So geht ein deutsches Unternehmen die Plastikmüllkrise an

von Hannah Mayer
Lesezeit: 4 min
Ein besonders großes Problem für unsere Erde stellt der Plastikmüll dar. Davon gibt es global so viel, dass wir mit der Entsorgung überfordert sind. Ein deutsches Unternehmen nimmt die Plastikmüllkrise in Angriff.

Wir befinden uns bereits mittendrin und doch sprechen einige Politiker:innen noch von einer „Klimakrise der Zukunft“ und handeln im Wettrennen gegen die Zeit nicht schnell genug, um die schlimmsten Folgen abzuwenden. Laufend werden seitens der Wissenschaft neue Erkenntnisse veröffentlicht, die eigentlich Lärm wie Sirenen machen sollten und dennoch meistens von anderen Nachrichten überdeckt werden.

Beim Lesen solcher Artikel kommt direkt ein mulmiges Gefühl hoch. Vermutlich ist das der Grund, warum sich so viele Menschen gar nicht erst mit der Klimakrise auseinandersetzen und sich nicht eingestehen wollen, dass sie bereits da ist. Immerhin ist es leichter, wegzuschauen, als sich dem Albtraum zu stellen. Gerade diese Haltung bringt vor allem die junge Generation, die sich ein aktives Handeln wünscht, zur Verzweiflung.

Neben den Schreckensnachrichten gibt es aber auch immer wieder Meldungen, die zu Zeiten der Klimakrise Anlass zur Hoffnung geben.

So gefährlich ist Plastik

Heute stellt Plastikmüll eine große Bedrohung für unsere Umwelt dar. Verantwortlich dafür sind die hohe Bevölkerungszahl und die große Nachfrage nach und der verschwenderische Umgang mit dem Kunststoff. Statt Plastiktüten mehrmals zu verwenden, werden sie wie Einwegkunstoff nach einmaliger Nutzung weggeworfen, auch wenn sie noch in bestem Zustand sind.

Als im 19. Jahrhundert der Kunststoff erfunden wurde, war das Interesse zunächst gering. Nur in vereinzelten Bereichen fand er zunächst Verwendung. Erst mit der Entwicklung von PVC Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte der billige Kunststoff einen globalen Boom.

Gerade ärmere Länder haben mit den Übermaßen an Müll zu kämpfen. Sie haben nicht die nötigen Mittel, um das Plastik zu entsorgen, ohne dass Schaden an der Natur entsteht. So landet der Müll häufig in illegalen oder legalen Mülldeponien, am Straßenrand oder im Ozean. Dort können sich Tiere im Kunststoff verheddern oder sie ernähren sich fälschlicherweise vom Plastikmüll. Auch der Mensch nimmt Mikroplastik, also winzige Kunststoffpartikel, durch Nahrungsmittel und Kosmetika zu sich.

Recycling gegen die Plastikmüllkrise

Das Hamburger Unternehmen Wildplastic setzt sich für eine förderliche Abwicklung von Plastikmüll ein. Ihr Ziel ist es, möglichst viel Plastikmüll aus der Umwelt zu holen und in den Recyclingkreislauf zurückzubefördern. Dazu arbeitet Wildplastic mit verschiedenen von ihnen sorgfältig geprüften Sammelorganisationen aus Ländern, die besonders stark von der Plastikmüllverschmutzung betroffen sind, zusammen.

Konkret geht es ihnen um die Verwertung von sogenanntem wildem Plastik, also Plastik, das frei in der Natur liegt. Ausgenommen von dieser Initiative sind die Ozeane, da das Unternehmen verhindern möchte, dass Plastik überhaupt erst in die Weltmeere gelangt. Sie möchten den Regionen den Abfall abnehmen, mit dem sie selbst nicht umgehen können, da ihnen dazu die Mittel und Wege fehlen. Aus dem gesammelten Plastik stellen Wildplastic Mülltüten her, die sie „Wildbags“ nennen. Mit ihrem auffälligen Design machen die Wildbags Verbraucher:innen nicht nur auf die Plastikmüllproblematik aufmerksam, sondern heben sich auch deutlich von der Konkurrenz ab. Abgesehen von ihrem eigenen Endprodukt produzieren Wildplastic auch Verpackungen und Versand- bzw. Retourentaschen für Firmen wie Hermes, OTTO, NUK und Goldeimer. Neben der Rückführung von wildem Plastik geht es dem Unternehmen auch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Sammler:innen vor Ort und einen verminderten CO2-Ausstoß.

Der Import von Plastik ist zwar zugegebenermaßen nicht viel besser für die Umwelt. Doch begründet das Unternehmen seine Mission damit, dass ihr Erzeugnis im Vergleich zur Umweltauswirkung ähnlicher Produkte im Durchschnitt besser abschneidet.

Insgesamt konnte das Unternehmen mit ihrem Vorhaben bereits 490.600 kg wildes Plastik retten und 1.003.532 kg CO2 einsparen. Für ihre Initiative erhielt die Hamburger GmbH 2022 den Sonderpreis Social Entrepreneurship beim KfW Award Gründen und waren 2021 für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Design nominiert.

Wie mit allen Bemühungen zur Verlangsamung der Umweltkrise ist auch das Engagement von Wildplastic nicht perfekt. In Deutschland wird ein Großteil des Restmülls verbrannt, was es schwierig macht, dass dortzulande auffindbare Plastik zu sammeln und zu recyclen. Das wiederum bedeutet aber auch, dass die Mülltüten, die das Unternehmen herstellt, meist nicht nochmal in den Recyclingkreislauf zurückgeführt werden. Die stofflichen Ressourcen gehen somit für immer verloren.

Ohne uns geht es nicht

Das Engagement von Wildplastic hilft im Wettrennen gegen die Klimakrise. Dennoch, bei allen positiven Nachrichten: Die Verantwortung liegt im Endeffekt nicht nur bei den Unternehmen. Innovative Technologien und Bemühungen werden uns an dieser Stelle nicht mehr retten können. Zwar können sie eine Veränderung schaffen, aber das heißt nicht, dass wir so weiter machen können wie bisher. Es bedarf nach wie vor eines weltweiten Umdenkens. Damit sind wir alle gemeint. Ganz können wir die Klimakrise nicht mehr aufhalten, aber zumindest die schrecklichsten Folgen können wir noch verlangsamen oder sogar verhindern.

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