#metoo_uibk – Für Solidarität, gegen sexuelle Belästigung

von Valentina Pisoni
Lesezeit: 3 min
Manchmal ist es eine Hand auf dem Oberschenkel. Manchmal eine sexistische Bemerkung. Manchmal mehr. Was es aber immer bleibt: sexuelle Belästigung! Dagegen setzt sich die Gruppe #metoo_uibk ein.

Ihr Ziel ist es, sowohl sexualisierte als auch psychische Gewalt sowie Grenzverletzungen an der Universität sichtbar zu machen. Die Gruppe metoo_uibk setzt sich schon seit Oktober letzten Jahres in Innsbruck tatkräftig dafür ein. Gemeinsamen streben die Studierenden und Mitarbeitenden für die Sichtbarkeit des Themas und sammeln Erfahrungen aller Betroffenen, um diese der Öffentlichkeit vor Augen führen zu können.

„Er, mein Professor, steht immer noch viel zu nah an mir dran und fragt, ob ich auch in anderen Bereichen Probleme hätte mich locker zu machen.“ (Zitat vom Instagram Account @metoo_uibk)

Solche Erfahrungen sind keine Einzelfälle, sondern landen alltäglich in der Inbox der Aktivisten-Gruppe. Auch die Reaktion seitens der Uni sei nicht adäquat:

„Ich habe als Studentin an der Uni Innsbruck sexualisierte Gewalt erlebt. Mir wurde nicht geglaubt und ich wurde mit meinen Erfahrungen komplett allein gelassen.“ (Zitat vom Instagram Account @metoo_uibk)

Die Gruppe positioniert sich dabei stark solidarisch. Mit dem Ziel, allen Betroffenen ausnahmslos zu glauben und sie mit ihren Erfahrungen nicht allein zu lassen. Sie sehen daher starken Verbesserungsbedarf in der Vorgehensweise der Universität. Noch gibt es nämlich keine vordefinierten Schritte, was bei Meldung von sexualisierter Gewalt zu tun ist. Es brauche geschulte Expert:innen, die mit Traumata umgehen können und objektiv ihre Meinung sagen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Negative Auswirkungen auf ihren Studien- oder Karriereverlauf befürchten auch die Beteiligten der Gruppe selbst, weswegen sie stark auf den Aspekt der Anonymität achten – auch bei allen Betroffenen.

Vielleicht bin ja ich das Problem

Viele Betroffene stellen sich häufig die Fragen „Vielleicht war es gar nicht so schlimm?“ oder „Vielleicht reagiere ich einfach über?“. Genau dagegen setzt die Gruppe an und postet neben Erfahrungen auch Beiträge mit theoretischem Hindergrundwissen. Dazu zählen auch Informationen zum „Gaslighting“, das Auslöser für solche Gefühle bei Betroffenen sein kann. Es könne dazu führen, dass sie an ihrer eigenen Selbstwahrnehmung zweifeln. Darum immer wieder die Botschaft: „Sexualisierte Gewalt beginnt nicht mit einer Vergewaltigung, sondern viel viel früher!“

Was tun, wenn auch ich betroffen bin

Der Rat der Gruppe: Solange es die eigenen Kapazitäten zulassen, ist es immer gut, sich Hilfe zu suchen. Sie selbst distanzieren sich jedoch deutlich davon, Hilfestellungen zu geben und greifen nicht aktiv ins Vorgehen der betroffenen Personen ein. Sie hätten allesamt nicht genügend Expertise, um psychologische Hilfe oder gar rechtlichen Beistand geben zu können – wobei genau das so wichtig sei. In jede ihrer E-Mail-Antworten packt die Gruppierung also eine Liste mit Hilfsorganisationen aus der Umgebung wie dem „Weißen Ring“ oder „Frauen gegen Vergewaltigung“, die den Betroffenen mit ihren Anliegen und Problemen weiterhelfen können. Außerdem kann es heilsam sein, mit den eigenen Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen und so gehört zu werden, so #metoo_uibk.

Nichtsdestotrotz arbeitet die Universität neuerdings gemeinsam mit der ÖH an einer Anlaufstelle für sexuell Belästigte. Das Projekt ist erst in der Planungsphase – die konzeptionelle Ausarbeitung allerdings schon voll im Gange. Auch die #metoo_uibk Bewegung sieht das als sehr positive Entwicklung seitens der studentischen Institutionen.

Für Hilfesuchende stehen folgende Seiten zur Verfügung:
https://www.weisser-ring.at
https://www.frauen-gegen-vergewaltigung.at

 

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