In aller Köpfe verewigt

von Rosa Schmitz
Lesezeit: 6 min
Dies sind Österreichs Schönheitsikonen der letzten Jahrhunderte – von Kaiserin Elisabeth (Sisi) bis hin zur Schauspielerin Romy Schneider und allen dazwischen.

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Trotzdem hat jede Epoche ihr eigenes Schönheitsideal geprägt. So standen mal Erotik und pure Weiblichkeit im Vordergrund, dann wieder androgyne Frauentypen. Auch die Österreicherinnen, die über Jahrzehnte zu Schönheitsikonen deklariert wurden, waren alles andere als durchschnittlich: Sie wichen tatsächlich von Generation zu Generation mehr vom Aussehen der „normalen Frau ab. Ihre unvergesslichen Merkmale prägten Make-up-, Frisur- und Modetrends – aber auch Charaktereigenschaften. Denn: Schön ist, was schön erscheint. Doch zum Erscheinen gehört eben die Überraschung – eine Art von Offenbarung, eine Verzauberung, die nicht einfach wiederholt werden kann. Sie liegt in den Details unter der Oberfläche, sie liegt in der Ausstrahlung. Hier sind sechs Österreicherinnen, die sich nicht der Deutungshegonomie der dominierenden Standards für Schönheit unterworfen haben, sondern den Begriff immer erweitert und ergänzt haben:

Die Kaiserin, die bis heute fasziniert

Jeder kennt sie, die schönen Gemälde und Fotos der außergewöhnlich attraktiven Sisi. Sie ist die erste moderne Bildikone, deren Gesicht sich medial eingeprägt hat. Grund dafür ist, dass sie genau zu dem Zeitpunkt die öffentliche Bühne betrat, als die Fotografie ihren Siegeszug antrat. Auf einmal schienen Promis wie Sisi zum Greifen nah, waren quasi omnipräsent.

Quelle: Franz Xaver Winterhalter via Wikimedia Commons

Sisi nahm mit ihrer Selbstinszenierung und Selbstzensur außerdem vorweg, was heutzutage Influencer tun: So entschied sie selbst, welche retuschierten Bilder veröffentlicht wurden, und ließ sich ab dem 30. Lebensjahr nicht mehr fotografieren. Mit diesen Entscheidungen kreierte sie den Mythos der ewig jungen Märchenkaiserin – und inspirierte mit ihrer von der Zeit eingefrorenen Schönheit jede Generation aufs Neue.

Dazu trug allerdings auch Sisis vielschichtige persönliche Geschichte bei. Sie gibt viel Stoff her, von dem immer wieder neue, bisher unbekannte Facetten aufgedeckt werden. Der klare rote Faden dabei: Sisis Kampf um ein Maß an Freiheit, das für ihre Zeit außergewöhnlich war. Mit der Zeit wurde so aus einem verschreckten Teenager eine Frau, die für sich und ihre Bedürfnisse einstehen konnte. Dies machte ihre inneren Werte genauso faszinierend wie ihr Äußeres.

 

Das ehemalige Model

Cordula Reyer lebt heute abwechselnd in Wien und Los Angeles. Als internationales Top-Model war die Österreicherin früher aber auf der ganzen Welt unterwegs. In ihrem Beruf bekam Reyer, wie so viele Frauen, besonders stark zu spüren, wie vergänglich die Jugend in Wahrheit ist. So wusste sie von Anfang an, dass ihre Karriere zeitlich begrenzt war. Doch Reyer nutzte die Zeit voll aus. In den Achtziger- und Neunzigerjahren war sie auf allen wichtigen Covers und Lau

Quelle: Willyman via Wikimedia Commons

fstegen zu sehen und warb für Marken wie Dolce & Gabbana, Prada, Comme des Garçons, Jil Sander, Max Mara, Thierry Mugler und Bottega Veneta. Sie verewigte sich mit ihren unvergesslichen Merkmalen – funkelnden blauen Augen, vollen Lippen und einer sonnengebleichten blonden Mähne – in den Köpfen aller Trend-Interessierten. Jeder Schnappschuss von Reyer ist ikonisch. Fotografiert wurde sie von Berühmtheiten wie Helmut Newton, Annie Leibovitz oder Peter Lindbergh für Magazine wie Vogue, Elle, Glamour oder Marie Claire. So wurden sogar ihre einst verspotteten Augenringe zum Symbol eines modernen Schönheitsideals. Ich möchte zeigen, dass jeder schön ist, sagte Reyer einst in einem Interview mit Gala. Man muss mit sich selbst zufrieden sein.

 

Der Opernstar mit der Jahrhundertstimme

Anna Netrebko ist der Opernstar unserer Zeit. Die Sopranistin studierte in St. Petersburg Gesang und begann dort ihre Karriere am Theater. Mittlerweile zählt sie zu den bedeutendsten Künstlerinnen und besingt die wichtigsten Musikhäuser der Welt. Auch tritt Netrebko regelmäßig bei den Salzburger Festspielen auf. Sie singt makellos, bedrückend eindringlich, spielt mitreißend körperlich. Doch die Sopranistin – halb Österreicherin, halb Russin – ist nicht nur eine Jahrhundertstimme, die in ihren Rollen Schönheiten verkörpert. Stattdessen ist sie selbst eine klassische Schönheit. Mit ihren großen braunen Augen und ihrem dicken, lockigen Haar raubt sie dem Publikum immer wieder aufs Neue den Atem.

Quelle: Manfred Werner via Wikimedia Commons

 

Die Modedesignerin

Lena Hoschek legte eine unglaubliche Karriere als Modedesignerin hin und ist mittlerweile ein echtes Aushängeschild in der Branche – national wie international. Die Grazerin absolvierte direkt nach ihrer Ausbildung an der Modeschule in

Quelle: Michael Zahnschirm

Hetzendorf ein Praktikum bei der britischen Designerin Vivienne Westwood in London. Danach eröffnete sie, im zarten Alter von 24 Jahren, ihr eigenes Atelier. Heutzutage tragen Ikonen wie die niederländische Königin Máxima ihre Designs, die von der Schneiderkunst der Vierziger- und Fünfzigerjahre geprägt sind. Vor weiblichen Formen hat die Modedesignerin ganz klar keine Angst. Ganz im Gegenteil: Kurven gehören dazu. Nur bei der Stoffauswahl ist Hoschek sehr akribisch. Einen billigen Stoff kann ich nicht angreifen, sagte sie einst in einem Interview mit dem Standard. Zugegeben sei sie selber auch Erzeuger von Konsumware. Für sie wäre es fatal, wenn die Leute aufhören würden, zu konsumieren. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass ein Produkt eine sehr lange Lebensdauer hat. Mit dieser Einstellung – und viel Biss – hat Hoschek es nach oben geschafft. Ihre Designs machen die, die sie tragen, noch einmal schöner.

Die Medienmacherin mit Ehrgeiz

Uschi Fellner startete ihre journalistische Karriere beim Rennbahn-Express und wurde damals die jüngste Chefredakteurin Österreichs. Danach gründete die Medienmacherin 1994 gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Wolfgang Fellner die Verlagsgruppe News. 2001 folgte das Frauenmagazin Woman, 2006 die Tageszeitung Österreich, 2008 die erste wöchentliche Frauenzeitschrift Madonna und 2014 das Frauenmagazin look!. Mit ihren

Quelle: Franz Johann Morgenbesser via Wikimedia Commons

verschiedenen Medienkanälen prägt Fellner seit Jahren Make-Up-, Frisur- und Modetrends und hilft Tausenden von Frauen im ganzen Land, Entscheidungen rund um ihre Schönheit zu treffen. Allerdings sind auch ihre Charaktereigenschaften ikonisch. Wo Fellner heute steht, kommt man nicht ohne Ehrgeiz hin.

Die heißbegehrte Schauspielerin

Romy Schneider zählt wohl zu den bekanntesten Schauspielerinnen des Landes. Ihren absoluten Durchbruch verdankte die Österreicherin ihrer Rolle als Kaiserin Elisabeth in der Sissi-Trilogie. Die Schauspielerin starb im Jahr 1982 völlig unerwartet im Alter von 43 Jahren – die Umstände ihres Todes sind bis heute nicht vollständig geklärt. Zu Lebzeiten galt sie als Schönheitsikone. Ähnlich wie die Kaiserin selbst war Schneider ein Unikat. Nicht nur ihre makellosen Gesichtszüge, sondern auch ihre Ausstrahlung zogen jeden in ihren Bann und ließen nicht mehr los. In aller Köpfe verewigt.

Quelle: Unbekannt via Wikimedia Commons

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