Am 30. April startete der gebürtige Tiroler Manu Delago den zweiten Versuch seiner Recycling-Tour durch Österreich, die bereits 2020 stattfinden hätte sollen. Die Besonderheit dieser Tour ist nicht nur die Möglichkeit, in einer Zeit der kulturellen Depression Konzerte per Livestream und ab 19. Mai vor Ort zu besuchen, sondern auch, dass dabei versucht wird, möglichst nachhaltig von einem Tourort in den nächsten zu reisen. Das Konzept könnte einfacher nicht sein: Manu Delago und seine Band gelangen per Fahrrad in die 24 Tourorte, nehmen dabei ihr Equipment im Anhänger mit und setzen damit ein Zeichen, dass Nachhaltigkeit in sämtliche Bereiche einfließen kann und sich sehr wohl mit dem oft anstrengenden Tourleben verbinden lässt. Das Ziel dabei ist, „Sustainability“ in die Tat umzusetzen und Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit dieser zu lenken.
Nachhaltigkeit beginnt bereits im Kleinen und somit ist nicht nur der Umstieg auf ein umweltfreundliches Transportmittel ein selbstsprechendes Zeichen, sondern auch der Minimalismus, der damit einhergeht. Besonders in der Planung musste darauf geachtet werden, sämtliches Equipment zu vermeiden, welches entweder zu schwer für den Transport oder für die Shows entbehrlich ist. Während die Crew auf den Rädern unterwegs ist, erzeugt sie zusätzlich Strom mittels Solar Panels, was den CO2-Fußabdruck deutlich reduziert.

© Samir Steurer
Dass der international tätige Musiker immer bereit für neue Ideen und die Verknüpfung von scheinbar unterschiedlichen Konzepten ist, zeigt sich in seiner Interpretation traditioneller österreichischer Volksmusik. Der sonst in der experimentellen, sphärischen und elektronischen Musikrichtung angesiedelte Hang-Instrumentalist kooperierte in St. Johann in Tirol mit der „Leuchtentaler Stubenmusik“ und fordert auch hier das Publikum dazu auf, außerhalb der gewohnten Bahnen zu denken und Musik wahrzunehmen. In den knapp 40 Minuten nimmt Manu Delago & Crew die Zuschauer*innen vor dem Bildschirm auf eine Reise durch bereits bekannte Stücke und neue Soundkulissen mit. Räder sind bei Manu Delago nicht nur Transportmittel, sondern werden mit viel Geschick und Witz innovativ zu Musikinstrumenten umfunktioniert. Wie Manu Delago beweist, bedeutet eine minimalistischere Herangehensweise keinesfalls Einbüßen in der Qualität, ganz im Gegenteil – sie gibt Raum für neue Konzepte und lässt den Blickwinkel musikalisch und gesellschaftlich erweitern. Ein Appell an eine minimalistische und nachhaltigere Lebensweise, der auf ganzer Linie überzeugt.
Die gesamte Tour ist auf der Website ersichtlich und endet am 2. Juni wieder in Innsbruck, wo sie begonnen hat – Recycling, das sich selbst in der Route widerspiegelt.