Tasteful Dating

von Kristina Kerber
Lesezeit: 7 min
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Das trifft auch auf Beziehungen zu. Zwar sind bewährte Riten schöne und vor allem essenzielle Beziehungsbausteine, jedoch können sie sich auch schnell monoton anfühlen – daher hier ein paar Ideen, um frischen Wind im Alltagstrott aufkommen zu lassen.

Der Klassiker

©Kristina Kerber

Ein Gespräch mit einem Gläschen Wein in der einen und einer Gabel in der anderen Hand, vielleicht noch einen Film schauen und dann ab ins Bett (was dann für jedes Pärchen Interpretationssache ist) – ein altbekanntes Rezept für einen gemeinsamen Abend. Aber nach dem dreißigsten Kinobesuch, oder wenn einem die Spaghetti vom Italiener nebenan nach dem zwanzigsten Dinner schon wie ungewollte Behaarung zur Nase raushängen, fühlt man sich dann selbst irgendwann wie im falschen Film. Diese klassische Kombination hat zwar einen unbestreitbaren Charme, allerdings gibt es diese Variante auch mit Twist. 

So könnte man das Gläschen Wein auch unter den Sternenhimmel verschieben – beispielsweise in Verbindung mit einem Picknick (hierfür eignen sich in Innsbruck vor allem der Botanische Garten und der Hofgarten) oder einem nächtlichen Spaziergang. Pluspunkte gibt’s für Mitternachtspicknicke und szenische Locations. Den Film könnte man durch ein „Russisches Roulette“ der anderen Art ersetzen – einfach blind einen Film auf Netflix oder in der Filmkollektion wählen und genießen, egal ob kitschige Liebesschnulze, so-bad-that-it’s-good Trash-Movie oder nervenaufreibender Horrorfilm. Je nach Genre kann dann gern auch der Wein (oder die Shotgläser) wieder ins Spiel gebracht werden. 

Apropos Spiel – auch dem klassischen Spieleabend kann man problemlos Würze verleihen, indem man ihn in eine Game-Olympiade verwandelt, bei der es – unabhängig vom Ausgang – immer zwei Gewinner gibt. Selbst etwas so stereotypisch Monotone wie ein Bibliotheksbesuch kann schnell in ein Spiel verwandelt werden. Im Internet gibt es hierzu unzählige „Bookstore Challenges“, bei denen nicht nur die Zeit rasend schnell vorübergeht, sondern auch der Partner besser kennengelernt werden kann. Einfach eine Liste mit Aufgaben zusammenstellen – zum Beispiel „Ein Rezept, das der Partner gerne probieren würde“ oder „Ein Buchtitel, der das Leben des Partners beschreibt“ – und dann Bücher mit dem passenden Titel und Inhalt finden. Kosteneffizient, unkompliziert, effektiv.

Der Gourmet

© Kristina Kerber

Liebe geht bekanntlich durch den Magen, daher ist Essen für die wohlverdiente Zweisamkeit besonders wichtig. Natürlich kann man statt einem klassischen Dinner-Date einfach gemeinsam kochen (oder die Küche in den Schauplatz einer hauseigenen „Küchenschlacht“-Folge verwandeln), denn auch hier gibt es viele Ideen, um gegen die Monotonie anzukämpfen. So werden bei einer Blindverkostung einfach mit einem Stofftuch die Augen verbunden und schon wird ein Löffel Nutella, gefolgt von einer Gabelspitze Salz, zum geschmacklichen Abenteuer.

Eine noch abenteuerlichere Idee wäre es, ein Fünf-Gänge-Menü in fünf verschiedenen Lokalen zu genießen – dabei können gleichzeitig auch neue Lokale erkundet werden, die hoffentlich stammlokaltauglich sind. Für die besonders abenteuerfreundlichen unter euch kann dabei auch blind gewählt werden, welches Essen auf den Tisch kommt – so kann man sich zum Beispiel darauf einigen, das fünfte Getränk und das dreizehnte Essen auf jeder Speisekarte auszuprobieren. Wenn der Geldbeutel leer ist, kann man das Ganze aber auch umdrehen – einfach mit Anzug und Krawatte, beziehungsweise Kleid und Stöckelschuhen in ein Fast-Food-Restaurant gehen und sich so fühlen, als gehöre man zur High Society.

Der Abenteurer

©Kristina Kerber

Auch hier gilt es, so zeit- und kosteneffizient wie möglich, ein Maximum an Spaß rauszuholen. Wie bereits besprochen geht Liebe durch den Magen, aber wer sagt, dass es nicht durch den Gehörgang gehen kann? Einfach eine Liedanzahl festlegen und dann so lang im Auto fahren (und lauthals mitsingen), bis diese Anzahl erreicht ist. Dann heißt es Parkplatz suchen und Umgebung erkunden – mit ein bisschen Glück verwandelt sich das Autokaraoke in eine Fahrt zu einem neuen Lieblingsort (und im schlimmsten Fall spaziert man einfach durch einen Betondschungel oder einen moskitoverseuchten Wald – ein Abenteuer ist’s allemal). 

Auch für besonders nervenstarke Paare: Ein Horrorabend der anderen Art. Anstatt friedlich und vor allem sicher daheim zu sitzen und ein paar Horrorstreifen anzusehen, kann man sich mit Taschenlampe in den Wald trauen und ein paar zuvor recherchierte Horrorgeschichten zum Besten geben (und falls das zu gruselig wird, kann man auch peinliche Begegnungen mit dem Chef oder blamable Begebenheiten aus der eigenen Kindheit zu besagten Horrorgeschichten zählen). 

Beim Wort „Abenteuer“ wird das innere Kind ganz aufmerksam – wie wäre es, den Tag so zu gestalten, wie man es sich damals mit 12 Jahren erträumt hat? Lange ausschlafen, Süßigkeiten zum Frühstück, drei Filme hintereinander schauen und dann am Abend ganz lang aufbleiben, um einen Vergnügungspark, eine Spielehalle, oder einfach einen Spielplatz aufzusuchen – und damit sein 12-jähriges Ich mit echtem Partner statt Wunschtraum eifersüchtig machen. Eine weitere Idee wäre, entweder im Heimatort oder in der Nachbarstadt ein billiges (oder teures, je nachdem) Hotel zu mieten und den Tag (inklusive Nacht, versteht sich) dort zu verbringen. Man kann auch gleich Tourist in der eigenen Stadt spielen – „Staycation“ statt „Vacation“, vor allem wenn das Geld knapp ist – und den Heimatort mit neuen Augen kennenlernen. Wer weiß, vielleicht findet man ja den ein oder anderen Geheimtipp fürs nächste Date.

Der Gesellige

©Kristina Kerber

Auch für Paare, die die traute Zweisamkeit gerne in Gruppen verbringen, ist etwas dabei. So kann man das „Film-Roulette“ auch auf Gruppenfilmabende expandieren. Was Filme angeht, kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen – von Themenabenden à la 50er-Jahre, Horror oder Bad-Taste ist alles möglich, und besagte Möglichkeiten sind endlos. 

Wenn man zuhause den Platz nicht hat oder die Eltern nicht stören will, kann man die Abendgestaltung alternativ auch nach draußen verlegen. Ein Pub-Crawl der spontaneren Art – einfach von Lokal zu Lokal wandern und sich vom ersten Getränk der ersten Getränkekarte durch die verschiedenen Lokale durchzuarbeiten. Wie auch schon bei der Abenteurer Variante, bietet sich gerade mit einem engen Freundeskreis ein spontaner Roadtrip an – zuerst wird die ganze Playlist durchgesungen, bis man dann schließlich irgendwo im Nirgendwo landet und auf Entdeckungssuche gehen kann (Pluspunkte, wenn man Essen und Decken für ein Picknick oder Materialien für ein Lagerfeuer dabei hat). Natürlich sind auch einige der Klassiker hier willkommen – von Bowling, Billard, Gokart, Escape Rooms bis hin zum Casino ist hier alles dabei.

Der Gemütliche

©Kristina Kerber

Eine gemütliche Variante, die dennoch einen gewissen Pepp bietet, lässt sich hier finden. So kann man sich beispielsweise in eine zufällig ausgewählte Vorlesung eines anderen Studiengangs hineinsetzen und etwas Neues dazulernen (oder zumindest so tun, als würde man seinen studentischen Auftrag erfüllen). Das Gleiche gilt auch für Shows, Events und Konzerte, die gerade stattfinden – egal, ob man dann bei einem Austrian-Pop-Punk Konzert im Treibhaus oder einer Stand-Up-Comedy-Show in Der Bäckerei landet. 

Was sich auch gut von zuhause aus erleben lässt, ist ein virtueller Shoppingtrip – einfach ein virtuelles Budget vereinbaren, das Traumoutfit für den Partner zusammenstellen und sich vom Geschmack des Partners überraschen lassen. Jeder wählt selbst, ob man für seinen Liebsten ein  Dessous-Set oder ein Ausgehoutfit erstellt. Und je nachdem, ob es dem Partner gefällt, kann man diesen virtuellen Traum zur Realität werden lassen. 

Gerade wenn’s um Gemütlichkeit geht dürfen auch Filme nicht fehlen. Man kann sich beispielsweise die ersten 30 Minuten des ersten Filmes ansehen und dann für die nächste halbe Stunde einen anderen Film wählen, und schon hat man sein eigenes Frankenstein’sche Monster in Filmform erschaffen. Auch dem allbekannten Coffee-Date kann man einen Twist verleihen: Einfach in einem Café (oder in einem Lokal der eigenen Wahl) verabreden und eine neue Identität annehmen. So kann man für einen Abend jemand anderer sein und seinen Partner (wie auch sich selbst) von einer ganz neuen Seite kennenlernen.

Hoffentlich bringen diese Ideen ein wenig Abwechslung in den sonst oft monotonen Alltag, wobei es schlussendlich ohnehin darauf ankommt, mit wem die Ideen umgesetzt werden – denn mit dem richtigen Partner kann sich auch der eintönigste Tag wie ein farbenfrohes Mosaik anfühlen.

Schreibe einen Kommentar

* Durch die Verwendung dieses Formulars stimmst du der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website zu.

Artikel aus der selben Rubrik