestimmen.</p>
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		<title>KI ist keine Magie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jan 2025 11:33:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ob in der universitären Lehre, in der Wissenschaft oder im Alltag – KI prägt die Gesellschaft und polarisiert. Wie können wir die Potenziale dieser Technologie nutzen, ohne ihre Risiken zu&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Ob in der universitären Lehre, in der Wissenschaft oder im Alltag – KI prägt die Gesellschaft und polarisiert. Wie können wir die Potenziale dieser Technologie nutzen, ohne ihre Risiken zu ignorieren?</span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Welt ist von einem digitalen Erdbeben erfasst worden. Generative Künstliche Intelligenz (KI), die Grundlage von Tools wie ChatGPT, ist längst kein Science-Fiction-Phänomen mehr und hat sich binnen kürzester Zeit im Leben vieler eingenistet. Auch die Universität Innsbruck ist mit den aufkommenden Chancen und Herausforderungen konfrontiert, erklärt Univ.-Prof. Dr. Andreas Eckhardt im Vortrag „Was ich schon immer wissen wollte über Generative KI“. Wo Sorge und Faszination aufeinandertreffen, tut sich die Frage auf, was diese Technologie letztlich so besonders macht. Spoiler: Nichts.</span></p>
<h3><strong>Maths, not Magic</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn KIs wie ChatGPT scheinbar „intelligente“ Ergebnisse liefern, steckt dahinter kein menschenähnliches Bewusstsein oder Magie, sondern statistische Modelle. Neuronale Netzwerke, ursprünglich in den 1960er Jahren entwickelt, wurden mit immer größeren Datenmengen gefüttert. Diese Systeme lernen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten: Wörter, die oft zusammen auftreten, werden auch als zusammengehörig interpretiert. Man nennt diesen Prozess „Token Embedding“: Je häufiger bestimmte Worte miteinander kombiniert vorkommen, desto stärker erkennt die KI eine Verbindung – pure Mathematik. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Verlauf eines Dialogs arbeitet KI in einer Abfolge von zahllosen Berechnungen. Reinforcement Learning verbessert das System zusätzlich: Nutzer können Antworten positiv oder negativ bewerten, was der KI hilft, ihre Vorhersagen zu optimieren. Die Mechanik dahinter ist eine stetige Optimierungsfunktion, die nach „Belohnung“ strebt und zunehmend präzisere Antworten generiert. Dennoch bleibt sie fehleranfällig, da Mehrdeutigkeiten und kontextuelle Feinheiten nur für Menschen, nicht aber für Maschinen, leicht zu verstehen sind.</span></p>
<h3><strong>Intelligente Innovation</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Hinter dem Verständnis von KI verbergen sich auch Chancen in der Nutzung. Die Universität Innsbruck hat es sich bereits zur Aufgabe gemacht, die Potenziale von KI in Lehre und Forschung zu untersuchen. Anders als manche Institutionen, die den Einsatz von KI-basierten Tools wie ChatGPT strikt verbieten, setzt man hier auf einen offenen Umgang und fördert eine kritische Auseinandersetzung. So werden Studierende dazu angehalten, sich mit diesen Technologien vertraut zu machen, da ihre Nutzung in vielen Berufen bald zum Alltag gehören wird. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Projekte an der Universität beschäftigen sich zum Beispiel mit den positiven Effekten von KI im Bereich der Nachhaltigkeit. So findet an der Universität Innsbruck die jährliche Woche der Nachhaltigkeit statt, deren Highlight ein Innovationssprint zur Förderung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ist. 2023 arbeiteten über 80 Studierende aus verschiedenen Fachbereichen gemeinsam an Projekten, die sowohl die Universität als auch Institutionen in der Region Tirol einbeziehen. Ziel des Sprints war die Entwicklung kreativer Lösungen zur Energieeffizienz, Minimierung von Umweltauswirkungen und Begrünung städtischer Räume wie Innsbruck. Generative KI spielte dabei eine zentrale Rolle: Sie half dabei, Ideen zu synthetisieren und komplexe Zusammenhänge visuell darzustellen. Besonders in Projekten wie der Planung eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts oder der Gestaltung eines grüneren Campus konnte KI die verschiedenen Perspektiven und Visionen der Studierenden bündeln. Obwohl die Kreativität letztlich vom Menschen ausgeht, förderte die KI die Integration und Visualisierung vielfältiger Ansätze. Diese Kombination ermöglicht es, auch durch glückliche Zufälle, neue Lösungen zu finden und komplexe Fragestellungen greifbarer zu machen – eine wertvolle Unterstützung in der nachhaltigen Zukunftsgestaltung.</span></p>
<div id="attachment_21143" style="width: 765px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21143" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21143 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Nachhaltigkeit.png" alt="" width="755" height="755" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Nachhaltigkeit.png 755w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Nachhaltigkeit-300x300.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Nachhaltigkeit-150x150.png 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Nachhaltigkeit-585x585.png 585w" sizes="(max-width: 755px) 100vw, 755px" /><p id="caption-attachment-21143" class="wp-caption-text">KI-generiertes Konzept für die Campusgestaltung im Rahmen der „Woche der Nachhaltigkeit”. Foto: Andreas Eckhardt</p></div>
<h3><strong>Ein ethisches Dilemma</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch generative KI bringt nicht nur Fortschritt, sondern auch erhebliche Risiken. Besonders im Bereich der Überwachung und der Manipulation von öffentlichen Meinungen zeigen sich problematische Einsatzfelder. An der Universität läuft ein Forschungsprojekt zu KI-generierten Deep-Fake-Bildern in sozialen Medien, die in aktuellen Konflikten, wie dem Gaza-Krieg, millionenfach geteilt werden. Ein bekanntes Beispiel zeigt einen Vater, der seine Kinder aus Trümmern rettet, ein realistisches, aber komplett KI-generiertes Bild. Solche Bilder verstärken Spannungen, polarisieren und können sogar Hass schüren, statt zum Frieden beizutragen. Die Herausforderung liegt darin, die Authentizität dieser Bilder zu überprüfen, was manuell kaum möglich ist. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Derzeit ist KI oft das einzige Mittel, um KI-basierte Fälschungen zu identifizieren. Doch die Genauigkeit der verfügbaren Tools schwankt enorm, was zu unzuverlässigen Ergebnissen führt und die Verbreitung von Desinformationen fördert. Eine potenzielle Lösung sieht die Entwicklung „hybrider intelligenter Systeme“ vor, bei denen Menschen als „AI Watchdogs“ agieren, um verdächtige Bilder zu erkennen und für Transparenz zu sorgen. Diese Systeme sollen die KI-Ergebnisse kritisch überprüfen und die Glaubwürdigkeit der Inhalte absichern. Das Projekt zeigt: Wir müssen dringend robuste Methoden entwickeln, um die Verbreitung manipulativer Deep Fakes besser kontrollieren zu können und soziale Spannungen nicht weiter anzuheizen.</span></p>
<div id="attachment_21144" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21144" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21144 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1.jpg" alt="" width="1024" height="1024" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1-300x300.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1-150x150.jpg 150w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1-768x768.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/01/Stadt-1-585x585.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-21144" class="wp-caption-text">Binnen weniger Sekunden entstand ein gefälschtes Bild einer zerstörten Stadt. Foto: ChatGPT</p></div>
<h3><strong>Mensch bleibt Drahtzieher</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Verantwortung für KI-generierte Inhalte liegt immer noch beim Menschen, der sie nutzt. Künstliche Intelligenz (KI) ist letztlich eine Maschine, die ohne ethisches oder moralisches Verständnis handelt und daher keine Verantwortung für die Qualität ihrer Aussagen übernehmen kann. Sobald ein KI-generierter Text veröffentlicht wird, macht sich der Autor diesen zu eigen, auch wenn die KI darin Fehlinformationen verbreitet. Diese Verantwortung wirft Fragen auf, besonders in Bezug auf die Herkunft der Daten, auf denen KI-Systeme basieren. KI hat Zugang auf alle im Internet frei verfügbaren Informationen und kann diese zu Trainingszwecken nutzen. Das ist jedoch problematisch, da bedenkliche oder verzerrte Inhalte ebenfalls Teil dieser Datenbasis werden können. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">KI-Modelle folgen lediglich mathematischen Algorithmen, ohne den Inhaltliche ihrer Aussagen zu beurteilen. Solange Regulierungen fehlen und die Arbeitsweise dieser Systeme eine Blackbox bleibt, bergen sie erhebliche Risiken. Die Politik ist gefordert, klare gesetzliche Vorgaben zu schaffen, um den Einsatz und die ethischen Grenzen von KI stärker zu kontrollieren. Somit besteht ein hoher Bedarf an Transparenz über die Quellen und das Training solcher Systeme, um sicherzustellen, dass keine problematischen Daten ungefiltert verwendet werden.</span></p>
<h3><strong>KI ist Werkzeug, kein Wunderwerk</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz aller Fortschritte kann KI den kreativen Prozess des Menschen nicht ersetzen. Sie kann Ideen und Daten kombinieren, doch das menschliche Gehirn bleibt der eigentliche Schöpfer. Auch an der Universität Innsbruck zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel von Mensch und Maschine ist. KI kann Informationen aufbereiten und sogar ungewöhnliche Lösungsansätze finden, doch die letzten Schritte zur Umsetzung bleiben eine menschliche Aufgabe. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">KI-Systeme wie ChatGPT sind mächtige Werkzeuge, doch ohne ein tiefes Verständnis ihrer Funktionsweise und Grenzen kann der Einsatz auch gefährlich werden. Um diese Technologie effektiv und sicher zu nutzen, müssen zukünftige Generationen lernen, mit KI zu arbeiten und sie kritisch zu hinterfragen. Daher ist es entscheidend, dass die Gesellschaft in den Dialog über die Potenziale und Risiken der Technologie eintritt. Nur so kann sichergestellt werden, dass KI nicht als magisches Werkzeug wahrgenommen wird, sondern als das, was sie ist: eine Kombination aus Mathematik und Algorithmen, die verantwortungsvoll genutzt werden muss.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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