Desaster für Winzer und Obstbauern

von Rosa Schmitz
Lesezeit: 5 min
Winzer schlagen Alarm. Auch Obstbauern. Hitze und Trockenheit, die Folgen des Klimawandels, machen ihren Anbau kaputt und bedrohen ihre Existenz. 

Österreichische Weinbauern sehen den Schaden unmittelbar. Klassischen Rebsorten droht das Aus. Reben, die überhaupt noch reifen, verlieren durch veränderte Tag-Nacht-Temperaturen ihren typischen Charakter, heißt: ihren typischen, so beliebten Geschmack. Die zunehmenden Hitzeperioden sorgen für mehr Zucker und mehr Alkohol. Leichte Weine sind so kaum zu produzieren. Ausgereifte Reben lassen in der Vinifizierung einen zu hohen Alkoholanteil entstehen. Weine verlieren ihre frische und feine Aromatik. Qualitätsstandards, etwa bezüglich Säure, können dann kaum mehr erreicht werden. Falls es etwas zu ernten gibt, fallen die Lesen klimabedingt geringer aus. Es gibt weniger zu verkaufen. Die Einkommen stürzen ab. 

Lokale Produzenten sind nicht die einzigen, die mit diesen Problemen konfrontiert sind. Durch den Klimawandel sind etwa die Hälfte sämtlicher Weinanbaugebiete der Welt in Gefahr. Das berichteten kanadische und spanische Wissenschaftler und Weinbauexperten bereits im Jahr 2020 in einer gemeinsamen Studie. Dazu analysierten sie weltweite Daten und Aufzeichnungen zur Reifeentwicklung zwischen 1956 und 2015 der Sorten Cabernet Sauvignon, Chasselas, Chardonnay, Grenache, Merlot, Mourvèdre, Pinot noir, Riesling, Sauvignon Blanc, Syrah und Trebbiano. Die Ergebnisse wurden mit Daten zur globalen Temperaturentwicklung zwischen 1880 und 2013 kombiniert und daraus Schlüsse gezogen, wie sich die Sorten bei steigender Wärme entwickeln könnten. Die Prognose ist pessimistisch. Bei einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um zwei Grad würde die weltweite Fläche der Weinbauregionen um 56 Prozent schrumpfen, wenn der Anbau der einzelnen Rebsorten auf dem heutigen Stand bleibt. Bei einem Anstieg um vier Grad 85 Prozent.

Gewohnter Genuss geht verloren

Die Wissenschaftler rieten den Winzern daher, künftig auf Sorten umzusteigen, die mit Hitze besser klarkommen als die bisherigen. Gewünschter Geschmack und gewohnter Genuss gehen dabei verloren. Doch selbst bei einer vegetativ optimalen Anpassung des Weinbaus prognostiziert das Team einen Rückgang der Rebflächen um 24 Prozent. Sie schlagen etwa vor, im Burgund die wärmeresistenten Sorten Mourvèdre oder Grenache statt Pinot noir anzubauen. Pinot adé. Da schmerzt das Kennerherz. Im Bordelais könnten Cabernet Sauvignon und Merlot ebenfalls durch Mourvèdre ersetzt werden. Verbunden mit einem Trauerflor. Kühlere Anbauregionen wie Neuseeland, der Nordwesten der USA und auch Deutschland würden einen Temperaturanstieg von zwei Grad dagegen relativ unbeschadet überstehen. Sie könnten eine neue Heimat für Sorten wie Merlot oder Grenache werden. Sie haben aber einen anderen Boden, ein anderes, wie Weinbauern sagen, „Terroir“, und damit einen anderen Geschmack. Ungewiss, wie der ist und wie sich solche Weine vermarkten ließen.  

Foto: Corina Rainer, Unsplash

Für die renommierteste österreichische Rebsorte Grüner Veltliner gibt es keine guten Nachrichten, merkt Willi Bründlmayer an. Der Mann aus Langenlois (Bezirk Krems) ist einer der österreichischen Top-Winzer mit auch international hervorragendem Ruf. Bründlmayer zählt mit jährlich 600.000 Flaschen zu den größten Produzenten des Landes. Früher fand die Weinlese im Oktober/November statt, mittlerweile bereits im September/Oktober. Im ORF erklärte Bründlmayer: „Wir haben in den letzten 30 Jahren erlebt, dass [der Wein] immer früher reif wurde, und wir konnten mit verschiedenen Maßnahmen reagieren. Wenn das so weitergeht, ist es bei uns zu warm und zu südlich für den typischen österreichischen Grünen Veltliner.” Und er führt aus: „Dabei handelt es sich mit Abstand um die wichtigste Weißweinsorte in Niederösterreich und den Hauptexportartikel der Weinwirtschaft.” Gut ein Drittel der Rebfläche ist damit bepflanzt. Im Jahresdurchschnitt werden in Österreich 2,5 Millionen Hektoliter Wein erzeugt, der Großteil wird im Inland konsumiert. In den Export flossen 2018 knapp 53 Millionen Liter im Wert von 170 Millionen Euro. 

Nun droht der Kult-Traube das Aus. 

Ganz akut. 

Sortenumstellung nicht einfach

Bei Neupflanzungen seiner Reben weicht Bründlmayer seit einigen Jahren auf höhere Lagen aus. In den wärmeren hat der Weinbauer begonnen, hitzeresistentere Rotweinsorten anzupflanzen. Diese sind dankbar für mehr Sonne und höhere Temperaturen. Eine Sortenumstellung ist aber grundsätzlich nicht so einfach. Der Weingarten ist eine langlebige Kultur, die steht 40 bis 50 Jahre. Und die Konsumenten wollen ja den Grünen Veltliner. Er ist ein Stück österreichische Identität. 

Fakt ist: Heuer war der wärmste Sommer der Messgeschichte. Weltweit. 

Ähnlich wie mit dem Wein verhält es sich – wenig überraschend – mit den Marillenbauern in Österreich. Dieses Jahr stand die Ernte in der Wachau, dem Hauptanbaugebiet, vor dem Totalausfall. Grund dafür waren die Frostschäden Anfang April, die im Juni zu einem übermäßig hohen Fruchtfall führten. Daran dürfte wiederum die globale Erhitzung schuld sein. Darüber zu spekulieren, dass ein Ausfall eintritt (der dann meist eh nicht total ist), gehört zwar zur alljährlichen Folklore. Dass aber mit dem Klimawandel und den damit einhergehenden Wetterkapriolen wirklich nicht gut Marillen essen ist, dämmert mittlerweile jedem. 

Deutliche Warnung für Österreich

In der Steiermark werden von rund 200 Betrieben auf etwa 130 Hektar Marillen kultiviert. Die Produktion ist fast ausschließlich auf den Frischmarkt ausgerichtet. Die Früchte müssen nicht nur makellos aussehen, sondern müssen auch reif sein und gut schmecken. Steirische Marillen sind bei Kunden aufgrund ihrer hervorragenden Qualität sehr beliebt – sind aber wegen der stark schwankenden Erträge nicht jedes Jahr entsprechend der Nachfrage verfügbar, trotz Bemühungen, die Gärten mit Öfen zu heizen. Der aufsteigende Rauch schützt nämlich nicht immer genug vor großen Ausfällen.

Ende Juli hieß es dann auch, dass es heuer so gut wie keine heimischen Zwetschgen geben wird. Im Burgenland kam es zu einem dramatischen Ernteausfall wegen Frost, Nässe und Schädlingsbefall. 

Diese Beispiele notleidender Produktionen sind eine deutliche Warnung für Österreich und seine Wirtschaft. Die Alpenrepublik steht vor massiven Verlusten in Bereichen mit großer Tradition.

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