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	<title>Marie Eisele, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>Wissenschaft mal anders: Dabei beim Pint of Science</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 08:25:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Beim Pint of Science präsentieren Wissenschaftler:innen ihre Forschungsergebnisse in Lokalen weltweit. Die Vorträge sind an alle gerichtet, Fachkenntnisse braucht man nicht. Zum fünften Mal fand das Festival heuer auch in Innsbruck statt. Unsere Redakteurin war an einem Abend dabei.</span></div>
<p><span id="more-22220"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Was haben ein wissenschaftlicher Vortrag und ein netter Abend in der Bar gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Das Wissenschaftsfestival </span><i><span style="font-weight: 400;">Pint of Science</span></i><span style="font-weight: 400;"> vereint jedoch genau diese Gegensätze. Seit 2013 wird komplexe wissenschaftliche Forschung für jeden verständlich präsentiert – in entspannter Atmosphäre in Bars und Cafés. In Innsbruck präsentieren Forschende seit 2022 jährlich im Mai ihre Ergebnisse.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">An diesem Dienstagabend gehören mein Freund und ich zum Publikum. Um kurz vor 19 Uhr steigen wir hinab in den Keller des </span><i><span style="font-weight: 400;">Cool Run Inn</span></i><span style="font-weight: 400;">, eines von sechs Lokalen, die in Innsbruck ihre Türen für die Wissenschaft öffnen. Das Kellergewölbe ist eng mit Stühlen vollgestellt, vorne hängt eine Leinwand. Das Publikum wirkt gelöst, entspannt, die meisten nippen an Getränken. Auch wir holen uns ein Bier und setzen uns auf zwei der wenigen noch freien Plätze in der ersten Reihe. Der Raum füllt sich immer mehr, bis fast jeder Platz belegt ist. Kein Wunder: Einige Events des diesjährigen Pint of Science waren schon Wochen vorher ausgebucht.</span></p>
<h3>Aus den Laboren in die Kneipen</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">2012 begann die Geschichte des Pint of Science mit dem Programm </span><i><span style="font-weight: 400;">Meet the Scientist</span></i><span style="font-weight: 400;">. Zwei Forschende aus London holten damals von Krankheiten wie Alzheimer oder Multipler Sklerose betroffene Menschen in die Labore, um ihnen die Forschung zu ihren Krankheiten näherzubringen. Dann kamen die Forschenden auf eine Idee: Anstatt die Menschen zu den Forschenden zu holen, könnte man die Forschenden zu den Menschen bringen. 2013 fand das erste Pint of Science Festival in drei englischen Städten statt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Heute beteiligen sich Wissenschaftler:innen und Lokale rund um die Welt am Pint of Science. Das Festival gibt es mittlerweile in über 500 Städten in 27 Ländern. In Innsbruck fanden in diesem Jahr vom 18. bis 20. Mai 17 verschiedene Veranstaltungen mit jeweils mehreren Vorträgen statt. Die Themengebiete reichten von Quantencomputern und Astrophysik über Gerichtsmedizin bis hin zu Analysen moderner Geschlechterdynamiken.</span></p>
<h3>Fesselnde Forschungsergebnisse</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei der Veranstaltung, die ich besuche, halten zwei Wissenschaftler von der Medizinischen Universität Innsbruck Vorträge über Krebsforschung. Laut der Website geht es um die Bewegung von Zellen im Körper und die Mechanik, die dahintersteckt. Mit Medizin kenne ich mich leider gar nicht aus und frage mich, wie viel ich überhaupt verstehen werde.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schnell stellt sich heraus, dass im Publikum viele Forschende und Universitätsangestellte sitzen, die in ähnlichen Gebieten forschen. Daneben gibt es einige Studierende. Nur eine Handvoll Zuschauer hat gar nichts mit der Uni zu tun. Trotz diesem fast schon Fachpublikum startet der Vortrag mit den absoluten Basics, bevor er tiefer in die Materie einsteigt. Mit Zeichnungen, Videos und Animationen ist er so verständlich und unterhaltsam wie möglich gestaltet – auch wenn meine Grundkenntnisse aus dem Biounterricht in der Schule mir schon sehr beim Verstehen helfen. Es geht darum, welche Strategien unsere Zellen nutzen, um sich im Körper zu bewegen, und wie diese Strategien von Krebszellen gekapert werden. Bald bin ich total gecatcht. Der Vortrag vergeht für mich wie im Flug. Am Ende gibt es noch viele Fragen aus dem Publikum.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Danach überraschen uns die Moderatorinnen mit einem Pub-Quiz. Kurz habe ich Sorge, dass jetzt geprüft wird, wie aufmerksam wir zugehört haben. Doch die Fragen beziehen sich gar nicht direkt auf den Vortrag. Es geht um die Geschichte des Pint of Science und menschliche Biologie. Dazu gibt es Rätsel, die man eher in einem Kindermagazin als bei einem Pub-Quiz erwarten würde. Unsere Gruppe landet im Mittelfeld – was noch ein gutes Ergebnis ist, wenn man bedenkt, dass die Forscher selbst auch mitgemacht (und gewonnen) haben.</span></p>
<div class="bildunterschrift"><i><span style="font-weight: 400;"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-22225 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-1024x625.jpeg" alt="" width="1024" height="625" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-1024x625.jpeg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-300x183.jpeg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-768x468.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-1170x714.jpeg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800-585x357.jpeg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/06/WhatsApp-Image-2026-05-28-at-10.24.20-1-e1780589041800.jpeg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Zwischen den Vorträgen gibt es ein Pub-Quiz. Einige Fragen sind schwer, andere sehr leicht zu beantworten. (</span></i><span style="font-weight: 400;">Bild: Marie Eisele)</span></div>
<h3>Der Wert von Grundlagenforschung</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Nach einer kurzen Pause folgt der zweite Vortrag. Er dreht sich darum, wie Proteine in unseren Zellen hergestellt und transportiert werden und wie man in diese Prozesse eingreifen kann, um Krebs zu bekämpfen. Der vortragende Professor erzählt dabei viel von seiner eigenen Forschungskarriere, in der er mit Grundlagenforschung begann und später fast zufällig auf einen praktischen Nutzen seiner Forschung in der Krebsbekämpfung stieß. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Ende spricht er ein starkes Plädoyer dafür aus, Dinge zu erforschen, auch wenn ihr Nutzen nicht direkt ersichtlich ist. Die Fragen des Publikums hören nach dem Vortrag gar nicht mehr auf. Es geht viel um den Wert von Grundlagenforschung angesichts einer Politik, die der Meinung zu sein scheint, jede Forschung müsse immer eine direkte Anwendung haben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als wir das Lokal verlassen, dröhnt mein Kopf zugegebenermaßen ein wenig von den vielen neuen Informationen. Gleichzeitig bin ich begeistert, dass so viel komplexe Forschung in zwei recht einfache Vorträge verpackt wurde. Über die Message des zweiten Vortrags denke ich noch lange nach. Genau das ist ein Ziel des Pint of Science: Forschung und ihre gesellschaftlichen Implikationen sichtbar machen und zum Nachdenken anregen.</span></p>
<h3>Fazit: Es lohnt sich</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Pint of Science hat mich in ein Thema eingeführt, von dem ich sonst höchstwahrscheinlich nie etwas erfahren hätte. Anders als erwartet habe ich mich in keiner Weise wie in einer Vorlesung gefühlt. Stattdessen konnte ich einfach mal in einem entspannten Rahmen etwas Neues lernen. Nächstes Jahr findet der Pint of Science vom 10. bis 12. Mai statt, auch in Innsbruck. Ich kann allen empfehlen, hinzugehen, sich auf ein unbekanntes Thema einzulassen – und Wissenschaft mal anders zu erleben.</span></p>
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		<title>Innsbruck feiert den Journalismus mit spannendem Programm</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2026 11:02:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Vom 8. bis 10. Mai findet in Innsbruck wieder das Journalismusfest statt. Über 80 vielfältige Veranstaltungen zu aktuellen Themen locken an mehr als 20 Standorten im Stadtzentrum. Der Eintritt ist fast immer frei.</span></div>
<p><span id="more-22173"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Von Freitag, 8. Mai bis Sonntag, 10. Mai verwandelt sich Innsbruck in einen Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs. Journalist:innen aus aller Welt geben Einblick in ihre Arbeit und diskutieren mit Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen zu aktuellen Krisen und drängenden Fragestellungen. Unter den größtenteils kostenlosen Veranstaltungen sind daneben Lesungen, Live-Podcasts, Ausstellungen, Filmvorstellungen, ein Festival am Bozner Platz und vieles mehr.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dieses Jahr sind verschiedene bekannte Zeitungen wie der Standard oder die Süddeutsche Zeitung vertreten und geben zusammen mit einzelnen Journalist:innen Einblick in den journalistischen Arbeitsalltag. Außerdem geht es in den Veranstaltungen um Themen wie bedrohte Meinungsfreiheit, digitale Gewalt an Frauen und Berichte aus Palästina, dem Iran und der Ukraine. Mehrere Veranstaltungen drehen sich außerdem darum, wie die Trump-Ära die USA und die Welt verändert.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Schon am Freitag, 1. Mai liefert eine Open-Air-Kinovorstellung auf der Seegrube einen ersten Vorgeschmack. Gezeigt wird </span><i><span style="font-weight: 400;">La cordillera de los sueños</span></i><span style="font-weight: 400;">, ein Film über die bewegte politische Geschichte des chilenischen Anden-Massivs. Weitere Filmvorstellungen finden vom 8. bis 10. Mai verteilt im Treibhaus und im Cinematograph statt. Der Film </span><i><span style="font-weight: 400;">Escape for a Goal</span></i><span style="font-weight: 400;"> erzählt am 8. Mai im Treibhaus die Geschichte zweier afghanischer Fußballspielerinnen auf der Flucht vor der Taliban.</span></p>
<div id="attachment_22174" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-22174" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-22174" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/04/cDaniel-Jarosch-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-22174" class="wp-caption-text">Bild: Daniel Jarosch</p></div>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">Beim Journalismusfest ist von Diskussionen zu aktuellen politischen Themen bis hin zu Filmen und Konzerten für jede:n etwas dabei. </span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Am Samstag und Sonntag führen Stadtspaziergänge Interessierte an spannende Orte in Innsbruck. Zwei Ausstellungen zeichnen Lebensrealitäten im Libanon und in Russland nach. Einen Höhepunkt bildet am Samstag, 9. Mai um 21 Uhr der Auftritt der russischen Punk-Rock-Band </span><i><span style="font-weight: 400;">Pussy Riot </span></i><span style="font-weight: 400;">im Treibhaus </span><span style="font-weight: 400;">–</span><span style="font-weight: 400;"> ein Mix aus </span><span style="font-weight: 400;">Konzert, Kundgebung und Theater</span><span style="font-weight: 400;">. Tickets gibt es im Vorverkauf um 25 Euro.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei den über 80 Veranstaltungen ist für alle etwas dabei, die sich für Journalismus oder aktuelle politische und gesellschaftliche Themen interessieren. Zum Programmheft geht es </span><a href="https://www.journalismusfest.org/wp-content/uploads/2026/04/folder_journalismusfest_2026_web.pdf"><span style="font-weight: 400;">HIER</span></a><span style="font-weight: 400;">. Die </span><a href="https://www.journalismusfest.org/"><span style="font-weight: 400;">WEBSITE</span></a><span style="font-weight: 400;"> liefert einen Überblick über Veranstaltungsorte und Mitwirkende. Klare Empfehlung der UNIPress-Redaktion: Hingehen und mitfeiern! </span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Gleich und doch ganz verschieden: Innsbrucker Studierendenleben 1925 vs. 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 16:21:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie studierte es sich vor 100 Jahren in Innsbruck? Zwischen Studentenheim, Skiverrücktheit und Burschenschaften war damals einiges anders für die Studierenden – und einiges erstaunlich ähnlich. Vor hundert Jahren saßen&#8230;</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/campus/gleich-und-doch-ganz-verschieden-innsbrucker-studierendenleben-1925-vs-2025/">Gleich und doch ganz verschieden: Innsbrucker Studierendenleben 1925 vs. 2025</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Wie studierte es sich vor 100 Jahren in Innsbruck? Zwischen Studentenheim, Skiverrücktheit und Burschenschaften war damals einiges anders für die Studierenden – und einiges erstaunlich ähnlich.</span></div>
<p><span id="more-21953"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Vor hundert Jahren saßen die Studierenden in denselben Räumen wie heute. Zum Teil hatten sie die gleichen Sorgen wie wir heute und verbrachten ihre Freizeit ähnlich. Trotzdem würden wir uns kaum in ihrer Welt zurechtfinden. Nicht nur die Studiengänge und die Geschlechterverteilung, auch das unter Studierenden verbreitete Gedankengut haben sich im letzten Jahrhundert stark gewandelt.</span></p>
<h3>Philosophen überall</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">1925 gab es nur vier Fakultäten an der Universität Innsbruck, die damals die einzige Uni in Innsbruck war: Theologie, Rechts- und Staatswissenschaften, Medizin und Philosophie. Die meisten Studienfächer, die wir heute kennen, waren damals in der philosophischen Fakultät untergebracht. Wer Psychologie, Geschichte, Physik, Germanistik, Geologie oder Chemie – um nur eine Auswahl zu nennen – studierte, war vor einhundert Jahren also irgendwie auch eine Philosophin oder ein Philosoph.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Insgesamt waren 1925 ungefähr 2000 Studierende in Innsbruck eingeschrieben – mehr als je zuvor. Heute sind es etwa 18-mal so viele, wenn man alle Universitäten und Fachhochschulen zusammenrechnet. Vor hundert Jahren war Studieren für viele teurer als heute: Alle mussten eine Gebühr zwischen umgerechnet und auf die heutige Kaufkraft angepasst 57 und 106 Euro pro Semester bezahlen, die Studierendenvertretung wollte noch zusätzliches Geld. Heute zahlt man an der Uni Innsbruck innerhalb der Regelstudienzeit als EU-Bürger:in gar keine Studiengebühren, nur den ÖH-Beitrag.</span></p>
<h3>Frau studiert</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Seit 1897 durften Frauen in Innsbruck studieren, doch erst nach dem Ersten Weltkrieg standen ihnen alle Studiengänge offen. 1925 waren etwa zwölf Prozent der Innsbrucker Studierenden Frauen. „Wir wurden nicht gerade benachteiligt, aber es war eine gewisse Spannung schon da“, zitiert eine Doktorarbeit aus den 1980er-Jahren eine Frau, die in den Zwanzigern in Innsbruck Medizin studierte. Häufig sei auch die Frage gestellt worden, wozu sich das Studium als Frau überhaupt lohne, da Frauen sich später auf ihre Aufgaben als Ehefrau und Mutter konzentrieren sollten und die Berufsaussichten für studierte Frauen schlecht waren. Die Uni war immer noch sehr männlich dominiert: Beispielsweise gab es keine einzige weibliche Lehrende in Innsbruck – das sollte noch fünfzehn Jahre dauern. Heute studieren in Innsbruck mehr Frauen als Männer.</span></p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-21954 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/640px-Innrain_52_IMG_2559.jpg" alt="" width="640" height="400" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/640px-Innrain_52_IMG_2559.jpg 640w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/640px-Innrain_52_IMG_2559-300x188.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/640px-Innrain_52_IMG_2559-585x366.jpg 585w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></div>
<div></div>
<div></div>
<div></div>
<div class="bildunterschrift">1924 wurde das neue Universitäts-Hauptgebäude am Innrain eröffnet. (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<div></div>
<h3><strong>„Preis für einen Hörer acht Schilling monatlich“</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die herrschende Wohnungsnot haben viele Innsbrucker Studierende in den letzten Jahren am eigenen Leib zu spüren bekommen. Lange Wartelisten, kleine Zimmer, überteuerte Mieten – in Innsbruck muss man einiges in Kauf nehmen, um zum Semesterstart nicht ohne Wohnung dazustehen. Auch vor hundert Jahren bereitete die Wohnungssuche vielen Erstsemestrigen Kopfzerbrechen. Damals gab es nur ein Wohnheim in Innsbruck, es stand an der Stelle des heutigen Geiwi-Turms und bot hundert männlichen Studenten Platz. Acht Schilling kalt kostete ein Bett dort monatlich, das wären heute etwa 39 Euro. Dass hundert Plätze bei 2000 Studierenden nicht gerade viel sind, kann man sich denken. Wer nicht das Glück hatte, bei seinen Eltern wohnen bleiben zu können oder bei Verwandten unterzukommen, musste sich anderswo ein Zimmer suchen – entweder bei Studentenverbindungen oder privat. Private Zimmer waren oft zugige Kämmerchen zur Untermiete, für die gerne mal umgerechnet 150 Euro Miete verlangt wurde. Die Mitbewohner:innen von heute waren damals meist Zimmergenoss:innen: Sowohl im Wohnheim als auch außerhalb wurden die Zimmer häufig von zwei oder drei Studierenden geteilt.</span></p>
<h3><strong>„Bergstock und Ski“</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">„Vielleicht zwitschert gar ein Vöglein manchmal eine Melodei dazwischen von weißem Schnee und braunem Gefels, von blauem Himmel und goldenem Sonnenschein“ – so wurde schon vor hundert Jahren über den Entscheidungsprozess von auswärtigen Studierenden geschrieben, die es nach Innsbruck zog. Dass Studierende „wegen der Berge“ nach Tirol kommen, ist kein neues Phänomen. Im Universitätskalender des Studienjahres 1925/26 findet sich eine ganze Abhandlung zum Thema Wandern und Skifahren in Innsbruck. Schon damals liebten es die Studierenden, an den Wochenenden das Lernen sein zu lassen und zu Fuß oder auf Skiern auf die umliegenden Gipfel zu steigen und auch ohne Skilift lange Abfahrten zu genießen. Im Sommer schien die Stadt damals wie heute überfüllt mit Bergsportlern: „In Innsbrucks Straßen sind Nagelschuh und Rucksack schier zu Alleinherrschern geworden”, heißt es im Universitätskalender 1925/26 über den Monat August. </span></p>
<div><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-21957" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351.jpg" alt="" width="1236" height="1600" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351.jpg 1236w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-232x300.jpg 232w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-791x1024.jpg 791w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-768x994.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-1187x1536.jpg 1187w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-1170x1515.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/Skifahrer-e1767974053351-585x757.jpg 585w" sizes="(max-width: 1236px) 100vw, 1236px" /></div>
<div class="bildunterschrift">Schon vor hundert Jahren war Skifahren unter Studierenden beliebt. (Bild: Innsbruck Universitätskalender für das Studienjahr 1926/27)</div>
<div></div>
<h3>Mensa Academica</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">75 Groschen das Mittagessen, 35 das Abendessen – diese Preise von 3,60 Euro und 1,70 Euro für jeweils Suppe und Hauptgang können sich Studierende heute nur erträumen. Bedürftige Studierende konnten vor hundert Jahren halbe oder ganze „Freiplätze“ in der Mensa beantragen, für die sie kostenloses oder reduziertes Essen bekamen. Da die Freiplätze nicht ausreichten und die Universität selbst finanziell nicht gut genug aufgestellt war, um noch mehr anzubieten, schrieb der damalige Rektor sogar einen Brief an mehrere Innsbrucker Gasthöfe, in dem er diese darum bat, ein oder zwei Studierende umsonst zu verpflegen. Allerdings erklärte sich nur ein Gasthof dazu bereit. Die Universität riet trotzdem davon ab, in Gemeinschaftsküchen günstigere Preise zu suchen, „da die Zusammensetzung der Speisen unverhältnismäßig minderwertig“ sei.</span></p>
<h3>Ab in die neue Bib</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">1924 bezog die Universität das neue Hauptgebäude am Innrain zwischen dem heutigen Geiwi-Turm und dem Ágnes-Heller-Haus. Im selben Jahr wurde in der Nähe das neue Bibliotheksgebäude eröffnet, beschrieben als „ein modernes, allen Anforderungen einer großen Bücherei entsprechendes Haus“. Der historische Lesesaal sieht heute noch so aus wie vor hundert Jahren. Bis in die Nacht hinein dort zu büffeln, war für die Studierenden nicht drin: Der Lesesaal hatte 1925 nur von 9-12 und 14-18 Uhr geöffnet.</span></p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-21958" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal.jpg" alt="" width="1600" height="1200" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal.jpg 1600w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-1024x768.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-1536x1152.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-1170x878.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/historischer_lesesaal-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" />Der historische Lesesaal sieht heute immer noch so aus wie vor hundert Jahren. (Bild: Marie Eisele)</div>
<div></div>
<h3>Studierendenvertretung für Ausgewählte</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die wichtigste studentische Vereinigung war in den 1920er-Jahren die „Deutsche Studentenschaft der Universität Innsbruck“. Ähnlich wie heute die ÖH vertrat die Deutsche Studentenschaft die Studierenden gegenüber der Universität und der Politik. Vergleichbar mit der heutigen Zeit war auch das Wahlsystem. Es wurde sogar häufiger als heute, nämlich jedes Jahr ein neuer Vorstand gewählt. Anders als bei der ÖH waren aber nicht alle Studierenden automatisch Mitglied – und nicht alle konnten Mitglied werden. „Die Deutsche Studentenschaft der Universität Innsbruck umfasst alle Studenten deutscher Abstammung und Muttersprache“, heißt es im Universitätskalender 1925/26. Jüdinnen und Juden, Studierende aus dem nicht-deutschen Ausland und andere Minderheiten waren von der Studentenschaft ausgeschlossen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ortsgruppen der Deutschen Studentenschaft gab es in ganz Österreich und Deutschland, und es war der Vereinigung ein Dorn im Auge, dass es zwei verschiedene Länder waren. Die Deutsche Studentenschaft sprach sich für den sogenannten </span><span style="font-weight: 400;">„</span><span style="font-weight: 400;">Anschluss</span><span style="font-weight: 400;">“</span><span style="font-weight: 400;"> Österreichs an Deutschland aus, auch die Universität selbst vertrat diesen Standpunkt. Viele Studierende aus Deutschland, die in Innsbruck studierten, gaben damals an, „den bedrängten Volksgenossen“ am Rande des „deutschen“ Gebiets „in ihrem Kampfe beistehen“ zu wollen.</span></p>
<h3><strong>„Auf dem Rassenstandpunkt“</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Nicht nur die Deutsche Studentenschaft, auch die Universität Innsbruck betrieb in den 1920er-Jahren politische und rassistische Auslese. Es war zwar gesetzlich nicht möglich, jüdischen Studierenden mit österreichischer Staatsbürgerschaft den Eintritt in die Uni zu verwehren. Trotzdem wurde unter anderem von der Deutschen Studentenschaft mehrfach gefordert, die Universitätsordnung so zu ändern, dass alle „rassenfremden“ Studierenden oder Lehrenden von der Uni ausgeschlossen werden würden.</span></p>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-21955" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck.jpg" alt="" width="1049" height="427" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck.jpg 1049w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck-300x122.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck-1024x417.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck-768x313.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2026/01/SC_zu_Innsbruck-585x238.jpg 585w" sizes="(max-width: 1049px) 100vw, 1049px" />Zwei der Innsbrucker Studentenverbindungen (Bild: Wikimedia Commons)</div>
<div></div>
<div><span style="font-weight: 400;">Wer 1925 in Innsbruck studierte, kam an den vielen Studentenverbindungen und Burschenschaften nicht vorbei. Wer als Nicht-Mitglied abends ausgehen wollte, musste aufpassen, nicht in ein Saufgelage in einer der vielen Stammkneipen zu stolpern. Jede Burschenschaft hatte ihre eigene Stammkneipe, ein Motto und bestimmte Farben, die sie trug. Ihre Aufnahmebedingungen waren mehr oder minder gleich. „Die Deutsche Burschenschaft steht auf dem Rassenstandpunkt“, schreibt eine, „nur deutsche Studenten arischer Abstammung werden aufgenommen.“ Juden und ausländische Studierende waren nirgendwo willkommen, auch nicht in scheinbar neutralen Vereinen wie dem Alpenverein oder dem akademischen Turnverein. Auch für Frauen war meist kein Platz in den Männerbünden, höchstens als sogenannte „Couleurdamen“ konnten sie zu Veranstaltungen eingeladen werden. Sie waren dann keine Mitglieder, sondern wurden als eine Art Schmuckstück einem männlichen Studenten zugewiesen. Daneben gab es einzelne Studentinnenverbindungen. Auch sie schrieben sich auf die Fahnen, „deutsche Ideale” und „Vaterlandsliebe” pflegen zu wollen.</span></div>
<div></div>
<h3>Nie wieder 1925</h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Die meisten Studierenden von heute würden sich im studentischen Leben vor hundert Jahren kaum wohlfühlen. Auch wenn billige Wohnheimplätze, günstiges Mensaessen und unverbaute Berghänge aus heutiger Sicht attraktiv scheinen, war es vor hundert Jahren vor allem eine Gruppe, die davon profitierte: männliche, politisch rechte Studenten aus Österreich und Deutschland. Frauen und vor allem Angehörigen von Minderheiten wurde es an der Universität absichtlich schwer gemacht. Heute ist die Innsbrucker Studierendenwelt glücklicherweise toleranter, vielseitiger und dank Programmen wie Erasmus auch deutlich internationaler. Zwar kämpfen Studierende damals wie heute mit Wohnungs- und Geldnot und zu kurzen Bibliotheksöffnungszeiten am Wochenende. Aber es ist nicht mehr notwendig, in eine Studentenverbindung einzutreten, um ein soziales Leben zu haben. Einige der Burschenschaften von damals existieren übrigens heute noch unter dem gleichen Namen und teilweise mit den gleichen patriotischen Wahlsprüchen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wohin die 1925 unter den Studierenden und dem Universitätspersonal verbreiteten rassistischen Ansichten geführt haben, wissen wir alle. Und genau, wie das Universitätsgebäude von damals noch steht, halten sich diese und ähnliche Ideen hartnäckig und erleben seit Jahren sogar wieder einen Aufschwung. Es ist an uns, dafür zu sorgen, dass Toleranz und Offenheit an den Innsbrucker Universitäten erhalten bleiben. Damit 2025 nicht zu 1925 wird.</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
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			</item>
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		<title>Angst, Machtlosigkeit, Verzweiflung: Was tun gegen politische Überforderung?</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/angst-machtlosigkeit-verzweiflung-was-tun-gegen-politische-ueberforderung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 13:49:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rechtsruck, Klimawandel, Kriege: Die Welt scheint im Dauerkrisenmodus. Viele fühlen sich angesichts der ständigen Schreckensmeldungen überfordert und ohnmächtig. Was dagegen helfen kann. Jeden Tag wird es schlimmer, wie es scheint:&#8230;</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Rechtsruck, Klimawandel, Kriege: Die Welt scheint im Dauerkrisenmodus. Viele fühlen sich angesichts der ständigen Schreckensmeldungen überfordert und ohnmächtig. Was dagegen helfen kann.</span></div>
<p><span id="more-21930"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Jeden Tag wird es schlimmer, wie es scheint: Wer im Moment die Nachrichten verfolgt, bekommt leicht das Gefühl, das Geschehen auf der Welt erreiche Tag für Tag einen neuen Tiefpunkt. Die politische Weltlage lässt einen sprachlos zurück. Kein Wunder, dass so viele sich hilflos und überfordert fühlen.</span></p>
<h3><b>Bin ich überfordert?</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Fühlst du dich traurig und antriebslos angesichts politischer Ereignisse? Oder bist du oft gereizt und wirst schnell wütend? Wirkt die Situation der Welt für dich aussichtslos und die aktuellen Krisen unüberwindbar?</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das sind typische Symptome von Überforderung:  Probleme und Aufgaben scheinen viel zu groß und unlösbar. An der politischen Situation kann man schnell mal verzweifeln. Auch Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit könnten darauf hindeuten, dass dich etwas überfordert. Pessimismus und Apathie hängen ebenfalls häufig damit zusammen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Tatsächlich fühlt sich die Entwicklung der Weltpolitik nicht nur unlösbar an, sie ist es für den Einzelnen faktisch auch. Ist man nicht gerade Politiker, gibt es kaum Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Schon gar nicht auf die Weltlage. Auch wenn es Optionen gibt, sich im kleineren Rahmen zu engagieren, ist man aufs große Ganze gesehen sehr machtlos. Das kann einen ganz schön fertig machen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ob es angesichts der politischen Lage auch bei dir zu diesen Gefühlen kommt, ist erst einmal Typsache. Wer sich gar nicht für Politik interessiert, wird sich auch jetzt nicht verzweifelt die Haare raufen. Jedoch wird es Menschen, die immer auf dem neuesten Stand bleiben wollen und mehrmals täglich Nachrichten konsumieren, schwerer fallen, damit klarzukommen. Auch reagieren manche Menschen sensibler als andere auf Nachrichten, die sie nicht unmittelbar selbst betreffen. Das hängt unter anderem mit Empathie zusammen.</span></p>
<h3><strong><b>In der Doomscrolling-Spirale </b></strong></h3>
<div class="bildunterschrift"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21931 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="437" height="291" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/fujiphilm-VgU5zIEy57A-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 437px) 100vw, 437px" /></div>
<div></div>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">Wer immer und überall Nachrichten liest, fühlt sich schnell überfordert </span><span style="font-weight: 400;">(Bild: unsplash/Fujiphilm)</span></div>
<div>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein hierzu passendes Phänomen, das in den letzten Jahren immer mehr in den Blick gerückt ist: Das sogenannte</span> <i><span style="font-weight: 400;">Doomscrolling</span></i><span style="font-weight: 400;">. Der Begriff bezeichnet das exzessive Konsumieren negativer Nachrichten im Internet, meist über längere Zeit am Stück. Besonders fies: Je mehr negative Nachrichten du dir anschaust, desto mehr schlägt dir der Algorithmus vor. Aus der Doom-Spirale wieder rauszukommen, ist gar nicht so einfach. Und auch die wenigen Menschen, die noch nie im Doomscrolling versunken sind, werden ständig mit Nachrichten konfrontiert: auf dem Bildschirm in der Tram, auf der Startseite von Suchmaschinen, auf jeder Social-Media-Plattform.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Steckt man einmal in der Überforderung fest, ist es schwer, wieder rauszukommen. Denn die Widerstandsfähigkeit ist kleiner als sonst, man reagiert viel stärker auf schlechte Nachrichten als normalerweise.Negative Gedanken und Überforderung nehmen noch mehr zu. Ein Teufelskreis. </span></p>
<h3><b>Reden, handeln, entspannen: 5 Tipps gegen Überforderung</b></h3>
<ol>
<li><strong>Austausch mit anderen</strong></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: 400;">Hand in Hand mit der Überforderung gehen häufig der Rückzug und die Vermeidung. Überforderte sprechen kaum über ihre Probleme. Das kennen wohl viele Menschen, die von Arbeit oder Studium überfordert sind, es kann aber auch bei politischer Überforderung vorkommen. Betroffene könnten beispielsweise versuchen, sich einfach nicht mehr für Politik und das Weltgeschehen zu interessieren und sich von Menschen zurückzuziehen, mit denen sie sich darüber austauschen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bei Überforderung ist das kein guter Ansatz. Die erzwungene Gleichgültigkeit ignoriert das Problem, ohne es zu lösen. Besser ist es, mit Freunden oder Familienmitgliedern über das politische Geschehen und die eigenen Gefühle zu sprechen. Ob Deep Talk oder Diskussion – sich jemandem zu öffnen, nimmt einen Teil der Last von den eigenen Schultern. Und nebenbei: Sich gemeinsam über die gleiche Sache aufzuregen, macht auch Spaß! </span></p>
<ol start="2">
<li><strong>       Zeit für Hobbys und Entspannung </strong></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Unistress kann es oft schwierig sein, sich Zeit für Dinge zu nehmen, die einem Spaß machen. Wer hat sich noch nie vorgenommen, die letzten Tage bis zum Klausurtermin 24/7 zu lernen und nichts anderes mehr zu machen? Gerade hier ist Ausgleich aber wichtig. Sei es skifahren, lesen, kicken oder stricken – alle paar Tage sollte man den Kopf ein wenig frei kriegen, damit der Stress nicht die Überhand gewinnt. Wer schon gestresst ist, dem schlagen nämlich auch schlechte Nachrichten viel eher auf den Magen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In diesem Kontext auch wichtig: aktives Chillen statt Prokrastination. Am besten, man behandelt seine Chill-Zeiten wie einen Punkt auf der To-Do-Liste. Dann fühlt man sich nicht schuldig dafür. Und wenn man es sich wirklich auf die Liste schreibt, gibt das Abhaken danach zusätzlich Dopamin! </span></p>
<ol start="3">
<li><strong>       Weniger und bewusster Nachrichtenkonsum</strong></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: 400;">Weniger Nachrichten verfolgen – das ist einfacher gesagt als getan. Wie soll man Nachrichten aus dem Weg gehen, wenn sie einem vor allem im Internet immer und überall begegnen? Hier kann es helfen, sich ein- bis zweimal am Tag aktiv mit den Nachrichten zu beschäftigen, beispielsweise morgens beim Frühstück Zeitung zu lesen und abends eine Nachrichtensendung zu gucken oder einen Podcast zu hören.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch seine Zeit auf Social Media einzuschränken, kann sehr hilfreich sein. Bei jungen Menschen unter 25 sind TikTok, Instagram und Co die wichtigste Nachrichtenquelle. Die Besonderheit: Aufgrund des Plattformformats ist es kaum möglich, Nachrichten vollumfänglich darzustellen. In TikToks oder Instagram-Reels werden oft nur Ausschnitte oder stark zusammengefasste Inhalte gezeigt. Und: Kurzvideos verleiten dazu, stundenlang immer weiter zu scrollen. Hört man endlich auf, bereut man oft die verlorene Zeit und hat gleichzeitig das Gefühl, dass alles auf der Welt noch viel schlimmer ist, als man vorher dachte. Besser, man sieht sich auf Social Media nur kurz Ausschnitte an und informiert sich bei seriösen Quellen. Leider ist es gar nicht so leicht, TikTok und Co hinter sich zu lassen – schließlich sind die Plattformen darauf ausgelegt, dich so lange wie möglich in der App zu halten.</span></p>
<ol start="4">
<li><strong>       Aktiv werden </strong></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: 400;">Zur Überforderung gesellt sich nicht selten ein Ohnmachtsgefühl. Mehr als wählen scheint man nicht tun zu können, um etwas zu verändern. Und selbst da stellt sich die Frage, was die eigene Stimme für einen Unterschied macht, unter Millionen von anderen. Doch es gibt Möglichkeiten, stärker am politischen Geschehen teilzunehmen. Man kann Petitionen unterschreiben, bei Demos mitlaufen oder sich in politischen Organisationen engagieren. Im Moment gibt es in Österreich und auch Deutschland besonders viele große Demonstrationen gegen rechts. In Innsbruck finden außerdem immer wieder Radldemos auf der Inntalautobahn statt. Wem das zu viel ist, der kann mit seiner Oma am Küchentisch einfach mal auf Augenhöhe über Politik reden. Das Ziel ist, etwas zu tun. Wer aktiv ist, fühlt sich nicht mehr so hilflos ausgeliefert. Gleichzeitig kann man sich mit Menschen austauschen, die sich ähnlich machtlos fühlen, wie man selbst, aber vielleicht Wege gefunden haben, damit umzugehen.</span></p>
<div id="attachment_21932" style="width: 528px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21932" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21932" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-scaled.jpg" alt="" width="518" height="345" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/duncan-shaffer-vyQiV31lq1Q-unsplash-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 518px) 100vw, 518px" /><p id="caption-attachment-21932" class="wp-caption-text">Demonstrieren kann gegen Hilflosigkeit angesichts der politischen Lage helfen. (Bild: unsplash/Duncan Shaffer)</p></div>
<ol start="5">
<li><strong>Sich Hilfe suchen</strong></li>
</ol>
<p><span style="font-weight: 400;">Bringt das alles nichts? Und auch mit der Zeit verschwindet die Überforderung nicht, sondern wird zu einem Dauerzustand? Dann gibt es gerade für Studierende viele Angebote, um professionelle Hilfe zu erhalten. Informieren kannst du dich auf der Website der Universität Innsbruck, wo du gleich eine Liste von Ersthelfenden sowie den Kontakt der psychologischen Studierendenberatung und weiterer Anlaufstellen findest.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wer 21 oder jünger ist, kann sich außerdem bei „Gesund aus der Krise“ anmelden. Mit dem Projekt werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dabei unterstützt, die aktuellen Krisen zu bewältigen. Wen die politische Lage mitnimmt, der ist hier genau richtig. Angeboten werden fünfzehn kostenfreie Stunden psychosozialer Unterstützung und Beratung. Wichtig: Du musst keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, um dich anzumelden, nur einen Wohnsitz in Österreich. </span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Superheldenfilme: Zwischen Kult und Krise</title>
		<link>https://www.unipress.at/kultur/superheldenfilme-zwischen-kult-und-krise/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 12:03:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch vor ein paar Jahren kam man kaum an ihnen vorbei: Superheldenfilme dominierten in den späten 2010ern die Kinos, lockten Millionen vor die Leinwand und brachten den Machern Milliarden ein.&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Noch vor ein paar Jahren kam man kaum an ihnen vorbei: Superheldenfilme dominierten in den späten 2010ern die Kinos, lockten Millionen vor die Leinwand und brachten den Machern Milliarden ein. Nun scheinen Marvel und Co. nach einigen Misserfolgen in der Krise zu stecken. Woran lag der Superhelden-Hype? Warum konnte er sich nicht halten? Und: Gibt es noch Hoffnung für den Superheldenfilm?</span></div>
<p><span id="more-21897"></span></p>
<p><strong><em>Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserer Printausgabe</em> <em>Vorbilder und Helden</em><i> im Sommersemester 2025.</i></strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Superheldengeschichten gibt es, seit es Menschen gibt. Unsere Mythen und Sagen sind voller Wesen mit übermenschlichen Kräften. Auch in der modernen Popkultur spielen Superhelden schon länger eine große Rolle: Der erste Superheldenfilm kam 1943 ins Kino. Seitdem werden die Comic-Helden regelmäßig zu Helden der Leinwand. In den frühen 2000er-Jahren wurden sie richtig beliebt: Vor allem die Marvel-Filmstudios machten Superheldenfilme zum Kult. Jahrelang brachten sie einen Kassenschlager nach dem anderen in die Kinos, und das alle paar Monate. Mit dem Erscheinen von „Avengers Endgame“ 2019 war der Superhelden-Hype auf seinem Höhepunkt angekommen: Das drei Stunden lange Epos voller Action und aufwendigen Special Effects wurde zum erfolgreichsten Film aller Zeiten.</span></p>
<h3><strong>Flacher Plot und tiefe Helden</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Superheldenfilme folgen meist dem gleichen Schema. Der Superheld – noch immer ist nur etwa eine von vier Superheld:innen weiblich – erhält seine Superkräfte durch einen Spinnenbiss, radioaktive Strahlung oder Ähnliches. Manchmal nutzt er auch seinen Verstand und sein Geld und baut sich seine Superkräfte selbst. Dann muss er lernen, sie zu kontrollieren und für das Gute einzusetzen, schließlich haben alle Helden das gleiche Ziel: Menschen beschützen und das Böse bekämpfen. Am Ende gibt es einen spektakulären Kampf gegen den Superschurken, aus dem der Held siegreich hervorgeht und die Welt rettet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Vorhersehbarkeit des inhaltlichen Grundgerüsts macht zwar einen Teil des Erfolges aus, ist aber nicht alles. Auch die visuellen Effekte und bekannten Schauspieler sind es nicht. Superheldenfilme sind gerade deshalb so beliebt, weil sie heutzutage mehr sind als schrille Kostüme und coole Sprüche. Die Helden sind menschlicher und ihre Geschichten komplexer. In neueren Filmen wird viel Wert darauf gelegt, die Superhelden trotz ihrer übermenschlichen Kräfte nahbar erscheinen zu lassen. Spiderman ist in der Schule ein Außenseiter, Iron Man hat Alkoholprobleme.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch die Geschichten sind komplexer geworden. Häufig spielt ein Moralkonflikt mit. „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ – trotzdem muss sich Spiderman der Tatsache stellen, dass er nicht alle retten kann. Batman bestraft diejenigen, die sich nicht ans Gesetz halten – und steht dabei selbst über dem Gesetz. Oder es gibt einen Identitätskonflikt, bei dem der Superheld zwischen seiner Existenz als Held oder als Privatperson wählen muss.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">bwohl sie immer menschlicher werden, sind Superhelden im Kern immer eines: moralisch gut. Sie setzen sich für das Allgemeinwohl ein, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – das sind Werte, die jeder unterschreiben würde. Und sie siegen am Ende immer. Zwar mit Gewalt, pazifistisch sind sie nicht, aber vielleicht befriedigen sie in uns trotzdem eine ganz grundlegende Sehnsucht nach dem Guten. Superhelden sind Vorbilder, „weil sie es schaffen, alle möglichen Krisen und Herausforderungen zu überstehen und zu überwinden“, sagt Felix Brinker, der an der Universität Hannover zu Superhelden forscht, im Corso-Podcast des Deutschlandfunks.</span></p>
<h3><strong>Das Super-Universum</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ein großer Faktor, der Superheldenfilme in den letzten Jahren so beliebt machte, ist die Cross-Promotion. Marvel meisterte in den 2010ern die Anspielung auf Figuren und Handlungsstränge in Filmen, die sich eigentlich um einen ganz anderen Helden drehen. So hatten Fans immer die Chance, Neues über ihren Lieblingshelden zu erfahren. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Cinematic Universe, in dem die Helden miteinander interagieren und Teams bilden können, sorgte außerdem dafür, dass jeder Film mehr oder weniger seinen Teil zur alles übergreifenden Handlung beitrug. So konnten Zuschauer keinen Film auslassen, wenn sie den nächsten verstehen wollten. Und schon hatte man bei jedem neuen Release volle Kinosäle.</span></p>
<h3><strong>Vom Hype zum Flop</strong><span style="font-weight: 400;"><br style="font-weight: 400;" /></span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Während zuvor allein der Name Marvel die Massen ins Kino lockte, floppten 2021 und 2022 erschienene Filme wie „Ant Man and the Wasp: Quantumania“ oder „The Marvels“. Warum hielt sich der Hype nicht? Was sorgte dafür, dass die Beliebtheit von Superheldenfilmen in den Jahren nach 2019 so stark abnahm? </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dem Superheldenfilm scheint das ehemalige Erfolgsrezept zum Verhängnis geworden zu sein. Ähnliche Plots, ähnliche Figuren, ähnliche Konflikte – den Zuschauern fehlen neue Ansätze. Hingegen wurde der Animationsfilm „Spider-Man: Across the Spiderverse“ dank seines unkonventionellen Konzepts von Zuschauern und Kritikern gefeiert und originellere Marvel-Serien wie „WandaVision“ waren auch nach dem Marvel-Flop erfolgreich.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch die steigende Wichtigkeit von Streaming-Diensten könnte man zum Teil verantwortlich machen. Vor allem seit Corona warten viele Menschen lieber auf den Release eines Films auf Disney+ und Co., anstatt im Kino viel Geld für Tickets auszugeben. Der Name Marvel oder DC allein reicht als Motivation nicht mehr aus.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Dazu kommt, dass die bekanntesten Superhelden immer mehr aus der Zeit gefallen wirken. Sie sind weiß, männlich und strahlen neben den aktuellen Krisen eine gewisse Naivität aus. Diversität gibt es noch wenig in der Superheldenbranche, auch wenn die Macher seit einigen Jahren daran arbeiten, diese zu stärken.</span></p>
<h3><strong>Neustart eines Genres</strong></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Ist der Superheldenfilm also tot? Das kann man so nun auch nicht sagen. Die großen Produktionsfirmen bereiten sich momentan auf einen Neuanfang vor, millionenschwere Projekte stehen in den Startlöchern. DC will diesen Sommer ein ganz neues Cinematic Universe aufbauen. Auch neue Avengers-Filme sind geplant. Mit den richtigen Ideen und frischen Ansätzen sollte es möglich sein, dass der Superheldenfilm auch die aktuelle Krise überwindet – so wie die Superhelden selbst, die nach jeder Niederlage wieder aufstehen.</span></p>
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		<title>Spin-off-Unternehmen: Wenn Forschung zur Geschäftsidee wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Dec 2025 13:44:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spin-offs sind Unternehmen, die sich aus der Arbeit von Studierenden und Forschenden an der Universität entwickeln. Die Universität Innsbruck gilt hier als Vorreiterin. Mitarbeitende des Innovationszentrums Inncubator und der Beteiligungsgesellschaft&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Spin-offs sind Unternehmen, die sich aus der Arbeit von Studierenden und Forschenden an der Universität entwickeln. Die Universität Innsbruck gilt hier als Vorreiterin. Mitarbeitende des Innovationszentrums Inncubator und der Beteiligungsgesellschaft Uni-Holding erklären, wie der Weg von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen gelingt.</div>
<p><span id="more-21885"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Stell dir vor, während deiner Arbeit an einem Forschungsprojekt für deine Abschlussarbeit erfindest du etwas ganz Neues. Etwas, das es so noch nie gab. Vielleicht hast du die Idee für einen 3D-Drucker, mit dem man ganze Brücken drucken kann oder für einen Test zur Prävention von Krebs. Vielleicht entdeckst du auch eine neue Art, Daten zu analysieren und aufzubereiten oder Unternehmen bei Fragen zur Nachhaltigkeit oder zum Personal zu beraten. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Du bist dir sicher: Deine Erfindung wird sich verkaufen lassen. Also entschließt du dich, ein Unternehmen zu gründen. Gleich tauchen aber die ersten Probleme auf: Du kennst dich zwar in deinem Fachbereich perfekt aus, dir fehlt aber das Wissen darüber, wie man ein Unternehmen so gründet, dass es Erfolg hat. Ist dein Produkt wirklich schon dafür geeignet, auf den Markt zu kommen? Wie kannst du es weiterentwickeln? Wie willst du dein Produkt präsentieren, um Menschen darauf aufmerksam zu machen? Brauchst du ein Startkapital und wie sollst du dir das leisten? Wie baust du dir ein Netzwerk auf? Auch fällt dir auf, dass das Patent zu deiner Erfindung erst einmal gar nicht dir, sondern der Uni zusteht – insofern du an der Uni angestellt bist und die Idee bei einem universitären Projekt hattest.</span></p>
<h2>Der lange Weg zur Gründung</h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Für viele ist die Uni-Holding Anlaufstelle für ein erstes Gespräch über die Geschäftsidee. Die Beteiligungsgesellschaft wurde mit dem Ziel gegründet, Ausgründungsvorhaben von Universitätsmitarbeitenden zu unterstützen. „Nach einem Erstgespräch mit uns leiten wir die potenziellen Gründer:innen meist an den Inncubator weiter“, erklärt Alexandra Hamm, die zusammen mit Annelie Gerstmayr das Büro für Beteiligungen und Spin-offs bildet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Der Inncubator ist das Gründungs- und Innvationszentrum der Uni Innsbruck und der Tiroler Wirtschaftskammer. Wer eine innovative Geschäftsidee hat, kann hier im Trainingsprogramm die ersten Schritte in Richtung Unternehmensgründung gehen. „Was wir anbieten, ist ein klassisches Präinkubations- und Inkubationsprogramm“, sagt Robert Schimpf, der den Inncubator leitet. Damit ist gemeint, dass die Teilnehmenden wichtiges Know-How zur Gründung vermittelt bekommen und ihre Idee damit weiterentwickeln können. Es werden Chancen und Risiken der Gründung geklärt „Das Ziel ist, die Idee schnell weiterzuentwickeln und zu testen“, erklärt Schimpf, „so können die Teilnehmenden möglichst schnell entscheiden, ob sie ihre Gründungsidee weiter verfolgen wollen oder nicht.“ Wenn sowohl die potenziellen Gründer:innen als auch die Leitenden des Trainingsprogramms die Idee für erfolgversprechend halten, folgen die Entwicklung von Prototypen und Geschäftsstrategien sowie der Aufbau eines Netzwerks.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Neben dem Trainingsprogramm bietet der Inncubator potenziellen Gründer:innen weitere Hilfestellungen, wie einen Arbeitsplatz im Co-Working-Space und Zugang zu Werkstätten und Laboren, in denen sie ihre Prototypen entwickeln können. „Wir haben bisher über 500 Geschäftsideen betreut“, sagt Robert Schimpf. Bei der Hälfte sei es zur Unternehmensgründung gekommen.</span></p>
<div id="attachment_21887" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21887" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-21887" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-1024x768.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-1024x768.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-1536x1152.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-2048x1536.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-1920x1440.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-1170x877.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/12/austin-distel-wawEfYdpkag-unsplash-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-21887" class="wp-caption-text">Foto: unsplash</p></div>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">In Co-Working-Spaces können Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden. (Symbolbild)</span></div>
<h2>Raus aus der Uni – aber immer verbunden</h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Nach der Gründung wenden sich die frischgebackenen Spin-off-Unternehmer:innen wieder an die Uni-Holding. Die Uni beteiligt sich als Gesellschafterin am Spin-off und trägt so einen Teil des Risikos mit. Läuft das Unternehmen gut und macht Gewinn, profitiert die Uni davon.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Meist hält anfangs die Universität das Patent für die Erfindung, auf der das Unternehmen basiert. Mit der Gründung geht das Patent an das Unternehmen über. Dann handelt die Uni-Holding mit dem Unternehmen aus, wie viel für das Patent gezahlt werden muss. „Mindestens müssen die Patentkosten zurückgezahlt werden“, sagt Alexandra Hamm. Dabei werde meist davon abgesehen, eine sofortige Einmalzahlung von den neugegründeten Unternehmen zu verlangen – denn das würde viele direkt in den Ruin treiben. Stattdessen zahlen die Unternehmen die Kosten über mehrere Jahre zurück. „Das ist dann nur noch ein kleiner Teil vom Umsatz“, sagt Hamm.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Als Gesellschafterin bleibt die Universität immer mit den Spin-offs verbunden, meistens besteht auch Kommunikation zwischen ihr und den Unternehmen. Wie viel Kontakt gehalten wird, ist unterschiedlich. „Wir fordern mindestens quartalsmäßige Informationen, um auf dem Laufenden zu bleiben“, so Hamm.</span></p>
<h2>Uni Innsbruck in der Vorreiterrolle</h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Uni beteiligt sich auch deshalb an Unternehmen, da sich direkt nach der Gründung nicht abschätzen lässt, wie gut das Geschäft gehen wird: „Am Beginn von einem Projekt kann man noch nicht sagen, was das später für einen Wert hat. Also kann man auch keinen fixen Preis verlangen“, sagt Annelie Gerstmayr. Das Beteiligungsmodell habe im Gegensatz zu einer Einmalzahlung Zukunft und werde auch vom Bund empfohlen. Mittlerweile gebe es vom Landesministerium einen Leitfaden für Spin-offs, der teilweise an der Strategie der Universität Innsbruck orientiert sei, wie Alexandra Hamm erklärt. Andere Universitäten würden jetzt nachziehen und ähnliche Strategien entwickeln.</span></p>
<h2><strong>Vielfalt der Spin-offs</strong></h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Innsbruck ist in der Wissenschaft wohl am bekanntesten für seine Forschung an Quantencomputern. In diesem Bereich hat es bereits mehrere erfolgreiche Ausgründungen gegeben. „Dafür ist Innsbruck weltweit anerkannt – das ist ein gutes Beispiel dafür, was für ein Potenzial Spin-offs haben“, sagt Robert Schimpf. Es kommen aber nicht alle Spin-offs aus dem Bereich der (Quanten-)Physik.</span></p>
<div id="attachment_21266" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-21266" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-21266" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-1024x683.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-1024x683.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-300x200.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-768x512.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-1536x1024.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-2048x1365.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-1920x1280.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-1170x780.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-585x390.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/03/05032018-Innsbruck_Uni_Technic_Physics_Lab-R.Shone_D850-004-263x175.jpg 263w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-21266" class="wp-caption-text">Foto: Robbie Shone</p></div>
<div class="bildunterschrift"><span style="font-weight: 400;">Einige erfolgreiche Innsbrucker Spin-offs stammen aus dem Bereich Quantencomputing – aber längst nicht alle. </span></div>
<p><span style="font-weight: 400;">„Die Ausgründungen stammen aus sehr vielen verschiedenen Fachrichtungen – uns freut es immer ein bisschen, wenn’s mal nicht aus der Physik kommt“, sagt Alexandra Hamm. Viele Spin-off-Gründer:innen kommen zwar aus MINT-Fächern und weiteren Naturwissenschaften, einige aber auch aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie dem wirtschaftlichen Bereich. Auch innerhalb der Fachrichtungen seien die Geschäftsideen sehr unterschiedlich, erkärt Annelie Gerstmayr – meist würden sie allerdings auf einer technologischen Innovation basieren. „Irgendwo gibt es immer ein technisches Tool, ein Produkt oder eine Methode, die eine neue Technologie darstellt“, so Gerstmayr. Auch Robert Schimpf bezeichnet die Fachbereiche, aus denen die Ideen kommen als „Querbeet“. Wenn du also eine gute Idee hast, ist es ganz egal, aus welchem Bereich du kommst – wichtig sind Engagement und die Bereitschaft, sich weiterzubilden und das ein oder andere Risiko einzugehen. Dann wird mit etwas Glück aus der Idee ein Spin-off.</span></p>
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		<item>
		<title>„Da draußen gibt es so viel Inspiration.“ &#8211; Christina Anna Kasseroler im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Nov 2025 11:30:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christina Anna Kasseroler ist Kinderbuchautorin und hat im Eigenverlag bisher drei Bücher herausgebracht. Im Interview spricht sie über ihren Weg zur Veröffentlichung, Inspiration in den Tiroler Bergen und darüber, was&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Christina Anna Kasseroler ist Kinderbuchautorin und hat im Eigenverlag bisher drei Bücher herausgebracht. Im Interview spricht sie über ihren Weg zur Veröffentlichung, Inspiration in den Tiroler Bergen und darüber, was sie als Autorin zum Vorbild macht. </span></div>
<p><span id="more-21808"></span></p>
<p><strong><em>Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserer Printausgabe</em> <em>Vorbilder und Helden</em><i> im Sommersemester 2025.</i></strong></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Traumberuf Kinderbuchautor:in? Was man sich als Kind noch spielerisch vorstellt, erfordert im Erwachsenenalter Mut, finanzielle Risikobereitschaft und die Überwindung der Angst vor Ablehnung. Christina Anna Kasseroler hat diesen Schritt gewagt. Vor mehr als zehn Jahren erschien ihr erstes Kinderbuch </span><em><span style="font-weight: 400;">Zirbelzapfenzwergs</span></em><i><span style="font-weight: 400;"> wundersame Reise</span></i><span style="font-weight: 400;">, in dem ein kleiner Zwerg den Weg nach Hause sucht.</span></p>
<div class="mceTemp">
<div id="attachment_21812" style="width: 510px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21812" decoding="async" loading="lazy" class=" wp-image-21812" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/zirbelzapfenzwerg-kinderbuch.jpg" alt="" width="500" height="383" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/zirbelzapfenzwerg-kinderbuch.jpg 750w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/zirbelzapfenzwerg-kinderbuch-300x230.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/zirbelzapfenzwerg-kinderbuch-585x449.jpg 585w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /><p id="caption-attachment-21812" class="wp-caption-text">Christina Anna Kasserolers erstes Buch (Foto: Christina Anna Kasseroler)</p></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Es folgten </span><i><span style="font-weight: 400;">Kleine Anna</span></i><span style="font-weight: 400;">, die Geschichte eines Sommers in den Tiroler Bergen, und </span><i><span style="font-weight: 400;">Emifant und Mia Mau</span></i><span style="font-weight: 400;">, ein Gedichtband aus kindlichen Wortkreationen. Alle ihre Bücher hat Kasseroler bisher im Eigenverlag veröffentlicht und selbst vermarktet. Welche Rolle dabei soziale Medien spielen, erzählt sie im Interview. Außerdem geht es um die Wichtigkeit der kleinen Dinge im Leben, die Frage, wie viel man Kindern zutrauen kann – und darum, wie Kasseroler durch ihre Arbeit als Autorin zum Vorbild wird.</span></p>
<p><b> UNIpress: Christina, wusstest du schon immer, dass du einmal Autorin sein würdest?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Christina Anna Kasseroler: Tatsächlich habe ich mein erstes Buch mit drei Jahren geschrieben, mit der Hilfe meiner Mutter. Später schrieb ich Gedichte und Lieder, meine Geschichten blieben aber immer unvollendet. Ich wurde Deutschlehrerin. Eines Tages lag ich in meinem Bett und plötzlich war ein Name da: Zirbelzapfenzwerg. Das war der Startschuss zu meinem ersten Buch.</span></p>
<p><b><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21813 alignnone" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler.jpeg" alt="" width="470" height="313" data-wp-editing="1" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler.jpeg 1000w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler-300x200.jpeg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler-768x512.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler-585x390.jpeg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/11/Bild_Kasseroler-263x175.jpeg 263w" sizes="(max-width: 470px) 100vw, 470px" /></b></p>
<div class="bildunterschrift">Foto: Christina Anna Kasseroler</div>
<p><b>Wie sah der Weg von der Idee zur Publikation aus?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Meine Geschichten entstehen aus dem Moment heraus. Ich kann stundenlang einfach schreiben und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Plötzlich war es für mich greifbar, ein Buch zu schreiben. Gleichzeitig dachte ich mir aber: Es gibt schon so viele herausragende Schriftsteller und fantastische Geschichten – wieso sollte man ausgerechnet mir zuhören? Meine Mutter hat mich damals sehr ermutigt, es einfach zu machen. Ich suchte also einen Tiroler Verlag. Der Verlag wollte aber einiges ändern, weil mein Buch mit der bildhaften Sprache und den Illustrationen nicht für massentauglich gehalten wurde. Von meiner ursprünglichen Idee blieb nicht mehr viel übrig – also entschied ich mich für den Eigenverlag. Das war der beste Schritt, den ich machen konnte.</span></p>
<p><b>Was ist eigentlich ein Eigenverlag und wie funktioniert das?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Im Grunde genommen ist das eine einfache Sache. Einen Eigenverlag kann man sehr unkompliziert anmelden. Der schwierige Teil ist, dass man sich um Produktion und Vermarktung selbst kümmern muss. Dafür braucht man natürlich ein Startkapital. </span></p>
<p><b>Du kümmerst dich also selbst um die Vermarktung deiner Bücher. Wie machst du das?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es war ein sehr guter Schritt, eine Homepage zu erstellen, auf der man meine Bücher auch direkt kaufen kann. Auch die Wagner’sche, die Tyrolia, Haymon und Zangerl und einige kleine Geschäfte haben viele meiner Bücher verkauft. Und ich habe auch einen Instagram-Account eingerichtet – obwohl ich mich lange dagegen gesträubt habe <em>lacht</em>. Heutzutage geht es einfach nicht ohne Social Media. Über die Instagram-Seite sind schon viele tolle Sachen entstanden.</span></p>
<p><b>Gerade junge Autor:innen werden heute häufig dazu angehalten, zuerst eine Social-Media-Präsenz aufzubauen, bevor sie etwas veröffentlichen.</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das kann ich nicht bestätigen. Bei mir ist es andersherum gelaufen, erst kamen zwei Bücher, dann Instagram. Also – es geht auch anders. Ich finde, gerade als Autorin sollte man sich da selbst treu bleiben. Das was du ausstrahlst, was du authentisch wiedergibst, kommt zu dir zurück. Davon bin ich überzeugt.</span></p>
<p><b>Woher kommt die Inspiration für deine Bücher?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mittlerweile ist meine Tochter eine große Inspirationsquelle. Das Buch <em>Emifant und Mia Mau</em> ist durch ihre Wortkreationen als Kleinkind entstanden. Inspiration geben mir auch die kleinen Momente, die man erlebt, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Da draußen gibt es so viel Inspiration. Ich glaube, jeder könnte damit seine eigenen besonderen Geschichten schreiben.</span></p>
<p><b>Was macht es für dich aus, Bücher für Kinder zu schreiben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mir ist es wichtig, die Kinder in der Magie und Unbeschwertheit abzuholen. Es gibt in meinen Büchern keine negativ behafteten Figuren oder Handlungen. Stattdessen geht es um einen positiven Weg und die Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Was macht mich glücklich? Wo muss ich hinschauen, um die Besonderheiten im Leben zu sehen? Das steht immer in Verbindung mit der Natur. Kinder brauchen die Anbindung an die Natur ganz dringend.</span></p>
<p><b>Auf deiner Website steht, dass deine Kinderbücher auch für Erwachsene geeignet sind. Was können Erwachsene aus deinen Büchern mitnehmen?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Erwachsene fühlen sich durch meine Bücher in ihre Kindheit zurückversetzt. Die Lektüre ist für sie eine Auszeit vom Alltag, ein Loslassen. Die Message vom Zirbelzapfenzwerg ist zum Beispiel: Das eigentliche Glück sind die Weggefährten oder auch das Nachhausekommen. Es geht um den Blick von oben und darum, die kleinen Dinge im Leben wertzuschätzen. Damit holt man die Erwachsenen sehr gut ab.</span></p>
<p><b>Hast du schon einmal überlegt, Bücher für Erwachsene zu schreiben?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ja, habe ich. Das finde ich sehr anspruchsvoll. Gleichzeitig gibt es viel, über das ich gern erzählen würde. Zurzeit arbeite ich mit einer Kollegin zusammen an einem locker-flockigen Roman. Es gibt aber auch tiefgreifendere Themen, über die ich eines Tages gerne schreiben würde.</span></p>
<p><b>Du bist in Innsbruck geboren und hast dein ganzes Leben in Tirol verbracht. Wie beeinflusst das Leben in den Alpen dein Werk?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich bin in Saggen aufgewachsen, heute lebe ich in Hall. Berge gehören zu meinem Leben. Die Ruhe und Inspiration, die man oben in den Bergen findet, ist absolut einzigartig. Hier finde ich meine Verbindung zur Natur und kann mich erden. Außerdem gibt es so viele Sagen und Geschichten rund um die Berge, die immer irgendeinen wahren Kern haben. Und wir haben hier Naturgeister. Wenn man lernt, zuzuhören und hinein zu spüren, kann man das wahrnehmen. Da hole ich mir sehr viel Inspiration.</span></p>
<p><b>Was ist das Beste am Leben als Autorin?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ganz spontan würde ich sagen: Der Moment, wenn das fertige Buch aus der Druckerei kommt und ich es zum ersten Mal in der Hand halte. Das ist eine unbeschreibliche Glückseligkeit. In weiterer Folge ist es der Kontakt zum Publikum über die Lesungen, gerade auch der Kontakt mit Kindern. Es gibt Momente, die mich völlig entwaffnen. Kinder verstehen sehr viel. Man traut ihnen zu wenig zu, wenn man die Sprache für sie ausdünnen und vereinfachen will. Die Sprache dürfen wir nicht verarmen lassen – wir müssen sie fördern.</span></p>
<p><b>Würdest du sagen, dass du als Kinderbuchautorin ein Vorbild bist?</b></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich freue mich, wenn ich Menschen inspirieren kann. Mir haben schon Leute erzählt, dass ich ihnen Mut gemacht habe, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn du also schreiben möchtest: Mach es einfach! Meistens steht man sich selbst im Weg. Vor allem als junger Mensch hat man oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Auch ich habe vor meinem ersten Buch Ermutigung von den Menschen um mich herum gebraucht. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich es gemacht habe – so kann ich etwas hinterlassen. Ich hoffe, dass meine Bücher Menschen dabei unterstützen können, im Moment zu leben und den Mut zu haben, Dinge einfach zu tun.</span></p>
<p><br style="font-weight: 400;" /><br style="font-weight: 400;" /></p>
</div>
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		<title>Deutsch lernen im Duo</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2025 11:57:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sprache ist der Schlüsselfaktor auf dem Weg zur Integration – und gleichzeitig oft die größte Hürde. Viele Geflüchtete brauchen zusätzliche Unterstützung. Ein neues Projekt der Caritas Tirol vermittelt Freiwillige an&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Sprache ist der Schlüsselfaktor auf dem Weg zur Integration – und gleichzeitig oft die größte Hürde. Viele Geflüchtete brauchen zusätzliche Unterstützung. Ein neues Projekt der Caritas Tirol vermittelt Freiwillige an Deutschlernende.</span></div>
<div><span style="font-weight: 400;">An einem Mittwochmittag im Jänner treffen sich Elias Neurauter und Abdul Rahman in der Kulturbackstube. Die beiden jungen Männer sind nicht nur hier, um Kaffee zu trinken – sie sind ein Sprachtandem. Neurauter und Rahman treffen sich einmal die Woche, um zusammen an Rahmans Deutsch zu arbeiten. Das Treffen haben sie über WhatsApp ausgemacht. „Ich schreibe immer Elias, wann ich Zeit habe, und dann treffen wir uns und lernen“, sagt Rahman. Der 25-jährige arbeitet im Schichtdienst und hat deswegen aktuell keine Zeit für einen Deutschkurs. Bisher haben er und der 24-jährige Neurauter sich viermal getroffen. Meist lernen sie mit Rahmans Büchern. Auch Neurauter hat schon Lernunterlagen mitgebracht, die er selbst erstellt hat – mithilfe von künstlicher Intelligenz: „ChatGPT ist dafür sehr nützlich.“</span></div>
<div></div>
<div>
<div id="attachment_21662" style="width: 1930px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21662" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21662 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-scaled.jpeg" alt="" width="1920" height="2560" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-scaled.jpeg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-225x300.jpeg 225w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-768x1024.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-1152x1536.jpeg 1152w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-1536x2048.jpeg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-1170x1560.jpeg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/Elias-und-Abdul-gross-585x780.jpeg 585w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><p id="caption-attachment-21662" class="wp-caption-text">Elias Neurauter (links) und Abdul Rahman (Bild: Ola Frühwirth/Caritas)</p></div>
</div>
<div>
<h3><b>Sprachhilfe für Geflüchtete</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Dass man ChatGPT auch für die Erstellung von Lernunterlagen nutzen kann, erfuhr der Tiroler bei seiner Kurzausbildung zum Sprachbuddy bei der Caritas Tirol. Das Integrationsprojekt Sprachtandem wurde im Herbst 2024 von Projektkoordinatorin Ola Frühwirth ins Leben gerufen. „Die Idee ist, dass freiwillige Menschen sich im Bereich Integration engagieren und einer Person, die einen Fluchthintergrund hat, dabei helfen, Deutsch zu lernen“, so Frühwirth. Die Freiwilligen bekommen eine Art Mini-Ausbildung, die vier Module umfasst. Es geht um Themen wie Sprachvermittlung und interkulturelle Kompetenzen. Danach folgt das „Matching“, bei dem die Teilnehmenden ihren Sprachbuddy kennenlernen. Frühwirth sucht die Tandems so aus, dass sie möglichst gut zusammenpassen. „Beispielsweise habe ich jetzt eine Deutschlehrerin mit einer Lernenden gematcht, die auch Lehrerin ist.“</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Sprachtandem-Projekt ersetzt keinen Sprachkurs, sondern ist als Ergänzung gedacht. „Die meisten besuchen einen Deutschkurs, oder haben zumindest mal einen besucht, und brauchen einfach zusätzliche Hilfe und Übung mit Muttersprachlern“, erklärt Frühwirth. Außerdem achtet sie darauf, dass die Freiwilligen sich von Anfang an ohne größere Probleme mit ihrem Tandempartner verständigen können. Jemandem die deutsche Sprache von Grund auf beibringen müssen die Helfer also nicht.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Doch auch die Arbeit mit Fortgeschrittenen kann schwierig sein, selbst für Muttersprachler. Die haben ihre eigene Sprache in vielen Fällen nämlich noch nie so betrachtet, wie ein Lernender es tut. Hier kommt die Kurzausbildung ins Spiel, die dabei helfen soll, „die Freiwilligen zu empowern, sich das zuzutrauen“, wie Frühwirth es ausdrückt.</span></p>
<div id="attachment_21663" style="width: 2570px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21663" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21663 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-scaled.jpg" alt="" width="2560" height="2407" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-scaled.jpg 2560w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-300x282.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-1024x963.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-768x722.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-1536x1444.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-2048x1926.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-1920x1805.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-1170x1100.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/250115-Agassi-u-Dietger-1-585x550.jpg 585w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><p id="caption-attachment-21663" class="wp-caption-text">Dietger Lather (links) und Agasemed Agamov beim Sprachtreffen. (Bild: Marie Eisele)</p></div>
</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch Dietger Lather und Agasemed Agamov bilden ein Sprachtandem. Jede Woche treffen sie sich bei Lather zu Hause, um gemeinsam Tee zu trinken, zu lernen und sich um praktische Dinge wie Arzttermine oder die Anmeldung im Kindergarten zu kümmern. In seinem Deutschkurs fehlt Agamov hierfür die Flexibilität: „Im Kurs haben wir ein Programm, das wir Schritt für Schritt durchgehen. Es gibt keine Möglichkeit, etwas zu fragen, was mich heute, jetzt interessiert“. Agamov kommt aus dem Kaukasus und wohnte lange in Moskau. Nun ist er seit zwei Jahren in Innsbruck. Sein Ziel ist es, sich selbstständig zu machen, so wie er es schon in Moskau war. Dafür braucht er vor allem eines: sehr gute Deutschkenntnisse.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">„Deutsch ist die Grundvoraussetzung, sonst bleibt man immer in prekären Arbeitsverhältnissen“, erklärt sein Tandempartner Dietger Lather. Lather ist pensionierter Soldat und schon seit Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Wenn ich mich wirklich für jemanden engagiere, dann will ich sehen, dass da auch eine Bereitschaft da ist, sowohl die Sprache zu lernen als auch eine Ausbildung zu machen und sich tatsächlich zu integrieren“. Lather ist es wichtig, dass die von ihm betreuten Menschen nicht in die Schwarzarbeit abrutschen, um schnell Geld zu verdienen – was gar nicht so einfach ist, da viele vor der Flucht Schulden aufgenommen haben. Um das Ziel einer gelungenen Integration zu erreichen, ist er bereit, die Menschen fünf bis sechs Jahre lang zu begleiten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Agamovs Deutsch ist durch die Treffen mit Lather schon besser geworden. Trotzdem kann es für ihn frustrierend sein, nur wenig von dem, was er weiß, auch auf Deutsch ausdrücken zu können: „Ich sage nur, was ich mit Worten, die ich kenne, sagen kann.“ Er fügt hinzu: „Ich habe einen sehr armen Wortschatz.“ Lather korrigiert ihn: „Keinen armen Wortschatz, einen kleinen Wortschatz“. Agamov nickt zustimmend.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf die Frage hin, was er neuen Sprachtandems empfehlen könne, betont Lather, dass es Verbindlichkeit braucht – von beiden Seiten. „Die entscheidende Frage an Lernende ist: Möchtest du weiter in Österreich leben und dich integrieren?“ Auf Seiten der Freiwilligen hält er ein langfristiges Engagement für das Sinnvollste, insofern man sich mit seinem Buddy gut versteht. Das Tandem-Projekt ist eigentlich auf drei bis vier Monate angelegt, danach wird der Partner gewechselt. „Ich möchte aber mit Agasi weiterarbeiten“, so Lather. Auch das ist möglich, wenn sich ein Tandem so gut versteht wie die beiden.</span></p>
<div id="attachment_21664" style="width: 1610px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-21664" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-21664 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6.jpg" alt="" width="1600" height="1222" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6.jpg 1600w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-300x229.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-1024x782.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-768x587.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-1536x1173.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-1170x894.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/06/f2acebaa-c060-438c-84f7-a936f6daf1b6-585x447.jpg 585w" sizes="(max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /><p id="caption-attachment-21664" class="wp-caption-text">Den eigenen Namen auf Arabisch zu schreiben, ist Teil der Kurzausbildung zum Sprachbuddy (Bild: Marie Eisele)</p></div>
<h3><b>Muttersprache ist keine Voraussetzung</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Obwohl das Projekt von der Caritas angeboten wird, muss man nicht katholisch sein, um daran teilzunehmen. „Gerade im Integrationsbereich wäre das eher widersinnig. Da ist es wichtig, dass die Mitarbeiter aus verschiedenen Kulturen kommen“, betont Ola Frühwirth. Mitmachen können prinzipiell alle, die über 18 sind und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen: „Man muss kein Muttersprachler sein.“ Hat man selbst Deutsch als Fremdsprache gelernt, kann das sogar seine Vorteile haben.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">So wie bei Emanuele Tranquillini und Abdullah Sabur. Trotz der Klausurenphase haben die beiden an diesem Abend Ende Jänner Glück und ergattern einen Tisch im Uni-Hauptgebäude. Sabur fragt als Erstes, ob es in Ordnung ist, wenn er eine Übersetzer-App auf seinem Handy benutzt, in die man reinsprechen kann. Er verwendet sie im Laufe des Gesprächs jedoch nur ein einziges Mal, alles andere versteht er auch so.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Sabur ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Österreich gekommen und lernt seit anderthalb Jahren Deutsch. Der Deutschkurs allein reicht ihm aber nicht: „Wenn ich nicht viel Kontakt mit Leuten habe, funktioniert es nicht gut.“ Ihm ist vor allem das Mündliche wichtig. „Emanuele spricht besser als ich, und er hilft mir sehr.“</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Manchmal funktioniert das mit der Hilfe auch andersherum. „Ab und zu hast du mir auch Artikel korrigiert“, sagt Tranquillini und beide müssen lachen. Tranquillini ist Italiener und hat Deutsch als Fremdsprache gelernt. „Ich mache bei dem Projekt mit, einerseits, um die deutsche Sprache weiter zu lernen. Ich bin Nicht-Muttersprachler und merke, dass ich die Sprache besser anwende, wenn ich weiterhin über sie reflektiere. Andererseits möchte ich ein bisschen nützlich sein.“</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie Projektkoordinatorin Frühwirth sieht auch er die Vorteile darin, Deutsch als Fremdsprache gelernt zu haben: „Ich habe die deutsche Sprache sozusagen nicht automatisch. Ich musste mich selbst in die Sprache einarbeiten, und manche Aspekte der Sprache sind für mich noch teilweise herausfordernd.“ Ihm hilft es, sich in seinen Tandem-Partner hineinzuversetzen: „Meine Denkweise ist näher am Deutschlernen“.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Während ihres Treffens vertiefen sie die Inhalte, die Sabur in seinem Deutschkurs lernt. Der Schwerpunkt liegt meist auf Sprechen und Schreiben. Tranquillini ist der Meinung, dass man als Freiwilliger keine Angst haben soll, seinen Tandempartner nicht ausreichend unterstützen zu können. „Das klappt durch Trial und Error“.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auch Elias Neurauter findet es wichtig, dass Freiwillige nicht kontaktscheu sind. „Generell muss man offen sein für neue Erfahrungen.“ Neurauter ist der einzige Teilnehmer, der über die Universität bei dem Projekt mitmacht. Er studiert Sozial-, Gesundheits- und Public-Management am MCI, einen Studiengang, bei dem 40 Stunden soziale Arbeit verpflichtend sind. Auch an der Universität Innsbruck wurde schon einmal eine Lehrveranstaltung angeboten, bei der man sich für fünf ECTS sozial engagieren konnte: Im Rahmen des interdisziplinären Angebots [kursiv_anfang]</span><i><span style="font-weight: 400;">Service Learning</span></i><span style="font-weight: 400;">[kursiv_ende] war es beispielsweise im Sommersemester 2024 für Studierende aller Fakultäten möglich, bei Projekten in sozialen Einrichtungen mitzumachen. Ob Service Learning in diesem Sommersemester wieder angeboten wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.</span></p>
<h3><b>„Ein totaler Erfolg“</b></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Das Projekt sei bisher „ein totaler Erfolg“, schwärmt Koordinatorin Frühwirth. Es habe viel positives Feedback gegeben. „Sowohl die Sprachlernenden als auch die Sprachbuddys sind sehr motiviert.“ Generell kann sie die Teilnahme nur empfehlen: „Es ist eine tolle Möglichkeit, in eine andere Kultur einzutauchen und in Kontakt zu einem Menschen zu kommen, zu dem du sonst wahrscheinlich gar keinen Kontakt hättest.“ Am 20. März startet das Sprachtandem-Projekt in die nächste Runde. Wieder gibt es vier Basisbildungs-Module, bevor die Freiwilligen ihre Tandempartner kennenlernen. Informieren kann man sich auf der Website der Caritas Tirol.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">In der Kulturbackstube sieht Abdul Rahman schon erste Fortschritte: „Für mich ist Deutsch ein bisschen schwierig, aber ich merke schon: Ich lerne langsam, es wird langsam. Ich brauche ein bisschen Zeit, aber das ist okay.“ Neurauter und er verstehen sich sehr gut. „Oft reden wir auch noch über andere Sachen“, sagt Neurauter, „Tischfußball haben wir auch schon gespielt und uns Getränke ausgegeben. Es ist immer recht lustig.“ So viel Spaß kann es machen, gemeinsam eine Sprache zu lernen.</span></p>
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		<title>True Crime: Ein Blick hinter die Kulissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 10:30:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Podcasts, Reportagen, YouTube-Videos: True Crime fasziniert heute viele Menschen. Das Genre ist längst im professionellen journalistischen Bereich angekommen. Im Rahmen des Journalismusfest Innsbruck haben sich die Journalist:innen Bernd Volland und&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;"><span style="font-weight: 400;">Podcasts, Reportagen, YouTube-Videos: True Crime fasziniert heute viele Menschen. Das Genre ist längst im professionellen journalistischen Bereich angekommen. Im Rahmen des Journalismusfest Innsbruck haben sich die Journalist:innen Bernd Volland und Maike Backhaus über die Hintergründe von True-Crime-Formaten ausgetauscht.</span></span></div>
<p><span id="more-21583"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Es ist ein verregneter Sonntagnachmittag, als sich im Leopoldsaal der Theologischen Fakultät ein junges Publikum einfindet, um dem Bühnengespräch mit dem Titel “Wahre Verbrechen erzählen” zu lauschen. Die Veranstaltung ist Teil des Journalismusfest Innsbruck, das heuer vom 16.-18. Mai stattgefunden hat. Die Moderation übernimmt Barbara Bachmann. Mit ihr auf der Bühne sitzen zwei Journalist:innen: Bernd Volland, Redaktionsleiter des Magazins </span><i><span style="font-weight: 400;">Stern Crime</span></i><span style="font-weight: 400;">, und Maike Backhaus, die als Freie Investigativreporterin schon an mehreren True-Crime-Projekten mitgewirkt hat. 2024 hat sie zum Beispiel eine umfangreiche Podcast-Reihe in Kooperation mit dem Spiegel veröffentlicht.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">True Crime &#8211; Was ist das eigentlich?</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">True Crime wird häufig als Phänomen der letzten Jahre angesehen, war jedoch bereits vor über 50 Jahren populär. Heute ist es eines der beliebtesten Podcast-Genres. Auch auf YouTube oder TikTok findet sich Einiges an True-Crime-Content. Wer kennt nicht die </span>„Get-Ready-With-Me“<span style="font-weight: 400;">-Videos, in denen sich junge Frauen schminken und dabei von brutalen Serienmördern erzählen? Wie der Name schon sagt, befassen sich True-Crime-Formate im Gegensatz zu Krimis mit realen Verbrechen. Beliebt sind aufsehenerregende Fälle, die sich durch besonders perfide Täter, schockierende Grausamkeit oder rätselhafte Umstände auszeichnen. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Kritik an dieser Gattung gibt es reichlich. Vor allem wird True-Crime-Formaten immer wieder vorgeworfen, die Schicksale von realen Personen und ihre Privatsphäre nicht zu respektieren und zur Aufmerksamkeitsgenerierung zu benutzen.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">Faszination an menschlichen Abgründen</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Was interessiert Menschen an wahren Verbrechen? Bernd Volland weiß darauf eine Antwort: Es sind die Abgründe, das „destruktive Element im Menschen“. Uns interessiert, wozu echte Menschen in der Lage sind – und warum. Die Frage nach dem Warum spielt eine große Rolle, wenn Menschen sich für True-Crime interessieren. Doch oft kann sie nicht beantwortet werden. Journalist:innen können zwar Hintergründe erforschen, mit Angehörigen sprechen und strukturelle Phänomene miteinbeziehen, meist jedoch nicht herausfinden, was den Täter (oder die Täterin, wobei Männer aber stark in der Überzahl sind) schlussendlich motiviert hat. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mit dem Täter selbst zu sprechen, ist fast nie möglich. Oft liegen Verbrechen, die in True-Crime-Formaten behandelt werden, mehrere Jahrzehnte zurück. Manchmal ist der Täter bereits gestorben, und wenn er noch am Leben ist, ist er meist nicht bereit, mit Journalist:innen zu sprechen. Oder es geht um ungeklärte Fälle, bei denen der Täter nicht bekannt ist. So bleiben Details zu Motivation und Tathergang häufig Spekulation.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">Ein Beispiel: Der “perfekte Mord” von Rom</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Gleichzeitig ist es wichtig, sich nicht auf eine Interpretation eines Falles zu versteifen, vor allem, wenn nur wenige Hinweise darauf hindeuten. Bernd Volland nennt dazu als Beispiel den „perfekten Mord“, der sich im Mai 1997 auf einem Universitätscampus in Rom ereignet haben soll. Eine Studentin wurde am helllichten Tag erschossen. Keinerlei Zeugen hatten irgendetwas Verdächtiges bemerkt, es gab keine Tatwaffe, kein Motiv. Erst etwa einen Monat später wurden die mutmaßlichen Täter gefunden: Zwei Jura-Dozenten wurden beschuldigt, die 22-Jährige kaltblütig ermordet zu haben. Das Motiv: Die beiden hätten aus juristischem Ehrgeiz beweisen wollen, dass es das „perfekte Verbrechen“ gibt. Erst kurz zuvor hatten sie in einem Seminar darüber diskutiert. Zu dieser Vermutung passte das überhebliche Auftreten der Doktoren im Gerichtssaal. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Beweise waren mangelhaft, trotzdem stürzten sich die Medien auf den „perfekten Mord“. Schnell sah man in der Tat die Weltfremdheit von Akademikern, die bereitwillig Menschenleben in Kauf nahmen, um ihre Theorien zu beweisen. Die beiden Juristen wurden schließlich wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen verurteilt. Bis heute ist aber nicht geklärt, ob sie es wirklich waren. Die Beweislage bleibt unzureichend, das Motiv weit hergeholt – auch, da der Mord schlussendlich alles andere als perfekt war. Bernd Volland betont, dass es als Journalist wichtig ist, diese Unsicherheit zur Geschichte zu machen und nicht die Vermutungen – so spannend sie auch sein mögen. Man solle sich auf die Fakten stützen, nicht auf Spekulationen.</span></p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-21585 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144209.png" alt="" width="385" height="535" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144209.png 385w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144209-216x300.png 216w" sizes="(max-width: 385px) 100vw, 385px" /></p>
<div class="bildunterschrift"> Bernd Volland (Foto: Instagram/@journalismusfest)</div>
<h3><span style="font-weight: 400;">Einzelfälle und strukturelle Probleme</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Maike Backhaus sieht Faszination und Interesse nicht als ausreichende Grundlage dafür, einen Fall zur Geschichte zu machen. Ihr ist es wichtig, dass aus den Einzelfällen auch Schlüsse über strukturelle Phänomene gezogen werden können. In ihrer Podcast-Reihe über den Fußballspieler Jérôme Boateng und seine Ex-Freundin Kasia Lenhardt geht es um Gewalt in Beziehungen – ein verbreitetes Problem, welches sie anhand des Einzelfalls der beiden Promis aufarbeitete. „Ein Podcast liefert einen emotionaleren Zugang zu einem strukturellen Problem als zum Beispiel eine Statistik“, sagt Backhaus. Er bringe auch mehr auf den Punkt. Bernd Volland ist dagegen überzeugt, dass Einzelfälle auch dann ihre Berechtigung haben, wenn sie sich nicht direkt auf ein strukturelles Phänomen beziehen. Auch Einzelschicksale seien lehrreich, denn: „Das sind alles Menschen wie wir.“</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Moderatorin fragt nach, wie die beiden Journalist:innen unter vielen Einzelfällen eine Auswahl treffen. Backhaus meint, sie stelle sich dabei zuerst die Frage, welcher Fall nicht geht, da etwa die Ressourcen nicht da sind oder das Risiko zu hoch ist. Damit meint sie auch das finanzielle Risiko: Als freie Journalistin muss sie ihre Storys und Projekte an Medienhäuser verkaufen – sollte keines sie nehmen, wäre monatelange Arbeit und einiges an Geldinvestition umsonst. Ihr Fokus liegt auf Fällen, in denen eine große strukturelle Ungerechtigkeit steckt. Und selbstverständlich geht es nicht ohne das Einverständnis der Opfer und ihrer Angehörigen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Recherche bezeichnet Backhaus als „Gratwanderung“. Auf der einen Seite solle die Story so authentisch wie möglich sein, auf der anderen müsse man das Persönlichkeitsrecht der Beteiligten wahren, auch postmortal. Unnötiges Detailreichtum lehnt sie ab: Es sollten nur Inhalte miteinbezogen werden, die der Aufklärung dienen und die Geschichte nicht nur spektakulärer machen. Als Journalistin sieht sie bei sich eine große Verantwortung: Sie muss einordnen und kontextualisieren, was vorher falsch interpretiert wurde. Im Fall Boateng-Lenhardt seien beispielsweise Sprachnachrichten gegen den Willen Kasia Lenhardts veröffentlicht und falsch gedeutet worden. Auch ein Interview mit Boateng habe zu Fehlinterpretationen geführt. Davon dürfe man sich nicht in die Irre führen lassen. Als Journalist:in sei es wichtig, unvoreingenommen an den Fall heranzugehen und sich nicht auf eine Seite zu stellen.</span></p>
<p><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone wp-image-21586 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144119.png" alt="" width="385" height="540" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144119.png 385w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2025/05/Screenshot-2025-05-26-144119-214x300.png 214w" sizes="(max-width: 385px) 100vw, 385px" /></p>
<div class="bildunterschrift">Maike Backhaus (Foto: Instagram/@journalismusfest)</div>
<p><span style="font-weight: 400;">Die ständige Konfrontation mit Kriminalität kann den Journalist:innen stark zusetzen. „Schreibt man nur solche Geschichten, ist das auf Dauer sehr belastend“, sagt Volland. Vor allem die Täterbiographien und die Gespräche mit Angehörigen gingen unter die Haut. Als Redaktionsleiter achtet er deswegen in seinem Magazin auf eine gute Mischung – auch etwas Leichteres sollte dabei sein.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">Zielgruppe Gen Z</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Von Vollands und Backhaus‘ Formaten fühlen sich vor allem junge Leute angesprochen. Etwa drei Viertel davon sind Frauen. Dadurch kommt es zu einer Verzerrung: Da deutlich mehr Frauen zu den Konsument:innen zählen, werden mehr Fälle berichtet, bei denen Frauen die Opfer sind – etwa in Bezug auf den Diskurs um Femizide. „Das tatsächliche Verhältnis von Frauen und Männern unter den Opfern ist aber Fifty-fifty“, erklärt Volland.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Backhaus berichtet, dass auch mehr und mehr junge Männer beginnen, sich für True-Crime-Formate zu interessieren. Gerade auf ihren Podcast zu Boateng und Lenhardt habe sie viele Reaktionen von jungen Männern bekommen. In unserer Gesellschaft würden Räume fehlen, in denen man über das immer noch tabuisierte Thema Gewalt in Beziehungen sprechen könne, so Backhaus. Daran könnte dieses Interesse liegen.</span></p>
<h3><span style="font-weight: 400;">True Crime als Unterhaltungsformat &#8211; Wo liegt die Grenze?</span></h3>
<p><span style="font-weight: 400;">Und was ist mit den „Get-Ready-With-Me“s? Mit den hübschen jungen Frauen, die vor laufender Kamera Foundation und Eyeliner auftragen, während sie von brutalen Morden und Verstümmelungen erzählen? Diese Frage kommt am Ende der Veranstaltung aus dem Publikum. Maike Backhaus ist sehr kritisch solchen Formaten gegenüber, vor allem, wenn sie der bloßen Unterhaltung dienen und nichts tun, um Zuschauer aufzuklären. Dann würden schreckliche Schicksale echter Menschen mit teilweise lebenden Angehörigen dazu verwendet, Clicks zu generieren. Sie bezeichnet das als „Voyeurismus“. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Bernd Volland findet, dass grundsätzlich jeder öffentlich über wahre Verbrechen sprechen darf. Man solle jedoch immer sensibel sein und auf keinen Fall außer Acht lassen, dass es sich in den Geschichten um reale Personen handelt. Auch sehr erfolgreiche Podcasts seien da zu wenig differenziert. Backhaus ist ebenfalls der Meinung, dass man sich sowohl als Creator:in, als auch als Zuhörer:in klar machen muss, was Meinung und was Fakt ist. Beide Journalist:innen wollen den Konsum von True Crime als Unterhaltung nicht anprangern. Man solle sich jedoch auch als Zuschauer:in bewusst sein, dass es in den Geschichten um echte Menschen geht. Und sich vielleicht öfter fragen, was man aus den erzählten Verbrechen lernen kann. </span></p>
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		<title>Latein: Ein Trauma in zwei Akten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marie Eisele]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 10:30:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Campus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von der Schulbank bis zum Hörsaal: Das Latinum ist nicht nur Grund vieler Albträume, sondern auch Grundvoraussetzung für viele Studienrichtungen. Latein ist mehr als nur eine tote Sprache: eine untote&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Von der Schulbank bis zum Hörsaal: Das Latinum ist nicht nur Grund vieler Albträume, sondern auch Grundvoraussetzung für viele Studienrichtungen. Latein ist mehr als nur eine tote Sprache: eine untote Sprache, ein Vampir, der seit Generationen unsere Schulen und Unis heimsucht. Zwei Geschichten, zwei Perspektiven, ein Fazit: Latein hinterlässt (Biss-)Spuren.</div>
<p><span id="more-21332"></span></p>
<h3>Akt I: Langzeittrauma</h3>
<div class="bildunterschrift">von Kristina Kerber</div>
<p>qui, quae, quod</p>
<p>cuius</p>
<p>cui</p>
<p>quem, quam, quod</p>
<p>quo, qua, quo</p>
<p>Kein Haiku und auch kein Hatschi, sondern die Wurzel meines Urtraumas. Jahre vor den meisten anderen Schicksalsschlägen in meinem Leben gab es Latein. Angefangen hat alles vor meiner Geburt. Und vor Christi Geburt! Aber so richtig getroffen hat es mich erst im schicksalhaften Alter von 10 Jahren, als es plötzlich hieß: Nein, Gendern gab es auch schon damals. Ab da hieß es dann Deklination und Deformation meines absolut unentwickelten präfrontalen Cortex. Latein war der Grund vieler meiner ersten Male: erste Frühwarnung. Erster schulischer Nervenzusammenbruch – zumindest der erste, nachdem ich erfahren hatte, dass man Pluto den Planetenstatus aberkannt hat. Und auch das erste Mal, dass ich bewusst eine berufliche Zukunft als Päpstin ausschloss. Latein als vatikanische Amtssprache schien mir wie ein größeres Hindernis als mein weibliches Geschlecht.</p>
<p>Als ich dann mit meinem pubertären vierzehnjährigen Gehirn erneut vor die Entscheidung zwischen Fremdsprachen gestellt wurde, tat ich, was jeder normal denkende Mensch mit halb entwickeltem präfrontalen Cortex getan hätte: Im Grund meiner schulischen Misere zu bohren wie in einer offenen Wunde. Latein wurde auch in meiner Oberstufenzeit zum Salz. Wie die Nägel in Christis Händen und Füßen gab ich mich weitere vier Jahre geschlagen. In die Gruft hinabgelassen wurde ich erst, als ich angefangen habe, Latein zu sehen wie die erste verflossene Liebe: So ewig während es sich anfühlt, irgendwann ist es vorbei. Auf der Uni trennte sich dann schnell die Spreu vom Weizen: Traumatisierte, Trauma-Anwärter:innen und die geheime dritte Getreidekategorie: Nicht-Humanisten. Denn sie sind es, die dem kleinen Latinum auf ewig entkommen und sich so trotz Nicht-Humanistentum ihre Menschlichkeit bewahren können.</p>
<p>Aber wo ich mir die Lateinflüchtlinge so anschaue, beschleicht mich ein Gedanke: Lorem ipsum.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Akt II: Trauma im Schnelldurchlauf</h3>
<div class="bildunterschrift">von Marie Eisele</div>
<p>Latein, das waren für mich immer nur Asterix-Sprüche und verstaubte Historie. Veni vedi vici, und sonst nicht viel. Am Gymnasium hatte ich deswegen eine Art Gottkomplex. Ich fühlte mich sehr modern mit meinem Französisch und Spanisch. So nützliche Sprachen! Latein ist tot, das werde ich niemals brauchen. Oder?</p>
<p>Skip zum letzten Sommersemester: Latein ist aus dem Grab auferstanden, um mich heimzusuchen. In meinem Stundenplan hängen wie hässliche Banner zwei Blöcke Latein pro Woche. Jeweils 2:45 Stunden, bis in den Abend hinein. Mein Curriculum zwingt mich. Was man nicht alles tut für die liebe Geisteswissenschaft! Hic sedet Marie, und leidet. Auch mein Geldbeutel leidet: Ich muss 300 Euro abdrücken für Online-Kurs und Prüfung. Mit dem linearen Wachstum meiner Lateinkenntnisse, schön Lektion für Lektion, wächst meine Frustration exponentiell. Insgeheim bin ich froh, dass die Römer ausgestorben sind, sie haben’s bei dieser Sprache nicht anders verdient. Ich bin nicht die Einzige: Die Teilnehmerliste auf Big Blue Button wird kleiner und kleiner. Anfang Sommer gehe ich nicht mehr hin. Den Rest werde ich mir schon selbst beibringen können.</p>
<p>Skip zum Juli: Ich sitze im Prüfungssaal, vor mir ein Text über einen Wolf im Schafspelz, der Plot ähnlich sinnlos wie bei allen lateinischen Texten, die mir untergekommen sind. Ich habe eine Woche Ultra-Latein hinter mir. Von morgens um acht bis abends um sieben habe ich nichts anderes gemacht, als Latein zu pauken. Ich habe Latein gelebt, Latein geatmet, Latein zum Frühstück gegessen und 200 Seiten Skript in meinem Gehirn abgespeichert. Ich übersetze wie wild und schaffe die Prüfung. Dann komme ich raus aus dem Saal und – was ist das? Das ganze Latein ist von der Festplatte gelöscht. Wo gerade noch Deklinationen und Konjugationen waren – gähnende Leere. Und wieder kann ich auf Latein nur eines sagen: Veni vidi vici. Gut, dass ich’s im Studium eh noch nie gebraucht habe.</p>
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