Wien ist perfekt. Perfekter als die Wiener.
Grantig. Störrisch. Garstig.
“Tachinierer, Owezahrer und Sozialschmarotzer” – Schmähworte, die einst Sebastian Kurz parat hatte, um die Wiener zu beschreiben. Beschrieben hat er sie damit als: faul. Den Vorwurf, bloß billiges Wien-Bashing zu betreiben, schmetterte er mit dem Argument ab, ja selber Wiener zu sein.
Was Basti kann, kann ich auch. Darf ich?
Raunzen. Meckern. Knatschen. Im Wien der Wiener gehört das dazu. Es ist normal.
Auch dass überall, zu jeder Uhrzeit, wie am Schlot geraucht wird. Eine positive Seite: Wenn man beim Ausgehen mal ein Feuer für eine Tschick braucht, steht sicher ein williger Anbieter vor der Bar. Oder umgekehrt: Es wird einem eine extra Tschick fürs Feuer angeboten. Auf diesem außergewöhnlich freundlichem Austausch basieren ganze betrunkene Freundschaften.
“Ur” anstrengend im Alltag
Aber mit den Wienern ist nicht immer alles leiwand, soll heißen: großartig. Wiener sind nämlich “ur” anstrengend im Alltag.
In der U-Bahn wird geschubst, gedrängt, gerumpelt. Hier werden FFP2-Masken oft nur als Modestatement auf dem Kinn getragen. Um Raucher hängen kalte, stinkende Rauchschwaden. Einer isst immer gerade einen auf den Boden saftelnden Döner. Einer schwitzt noch die Kiste Ottakringer vom Vorabend aus.
Parks und Straßen sind voller Hundescheiße. Obwohl die Herrchen und Frauchen fürs Gackerl immer ein Sackerl dabei haben sollten. Rush-hour dauert in Wien den halben Morgen und den ganzen Abend. Bei Sonne und bei Regen manövrieren viele Wiener ihre Karossen als hätten sie noch nicht richtig Autofahren gelernt und fühlten sich vom Großstadt-Verkehr schlicht überfordert. Unkontrolliert fahren sie auf zwei Spuren. Biegen willkürlich ab, ohne zu blinken. Hupen vor roten Ampeln stehende Autos an. Linienbusse demonstrieren gerne das Recht des Stärkeren und Straßenbahnen kommen von allen Seiten. Fußgänger rennen über die Straße, während sie vertieft in ihr Smartphone schauen, aber nicht auf den Verkehr achten. Fahrrad- und, seit ein paar Jahren, E-Scooter-Fahrer meinen, stets Vorfahrt zu haben, und so düsen sie auch irre durch die Gegend. Dabei sind für alle immer nur die anderen die Trottln und denen wird gerne beschieden – geh scheißen!
Stets leiwand unterwegs.
Aufgeblasen und wichtigtuerisch
Den Wiener Schmäh verstehen nur die Wiener. Sie lieben das Morbide. Am lustigsten finden sie sich, wenn sie über Personen herziehen, die nicht Hauptstädtler im Ursprung sind. Da gilt jede abfällige Bemerkung als gelungener Scherz. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Der Rest von Österreich kann sich mit einer solchen Haltung nicht anfreunden. Sie finden die Wiener aufgeblasen, wichtigtuerisch, arrogant. Aber was wär das für ein Rest von Österreich ohne sein Wien – braucht doch jeder jemanden, auf den er so richtig schimpfen kann, und zumindest ist man sich darin einig, Schuld “sein allerweil de in Wien untn”… Das merke ich andauernd, weil ich ja selbst Wienerin bin. Aber da sag ich nur: “Oida, beschwert’s Euch doch beim Salzamt!”