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	<title type="text">UNIpress</title>
	<subtitle type="text">Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</subtitle>

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		<author>
			<name>Elena Rieger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Gipfeln und Gemeinschaft]]></title>
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		<published>2026-08-07T12:17:31Z</published>
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		<summary type="html"><![CDATA[<p>Wer sich am Semesterende mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Studierender auf ein USI-Wanderwochenende ins Stubaital begibt, sollte mit allerlei Überraschungen, Denkanstößen und Anekdoten rechnen. Langeweile? Die haben wir im Tal&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/unipressunterwegs/gipfeln-und-gemeinschaft/"><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Wer sich am Semesterende mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Studierender auf ein USI-Wanderwochenende ins Stubaital begibt, sollte mit allerlei Überraschungen, Denkanstößen und Anekdoten rechnen. Langeweile? Die haben wir im Tal gelassen.</span></div>
<p><span id="more-22302"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Welcher Berg hier ist der höchste? Schätzt mal.“ Es ist eines dieser Rätsel, die auf einer Hütte länger andauern, als sie eigentlich müssten. Ein paar Blicke wandern über die Gipfelkette. Es wird gezeigt, verworfen, neu überlegt. Eigentlich erstaunlich, womit man sich nach einem langen Aufstieg beschäftigen kann. Vielleicht verschiebt so ein Wochenende im Gebirge einfach die Maßstäbe. Unten wird der Alltag in Terminen und To-Dos vermessen, hier oben beschäftigt uns minutenlang die Frage, welcher Felszacken  ein paar Höhenmeter mehr misst als der daneben. Die Antwort hätte in Sekunden auf dem Bildschirm gestanden. Aber sie durfte warten. Gespräche kommen und gehen wie die Wolken, man setzt sich zu Leuten, die man gestern noch nicht kannte und ist im Hier und Jetzt präsent. Man lebt für drei Tage aus einem vollgepackten Rucksack, übernachtet mit Schlafsack im Matratzenlager, tauscht urbanen Komfort gegen eine schöne Form von Einfachheit, die sich irgendwo zwischen Kartenspielen, Kartenlesen und den kleinen Augenblicken der Stille von selbst einstellt. Vielleicht habe ich mir nicht gemerkt, welcher Berg hier der höchste ist, aber ich habe Erinnerungen mitgenommen an Stunden, die sich weder gedrängt noch gedehnt anfühlten. An gemeinsames Staunen, Scherzen, Schweigen. Und an die Leichtigkeit, mit der aus Einzelnen ein Miteinander wurde</span></p>
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		<author>
			<name>Johanna Korell</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Bleiben oder gehen? Warum Beziehungen heute neu verhandelt werden]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22291</id>
		<updated>2026-07-17T11:50:16Z</updated>
		<published>2026-07-17T11:50:16Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Zum Glück sind Beziehungen heute mehr Wahl als Pflicht – aber Verantwortung bleibt. Zwischen Social-Media-Idealen, Tinder-Swipes und alten Rollenerwartungen müssen wir entscheiden, was Liebe bedeutet und was wir bereit sind,&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/bleiben-oder-gehen-warum-beziehungen-heute-neu-verhandelt-werden/"><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Zum Glück sind Beziehungen heute mehr Wahl als Pflicht – aber Verantwortung bleibt. Zwischen Social-Media-Idealen, Tinder-Swipes und alten Rollenerwartungen müssen wir entscheiden, was Liebe bedeutet und was wir bereit sind, zu bereuen.</span></div>
<p><span id="more-22291"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Beziehung ist so individuell wie die jeweiligen Personen selbst. Medien, von Hollywood bis Social Media, prägen jedoch weiterhin  gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie eine Beziehung auszusehen hat. Das setzt viele unter Druck, obwohl Menschen heute freier denn je sind, ihr Liebesleben selbst zu gestalten. Je nach Sexualität und Präferenz gibt es sehr viele verschiedene Beziehungsformen, die weit über die klassische monogame Zweierbeziehung hinausgehen. Besonders Frauen haben in Österreich erstmals historisch betrachtet echte Wahlmöglichkeiten: Sie müssen nicht mehr jung heiraten, sind wirtschaftlich unabhängiger und können sich bewusst für oder gegen eine Beziehung entscheiden. Genau darin liegt jedoch auch eine Kehrtwende. Denn wenn Beziehung keine Notwendigkeit mehr ist, wird sie zur Entscheidung.</span></p>
<h3>Wenn Liebe keine Pflicht mehr ist</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Heterosexuelle Beziehungen erscheinen für viele Frauen zunehmend unattraktiv. Während Männer statistisch gesehen länger leben, wenn sie verheiratet sind, profitieren Frauen gesundheitlich deutlich weniger. Gleichzeitig zeigt sich eine unbequeme Realität: Ein großer Teil geschlechtsspezifischer Gewalt findet im eigenen Zuhause statt – durch aktuelle oder ehemalige Partner. Laut EU-Erhebungen hat nahezu jede fünfte Frau, auch in Österreich rund 17 Prozent, im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Intimpartner erlebt. Polizeiliche Kriminalstatistiken dokumentieren zudem über 300 Tötungsdelikte und bis zu 400 Mordversuche an Frauen innerhalb eines Jahrzehnts in Österreich, wobei in neun von zehn Fällen Männer als Tatverdächtige geführt werden. Beziehungen sind damit nicht nur Orte von Nähe und Sicherheit, sondern für viele Frauen auch Räume realer Gefährdung.</span></p>
<h3>&#8220;Nicht alle Männer&#8221; – und trotzdem ein strukturelles Problem</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Und genau hier entsteht oft ein Missverständnis. Sobald über solche Zahlen gesprochen wird, folgt schnell der Einwand: „Nicht alle Männer.“ Natürlich nicht. Feministische Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Männer, sondern gegen die gesellschaftliche Prägung dessen, was als „Mann“ gilt – gegen Beziehungsmuster, Erwartungen und Machtverhältnisse, die historisch gewachsen sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt keine klar getrennten Kategorien von guten oder bösen Männern. Vielmehr bewegen sich Männer auf einem Spektrum, häufig auch unbewusst. Wer über misogyne Witze lacht oder nichts sagt, handelt nicht zwangsläufig aus Bosheit, aber eben auch nicht feministisch. Wer Täter verteidigt, schweigt oder Frauen nur als potenzielle Partnerinnen wahrnimmt, trägt dazu bei, bestehende Muster fortzuschreiben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es geht dabei weniger um individuelle Schuld als um geteilte Verantwortung. Beziehungen neu zu denken, bedeutet auch für Männer, sich zu fragen, welche Rollenbilder sie übernommen haben und welche sie vielleicht gar nicht mehr leben wollen.</span></p>
<h3>Neue Freiheit, neue Unsicherheit</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Denn auch Männer verlieren Orientierung. In einer aufgeklärteren Gesellschaft existiert plötzlich keine klare Anleitung mehr dafür, wie Beziehung „richtig“ funktioniert. Alte Rollen tragen nicht mehr, neue sind noch nicht selbstverständlich. Freiheit bringt Möglichkeiten, aber auch Unsicherheit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Vorstellung, Beziehungen hätten früher besser funktioniert, weil sie länger hielten, erweist sich oft als trügerisch. Viele Beziehungen hielten nicht aus romantischer Erfüllung, sondern aus fehlenden Alternativen und Abhängigkeiten. Romantische Liebe kann damit auch ein Ideal sein, das Menschen länger in Beziehungen hält, die ihnen nicht guttun. Wie lange können anfängliche „Schmetterlinge im Bauch“ ein unglückliches Leben rechtfertigen?</span></p>
<h3>Männer dezentralisieren – nicht Beziehungen abschaffen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Modemagazin </span><i><span style="font-weight: 400;">Vogue </span></i><span style="font-weight: 400;">sorgte zuletzt mit der Aussage für Diskussionen, es sei mittlerweile „peinlich“, einen Boyfriend zu haben. Hinter der Provokation steckt weniger eine Ablehnung von Beziehungen als ein Perspektivenwechsel: Partner sollen nicht mehr das Zentrum des eigenen Lebens sein. Auf Social Media wird unter Hashtags wie #DecentralizingMen oder #DecenterMen genau darüber gesprochen. Gemeint ist nicht Männerfeindlichkeit, sondern die Erinnerung an Frauen –</span> <span style="font-weight: 400;">und letztlich an alle, die in Beziehungen dazu neigen, sich selbst hinten anzustellen </span><b>–</b><span style="font-weight: 400;"> das eigene Leben wieder stärker ins Zentrum zu rücken und romantische sowie männliche Bestätigung nicht zum alleinigen Maßstab von Erfüllung zu machen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die aktuelle Debatte fordert also nicht, dass alle Beziehungen beendet werden sollten. Sie stellt vielmehr die Frage: </span><i><span style="font-weight: 400;">Wie</span></i><span style="font-weight: 400;"> wollen wir Beziehungen führen?</span></p>
<h3>Dating zwischen Auswahl und Entscheidungsangst</h3>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22292 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041.jpg" alt="" width="311" height="207" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041.jpg 1919w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-1536x1025.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-780x516.jpg 780w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-markus-winkler-1430818-184650041-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 311px) 100vw, 311px" /></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noch nie war es so leicht, jemanden kennenzulernen und gleichzeitig so schwer, sich festzulegen. Dating-Apps versprechen unbegrenzte Auswahl und erzeugen zugleich das Gefühl, dass hinter dem nächsten Swipe vielleicht die bessere Entscheidung wartet. Statt klarer Anfangs- oder Endpunkte entstehen „Situationships“: Beziehungen, die nie ganz beginnen und nie eindeutig enden. Schluss gemacht wird selten, stattdessen wird geghostet – nicht unbedingt aus Gleichgültigkeit, sondern häufig aus Entscheidungsangst.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Denn Trennen bedeutet Verantwortung. Bleiben ebenso.</span></p>
<h3>Reden, bevor es zu spät ist</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, Beziehungen nicht erst dann zu hinterfragen, wenn sie scheitern. Eine Beziehungs- oder Paarberatung ist oft kostenlos über öffentliche Stellen wie psychosoziale Beratungszentren oder Familienberatungsstellen verfügbar, wird jedoch noch immer als letzter Ausweg verstanden. Dabei kann sie auch ein Raum sein, gemeinsam herauszufinden, ob man zusammen weitergehen möchte oder respektvoll auseinander.</span></p>
<h3><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22293 aligncenter" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-scaled.jpg" alt="" width="248" height="372" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-scaled.jpg 1707w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-200x300.jpg 200w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-683x1024.jpg 683w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-768x1152.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-1024x1536.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-1365x2048.jpg 1365w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-1920x2880.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-1170x1755.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/07/pexels-ron-lach-106779621-585x878.jpg 585w" sizes="(max-width: 248px) 100vw, 248px" /></h3>
<h3>Liebe ist mehr als Romantik</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Vielleicht liegt ein Teil des Problems auch darin, dass „Liebe“ gesellschaftlich fast ausschließlich als romantische oder sexuelle Liebe verstanden wird. Freundschaften gelten emotional oft als zweitrangig, obwohl sie für viele Menschen die stabilsten Beziehungen in ihrem Leben darstellen. Warum sollten die beste Freundin oder der beste Freund nicht ebenso Lebenspartner sein können?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Autorin Beatrice Frasl stellt genau diese Fragen, wenn sie traditionelle Liebesvorstellungen hinterfragt und Alternativen sichtbar macht. Wahlfamilien, Freundschaftsnetzwerke oder gemeinschaftliche Lebensmodelle zeigen, dass Nähe nicht zwingend romantisch sein muss, um bedeutsam zu sein. Bei einer Diskussionsrunde am 19. Jänner 2026 im Literaturhaus am Inn zu ihrem Buch „Entromantisiert euch! Ein Weckruf“ formulierte sie einen Gedanken, der die aktuelle Debatte gut zusammenfasst: Die Liebe ist nicht tot – wir suchen nur an den falschen Orten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ob eine Beziehung – oder gerade eure Beziehung – die richtige ist, kann letztlich niemand von außen beantworten. Vielleicht geht es weniger darum, ob man zusammenbleibt oder sich trennt, sondern darum, das eigene Leben nicht ausschließlich an romantische Partnerschaft zu knüpfen. Freundschaften, Familie, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung verdienen denselben Stellenwert.</span></p>
<h3>Die Entscheidung ohne Garantie</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Um zwischen den inneren Ankreuzfeldern Ja / Nein / Vielleicht zu entscheiden, lohnt sich ein Blick zurück. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard schrieb im 19. Jahrhundert in „Entweder – Oder“:</span></p>
<p><strong>„Verheirate dich, du wirst es bereuen; verheirate dich nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen. […] Hänge dich auf, du wirst es bereuen; hänge dich nicht auf, beides wird dich gereuen. […]“</strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kierkegaards Provokation wirkt heute überraschend aktuell. Vielleicht besteht das Problem moderner Beziehungen nicht darin, dass Menschen falsche Entscheidungen treffen, sondern dass sie glauben, es müsse eine Entscheidung ohne Reue geben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Egal, für welches Leben ihr euch entscheidet – mit Beziehung, ohne oder irgendwo dazwischen – es bleiben am Ende vielleicht nur ehrliche Fragen: Was möchte ich wirklich? Und welche Form von Reue bin ich bereit zu akzeptieren?</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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		<author>
			<name>Jonas Krabichler</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Wie es ist, auf einem Festival Dienst zu haben]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22277</id>
		<updated>2026-07-14T10:38:23Z</updated>
		<published>2026-07-14T10:38:23Z</published>
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		<summary type="html"><![CDATA[<p>Musik, Stimmung und tausende Fans prägen das Nova Rock Festival im Burgenland – doch hinter den Kulissen sorgen Einsatzkräfte für schnelle Hilfe im Notfall. Bei Österreichs größtem Rockfestival mit über&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/unipressunterwegs/wie-es-ist-auf-einem-festival-dienst-zu-haben/"><![CDATA[<div class="subtitle_up"><i>Musik, Stimmung und tausende Fans prägen das Nova Rock Festival im Burgenland – doch hinter den Kulissen sorgen Einsatzkräfte für schnelle Hilfe im Notfall. Bei Österreichs größtem Rockfestival mit über 200.000 Besuchern hatte ich heuer die Gelegenheit, selbst Teil des Einsatzes zu sein und den Dienst aus nächster Nähe mitzuerleben. </i><span id="more-22277"></span></div>
<p>Als Rettungssanitäter in Tirol war ich bereits Teil einiger Ambulanzdienste. Dabei handelt es sich um die Sanitätsbetreuung bei diversen Events direkt vor Ort –  sei es für die Zuschauer oder für die Künstler selbst. Im März ergab sich die Möglichkeit, mich für den Ambulanzdienst am Nova Rock anzumelden. Ich überzeugte einen Rettungskollegen, ebenfalls mitzumachen, und im Mai wurden wir prompt belohnt: Wir erhielten die Zusage.</p>
<h3>Vom Volksfest zum Festival</h3>
<p>Der Dienst beim Nova Rock steht in keinem Verhältnis zu den vorigen Events, bei denen ich dabei war, weder privat noch dienstlich: Die 200.000 Besucher im Burgenland stellen die paar Tausend bei Volksfesten oder Ski-Openings, die ich bisher betreute, deutlich in den Schatten. Natürlich braucht so ein großes Event eine detaillierte Planung, die für mich ebenfalls neu war: Bei einem Ambulanzdienst bei einem kleineren Fest wie dem Bezirksmusikfest ist nur ein kleines Briefing direkt vor dem Dienstbeginn notwendig, für den Nova Rock bekamen wir einen eigenen Moodlekurs, der beim ersten Durchlesen fast überwältigend wirkte. Solch eine detaillierte Planung im Vorfeld ist jedoch bei so großen Besuchermassen zwingend notwendig.</p>
<p>Nach intensiven Vorbereitungen war es schließlich so weit: Gemeinsam machten wir uns auf den Weg ins Burgenland nach Nickelsdorf, einem beschaulichen Dorf mit etwa 1900 Einwohnern. Doch schon bei der Anfahrt zeigte sich, dass Nickelsdorf zumindest an diesem Wochenende wie eine Kleinstadt wirkte: Endlose Campingflächen, mehrere Bühnen und eine von Weitem sichtbare Festivalinfrastruktur – und all das in einem Windpark.</p>
<h3>Aus Ankommen wird Orientierung</h3>
<p>Nachdem wir unser Auto auf dem eigens bereitgestellten Rotkreuz-Mitarbeiterparkplatz parken durften, wurden wir gleich mit einem eigens eingerichteten Shuttle in das Herzstück des Ambulanzdienstes gebracht – die SanHist Camping. Dabei handelt es sich um die Sanitätshilfestelle direkt neben dem Camping–Bereich des Festivals. Diese fungierte als Hauptbasis für die Rettungskräfte und zusätzlich als eine Art Feldlazarett, wo Verletzte und Erkrankte in Ruhe, und vor allem in Privatsphäre, behandelt werden können. Dort meldeten wir uns an und bekamen unsere eigenen Festival-Mitarbeiterausweise mit Lanyard, was uns das Gefühl vermittelte, nun offiziell Teil des Einsatzes zu sein.</p>
<p>Doch unseren Dienst leisteten wir nicht bei der Sanitätsstation beim Camping, sondern in jener bei der Red Stage. Diese Bühne war eine der beiden Hauptstages des Festivals, wo den ganzen Tag über bis in die Nacht die Künstler auftraten. Auch hier war die SanHist wie ein mobiles Behandlungszentrum aufgebaut und mit medizinischer Ausrüstung, Sauerstoff und Medizingeräten wie einem Defibrillator ausgestattet. Ein Shuttle brachte uns prompt dort hin und wir wurden sofort gebrieft. Wir wurden über die Aufgaben, Funkkanäle und Einsatz- sowie Arbeitsabläufe aufgeklärt.</p>
<h3>Eintauchen ins Einsatzgeschehen</h3>
<p>Der Dienst begann um 13:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war das Festival bereits recht gut besucht, die großen Besuchermassen wurden jedoch naturgemäß erst später erwartet. Nach dem Briefing machten wir uns einen ersten Überblick über das Festivalgelände und konnten bereits den ersten Interpreten lauschen. Das ist einer der angenehmen Nebeneffekte eines Ambulanzdienstes auf einem Festival: Auch wenn man jederzeit einsatzbereit ist, bekommt man zwischendurch immer wieder etwas Festivalatmosphäre mit.</p>
<p>Doch es dauerte nicht lange, bis die ersten Patienten medizinische Hilfe in Anspruch nahmen – hauptsächlich geringfügige Verletzungen wie etwa Schürfwunden. Nach einer kurzen Versorgung in der SanHist konnten sie sich wieder ins Getümmel stürzen. Dies war ein häufiges Muster am Nova Rock: Selbstverständlich wollen Fans, wenn sie nur leichte Probleme haben, nicht das ganze Festival auf einer Liege verbringen, sondern möglichst schnell wieder zurück ins Konzertgeschehen.</p>
<p>So verging Stunde um Stunde, während sich das Festivalgelände immer mehr füllte. Mit der steigenden Besucherlast stiegen natürlich auch die Versorgungen. Auch Kreislaufkollapse oder kurze Synkopen (kurze Ohnmacht) häuften sich, auch unsere Betten waren zunehmend belegt. Diese Krankheitsbilder müssen nicht zwingend im Krankenhaus abgeklärt werden, Maßnahmen wie Flüssigkeitsgabe per Venenzugang oder eine Überwachung sind aber nötig. Dadurch waren abends die Betten unserer SanHist gut ausgelastet, zu einer Überlastung kam es dank der sorgfältigen Planung nie.</p>
<h3>Wenn sich alles auf eine Bühne konzentriert</h3>
<p>Als sich der Tag langsam dem Ende zuneigte, stieg der Druck immer mehr. Der Grund? Sabaton. Die Kult-Band trat als allerletzter Act auf der Red Stage auf. Hinzu kam, dass sie auch den Abschluss des gesamten Tages bildeten und auf der Blue Stage während ihres Auftritts kein Act mehr stattfand. Also konzentrierten sich beim Sabaton-Auftritt alle Besucher im Bereich einer Bühne. Und wer Sabaton kennt, der weiß, dass die Shows das Publikum enorm anpeitschen. Dadurch bestand ein höheres Risiko einer kritischen Verdichtung der Menschenmenge. Der letzte Act wurde daher noch genauer geplant und unsere Standpunkte sorgfältig gewählt.</p>
<p>Zugegebenermaßen war ich zu Beginn des Sabaton-Acts deshalb etwas nervös. Die Sorgen sollten sich jedoch als unbegründet herausstellen: Der Auftritt war beeindruckend und das Sicherheitskonzept funktionierte perfekt, auch dank erhöhter Security- und Polizeipräsenz sowie durch Maßnahmen wie etwa erweiterte Sicherheitsabsperrungen.</p>
<p>Nach dem Auftritt strömten noch einige Hilfesuchende zu uns, die noch behandelt oder zu anderen SanHists gebracht wurden. Mein Dienst endete nach fast 13 Stunden und wir durften mit dem ersten Shuttle wieder zum Parkplatz reisen.</p>
<h3>Mehr als nur ein Einsatz</h3>
<p>Insgesamt ist ein Ambulanzdienst bei einem Festival eine einmalige Erfahrung. Als Besucher nimmt man die aufwendige Planung und komplexen Hintergrundabläufe kaum wahr – umso eindrücklicher war es, selbst Teil des Systems zu sein. Besonders deutlich wurde mir, wie wichtig eine detaillierte Einsatzplanung ist, um die Sicherheit aller Mitarbeiter, Performer und Besucher zu gewährleisten.</p>
<p>Neben der medizinischen Arbeit war auch der Austausch mit Sanitäterinnen und Sanitätern aus verschiedenen Bundesländern bereichernd. Unterschiedliche Erfahrungen und Herangehensweisen trafen hier aufeinander und erweiterten den eigenen Blick auf den Rettungsdienst.</p>
<p>Zurück bleibt vor allem die Erkenntnis, wie viel Organisation, Planung und Teamarbeit hinter den Kulissen eines Festivals nötig sind. Was Besucher meist nur am Rande wahrnehmen, ist ein komplexes System, das im Hintergrund dafür sorgt, dass im Ernstfall schnell und professionell geholfen werden kann.</p>
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		<author>
			<name>Lena Hallbrucker</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Musikkapellen in Tirol: Progression trotz Tradition]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22285</id>
		<updated>2026-07-08T13:45:38Z</updated>
		<published>2026-07-08T13:44:32Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>„Du spielst in einer Blasmusikkapelle mit? Aber da sind doch sonst nur so Konservative dabei!“ Als Innsbrucker Studentin, die Teil einer Musikkapelle ist, gehören derartige Reaktionen von Kolleg:innen zum Alltag.&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/musikkapellen-in-tirol-progression-trotz-tradition/"><![CDATA[<h2><b>„Du spielst in einer Blasmusikkapelle mit? Aber da sind doch sonst nur so Konservative dabei!“ Als Innsbrucker Studentin, die Teil einer Musikkapelle ist, gehören derartige Reaktionen von Kolleg:innen zum Alltag. Mit ihren bunten Trachten und schmucken Hüten wirken Musikant:innen für viele so, als würden sie in ein anderes Jahrhundert gehören. Da stellt sich die Frage: Sind Traditionsvereine wie Musikkapellen überhaupt noch mehr als verstaubtes Kulturgut?</b></h2>
<p><span id="more-22285"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Begriff „Tradition“ wird in unserem Zeitalter der Fortschritte und Umbrüche zunehmend kritisch betrachtet. Vor allem in der österreichischen Politik werden Reformen aus Gründen der Tradition häufig hinausgezögert – ganz nach dem Motto „Das war schon immer so, und deshalb wird sich auch nichts daran ändern.“ Daher liegt es auch nahe, dass </span><b>Traditions</b><span style="font-weight: 400;">vereinen vor allem von der jüngeren Bevölkerung eine gewisse konservative Einstellung zugeschrieben wird. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieses Vorurteil wird selbsterklärend noch verstärkt, wenn mehr als drei Viertel der Tiroler </span><b>Schützen</b><span style="font-weight: 400;"> – ebenfalls ein Traditionsverein – gegen die Aufnahme von Frauen als Schützinnen stimmen, wie es im Jänner 2026 der Fall war.  Dass im Jahr 2026 Geschlechtergleichheit aufgrund einer jahrhundertelangen „Tradition“ ausgehebelt werden kann, ist absolut kritisch zu betrachten und büßt Traditionsvereinen einiges an Sympathiepunkten ein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Mander, s’isch Zeit</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei zeigen Blasmusikkapellen, dass solche Traditionen auch aufgebrochen werden können und sogar zur Verbesserung beitragen. Blasmusikkapellen haben eine jahrhundertelange Geschichte (die älteste noch aktive Blasmusikkapelle in Österreich wurde 1698 gegründet) und waren, genau wie Schützenkompanien, für sehr lange Zeit exklusive Männervereine. Das liegt daran, dass Musikkapellen ihren Ursprung im Militär haben, zu dem österreichischen Frauen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts der Beitritt verwehrt blieb. Außerdem galt die Annahme, Blasmusikinstrumente seien für Frauen „zu anstrengend“ und „von fragwürdiger Moral“, weshalb Frauen ausschließlich die repräsentative Rolle der </span><b>Marketenderin</b><span style="font-weight: 400;"> (Gäste begrüßen und Schnaps ausschenken) ausfüllen durften. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ab den 1920er-Jahren wurden vereinzelt auch Frauen in Musikkapellen der österreichischen Bundesländer aufgenommen – in Tirol geschah dies erstmals 1962 durch die Aufnahme von vier Frauen in die Marktmusikkapelle Telfs. Beweggrund dafür war vor allem die zunehmende Überalterung der Musikanten. Heute wären Musikkapellen ohne Musikantinnen größtenteils nicht mehr spielfähig, da bei den unter 30-jährigen Blasmusikant:innen der Frauenanteil bereits überwiegt. Schätzungen des Blasmusikverbandes zufolge werden auch bei den über 30-jährigen in wenigen Jahren mehr Frauen vertreten sein.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Dem Land Tirol die Treue?</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch bei der Frage nach Gleichberechtigung hören die Vorurteile über „konservative Musikant:innen“ nicht auf. In Student:innenkreisen ist die Vorstellung von Musikkapellen meiner Erfahrung nach häufig mit Stammtischparolen und politischen Einstellungen Richtung rechts verbunden. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Vorurteile sind Überbleibsel des NS-Regimes von den 1930ern bis 1945. Blasmusikkapellen wurden damals strategisch für Kriegspropaganda eingesetzt, indem sie politische Veranstaltungen und Kundgebungen begleiteten. Musikkapellen, die sich weigerten, wurden aufgelöst. Außerdem trat der wohl berühmteste Marsch-Komponist, Sepp Tanzer, nach dem Anschluss Österreichs 1938 aktiv der NSDAP bei – und Tanzers Märsche gehören heute noch zum Standard-Repertoire, wenn auch mit einigen Ausnahmen (das Spielen des „Standschützen-Marsch“ wurde 2013 vom Blasmusikverband untersagt). </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Musikkapellen werden seither mit Patriotismus verbunden, und genau wie der Begriff „Tradition“ gehört auch „Patriotismus“ zu heute veralteten und kritisch hinterfragten Konzepten. Zur Geschichte der Blasmusik und ihrer Rolle in Tirol hat der Tiroler Blasmusikverband gemeinsam mit den Landesarchiven in den letzten Jahrzehnten sorgfältige Aufklärungs- und Aufarbeitungsarbeit betrieben, kürzlich gab es dazu auch eine Ausstellung in den Tiroler Landesmuseen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Die heutige Bedeutung von Blasmusikkapellen</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer traditionsreichen, nicht immer unproblematischen Vergangenheit ist die Blasmusik ein wichtiger sozialer und gesellschaftlicher Bestandteil des heutigen Tirols. Inzwischen haben sich Musikkapellen von politischen Einflüssen losgelöst und Geschlechtergrenzen überwunden, wodurch jetzt das Wesentliche im Vordergrund stehen kann: die Gemeinschaft durch Musik. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die sichtbare Veränderung beginnt schon mit der mittlerweile sehr hohen Diversität. Ganz anders als in der Studierenden-Bubble, in der sich fast ausschließlich Gleichgesinnte bewegen, findet man in Blasmusikkapellen Menschen jeden Alters und Hintergrunds. Heute ist die einzige Voraussetzung, um einer Musikkapelle beitreten zu können, ein Blasinstrument zu spielen. Die dadurch entstehenden bunten Zusammensetzungen führen zu vielfältigen Diskursen, bei denen Stammtischparolen keine Chance haben. Wo sonst könnte man sich eine zwanglose Unterhaltung auf Augenhöhe zwischen einem pensionierten Lehrer, einer Restaurantbesitzerin, einem Maschinenbau-Lehrling, einer Politikerin und einem Medizinstudenten vorstellen?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3><b>Jugend und junge Erwachsene</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt kaum ein Umfeld, in dem junge Menschen stärker in ihren musikalischen Talenten und sozialen Fähigkeiten gefördert werden als in Musikkapellen. So gut wie jede Musikkapelle hat auch eine zugehörige Jugendmusikkapelle, in der Kinder und Jugendliche die Freude am gemeinsamen Musizieren kennenlernen. Auch der Anteil an Student:innen in Blasmusikkapellen wird immer größer. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Blasmusik-Szene inzwischen auch in den Sozialen Medien vertreten ist, um viralen Trends einen ganz persönlichen Touch zu geben. Wer sich gerne ein Bild machen möchte, sollte auf Instagram bei </span><b>@mmk_telfs </b>vorbeischauen<b>.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">vorbeischauen.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;"> </span><b>Gemeinsam das Schöne am Leben feiern</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und der „Loneliness Epidemic“ sind gemeinsame, echte Erlebnisse von enormer Bedeutung. Wer sich davon überzeugen will, dass Blasmusikkapellen viel mehr sind als verstaubte Postkartenmotive, kann dies jederzeit auf Konzerten oder Festen tun. Der nächstgelegene Termin findet bereits diese Woche statt: Nur 25 Minuten von Innsbruck entfernt feiert die Marktmusikkapelle Telfs im Rahmen eines</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">viertägigen Bezirksmusikfestes vom 09.-12. Juli ihr 275-jähriges Bestehen. Ob in Dirndl, Bluejeans oder Goth-Look: Jede:r ist willkommen und gerne gesehen. Nähere Infos zum Fest gibt es unter</span><a href="https://www.mmk-telfs.com/"> <span style="font-weight: 400;">https://www.mmk-telfs.com/</span></a><span style="font-weight: 400;"> .</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<author>
			<name>Lara Beidler</name>
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		<title type="html"><![CDATA[‚Sport heißt auch, wieder auf den eigenen Körper zu hören.’ – Sportmedizinerin Anne Hecksteden im Interview]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22252</id>
		<updated>2026-07-07T13:43:23Z</updated>
		<published>2026-07-07T13:40:02Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Anne Hecksteden ist Sportmedizinerin und war mehrfach deutsche Meisterin im Inline-Speedskating. Im Interview spricht sie über den schmalen Grat zwischen optimaler Belastung und Übertraining, die Bedeutung von Regeneration und darüber,&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/sport-heisst-auch-wieder-auf-den-eigenen-koerper-zu-hoeren-sportmedizinerin-anne-hecksteden-im-interview/"><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Anne Hecksteden ist Sportmedizinerin und war mehrfach deutsche Meisterin im Inline-Speedskating. Im Interview spricht sie über den schmalen Grat zwischen optimaler Belastung und Übertraining, die Bedeutung von Regeneration und darüber, warum der wichtigste Trainingsmaßstab oft der eigene Körper bleibt.</span><span id="more-22252"></span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Gesund durch Sport? Was einfach klingt, erfordert im Alltag Geduld, das richtige Maß und vor allem ein gutes Körpergefühl. Anne Hecksteden hat diesen Weg von der Praxis in die Wissenschaft gewählt. Seit 2022 leitet sie den gemeinsamen Lehrstuhl für Sportmedizin in Innsbruck, an dem sie seither zu individualisierten Trainingskonzepten forscht.</span></p>
<h3><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22254 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-23.06.26-um-10.59.png" alt="" width="280" height="347" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-23.06.26-um-10.59.png 654w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-23.06.26-um-10.59-242x300.png 242w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Bild-23.06.26-um-10.59-585x725.png 585w" sizes="(max-width: 280px) 100vw, 280px" /></h3>
<div class="bildunterschrift">Bild: Anne Hecksteden im Gespräch. (Quelle: Dave Bullock)</div>
<h3>UNIpress: Wenn wir über die gesundheitlichen Effekte von Sport sprechen, wird oft sehr pauschal gesagt ‚Bewegung ist gesund’. Können Sie erklären, was genau im Körper passiert und warum Bewegung überhaupt so einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit hat?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Anne Hecksteden: Zunächst muss man sagen, der Fokus bei den gesundheitlichen Effekten von Training und regelmäßiger körperlicher Aktivität lag lange auf dem Herz-Kreislauf-System. Und das ist auch nach wie vor absolut berechtigt. Aber wir wissen heute, dass regelmäßige körperliche Aktivität quasi allen Organsystemen zugutekommt. Beispiele außerhalb des Herz-Kreislauf-Systems sind die mentale Gesundheit </span><span style="font-weight: 400;">– </span><span style="font-weight: 400;">gerade bei häufigen Störungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen </span><span style="font-weight: 400;">– </span><span style="font-weight: 400;">aber auch die Onkologie. Sowohl bei der Prävention von Krebserkrankungen als auch zur Unterstützung der Therapie ist Sport hilfreich. Die Gynäkologie und Orthopädie gehören auch dazu – es sind tatsächlich fast alle Organsysteme. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am besten verstanden sind die Mechanismen hinter den positiven Effekten von Sport – also das, was tatsächlich auf der molekularen Ebene passiert – im Bereich Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System. Wir wissen zum Beispiel, dass körperliche Aktivität die Insulinsensitivität, also den Umgang des Körpers mit dem Blutzucker, verbessert. Das gilt sowohl akut, wenn ich mich einmal bewege, als auch längerfristig als Trainingseffekt. Gerade bei Vorstufen einer Zuckerkrankheit ist das ein ganz wesentlicher Effekt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber es ist eben nicht der einzige: Dadurch, dass wir besser entspannen können, wenn wir uns häufiger anstrengen, sinkt zum Beispiel auch der Blutdruck. Diese Vagotonie – man kennt ja die niedrige Ruheherzfrequenz bei Sportlern – ist ein wichtiger Ausdruck für die Regulationsfähigkeit unseres Organismus. Hinzu kommt ein direkter Trainingseffekt auf die Gefäße: Der vermehrte Blutfluss, wenn der ganze Sauerstoff transportiert werden muss, hält unsere Blutgefäße in einem guten Trainingszustand, so dass sich weniger Ablagerungen unter der Innenhaut bilden können. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was vielleicht auch ganz interessant ist: Die neuere Forschung der letzten etwa zehn Jahre hat Hinweise darauf geliefert, dass regelmäßige Bewegung, vor allem Ausdauersport, die Zellalterung bremsen kann. Man hat sich dabei die Schutzkappen der Chromosomen angeschaut, die sogenannten Telomere, und gesehen, dass diese unter bestimmten Bedingungen durch Training sogar wieder länger werden können. Das war wirklich ein Paradigmenwechsel.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Wie viel Sport sollte man machen, um gesund zu bleiben?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Was die Mindestempfehlungen für die Allgemeinbevölkerung angeht, gibt es sehr konsistente Empfehlungen der WHO sowie der großen Fachgesellschaften. Dabei geht es um die Frage: Wie viel sollte ein gesunder Erwachsener sich möglichst bewegen, um nicht krank zu werden? Die Antwort lautet: zweieinhalb Stunden, also 150 Minuten moderat intensive körperliche Aktivität pro Woche, oder alternativ eine Stunde intensive körperliche Aktivität. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Jetzt kann man sich natürlich fragen: Wem entspricht das eigentlich? Bei untrainierten, gesunden Erwachsenen ist die intensive körperliche Aktivität oft schon ein ganz lockeres Joggen. Die moderate Intensität entspricht eher einem zügigen Gehen, aber das hängt natürlich individuell von der Fitness ab. Wenn man das auf die Einzelperson herunterbricht, ist moderat eine Intensität, bei der ich mich zwar angestrengt fühle, mich aber noch flüssig unterhalten kann. Das ist in der Sportwissenschaft als ‚Talktest‘ bekannt. Wenn ich mich zwar noch verständlich machen, aber eben nicht mehr flüssig unterhalten kann, dann ist die Belastung intensiv.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Und jetzt kommen zwei ganz wichtige Botschaften: Erstens profitiert der Körper auch dann schon, wenn man diese Mindestempfehlungen noch nicht erreicht. Es ist eigentlich eine asymptotische Kurve. Je weniger ich mich bewege, desto mehr profitiere ich von jedem zusätzlichen Schritt. Das Wichtigste ist, überhaupt erst einmal anzufangen. Auch wenn man sagt: ‚Zweieinhalb Stunden pro Woche, das passt einfach nicht in mein Leben, das schaffe ich nicht‘ – jeder Schritt zählt! </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Und am anderen Ende steht dann die Frage: Kann ich auch zu viel machen?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Da ist es so, dass wir dann schon von ganz anderen Größenordnungen sprechen. Wenn ich über Jahrzehnte hochumfangreich und intensiv Wettkampfsport betrieben habe, gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Formen der Herzrhythmusstörungen ein bisschen häufiger vorkommen. Oder auch Verkalkungen in bestimmten Gefäßen – wobei diese wohl eher nicht zu Infarkten führen. Da gibt es also schon ein paar Besonderheiten, aber wie gesagt: Das sind ganz andere Größenordnungen von Training. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was hingegen tatsächlich auch im Gesundheits- und Freizeitsport vorkommt, ist eine zu schnelle Steigerung. Die absolute Menge dessen, was man pro Woche oder Monat macht, wäre eigentlich gut zu verkraften, aber der Körper braucht einfach länger, um diese Belastbarkeit aufzubauen. Gerade wenn wir anfangen und uns vorher wenig bewegt haben, steigt die Leistungsfähigkeit sehr schnell an. Das geht richtig flott. Wenn ich einen Monat lang dreimal pro Woche walken oder joggen gehe, merke ich das sofort. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Währenddessen ist die Belastbarkeit unseres Bewegungsapparats – also der Bänder, Sehnen, Gelenke und Knochen – ein ganz anderes Thema. Das sind Gewebe mit einem viel langsameren Stoffwechsel. Die brauchen viel länger, um diese erhöhte Belastung auch verkraften zu können, was dann oft hochmotivierte Einsteiger irgendwann ausbremst. Zwei, drei oder vier Monate geht das gut. Dann kommt die Knochenhautentzündung, dann kommt der Ermüdungsbruch, dann kommen die Gelenkbeschwerden. Schade ist dabei, dass die Motivation häufig komplett verloren geht. Deswegen muss man das einfach vom Kopf her steuern, indem man sich sagt </span><b>‚</b><span style="font-weight: 400;">Ich könnte zwar mehr machen, aber mein Bewegungsapparat würde erst rückmelden, dass es zu viel ist, wenn es schon zu spät ist’. Das merkt man leider erst im Nachhinein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Gibt es Signale, die schon während des Trainings auftreten, bei denen man sich denken sollte ‚Ich muss jetzt langsam machen‘?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie schnell man die Belastbarkeit steigern kann, ist wirklich hochgradig individuell – das muss man ganz klar sagen. Es hängt natürlich vom Körpergewicht ab, aber auch insgesamt vom Körperbau, ob es etwa Vorschäden oder Fehlstellungen in den Gelenken gibt. Das ist schwer vorherzusagen. Von daher ist es ein guter Grund, vorsichtig zu sein und erste Beschwerden ernst zu nehmen. Das heißt: Wenn es wirklich mal zwickt, sollte man eine Pause machen, auf andere Sportarten ausweichen und auch mal einen Schritt zurückgehen. Man darf das nicht als Misserfolg sehen, sondern als notwendige Anpassung, um langfristig etwas aufzubauen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist jetzt vor allem auf den Bewegungsapparat bezogen. Ansonsten kann auch insgesamt der Stress aus Alltag, Beruf, Familie und dem Sport zu viel werden. Wir können uns nach dem Sport nämlich am besten erholen, wenn wir auch sonst entspannt sind – dann kann der Körper einfach mal ‚durchhängen‘. Wenn das nicht der Fall ist, merkt man das eher daran, dass man dauerhaft müde ist, sich schlechter erholt, keine Lust mehr aufs Training hat oder sich das Training viel härter anfühlt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein echtes Frühwarnsymptom, auf das einen oft eher andere hinweisen können, ist das Verlieren der emotionalen Ausgeglichenheit. Man wird ‚kratzbürstig‘, man verträgt einfach nichts mehr. Das sind Warnsymptome dafür, dass die Gesamtbelastung zu hoch ist und sich Ermüdung anstaut. </span></p>
<p><b> </b></p>
<h3>Und auf körperlicher Ebene, was wären da langfristige Folgen von zu viel Belastung?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich sage mal so: Wir reden hier nicht über Spitzensport mit 30 Stunden Training plus pro Woche. Aber ein dauerhaftes Regenerationsdefizit zieht den Körper wirklich in Mitleidenschaft. Der Körper braucht dieses ‚Durcherholen‘, um sich anpassen zu können. Also das, was wir mit dem Training ja eigentlich erreichen wollen. Wenn es dann trotz Ermüdung noch weitergeht, kommen auch hormonelle Dinge aus dem Tritt oder die Infektanfälligkeit steigt. Und es sind dann eben diese psychischen Symptome wie Gereiztheit und Konzentrationsmangel, die man als erstes merkt. Aber das ist dann schon wirklich relativ fortgeschritten. Im realistischen Rahmen des Gesundheits- und Freizeitsports kommt es eigentlich nicht zu Schäden an zuvor gesunden inneren Organen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Was ist Ihr persönlicher Eindruck: Haben Sie das Gefühl, dass viele Menschen Signale ihres Körpers falsch verstehen oder sogar ignorieren?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, absolut. Und das ist, glaube ich, ein extrem wichtiger Punkt in einer Zeit, in der uns Smartwatches fast schon abtrainieren, auf den eigenen Körper zu hören. Nehmen wir das Beispiel Schlaf: Schlafstörungen sind ein typisches Frühwarnsymptom für Regenerationsdefizite. Eigentlich ist unser Körper evolutionär darauf ausgelegt, uns zu signalisieren, ob wir uns genug erholt und gut geschlafen haben. Aber wir schauen heute lieber auf die Smartwatch und sagen: ‚Okay, mein Index liegt nur bei 60.‘</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei sind diese Indikatoren aus wissenschaftlicher Sicht fast durchgängig fragwürdig. Das gilt für die Regeneration ebenso wie für den Schlaf. Man muss sich das klarmachen: Selbst in einem Labor wie bei uns tun wir uns extrem schwer, Regeneriertheit zu messen – das sind hochkomplexe, unterschiedliche Dimensionen. Wenn man sich dann vorstellt, was so eine Smartwatch am Handgelenk überhaupt für Messmöglichkeiten hat, wird klar: Das sind nur Algorithmen, die auf den Messwerten aufbauen, die eben verfügbar sind. Entsprechend groß ist die Unsicherheit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Daher ist eine wichtige Funktion – und eigentlich auch eine Voraussetzung – von regelmäßigem Sport, wieder zu lernen, auf den eigenen Körper zu hören. Dass man merkt: ‚Okay, diese Belastung fühlt sich heute anders an als vor drei Monaten. Vielleicht sollte ich das mal abklären lassen, vielleicht bahnt sich ein Mangel an‘. Das Ziel ist, dass man seinen eigenen Körper wieder kennt.</span></p>
<p><b> </b></p>
<h3>Auf Social Media sieht man viele extreme Routinen oder auch sogenannte ‚No Days Off’. Wie bewerten Sie solche Trends aus wissenschaftlicher Sicht?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Extrem kritisch, muss man ganz klar sagen. Also erstmal, solche Trends können gut sein, wenn sie Leute dazu bringen, sich zu bewegen. Fast alles ist gut, was die Leute dazu bringt, sich zu bewegen. Wenn man sich die aktuellen Leitlinien ansieht, die auf Jahrzehnten der Forschung basieren, dann zeigt sich: Fast alle Formen der körperlichen Bewegung helfen unserer Gesundheit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die einzigen zwei Bedingungen für gesunde Erwachsene sind letzten Endes: Es muss eine dynamische Aktivität großer Muskelgruppen sein – also zum Beispiel keine rein statischen Übungen – und es muss regelmäßig geschehen. Das heißt, ich kann als gesunder Erwachsener meiner Lust und Laune eigentlich freien Lauf lassen. Ich kann tun, was mir Spaß macht und was ich dann vielleicht auch langfristig beibehalte.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es gibt nicht die ‚Golden Bullet‘. Es gibt nicht die eine Routine, die es unbedingt sein muss und die doppelt so viel gesundheitlichen Effekt bringt wie alles andere. Das existiert einfach nicht. Es gibt ganz viele sinnvolle Trainingsmöglichkeiten, die sich allenfalls marginal in ihren Effekten unterscheiden. Man muss etwas finden, das man realistisch und langfristig in den Alltag integrieren kann – und genau das ist bei diesen extremen Trends oft schwierig.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Wenn jetzt jemand anfangen würde, mehr Sport zu machen, was wäre Ihr wichtigster Rat, damit es wirklich gesund bleibt und nicht ins Gegenteil kippt?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Zunächst einmal: Wir sprechen hier, wie gesagt, über gesunde Erwachsene. Mein erster Gedanke wäre: Wenn ich lange nichts gemacht habe, könnte bei mir ein Risiko vorliegen? Insgesamt ist körperliches Training im Rahmen des Gesundheitssports extrem sicher. Aber ein kurzer Check für sich selbst ist dennoch sinnvoll.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Trainingsprogramm mit einem Arzt besprechen sollte man, wenn bereits Vorerkrankungen bekannt sind oder wenn es bei körperlicher Belastung im Alltag zu Beschwerden gekommen ist. Damit meine ich jetzt nicht den Bewegungsapparat, sondern Symptome wie ungewöhnliche Luftnot, Schwindel, Übelkeit oder ein Stechen in der Brust. Das wären klare Gründe für eine Abklärung.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein weiterer Grund für einen Check-up ist – gerade bei extremen Routinen oder Events wie einem Firmenlauf –, wenn ich bisher im Wesentlichen inaktiv war, jetzt aber schnell in ein intensives Programm einsteigen möchte. Der Hintergrund ist simpel: Wenn ich bisher ein reiner ‚Couch-Potato‘ war, ist einerseits die Wahrscheinlichkeit für eine unentdeckte Erkrankung höher. Andererseits hatte mein Körper gar keine Gelegenheit, mir Warnsymptome bei Belastung zu senden, weil ich ihn schlicht nie belastet habe.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Menschen nicht einmal sagen können, wie viele Stockwerke sie am Stück schaffen, weil sie grundsätzlich nie die Treppe nehmen. Aber wie gesagt: Das ist nur ein erster Vorsichtsgedanke. Bei den allermeisten Erwachsenen wird das kein Hindernis für den Sport sein.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der zweite Punkt wäre: Einfach anfangen mit etwas Unaufwendigem, das einem Spaß macht und dem eigenen Typ entspricht. Es gibt Menschen, die treiben lieber allein Sport; sie denken nach, und das langsame Joggen bekommt für sie fast einen meditativen Charakter. Andere wiederum brauchen die Gruppe, das sind eher die Mannschaftssporttypen. Hier darf man absolut frei wählen – die Leitlinien geben das her: Man kann und soll bei der Wahl des Sports wirklich der eigenen Persönlichkeit und den Vorlieben folgen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber, und das ist der dritte Punkt: Man muss langsam steigern. Das gilt ganz besonders für Wiedereinsteiger – also Personen, die in ihrer Jugend sehr aktiv waren, dann aber die typische Phase zwischen Mitte 20 und 40 mit Berufseinstieg, Familiengründung und Hausbau durchlaufen haben. Wenn diese Personen jetzt wieder anfangen, sollten sie kurz innehalten und sich sagen: ‚Okay, ich bin nicht mehr 25.‘</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Man kann nicht direkt dort anknüpfen, wo man damals aufgehört hat. Der Körper ist älter, der Trainingszustand ein anderer. Man muss langsam wieder einsteigen und schauen, was geht. Wenn man auf diese drei Punkte hört – Spaß am Anfang, Berücksichtigung des Typs und behutsame Steigerung – und dabei seinen Körper ernst nimmt, hat man die wichtigsten Grundlagen abgedeckt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Wenn jemand einen Bürojob hat oder während des Studiums tagelang lernen muss und viel sitzt: Was wären einfache Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Bisher haben wir über gezieltes Training gesprochen – also über bewusste Aktivitäten, um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu fördern. Das ist enorm wichtig, aber wir wissen heute auch: Lange Sitzphasen, wie sie in einem klassischen Bürojob vorkommen, lassen sich nicht allein durch Sport am Abend kompensieren.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wir brauchen zusätzlich diese sogenannten ‚Exercise Snacks‘ – kurze Unterbrechungen der totalen Inaktivität. Diese sind komplementär zum Training zu sehen. Wenn ich acht Stunden am Stück sitze, kann ich das nicht einfach durch eine halbe Stunde Joggen am Abend ausgleichen; ich brauche beides.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hierbei reicht es schon, kurz aufzustehen, zwei Stockwerke zum Kaffeeautomaten zu gehen, statt den Aufzug zu nehmen, oder eine Busstation früher auszusteigen. Das sind kleine Dinge, bei denen man nicht ins Schwitzen kommen muss – was im Berufsalltag ja oft schwierig wäre. Es müssen keine Übungen auf dem Fußboden sein, sondern einfache Aktivitätsinseln, die das Sitzen unterbrechen. Natürlich könnte man noch gezielte Übungen für Nacken oder Rücken einbauen, aber ich nehme mich da nicht aus – das ist im Arbeitsfluss oft schwer zu integrieren. Aber aufstehen, kurz gehen, die Treppe nutzen oder zum Drucker laufen –  das geht eigentlich immer.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Abschließende Frage: Hat sich Ihr eigener Blick auf Sport im Laufe Ihrer Karriere verändert?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich habe selbst Leistungssport gemacht und bin, wie viele Kollegen, über die eigene Karriere in der Sportmedizin gelandet. Da ich schon ein ganzes Weilchen dabei bin, habe ich miterlebt, wie sich manche Positionen im Fach grundlegend verändert haben. In meinen ersten Jahren war der Gesundheitssport noch extrem auf Ausdauer fokussiert. Das hat sich gewandelt: Heute betont man gerade für ältere Erwachsene, wie wichtig Kräftigungsübungen sind, um die Skelettmuskelmasse zu erhalten. Das ganze Fach bewegt sich, und ich bewege mich natürlich mit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wenn Sie es von mir persönlich wissen wollen: Ich stelle immer mehr die zentrale Bedeutung des Körpergefühls in den Mittelpunkt. Im Sport haben wir es mit multifaktoriellen Dingen zu tun; es gibt nicht das eine Schräubchen, das man umlegt, und dann passiert genau das, was man will. Es ist unheimlich schwierig, das rein über objektive Marker zu steuern.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf der anderen Seite stehen das Körpergefühl und das Erfahrungswissen. Das ist auch meine aktuelle Forschungsrichtung: Wie man das Körpergefühl der Athleten und das Wissen der Trainer gezielt mit datengetriebenen Verfahren zusammenführt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<h3>Danke für das Gespräch!</h3>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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		<author>
			<name>Elena Rieger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Wenn ich an Instagram denke …]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22262</id>
		<updated>2026-07-02T11:32:15Z</updated>
		<published>2026-07-02T11:32:15Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Vor eineinhalb Jahren habe ich Instagram gelöscht. Die Plattform spielt für mich seither kaum noch eine Rolle. Gleichzeitig ist der Umgang mit sozialen Medien stärker in den Fokus gesellschaftlicher und&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/wenn-ich-an-instagram-denke/"><![CDATA[<div class="subtitle_up">Vor eineinhalb Jahren habe ich Instagram gelöscht. Die Plattform spielt für mich seither kaum noch eine Rolle. Gleichzeitig ist der Umgang mit sozialen Medien stärker in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Diskussionen gerückt. Zeit, nochmals genauer hinzusehen.</div>
<p><span id="more-22262"></span></p>
<p><strong>November 2024</strong>. Als ich damals über mein Verhältnis zu Instagram schrieb, ging es nicht um einen dramatischen Abschied von Social Media. Vielmehr ging es um eine App, die für mich längst mehr war als nur Unterhaltung. Instagram war Gewohnheit, Zeitvertreib, Ablenkung und manchmal auch Anlass für Vergleiche, die weder besonders hilfreich noch besonders realistisch waren. Die Entscheidung, Abstand zu gewinnen, entstand deshalb nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung sozialer Medien, sondern aus der Frage, welchen Platz sie eigentlich in meinem Alltag einnehmen sollten. Heute dient Instagram für mich vor allem als Beispiel für eine größere Entwicklung. Kaum eine andere Plattform hat die vergangenen Jahre so geprägt. Sie bündelt damit viele der Fragen, die soziale Medien aufwerfen.</p>
<h3>… denke ich an Austausch</h3>
<p>Die Frage, ob man ohne Instagram etwas verpasst, taucht bis heute regelmäßig auf. Die ehrliche Antwort lautet: natürlich. Ich habe Trends verpasst, deren Namen ich wahrscheinlich falsch aussprechen würde, neue Funktionen, die kurz als Revolution gefeiert wurden, und vermutlich auch einige virale Aufreger, die schon wieder verschwunden waren, bevor ich überhaupt von ihnen gehört habe. Manchmal erfahre ich erst später von einem schicken Urlaub, einem neuen Beziehungsstatus oder einem Meme, das mir sofort fünf Leute geschickt hätten.</p>
<p>Gleichzeitig hat sich etwas bestätigt, das ich damals nur vermutet habe: Die Menschen, deren Leben mich wirklich interessiert, bleiben auch ohne Feed Teil meines Alltags. Neuigkeiten erreichen mich über Sprachnachrichten – teils in Podcastlänge –, Telefonate, Kaffeeklatsch oder zufällige Begegnungen. Das mag weniger effizient sein als ein kurzer Blick auf eine Story oder ein schnell verteiltes Herz unter einem Beitrag, fühlt sich aber echter an. Statt Ausschnitte aus einem Wochenende zu sehen, höre ich die Geschichte dahinter.</p>
<h3>… denke ich an Reaktionen</h3>
<p>Ebenso Teil der Erfahrung waren nach und nach die Reaktionen auf mein unangekündigtes Instagram-Aus. Überraschend viele Kontakte reagierten mit Anerkennung. „Respekt“, hörte ich häufiger als erwartet. Nicht selten folgte darauf ein Satz wie: „Eigentlich würde ich auch gerne weniger Zeit auf Social Media verbringen.“ Fast jede Unterhaltung über meinen fehlenden Account entwickelte sich irgendwann zu einem Gespräch über Bildschirmzeiten, endloses Scrollen oder die Frage, warum es so schwer ist, Gewohnheiten zu ändern, die man selbst längst kritisch sieht.</p>
<p>Dabei wäre es falsch zu behaupten, mir sei das von Anfang an leichtgefallen. In den ersten Wochen war mein Verhältnis zu Instagram in etwa so konsequent wie das vieler Menschen zu Dating-Apps: gelöscht, wieder installiert, erneut gelöscht und kurz darauf doch wieder geöffnet. Erst mit der Zeit verschwand der Reflex, die nicht vorhandene App aus Gewohnheit anzuklicken. Vereinzelt gab es auch irritierte Nachfragen. Eine Person war eine Zeit lang überzeugt, ich hätte sie blockiert. Eine andere fragte, ob ich „überhaupt noch existiere“. Offenbar wirkt es inzwischen verdächtiger, keinen Instagram-Account zu haben, als einen zu besitzen.</p>
<div id="attachment_22267" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22267" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22267" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/prateek-katyal-xv7-GlvBLFw-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22267" class="wp-caption-text">Bye Likes. Bild: Unsplash</p></div>
<h3>… denke ich an Vergleiche</h3>
<p>Eine Veränderung habe ich erst mit etwas zeitlichem Abstand bemerkt. Früher wurden viele Momente von der Frage begleitet, ob daraus ein gutes Foto entstehen könnte. Ein schönes Café, ein Konzert oder ein besonders gelungenes Abendessen waren zwar in erster Linie Erlebnisse – gleichzeitig aber potenzieller Content. Die Kamera saß gewissermaßen mit am Tisch. Damit verbunden war auch ein subtiler Anspruch, Situationen so festzuhalten, dass sie im Nachhinein „gut aussehen“ könnten – ein Effekt, der in Studien zu sozialen Medien häufig mit gesteigertem Selbstdarstellungs- und Optimierungsdruck beschrieben wird.</p>
<p>Heute fotografiere ich immer noch regelmäßig. Der Unterschied liegt weniger im Bild als im Gedanken davor. Viele Fotos bleiben auf meinem Handy oder werden spontan an Freund:innen geschickt. Parallel dazu ist auch etwas anderes weniger geworden: der ständige Vergleich mit anderen. Natürlich vergleichen sich Menschen nicht erst seit Instagram miteinander. Soziale Medien verstärken diesen Mechanismus jedoch, weil sie fortlaufend idealisierte Ausschnitte aus dem Alltag anderer sichtbar machen. Irgendjemand scheint immer produktiver, erfolgreicher, sportlicher oder glücklicher zu sein. Ohne den permanenten Strom kuratierter Bilder meldet sich dieser Vergleichsmodus deutlich seltener zu Wort.</p>
<h3>… denke ich an digitale Pausen</h3>
<p>Als ich mir 2024 Gedanken über Instagram machte, wirkte „Digital Detox“ noch ein wenig wie ein Lifestyle-Konzept für Menschen, die ihr Smartphone übers Wochenende in eine Holzbox sperren und dabei grünen Selleriesaft trinken. Mittlerweile ist daraus beinahe Mainstream geworden. Unter Schlagworten wie „Dopamin Detox“ oder „Digital Minimalism“ versprechen Bücher, Podcasts und Influencer:innen mehr Fokus, bessere Konzentration und ein entspannteres Leben. Ausgerechnet das Offline-Sein selbst hat inzwischen eine eigene Ästhetik entwickelt – inklusive Morgenroutine, Waldspaziergang, Meditation und dem obligatorischen Post darüber, wie gut es tut, weniger online zu sein.</p>
<p>Ein genauerer Blick auf den Trend zeigt zudem, dass nicht alle Behauptungen gleichermaßen überzeugend sind. Gerade das populäre Konzept des „Dopamin Detox“ wird von Forschenden oft kritisch gesehen. Der Begriff suggeriert, man könne das Gehirn gewissermaßen von zu vielen Reizen reinigen oder auf einen gesünderen Ausgangszustand zurücksetzen. So funktioniert Dopamin allerdings nicht, da dieser Botenstoff an zahlreichen Prozessen beteiligt ist und sich nicht einfach „entgiften“ lässt. Dass geringere Ablenkung trotzdem wohltuend sein kann, steht auf einem anderen Blatt. Entscheidend ist weniger ein „Reset“ des Gehirns als der bewusste Umgang mit begrenzter Aufmerksamkeit.</p>
<div id="attachment_22268" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22268" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22268" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/IMG_1002-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22268" class="wp-caption-text">Auch das Offline-Sein hat inzwischen seine eigenen Klischees. Bild: Elena Rieger</p></div>
<h3>… denke ich an junge Nutzer:innen</h3>
<p>Wie sehr sich diese Begrenzung der Aufmerksamkeit im Alltag zeigt, wird besonders dort sichtbar, wo soziale Medien früh zur Selbstverständlichkeit werden: bei jungen Nutzer:innen. In Australien gelten bereits strengere Regeln für den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 16-Jährige. Auch in Europa werden ähnliche Maßnahmen immer wieder thematisiert. In Österreich hat die Bundesregierung 2026 ein Mindestalter von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke wie Instagram, TikTok oder Snapchat beschlossen, das gesetzlich verankert werden soll. Auslöser sind unter anderem wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung, psychischer Belastung, Schlafproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten bei Jugendlichen.</p>
<p>Auch wenn solche Regelungen häufig als Eingriff in digitale Freiheit gesehen werden, verweisen sie auf Entwicklungen, die sich besonders bei jungen Menschen zeigen. Die Nutzung besteht selten nur aus einzelnen Momenten, sondern aus dauerhaften Routinen: regelmäßige Unterbrechungen durch Benachrichtigungen, der direkte Vergleich mit anderen und eine ständige Verfügbarkeit, die kaum bewusste Abgrenzung zulässt. Gerade in Verbindung mit Schule, Freizeit und sozialen Beziehungen entstehen dadurch digitale Gewohnheiten, die den Alltag stark mitprägen können. Dass darüber inzwischen nicht nur in Familien und Klassenzimmern, sondern auch auf politischer Ebene gesprochen wird, überrascht vor diesem Hintergrund kaum.</p>
<div id="attachment_22269" style="width: 2570px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22269" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-22269" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="1707" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/robin-worrall-FPt10LXK0cg-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-22269" class="wp-caption-text">Jung, online – ohne Grenzen? Bild: Unsplash</p></div>
<p><strong>Juni 2026</strong>. Die vielleicht größte Überraschung meiner letzten eineinhalb Jahre besteht darin, dass aus einem Schritt irgendwann etwas Selbstverständliches geworden ist. Instagram ist weiterhin Teil des digitalen Alltags vieler Menschen, zugleich aber auch Gegenstand kritischer Einordnung, neuer Regeln und veränderter Gewohnheiten. Meine Welt ist ohne die App weder größer noch kleiner geworden, sondern vielmehr anders strukturiert. Denn während ich früher regelmäßig an Instagram dachte, passiert heute oft das Gegenteil: Ich vergesse, wie präsent es einmal war.</p>
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		<author>
			<name>Lena Hallbrucker</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Ich hab&#8217; da so ein Gefühl&#8230;]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22257</id>
		<updated>2026-06-30T11:07:26Z</updated>
		<published>2026-06-30T11:07:26Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Ob man es als „innere Stimme“, „moralischer Kompass“, „Vorahnung“ oder „Intuition“ bezeichnet – unser Bauchgefühl ist ein Phänomen, das einige Fragen aufwirft: Woher weiß mein Bauch, ob ich jemandem vertrauen&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/ich-hab-da-so-ein-gefuehl/"><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ob man es als „innere Stimme“, „moralischer Kompass“, „Vorahnung“ oder „Intuition“ bezeichnet – unser Bauchgefühl ist ein Phänomen, das einige Fragen aufwirft: Woher weiß mein Bauch, ob ich jemandem vertrauen kann oder nicht? Und warum tritt das Bauchgefühl oft als Warnung auf, noch bevor etwas passiert ist?</div>
<p><span id="more-22257"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Das Bauchgefühl entsteht natürlich nicht wirklich im Bauch“, stellt Dr. Tilmann Betsch, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Erfurt, in einem Podcast über das Thema klar. Tatsächlich „sitzt“ es in unserem Gehirn, genauer gesagt im präfrontalen Cortex. Das klingt erst einmal widersprüchlich, denn im Oxford Dictionary wird „Intuition“ als „emotionale, nicht vom Verstand geleitete Einschätzung“ beschrieben. Schließen sich intuitives und rationales Denken also aus? Dr. Betsch widerspricht: „Rationale Gedankenvorgänge tragen zur Intuition bei. In unserem Gehirn laufen unglaublich viele komplizierte Prozesse parallel ab, die wir gar nicht mitbekommen. Deshalb berufen wir uns im Nachhinein eben oft auf unsere Intuition – vor allem dann, wenn sie sich als richtig herausstellt.“ </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Damit lehnt er auch den Ansatz des Systemdenkens ab. Laut diesem Ansatz gibt es zwei verschiedene Systeme, mit denen wir denken. „System 1“ stellt das schnelle, unüberlegte, impulsive Denken dar und „System 2“ das wohlüberlegte, bewusste und rationale Denken. „Gedankenprozesse auf zwei Systeme zu limitieren ist hinderlich für die Wissenschaft.“</span></p>
<h3>Komplizierte Denkprozesse</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Man kann die Funktionsweise des Gehirns in etwa mit der eines Computers vergleichen – manchmal sind mehrere Tabs offen, im Hintergrund läuft noch ein Backup, und von irgendwoher kommt Musik. Was genau dabei im Computer vorgeht, können wir von außen nicht nachvollziehen, genauso wenig wie unsere Gedankengänge. „Wissen ist zu großen Teilen das Produkt unserer Erfahrung“, sagt Dr. Betsch. Wenn wir uns also in einer Situation befinden, die wir schon mehrmals auf die gleiche oder ähnliche Weise erlebt haben, greifen wir automatisch – intuitiv – auf diesen Erfahrungsschatz zurück. Das Gehirn erfasst innerhalb von Millisekunden alle uns umgebenden Informationen, greift gleichzeitig auf den Erfahrungsspeicher zurück und wägt alles miteinander ab. Dadurch können Entscheidungen schnell und mit niedrigem Denkaufwand getroffen werden, was besonders in stressigen Berufen wie im Gesundheitsbereich, im Leistungssport und in der Luftfahrt von sehr hoher Bedeutung ist. Je besser unsere Erfahrungen sind und je mehr wir haben, desto höhere Erfolgschancen hat eine darauf basierende intuitive Entscheidung. </span></p>
<h3>Woher kommt Intuition?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-22259 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-scaled.jpg" alt="" width="449" height="299" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Abbildung-1_Pexels_Markus-Winkler-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 449px) 100vw, 449px" /></span></p>
<div class="bildunterschrift">Intuition. (Quelle: Pexels.)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Intuition ist angeboren. Tatsächlich prägt sich unsere Intuition bereits im Mutterleib und der frühen Kindheit aus. Evolutionär gesehen sind intuitive Entscheidungen überlebenswichtig und haben sich über Jahrhunderte hinweg immer weiter verbessert. Verschiedene Kulturen haben dafür im Laufe der Zeit mannigfaltige Erklärungen gefunden, beispielsweise wurden Menschen mit guter Intuition in der europäischen Geschichte als Hellseher angesehen. In der jahrtausendealten indischen Chakren-Lehre gilt unsere Körpermitte als Zentrum unserer persönlichen Kraft und im afrikanischen Raum etablierte sich das „Wissen der Ahnen“ als Erklärung für das Bauchgefühl &#8211; das wird im Disneyfilm „König der Löwen“ anschaulich dargestellt, indem Simba von seinem verstorbenen Vater Ratschläge erhält. Nach dem Glauben nordamerikanischer Ureinwohner hat jeder Mensch einen „Seelenführer“, der oft in animalischer Gestalt auftritt und uns bei Entscheidungen hilft. Die Liste der spirituellen Erklärungsansätze könnte noch länger fortgeführt werden, doch was uns wirklich interessiert: Gibt es auch eine wissenschaftliche Erklärung dafür, dass unsere Intuition aus dem Bauch zu kommen scheint? </span></p>
<h3>Das Wunder Mensch</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Zusammenhänge zwischen Bauch und Gehirn sind in der modernen Medizin bestens erforscht.. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Arzt Leopold Auerbach erstmals, dass die menschlichen Eingeweide von Nervengewebe umgeben sind, womit er den Grundstein für die Fachrichtung der Neurogastroenterologie legte. Nach jahrelanger Forschung auf diesem Gebiet fand man heraus, dass in den Gedärmen mehr Nervenzellen vorhanden sind als im gesamten Rückenmark, und dass Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren im Bauch denen im Gehirn exakt gleichen. Dieses Abbild des Gehirns im Bauch wird (ohne Witz) „Bauchhirn“ oder enterisches Nervensystem genannt. Bauchhirn und Gehirn sind direkt miteinander verbunden, wobei mehr als 90 Prozent der Nervenverbindungen von unten nach oben verlaufen. Wenn durch Nahrungszufuhr chemische Substanzen in den Körper gelangen, werden diese vom Bauchhirn analysiert und abgespeichert – das Bauchhirn kann sich später also an die Substanzen erinnern. Sobald das Bauchhirn Gefahr vermutet, sendet es Signale an das Gehirn, das entsprechend reagiert. Im Gehirn entstehen dabei Emotionen. Das bedeutet im Rückschluss, dass unser Gehirn gewisse Emotionen mit Vorgängen im Verdauungssystem assoziiert – und somit wäre geklärt, warum wir im Bauch „Gefühle“ empfinden. </span></p>
<h3>Kopfsache</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie helfen uns nun aber Emotionen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen? Besonders starke negative oder positive Gefühle dringen tief in unser Bewusstsein. Wenn wir eine Erfahrung mit einem solchen Gefühl verbinden, erinnert sich das Gehirn an diese Emotion. Dazu hat der Psychologe Antonio Damasio im Jahr 1997 den Begriff „Somatische Marker“ eingeführt. Unter somatischen Markern versteht man körperliche Reaktionen, die mit einem unguten Bauchgefühl einhergehen, wie zum Beispiel kalte Hände, Kribbeln im Bauch und den berühmten Kloß im Hals. Diese physischen Äußerungen empfinden wir, wenn wir uns – bewusst oder unbewusst – an vergangene emotionale Erfahrungen erinnern. Somatische Marker helfen unserer Intuition also dabei, eine Situation als gut oder schlecht einzuschätzen.</span></p>
<h3>Achtung, Sackgasse!</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Aus Erfahrung kann wahrscheinlich jeder ein Lied davon singen, dass das Bauchgefühl zwar meist recht hat, hin und wieder jedoch in die falsche Richtung weist. Wenn sich nun aber sowohl mein Bauchhirn als auch mein Gehirn ganz von selbst an vergangene Erlebnisse und damit verbundene Emotionen erinnern, wie können sie dann falschliegen? Dazu probieren wir ein kurzes Experiment aus, das sogenannte „Schläger-Ball-Rätsel“:</span></p>
<p><i><span style="font-weight: 400;">Ein Tennisschläger und ein Tennisball kosten gemeinsam 1,10 Euro. Der Schläger kostet dabei einen Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? </span></i></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer hier auf seine intuitive Eingebung vertraut, wird vermutlich antworten, dass der Ball zehn Cent kostet. Tatsächlich kostet er aber fünf Cent (macht an dieser Stelle gern mal eine Pause und denkt nach). Anhand dieses Beispiels lässt sich zeigen, dass es in manchen Situationen sinnvoll ist, seine Intuition zu hinterfragen und bewusst nachzudenken. Besonders in Situationen, die wir noch nie oder sehr selten erlebt haben, lässt uns das Bauchgefühl häufig im Stich. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine weitere Gefahr, die das Bauchgefühl mit sich bringt, ist die Entwicklung von Stereotypen. Oft überschätzen wir beispielsweise Risiken, die uns emotional herausfordernd erscheinen – wir haben mehr Angst vor dem Fliegen als vor dem Autofahren, obwohl Fliegen statistisch gesehen viel sicherer ist. Das liegt daran, dass wir Autofahren regelmäßiger erleben – unser Gehirn ist also schon damit vertraut. Zudem suchen wir gerne Informationen, die bereits bestehende Annahmen bestätigen, und lassen uns von ersten Eindrücken leiten. Dabei greifen wir auf Stereotypen zurück, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Was uns dann wie ein „Bauchgefühl“ vorkommt, ist oft keine besondere Menschenkenntnis, sondern die schnelle Aktivierung von unbewussten Vorurteilen, etwa gegenüber Alter, Herkunft oder Geschlecht. </span></p>
<h3>Übung macht den Meister</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Bauchgefühl lässt sich durchaus trainieren – beispielsweise kann man lernen, in welchen Situationen unsere Intuition meist richtig liegt und wann wir lieber noch einmal über eine intuitive Entscheidung nachdenken sollten. Dazu muss man wissen, dass die Verlässlichkeit unserer Intuition davon abhängt, wie gut unser Erfahrungsschatz ist. Deshalb ist es wichtig, Entscheidungen regelmäßig zu reflektieren. </span><i><span style="font-weight: 400;">War diese Entscheidung gut oder schlecht? Welche Konsequenzen gingen mit der Entscheidung einher? Wie habe ich mich dabei gefühlt? </span></i><span style="font-weight: 400;">Durch gründliche Reflektion stellt unser Gehirn Zusammenhänge zwischen Reiz, Reaktion und Konsequenzen her und kann deshalb in Zukunft besser einschätzen, in welchen Situationen unser Bauchgefühl hilfreich ist und in welchen nicht. Bei der Frage, ob ich mir jetzt einen Aperol genehmigen soll, muss ich jedenfalls kein zweites Mal überlegen – bei der Frage, ob ich für diesen Aperol mehr als acht Euro ausgeben soll, aber schon. </span></p>
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		<author>
			<name>Paulina Bösch</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Zu viel Müll, zu wenig Trennung? Studierende im Gespräch über Nachhaltigkeit]]></title>
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		<updated>2026-06-23T14:31:06Z</updated>
		<published>2026-06-22T07:39:23Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Ein Pizzakarton im Restmüll, ein Plastiksack im Biomüll. Szenen wie diese gehören für viele Wohnanlagen zum Alltag. Obwohl das Bewusstsein für Nachhaltigkeit hoch ist, zeigt sich bei der Mülltrennung oft&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/zu-viel-muell-zu-wenig-trennung-studierende-im-gespraech-ueber-nachhaltigkeit/"><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ein Pizzakarton im Restmüll, ein Plastiksack im Biomüll. Szenen wie diese gehören für viele Wohnanlagen zum Alltag. Obwohl das Bewusstsein für Nachhaltigkeit hoch ist, zeigt sich bei der Mülltrennung oft ein anderes Bild. Studierende berichten, welche Rolle Nachhaltigkeit in ihrem Alltag spielt und wo die größten Herausforderungen liegen.</div>
<p><span id="more-22244"></span></p>
<h3>Mülltrennung in Österreich</h3>
<p>Das Thema Mülltrennung ist in Österreich eigentlich dauerpräsent und trotzdem wird es dennoch schnell zur Nebensache. Dabei gilt richtige Mülltrennung als einer der einfachsten Schritte, um Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schützen. In Österreich wird ein großer Teil des Abfalls recycelt, doch das System funktioniert nur dann, wenn Abfälle korrekt getrennt werden. Im Jahr 2023 lag die Recyclingquote der österreichischen Siedlungsabfälle, also von Haushaltsabfällen und ähnlichen Abfallarten, bei 62,8 Prozent. Bereits kleine Fehler können jedoch dazu führen, dass bestimmte Materialien nicht mehr wiederverwertet werden dürfen.</p>
<p>Abfall ist längst mehr als bloßer Müll. Plastik, Glas oder Papier werden heute als wertvolle Rohstoffe betrachtet. Werden sie sauber getrennt gesammelt, können daraus neue Produkte entstehen. Das spart nicht nur Energie und Rohstoffe, sondern reduziert auch CO2-Emissionen. Werden die Stoffe jedoch vermischt, landet oft mehr Müll als nötig in der Verbrennung.</p>
<h3>Gespräche mit Studierenden</h3>
<p>Wie bewusst junge Menschen mit diesem Thema umgehen, zeigt ein Gespräch mit drei StudentInnen der Universität Innsbruck. Die Antworten könnten unterschiedlicher kaum sein.</p>
<p>„Mir ist es sehr wichtig, den Müll zu trennen, da er dann wiederverwertet werden kann“, erzählt eine 23-jährige Lehramtsstudentin, die allein in einer geräumigen Wohnung lebt. Für sie gehört Mülltrennung selbstverständlich zum Alltag. Papier, Plastik, Glas, Metall, Biomüll und Restmüll werden konsequent getrennt. Sie sieht darin eine einfache Möglichkeit, Müllberge zu reduzieren und Ressourcen zu schonen.</p>
<p>Andere gehen pragmatischer mit dem Thema um. „Ehrlich gesagt, so wichtig ist es mir jetzt nicht“, meint eine 26-jährige Wirtschaftsstudentin, die mit ihrem Freund in einer großen Wohnung lebt. Zwar versuche sie, den Müll „grob richtig“ zu entsorgen, doch im stressigen Alltag lande manches schnell im schwarzen Sack. Besonders Verpackungen gründlich auszuwaschen sei ihr oft zu mühsam. Trotzdem glaube sie, dass Recycling der Umwelt helfe, vor allem bei Plastik und Metall.</p>
<p>Zwischen Überzeugung und Bequemlichkeit bewegt sich auch die dritte Stimme im Interview. „Aufgrund von Platzmangel achte ich ehrlich gesagt nicht so sehr darauf“, erklärt der 26-jährige Technikstudent, der allein in einer sehr kleinen Wohnung lebt. Vor allem in kleinen Wohnungen oder WGs fehle oft der Raum für mehrere Müllbehälter. Auch Unsicherheit spiele eine Rolle: „Bei spezifischen Sachen weiß ich manchmal nicht genau, wie ich trennen sollte.“</p>
<h3>Die richtige Mülltrennung</h3>
<p>Tatsächlich ist die richtige Mülltrennung in Österreich klar geregelt. Kunststoff-, Metall- und Verbundverpackungen gehören in den gelben Sack oder die gelbe Tonne. Papier und Karton werden getrennt im Altpapier gesammelt. Glas, dazu gehören auch Flaschen, muss nach Weiß- und Buntglas getrennt werden, wobei nur Glasverpackungen entsorgt werden dürfen. Glühbirnen oder Keramik zählen dagegen zum Restmüll. Bioabfälle gehören ohne Plastik in die Biomülltonne. Wichtig ist außerdem, Verpackungen restentleert zu entsorgen, gründliches Auswaschen ist meist gar nicht notwendig.</p>
<p>Doch obwohl das System vergleichsweise einfach erscheint, bleibt die Umsetzung im Alltag oft schwierig. Vor allem junge Menschen fühlen sich nicht immer ausreichend informiert. „Man lernt in der Schule, als auch in der Uni, viel zu wenig über allgemeine Lebenssituationen“, meint der Technikstudent. Vieles lerne man erst von den Eltern oder beim Auszug. Die Wirtschaftsstudentin fordert mehr Aufklärung, bereits in Schulen.</p>
<h3>Folgen der Umweltverschmutzung in Österreich</h3>
<p>Die Folgen falscher Müllentsorgung reichen weit über volle Mülltonnen hinaus. Wenn Abfälle nicht korrekt getrennt werden, gelangen wiederverwertbare Stoffe in falsche Entsorgungs- und Verbrennungsprozesse oder in die Umwelt, wo sie Luft, Wasser und Böden belasten und gesundheitliche Probleme verursachen können. Gleichzeitig verstärken unnötige Abfälle und mangelndes Recycling den Ressourcenverbrauch und damit auch den Energiebedarf. Hinzu kommt der Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen, etwa wenn Plastik in Gewässer oder Böden gelangt und dort natürliche Lebensräume zerstört oder Tiere durch Verschlucken und Verheddern direkt beeinträchtigt werden. Besonders Plastikmüll stellt weltweit eine enorme Belastung für Ökosysteme dar.</p>
<p>Mülltrennung wirkt im ersten Moment wie eine kleine Handlung. Doch genau dort, zwischen Alltagsstress, Unsicherheit und Gewohnheit, entscheidet sich oft, wie nachhaltig unser Umgang mit Ressourcen tatsächlich ist.</p>
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		<author>
			<name>Lara Beidler</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Quarterlife-Crisis: Zwischen Druck, Zweifel und „Was jetzt?“]]></title>
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		<updated>2026-06-18T11:59:27Z</updated>
		<published>2026-06-18T11:59:27Z</published>
		<category scheme="https://www.unipress.at/" term="Gesellschaft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Zwanzig sein heißt heute nicht automatisch unbeschwert sein. Zwischen Zukunftsangst, Selbstzweifeln und Social-Media-Vergleichen steckt die Quarterlife-Crisis oft mitten im Alltag junger Erwachsener. Viele verfolgen ja irgendwie ähnliche Ziele im Leben:&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/quarterlife-crisis-zwischen-druck-zweifel-und-was-jetzt/"><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Zwanzig sein heißt heute nicht automatisch unbeschwert sein. Zwischen Zukunftsangst, Selbstzweifeln und Social-Media-Vergleichen steckt die Quarterlife-Crisis oft mitten im Alltag junger Erwachsener. </span></div>
<p><span id="more-22236"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Viele verfolgen ja irgendwie ähnliche Ziele im Leben: erst mal einen guten Schulabschluss machen, dann einen Studien- oder Ausbildungsplatz finden und später einen Job haben, der einem Spaß macht und von dem man auch leben kann. Aber was ist eigentlich, wenn genau dann, kurz bevor man es geschafft hat, plötzlich Zweifel kommen? Wenn man unsicher wird und irgendwie die Motivation verliert?</span></p>
<h3><b>Die besten Jahre – oder die verwirrendsten?</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Zwanziger gelten eigentlich als die besten Jahre des Lebens. Für viele fühlt sich diese Phase jedoch alles andere als unbeschwert an. Die sogenannte Quarterlife-Crisis beschreibt genau dieses Gefühl. Eine Phase voller Zweifel, Verunsicherung und Ungewissheit darüber, wie es weitergehen soll. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Man kann die Krise am besten mit einer Midlife-Crisis vergleichen, nur tritt sie nicht mit 50 auf, sondern in den mittleren Zwanzigern. Plötzlich tauchen große Fragen auf: Was will ich eigentlich? Und wohin soll mein Weg führen? Viele fühlen sich in dieser Phase unruhig, schlafen schlechter, machen sich Sorgen um die Zukunft und wissen oft nicht so richtig, wo sie gerade stehen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dinge, die vorher klar waren, wirken auf einmal unsicher. </span><span style="font-weight: 400;">Dazu kommt der Druck, einen Job zu finden, der sowohl finanziell stabil ist als auch Spaß macht, und das ständige Vergleichen mit anderen auf Social Media.</span></p>
<h3><b>Warum Social Media die Krise verstärkt</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Wecker klingelt, der erste Griff geht gleich zum Handy. Und wenn wir ehrlich sind, bleibt es selten nur bei ein paar Minuten. Studien zeigen, dass wir heutzutage im Durchschnitt über sechs Stunden an Bildschirmzeit pro Tag haben. Kein Wunder also, dass das, was wir dort sehen, uns unbewusst so stark prägt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dabei vergessen wir leider zu oft, dass soziale Medien meist nur die Highlights zeigen. Unsicherheiten, Zweifel oder Rückschläge bleiben oft unsichtbar. Gleichzeitig ist das Handy ständig präsent: in der Bahn, zwischendurch, abends im Bett. Man kommt kaum noch zur Ruhe, weil immer neue Eindrücke dazukommen. Diese Dauerbeschallung kann schnell überfordern und verstärkt das Gefühl, nicht genug zu sein oder sich endlich entscheiden zu müssen. Vielleicht würde es schon helfen, das Handy öfter bewusst wegzulegen und sich wieder mehr auf den eigenen Weg zu konzentrieren. </span></p>
<h3><b><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter  wp-image-22237" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-scaled.jpg" alt="" width="522" height="348" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/RDNE-Stock-project-on-pexels-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 522px) 100vw, 522px" /></b></h3>
<h3><b>Warum die Krise auch eine Chance sein kann</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Allerdings bedeutet die Quarterlife Crisis nicht das Ende. Sie kann auch eine Zeit sein, in der man viel über sich selbst lernt und langsam herausfindet, wie man mit Entscheidungen besser umgehen kann. Dabei wird deutlich, dass Lebenswege selten geradlinig verlaufen und Umwege völlig in Ordnung sind.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Nicht jeder findet sofort den „richtigen“ Weg. Manche brauchen einfach länger, um herauszufinden, was für sie passt. Dinge ausprobieren gehört genauso dazu wie mal Zweifel zu haben. Ich habe gelernt, dass es hilft, sich nicht so unter Druck zu setzen und zu wissen, dass man nicht immer alles sofort entscheiden</span><span style="font-weight: 400;"> muss. Gerade wichtige Entscheidungen brauchen Zeit.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Hier noch ein paar Tipps zum Überbrücken der Quarterlife Crisis:</span></p>
<ol>
<li><b>Sprich über deine Sorgen:</b><span style="font-weight: 400;"> Reden hilft oft mehr, als man denkt. Egal, ob es um Zukunftsängste oder kleine Probleme im Alltag geht, Freund:innen hören zu und zeigen dir, dass du damit nicht alleine bist.</span></li>
<li><b>Sei nachsichtig mit dir selbst: </b><span>Niemand trifft immer die „richtige“ Entscheidung. Fehler oder Umwege sind kein Scheitern, sondern Erfahrungen, aus denen man lernen kann.</span></li>
<li><b>Vergleiche dich weniger mit anderen: </b><span style="font-weight: 400;">Gerade auf Social Media wirkt das Leben anderer oft perfekt. Aber die Realität ist immer anders. Konzentriere dich lieber darauf, was dir wichtig ist und was sich für dich richtig anfühlt.</span></li>
<li><span style="font-weight: 400;"><b>Nimm dir bewusst Zeit für dich: </b><span>Mach irgendwas, was dir Spaß macht oder lass einfach mal alles liegen. Du könntest laufen gehen oder eine Serie schauen. Danach fühlst du dich gleich wieder ein bisschen fitter und klarer im Kopf. </span><br />
</span><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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		<author>
			<name>Elena Rieger</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Was du heute kannst besorgen…]]></title>
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		<id>https://www.unipress.at/?p=22227</id>
		<updated>2026-06-10T10:25:55Z</updated>
		<published>2026-06-10T10:25:55Z</published>
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		<summary type="html"><![CDATA[<p>Viele Aufgaben bleiben liegen, weil der Anfang eine Entscheidung erfordert, die gern aufgeschoben wird. Was daraus wird, heißt Prokrastination: Planen, Prüfen und Perfektionieren. Dann schauen wir weiter. Ich habe lange&#8230;</p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.unipress.at/gesellschaft/was-du-heute-kannst-besorgen/"><![CDATA[<div class="subtitle_up">Viele Aufgaben bleiben liegen, weil der Anfang eine Entscheidung erfordert, die gern aufgeschoben wird. Was daraus wird, heißt Prokrastination: Planen, Prüfen und Perfektionieren. Dann schauen wir weiter.</div>
<p><span id="more-22227"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Text beginnen soll – so lange, dass das eigentliche Problem bereits im Raum stand, bevor der erste Satz existierte. Statt zu schreiben, habe ich mich vorbereitet, optimiert, mental eingestimmt und dabei eine gewisse Ausdauer darin entwickelt, genau das zu vermeiden, was ich eigentlich tun wollte. Prokrastination ist in meinem Studienalltag kein Ausrutscher, sondern ein erstaunlich stabiles System, und je länger ich sie beobachte, desto deutlicher wird: Es geht weniger um Zeitmanagement als um Entscheidungsfindung – oder genauer gesagt um die Kunst, Entscheidungen so lange hinauszuzögern, bis sie sich von selbst erledigen. Was sie natürlich nie tun. </span></p>
<h3>Vielleicht morgen?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine Woche vor Redaktionsschluss. Ich neige dazu, das Aufschieben sehr ernst zu nehmen: Wenn ich schon prokrastiniere, dann gründlich. Ich recherchiere, ich strukturiere, ich öffne Dokumente, um sie wieder zu schließen und entwickle dabei das beruhigende Gefühl, mich dem Schreiben zumindest konzeptionell zu nähern. Tatsächlich ist das eine ziemlich elegante Selbsttäuschung, denn sie erlaubt mir, beschäftigt zu sein, ohne mich festlegen zu müssen. Und genau darin liegt der Reiz: Solange ich nicht anfange, kann ich auch nichts falsch machen – eine Logik, die kurzfristig hervorragend funktioniert und langfristig zuverlässig scheitert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Psychologie ist an dieser Stelle recht unsentimental und nimmt mir jede Ausrede mit professioneller Gelassenheit auseinander: Prokrastination hat weniger mit Faulheit zu tun als mit Emotionsregulation und ist auf ihre Art und Weise ein sehr konsequenter Umgang mit Entscheidungen – nur eben ein unproduktiver. Man schiebt nicht auf, weil man grundsätzlich nichts tun will, sondern um sich vor dem unangenehmen Gefühl zu drücken, das mit dem Anfangen einhergeht – dieser Mischung aus Unsicherheit und dem Verdacht, dass der erste Satz wahrscheinlich nicht gleich von epochaler Genialität sein wird. Dass dieses Gefühl verschwindet, sobald man ins Tun kommt, ist bekannt; dass man trotzdem nichts tut, leider auch.</span></p>
<h3>Los jetzt, aber wie?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Drei Tage vor der Deadline. Mein eigentliches Problem ist selten die Aufgabe selbst, sondern die Frage, wie ich sie beginne. </span><i><span style="font-weight: 400;">Schreibe einen Artikel über Prokrastination.</span></i><span style="font-weight: 400;"> Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen, mögliche Einstiege zu formulieren, sie gedanklich zu verwerfen und durch neue zu ersetzen, die ich ebenfalls nicht schreibe. Es ist ein bemerkenswert produktiver Stillstand: Ich treffe Entscheidungen, ohne sie umzusetzen, und halte mir so alle Optionen offen – ein Zustand, der sich intellektuell anspruchsvoll anfühlt, praktisch aber nichts hervorbringt. Der erste Satz ist deshalb weniger ein Anfang als ein Abschied von allen anderen möglichen ersten Sätzen. Und Abschiede schiebe ich offenbar gerne auf. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-22229 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-scaled.jpg" alt="" width="660" height="440" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-2-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></span></p>
<div class="bildunterschrift">Hier sollte ich schreiben. Tue es aber (noch) nicht. (Quelle: Elena Rieger)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Das ist kein individuelles Talent, sondern ein gut dokumentiertes Phänomen. In der Entscheidungsforschung wird beschrieben, dass eine große Auswahl nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führt, sondern oft genau das Gegenteil bewirkt: Aufschub oder komplette Vermeidung. Genauer gesagt „Choice Overload”, also eine Überforderung durch Möglichkeiten, bei der jede zusätzliche Option nicht als Gewinn, sondern als kognitive Belastung wirkt. Je mehr Varianten zur Verfügung stehen, desto stärker tritt ein paradoxes Kalkül in Kraft: Man wägt länger ab, antizipiert mögliche Fehlentscheidungen und verliert sich in hypothetischen Alternativen, bis die eigentliche Entscheidung zur größten Hürde wird. Prokrastination ist in diesem Sinne keine Verweigerung, sondern eine Art Strategie: Solange man nichts entscheidet, kann man sich auch nicht falsch entscheiden.</span></p>
<h3>Passt das so?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Vierundzwanzig Stunden vor der Deadline. Ein weiterer, weniger schmeichelhafter Grund für mein Aufschieben ist der Anspruch, dass das Ergebnis gut sein soll, idealerweise sofort. Ich hätte diesen Text gerne in einer Version begonnen, die bereits halb fertig wirkt, was ungefähr so realistisch ist wie ein leerer Kühlschrank, der sich von selbst füllt, wenn man lange genug davor steht. Dieser Anspruch ist nicht laut oder dramatisch, eher ein stiller Begleiter, der sich bei jedem Gedanken einmischt und fragt, ob das schon reicht – und genau dadurch verhindert, dass etwas vollendet wird, das reichen könnte. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Forschung nennt das dysfunktionalen Perfektionismus, ich nenne es einen sehr höflichen Saboteur. Er tritt nicht aggressiv auf, sondern argumentiert sachlich: „Vielleicht noch nicht anfangen, vielleicht erst, wenn alles passt.“ Die Schwierigkeit ist nur, dass „Alles passt!“ ein Zustand ist, der sich hartnäckig weigert, vor dem Loslegen einzutreten. Genau darin liegt sein Effekt, denn er verschiebt den Maßstab vom Fortschritt zur Fehlervermeidung. Dieser Typ Perfektionismus geht weniger mit besseren Ergebnissen als mit einer höheren Aufschieberate einher, weil er den Einstieg blockiert und Handlung durch Abwägung ersetzt. „Gut“ wird dabei zu einer Art beweglichem Ziel, das sich immer ein Stück weiter entfernt, sobald man sich ihm nähert – und deshalb unerreichbar bleibt, solange man nicht trotzdem beginnt. </span></p>
<h3>Was wäre da noch?</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Sechzig Minuten vor der Deadline. In einer spontanen Befragung einiger Kommiliton:innen, die ich – konsequent – ebenfalls aufgeschoben habe, zeigen sich ähnliche Muster. Oft wird erwähnt, dass man Aufgaben nicht beginnt, weil man nicht weiß, wie man anfangen soll; weil man befürchtet, das Ergebnis könnte nicht gut genug sein; oder weil man sich darauf verlässt, unter Zeitdruck produktiver zu werden. Letzteres wird mit einer Sicherheit vorgetragen, die beeindruckend ist, wenn man bedenkt, wie oft sie der eigenen Erfahrung widerspricht. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auffallend sind weniger die Begründungen als die Selbstverständlichkeit des Prokrastinierens. Die „Aufschieberitis” wird nicht als Problematik beschrieben, sondern als Teil des studentischen Alltags, fast wie ein inoffizielles Modul im Studium, das Dutzende belegen, ohne sich angemeldet zu haben. Auch der Zeitdruck gehört offenbar bereits zum Konzept: Er ist nicht nur Folge des Prokrastinierens, sondern wird fast einkalkuliert, als notwendiger Startschuss, der die Entscheidung ersetzt, rechtzeitig zu beginnen. Man kennt die Mechanismen, man erkennt sie bei anderen, und trotzdem wiederholt man sie selbst. Vielleicht, weil sie kurzfristig funktionieren und langfristig nur dann stören, wenn es zu spät ist, sie noch zu ignorieren. </span></p>
<h3><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-22230" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-scaled.jpg" alt="" width="2021" height="2560" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-scaled.jpg 2021w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-237x300.jpg 237w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-809x1024.jpg 809w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-768x973.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1213x1536.jpg 1213w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1617x2048.jpg 1617w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1920x2432.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-1170x1482.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/Foto-3-585x741.jpg 585w" sizes="(max-width: 2021px) 100vw, 2021px" /></h3>
<div class="bildunterschrift">Nicht ganz so entspannt, aber symbolisch: Prokrastination ist wie ein untätiges Dasitzen vor einem Meer aus Entscheidungen. (Quelle: Elena Rieger)</div>
<h3>Na geht doch!</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Nachts. Dreiundzwanzig Uhr irgendwas. Der Moment, in dem ich meinen Text tatsächlich beendet habe, war unspektakulär genug, um ihn fast zu übersehen: Ich habe schrittweise mit dem Schreiben angefangen, ohne mich bereit zu fühlen, ohne einen perfekten Plan und ohne die große Erwartung, dass es besonders geistreich wird. Rückblickend wirkt genau das wie der entscheidende Unterschied. Viele Strategien gegen Prokrastination setzen an dieser Stelle an und versuchen, Entscheidungen zu verkleinern, etwa indem man sich vornimmt, nur einen Absatz zu schreiben oder nur zehn Minuten zu arbeiten – was zunächst nach Selbsttäuschung klingt, aber erstaunlich effektiv ist. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Denn Motivation entsteht oft erst im Tun. Sobald man begonnen hat, wird aus der Angst vor dem Anfangen eine Entscheidung für das Weitermachen, und die fällt, zu meiner eigenen Überraschung, deutlich leichter. Das bedeutet nicht, dass Prokrastination verschwindet, aber sie verliert ihren größten Vorteil – die Kontrolle über den Anfang. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die sich fast widerwillig einstellt: So schwer war&#8217;s wirklich nicht. Dieser Artikel ist nicht trotz, sondern wegen der Aufschieberei entstanden. Sie hat ihn verzögert, aber auch strukturiert, hat mich gezwungen, meine eigenen Ausweichbewegungen zu beobachten und sie ernst genug zu nehmen, um darüber zu schreiben. Die Prokrastination verschiebt den Anfang, vergrößert den Druck und hält die Illusion aufrecht, dass später der bessere Zeitpunkt sei. In Wirklichkeit ist dieser Zeitpunkt erstaunlich belanglos: Er beginnt genau dort, wo man aufhört, ihn weiter nach hinten zu verschieben – idealerweise noch vor der Deadline.</span></p>
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