„Wir wollen dem Publikum einen Moment schenken“

von Sophie Borbe
Lesezeit: 4 min
Ein Sommer voller Melodie und Klang: Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik beleben vom 11. Juli bis 29. August wieder die Stadt. Auch an unerwarteten Orten.

Die international bekannten Festwochen wurden bereits 1976 ins Leben gerufen. Seitdem reisen hierfür mitwirkende Musiker:innen aus der ganzen Welt an. Insgesamt lassen sich zwischen 300 und 400 Beteiligte zählen. Nicht ohne Grund! Innsbruck war zu Zeiten der Alten Musik eine bedeutsame Kulturhochburg.

Gespielt wird eine erstaunliche Bandbreite: von Opern über Oratorien bis zu Tanz- und Unterhaltungsmusik. Das Programm ist so bunt wie die Zeitspanne von etwa 500 Jahren, die die Alte Musik abdeckt. Denn auch wenn die Alte Musik ihrem Namen nach etwas Angestaubtes habe, ist sie „eine der lebendigsten Arten der Musik“, betont Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens. Auch gibt es Parallelen auf melodischer und rhythmischer Ebene zwischen der heutigen Pop-Musik und der Alten Musik.

Start im Schloss Ambras

Im Juli starten die Konzerte im Schloss Ambras und im Spanischen Saal, wo die Geburtsstätte der Festwochen liegt. Das Kulturerbe Innsbrucks fasziniert erneut: Die Konzertreihe zählt als älteste existierende für Alte Musik weltweit. In den Anfängen der Festwochen konnten dort Musikstudent:innen die Praxis des Originalklangs der Alten Musik lernen. Auch heute noch wird in den Aufführungen versucht, die Musik möglichst nahe am Originalklang wiederzugeben.

Mit August beginnen dann die drei großen szenischen Aufführungen. Diese sind die Opern „Olimpiade“, die Barockoper:Jung „La fida ninfa“ sowie das Oratorium „Juditha triumphans“. Die Aufführungen finden im Haus der Musik und im Landestheater statt. Weitere Konzerte sind im Haus der Musik, in der Jesuiten- und der Hofkirche, in Stift Stams sowie in der Stiftskirche Wilten zu erwarten. Der Cesti-Wettbewerb wurde von Intendant Alessandro De Marchi selbst ins Leben gerufen. Dabei werden junge Sänger*innen aus aller Welt kommen, um ihr Talent unter Beweis zu stellen. Für viele Finalist:innen der vergangenen Jahre war das der Start einer großen Karriere.

Allerdings finden die Konzerte nicht nur hinter verschlossenen Türen statt – sondern auch im Freien. Und das sogar bei kostenlosem Eintritt. So gibt es im Musikpavillon des Hofgartens Lunchkonzerte, bei denen man eigenes Mittagessen mitbringen und das Konzert genießen kann. An zwei Wochenenden im Juli wird es außerdem beim „Concerto mobile“ Straßenmusik geben. Teils ganz zentral in der Altstadt, aber auch an Orten außerhalb, an denen normalerweise keine Musik gespielt wird. Auch auf der Arzler Alm und beim Alpengasthaus Heilig Wasser wird es bei „Musica montana“ unterhaltsame Musik mit malerischer Aussicht geben.

Letzte Festwochen für Intendant

Für Intendant Alessandro De Marchi schließt sich diesen Sommer ein Kapitel. Für ihn sind diese Festwoche nach 14 Jahren die letzten. Aus diesem Grund wird es Ende August ein Abschiedskonzert mit Vivaldi-Musik geben. Am meisten freut sich De Marchi darauf, wenn in einer Vorstellung wieder Dirigent, Solisten, Orchester und Publikum in Einklang kommen, gemeinsam schwingen und zu einer Einheit werden.

Im Zentrum der Aufführungen stehen Antonio Vivaldi und seine Geburtsstadt Venedig. Von dort aus werden nach dem Leitmotto „Wege“ verschiedene Richtungen eingeschlagen, welche sich in den Aufführungen widerspiegeln. Da gibt es vieles zu erwarten: versteckte Identitäten und Karneval, talentierte Waisenkinder und geheime Liebe bis hin zu einem Weg nach Südamerika in die Heimat des Tangos.

Vergünstigungen für U30

Um jungen Menschen den Zugang zu erleichtern, gibt es bei allen Aufführungen Vergünstigungen für alle unter 30 Jahren: Die Tickets können für die Hälfte des Preises erworben werden. Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens ist dieses Angebot sehr wichtig, damit ein Besuch der Veranstaltungen leistbar ist. Auch Intendant Alessandro De Marchi heißt junge Menschen im Publikum willkommen: „Man muss keine Angst vor Alter Musik haben. Ich kann nur empfehlen, diese schöne Zeitreise mit uns zu gehen.“

Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens blickt den Festwochen mit Vorfreude entgegen: „Wir wollen dem Publikum einen Moment schenken, den sie so schnell nicht vergessen werden, der einen vielleicht aus dem Alltag heraus geholt hat. Und wir sind mit so viel Herzblut dabei, das alles wahrhaftig werden zu lassen.“

Weitere Informationen zu Programm und Vorverkaufskarten sind auf der Homepage der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu finden.

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