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	<title>Interview Archives - UNIpress</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
	<lastBuildDate>Fri, 15 Nov 2024 11:11:33 +0000</lastBuildDate>
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		<title>&#8220;Theater ist ein Labor für Demokratie&#8221;</title>
		<link>https://www.unipress.at/kultur/theater-ist-ein-labor-fuer-demokratie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Elena Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 11:30:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spielt das Theater überhaupt noch eine Rolle im Rampenlicht der Gegenwart? Ein Dialog mit Theaterpädagogin Daniela Oberrauch vom Tiroler Landestheater holt die Bühne vor den Vorhang. Kulturkonsum findet zunehmend digital&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Spielt das Theater überhaupt noch eine Rolle im Rampenlicht der Gegenwart? Ein Dialog mit Theaterpädagogin Daniela Oberrauch vom Tiroler Landestheater holt die Bühne vor den Vorhang.</div>
<p><span id="more-21005"></span></p>
<p>Kulturkonsum findet zunehmend digital statt, und das Tiroler Landestheater <span style="font-weight: 400;">ist mit Herausforderungen durch einen Intendantenwechsel und rückläufigen Besucherzahlen konfrontiert. Welchen Wert hat Theater heutzutage noch in der Gesellschaft? Daniela Oberrauch, erfahrene Theaterpädagogin am Landestheater, bietet einen Blick hinter die Kulissen. Sie spricht über aktuelle Entwicklungen, die Lust am Entdecken und darüber, warum das Theater in seiner Form einzigartig ist und bleibt – besonders für junge Leute, die im Spiel auf der Bühne einen lebendigen Bezug zu sich selbst und ihrer Umwelt finden können.</span></p>
<p><b>Frau Oberrauch, Theaterpädagog:innen arbeiten viel mit jungen Menschen. Welche Bedeutung hat das Theater heute noch für diese Gruppe?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, dass das Theater ein Labor für Demokratie ist und dass junge Menschen  auch wissen, dass sie sich dort ausprobieren können. Sie können ausprobieren, wie soziale Zusammenhänge funktionieren und wie sie selbst sozial funktionieren. Aber sie können sich auch künstlerisch ausdrücken. Ich glaube, dass die Kinder und Jugendlichen das wissen und danach brennen, an so etwas teilzunehmen. </span></p>
<p><b>Begegnet man in der Arbeit nicht auch manchmal Vorurteilen gegenüber dem Theater als „veraltete“ Institution?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mit Vorurteilen bin ich eigentlich nie konfrontiert. Es ist vielmehr Neugier und Lust darauf, etwas zu entdecken. Natürlich gibt es noch immer sehr konservatives Theater, was seine Berechtigung hat, weil es noch immer Menschen gefällt und daher funktioniert. Allerdings glaube ich, dass viele junge Leute diesen konservativen Theaterbegriff mancher Erwachsener nicht kennen. Sie denken nicht mehr: „Was bringt mir das?“ Denn an sich geht es im Theater immer um das „Was hat das mit mir zu tun?”</span></p>
<div id="attachment_20999" style="width: 1341px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20999" decoding="async" class="wp-image-20999 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511.jpg" alt="" width="1331" height="1180" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511.jpg 1331w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511-300x266.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511-1024x908.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511-768x681.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511-1170x1037.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Foto_Daniela-Oberrauch_c_privat-e1731478440511-585x519.jpg 585w" sizes="(max-width: 1331px) 100vw, 1331px" /><p id="caption-attachment-20999" class="wp-caption-text">Daniela Oberrauch</p></div>
<div class="bildunterschrift">Daniela Oberrauch liegt als Theaterpädagogin die kreative Entfaltung junger Menschen am Herzen. / Bild: Daniela Oberrauch.</div>
<p><b>Besonders für diese junge Generation wird dem Theater oft ein Bildungsauftrag zugeschrieben. Ist das eine realistische Aufgabe des Tiroler Landestheaters?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, denn Theater ist eine der wenigen Möglichkeiten, wo einem Bildung nicht unbedingt vorgesetzt wird, sondern ein Anteil von dem ist, was man sieht. Für mich ist das ein wichtiger Anteil, weil es nicht so funktioniert wie Frontalunterricht, wo nur Fakten und Daten gelehrt und erklärt werden, sondern eine Beziehung hergestellt wird. Im Spiel der Schauspieler:innen wird immer eine Beziehung zum Publikum hergestellt. Durch diese Beziehung zum Stoff und den Figuren auf der Bühne, die gesehen und wahrgenommen werden, lernt man etwas über den emotionalen Weg, der total wichtig für uns Menschen und unsere Entwicklung ist. </span></p>
<p><b>Die aktuelle Lage und insbesondere die sinkenden Besucherzahlen werfen jedoch die Frage auf, ob Zielgruppen noch sinnvoll erreicht werden können.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist völlig normal, dass bei einem Intendantenwechsel die Besucherzahlen zunächst sinken – das ist auch im internationalen Vergleich zu beobachten. Diese Entwicklung ist eine natürliche Reaktion und hat weniger mit Zielgruppen zu tun. Theater funktioniert nur, wenn es sich ständig weiterentwickelt, und das Publikum reagiert darauf auf unterschiedliche Weise. Ich glaube nicht, dass wir inhaltlich an unserem Zielpublikum vorbei arbeiten. Vielmehr verändert sich das Publikumsverhalten ständig. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der langen Geschichte des Theaters gibt es immer Phasen, in denen diese Veränderung stagniert, oder in denen sich wieder ein Hype um das Theater entwickelt. Ich bin überzeugt, dass der Weg, den wir als Landestheater einschlagen, der richtige ist – vor allem, weil wir gezielt darauf setzen, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Gerade durch die aktuellen Debatten fühle ich mich in meiner Arbeit bestärkt und das Feedback von Kindern und Jugendlichen zeigt uns, dass das, was wir ihnen bieten, ihnen sehr guttut.</span></p>
<p><b>Welche Formate kommen da zum Beispiel besonders gut an?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, für junge Menschen ist es immer gut, wenn sie selbst aktiv teilnehmen können. Wir veranstalten im Landestheater etwa einen Jugendclub, wo Jugendliche selbst Stücke probieren und auch aufführen. Man sieht über die Jahre, dass aus diesen Gruppen Menschen herauswachsen, die dann auch regelmäßig selbst als Besucher ins Theater gehen und die Position des Publikums einnehmen wollen, weil sie sich dafür interessieren, wie andere auf der Bühne agieren. Das ist sicher ein wirkungsvolles Format. Eine schöne Mischung aus „Ich darf selbst spielen“ und „Es gibt Stücke, die mich politisch oder sozial interessieren und mich dadurch wachsen lassen“.</span></p>
<p><b>Es ist aber nicht unüblich, dass Kulturkonsum vermehrt auf Netflix und Co. statt vor oder auf der Bühne stattfindet. Was bietet das Theater, das solchen Plattformen fehlt?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Unterschied ist, dass das meiste, was digital genutzt werden kann, in einer isolierten Einzelsituation stattfindet. Dabei wohnt uns Menschen das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Beziehung inne, was das Theater als Format beinhaltet. Dass Menschen sich derzeit gerne isoliert unterhalten lassen, ist vielleicht nur eine wellenhafte Bewegung, die vorbeigehen oder nachlassen wird. Der Mensch sucht grundsätzlich die Gesellschaft, den Austausch mit anderen.</span></p>
<p><b>Wie prägt Sie das Theater in Ihrem Leben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich würde sagen, dass ich schon ein Mensch bin, der auch öfter mal Vorurteile hat, aber immer im Diskurs bleibt und sich freut, Neues zu entdecken. Ich liebe es, wenn meine Vorurteile durch Theater widerlegt werden, durch Erfahrungen mit Menschen im Theater oder durch Stücke, die eigentlich 150 Jahre alt sind und immer noch dieselbe Wichtigkeit in der jetzigen Gesellschaft haben. Da denke ich mir: „Super, die Leute haben es damals nicht besser gewusst und wissen es jetzt nicht besser, aber wir dürfen daran arbeiten, es besser wissen zu können.“ Ich sehe auch privat bei meinen Kindern diese extreme Offenheit, die Theater mit sich bringt, auch bei Fragen nach Diversität und Inklusion. </span></p>
<p><b>Wie genau kann man sich diese Offenheit im Theater vorstellen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir sind uns einig, dass alles Platz haben darf, und ich habe das Gefühl, dass man als sehr offener Mensch durchs Leben gehen kann, weil man im Theater so viel Offenheit erlebt. Etwa bei Themen, die vielleicht bei Menschen aus anderen Berufsgruppen oder Gegenden nicht so selbstverständlich sind. Wir gehen hier täglich damit um und es ist einfach eine Normalität bei uns, dass Diversität immer schon da war, immer bleiben wird und etwas Gutes ist. Theater wie unseres haben Personal und Mitarbeiter:innen, die aus allen Gegenden der Welt kommen. Bei uns werden verschiedenste Sprachen gesprochen und es gibt zwischenmenschlich keine Probleme, weil wir uns alle gegenseitig schätzen. </span></p>
<div id="attachment_20998" style="width: 1930px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20998" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-20998" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080.jpg" alt="" width="1920" height="1080" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-300x169.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-1024x576.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-768x432.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-1536x864.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-1170x658.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/tlt_20240213_Semesterferienkurs_WEB_c_andrea_widauer_1920x1080-585x329.jpg 585w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><p id="caption-attachment-20998" class="wp-caption-text">Bild: Daniela Oberrauch</p></div>
<div class="bildunterschrift">Junges Theater: Schon Kinder dürfen aktiv auf der Bühne mitwirken.  Bild: Daniela Oberrauch</div>
<p><b>Was würden Sie Leuten, darunter so manchen Studierenden, raten, die noch keinen Bezug zum Theater haben? </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Erst sollte man es mal ausprobieren und versuchen, es zu entdecken. Es gibt übrigens immer vergünstigte Karten und Angebote für Student:innen. Außerdem, und ich glaube, das ist gleich wie in der Demokratie, kann man immer Dinge verändern. Man kann immer Vorschläge machen, man kann sich immer fragen: „Was ist mein Anteil, was kann ich beitragen?“ Man könnte sich auch überlegen, dass etwas, das es schon mehrere tausend Jahre gibt, vielleicht tatsächlich auch wichtig für uns ist. Vielleicht hat es tatsächlich einen Wert. </span></p>
<p><b>Abschließend:  Wie überzeugen wir diejenigen, die sagen, dass es das Theater nicht mehr braucht, vom Gegenteil?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bin mir nicht sicher, inwiefern wir als Theater die Möglichkeit haben, Personen, die das ganz grundsätzlich ablehnen, umzustimmen. Doch vielleicht ist es wie so oft im Leben: Wenn jemand etwas total ablehnt, dann nehme ich die Person bei der Hand und zeige ihr meinen Blick darauf. Manchmal gelingt es, jemandem zu vermitteln, dass da etwas ist, das den- oder diejenige interessiert oder weiterbringt. Ich glaube, der persönliche Bezug ist immer der wichtigste. Urteilt nicht zu schnell und traut euch einfach mal, euch das Theater anzusehen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Es soll Freude und Spaß machen, in Innsbruck zu leben“</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/es-soll-freude-und-spass-machen-in-innsbruck-zu-leben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Klemm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2024 11:30:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit Bürgermeister Johannes Anzengruber über Innsbruck als Heimat, die Sonnendeck-Lösung und wie er sich als „Mann der Mitte“ dem Rechtsruck verwehrt. Vor dem Büro des Bürgermeisters im zweiten&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/politik/es-soll-freude-und-spass-machen-in-innsbruck-zu-leben/">„Es soll Freude und Spaß machen, in Innsbruck zu leben“</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Ein Gespräch mit Bürgermeister Johannes Anzengruber über Innsbruck als Heimat, die Sonnendeck-Lösung und wie er sich als „Mann der Mitte“ dem Rechtsruck verwehrt.</span></div>
<p><span id="more-20980"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor dem Büro des Bürgermeisters im zweiten Stock des Innsbrucker Rathauses werde ich von geschäftigem Trubel empfangen. Drinnen ist es wie im Empfang einer modernen, aber heimeligen Bergstube: Viel Holz, gemütliche Sessel, Bilder an den Wänden. Wir sprechen kaum länger als zwanzig Minuten, doch auch in dieser Zeit lässt sich viel über den seit kurzem amtierenden Bürgermeister erfahren.</span></p>
<p><b>UNIpress: Sie haben auch in Innsbruck studiert. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich habe zuerst auf der SoWi BWL studiert und das neben dem Berufsalltag gemacht. Das war wirklich eine tolle Zeit mit tollen Vorlesungen, Bekanntschaften und Festen. Ich erinnere mich an die Mensa- und SoWi-Feste. Weil ich im Gesundheitswesen tätig war, habe ich dann Gesundheitswissenschaften studiert, in Innsbruck und in Hall.</span></p>
<p><b>UNIpress: An welche Probleme erinnern Sie sich?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich habe das Studieren durchweg positiv in Erinnerung. Es ergeben sich natürlich Schwierigkeiten, wenn man berufsbegleitend studiert. Aber es war eine geniale, sehr schöne, tolle Zeit.</span></p>
<p><b>UNIpress: Es hat sich seit Ihrer Studienzeit in Innsbruck einiges geändert. Mittlerweile ist bezahlbarer Wohnraum knapp, es fehlt an konsumfreien Räumen. Wie wird Innsbruck studierendenfreundlicher?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> </span><span style="font-weight: 400;">Ich glaube, wir sind durchaus im Wohnbau und vor allem im Bau von Studentenheimen sehr gut unterwegs. Wir haben eine Studie gemacht, wo wir Potenziale für Studentenheime gesucht haben. Es entstehen mehr als 500 neue Zimmer. Das ist der richtige Weg. Innsbruck hat eine große Qualität, und als Student kann man die Vielfältigkeit unserer Stadt erleben. Natürlich lockt auch der tolle Naturraum mit den Trails und Mountainbike-Strecken. Gleichzeitig kann man sehr niederschwellig und fußläufig die Nacht erleben. Natürlich sind Ausgehlokale verschwunden. Aber es sperren immer wieder neue auf. Das wollen wir auch forcieren: dass immer mehr Raum und Platz entsteht, sowohl für den Tag als auch für die Nacht.</span></p>
<p><b>UNIpress: Gerade die schließenden Clubs sind unter Studierenden immer Thema. Das Cubique hat geschlossen, der Dachsbau…</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber: </strong></span><span style="font-weight: 400;">Und der Dachsbau hat wieder geöffnet. Da versuchen wir viel zu tun und auch immer wieder zu vermitteln. Wir sind offen, wenn junge Leute Ideen haben für Veranstaltungen oder Nacht-Gastronomie. Was uns auch interessiert, ist die Aufenthaltsqualität im Zentrum im öffentlichen Raum. Ob das die Aktivierung des Englischen Gartens ist, die Planung eines Hofgartencafés, die Steigerung der Attraktivität, was die Plätze betrifft. Wir möchten uns auch mit dem Marktplatz beschäftigen. Wir haben beim Sonnendeck eine Lösung. Natürlich möchten wir unsere Stadt klimafit machen. Damit unsere Stadt weiterhin attraktiv bleibt, damit man an konsumfreien Plätzen Zeit verbringen kann, Partys und Ausgehmöglichkeiten hat. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir haben uns im Rahmen unseres Zukunftsplans viel vorgenommen, und ich freue mich darauf. Auch auf Veranstaltungen, die nicht nur bis 22 Uhr, sondern auch länger stattfinden können. Aber wir befinden uns natürlich immer im Spannungsfeld mit Anwohner:innen und behördlichen Vorgaben. Ich setze mich dafür ein, dass Feste und Veranstaltungen stattfinden. Dafür, dass man Freunde und Spaß haben und Innsbruck genießen kann.</span></p>
<p><b>UNIpress: Sie haben auch das Sonnendeck angesprochen. Dort konnte jetzt eine Lösung gefunden werden. </b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Das war durchaus nicht einfach. Es hat mehrere Vor-Ort-Begehungen gebraucht, wo wir wirklich alle eingebunden waren und wir gesagt haben: „Okay, wir brauchen jetzt eine Lösung.“ Für mich war es schockierend, einen zwei Meter hohen Zaun zu haben, wenn ich dort mit dem Rad fahre oder zu Fuß gehe oder auch nur aus der Hauptuni rausgehe. Das geht nicht für eine Stadt wie Innsbruck. Mein Versprechen war, dass wir sofort den Bauzaun reduzieren, und das haben wir umgesetzt. Und nun haben wir auch weitere Maßnahmen eingeleitet, die wir bald final umsetzen. Es ist auch gelungen, wieder Sonnendeck-Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Wir haben mit den Behörden und den Veranstaltern gesprochen, und an diese Gespräche wollen wir weiter anschließen. Damit die Aufenthaltsqualität und auch das Verweilen neben dem intensiven Studieren auf der Uni auch gegeben ist.</span></p>
<p><b>UNIpress: In Innsbruck leben nicht nur Einheimische, sondern zum Beispiel auch Geflüchtete. (Anmerkung: Siehe Seiten 6-7 in diesem Heft für die Geschichte eines jungen Mannes, der von Syrien nach Österreich kam.) Wie kann Innsbruck für diese Menschen zur neuen Heimat werden?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Wir haben uns da sehr viel vorgenommen. Das steht ganz klar im Koalitionsvertrag und im Zukunftsplan. Wir wollen die Integration stärker forcieren. Wie wollen Angebote schaffen. Wir wollen die Leute mitnehmen, zum Beispiel im Sommer durch intensive Schulvorbereitungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Wir haben gemeinsam mit Stadträtin Mayr [Elisabeth Mayr, SPÖ, Anm.] Schwimmkurse organisiert. Wir wollen den Leuten unter die Arme greifen. Damit sie sich hier geborgen fühlen und die Chance haben, integriert zu werden. Am Ende des Tages braucht es nicht nur Großunterkünfte, sondern eine gesunde Verteilung. Wir möchten den Geflüchteten auch die Möglichkeiten aufzeigen, hier Berufe zu ergreifen, denn viele sind qualifiziert und haben Ausbildungen. Sodass wir hier alle gemeinsam, sowohl die Geflüchteten als auch wir, eine Win-win-Situation haben.</span></p>
<p><strong>UNIpress: G</strong><b>erade Geflüchtete sind das Ziel von Hass und Gewalt von rechts. Der Rechtsruck ist auch in Innsbruck politisch spürbar. Wie wollen Sie diesem begegnen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich glaube, dass gerade auch diese Gemeinderatswahl gezeigt hat, dass Innsbruck da anders tickt. Für mich steht der Mensch, die Unterstützung der Bevölkerung, aller, die in Innsbruck verweilen, an erster Stelle. Die Koalition lässt wenig Rechtsruck spüren. Wir haben die Grünen mit dabei, die SPÖ. Ich bin parteifrei, aber immer zum Wohle der Stadt. Ich bin ganz klar ein Mann der Mitte. Ich spüre vom Rechtsruck in der Stadt Innsbruck wenig und werde den auch nicht zulassen.</span></p>
<p><strong>UNIpress: S</strong><b>ie haben vorhin von der Bergwelt in Innsbruck gesprochen, die von der Bevölkerung als auch Tourist:innen genutzt wird…</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> </span><span style="font-weight: 400;">Deshalb sind wir ja da. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Die meisten Studierenden auch. Wie schützen wir die Bergwelt am besten?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Wir haben eine Waldschule, wir investieren in Kooperationen mit Kindergärten, Volksschulen und Mittelschulen, aber auch mit der ÖH. Wir klären auf über Biodiversität. Wir haben Projekte gestartet, auch ein EU-Projekt, was den Stadtwald betrifft. Wir haben auch Versuchsflächen, wo wir Baumarten testen. Im ganzen Nordketten- und auch im Patscherkofelbereich sind wir dran, klimafitte Wälder umzusetzen und pflanzen mehrere tausend Bäume, um die Natur zu schützen. Natürlich ist jeder einzelne dazu aufgefordert, seinen Beitrag zu leisten. Ganz klassisch: Den Müll, den man mitnimmt, trägt man auch wieder nach Hause. Ich wünsche mir mehr, dass alle lernen, die Natur auch zu schätzen. Die Natur zwar zu nutzen, aber auch durchaus die Natur wahrzunehmen. Man kann hier fußläufig und mit der Bahn den höchsten Punkt der Stadt erreichen. Immer, wenn man möchte, kann man mal alleine durch den Wald spazieren. Das ist das Tolle an dieser Stadt. All unsere Projekte wollen wir forcieren, da werden wir auch nicht lockerlassen. Aber wir sind alle dazu aufgerufen, die Natur zu schätzen. Und auch bitte über der Waldgrenze auf den Wegen zu bleiben. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Ein kurzes Bild. Wie sieht Innsbruck am Ende Ihrer Amtszeit aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Ich möchte dann mit dem Cappuccino auf dem neuen Bozner Platz sitzen. Ich habe als Bürgermeister gerade einmal 100 Tage hinter mir, aber noch 2000 Tage harter Arbeit vor mir. Ich wünsche mir eine weltoffene Stadt, die klimafit ist und nachhaltig. Und es wird Mountainbikestrecken geben. Wir werden eine Stadt haben, in der es Freude und Spaß macht zu leben. Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie schön wir es haben, welche Qualität wir haben, und dass wir diese mehr schätzen, dass wir ein Wir-Gefühl stiften. Das können wir gemeinsam erreichen, und das werden wir schaffen.</span></p>
<p><b><span style="font-weight: 400;"><strong>UNIpress: </strong></span>Noch drei schnelle Fragen zum Ende: Ist Innsbruck eine Großstadt oder ein Bergdorf?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Innsbruck ist natürlich eine Großstadt. Nicht die größte, aber für mich die größte. </span></p>
<p><strong>UNIpress: </strong><b>Patscherkofel oder Hafelekar?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Hafelekar ist einzigartig. Immer wieder, wenn ich dort oben bin und runterschaue, gehen mir sehr viele Emotionen durch den Kopf, da kribbelt es am ganzen Körper. Aber durchaus auch der Patscherkofel. Dort habe ich meine Anfänge gemacht im Skisport.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UNipress:</strong> </span><b>Innsbruck für Studis oder Touris?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Johannes Anzengruber:</strong> Innsbruck für alle.</span></p>
<div id="attachment_20981" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20981" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-20981" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/11/Bichl-Trail2-_-Credits_-Stadt-Innsbruck-Medienservice-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-20981" class="wp-caption-text">Bürgermeister Johannes Anzengruber bei der Eröffnung des Bichl-Trails / Bild: David Sailer</p></div>
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		<title>„Trauern ist wie eine Heilsalbe“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Mayr]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 May 2024 10:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über das Leben, das Sterben und den Tod — ein Gespräch mit Maria Streli-Wolf, Leiterin der Kontaktstelle Trauer im Hospiz in Hall. Gut zehn Kilometer östlich von Innsbruck in der&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Über das Leben, das Sterben und den Tod — ein Gespräch mit Maria Streli-Wolf, Leiterin der Kontaktstelle Trauer im Hospiz in Hall.</div>
<p><span id="more-20701"></span></p>
<p>Gut zehn Kilometer östlich von Innsbruck in der kleinen Gemeinde Hall liegt das Hospizhaus Tirol. „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“, ist einer der Sprüche, die an der Holzwand in der hellen Eingangshalle hängen. Maria Streli-Wolf leitet die Kontaktstelle Trauer der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Sie spricht über die Arbeit des Hospizes, den Umgang mit dem Tod und wie sich ihr Blick auf das Lebensende gewandelt hat.</p>
<p><strong>Frau Streli-Wolf, wie hilft das Hospiz schwer kranken Menschen, den verbleibenden Tagen mehr Leben zu geben?</strong></p>
<p>Im Hospiz steht nicht die Heilung, sondern das Lindern der Krankheit im Vordergrund. Um die Leiden der Menschen zu lindern, braucht es einerseits eine hohe fachliche Kompetenz. Denn ein Mensch, der unter wahnsinnigen Schmerzen, Übelkeit und Atemnot leidet, hat keinerlei Lebensqualität mehr. Andererseits braucht es Zuwendung: Für den Menschen da zu sein, ihm zuzuhören, ihn zu fragen, was er braucht. Es geht darum, den Menschen als solchen mit seinen Bedürfnissen und Eigenarten zu sehen — und nicht nur seine Krankheit.</p>
<p><strong>Unter welchen Erkrankungen leiden Menschen, die ins Hospiz kommen?</strong></p>
<p>Die meisten unserer Patient:innen haben Krebs. Besonders im Endstadium ist diese Krankheit mit starken Schmerzen, teils offenen Wunden verbunden und braucht daher eine sehr intensive medizinische und pflegerische Betreuung. Ein weiteres häufiges Krankheitsbild sind neurologische Erkrankungen, wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die unter anderem Muskelschwund verursacht.</p>
<p><strong>Ist das Hospiz für alle Patient:innen unmittelbar die letzte Station vor dem Tod?</strong></p>
<p>Wenn man „Hospiz“ hört, ist das für viele zunächst ein Schreck, als wäre es der allerletzte Weg. Doch wenn die Menschen zu uns kommen, heißt das nicht zwingend, dass sie in den nächsten zwei Wochen sterben. Die verbleibende Zeit ist sehr relativ. Viele unser Patient:innen kommen in unser Haus und merken: „Hier ist es ja gar nicht so schlimm.“ Und nicht jeder, der ins Hospiz kommt, stirbt hier. Es gehen fast ein Drittel der Menschen wieder nach Hause, nachdem sie hier betreut wurden und beispielsweise eine gute medikamentöse Einstellung bekommen haben.</p>
<p><strong>Trotzdem ist der Tod ständig präsent.</strong></p>
<p>Ja, es kann gut sein, dass genau in diesem Moment jemand stirbt und die Bestatter:in kommt. Natürlich ist das eine sehr spezielle Situation mit spezieller Wirkung. Aber bei uns wird das Leben mit all seinen Facetten — der Freude, der Trauer und dem Leid — angenommen. Deswegen haben wir uns auch bewusst entschieden, den Tod nicht zu verstecken. Die Menschen kommen und gehen durch die Eingangstür, entweder zurück nach Hause oder eben, weil sie gestorben sind und im Sarg herausgebracht werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-large wp-image-20705" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-768x513.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-1536x1025.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-2048x1367.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-1920x1281.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-1170x781.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/NIKON-D81018721-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /> Der Alltag im Hospiz: Wenn Patient:innen verstorben sind, stellen Streli-Wolf und ihre Mitarbeiter diese Schale vor die Zimmertür. Dort bleibt sie, bis die Bestatter:innen kommen.</div>
<div></div>
<p><strong>Jeder von uns ist früher oder später mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert. Kann man Trauer jemals bewältigen?</strong></p>
<p>Nein, Trauer kann man nur leben. Wenn jemand einen großen Abschied durchleidet, ist die Trauer die normale, gesunde, heilsame und schmerzhafte Reaktion auf diesen schweren Verlust. Es ist wie eine Heilsalbe. Beim Trauern geht es darum, die Gefühle zuzulassen. Man soll sich erlauben, zu trauern, erschöpft zu sein und für eine gewisse Zeit nicht zu funktionieren. Die Trauer wird sich verändern, aber nur, wenn man sie lebt.</p>
<p><strong>Wie hilft das Hospiz Menschen, die trauern?</strong></p>
<p>In unserem Hospiz gibt es für alle Trauernden, egal ob sie zuvor mit dem Hospiz zu tun hatten oder nicht, drei kostenlose Beratungsgespräche. Zudem haben wir Trauergruppen, auch speziell für junge Erwachsene. Diese haben es oft noch schwerer, weil nur wenige Menschen in ihrem Umfeld eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. In den Trauergruppen treffen wir uns regelmäßig. Es gibt aber auch andere Angebote, wie Trauerspaziergänge, -wanderungen oder gemeinsam rodeln zu gehen.</p>
<p><strong>Oft versichert man einer geliebten Person, die durch eine schwierige Phase geht: „Ich bin für dich da.“ Wie kann man tatsächlich für seine Liebsten da sein?</strong></p>
<p>Konkrete Hilfsangebote sind wichtig: „Soll ich dir für morgen eine Suppe kochen? Sollen wir gemeinsam zum Grab fahren?“ Auf ein einfaches „Melde dich, wenn ich dir helfen kann“, gehen die wenigsten wirklich ein. Und jeder Mensch trauert anders. Mal braucht er Ruhe, dann wieder jemanden zum Reden. Trauer ist nicht in ein paar Monaten erledigt. Man sollte der nahestehenden Person diese Zeit lassen. Tröstlich ist auch, dieser Person am Todestag, an Weihnachten, am Geburtstag der verstorbenen Person zu schreiben: „Ich denke an dich, heute ist bestimmt ein schwerer Tag.“</p>
<p><strong>Sie arbeiten nun seit 18 Jahren im Hospiz. Wieso haben Sie sich für diesen Weg entschieden?</strong></p>
<p>Schon als Jugendliche habe ich mich sehr für den Tod interessiert und viele Bücher über Nahtoderfahrungen gelesen. Als Erwachsene habe ich in der Schwangerschaft zwei meiner Kinder verloren. Diese Erfahrung war sehr prägend: Zu spüren, dass wir über den Tod keine Macht haben, und sich der Trauer zu stellen. Als gelernte Journalistin habe ich zunächst die Öffentlichkeitsarbeit im Hospiz betreut und leite jetzt nach mehreren Ausbildungen und einem Studium der Erziehungswissenschaften die Kontaktstelle Trauer.</p>
<p><strong>Welche Erfahrungen sind Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders in Erinnerung geblieben?</strong></p>
<p>Da gibt es sehr viele. Einmal hatten wir eine Patientin mit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die sehr schwach war und im Rollstuhl saß. Ihr großer Wunsch war es, ein letztes Mal von der Seegrube auf Innsbruck zu schauen. Das war mit einem großen Aufwand verbunden und hat sie viel Kraft gekostet. Oben angekommen hat ihr Gesicht — das durch die Krankheit bereits sehr eingefallen war — gestrahlt. Das werde ich nie vergessen. Letztlich sind es aber, wie immer im Leben, die kleinen Alltäglichkeiten. Wenn Patient:innen sagen, sie seien noch nie so gut behandelt worden wie bei uns. Wenn sie sagen: „Ich bin hier viel mehr als meine Krankheit.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_20707" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-20707" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-20707" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-1024x739.jpg" alt="" width="1024" height="739" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-1024x739.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-300x217.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-768x554.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-1170x845.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger-585x422.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2024/05/4-Pressefoto_Haende_Fotocredit_Tiroler_Hospiz_Gemeinschaft_Gerhard_Berger.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-20707" class="wp-caption-text">© THG / Gerhard Berger</p></div>
<div class="bildunterschrift">Die meisten Patient:innen, die das Hospiz betreut, leiden unter Krebs oder neurologischen Erkrankungen.</div>
<div></div>
<p><strong>Wie hat sich Ihr Blick auf das Lebensende durch die Arbeit im Hospiz geändert?</strong></p>
<p>Als Agnostikerin weiß ich nicht, ob und was es nach dem Tod gibt. Vor meiner Arbeit habe ich den Tod mit viel Angst verbunden, die sich nun gemindert hat. Ich habe mich intensiv mit meinem Leben auseinandergesetzt und mich gefragt, was mir wichtig ist. Wenn man das lebt, ist es vielleicht auch leichter, sich mit dem Lebensende einmal einverstanden zu erklären. Das hoffe ich zumindest.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sindbad: Gemeinsam die Zukunft designen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Embacher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Oct 2023 10:30:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Mentoring-Programm von Sindbad begleitet ein/e MentorIn eine/n SchülerIn beim erfolgreichen Einstieg in eine weiterführende Schule oder Lehre. Hidaio hat gemeinsam mit ihrer Mentorin Annabell ihre Zukunft als Modedesignerin vorbereitet.&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Beim Mentoring-Programm von Sindbad begleitet ein/e MentorIn eine/n SchülerIn beim erfolgreichen Einstieg in eine weiterführende Schule oder Lehre. Hidaio hat gemeinsam mit ihrer Mentorin Annabell ihre Zukunft als Modedesignerin vorbereitet.</div>
<p><span id="more-19810"></span></p>
<blockquote><p>Wenn dir jemand sagt: Du schaffst das, mach weiter – dann geht alles leichter.</p></blockquote>
<p>Annabell arbeitet im Eventdesign, organisiert Ausstellungen und Messeauftritte. Seit einem Jahr ist sie bei Sindbad ehrenamtlich als Mentorin aktiv. Zusammen mit ihrer Mentee Hidaio ist sie eines der Mentoring-Teams in Innsbruck, die diesen Herbst das acht- bis zwölfmonatige Sindbad-Programm abgeschlossen haben. Wir haben Annabell und Hidaio zum Interview getroffen.</p>
<p><strong>Wie seid ihr auf Sindbad gekommen und warum habt ihr euch angemeldet?</strong></p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Ein paar Leute von Sindbad sind zu uns in die Schule gekommen und haben uns das Programm vorgestellt. Ich habe mich dann angemeldet, weil ich schon immer Modedesignerin werden wollte. Von Sindbad habe ich mir erhofft, dass sie mich dabei unterstützen. Ich habe dann auch Annabell als Mentorin ausgewählt, weil sie die Einzige war, die etwas mit Design macht.</p>
<p><strong>Annabell</strong>: Ich habe Sindbad schon länger auf Social Media verfolgt. Letztes Jahr habe ich mich dazu entschlossen, aktiv zu werden. Durch einen Infoabend war ich gleich begeistert von dem Projekt und habe dann wie alle angehenden Mentoren ein kurzes Video von mir aufgenommen. In dem stelle ich mich kurz vor und beschreibe, wie ich den Mentee unterstützen könnte. Hidaio hat mich ausgewählt und dann ging es auch schon los!</p>
<p><strong>Wie war der weitere Ablauf des Sindbad-Programms?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Es gibt jedes Jahr zwei „Staffeln“: Eine beginnt im Herbst, eine kürzere im Frühjahr und beide enden zusammen im darauffolgenden Herbst. Während jeder Staffel gibt es ein paar feste Termine, wie zum Beispiel das Treffen mit allen Mentoren zu Beginn. Mit dem Mentee entscheidet man nach dem ersten Treffen gemeinsam, wann und wie oft man sich trifft. In der Regel ist das alle zwei bis drei Wochen.</p>
<p><strong>Wie war euer erstes Treffen?</strong></p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Das war in der Bäckerei, Sindbad hat dort das erste Treffen von Mentoren und Mentees organisiert. Ich habe nicht so viel geredet, weil ich ein bisschen schüchtern bin. Aber Annabell hat mir ganz viele Fragen gestellt, wir haben was gegessen und Spiele gespielt – das war toll.</p>
<p><strong>Wie liefen dann die weiteren Treffen ab?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Das ist bei jedem Sindbad-Team individuell. Bei Hidaio war schon klar, dass sie Modedesignerin werden will. Es war also nur noch die Frage, auf welchem Weg sie am besten zu diesem Ziel kommt. Ich war sehr motiviert (lacht) und habe eine Mappe mit verschiedenen Möglichkeiten vorbereitet, also zum Beispiel welche Schulen in Frage kommen. Die Entscheidung fiel dann auf den Kreativzweig der polytechnischen Schule. Der dauert ein Jahr, und dann gibt es für die Lehre verschiedene Optionen. Zum Beispiel könnte sich Hidaio für eine Lehrstelle zur Schneiderin bewerben.</p>
<p><strong>Was habt ihr außer der Zukunftsplanung zusammen gemacht?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Ich bin auf die Idee gekommen, zu jedem Treffen ein Stück Modegeschichte mitzubringen. So haben wir wichtige Ikonen besprochen, von Coco Chanel damals bis Iris van Herpen heute. Schritt für Schritt haben wir Steckbriefe von Designern zusammengestellt, bei fast jedem Treffen kam jemand dazu.</p>
<p>Wenn in der Schule ein Referat oder Test angestanden hat, habe ich bei der Vorbereitung, soweit es ging, geholfen. Wir waren aber auch mal im Kino oder was essen. Mein Highlight war, als mich Hidaio zu einem Tanzauftritt eingeladen hat, bei dem verschiedene Schulen aus Innsbruck ihre Choreografien präsentiert haben. Da saß ich im Publikum und Hidaio war Tänzerin auf der Bühne.</p>
<p><strong>Gab es Herausforderungen im Mentoring-Prozess?</strong></p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Bei mir gibt es da nichts, mir hat alles supergut gefallen.</p>
<p><strong>Annabell</strong>: Wie bei jeder menschlichen Beziehung muss man sich erstmal kennenlernen und herausfinden, wie der andere so ist. Aber ich würde sagen, dass wir das Eis schnell gebrochen haben (schaut zu Hidaio und beide lachen).</p>
<p><strong>Habt ihr euch mit anderen Mentoren und Mentees ausgetauscht? An wen hättet ihr euch wenden können, falls es Probleme gegeben hätte?</strong></p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Von den anderen Mentees habe ich nicht so viel mitbekommen. Ich war mit einer Ansprechperson von Sindbad in Kontakt, da hätte ich Probleme ansprechen können.</p>
<p><strong><img decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-19817 alignright" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-300x225.jpg" alt="" width="339" height="254" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-1024x768.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-1170x878.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3-585x439.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_3.jpg 1280w" sizes="(max-width: 339px) 100vw, 339px" />Annabell</strong>: Ich finde den Rückhalt, den man von Sindbad bekommt, super. Ich hatte ebenfalls eine Kontaktperson. In der Supervision haben wir Mentoren uns ausgetauscht und gegenseitig geholfen. Nicht bei allen läuft es so reibungslos. Manche Eltern haben Schwierigkeiten, das Konzept von Sindbad zu verstehen, und sind skeptisch, wenn ihr Kind allein zu den Treffen geht. Außerdem kommen Mentor und Mentee oft aus einem ganz anderen Umfeld, das kann den Beziehungsaufbau erschweren. Wir beide haben schon ein bisschen Glück gehabt, dass wir uns so gut verstehen (die beiden lächeln).</p>
<p><strong>Was waren eure größten Erfolge?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Hidaio hat jetzt ein eigenes Portfolio! Das haben wir gemeinsam erarbeitet. Sie zeichnet super viel und gern. Die schönsten Zeichnungen haben wir gelayoutet und mit diesem Portfolio hat sie sich schon für ein Praktikum beworben.</p>
<p><strong>War das Mentoring manchmal zu viel Zeitaufwand für dich?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Ich habe schon sehr viel Zeit hineingesteckt, aber für mich war das kein Problem und ich konnte mir das gut einteilen. Dadurch, dass man das Programm so individuell gestalten kann, kann man aber auch um einiges weniger Zeit aufwenden. Jeder Mentor kann das selbst entscheiden.</p>
<p><strong>Hidaio, was wäre bei deiner Zukunftsplanung ohne Annabell und das Sindbad-Programm anders gewesen?</strong></p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Es wäre sehr schwierig gewesen. Wenn dir jemand sagt: „Du schaffst das, mach weiter“, dann geht alles leichter.</p>
<p><strong>Annabell, was hast du durch Sindbad gelernt?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Ich habe viel über K-Pop und koreanische Serien gelernt (lacht). Und dass nicht jeder von demselben Punkt startet, wenn es um Bildung und Möglichkeiten geht. Ich habe auch gelernt, dass man als Mentor viel bewirken kann. Oft helfen schon Kleinigkeiten, wie Selbstvertrauen mitzugeben oder den Tipp, beim E-Mail-Postfach in den Spamordner zu schauen, wenn man auf eine Antwort wartet. Außerdem habe ich mitbekommen, was Jugendliche heute beschäftigt. Das sind viel globalere Themen als bei mir damals. Ich finde das sehr beeindruckend und mir gefällt es, dass die Entwicklung in diese Richtung geht.</p>
<p><strong>Wie geht es jetzt weiter im Mentoring-Programm?</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Bald ist das offizielle Ende der Staffel, aber wir werden bestimmt in Kontakt bleiben. In einem Jahr geht es schließlich darum, nach Lehrstellen zu schauen. Bei uns beiden ist es auf jeden Fall eine Beziehung, die nicht mit dem Datum aufhört, an dem das Programm zu Ende ist (lächelt).</p>
<p><strong>Vielen Dank für das Interview.</strong></p>
<p><strong>Annabell</strong>: Hidaio, gehen wir noch ein Eis essen?</p>
<p><strong>Hidaio</strong>: Ja!</p>
<h3>Das Sindbad-Programm</h3>
<p>Wer zwischen 20 und 35 Jahre alt ist, kann sich bei Sindbad als ehrenamtlicher Mentor oder Mentorin engagieren. Die Mentees sind zwischen 13 und 19 Jahre alt und suchen nach der Pflichtschule eine weiterführende Schule oder Lehre. Ziel des Mentoring-Programms ist, für mehr Chancengerechtigkeit in Österreich zu sorgen und unterschiedliche Lebenswelten in Verbindung zu bringen.</p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-19814 alignleft" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_logo-300x193.jpg" alt="" width="225" height="145" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_logo-300x193.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_logo-768x495.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_logo-585x377.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/10/sindbad_logo.jpg 866w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></div>
<p>Infoabende zu Sindbad finden bis Mitte November in der Bäckerei statt. Die Termine sind <a href="https://www.sindbad.co.at/standorte_uebersicht/innsbruck">hier</a> zu finden, allgemeine Informationen zu Sindbad sind auf deren <a href="https://www.sindbad.co.at/">Website</a> zusammengestellt.</p>
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<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/sindbad-gemeinsam-die-zukunft-designen/">Sindbad: Gemeinsam die Zukunft designen</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Der Wind dreht sich nach links</title>
		<link>https://www.unipress.at/campus/der-wind-dreht-sich-nach-links/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Rosa Schmitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2023 10:30:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[ÖH]]></category>
		<category><![CDATA[ÖH-Wahl 2023]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach über 15 Jahren ungebrochener Exekutiv-Beteiligung der AG leitet nun eine dezidiert linke Koalition die ÖH-Innsbruck. Im Interview mit UNIpress spricht das neue Vorsitzteam über Servicepolitik, Linksextremismus und darüber, was&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up" style="font-weight: 400;">Nach über 15 Jahren ungebrochener Exekutiv-Beteiligung der AG leitet nun eine dezidiert linke Koalition die ÖH-Innsbruck. Im Interview mit UNIpress spricht das neue Vorsitzteam über Servicepolitik, Linksextremismus und darüber, was sich an der Uni klimatechnisch ändern müsse.</div>
<p style="font-weight: 400;"><b><br />
</b>Als am Morgen des 12. Mai die Wahlergebnisse der Hochschulvertretungswahl an der Universität Innsbruck verkündet wurden, war das Erstaunen groß. Die JUNOS hatten ein Mandat verloren; die bisherige Koalition aus AG und JUNOS ging sich folglich nicht mehr aus. Stattdessen kamen GRAS, VSStÖ und KSV-LiLi gemeinsam auf die für eine Mehrheit erforderlichen 10 Mandate. Eine Dreierkoalition dieser linksgerichteten Fraktionen entspräche, aus damaliger Sicht, einer kleinen Sensation: Denn eine Innsbrucker ÖH-Exekutive ohne Beteiligung der AG hatte es seit 2007 nicht mehr gegeben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Lange blieb für die Öffentlichkeit unklar, ob es dazu wirklich kommen würde. Seit dem 27. Juni steht die linke Koalition nun aber fest. Wie verliefen die Koalitionsverhandlungen? Was wird sich nun ändern? Was hat der bisherige Vorsitz gut gemacht? Was ist schwierig an der Zusammenarbeit? Und wie extrem ist der KSV-LiLi? Im UNIpress-Interview stehen die neuen Mitglieder des Vorsitzteams Rede und Antwort.</p>
<p><b>UNIpress: Erstmals herzlichen Glückwunsch an euch zum Gewinn.</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia und Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Danke, danke. </span></p>
<p><b>UP: Das Wahlergebnis hat die AG und die JUNOS, wie&#8217;s scheint, etwas überrascht. Euch auch?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Ja, mich hat das Ergebnis schon sehr stark überrascht. Andere – jetzt in meiner Fraktion – weniger. Aber ich finde das alles so schwierig einzuschätzen. Weil doch so ein extremer Wechsel an Studierenden ist. Und wenn man sich die politischen Ergebnisse sonst so auf der Welt anschaut… Da habe ich mir schon gedacht, dass wir verlieren. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Uns hat’s auch überrascht, würde ich sagen. Wir hatten ja eigentlich damit gerechnet, dass wir ein Mandat dazugewinnen – oder bei der gleichen Anzahl bleiben. Vor allem, weil unsere Themen doch recht aktuell sind. Zum Beispiel die Teuerung. Dass wir wie schon seit jeher wieder unseren Fokus darauf gelegt haben, hätte uns in die Hände spielen sollen. Aber vor allem, dass wir jetzt eine linke Mehrheit haben… Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Deswegen finde ich den Verlust jetzt auch nicht ganz so schlimm. Wir haben so ja dann doch irgendwie eine Mehrheit.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Lola, warst du überrascht? </b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Lola: </b><span style="font-weight: 400;">Haha, eher erleichtert! Vielleicht auch positiv überrascht. Aber da wir sehr viel Arbeit in den Wahlkampf reingesteckt haben, sind wir zufrieden. Ich begrüße auf jeden Fall das wiederkehrende politische Interesse der Studierenden an der Universität Innsbruck. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Warum, glaubst du, Hannah, habt ihr ein Mandat verloren?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Wir haben sicher viele Stimmen an KSV-Lili verloren. Und an GRAS.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: An die AG nicht?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Ich glaube nicht.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: War für euch direkt nach Verkündung der Wahlresultate klar, dass ihr eine linke Dreierkoalition wollt? </b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Für uns, also den VSStÖ, schon. Weil das einfach die bestmögliche Koalition für uns ist. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia:</b><span style="font-weight: 400;"> Wir haben natürlich Gespräche mit der AG gesucht, geführt. Aber wir haben von Anfang an eine Dreierkoalition bevorzugt. In den Gesprächen mit all den Fraktionen hat sich das umso mehr herauskristallisiert. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Woran liegt die notorisch niedrige Beteiligung bei den ÖH-Wahlen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">An ganz vielen Faktoren. Ein gewisser Prozentsatz wird nie wählen gehen… Studierende, die nicht wissen, dass sie dürfen. Oder wieso sie sollten. Vielleicht weil sie nur </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">kurz</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;"> studieren, und es sie </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">eh nicht beeinflusst“.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Ja. Aber wir hoffen halt, dass wir jetzt mehr von ihnen dadurch motivieren können, dass wir die ÖH politischer gestalten wollen. Wir wollen ihnen vermitteln, dass wir – und sie – etwas verändern, bewegen können. Vielleicht bringen sie sich dann mehr in die ÖH ein. Oder zumindest ihre Stimmen. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wie viel kann die ÖH denn allgemein politisch bewegen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">(hält kurz inne) Wir können auf jeden Fall mit Politiker:innen reden und versuchen, unsere Anliegen einzubringen. Und innerhalb der Universität Rahmenbedingungen schaffen, wo sich alle wohlfühlen.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Vieles ist da noch im Aufbauprozess, sozusagen. Natürlich haben wir schon ein paar Ideen. Was dann möglich ist und was wirklich Gehör findet, ist dann aber die andere Sache.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Inwiefern ist die Universität noch kein Ort für alle?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Es arbeiten zum Beispiel sehr viele Studierende nebenher. Weswegen sie nicht immer alle Lehrveranstaltungen besuchen können. Sie sind ausgeschlossen. Brauchen länger. Müssen mehr Studiengebühren zahlen. Das ist ein Teufelskreis.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Ja, genau. Auf sogenannte  </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">Arbeiter:innenkinder</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;">, die sozial oder finanziell nicht so gut aufgestellt sind, wird gar nicht geachtet. Sie haben es viel schwerer. Man stelle sich vor: Man kommt neu an die Universität. Man hat niemanden, der einen unterstützt. Das überfordert extrem. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wie kann die ÖH in solchen Fällen helfen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Wir versuchen, mit Fördertöpfen einen Ausgleich zu schaffen. So gut es geht. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Aber – nur um auszuführen – sie sind nicht die einzigen, die vergessen gehen. Auch für queere Studierende braucht es mehr Unterstützung – zum Beispiel in der Form von genderneutralen Toiletten. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Lukas Schobesberger, der ehemalige 2. Vorsitzende der ÖH Innsbruck, hat die Beteiligung des KSV-Lilis in der Bundes-ÖH kritisiert. Extremistisches Gedankengut habe in politischer Verantwortung nichts verloren. Sophia, Hannah – koaliert ihr mit einer linksextremen Fraktion?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Also </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">linksextrem</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;"> würde ich jetzt nicht sagen (lacht). Ich finde das ein bisschen übertrieben. Immer wenn jemand Kommunismus oder so im Titel hat, dann wird gleich das Vorurteil gesetzt: Die sind extrem! Sie sind links. Eh ganz klar. Aber nicht Linksextreme. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> (nickt zustimmend)</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Lola, was meinst du? Bist du linksextrem?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Lola:</b><span style="font-weight: 400;"> Dass eine kapitalistische studierendenfeindliche Fraktion ein Problem damit haben wird, dass Kommunist:innen in der ÖH vertreten sind, war mir von Anfang an klar. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Ich bezeichne mich lieber als linksradikal, da ich glaube, dass wir, statt nur die Symptome bekämpfen zu wollen, die Probleme in unserer Gesellschaft an der Wurzel ändern sollten. Radix heißt ja auf Latein „Wurzel</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;">. Die Wurzel für viele dieser Probleme sehe ich im Kapitalismus und im Patriarchat. Deswegen bin ich auch materialistische Feministin. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Und dass für Lukas Schobesberger der Kampf für ein freie Uni, eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und ein schönes Leben für alle „extrem</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;"> ist – das find ich bezeichnend.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Was wird für euch die größte Herausforderung in der Zusammenarbeit zwischen GRAS, VSStÖ und KSV-Lili sein?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Manchmal haben wir andere Zugangsweisen. Das merkten wir auch in den Koalitionsgesprächen. Aber da muss man einfach schauen, dass man auf einen Konsens kommt, damit wir für die Studierenden Gutes erreichen.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Gibt es da konkrete Beispiele?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Manche vertreten ihre Grundsätze halt stärker. Sie konzentrieren sich eher darauf, wofür die Fraktion prinzipiell steht, statt das Ganze zu sehen. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Es ist also eher eine Frage der verschiedenen Zugänge – nicht der Inhalte?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Genau. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Was wird euch in der Zusammenarbeit am einfachsten fallen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Die Themen, für die wir uns einsetzen wollen. Da sind wir uns einfach einig. Der Zweck eint uns. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Die AG Innsbruck hat kritisiert, dass ihr ein Bündnis ohne die stimmenstärkste Fraktion eingegangen seid.</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia:</b><span style="font-weight: 400;"> Ich finde, das ist in Ordnung so. Ihr Argument ergibt jetzt wenig Sinn… Vor zwei Jahren hätten sie die Chance gehabt, mit GRAS – der zweitstärksten Fraktion – eine Koalition zu bilden. Und wir haben ja eine linke Mehrheit. Das ist für uns wichtiger. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Ich denke außerdem, dass es gut ist, dass jetzt jemand anderes dran ist. Es war doch 17 Jahre lang die AG an der Spitze. So kommt mal ein bisschen frischer Wind in die ÖH rein. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Was werdet ihr denn anderes machen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Ganz klar unsere Positionierung. Das allgemeinpolitische Mandat werden wir wahrnehmen. Aber auch die Projekte, die wir verfolgen wollen. Mal grob gesagt. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Lola: </b><span style="font-weight: 400;">Wir wollen, wie bereits angesprochen, dass die ÖH ihren eigentlichen Sinn als politische Interessensvertretung für Studierende wahrnimmt. Wir sind Teil der Gesellschaft, deswegen geht uns die Allgemeinpolitik sehr wohl was an!</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Also sind die Veränderungen allumfassend – und nicht auf irgendetwas Spezifisches bezogen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Ja. Wir wollen nicht </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">nur” einen Service anbieten. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Werdet ihr die Studierenden dabei vergessen?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">(lacht) Nein. Sie stehen immer noch im Fokus. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Was hat der vorherige Vorsitz denn gut gemacht?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Also, ein paar Projekte muss man schon loben. Den Psychotherapie-Topf, zum Beispiel. Er hat extrem vielen Studierenden geholfen. Auch die Service, die sie angeboten haben, waren… nicht alle… nicht schlecht.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Lola:</b><span style="font-weight: 400;"> Glaube ich auch. Aber die ÖH Arbeit hört nicht bei der Servicepolitik auf. Wir wollen mehr als das!</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Sehr vorsichtig formuliert. </b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Ja, es gibt natürlich ein paar Sachen – da hätten sie sich mehr Mühe machen können. Aber sie haben auch gute Arbeit geleistet.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Ich würde zum Beispiel auch sagen, dass die Stadträder eine gute Idee waren. Sie werden rege genutzt. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wo du’s ansprichst – was muss in puncto Klimaschutz an der Uni Innsbruck passieren?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Ganz klar: Uni-Begrünung. Das bringt dem Klima jetzt nicht unbedingt extrem viel. Aber es nimmt Hitze. Sonst: PV-Anlagen auf den Dächern. Die Sanierung des GeiWi-Turms. Da verlieren wir sehr an Energie. Die Universität heizt zu viel mit Gas. Da müssen wir umstellen. Und bei den Studierenden muss mehr Bewusstsein geschaffen werden.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah:</b><span style="font-weight: 400;"> Auch Thema Mobilität: Wir wollen das Öffi-Ticket gratis machen. Oder zumindest auf 194 Euro reduzieren – dann könnte man die Kosten eins zu eins mit der Familienbeihilfe decken.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Hannah, du bist ja nichtbinär. Wie möchtest du angesprochen werden? Du bist ja vermutlich weder stv. Vorsitzen</b><b>de </b><b>noch stv. Vorsitzen</b><b>der</b><b>. </b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Ohne Pronomen. Es ist ein bisschen blöd, dass es in der deutschen Sprache keine genderneutralen gibt. Aber ist halt einfach so – und deswegen bitte einfach keine verwenden. Sondern meinen Vornamen. Titel: 1. Stv. Vorsitz. Das geht eigentlich ganz gut. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wie steht eigentlich ihr zur UNIpress – sollten wir frei von Einfluss der ÖH agieren können? </b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Absolut. Es ist wichtig, dass ihr unabhängig agiert. Der damalige Vorsitz Daniel Müller hat ja mal eine Ausgabe zurückgezogen… Das ist sehr stark zu kritisieren. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Dem kann ich nur zustimmen. Ihr habt zwar da ein Büro. Aber ihr müsst nicht da arbeiten. Ihr könnt machen, was ihr wollt.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: (lacht) Vorsicht.</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: (schmunzelt) </b><span style="font-weight: 400;">Nah, wir wollen euch da nicht beschränken oder kontrollieren, ob das, was ihr macht, im Studi-Kontext passt oder nicht. Das könnt ihr selber beurteilen.</span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wie bereits angesprochen, wurde vergangenes Jahr eben die Sommersemester Printausgabe #1 zum Thema „Sex</b><span style="font-weight: 400;">“</span><b> vom ÖH-Vorsitz beschlagnahmt und durfte nicht verteilt werden. Es hieß, diese sei nicht </b><span style="font-weight: 400;">„</span><b>relevant für Studierende</b><span style="font-weight: 400;">“</span><b>. Wie seht ihr das?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia und Hannah: </b><span style="font-weight: 400;">Es gibt kein Thema, das für die Gesellschaft relevant ist, aber nicht für Studierende. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: Wie wichtig ist Pressefreiheit auf Hochschulniveau?</b></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>Sophia: </b><span style="font-weight: 400;">Genauso wichtig wie sonst. </span></p>
<p style="font-weight: 400;"><b>UP: We will hold you to that. </b></p>
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		<title>O Say, Can You See: Parteien, Polarisierung und inhaftierte Präsidenten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Isser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jun 2023 10:31:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.unipress.at/?p=19705</guid>

					<description><![CDATA[<p>U.S.-Politikexperte Dr. Phillip Ardoin erklärt, woran die amerikanische Demokratie zugrunde gehen könnte, wieso Donald Trump auch im Gefängnis noch Präsident werden könnte und wie Studierende in North Carolina die Republikaner&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">U.S.-Politikexperte Dr. Phillip Ardoin erklärt, woran die amerikanische Demokratie zugrunde gehen könnte, wieso Donald Trump auch im Gefängnis noch Präsident werden könnte und wie Studierende in North Carolina die Republikaner „anpissen“.</div>
<p><span id="more-19705"></span></p>
<p><em>Dieses Interview wurde ins Deutsche übersetzt. <a href="https://www.unipress.at/politik/o-say-can-you-see-parties-polarization-and-presidents-in-prison/">Hier</a> geht&#8217;s zur englischen Originalversion. / This interview was translated into German. You can find the English original <a href="https://www.unipress.at/politik/o-say-can-you-see-parties-polarization-and-presidents-in-prison/">here</a>. </em></p>
<p>Es ist eine bewegte Zeit in der US-amerikanischen Politik. Erst letzte Woche wurde der ehemalige Präsident Donald Trump in 37 Punkten angeklagt, im Zusammenhang mit der mutmaßlich illegalen Aufbewahrung von geheimen Dokumenten, von denen er manche angeblich in einer Dusche in seinem Florida-Anwesen Mar-a-Lago lagerte.</p>
<p>Die Präsidentschaftswahl 2024 rückt immer näher, und potenzielle Kandidat:innen starten ihre Wahlkampagnen. Der demokratische Präsident Biden hat verkündet, dass er die Wiederwahl anstrebt. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums kämpfen mehrere Republikaner um die Nominierung zum republikanischen Kandidat, darunter der ehemalige Präsident Donald Trump, der ehemalige Vizepräsident Mike Pence und Ron DeSantis, der Gouverneur von Florida.</p>
<p>Phillip Ardoin ist Professor für amerikanische Politik an der Appalachian State University in North Carolina und Gastprofessor an der Universität Innsbruck. In diesem Interview erzählt er von seinen Hoffnungen, Ängsten und Vorhersagen für die Wahl 2024. Außerdem erklärt er, wieso die Präsidentschaftswahl eigentlich gar nicht demokratisch abläuft und warum die Parteien einen Zahlenwert für jede Wählerin und jeden Wähler haben. Und er beleuchtet die politische Polarisierung in Amerika und die Rolle der sozialen Medien.</p>
<p><strong>Dr. Ardoin, was ist Ihrer Meinung nach momentan das größte Problem für die US-amerikanische Demokratie?<br />
</strong></p>
<p><strong>Dr. Phillip Ardoin</strong>: Ganz offen gesagt, würde ich sagen Donald Trump und zunehmender politischer Extremismus. Und die Loyalität gegenüber Trump unter seinen Parteikolleg:innen.</p>
<p>Vor kurzem wurde er angeklagt, und er streitet alles ab. Und viele Amtsträger:innen haben so Angst vor ihm, dass sie nichts sagen, oder sie sind auf den Zug aufgesprungen und bezichtigen das Justizministerium einer politischen Kampagne gegen ihn. Die Indizien sagen klar, dass er schuldig ist, aber seinen Anhänger:innen und der Partei als Ganzes ist die Loyalität ihm gegenüber wichtiger als die Loyalität gegenüber den Institutionen und der Demokratie.</p>
<p>Und so enden moderne Demokratien. Nicht durch Revolutionskriege, sondern durch langsame Unterstützung von Autoritarismus und dadurch, dass Individuen oder eine Partei über den Rechtsstaat und politische Institutionen gestellt werden. Ich beobachte das in Amerika. Ich bin während des Kalten Krieges aufgewachsen, und wir haben über solche Dinge in der Sowjetunion gelesen. Man hätte nie gedacht, dass das jemals in Amerika passieren würde.</p>
<p><strong>Ist Trump ein Symptom oder eine Ursache?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Ein Symptom.</p>
<p><strong>Wovon?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Der zunehmenden Polarisierung und Spaltung in Amerika. Aber er treibt das Ganze auch an. Es gibt auch Beispiele unter den Demokraten, wie AOC oder Bernie Sanders, die die Polarisierung antreiben und die andere Seite als die Bösen attackieren. Daher bekommen sie viel politische Macht. Aber sie haben nicht das gleiche Level an Macht oder gar das höchste Amt des Landes erreicht wie Donald Trump.</p>
<p>Und er hat das nicht nur verwendet, um sich selbst zu pushen und an Ämter zu gelangen und Geld zu sammeln. Er hat auch den neuen Typus eines Trump&#8217;schen Kandidaten erschaffen. Wir sehen das bei Marjorie Taylor Greene und anderen, denen die Wahrheit einfach egal ist, die nur die anderen attackieren wollen und für politischen Nutzen alles sagen würden.</p>
<blockquote><p>Ich hätte nie gedacht, dass das jemals in Amerika passieren würde.</p></blockquote>
<p><strong>Sie erwähnen Individuen, die die Polarisierung fördern. Was sind strukturelle oder systemische Ursachen für Polarisierung?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Einer der Hauptfaktoren in Amerika und generell – die Polarisierung nimmt auf der ganzen Welt zu, in Industrie- wie in Entwicklungsstaaten – sind die sozialen Medien. Ersten erlauben uns soziale Medien, in Filterblasen zu leben, wo wir absichtlich oder unwissentlich nur das hören, was wir hören wollen. Webfilter zeigen uns keine Informationen, die uns nicht gefallen, weil wir dann nicht zurückkommen würden.</p>
<p>Zweitens können die Eliten die Öffentlichkeit jetzt direkt kontaktieren und Lügen verbreiten. Donald Trump hat eine Kundgebung veranstaltet, nachdem er festgenommen und angeklagt wurde, und er hielt eine absurde 30-minütige Rede voller Lügen. Vor 20 Jahren hätten die Nachrichten die Rede gezeigt, aber sie kontextualisiert und eine andere Perspektive gezeigt oder die Lügen herausgeschnitten. Aber jetzt geht die Rede direkt an alle, die in einer konservativen Nachrichtenblase leben. Sie hören die Begründung für die Anklage und die Präzedenzfälle nicht, und auch nicht die Aufnahmen, in denen Trump sich selbst widerspricht.</p>
<p><strong>Wie glauben Sie, dass die Anklage weitergeht?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Was jetzt schon passiert ist, ist, dass er Millionen Dollar gesammelt hat. Er verwendet die Anklage für den Wahlkampf. Nach seiner letzten Anklage in New York hat er Millionen in 24 Stunden eingenommen. Er hat letzte Nacht zwei verschiedene Spendenaktionen veranstaltet, eine in Miami und eine in New Jersey. Gewissermaßen hilft ihm die Anklage.</p>
<p>Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Es kommt darauf an, wie lange er es hinauszögern kann. Wenn er bis Januar, noch bevor die Vorwahlen beginnen, schuldig gesprochen wird, wird er wahrscheinlich nicht zum republikanischen Kandidaten. Darauf hoffe ich. Aber wenn es noch länger dauert und er der offizielle Kandidat wird, während das von den Demokraten kontrollierte Justizministerium ihn anklagt, würde das wirklich übel werden.</p>
<p>Und das könnte der entscheidende Punkt sein. Wenn er der Kandidat ist, wie reagiert die Wählerschaft auf seine Wahlkampagne? Wenn er schuldig gesprochen wird oder die Wahl verliert, stiftet er wieder eine Revolte an wie am 6. Januar? Wir wissen es einfach nicht. So etwas gab es noch nie.</p>
<p><strong>Auch wenn Trump im Gefängnis ist, kann er weiterhin zur Wahl antreten. Wie funktioniert das?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Ich weiß es nicht, es ist noch nie passiert. Ein Schwerverbrecher zu sein, disqualifiziert einen nicht für den Antritt zur Wahl, obwohl man als Straftäter selber nicht wählen darf. Und sobald man Präsident ist, kann man nicht mehr inhaftiert werden. Man kann nicht einmal vor Gericht kommen, man hat Immunität als Präsident. Er würde vier Jahre gewinnen.</p>
<blockquote><p>Wenn Trump der Kandidat wird, würde das wirklich übel werden.</p></blockquote>
<p><strong>Als Trump 2016 gewonnen hat, hatte er eigentlich landesweit weniger Stimmen als seine Gegnerin. Aber hat gewonnen, weil das Electoral College Stimmen aus kleinen Staaten stärker berücksichtigt. Ist das nicht undemokratisch?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Nun, Amerika hat ein republikanisches Regierungssystem – „republikanisch“ wie die Republik, nicht wie die Republikanische Partei. Wir haben ein föderales System. Deswegen wird unser Präsident nicht demokratisch gewählt.</p>
<p><strong>Sie unterscheiden Republikanismus von Demokratie?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Ja, und Föderalismus. Wir geben in Amerika den Bundesstaaten große Bedeutung. Und das Electoral College reflektiert das gewissermaßen. Nicht dass ich damit übereinstimme, ich finde schon, dass wir es abschaffen sollten. Vor 100 Jahren war es sinnvoll, als wir stärker auf die Staaten ausgerichtet waren. Aber ich denke jetzt, wo wir eine Entwicklung Richtung Bundespolitik sehen, sollten wir eine Direktwahl haben.</p>
<p>Aber stellen Sie sich vor, die EU würde einen einzigen Anführer wählen. Würde Österreich wollen, dass das eine allgemeine Direktwahl ist? Oder sollten alle Länder, auch die kleinen, mitreden dürfen?</p>
<p>Kleine Bundesstaaten haben einzigartige Interessen, und das ist der Kerngedanke hinter dem Electoral College. Aber Staatsgrenzen sind mittlerweile viel weniger bedeutend als noch vor 30 Jahren.</p>
<p>Und wirklich interessant am Electoral College ist, wie es den Präsidentschaftswahlkampf auf eine ganz kleine Anzahl von Staaten beschränkt. 2024 werden sich Besuche und Ausgaben auf wahrscheinlich sechs bis acht Staaten fokussieren. Die anderen 42 Staaten werden total ignoriert werden. In einem sicheren Staat wie Louisiana, von dem die Republikaner wissen, dass sie ihn gewinnen, gibt es auch eine Woche vor der Wahl überhaupt keine Wahlwerbungen. In North Carolina hingegen kann man acht Wochen vor der Wahl den Fernseher nicht anschalten, ohne gleich einen Wahlwerbesport zu sehen. Präsidentschaftskandidat:innen besuchen eine Stadt mit 20.000 Menschen in North Carolina viermal, aber besuchen den ganzen kalifornischen Staat kein einziges Mal.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><strong>Auf wen würden Sie für die Wahl 2024 setzen?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Wenn Sie mir jetzt eine Waffe an den Kopf halten würden – und in Amerika hätten Sie eine (lacht) – würde ich auf Joe Biden setzen, sofern Trump der republikanische Kandidat ist. Aber ich würde nicht mehr als fünf Euro setzen. Sicherer bin ich mir nicht.</p>
<p>Wenn Donald Trump nicht der republikanische Kandidat ist, würde ich darauf setzen, dass, wer auch immer stattdessen für die Republikanische Partei antritt, die Wahl gewinnt. Joe Biden ist zu alt, um noch einmal Präsident werden zu wollen, und ich verstehe nicht, wieso die Demokraten – und Joe Biden selbst, um ehrlich zu sein – sich dafür entschieden haben. Er ist jetzt 80 Jahre alt. Momentan stelle ich seine mentale Stabilität nicht in Frage, aber in vier Jahren&#8230; Und auch seine Ausdauer. Ich bin jetzt 53, und ich kann mir nicht einmal vorstellen, in 27 Jahren Institutsleiter an der Universität zu sein, und schon gar nicht Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.</p>
<p>Wenn man sich Fotos von Präsidenten am Anfang und am Ende der Amtszeit ansieht, ist der Unterschied riesig. Sie sehen aus, als wären sie zwei Jahrzehnte gealtert. Es ist so ein herausfordernder Beruf.</p>
<blockquote><p>Beide Parteien haben einen Zahlenwert für mich. Sie wissen praktisch, was ich denke.</p></blockquote>
<p><strong>Wenn nicht Trump, wer? DeSantis?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Im Juli 2015 hätte niemand vorhergesehen, dass Trump 2016 der Kandidat wird. 2007 wussten die meisten noch nicht einmal, wer Obama ist.</p>
<p>Wir haben noch sieben Monate, bis die Vorwahlen beginnen, und in diesen sieben Monaten kann noch so viel passieren. Wird die Anklage Trump als Kandidaten konsolidieren oder seine Hoffnungen zerstören? Würde das dann einen Kandidaten bedeuten, der Trump kritisiert oder unterstützt hat?</p>
<p><strong>Wenn Sie irgendwas am politischen System der USA ändern könnten, abgesehen vom Electoral College, was wäre das? Wo gibt es am meisten Reformpotenzial?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Wahlkreisschiebung, also Gerrymandering. Jetzt wird es ein bisschen kompliziert, aber tatsächlich können die gewählten Mitglieder der Bundesstaatslegislaturen die Wahlkreise selber ziehen. Sie können also entscheiden: Mit welchen Wähler:innen will ich es in der nächsten Wahl zu tun haben? Weil sie das dürfen, und mit der Technologie und den Daten über die Bevölkerung, können sie die Wahlkreise so ziehen, dass ihr Wahlerfolg sichergestellt wird. Sie machen das wirklich Haus für Haus.</p>
<p>Und so war es schon immer in Amerika, aber wir hatten noch nie so viele Informationen über individuelle Haushalte und Wählerinnen, dass wir das so effektiv machen konnten. Jetzt, mit Microtargeting, wissen wir wirklich bei jeder Straße, ob dort zwölf Demokraten oder acht Demokraten wohnen, und können entscheiden, ob wir dann die ganze Straße im Wahlkreis haben wollen oder nur die halbe.</p>
<p>Ich bin als unabhängiger Wähler registriert, aber beide Parteien haben einen Zahlenwert für mich, der ihnen die Wahrscheinlichkeit angibt, dass ich sie wähle. Sie kennen meinen Feed in den sozialen Medien, sie wissen, wo ich mein Geld ausgebe, mit wem ich Zeit verbringe. Sie wissen praktisch, was ich denke.</p>
<p>Und wenn du als Republikaner weißt, dass der Wahlkreis dir gehört, musst du dir keine Gedanken über Demokraten machen. Du musst dir Sorgen machen über andere Kandidat:innen, die noch weiter rechts sind als du, und dass sie an deiner Stelle die Nominierung bekommen. Das macht die politische Mitte unattraktiv.</p>
<div id="attachment_19700" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/How_to_Steal_an_Election_-_Gerrymandering.svg"><img aria-describedby="caption-attachment-19700" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-19700 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/How_to_Steal_an_Election_-_Gerrymandering.svg" alt="" width="1024" height="819" /></a><p id="caption-attachment-19700" class="wp-caption-text">Ein Beispiel für Wahlkreisschiebung. Credit: Steve Nass, CC BY-SA 4.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0&gt;, via Wikimedia Commons</p></div>
<p><strong>In den USA muss man sich offiziell registrieren, damit man wählen darf. Sollte das auch reformiert werden?<br />
</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Nein, ich meine, das ist zwar ein Thema. Aber es ist lustig: Dass Gesetzgeber die Leute vom Wählen abhalten wollen, hat so viel Aufmerksamkeit und Spenden für Wahlbeteiligungskampagnen generiert, dass die Beteiligung sogar gestiegen ist.</p>
<p>Beispielsweise hat meine Universität die größte Anzahl an Demokraten in unserem Wahlkreis, also hat die Republikanische Partei viel unternommen, um Studierende vom Wählen am Campus abzuhalten. Aber das hat die Studierenden nur wütend gemacht, und es hat so viel Aufmerksamkeit auf die Wahl gelenkt, dass seit acht Jahren die Wahlbeteiligung immer noch höher wird. Die beste Art und Weise, Studierende zu irgendwas zu bewegen, ist, ihnen zu sagen, dass die Obrigkeit es ihnen verbieten will. Die Studierenden gehen wählen, einfach nur, um sie anzupissen.</p>
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		<title>O Say, Can You See: Parties, Polarization and Presidents in Prison</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Isser]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jun 2023 10:30:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>US-politics expert Dr. Phillip Ardoin explains how American democracy might end, why Donald Trump could still run for president if he were in prison and how students at his home&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">US-politics expert Dr. Phillip Ardoin explains how American democracy might end, why Donald Trump could still run for president if he were in prison and how students at his home university in North Carolina “piss off” the Republican party.</div>
<p><span id="more-19664"></span></p>
<p><em>This interview was conducted in English. If you would prefer to read a translated German version , you can find it <a href="https://www.unipress.at/politik/o-say-can-you-see-parteien-polarisierung-und-inhaftierte-praesidenten" target="_blank" rel="noopener">here</a>. / Dieses Interview wurde auf Englisch geführt. Wenn Sie lieber die ins Deutsche übersetzte Version lesen würden, finden Sie diese <a href="https://www.unipress.at/politik/o-say-can-you-see-parteien-polarisierung-und-inhaftierte-praesidenten" target="_blank" rel="noopener">hier</a>.</em></p>
<p>It is an eventful time in United States politics. Just last week, former president Donald Trump was indicted on 37 felony counts revolving around alleged unlawful keeping of classified documents, some of which he supposedly stored in a shower at Mar-a-Lago, a Trump-owned resort in Florida.</p>
<p>As the 2024 presidential race draws nearer, potential candidates are launching their campaigns. President Biden has announced that he is seeking re-election for the Democratic party. On the other side of the political spectrum, several candidates are competing for the Republican nomination, among them former president Donald Trump, former vice president Mike Pence and Florida governor Ron DeSantis.</p>
<p>In this interview, Dr. Phillip Ardoin, professor of American politics at Appalachian State University in North Carolina and visiting professor at the University of Innsbruck, discusses his hopes, fears and predictions for the 2024 election. He also explains why the American presidential election is not actually democratic and why the parties have a score on every single voter, and he sheds light on political polarization in America and the role of social media.</p>
<p><strong>Dear Dr. Ardoin, what do you think is currently the biggest problem facing American democracy?</strong></p>
<p><strong>Dr. Phillip Ardoin</strong>: To be blunt, I would say Donald Trump and the growth of political extremism. And the loyalty to him among his partisans.</p>
<p>Recently, he was indicted and he’s completely denying having done anything. And so many of the elected officials are so afraid of him they’re not saying anything, or they have jumped on the bandwagon, accusing the Department of Justice of running a political campaign against him. The evidence clearly shows he’s guilty, but his followers and the party in general are more worried about being loyal to him than being loyal to the institutions and democracy.</p>
<p>And this is how modern democracies end. It’s not through revolutionary war; it’s this slow support of authoritarianism and individuals putting a party or an individual above the rule of law and government institutions. I see that happening in America. Growing up in America during the Cold War, we would read about these things happening in the Soviet Union. You didn’t think that would ever happen in America.</p>
<p><strong>Do you think Trump is a symptom or a cause?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: I think he’s a symptom.</p>
<p><strong>Of what?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: The growing polarization and divide in America. But he has propelled it as well. There are also examples in the Democratic party, like AOC and Bernie Sanders, who increase polarization and attack the other side as evil, and they get a lot of political power from that. But those people haven’t risen to the level of power or to the highest office like Donald Trump has.</p>
<p>And he has not only used that to propagate himself and get office and raise money, but he has inspired a whole new younger type of Trumpian candidate. We see this with Marjorie Taylor Greene and other candidates who simply don’t care about the truth, who just want to attack the other side and who will say anything for political gain.</p>
<blockquote><p>I didn&#8217;t think that would ever happen in America.</p></blockquote>
<p><strong>You mention these individuals that drive polarization. What do you think are some structural or systemic causes?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: One of the primary factors driving polarization in America and throughout the world – because we’re seeing political polarization increasing all over the world, both in developing and industrialized countries – is social media. One, social media allows us to live in these filter bubbles, where we only hear the information we want to hear, whether purposefully or unknowingly. Web filters don’t provide us with information we don’t like because that would stop us from coming back.</p>
<p>The other way social media is driving polarization is the ability of the elites to contact the public directly and spread lies. Donald Trump held a rally after being arrested and indicted, and he gave this preposterous 30-minute speech that was just filled with lies. Twenty years ago, news outlets would have covered that speech, but they would have put it in context and would have provided another perspective or edited out the lies. But that speech now goes directly to anyone who lives in a conservative news bubble. They’re not hearing the justification and the legal precedent of the indictment and the recordings of Trump contradicting himself.</p>
<p><strong>How do you see the indictment proceeding?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: One thing that has already happened is that he has raised millions of dollars. He is using this as a campaign tool. After his last indictment in New York, he raised millions in 24 hours. He held two separate fundraisers last night, one in Miami and one in New Jersey. To some extent, the initial indictment helps him.</p>
<p>Where it goes, I don’t know. How much he’s able to delay it. If we can get this trial and get him to be found guilty by January, before the Republican primaries start, he would probably not get the nomination as the Republican candidate. That would be my hope. But if this drags out and he becomes the official candidate for the Republican party, with a Democratic Department of Justice indicting him, this would get really nasty.</p>
<p>And this could be the breaking point. If he is the candidate, how does the American electorate respond to that campaign? If he’s found guilty or he loses the election, does he start another insurrection like on January 6<sup>th</sup>? You just don’t know. This is so unprecedented.</p>
<p><strong>Even if Trump is in jail, he can still run for president. How would that work?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: I don’t know; it’s never happened. But when you look at the things that make you ineligible to run for office, being a felon is not one of them, even though you can’t vote as a felon. And once you’re president, they can’t put you in prison. They can’t do anything; they can’t try you; there’s immunity as president. He would buy himself four years.</p>
<blockquote><p>If Trump gets the nomination, this would get really nasty.</p></blockquote>
<p><strong>When Trump won the presidency in 2016, he actually lost the popular vote. But he won because the electoral college gives more weight to voters in smaller states. Is this not undemocratic?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Well, America has a republican system of government – small-R republican, not as in the Republican party. We have a federal system. So our president is not democratically elected.</p>
<p><strong>You make a distinction between republicanism and democracy?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Yes, and federalism. We have this recognition of the importance of states in America. And the electoral college to some extent reflects that. Not that I agree, and I do think the electoral college should be eliminated. It made sense 100 years ago, when we were much more state oriented. But I think now, with the nationalization of American politics, we should have a direct election.</p>
<p>But imagine if the European Union was electing a single leader, would Austria want that to be just a popular vote? Or would you want each country, even smaller countries, to have a role in that?</p>
<p>Smaller states have unique interests, and that’s the core and the initial thoughts behind the electoral college. But state boundaries in America matter much less today than they did even 30 years ago.</p>
<p>And one of the really interesting things with the electoral college is how it’s resulted in the presidential campaigns only really focusing on a very small number of states. In the 2024 presidential election, visits and campaign dollars will be focused on probably six to eight states. The other 42 states throughout the country will be completely ignored. There are no presidential campaign ads in non-competitive states like Louisiana, where the Republican party knows they’re going to win that state, even a week before the election. In North Carolina, on the other hand, you can’t turn on the TV without seeing presidential campaign advertisements starting eight weeks before the election. Presidential candidates will visit a single town with 20,000 people in North Carolina, a battleground state, four times, but will never visit the entire state of California once.</p>
<div id="attachment_19701" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-19701" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-19701" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-1024x836.jpg" alt="" width="1024" height="836" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-1024x836.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-300x245.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-768x627.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-1536x1254.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-2048x1673.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-1920x1568.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-1170x956.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/Typing-585x478.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-19701" class="wp-caption-text">Photo: Elias Walder</p></div>
<p><strong>Who do you have your money on for 2024?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: If you put a gun to my head right now – and in America you would have that gun (laughs) – I would bet on Joe Biden winning the election if Trump gets the Republican nomination. But I wouldn’t be willing to bet more than five euros. I’m no more confident than that.</p>
<p>If Donald Trump is not the Republican nominee, I would guess that whoever the Republican nominee is will win the election. Joe Biden is too old to be running for president, and I don’t understand why the Democratic party – and Joe Biden, to be honest with you – is moving in that direction. He’s 80 years old now. I’m not questioning his mental stability right now, but four years from now… And just his endurance. I’m 53, and I can’t imagine 27 years from now even being department chair at the university, much less the president of the United States of America.</p>
<p>When you look at pictures of presidents when they assume office and when they leave office, the difference is huge. They look like they’ve aged two decades. It’s such a demanding job.</p>
<blockquote><p>Both parties have a score on me. They basically know what I think.</p></blockquote>
<p><strong>If not Trump, who? DeSantis?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: It’s too early to tell. When you look at July of 2015, no one would have predicted Trump being the candidate in 2016. In 2007, most people didn’t even know who Obama was.</p>
<p>We’re seven months out from the start of the primary season, and so much can happen in those seven months. Is the indictment going to solidify Trump as the nominee or will it destroy his hopes? Does that then lead us to a candidate who has criticized Trump or supported him?</p>
<p><strong>If you could change <em>anything</em> about the political system in America, other than the electoral college, what would it be? What are the biggest avenues for reform?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: Redistricting. This is getting into the weeds a bit, but it’s actually the elected members of the state legislatures who draw the congressional and legislative districts. So elected officials get to decide: Who are the voters that I am going to face in the next election? Since they have that ability, and with technology and data on the American population, they are able to go in and draw electoral districts that guarantee their electoral success. They literally go house by house.</p>
<p>And this has always been the case in America, but we’ve never had this amount of information on the individual households and voters that we can do it so effectively. With microtargeting, we now know for literally every street if there are 12 Democrats or eight Democrats, and do I want that street as an elected official or do I only want half of that street to be in that district.</p>
<p>I am registered as an independent in North Carolina, but both parties have a score on me that tells them my propensity to vote for them. They know my social media feeds, where I spend my money, who I hang out with. They basically know what I think.</p>
<p>And when you know as a Republican that the district is yours, you don’t have to worry about Democrats. You have to worry about candidates that are even further right than you getting the nomination instead of you. There is a disincentive to be moderate.</p>
<div id="attachment_19700" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/How_to_Steal_an_Election_-_Gerrymandering.svg"><img aria-describedby="caption-attachment-19700" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-19700 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/06/How_to_Steal_an_Election_-_Gerrymandering.svg" alt="" width="1024" height="819" /></a><p id="caption-attachment-19700" class="wp-caption-text">An example of redistricting. Credit: Steve Nass, CC BY-SA 4.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0&gt;, via Wikimedia Commons</p></div>
<p><strong>In the United States, you have to register with the authorities in order to be able to vote. Do you think that system also needs reform?</strong></p>
<p><strong>PA</strong>: No, I mean, that’s an issue. But it’s funny, with all of the work of legislators trying to suppress the votes, it’s garnered so much media attention and donations to voting campaigns that we have seen turnout actually increase.</p>
<p>For example, my university has the largest number of Democrats in our county, so the Republican party has done a lot to try to prevent students from voting on campus. But those activities have just made students mad, and it’s brought so much attention to the election that over the last eight years we continuously see voter turnout among students higher than it’s ever been. The best way to get a student to do anything is to tell them the authorities say you can’t do it. The students are going to vote just to piss them off.</p>
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			</item>
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		<title>„Psycholog:innen haben vielleicht zu große Angst vor unserer Arbeit“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katharina Isser]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 May 2023 10:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der plastische Chirurg Dr. Stefan Riml spricht im Interview mit UNIpress über sein Verständnis von Schönheit, die beliebtesten Behandlungen für Jung und Alt und gesunden Egoismus. Die Lippen voller, die&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/psychologinnen-haben-vielleicht-zu-grosse-angst-vor-unserer-arbeit/">„Psycholog:innen haben vielleicht zu große Angst vor unserer Arbeit“</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><i><span style="font-weight: 400;">Der plastische Chirurg Dr. Stefan Riml spricht im Interview mit UNIpress über sein Verständnis von Schönheit, die beliebtesten Behandlungen für Jung und Alt und gesunden Egoismus.</span></i><span id="more-19476"></span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Lippen voller, die Augenbrauen höher. Das Fett am Bauch weg, dafür ein größerer Po. Kosmetische Maßnahmen und Schönheitsoperationen kommen zunehmend in der Mitte der Gesellschaft an, bestätigt auch der plastische Chirurg Dr. Stefan Riml.</span> <span style="font-weight: 400;">Sie seien kein „One-Size-Fits-All“, sondern müssten immer zu den Patient:innen passen. Dennoch gebe es bestimmte Trends, immer entsprechend dem derzeitigen Schönheitsideal. Solche Ideale werde es laut dem Experten auch immer geben –  wobei es aber sinnlos sei, ihnen blind nachzurennen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UNIpress:</strong> Sehr geehrter Herr Dr. Riml, was ist Schönheit?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Dr. Stefan Riml:</strong> Das ist ganz eine schwierige Frage, weil’s den Begriff der Schönheit für sich nicht gibt. Das Schönheitsideal ändert sich im Lauf der Zeit. Teilweise über Jahrhunderte. Teilweise sehr, sehr schnell. Zum Beispiel Augenbrauen. In den Neunzigern wollte man im Prinzip keine. Heute gilt: Je mehr, desto besser. Auch die ideale Form hat sich sehr geändert. In den Zwanziger-, Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts waren runde, möglichst hohe Augenbrauen „schön“. Dann sanft nach außen hin ansteigend, mit dem höchsten Punkt am Übergang vom mittleren zum seitlichen Drittel der Braue. Und heute soll der höchste Punkt der seitlichste Punkt sein. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber es gibt auch ein paar Schönheitsideale, die über die Jahrhunderte konstant geblieben sind. So ist Jugend etwas, das schöner empfunden wird als Alter. Symmetrie. Makellose Haut – also keine Falten, keine Pigmentstörung, keine Gefäßzeichnung. Allerdings gibt es Studien, die belegen, dass es Unterschiede zwischen Mann und Frau sowie zwischen verschiedenen Ethnien im Empfinden von Schönheit gibt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Und für Sie persönlich?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Ich versuche, eine bessere Version meiner Patient:innen zu erzeugen. Das heißt nicht „ein neues Ich“. Nicht eine komplett andere Nase, die nicht ins Gesicht passt. Sondern die jetzige Gestalt so zu verbessern, dass das für die Patientin oder den Patienten ideal ist.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt Kollegen, die „Markenzeichen“ haben – zum Beispiel ist die „Mang-Nase“ berühmt. Jeder Patient, der aus dieser Praxis rausläuft, sieht gleich aus. Das finde ich katastrophal. Es soll ja die Nase zum Patienten passen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch Lippen sind ein heikles Thema. Oft wollen die ganz jungen Mädchen viel mehr Volumen, als ich für schön empfinde. Da lösen wir es meistens so, dass ich die Behandlung so durchführe, wie sie meiner Meinung nach zur Patientin passt – diese aber den Rest der Ampulle [mit Hyaluronsäure-Filler, Anm.] gratis bekommt, wenn sie dann wirklich mehr will.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Was berücksichtigen Sie, wenn Sie zum Beispiel eine neue Nase für jemanden „entwerfen“?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Das Ziel wird zusammen mit den Patient:innen festgelegt. Die Detailplanung des Eingriffs mache ich meistens am Vortag der OP. Das Entwerfen ist viel Messarbeit, die ich abseits von den Patient:innen mache. Also, ich nehme quasi die Wünsche auf und stelle dann einen Plan zusammen. Wobei es manche Eingriffe gibt, die deutlich weniger Planung benötigen. Da ist das nicht nötig. Zum Beispiel eine Fettabsaugung – die geht einfach aus dem Effeff.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Welchen Einfluss haben die sozialen Medien? </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Einen riesigen. Es gibt ja kaum ein Foto auf Instagram, das wirklich „echt“ ist. Die meisten sind bearbeitet. Es gibt dafür sogar Beauty-Filter von plastischen Chirurgen aus Amerika. Die kann man kaufen und seine Selfies nach den Schönheitsidealen der Kollegen „tunen“. Und erkennt sich dann kaum wieder… Viel Schein und wenig Sein halt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Wie oft kommen Menschen zu Ihnen und zeigen Ihnen ein Bild von sich selbst mit einem Filter als Vorlage?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Also, die ältere Generation bringt Fotos aus ihrer Jugend mit. Und das wäre dann das Ziel. Aber die Jüngern kennen sich super mit Photoshop aus. Besser als ich. Sie morphen einfach ihre eigenen Fotos.</span></p>
<div id="attachment_19479" style="width: 2570px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-19479" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-19479" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_169-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-19479" class="wp-caption-text">Foto: Dr. Stefan Riml</p></div>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Ist das etwas Gutes?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> (lacht) Naja, es ist eine gute Gesprächsbasis, weil man dann leicht versteht, was sie oder er will. Ich persönlich arbeite aber nicht mit solchen Tools. Ich mache auch keine Prophezeiungen in Form von Vorher-Nachher-Morphings. Diese Praxis ist sogar rechtlich umstritten. Weil der Chirurg fotorealistisch verspricht, wie’s ausschauen wird. Und das ist unrealistisch.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Das Resultat eines Eingriffs ist also nicht genau vorhersehbar?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Im Wesentlichen schon, aber nicht fotorealistisch. Ich zeichne Veränderungen gern im Vorher-Foto an. Zum Beispiel ein Höcker auf der Nase. Den können wir weg zeichnen. Oder wir heben die Nasenspitze um zwanzig Grad an. Das ist mit Skizzen am Foto einfach und gut demonstrierbar. So hat jede/jeder realistische Erwartungen und deshalb ist die Enttäuschungsrate nach der OP sehr gering. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Was sind die beliebtesten Behandlungen? Gibt es Trends zu oder weg von bestimmten Eingriffen?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Für die ganz junge Generation sind nicht-operative Maßnahmen – in erster Linie Hyaluronsäure, aber auch Botox – etwas, das sehr beliebt ist und fallzahlmäßig sicher alles andere in den Schatten stellt. Beim Operativen sind Lidkorrekturen bei uns die Nummer Eins. Gefolgt von Brust und Nase. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Wofür wird Botox bei den Jungen angewendet?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Augenbrauen, vor allem. Diese werden dem aktuellen Schönheitsideal entsprechend modifiziert, indem sie an der Seite angehoben werden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Botox wirkt aber auch prophylaktisch. Insofern ist es gar nicht so daneben, wenn man relativ jung Maßnahmen ergreift. Stört einen eine Linie, sollte man zeitig einsteigen, um diese zu behandeln.  Weil man dann die Falten nie kennenlernt, die man sonst bekommen würde. So kann man viel bessere Ergebnisse erzielen, als wenn man bei älteren Patient:innen mit den Behandlungen beginnt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Zu welchem Ausmaß soll und kann ein Chirurg dem Bedürfnis seiner Patient:innen nachkommen? Wo ziehen Sie die rote Linie?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Bei der Komplikationsrate. Wenn diese zu hoch wird, also eine medizinische Gefahr besteht, dann ist das eine klare rote Linie. Dass ich etwas nur nicht schön finde, ist keine rote Linie. Ich möchte ja, dass sich die Frau oder der Mann schön findet. Mein persönlicher Geschmack spielt keine Rolle. Aber wenn’s gefährlich würde, dann wird die Grenze nicht überschritten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Gibt es Eingriffe, die Sie gar nicht machen? Zum Beispiel die umstrittenen Brazilian Buttlifts?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml: </strong>Brazilian Buttlifts mach ich schon. Aber ich bewirb es nicht groß. Denn, ja, der Eingriff ist gefährlich.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es handelt sich dabei um einen Fetttransfer ins Gesäß. Der Eingriff ist riskanter als viele andere, vor allem aufgrund des Thromboserisikos. Das ist kein leicht auf die Schulter zu nehmender Eingriff. Mit einer konservativ gewählten Fettmenge und einem Setting am letzten Stand der Medizin ist das Risiko jedoch überschaubar. Und natürlich kläre ich die Patient:innen entsprechend gut auf. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was ich nicht mache, sind Gesäßimplantate. Die sind nochmal um einiges gefährlicher.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Welchen Risiken müssen sich Patient:innen stellen?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Ein der Schönheitschirurgie eigenes Risiko ist, dass trotz intensiver Aufklärung falsche Erwartungen aufs Ergebnis geweckt wurden. Dieses Risiko kann nie ganz ausgemerzt werden. Darauf wird bei der Aufklärung auch besonders hingewiesen. Zudem birgt jeder chirurgische Eingriff Risiken wie Infekte, Nachblutungen oder Wundheilungsstörungen und einige weitere in Abhängigkeit der jeweiligen OP.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Manche Psycholog:innen sind der Meinung, niedriges Selbstbewusstsein und das Hyperfixieren auf einzelne Makel sei meistens kein Ausdruck mangelnder Schönheit. Sondern eher Produkt einer schwierigen Kindheit beziehungsweise dem Gefühl, immer nicht gut genug gewesen zu sein. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Ich glaube, dass da die Psychologen vielleicht ein bisschen zu sehr Angst davor haben, was Schönheitschirurgen tun. Wir werden als Fachärzte auch für Patientenführung ausgebildet. Psychologische Arbeit ist uns also nicht fremd. Und ich glaube schon, raushören zu können, ob jemand an Dysmorphophobie leidet – sprich, eigentlich schön ist, aber irgendwelche physischen Probleme auf sich projiziert – oder ob da wirklich etwas ist, was man korrigieren kann.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Ist die Anzahl an Anfragen für Schönheitsops in den letzten Jahren nach oben oder nach unten geschwenkt oder eher konstant geblieben?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Die letzten Jahre waren von Krisen gekennzeichnet, was zu großen Schwankungen führte. Während des ersten Lockdowns durften wir nicht arbeiten. Da war einige Zeit gezwungenermaßen Flaute. Doch dieser Zeit folgte ein extremer Boom. Vor allem, weil die Leute nicht auf Urlaub fahren konnten, aber trotzdem etwas für sich tun wollten. Seitdem nimmt die Anzahl an Anfragen einen wellenförmigen Verlauf – der allerdings im Durchschnitt seit Jahren stetig nach oben geht.</span></p>
<div id="attachment_19478" style="width: 2570px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-19478" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-19478" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-2048x1366.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/05/DrRiml_066-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-19478" class="wp-caption-text">Foto: Dr. Stefan Riml</p></div>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Gibt es eine Generation, die sich eher Schönheitsoperationen unterzieht?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Früher schon. Oder besser gesagt: eine Klasse. Die Entscheidung für oder gegen eine Schönheitsoperation war eher eine Frage der Sozioökonomie. Aber heutzutage sind Schönheitsoperationen nicht mehr nur etwas für die obersten Verdiener der Gesellschaft, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir haben Patient:innen, die einfach darauf sparen, bis sie sich die OPs leisten können. Wobei natürlich noch immer das Geld im letzten Lebensdrittel sitzt und nicht im ersten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Wie hoch ist der Frauenanteil?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Gerade bei mir sehr hoch. Es kommen zwar immer mehr Männer. Aber sie machen vielleicht 15 Prozent aus. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Liegt das an einem höheren gesellschaftlichen Druck auf Frauen?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Der Druck ist sicher höher bei Frauen. Und natürlich die Anspruchshaltung, die die Patientinnen selber an sich legen. Beim Mann ändert es sich. Früher gab’s das Zitat von Friedrich Torberg:  „Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus.“ Das gilt heute bei weitem nicht mehr. Aber es ist nach wie vor so, dass die Frau mehr auf ihr Äußeres achten muss. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Ist das etwas Schlechtes?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Ich fände es schon fairer, wenn dieser Druck gleich wäre. Es wird aber immer einen gesellschaftlichen Druck geben. Wir alle bilden die Gesellschaft und steuern somit alle zur Entwicklung von Schönheitsidealen bei. Das wird sich nicht unterdrücken lassen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Würden Sie dementsprechend sagen, dass man schön sein muss, um glücklich zu sein?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> (überlegt länger) Je nachdem, wie man „schön“ definiert. Man muss jetzt sicher nicht dem Schönheitsideal, das die Gesellschaft vorgibt, genügen. Ich denke sehr wohl, dass es etwas mit einem macht und für Glücksempfinden sorgen kann, wenn man seinem eigenen Schönheitsideal nahe kommt. Aber es bringt sicher nichts, einem anderen Ideal nachzurennen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>UP:</strong> Gießt man mit Schönheits-OPs Öl ins gesellschaftliche Feuer?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><strong>Riml:</strong> Ich würde da egoistisch sein. Wenn’s mir dadurch besser geht, dass mir meine Nase nach einem Eingriff besser gefällt… dann kann mir die Meinung der Gesellschaft oder der Nachbarin, der dann ihre eigene Nase dafür weniger gut gefällt, egal sein. So denken auch viele Patient:innen. Und das ist gut. Das ist ein gesunder Egoismus. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es soll sich keiner für eine Schönheits-OP schämen müssen.</span></p>
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		<title>„Zukunftsmut ist gefragt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2023 10:30:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit Bischof Hermann Glettler über Synodalität und Kirche im studentischen Umfeld. Ich bin ein bisschen zu früh, als ich klingle. Ich sage der Freisprechanlage meinen Namen und die&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ein Gespräch mit Bischof Hermann Glettler über Synodalität und Kirche im studentischen Umfeld.</div>
<p><span id="more-18711"></span></p>
<p>Ich bin ein bisschen zu früh, als ich klingle. Ich sage der Freisprechanlage meinen Namen und die Tür öffnet sich. Im großen, aufgeräumten Raum darf ich mich setzen. Hier steht ein farbenfrohes Sofa, in den Zimmerecken sind Pflanzen und an den Wänden hängt Kunst – sogar ein gerahmtes Werk von meinem Interview-Partner selbst: kunstvoll an den Händen aneinandergeschweißte Jesusfiguren in Gold, Bronze und Schwarz. Während mein Blick, wartend, aus dem Fenster auf den Dom St. Jakob schweift, höre ich ein freundliches „Ich bin gleich da“ von dem Bischof der Diözese Innsbruck, Buchautor und Kunstvermittler Hermann Glettler.</p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-18712" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-300x169.jpg" alt="" width="322" height="181" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-300x169.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-1024x576.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-768x432.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-1536x864.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-2048x1152.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-1920x1080.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-1170x663.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094256-585x329.jpg 585w" sizes="(max-width: 322px) 100vw, 322px" /><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-18714" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-225x300.jpg" alt="" width="136" height="181" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-225x300.jpg 225w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-768x1024.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-1152x1536.jpg 1152w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-1536x2048.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-scaled.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-1170x1560.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/20230127_094305-585x780.jpg 585w" sizes="(max-width: 136px) 100vw, 136px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Der Raum mit Blick auf den Dom ist mit verschiedenen Kunstwerken geschmückt.</div>
<p><strong>Unipress: </strong>Bischof Hermann Glettler, wie sind Sie zu Ihrer Berufung gekommen?</p>
<p><strong>Bischof Hermann Glettler:</strong> Das weiß ich nicht genau. Vor fünf Jahren wurde ich jedenfalls hier in Innsbruck zum Bischof geweiht, komme aber ursprünglich aus der Steiermark. In Graz habe ich 17 Jahre in einem multikulturellen Bezirk als Pfarrer gewirkt, teilweise auch als Sozialarbeiter. Interreligiöse Begegnungen und das Engagement für Migranten waren mir wichtig. Inmitten des bunten Stadtteils haben wir auch versucht, den christlichen Glauben den Suchenden unserer Zeit wieder zugänglich zu machen. Eine Hilfe dafür waren die sogenannten „internationalen Gottesdienste“, an der sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur beteiligt haben. Das hat Weltkirche vor Ort erfahrbar gemacht, lebendig und sehr bunt. Übrigens gibt es in Innsbruck, in Neu-Pradl, auch jeden Sonntag einen ähnlichen Gottesdienst.</p>
<p><strong>UP: </strong>Wann war Ihnen klar, dass Sie Priester werden wollten?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Mit 15 Jahren war mir ziemlich klar, dass ich diesen Weg gehen will. Ich hatte den Eindruck, genau dafür gebraucht zu werden. Die Basis dafür war eine tief empfundene Freundschaft mit Jesus, die mich bis heute trägt. Ich hatte auch gute Begleiter. Sie haben mir einen alltagsrelevanten Glauben vorgelebt. In der Oberstufe führten wir im Religionsunterricht harte Diskussionen über Gott und die Welt. Für mich ein wichtiger Lernprozess, um zu akzeptieren, dass meine Freunde teilweise vollkommen andere Überzeugungen hatten. Letztlich wurde ich aber gestärkt, meinen Glauben nicht zu verstecken, selbst, wenn er sich oft sehr brüchig anfühlt. Unsicherheit und Verwundbarkeit teilen wir doch mit allen Menschen.</p>
<p><strong>UP: </strong>Und wie sind Sie zur Kunst gekommen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Durch einen sehr guten Kunsterzieher wurde mein Interesse geweckt. Ich habe durch ihn mit Malerei begonnen und später der Theologie auch ein Kunstgeschichtestudium angehängt. Enorm profitiere ich bis heute von der Freundschaft mit Künstlern. Schon als Student habe ich Ausstellungen organisiert. Wichtig ist mir nach wie vor das Vermitteln von Kunst. Das beginnt mit einer Gastfreundschaft für die kreativsten Leute unserer Zeit. Ich möchte ihr Vertrauen zur Kirche wiedergewinnen. Das geht nur durch ernstes Interesse für ihre Arbeit und durch das Öffnen von Räumen. Es gibt viele Schnittmengen zwischen Kunst und Kirche. Es geht um eine neue Sensibilität für das Leben, für das Schöne und Zerbrechliche. Auch die Bruchlinien und Abgründe unserer Zeit dürfen nicht verschwiegen werden.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was ist der synodale Prozess?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Der weltweite synodale Prozess ist eine dringliche Einladung von Papst Franziskus. Er will Kirche als synodale Gemeinschaft. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und besteht aus den beiden Wörtern „syn“, was „mit“ bedeutet, und „odos“, übersetzt „Weg“. Miteinander am Weg sein, niemanden ausschließen! Weggemeinschaften bilden, auch mit jenen, die nicht nur sympathisch sind. Es versteht sich, dass dies nicht immer idyllische Bergwanderungen sind. Am Weg kommt es zu Ermüdungen und Konflikten. Der synodale Prozess geht von der Ortskirche aus und hat soeben die kontinentale Etappe erreicht. Unterschiedliche Kirchenerfahrungen aus ganz Europa wurden vor Kurzem in Prag diskutiert. Synodalität ist ein Auftrag für die ganze Gesellschaft. Wer wird mitgenommen, wer bleibt draußen?</p>
<p><strong>UP: </strong>Was bedeutet der synodale Weg für junge Menschen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Der synodale Prozess ist für junge Menschen wichtig, da er bedeutet, Interesse füreinander zu entwickeln. Wir leben in einer Gesellschaft mit sehr vielen partikularen Interessen, wo viele in ihrer Blase leben und nur mit ihresgleichen kommunizieren. Wir hatten ordentliche Diskussionen auf der Universität – während heute viele in ihren eigenen Echoräumen bleiben. Synodalität bedeutet, sich andere Meinungen anzuhören und um gemeinsame Lösungsansätze zu ringen – das ist ein Bildungsauftrag. Miteinander im Diskurs zu bleiben, und sich den entscheidenden Zukunftsfragen zu stellen – das sind für mich Kriterien eines qualitätsvollen Studiums. Aber auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften müssen ihren Beitrag leisten. Christliche Spiritualität ist mehr als ein Wohlfühlprogramm.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was liegt Ihnen beim synodalen Prozess am meisten am Herzen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Mir liegen junge Menschen am Herzen, da viele eine große Zukunftslast haben. Wir haben damals studiert und wussten, die Welt wird besser. Heute hingegen ist die Frage, wie wir es schaffen, den großen Crash zu vermeiden. Angesichts dieser Herausforderung nicht resignativ zu werden oder sich nur auf die eigenen Interessen zu fokussieren, ist eine große geistige und spirituelle  Herausforderung. Mein Herz schlägt für das Evangelium und den christlichen Glauben, weil es dort viele Potenziale gibt, die jungen Menschen helfen können. Ich bin froh, dass wir eine sehr aktive Uni-Pfarre und eine engagierte Katholische Hochschuljugend haben. Junge Leute sollten sich zusammenschließen und sich gegenseitig im Glauben stärken.</p>
<p><strong>UP:</strong> Immer mehr Menschen treten allerdings aus der Kirche aus. An was könnte es liegen, dass die Kirche vor allem bei jungen Menschen „uncool“ ist?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Vermutlich sind es mehrere Gründe. Cool ist auf Dauer das, was Sinn macht, wo Gemeinschaft erfahrbar wird, wo etwas lebendig ist und auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. In anderen Gesellschaften, beispielsweise in Indien, wo ich vor kurzem war, ist die Kirche für viele junge Menschen sehr cool. Cool ist das, was berührt. Und junge Menschen haben ein Gespür für Authentizität – ich selbst habe mich als junger Mensch an Personen orientiert, denen ich abgenommen habe, was sie gesagt haben.</p>
<p><em>Jedes Land setzt den von Rom ausgerufenen synodalen Prozess anders um. In Deutschland ist beispielsweise auch die Sexualität ein großes Thema, während in Österreich die Beteiligung von Laien zentral ist. Da ich auch den deutschen synodalen Weg mitverfolgt habe, ist meine Frage:</em></p>
<p><strong>UP: </strong>Was halten Sie von Segensfeiern für gleichgeschlechtlichen Paare?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Homosexuell empfindende Menschen haben selbstverständlich Heimatrecht in der Kirche. Das bedeutet auch: Wenn gleichgeschlechtliche Paare einen Weg mit der Kirche gehen und für ihre Partnerschaft um eine Segnung bitten, sollte man diese ermöglichen. Es geht zuerst darum, ob und wie verlässlich wir Beziehungen leben und füreinander da sind. Die Kirche hält auch in Zukunft am Begriff der sakramentalen Ehe für die Verbindung von Mann und Frau fest. Die Grunddifferenz bei den Geschlechtern ist wesentlich und nicht zufällig und nicht nur eine soziale Rolle.</p>
<p><strong>UP: </strong>Kann es sein, dass die Austritte auch daran liegen, dass Frauen keine Priester werden können?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Das kann für einzelne Personen auch den Ausschlag geben. Im synodalen Prozess wurde die diesbezügliche Ungleichbehandlung von Frauen deutlich benannt. Nicht übersehen sollte man, dass in unserer Kirche, konkret auch in unserer Diözese Innsbruck, sehr viele Frauen ganz wesentliche Führungspositionen wahrnehmen. Und ebenso sollte man nicht übersehen, dass auch von jenen Kirchen im Schnitt gesehen mindestens so viele Menschen austreten, wo Frauen in allen Ämtern zugelassen sind und auch andere Bereiche anders als in der katholischen Kirche geregelt sind.</p>
<p><strong>UP: </strong>In Ihrem Wappen ist es 5 vor 12 – wo ist es 5 vor 12?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> In allen klimarelevanten Fragen. Die gemeinsame Schöpfungsverantwortung muss uns wesentlich deutlicher zu einem ernsthaft alternativen Handeln führen. Es ist irreführend, zu meinen, wir könnten mit ein wenig Lifestyle-Politur etwas nachhaltig verändern. Weltweit sind es auch soziale Schieflagen, die unbedingt anzugehen sind. Ganz deutlich einmahnen möchte ich eine globale Friedenssicherung. Wir sind mittlerweile inmitten eines euphorischen Aufrüstens – die Waffenindustrie und der Waffenhandel laufen auf Hochtouren. Wo bleibt eine seriöse Friedensarbeit? Zu meiner Zeit gab es eine ordentliche Friedensbewegung von Studenten getragen: Wo ist denn die jetzt? Wenn es nur Debatten über das Queer-Sein gibt, ist mir das zu wenig. Wir dürfen doch nicht in die Falle tappen, dass eine letztgültige Sicherheit in der unkontrollierten Aufrüstung liegt. In der ökumenischen Friedensbewegung <em>Pax Christi</em> würde ich mich über die Mitarbeit von vielen Studenten freuen.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was ist Ihre Utopie-Vorstellung der Kirche?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Ich habe keine utopischen Vorstellungen, wünsche mir aber Freiräume. Die Kirche ist nicht perfekt, das Leben ist nicht perfekt, kein Mensch ist perfekt. Wir haben manchmal zu übertriebene Idealvorstellungen. Ideal ist, dass man Gewissheit hat, dass man ständig neu beginnen kann und sich wieder aufrichten und sagen: „Moment, stopp, so will ich nicht leben“. Das gilt auch für die Kirche als weltweiten Organismus. Eine Kirche, die Fehler und Schuld zugeben kann, kann viele Menschen ermutigen und einen Dienst der Versöhnung leisten. Wertvoll sind meist die kleinen Schritte, Entscheidungen und alltäglichen Lebensvollzüge von Menschen, die ihr Bestes geben.</p>
<p><em>Das</em><em> möchte Herr Bischof Glettler Studierenden mit auf den Weg geben: Mut! Ich möchte Studierende ermutigen, gut zu studieren, nämlich offene Horizonte zu wagen und kritisch gegenüber allen Ideologien zu sein – auch bioethische Themen, wie die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche und den Wert menschlichen Lebens trotz möglicher Beeinträchtigungen, sind ein studentisches Engagement wert. Das Welthaus der Diözese, die Caritas und viele Ordensgemeinschaften informieren gerne auch über die Möglichkeiten eines Freiwilligen-Jahres im Ausland – entwicklungspolitisches Engagement auf Zeit kann eine wertvolle Erfahrung für das ganze Leben sein.</em></p>
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		<title>“Universität sind wir alle”</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rosa Schmitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Mar 2023 11:30:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Gespräch mit UNIpress erklärt die neue Rektorin der Universität Innsbruck, Professorin Veronika Sexl, wie Studierende ihre Studienzeit bestmöglich nützen können – und welche Unterstützung sie dabei “von oben“ bekommen. &#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Im Gespräch mit UNIpress erklärt die neue Rektorin der Universität Innsbruck, Professorin Veronika Sexl, wie Studierende ihre Studienzeit bestmöglich nützen können – und welche Unterstützung sie dabei “von oben“ bekommen.<span class="Apple-converted-space"> </span></div>
<p><span id="more-18877"></span></p>
<p>Professorin Veronika Sexl ist seit 1. März 2023 als neue Rektorin der Universität Innsbruck aktiv. Die gebürtige Wienerin hat schon lange einen Bezug zur Region und ist begeistert, die Tiroler Institution mit weiterentwickeln zu können. Sie hat große Pläne, aber auch viel Respekt für die bis jetzt geleistete Arbeit. Ihr primäres Ziel: Studierende für ihren Studienort zu begeistern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UNIpress: </b>Sehr geehrte Frau Professorin Sexl, was, als neue Rektorin, ist Ihre Vision für die Zukunft der Universität Innsbruck?</p>
<p><b>Veronika Sexl: </b>Mein größter Wunsch ist es, eine gute Rektorin zu sein. Natürlich haben Universitäten vor allem sehr große Aufgaben in der Forschung und in der Lehre, aber auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung und eine Verpflichtung, universitäres Wissen an die Gesellschaft weiterzugeben. Wir leisten hier bereits einen großen Beitrag, beantworten Fragen und verstehen unseren Bildungsauftrag sehr weit als Dienst an der Gesellschaft. Und genau in diesem Bereich wollen mein Team und ich weitere Schritte setzen. Gerade für Studierende sind hier die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie die Herausforderungen und Chancen rund um die künstliche Intelligenz interessante Themen. Generell ist es unser Ziel, unsere Studierende auf jeder Ebene und in jeder Hinsicht möglichst gut auszubilden, um ihnen die Chance zu eröffnen, sich mit ihrem Wissen in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP:</b> Mit welchen Problemen werden Sie hierbei konfrontiert?</p>
<p><b>Sexl: </b>Eines der größeren Probleme ist hier sicherlich die zunehmende Wissenschaftsskepsis. Wir müssen unser Wissen vermehrt in die Gesellschaft hinaustragen, aber auch erklären, wie das Wissen entsteht und wie Wissenschaft funktioniert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP:</b> Was macht die Universität Innsbruck “großartig”?</p>
<p><b>Sexl: </b>An dieser Stelle würde ich gerne sagen, dass ich dem alten Rektoratsteam sehr dankbar bin. Es hat mir eine großartige Universität übergeben. Die es jetzt weiterzuentwickeln gilt! Ich finde hier besonders schön, dass Studierende die Möglichkeit haben, die Volluniversität zu nützen, quer zu denken und sich quer auszubilden – das ist der alte Universitätsgedanke. Wir haben 16 Fakultäten, das ist eine enorme Breite. Und ich glaube, dass Studieren weit mehr sein sollte und weit mehr ist, als ein Studium sozusagen stur durchzuziehen. Dazu bieten wir neben den klassischen Studien auch eine wachsende Zahl von Zusatzmöglichkeiten, um sich in speziellen Wissenschaftsbereichen zu vertiefen. Die Zeit des Studiums muss man nützen, um sich auszuprobieren, zu interagieren und in den Diskurs einzutreten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP:</b> Wo sehen Sie Raum dafür?</p>
<p><b>Sexl: </b>Vor allem durch Wahlfächer. An der Universität Innsbruck haben Studierende die Möglichkeit, in einem gewissen Bereich über den Tellerrand zu blicken und die Institution in ihrer gesamten Breite zu nützen. Das ist großartig und etwas, das ich sehr gerne ausbauen würde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Wie würden Sie da herangehen?</p>
<p><b>Sexl:</b> In dem wir innerhalb der Studiengänge flexiblere Elemente einbauen. Sofern das möglich ist! Das ist dann natürlich eine Aufgabe für den Vizerektor für Lehre und Studierenden, für den Senat sowie die entsprechenden Curriculums-Kommissionen. Aber ich würde die Idee sehr stark befürworten und bei der Umsetzung bestmöglich unterstützen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Warum?</p>
<p><b>Sexl:</b> Eines finde ich ganz wichtig für Studierende: die Welt in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Wenn man’s so primitiv sagen kann. Und es geht ja nicht nur um Wissensvermittlung.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Sondern?</p>
<p><b>Sexl: </b>Es geht auch darum, Fragenstellen zu lernen, Hinterfragen zu lernen, Muster zu erkennen und Querverbindungen. Und was mir wichtig ist, ist ein Klima zu schaffen, in dem die offene und kritische Diskussion möglich ist – freudvoll und begeistert. Ich bin daher auch eine große Anhängerin der Präsenz-Universität, weil ich davon überzeugt bin, dass Studieren nicht nur reine Faktenvermittlung ist. Sondern, dass es dabei um viel viel mehr geht – ganz besonders darum zu verstehen und kritisch zu hinterfragen.</p>
<p><b>UP: </b>Was können Studierende vom Präsenz-Unterricht gewinnen?</p>
<p><b>Sexl:</b> Ich glaube, dass der Dialog, die Auseinandersetzung zwischen den Studierenden, aber besonders auch mit den Professoren, enorm wichtig ist. Gespräche von Angesicht zu Angesicht haben einen hohen Stellenwert, weil sie mehr Aufmerksamkeit benötigen und authentischer sind. Zumindest habe ich das in meiner eigenen Studienzeit so erlebt. Man nimmt ja nicht nur die Fakten mit. Man nimmt so viel mehr mit – für die Persönlichkeitsbildung und für die Fähigkeit, in Prozessen zu interagieren oder diese zu beeinflussen. Das Leben ist ein permanenter Prozess. Und man kann sich an einer Universität unglaublich viel dafür abholen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Gibt es Angebote im sozialen Bereich, die an der Universität Innsbruck noch fehlen?</p>
<p><b>Sexl:</b> Die Frage möchte ich eigentlich an die Studierenden zurückspielen. Wichtig wäre sicher, mehr Platz, also zusätzliche freie Begegnungszonen, am Campus zu schaffen. Wo genau dieser Austausch stattfinden kann, über die Seminarräume und die Hörsäle hinaus! Ich will die Studierenden im Rahmen der Möglichkeiten dabei unterstützen, sich transdisziplinär auszutauschen. Aber, wie gesagt, will ich auch von ihnen hören: Was hätten sie gerne? Was wollen sie? Was brauchen sie?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP:</b> Sollte sich Österreich – vor allem die Universität Innsbruck – von anderen pädagogischen Institutionen oder Ländern als Ganzes inspirieren lassen?</p>
<p><b>Sexl: </b>Ui, das ist schwierig.<b> </b>Jede Universität ist sozusagen in ihrem jeweiligen kulturellem Kontext eingebunden. Man kann sich hier nicht einzelne Versatzstücke herauslösen und isoliert betrachten. Ich war viel international unterwegs und kenne daher viele verschiedene Systeme und Strukturen. Und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Das ist ganz klar. Aber ich finde, dass wir hier in Österreich, mit unserem freien Universitätszugang, ein wirklich gutes System leben. Dass man ohne große zusätzliche Kosten wie Studiengebühren ein Studium absolvieren kann, ist ein riesiger Vorteil.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf an der Universität Innsbruck?</p>
<p><b>Sexl: </b>Naja es gibt Dinge, die hätte ich natürlich gerne anders. Aber das betrifft nicht allein die Universität Innsbruck, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes. Ein Beispiel dafür wäre die Frauenförderung. Da können wir durchaus besser werden. Ein weiterer Punkt ist die Bildungsförderung. Grundsätzlich wäre mir wichtig, dass Bildung einen hohen Stellenwert in Österreich bekommt, Bildung nicht von den wirtschaftlichen Möglichkeiten abhängt und die Förderung möglichst früh in der Entwicklung ansetzt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Wie kann die Universität Innsbruck dazu beisteuern?</p>
<p><b>Sexl: </b>Wir müssen diese wichtigen Punkte immer wieder nach außen kommunizieren. An der Universität Innsbruck gibt es großartige Forschung. Was hier alles geleistet wird, wird aber viel zu wenig bekannt. Unser Wissen gesellschaftlich besser zu nutzen, nutzbarer zu machen, mehr zur Verfügung zu stellen, ist ein großes Anliegen meinerseits. Das könnten wir auf verschiedensten Ebenen machen. Wir müssen die Studierenden gut ausbilden, wir müssen unsere forschungsgeleitete Lehre optimieren – damit sind wir große Stützen. Dabei sind unsere Absolventen Botschafter für die Universität Innsbruck.</p>
<p><b>UP: </b>Wie sind Sie persönlich auf die Universität Innsbruck gekommen?</p>
<p><b>Sexl: </b>Ich habe schon sehr lange einen Bezug zu Innsbruck. Sowohl mit der LFU als auch mit der Med-Uni. Dadurch habe ich die Stadt kennen und lieben gelernt. Die ganze Region eigentlich.</p>
<p><b>UP: </b>Und haben Sie das Gefühl, dass Sie bis jetzt gut willkommen geheißen wurden?</p>
<p><b>Sexl: </b>(lächelt) Absolut. Es ist ein wirklich schönes Willkommen gewesen bis jetzt. Ich bin gerührt. Ich durfte schon viele Mitarbeiter kennenlernen – viele Tiroler. Ich freue mich wirklich riesig, hier zu sein. Und auf die nächste Zeit an der Universität Innsbruck.</p>
<p><b>UP:</b> Man sollte sich also ermutigt fühlen, die Universität Innsbruck als Studienort aufzusuchen?</p>
<p><b>Sexl: </b>Auf jeden Fall. Natürlich können wie – wie bereits gesagt – unser System noch an manchen kleinen Dreh- und Angelpunkten besser machen. Aber wir haben über unsere 16 Fakultäten hinweg ein sehr buntes und vielfältiges Studienangebot. Meine Bitte an die Studierenden: Nutzt die Möglichkeiten, die Ihr habt. Sie sind großartig!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>UP: </b>Wie viel Verantwortung liegt bei den Studierenden, um sicherzustellen, dass sie die bestmögliche Erfahrung machen?</p>
<p><b>Sexl: </b>Universität sind wir alle. Je begeisterungsfähiger Studierende sind, desto mehr können sie mitnehmen. Gestalten Sie die Universität mit! Das würde meiner Meinung auch das mit sich bringen, was ich den bisherigen Gesprächen mit den Studienvertretern entnommen habe: Sie wollen stolz auf die Universität Innsbruck sein. Stolz kann man auf etwas sein, an dem man mitarbeitet oder mitgearbeitet hat.</p>
<p><b>UP: </b>Was halten Sie von Prüfungen als aktuell standardisierter Methode zur Wissensüberprüfung?</p>
<p><b>Sexl: </b>Das ist eine komplexe Frage. Aber auch hier sind wir in einem Transformationsprozess und es wird sicher nicht alles ewig so bleiben wie es war. Allein die künstliche Intelligenz wird uns zwingen, neu zu denken. Ich finde das unglaublich spannend, was sich hier auftut. Und Veränderung ist immer beides: Risiko und Chance. Ich sehe hier eher die Chancen und es ist doch grundsätzlich etwas Positives, wenn man neue Möglichkeiten bekommt und diese gut nützt.</p>
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