Yoga ist voll im Trend und die meisten haben davon sicherlich eine vage Idee, doch was genau ist eigentlich Yoga und was steckt hinter den ästhetischen Verrenkungen? Der Begriff „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „Einheit“ oder „Harmonie“. Er bezeichnet eine philosophische Lehre, die verschiedene körperliche sowie geistige Praktiken einschließt. Diese reichen von körperlichen Positionen, über Atemübungen und ethischen Werten hin zu Meditation und Askese. Tatsächlich blickt die Tradition des Yoga auf rund 3.000 Jahre Entwicklung zurück und stützt sich auf verschiedene Schriften, wie das bekannte Yogasutra von Patanjali, das Buch Bhagavad Gita über das Leben aus einem indischen Epos oder die antiken, indischen Veden von Vyasa, eine Sammlung von Texten, Dichtungen und Mantras. In diesem Sinne ist Yoga also weder Sport noch Religion.
Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. – Patanjali
Unter dem Begriff des Yoga haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Pfade entwickelt und so ergibt sich heutzutage eine schier unendliche Bandbreite an Yoga-Stilen. Neben den klassischen und bekanntesten Varianten wie Hatha Yoga oder Vinyasa Flow Yoga gibt es auch Yin Yoga, Kundalini Yoga, Ashtanga Yoga, Iyengar Yoga, Sivananda Yoga und vieles mehr. Der Fokus der Praxis wird in den einzelnen Richtungen auf unterschiedliche Aspekte gelegt, welche von Entspannung über Energiefluss hin zu Spiritualität reichen.
Die drei Säulen des Hatha Yoga
Unter diesen Stilen ist kaum ein Yoga so bekannt und verbreitet wie das Hatha Yoga. So inkludiert die Yogarichtung beispielsweise den klassisch mit Yoga assoziierten „Sonnengruß“, den „herabschauenden Hund“ oder auch die „Kobra“. Der Name setzt sich zusammen aus „ha“ (Sonne) und „tha“ (Mond) und versinnbildlicht das Vereinen der entgegengesetzten Kräfte, die in allen Menschen stets präsent sind: Sonne und Mond, Aktivität und Stille, Logik und Kreativität. Ziel ist es, harmonischen Gleichklang der verschiedenen Energien zu erreichen und das duale Prinzip zu überschreiten. Der Lehre des Yoga zufolge ist dementsprechend nichts nur schwarz oder weiß. Im Wesentlichen beruht dieser Zweig des Yoga auf den folgenden drei Säulen:
- Körper / Yoga Positionen (Asanas)
- Atem (Pranayama) und
- Meditation
Namasté und Willkommen in der Welt des Yoga
Hierbei handelt es sich um DIE Grußformel schlechthin. Wortwörtlich übersetzt bedeutet es so viel wie „Ich verbeuge mich vor dir“. In yogischen Kreisen wird es oft auch freier als „Das Licht meiner Seele grüßt das Licht deiner Seele“ gedeutet. Dieser Gruß gilt als Zeichen des größten Respekts und spiegelt die Überzeugung wider, dass Göttliches jederzeit und überall zu finden ist – unabhängig von Glaube und Religion. In der Praxis wird diese Anrede häufig auch nur durch Gestik ausgedrückt (Anjali Mudra), also durch das Aneinanderlegen der Hände vor der Brust und dem Herz-Chakra. Damit verkörpert Namasté eigentlich das, was Yoga ausmacht: Respekt, Achtsamkeit und Dankbarkeit.
Die Ur-Silbe Om
In der Vorstellung der meisten Menschen ist vor allem der Laut „Om” untrennbar mit der Idee von Yoga und Meditation verknüpft. Vor unserem inneren Auge sehen wir eine Person im Schneidersitz, welche, die Hände in Meditationshaltung (Chin Mudra) auf den Oberschenkeln rastend, das Om summt. Und auch, wenn Om relativ kurz und knackig daherkommt, handelt es sich hierbei um mehr als nur ein Wort. Om ist die heilige Silbe, die in der Philosophie des Yoga dem Urklang des Universums entspricht. Es bedeutet soviel wie „Alles, was gewesen ist, was ist und noch sein wird“ und verkörpert dementsprechend Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – im Endeffekt also das Universelle und Ganze.
Die Praxis der Mantras
Häufig findet Om als Mantra Verwendung und reiht sich als bekanntestes in einer Vielzahl an Versen ein, die wiederholt gedacht, geflüstert, gesprochen oder gar gesungen werden. So unterstützen sie die Meditation und das Manifestieren von Glaubenssätzen oder Wünschen und dienen der Entspannung. Ein weiteres zentrales Mantra ist beispielsweise auch „Shanti“, welches so viel wie Ruhe, Zufriedenheit, Glück und Frieden bedeutet. Beide Mantras werden gerne als Abschluss einer Yoga Praxis dreimal wiederholt gesprochen oder gesungen.
Muss ich für Yoga nicht superbeweglich sein?

Wenn dein Haustier täglich etwas praktiziert, was grob dem herabschauenden Hund ähnelt, warum solltest du dich dabei nicht einfach einmal anschließen? Yoga ist für jede und jeden und kann unabhängig von Fitnessgrad und Alter praktiziert werden. Die Praxis von Yoga kann es ermöglichen, Blockaden zu lösen, entspannend zu wirken und zudem lehrt sie, auf den eigenen Körper zu hören. Betont wird dabei immer, dass Yoga kein Wettbewerb ist. Es geht nicht darum, sich möglichst instagram-worthy zu verbiegen, sondern zu Harmonie, Ruhe und Gelassenheit zu finden. Yoga in seinem ursprünglichsten Sinn ist mehr als körperliche Betätigung und das Auspowern nach einem anstrengenden Tag. Es geht darum, Gleichgewicht zu finden und loszulassen.
Kurze Momente der Achtsamkeit im Alltag
Wie oft merkt man erst nach langem Arbeiten, wie verspannt der Kiefer ist? Lassen sich die Male zählen, an denen man im Nachhinein eine unangenehme Situation zerdenkt? Oder braucht man manchmal (und zu Zeiten einer Pandemie sogar besonders) eine Pause, um den alltäglichen Geschehnissen zu entfliehen? Ob einen die Asanas, die Atemübungen oder die Meditation ansprechen, bei Yoga kann man sich das herauszunehmen, was für einen im Alltag praktikabel ist und einem am Meisten gibt. Vielleicht sagt einem auch nur das anschauliche Bild zu: „Lass die Gedanken kommen und weiterziehen, wie die Wolken am Himmel“, und man erlaubt sich damit selbst, einfach einmal loszulassen.
Aber wo anfangen?
Mit Yoga zu starten, kann oft herausfordernd und verwirrend wirken. Vielleicht hat man sogar das Gefühl, einem Kult beizutreten oder sieht sich nicht dabei, einen Kopfstand zu machen. Auch die vielen verschiedenen Yoga-Stile erleichtern einem die Auswahl nicht gerade. Grundsätzlich bietet es sich einmal an, beim Yoga- oder Fitnessstudio um die Ecke nachzufragen und so ganz nebenbei (und besonders in Zeiten des Lockdowns) die kleinen und lokalen Unternehmen zu unterstützen. Vielleicht bieten sie ja online einen Einsteigerkurs oder eine offene Klasse an. Doch so, wie einem YouTube Videos beibringen können, sich die Haare zu schneiden oder eine Regalwand zu bauen, bietet die Plattform auch unzählige Ressourcen zum Ausprobieren und Kennenlernen der verschiedenen Yoga Techniken. Drei der beliebtesten und bekanntesten Yoginis sind:
- Mady Morrison
- Happy And Fit Yoga
- Yoga with Adriene
In diesem Sinne: Namasté.