Bad Choices Make Good Stories

von Sofie Hofer
Schlagwörter: Lesezeit: 7 min
Bad Choices Make Good Stories

Ein Artikel über komische Menschen und komische Erfahrungen

Das klingt jetzt vielleicht absurd, aber ich mag komische Dinge, komische Menschen, komische Kleidung, komische Erfahrungen. Denn wenn man komische Menschen trifft oder komische Dinge macht, entstehen dadurch meistens noch viel komischere Geschichten, die man dann erzählen kann. Mit 18 habe ich mir mein erstes Tattoo stechen lassen: „Seek Discomfort“ auf meinem Unterarm. Ein Spruch von einer Gruppe Youtubern mit dem Namen „Yes Theory“. Man soll sich quasi dem ungemütlichen Aussetzen, um daraus zu lernen und nicht in seiner Komfortzone bleiben. Das Tattoo habe ich mir während meinem ersten Solo Backpacking Trip in Schottland stechen lassen, um eine Erinnerung daran zu haben. Jedoch hätte ich mir nicht gedacht, dass dieses Tattoo doch so viel Einfluss auf verschiedenste Entscheidungen in meinem Leben haben würde. Oftmals ist es der Grund, dass ich bei einer Entscheidung einfach „fuck it“ sage und meinen Plan so durchziehe, wie ich will, auch, wenn es vielleicht nicht immer die beste Entscheidung war. Aber wie heißt es so schön? Schlechte Entscheidungen führen zu guten Geschichten. Ich habe mich dazu entschlossen, einige dieser schrägen Geschichten zu teilen.

Schweizer Sugar-Daddys im Ghost Tower

Vor circa einem Jahr war ich alleine in Thailand unterwegs. Insgesamt war ich einen Monat dort und am letzten Tag wollte ich mir noch einmal einen ordentlichen Adrenalinkick geben. Ich habe mich in die U-Bahn begeben (wo man immer ziemlich schräg angesehen wird, wenn man eine europäische, kasweiße 1,80 cm große Frau ist) und bin zum besagten Ghost Tower gefahren. Ein 50-stöckiges, verlassenes Hochhaus mitten in Bangkok. Außerdem habe ich noch versucht, mich über Couchsurfing mit zwei Typen zu verabreden, die mit mir auf den Turm klettern würden. Zwei riesige, ziemlich durchtrainierte Türken warteten dann dort auf mich. Ich erklärte ihnen dann, wie wir dort reinkommen würden, und, dass wir alle 50 Stockwerke zu Fuß besteigen mussten. Leider verstanden sie mich nicht, weil sie nicht so gut Englisch konnten; und als sie den Turm gesehen hatten, sahen sie mich nur entgeistert an und sagten mir, dass ihnen das zu gruselig sei. Also war ich dann doch wieder alleine. In dem Moment kam ein Brite zwischen dem Zaun herausgekrochen. Ich fragte ihn, ob ich mich denn trauen sollte, allein raufzugehen. Er erklärte mir, dass es möglich – aber in seinen Worten „fucking stupid“ wäre. Ich habe es trotzdem gemacht (weil Tattoo, natürlich). Ich musste dann den Thai Security Guard mit 20 Euro bestechen und er brachte mich zum Stiegenhaus, das hinter mir mit einer Eisentür verschlossen wurde. Die nächsten 50 Stockwerke waren das Unheimlichste, das ich je erlebt habe: Ich dachte, ich würde in jedem Stockwerk ermordet werden (zu viele Horrorfilme gesehen). Als ich endlich oben angekommen bin, traf ich einen Deutschen, der dann aber wieder runterging. Wenig später kamen zwei Schweizer, mit denen ich mich unterhielt. Zwei Geschäftsmänner, wie sie sagten. Ich erzählte ihnen unter anderem auch, dass ich morgen wieder nach Hause fliegen würde und 16 Stunden Layover in Qatar haben würde. Der eine wollte mir sofort 2000 Baht (ca. 60€) in die Hand drücken, damit ich mir ein Hotel buche, der andere war am Handy und versuchte, mir dort ein Hotel zu buchen. Gott sei Dank war alles ausgebucht. Sie versuchten dann noch, mir anders Geld zu geben, aber das war mir dann alles etwas zu konfus. Ich bin mit ihnen dann wieder nach unten gegangen und sie sind ohne Verabschiedung in das Getümmel von Bangkok verschwunden.

Zufälle über Zufälle

Als ich 17 war, hatten wir mit meiner damaligen Schule für drei Wochen ein Auslandspraktikum in Schweden. Aus meiner Klasse gingen alle nach Florenz, aber ich entschied mich für Schweden. Ich war dann mit neun anderen aus meiner Parallelklasse in Schweden, eine ziemlich eingeschweißte Truppe, die sich hauptsächlich für Shopping interessierte. Nach ein paar Tagen habe ich mich abgekapselt und bin auf eigene Faust in die nächstgelegene Stadt, Helsingborg. Ich ging etwas herum und musste dann einen Typen nach dem Weg fragen. Wir kamen ins Gespräch und landeten daraufhin in einem Café. So langsam begannen sich immer mehr Zufälle herauszustellen, seine Mutter war Österreicherin, hatte den gleichen Namen wie meine, er war Kindergärtner, gleich wie ich und wir hatten dazu noch am gleichen Tag Geburtstag, der in wenigen Tagen war. Wirklich komisch. In den nächsten Tagen wollte ich noch einmal nach Kopenhagen und er sagte, dass er selber schon lange nicht mehr dort war, also lud ich ihn ein, gemeinsam dorthin zu fahren. Es mag absurd sein, einem fremden Menschen so zu vertrauen, aber ich kann mich meistens sehr gut auf mein Bauchgefühl verlassen. Wir verbrachten einen wahnsinnig schönen Tag in der Stadt und er zeigte mir einige Geheimplätze. So konnte ich die Stadt viel besser kennenlernen. Am Rückweg in Schweden trafen wir noch sein Fußballteam, mit denen wir bowlen gingen. Eine Reihe von Zufällen und ein komischer Trip führte zu einer lehrreichen Begegnung.

American Boy plus Mama

Ich bin mir sicher, dass ihr alle Tinder kennt. An sich eine schon sehr schräge und oberflächliche Plattform, die ich persönlich viel zu lange genutzt habe. Jedoch trifft man manchmal auch einige Leute, die ganz ok – oder aber eben auch sehr komisch sind. Grundsätzlich kann ich behaupten, dass mich Tinder schon in so einige unangenehme Situationen gebracht hat. Die, die ich jetzt jedoch beschreiben werde, schlägt bei weitem alles. Wie viele von euch wissen, kann man auf Tinder die Location verstellen. So kam es, dass ich mit einem Typen aus den USA gematcht habe. Er hat mir dann erzählt, dass er in ein paar Wochen nach Innsbruck kommen wird und er hat mich gefragt, ob ich ihm die Stadt zeigen könnte. Da ich generell öfters Couchsurfer bei mir zuhause habe und ich das immer sehr gerne mache, habe ich eingewilligt. Die nächsten Wochen gingen die Nachrichten hin und her, die Sympathie war vorhanden. Ein paar Tage vor dem Treffen kam dann die Nachricht „If you go to dinner with me and my mom, she would allow me to stay in Innsbruck for the night.” Als ich die Nachricht das erste Mal gelesen hatte, musste ich erst mal laut lachen. Der Typ war 23. Aber weil ich diese Frage sowas von absurd und absolut witzig fand, willigte ich auch auf das Essen ein. Einen Tag vor dem Essen bekam ich dann noch ein Briefing, ich musste seine Mutter anlügen, dass ich Grafikdesign studiere. Anscheinend war das ein Kriterium, dass man als erwachsener Mann alleine in einer Stadt bleiben darf. Wie auch immer, der Tag war gekommen, ich kleidete mich in meine besten Hipsterklamotten, um besonders abzuschrecken. Ich wartete erst mal so eine halbe Stunde und dachte, sie hätten mich sitzen lassen, doch sie sind dann beide tatsächlich aufgetaucht. Die Mutter klein und etwas schrullig gekleidet, der Typ ein Riese und ziemlich awkward. Das Essen war ganz okay, die Gespräche sehr unangenehm. Ich versuchte den Abend irgendwie rumzubringen. Am nächsten Tag holte ihn dann seine Mami ab. Muss ich noch mehr dazu sagen?

Emir von Dubai fast umgefahren

Als ich 17 war habe ich in einem sehr renommierten Hotel ein Praktikum gemacht. In diesem Hotel hielten sich immer sehr hohe Tiere auf, da vor ein paar Jahren auch Persönlichkeiten wie Obama, Merkel usw. dort residiert haben. Ich arbeitete dort als Sports- und Adventure Kids – Entertainerin und machte quasi Programme mit den Rich Kids der Gäste. Einer meiner Kollegen war ein Kanadier, mit dem ich mich sehr gut verstand. Er erzählte mir immer wieder witzige Stories über interessante Gäste und von deren außergewöhnlichen Wünschen, doch so richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze nicht. So kam es eines Tages, dass der Emir von Dubai zum Hotel angereist ist, ohne irgendetwas zu reservieren. Das Hotelmanagement räumte daraufhin einen ganzen Stock für ihn und seine riesige Familie. Der Emir von Dubai besitzt quasi ganz Dubai, aber er sieht definitiv nicht so aus. Er ist klein, hat ein freundliches Gesicht mit Turban am Kopf und einen dicken Bauch. Das Hotelgebiet war sehr groß und einmal mussten wir mit einem Golfcart etwas holen. Mein kanadischer Kollege kutschierte mich herum und wir fuhren dann mit Höchstgeschwindigkeit über eine hügelige Wiese. Vor uns war ein etwas größerer Hügel, hinter den wir nicht sehen konnten. Wir rasten darüber und machten einen kleinen Jump in unserem Golfcart. Mid – jump erkannten wir, dass sich der Emir von Dubai dahinter aufhielt. Wir konnten gerade noch so die Kurve kratzen. Gott sei Dank fand er das ziemlich lustig und grinste uns nur an. Ansonsten hätte das wahrscheinlich ziemlich schlecht für uns geendet.

 

Es gibt noch einige Geschichten, die ich erzählen könnte, aber einige davon sind dann vielleicht doch etwas zu schräg. Vielleicht konnte ich einige davon überzeugen, manchmal doch „Ja“ zu sagen und öfters komische Dinge zu machen und komische – aber interessante – Leute zu treffen. Manche davon haben einiges zu erzählen und man kann viel von ihnen lernen. Also, „Seek Discomfort“! Lernt was Neues! Lebt Erfahrungen! Oder lest eben nochmal den Artikel.

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