Leere Uni oder volle Lehre?

von Simon Riegler
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Nach zweieinhalb Jahren ist die Universität einmal wieder richtig voll. Während die einen am belebten Campus finden, wonach sie sich lange gesehnt haben, irren andere verloren durch die Gänge, ausgesaugt vom überschäumenden Leben.

Die pulsierende Ader

von Simon Riegler

Wir Studierende mussten uns in der Pandemie in unsere WGs und Kinderzimmer zurückziehen, mit der Kamera als einzigem Kontakt zum Lehrzirkus. Seit einigen Monaten erlebt der Campus seine Renaissance. Die Studierenden sind zurückgekehrt.

Der Campus ist die pulsierende Ader der Universität. Er dient als Treffpunkt und ist Anfang und Ende eines jeden Studierendenlebens. Die Studierenden scharen sich auf ihm, vereinzelt oder in Gruppen, besprechen bestandene und bevorstehende Prüfungen und laufen leicht beschämt an den Lehrenden vorbei. Wenn der Campus lebt, dann lebt auch die Universität. Dann gibt es den nötigen Austausch zwischen den Studierenden vor und nach den Vorlesungen und Seminaren.

Der Campus zeigt sein wahres Gesicht erst, wenn er voll ist. Die Campushändler, die Demonstrationen und Besetzungen, die Gruppenarbeiten, die Rudelbildungen vor den Prüfungen, die Aufkleber auf den WCs – all dies geht verloren, wenn der Campus nicht mehr atmet. Ohne den großen Andrang hätte es nie den historischen Bib-Run gegeben, der nach der Einführung von Platzreservierungen nur mehr als Video auf YouTube für die Nachwelt erhalten bleibt.

Der belebte Campus ruft ein Gemeinschaftsgefühl hervor: Wir halten uns in denselben  Gängen auf, lernen auf denselben Plätzen, warten vor denselben Hörsälen und nutzen dieselben Kaffeeautomaten. Wenn der Campus nicht pulsiert, dann stirbt mit ihm auch ein Teil der Universität.

Auf der Suche nach der verlorenen Einsamkeit

von Tobias Jakober

Wie könnte man nicht zum Misanthropen werden angesichts der Massen, die einem auf dem Campus entgegenrollen?  Angesichts der ewig bitteren Vergeblichkeit der Suche nach einem Platz für sein Fahrrad? Angesichts der trägen Herden Erstsemestriger vor den Hörsälen, die einem den Weg versperren, bei jedem Schritt, den man geht? Wenn die Studenten sich wie Mastvieh dicht gedrängt über die Bücher gebeugt mit Fakten vollfressen – kein Lernplatz, auf dem man es sich ohne Reservierung bequem machen könnte. Die überströmende Masse, sie dringt in jeden geheimen Winkel der Uni, schwappt über jeden Geheimplatz hinweg.

Was waren das für herrliche Zeiten, als man in stiller Einsamkeit durch die Gänge der Universität wandeln konnte? Es fühlte sich an wie im Elfenbeinturm, auch wenn man nur durch das Erdgeschoss spazierte – und die Aussicht von diesem Turm, die war schön. Ist es nicht der Wunschtraum eines jeden Akademikers, sich endlich losgelöst von allen irdischen Belangen seinen Studien zu widmen? Zumindest in der Universität könnte man einmal den sozialen Dynamo leerlaufen lassen. Die Welt da draußen, sie wartet sowieso hinter den Glastüren – lassen wir sie noch eine Weile zugesperrt.

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