UNIpress: Welche Bedeutung hat die Gleichstellungspolitik an der Leopold-Franzens-Universität? Wie ist das organisiert?

@Sofie Hofer
Sabine Engel: Zunächst wird diese Bedeutung durch das Gesetz vorgegeben, da die Gleichstellung der Geschlechter als gesellschaftliche Zielsetzung der Hochschulen gesehen wird. Ansonsten versuchen wir als Universität auch sehr stark in Richtung Gender Mainstreaming zu gehen. Das heißt, Gleichstellung eigentlich überall mitzudenken. Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen wird dabei begleitend eingebunden. Ich möchte nicht sagen, dass wir an der Uni ein Hort der Gleichstellung sind, aber der grundsätzliche Zugang ist sehr positiv. Ich weiß, dass das nicht an allen Unis so ist. Hier aber schaut man in vielen Bereichen im Rektorat bereits darauf, dass nicht erst im Nachhinein der Arbeitskreis für Gleichstellungsfragen kommen muss, um auf Probleme hinzuweisen. Man versucht schon im Vorhinein das mitzudenken. Das funktioniert zwar nicht lückenlos und ist auch immer ein Interessensabgleich. Aber es ist mal ein vernünftiger und konstruktiver Zugang.
UNIpress: Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Nachholbedarf in der Gleichstellungspolitik im Hochschulbereich?
Engel: Ich denke, dass der Nachholbedarf mit fortschreitender akademischer Karriere noch stark da ist. Wir haben an der Uni Innsbruck ein sogenanntes Gleichstellungs-Controlling, wo wir uns statistische Zahlen genau danach anschauen. Dabei merkt man, dass es bei den Studierenden (Anzahl Frauen* und Männer*, Anm. d. Red) mittlerweile gleich auf ist. Auch bei den Dissertantinnen und Dissertanten sieht es noch gut aus. Danach aber, in der Phase zur Habilitation, verlieren wir teilweise wieder die Kolleginnen. Was es an der Uni Innsbruck noch komplizierter macht, ist die relativ disparate Lage je nach Fakultät. Es gibt welche, wo wir ein sehr ausgewogenes Geschlechterverhältnis haben und es gibt Fakultäten, wo es noch sehr schlecht aussieht. Die Fächer, wo wir mit den Quoten noch hinten an sind, betreffen die technischen Wissenschaften. Dort sind sehr wenige Frauen zu gewinnen. Man sucht auch immer bei Besetzungsverfahren nach weiblichen Bewerberinnen, aber es gibt zu wenig Absolventinnen. Und es hakt noch bei der Studienwahl, die so unterschiedlich ist.
Hier müsste man eigentlich schon in den Schulen ansetzen und dort verstärkt das Interesse für technische Fächer bei Mädchen wecken. Als Uni kommt man hier an und für sich schon
relativ spät. Wir machen dann zwar dazu Sommercamps oder Aktionen wie ‚Frauen in die Technik‘, aber da haben wir bereits eine wichtige Phase verloren. Initiativen, wie die ‚Junge Uni‘ können daher viel bringen. Hier kann man schon sehr früh Interesse für die Universität und bestimmte Forschungsfelder wecken, weil es hier noch nicht so festgelegt ist.
UNIpress: 2003 ist der Frauenförderungsplan der Universität Innsbruck beschlossen worden. Wie würden Sie das jetzt im Rückblick bewerten? Inwiefern wurden die darin festgelegten Punkte erfüllt?
Engel: Ich sehe den Frauenförderungsplan etwas technokratischer. Darin sind ja nicht irgendwelche Zahlen in dem Sinne festgelegt, wie etwa bei Frauenförderungsplänen an deutschen Universitäten. Es ist eine Durchführungsverordnung zum Bundesgleichbehandlungsgesetz. Das gibt uns in vielen Personalverfahren eigene Handhabe, um eben einmal Diskriminierung hintanzuhalten und andererseits Frauenförderung durchzusetzen. Bis jetzt hat dieses Vehikel sehr gut funktioniert. Es wird sich aber beim Frauenförderungsplan bald etwas ändern: Der Gesetzgeber möchte nämlich, dass wir nun sogenannte Gleichstellungspläne erlassen. Wenn diese Änderung beschlossen wird, muss auch der teilweise veraltete Frauenförderungsplan adaptiert werden. Das ist ebenfalls so im Bereich der Gender Studies oder Frauen- und Geschlechterforschung, wo mittlerweile eine ganz andere Studienarchitektur da ist. Das heißt, wir sind im Moment in einer relativ offenen Situation. Derzeit ist es einfach einmal ein recht bewährtes Werkzeug für die Alltagsarbeit.
UNIpress: Zum Thema Sprachliches Gendern: Hier gibt es ja eine Vielzahl von Ansätzen und man weiß oftmals nicht, wie man richtig Gendern sollte (Binnen-I, Stern, x-Endung). Was würden Sie hier am besten nahelegen?
Engel: Ich persönlich bin der Meinung, dass man hier je nach Textsorte unterschiedliche Ansprüche stellen sollte. Entsprechende Untersuchungen zeigen, dass es einen Unterschied ausmacht, wenn ich eine Stelle rein mit einer männlichen Bezeichnung ausschreibe und dann in Klammer dahinter „m/w“ setze. Hier fühlen sich etwa weniger Frauen angesprochen, als wenn man ausschreibt: „Ich suche einen Bilanzbuchhalter/eine Bilanzbuchhalterin“. In diesem Fall muss man gut darauf achten, dass gegendert wird. Im Bereich wissenschaftlicher Arbeiten, ist das schon schwieriger. Es soll ja auch eine gewisse Selbstentscheidungsmöglichkeit geben. Ich bin eher dagegen, dass hier zu starke Vorgaben gemacht werden. Anders ist das bei Texten, welche die Uni nach außen veröffentlicht. Hier wäre eine geschlechtergerechte Formulierung schon wichtig. Man darf hier auch nicht nur am Sprachlichen hängen, weil auch die Bildsprache schon viel ausmacht. Zum Beispiel gab es einmal eine Beschwerde von Studierenden, welche Bilder bemängelt haben, auf denen immer nur ein Mann einer Frau etwas erklärt. Ich denke also, man sollte es mit dem Gendern relativ offenlassen – zumindest bei Textsorten, wo ich dann auch namentlich dahinterstehe und sage: „Ich möchte mich so ausdrücken und für mich ist es so stimmig.“
UNIpress: Gibt es noch abschließend etwas, was Sie zur Thematik bezogen auf Studierende anmerken würden?
Engel: Ja, aber das bezieht sich nicht nur auf das Gleichstellungsthema: Was ich mir noch wünsche von Studierenden ist, dass man nicht zu unkritisch die Uni konsumiert. Sie können einen frischen Außenblick einbringen und Dinge so sehen, wie man es selbst als Institution Universität gar nicht mehr so wahrnimmt.
UNIpress: Vielen Dank für das Gespräch!
Erstmals erschienen in Unipress #2/2019