Weil für viele Studierende eine Psychotherapie kaum leistbar ist, bietet die Psychologische Studierendenberatung kostenlose Hilfe an. Dabei steht sie aber selbst zunehmend unter Druck.
Vier Angebotsbereiche
Die Psychologische Studierendenberatung ist eine Einrichtung des Bildungsministeriums, die es Studierenden ermöglicht, kostenlose und kompetente psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Angebot der PSB teilt sich in vier Bereiche. Für angehende Studierende wird Studienwahlberatung in Einzelgesprächen und an Schulen in Kleingruppen angeboten. Weiters bietet die PSB Coaching an, was etwa Workshops zu Lerntechniken, Zeitmanagement und anderen Soft Skills sowie Gruppenbetreuungen von Studierenden, die gerade an ihrer Abschlussarbeit schreiben, umfasst. Der dritte und vierte Bereich betrifft die Hilfe bei persönlichen Problemen – Beziehungskrisen, familiäre Probleme, Zukunftsperspektiven gehören zu den Themen, für welche die ausgebildeten Psychotherapeutinnen und -therapeuten der PSB ein offenes Ohr haben. Bei tiefergreifenden psychischen Problemen kommt der vierte Bereich ins Spiel: Die Psychotherapie. Von der PSB wird eine Kurztherapie angeboten, welche maximal ein Jahr dauert. Sollten Studierende weitere Betreuung benötigen, wird versucht, einen kassenfinanzierten Therapieplatz bei einer niedergelassenen Therapeutin oder einem Therapeuten zu finden.
Knappe Ressourcen
Soweit die Theorie. Studierende, die bereits versucht haben, das Angebot in Anspruch zu nehmen, kennen die Probleme: Einen Termin bei der psychologischen Studierendenberatung zu bekommen, ist meist nicht einfach und erfordert Geduld. Geduld ist in Ausnahmesituationen eine knappe Ressource, somit ergibt sich eine unbefriedigende Situation für alle Beteiligten. Warum ist das so?
Christian Schöpf ist klinischer Psychologe, Psychoanalytiker und Psychotherapeut. Er leitet die Beratungsstelle in Innsbruck. Im UNIpress-Telefoninterview erklärt er, dass das Bildungsministerium diese wichtige Institution seit Jahren immer weiter einschränke, indem Stellen nicht mehr nachbesetzt und Mittel gestrichen würden – obwohl der Bedarf immer weiter ansteige. Derzeit gäbe es in Innsbruck viereinhalb Therapeut:innenstellen, welche von sechs Personen besetzt würden. Viereinhalb Vollzeitstellen für mehr als 30.000 Studierende also – das entspricht in etwa dem Betreuungsschlüssel einer durchschnittlichen Jus-Vorlesung.
Wir schicken niemand weg.
Trotz dieser schwierigen Situation gelte aber, so Schöpf: „Wir schicken niemand weg“. Täglich würde ein neuer Beratungstermin für den Folgemonat auf der Website freigeschaltet, und auch per Mail könnten Termine vereinbart werden. In akuten Notsituationen sei auch ein Besuch ohne Termin möglich, und zusätzlich zu persönlichen Beratungsterminen bestünde auch ein Online-Angebot, wo Beratungen auch per Chat oder via Zoom durchgeführt werden können. Schöpf betont, dass die langen Wartezeiten auf Einzelberatungstermine auch darin begründet sind, dass die Qualität des Angebotes sehr hoch ist und viele Studierende auch über längere Zeit betreut würden.
Umgang mit dem ‘Trauma’ Covid
Auf die Frage, wie man mit psychischen Problemen umgehen soll, welche in Zusammenhang mit Pandemie und Lockdown auftreten, rät Schöpf, sich zunächst selbst zu fragen, wie es einem eigentlich ginge, die Ursachen für diese Gefühle zu ergründen und sich aktiv mit ihnen zu beschäftigen. Außerdem böte sich die Zeit des Zuhausebleibens an, sich selbst eine Tagesstruktur zu schaffen, und sich so selbst das Gefühl zu geben, nicht nur externen Faktoren ausgesetzt zu sein. Ähnlich wie bei der Verarbeitung von traumatischen Ereignissen solle man sich außerdem nach Möglichkeit nicht zu viel der Pandemie und den Nachrichten dazu aussetzen, und sich eine Beschäftigung suchen, welche einem Freude bereitet und Ablenkung verschafft. Verdrängen sei ein ganz gesunder Mechanismus, so Schöpf.
Die PSB kontaktiert man am besten per Mail an psycholog-studentenberatung@uibk.ac.at oder telefonisch unter +43/512/507 39601 (Mo-Fr 9-12, Mo-Do 13-15 Uhr). Weitere Informationen: studierendenberatung.at