Der Krieg in der Ukraine hat Europas Versorgungssicherheit mit fossilen Energieträgern gefährdet. Durch resultierende Schwankungen im Erdölpreis steigt nun die Inflation. Manche Familien müssen zwischen Essen und Heizen entscheiden. Der Wohlstand von Millionen von Haushalten ist gefährdet. In Folge der Sanktionen gegen Russland und der eingestellten Erdöllieferungen durch russische Unternehmen schaut man sich nun nach alternativen Energielieferanten um.
Vor der Krise deckte russisches Gas rund 40 Prozent des Gasbedarfs der EU. Das russische Regime gilt nun als hauptverantwortlich für die Krise. Dementsprechend ist man in der EU und folglich Österreich besonders zögerlich, sich weiterhin auf Russland zu verlassen. Einer der Gründe, warum die Stimmen für ein Energienetz aus nachhaltig gewonnenem Strom immer lauter werden. Bei dem Kampf um eine nachhaltige Zukunft gilt die EU oft als globaler Trendsetter. So konnte die EU im Jahr 2021 mit einem Anteil von zirka 38 Prozent erneuerbare Energien erstmals in der Geschichte der EU auf einen höheren Anteil am Strommix bringen als fossile Energieträger (37 Prozent). Die Kernkraft wurde von der Windkraft als wichtigste Energiequelle in der Stromerzeugung abgelöst.
Komfortabel innerhalb der Ziele
Österreich liegt hierbei komfortabel innerhalb der Ziele der EU. Das Land zielte auf 34 Prozent für den Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoendenergieverbrauch im Rahmen der EU-Ziele für eine grüne Energiewende. Laut Statistik Austria überstieg der Anteil laut Energiebilanz der Statistik Austria sogar den Zielwert mit einem Höchstwert von 36,5 Prozent. Der Zielwert im nationalen Klimaplan liegt sogar auf 46-50 Prozent für Österreich.
Das könnte für einige auf den ersten Blick gut wirken. Doch kann der Schein trügen. Die Energiegewinnung ist nicht gleich dem Bruttoinlandsverbrauch. Selbst wenn man die 13,5 Prozent Kernenergie nicht miteinbezieht, beträgt laut Statistik Austria der Anteil von Gas, Kohle und Öl allein über 69 Prozent des Bruttoinlandverbrauch. Österreich ist also noch weitgehend angewiesen auf den Import von fossilen Energieträgern.
Stattdessen erneuerbaren Strom?
Ein globales Umdenken ist notwendig, um die Erderwärmung auf das 1,5 Grad Ziel der UN zu beschränken. Derzeit sind die meisten Länder der Welt noch weitestgehend von Kohle, Gas und Öl abhängig. Es kursieren spektakuläre Pläne, um eine Energiewende herbeizuführen: beispielsweise der Plan, große Teile der Saharawüste in einen Solarpark umzuwandeln. Könnte man nicht in derartige Pläne investieren und dann von dort importieren?
Das ist leider nicht unbedingt unbedenklich.
So baut beispielsweise Marokko, ein wichtiger Handelspartner der EU, große Teile seiner Windkraftwerke und Photovoltaikanlagen auf dem völkerrechtswidrig okkupierten Westsahara-Territorium. Marokko machte sich seit Beginn des Konflikts in der Westsahara zahlreicher Menschenrechtsverletzungen wie dem Mord an Journalist:innen und schwerer systematischer Polizeigewalt gegenüber der ursprünglichen Bevölkerung des Gebiets schuldig. Viele von Marokkos Kraftwerken stehen also auf Land, dessen völkerrechtlicher Status umstritten ist.
Wenn wir also Energie importieren wollen, sollten wir uns vergewissern woher sie kommt und ob wir damit nicht Menschrechtsverletzungen inidrekt unterstützen.
Ausbau der Kapazitäten
Eine der besten Alternativen wäre ein Ausbau der Kapazitäten für nachhaltige Energiegewinnung im Inland. Die mittlere Sonneneinstrahlung in Österreich liegt jährlich auf mehr als der Hälfte der Intensität, die auf die Sahara trifft. Das ist ein großes Potenzial. Die geringen Kapazitäten an Photovoltaik sind derzeit noch äußerst ausbaufähig. Laut Photovoltaik Austria könnte man langfristig 20 bis 30 Prozent des Strombedarfs über Photovoltaik decken. Derzeit sind es nur 1,4 Prozent.
Bis Österreich sein Solarstromnetzwerk derart ausbauen kann, ist es noch ein weiter Weg. Vermutlich wird bis dahin weiterhin viel Strom aus ethisch fragwürdigen Quellen importiert werden. Und der Klimawandel wird weiter unseren Planeten bedrohen. Doch mit Mut zum Wandel kann Österreich den Sprung in eine nachhaltigere Zukunft schaffen.