Seit fünf Jahren gehe ich jede Woche in die gleiche Bar. Wenn ich reinkomme, fühlt sich mein Kopf oft an wie eine Mattscheibe. Ich trinke, damit das Gefühl der Teilnahmslosigkeit weicht und ich empfänglich werde für das, was ich sonst als nervige Nichtigkeiten meiner Mitmenschen wahrnehmen würde. Zwar merke ich mir so gut wie nichts von dem, was sie sagen, vergesse alles nur wenige Tage später, ob das Geheimnis, das eigentlich für das Grab bestimmt war oder irgendwelchen Tratsch. Aber ich höre zu und stelle interessierte Fragen, lache über Witze, die mir sonst nicht einmal eine Reaktion abringen würden; fühle mich gemeinschaftlich.
Ich glaube, dass es den anderen genauso geht.
Dinge, die ich jahrelang nicht aussprechen konnte und dann zwischen Bier drei und sechs wie beiläufig erwähne, wurden von den anderen genauso punktuell interessiert und ewig vergessen wahrgenommen, wie ich ihre Dinge aufnahm und abtat. Manchmal, wenn ich es schaffe eine Präsenz herzustellen, also den Nebel, der mich vom Leben trennt, zu lichten, komme ich mir vor wie der einzig Nüchterne auf einer Party. Wenn sich die anderen, wie ich, meistens so fühlen wie ein gerade erst ausgeschalteter Fernseher, der aber leider nicht vergessen kann und das Gesehene nach dem Ausschalten einordnen muss und deshalb nicht da, sondern immer irgendwo anders ist, sind wir den Untoten wohl näher als den Lebenden; wir wandeln und wankeln nur so dahin, trinken und ertrinken nebeneinander und wissen eigentlich gar nicht mehr warum. Wenn das also passiert, ich da bin und sehe, dass es die anderen nicht sind, erliege ich oft der Versuchung, mich ebenso zu plätten, um den anderen näher zu sein, in dem Gefühl der absoluten Verlorenheit, dem Stadium, das zwar Fragen stellt, aber die Sprache schon lange verlernt hat.
Wenn man einem Hund etwas zeigen will, schaut er nur auf den Finger.