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	<title>Laura Wallner, Autor bei</title>
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	<description>Das offizielle Magazin der ÖH Innsbruck</description>
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		<title>„Zukunftsmut ist gefragt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2023 10:30:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit Bischof Hermann Glettler über Synodalität und Kirche im studentischen Umfeld. Ich bin ein bisschen zu früh, als ich klingle. Ich sage der Freisprechanlage meinen Namen und die&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Ein Gespräch mit Bischof Hermann Glettler über Synodalität und Kirche im studentischen Umfeld.</div>
<p><span id="more-18711"></span></p>
<p>Ich bin ein bisschen zu früh, als ich klingle. Ich sage der Freisprechanlage meinen Namen und die Tür öffnet sich. Im großen, aufgeräumten Raum darf ich mich setzen. Hier steht ein farbenfrohes Sofa, in den Zimmerecken sind Pflanzen und an den Wänden hängt Kunst – sogar ein gerahmtes Werk von meinem Interview-Partner selbst: kunstvoll an den Händen aneinandergeschweißte Jesusfiguren in Gold, Bronze und Schwarz. Während mein Blick, wartend, aus dem Fenster auf den Dom St. Jakob schweift, höre ich ein freundliches „Ich bin gleich da“ von dem Bischof der Diözese Innsbruck, Buchautor und Kunstvermittler Hermann Glettler.</p>
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<div class="bildunterschrift">Der Raum mit Blick auf den Dom ist mit verschiedenen Kunstwerken geschmückt.</div>
<p><strong>Unipress: </strong>Bischof Hermann Glettler, wie sind Sie zu Ihrer Berufung gekommen?</p>
<p><strong>Bischof Hermann Glettler:</strong> Das weiß ich nicht genau. Vor fünf Jahren wurde ich jedenfalls hier in Innsbruck zum Bischof geweiht, komme aber ursprünglich aus der Steiermark. In Graz habe ich 17 Jahre in einem multikulturellen Bezirk als Pfarrer gewirkt, teilweise auch als Sozialarbeiter. Interreligiöse Begegnungen und das Engagement für Migranten waren mir wichtig. Inmitten des bunten Stadtteils haben wir auch versucht, den christlichen Glauben den Suchenden unserer Zeit wieder zugänglich zu machen. Eine Hilfe dafür waren die sogenannten „internationalen Gottesdienste“, an der sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kultur beteiligt haben. Das hat Weltkirche vor Ort erfahrbar gemacht, lebendig und sehr bunt. Übrigens gibt es in Innsbruck, in Neu-Pradl, auch jeden Sonntag einen ähnlichen Gottesdienst.</p>
<p><strong>UP: </strong>Wann war Ihnen klar, dass Sie Priester werden wollten?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Mit 15 Jahren war mir ziemlich klar, dass ich diesen Weg gehen will. Ich hatte den Eindruck, genau dafür gebraucht zu werden. Die Basis dafür war eine tief empfundene Freundschaft mit Jesus, die mich bis heute trägt. Ich hatte auch gute Begleiter. Sie haben mir einen alltagsrelevanten Glauben vorgelebt. In der Oberstufe führten wir im Religionsunterricht harte Diskussionen über Gott und die Welt. Für mich ein wichtiger Lernprozess, um zu akzeptieren, dass meine Freunde teilweise vollkommen andere Überzeugungen hatten. Letztlich wurde ich aber gestärkt, meinen Glauben nicht zu verstecken, selbst, wenn er sich oft sehr brüchig anfühlt. Unsicherheit und Verwundbarkeit teilen wir doch mit allen Menschen.</p>
<p><strong>UP: </strong>Und wie sind Sie zur Kunst gekommen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Durch einen sehr guten Kunsterzieher wurde mein Interesse geweckt. Ich habe durch ihn mit Malerei begonnen und später der Theologie auch ein Kunstgeschichtestudium angehängt. Enorm profitiere ich bis heute von der Freundschaft mit Künstlern. Schon als Student habe ich Ausstellungen organisiert. Wichtig ist mir nach wie vor das Vermitteln von Kunst. Das beginnt mit einer Gastfreundschaft für die kreativsten Leute unserer Zeit. Ich möchte ihr Vertrauen zur Kirche wiedergewinnen. Das geht nur durch ernstes Interesse für ihre Arbeit und durch das Öffnen von Räumen. Es gibt viele Schnittmengen zwischen Kunst und Kirche. Es geht um eine neue Sensibilität für das Leben, für das Schöne und Zerbrechliche. Auch die Bruchlinien und Abgründe unserer Zeit dürfen nicht verschwiegen werden.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was ist der synodale Prozess?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Der weltweite synodale Prozess ist eine dringliche Einladung von Papst Franziskus. Er will Kirche als synodale Gemeinschaft. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und besteht aus den beiden Wörtern „syn“, was „mit“ bedeutet, und „odos“, übersetzt „Weg“. Miteinander am Weg sein, niemanden ausschließen! Weggemeinschaften bilden, auch mit jenen, die nicht nur sympathisch sind. Es versteht sich, dass dies nicht immer idyllische Bergwanderungen sind. Am Weg kommt es zu Ermüdungen und Konflikten. Der synodale Prozess geht von der Ortskirche aus und hat soeben die kontinentale Etappe erreicht. Unterschiedliche Kirchenerfahrungen aus ganz Europa wurden vor Kurzem in Prag diskutiert. Synodalität ist ein Auftrag für die ganze Gesellschaft. Wer wird mitgenommen, wer bleibt draußen?</p>
<p><strong>UP: </strong>Was bedeutet der synodale Weg für junge Menschen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Der synodale Prozess ist für junge Menschen wichtig, da er bedeutet, Interesse füreinander zu entwickeln. Wir leben in einer Gesellschaft mit sehr vielen partikularen Interessen, wo viele in ihrer Blase leben und nur mit ihresgleichen kommunizieren. Wir hatten ordentliche Diskussionen auf der Universität – während heute viele in ihren eigenen Echoräumen bleiben. Synodalität bedeutet, sich andere Meinungen anzuhören und um gemeinsame Lösungsansätze zu ringen – das ist ein Bildungsauftrag. Miteinander im Diskurs zu bleiben, und sich den entscheidenden Zukunftsfragen zu stellen – das sind für mich Kriterien eines qualitätsvollen Studiums. Aber auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften müssen ihren Beitrag leisten. Christliche Spiritualität ist mehr als ein Wohlfühlprogramm.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was liegt Ihnen beim synodalen Prozess am meisten am Herzen?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Mir liegen junge Menschen am Herzen, da viele eine große Zukunftslast haben. Wir haben damals studiert und wussten, die Welt wird besser. Heute hingegen ist die Frage, wie wir es schaffen, den großen Crash zu vermeiden. Angesichts dieser Herausforderung nicht resignativ zu werden oder sich nur auf die eigenen Interessen zu fokussieren, ist eine große geistige und spirituelle  Herausforderung. Mein Herz schlägt für das Evangelium und den christlichen Glauben, weil es dort viele Potenziale gibt, die jungen Menschen helfen können. Ich bin froh, dass wir eine sehr aktive Uni-Pfarre und eine engagierte Katholische Hochschuljugend haben. Junge Leute sollten sich zusammenschließen und sich gegenseitig im Glauben stärken.</p>
<p><strong>UP:</strong> Immer mehr Menschen treten allerdings aus der Kirche aus. An was könnte es liegen, dass die Kirche vor allem bei jungen Menschen „uncool“ ist?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Vermutlich sind es mehrere Gründe. Cool ist auf Dauer das, was Sinn macht, wo Gemeinschaft erfahrbar wird, wo etwas lebendig ist und auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt. In anderen Gesellschaften, beispielsweise in Indien, wo ich vor kurzem war, ist die Kirche für viele junge Menschen sehr cool. Cool ist das, was berührt. Und junge Menschen haben ein Gespür für Authentizität – ich selbst habe mich als junger Mensch an Personen orientiert, denen ich abgenommen habe, was sie gesagt haben.</p>
<p><em>Jedes Land setzt den von Rom ausgerufenen synodalen Prozess anders um. In Deutschland ist beispielsweise auch die Sexualität ein großes Thema, während in Österreich die Beteiligung von Laien zentral ist. Da ich auch den deutschen synodalen Weg mitverfolgt habe, ist meine Frage:</em></p>
<p><strong>UP: </strong>Was halten Sie von Segensfeiern für gleichgeschlechtlichen Paare?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Homosexuell empfindende Menschen haben selbstverständlich Heimatrecht in der Kirche. Das bedeutet auch: Wenn gleichgeschlechtliche Paare einen Weg mit der Kirche gehen und für ihre Partnerschaft um eine Segnung bitten, sollte man diese ermöglichen. Es geht zuerst darum, ob und wie verlässlich wir Beziehungen leben und füreinander da sind. Die Kirche hält auch in Zukunft am Begriff der sakramentalen Ehe für die Verbindung von Mann und Frau fest. Die Grunddifferenz bei den Geschlechtern ist wesentlich und nicht zufällig und nicht nur eine soziale Rolle.</p>
<p><strong>UP: </strong>Kann es sein, dass die Austritte auch daran liegen, dass Frauen keine Priester werden können?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Das kann für einzelne Personen auch den Ausschlag geben. Im synodalen Prozess wurde die diesbezügliche Ungleichbehandlung von Frauen deutlich benannt. Nicht übersehen sollte man, dass in unserer Kirche, konkret auch in unserer Diözese Innsbruck, sehr viele Frauen ganz wesentliche Führungspositionen wahrnehmen. Und ebenso sollte man nicht übersehen, dass auch von jenen Kirchen im Schnitt gesehen mindestens so viele Menschen austreten, wo Frauen in allen Ämtern zugelassen sind und auch andere Bereiche anders als in der katholischen Kirche geregelt sind.</p>
<p><strong>UP: </strong>In Ihrem Wappen ist es 5 vor 12 – wo ist es 5 vor 12?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> In allen klimarelevanten Fragen. Die gemeinsame Schöpfungsverantwortung muss uns wesentlich deutlicher zu einem ernsthaft alternativen Handeln führen. Es ist irreführend, zu meinen, wir könnten mit ein wenig Lifestyle-Politur etwas nachhaltig verändern. Weltweit sind es auch soziale Schieflagen, die unbedingt anzugehen sind. Ganz deutlich einmahnen möchte ich eine globale Friedenssicherung. Wir sind mittlerweile inmitten eines euphorischen Aufrüstens – die Waffenindustrie und der Waffenhandel laufen auf Hochtouren. Wo bleibt eine seriöse Friedensarbeit? Zu meiner Zeit gab es eine ordentliche Friedensbewegung von Studenten getragen: Wo ist denn die jetzt? Wenn es nur Debatten über das Queer-Sein gibt, ist mir das zu wenig. Wir dürfen doch nicht in die Falle tappen, dass eine letztgültige Sicherheit in der unkontrollierten Aufrüstung liegt. In der ökumenischen Friedensbewegung <em>Pax Christi</em> würde ich mich über die Mitarbeit von vielen Studenten freuen.</p>
<p><strong>UP: </strong>Was ist Ihre Utopie-Vorstellung der Kirche?</p>
<p><strong>Glettler:</strong> Ich habe keine utopischen Vorstellungen, wünsche mir aber Freiräume. Die Kirche ist nicht perfekt, das Leben ist nicht perfekt, kein Mensch ist perfekt. Wir haben manchmal zu übertriebene Idealvorstellungen. Ideal ist, dass man Gewissheit hat, dass man ständig neu beginnen kann und sich wieder aufrichten und sagen: „Moment, stopp, so will ich nicht leben“. Das gilt auch für die Kirche als weltweiten Organismus. Eine Kirche, die Fehler und Schuld zugeben kann, kann viele Menschen ermutigen und einen Dienst der Versöhnung leisten. Wertvoll sind meist die kleinen Schritte, Entscheidungen und alltäglichen Lebensvollzüge von Menschen, die ihr Bestes geben.</p>
<p><em>Das</em><em> möchte Herr Bischof Glettler Studierenden mit auf den Weg geben: Mut! Ich möchte Studierende ermutigen, gut zu studieren, nämlich offene Horizonte zu wagen und kritisch gegenüber allen Ideologien zu sein – auch bioethische Themen, wie die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche und den Wert menschlichen Lebens trotz möglicher Beeinträchtigungen, sind ein studentisches Engagement wert. Das Welthaus der Diözese, die Caritas und viele Ordensgemeinschaften informieren gerne auch über die Möglichkeiten eines Freiwilligen-Jahres im Ausland – entwicklungspolitisches Engagement auf Zeit kann eine wertvolle Erfahrung für das ganze Leben sein.</em></p>
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		<title>„Wir klettern nicht auf Kirchtürme und hissen Regenbogenflaggen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Mar 2023 10:30:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/wir-klettern-nicht-auf-kirchtuerme-und-hissen-regenbogenflaggen/">„Wir klettern nicht auf Kirchtürme und hissen Regenbogenflaggen“</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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			<div class="subtitle_up"><span style="font-weight: 400;">Jugend und Kirche sind nicht immer ein Match – wie sie das wieder werden könnten und welche Rolle der synodale Prozess dabei spielt. </span></div>
<p><span id="more-18923"></span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Noah Jenewein ist ein schlanker Mann mit Brille und kurzen braunen Haaren, der mit einem Lächeln auf den Lippen freundlich wirkt. Der Student führt mich durch das alte Gebäude der theologischen Fakultät am Karl-Rahner-Platz über eine Art Innenhof in das Büro der Fakultätsvertretung Theologie. Der Raum ist klein, aber sehr gemütlich, mit vielen Postern an den Wänden. Ich setze mich auf ein bequemes Sofa ihm gegenüber: Der 22-Jährige studiert Fachtheologie und christliche Philosophie und engagiert sich seit seinem zweiten Semester mit rund fünf anderen bei der Studierendeninitiative Kreuz und Queer*. Es ist also eine recht kleine Studierendeninitiative. Auch die theologische Fakultät ist eine der kleineren Fakultäten, weshalb deren Themen oft nicht so präsent sind. So kann es schon mal sein, dass Fragen aufkommen wie „Willst du mal Priester werden?“, obwohl Theologiestudierenden unzählige Türen neben dem Priesteramt offen stehen.  </span></p>
<div id="attachment_18925" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-18925" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18925 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-1024x768.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-300x225.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-768x576.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-2048x1536.jpg 2048w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-1920x1440.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-1170x878.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Gewoelbe-1-585x439.jpg 585w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-18925" class="wp-caption-text"><span style="font-weight: 400;">Das Gebäude der Theologischen Fakultät.</span><span style="font-weight: 400;"> </span><em>Bild: Laura Wallner</em></p></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Ich treffe mich heute mit Noah Jenewein, um darüber zu sprechen, in welchen Punkten die Kirche der Realität hinterherhinkt und warum sich deswegen viele, vor allem junge Menschen, abwenden. In der Vergangenheit häuften sich Aktionen wie die Initiative „Out in Church“, bei der sich 125 Bedienstete der Katholischen Kirche öffentlich als homosexuell oder queer geoutet haben. Bei einer Ministrant:innenwallfahrt in Rom haben deutsche Messdienende dem Kardinal im Gottesdienst den Rücken zugewandt und Regenbogenflaggen hochgehalten. In Österreich wurde ein Fragebogen erstellt, wo Laien Tacheles reden konnten, es wurden Regenbogenflaggen an der Vorarlberger Kirche gehisst – und abgefackelt. Auch in Innsbruck wurden Regenbogenflaggen vor der Kirche am Karl-Rahner-Platz im Rahmen der Aktionstage von Kreuz und Queer* aufgestellt. </span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Warum häufen sich solche Aktionen? Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist der weltweite, von Papst Franziskus 2021 angestoßene synodale Prozess. Das Wort Synodalität kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt so viel wie „gemeinsam einen Weg gehen“. Die Katholische Presseagentur Österreich schreibt, Papst Franziskus nenne als Ziel des synodalen Prozesses, „aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören&#8221; – es geht also darum, sich auszutauschen und sich zu beraten, wie man Gemeinschaft lebt und Teilhabe umsetzt, um die Kirche zukunftsfähig zu machen. Bei der Umsetzung geht jedes Land einen anderen Weg. </span></p>
<h2><strong>Österreich und Deutschland nicht ganz einig</strong></h2>
<p><span style="font-weight: 400;">In Österreich bezieht sich der synodale Prozess auf die Beteiligung von Laien. Um deren Teilhabe zu reflektieren und zu erhöhen, erarbeiteten die Diözesen Fragebögen, die anschließend ausgewertet und vergangenen September präsentiert wurden. Dabei wurde die katholische Bevölkerung zu den Themen Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung befragt. In der Diözese Innsbruck haben daran rund 2.000 Personen teilgenommen, darunter 183 Personen im Alter von 15 bis 30 Jahren. </span></p>
<div id="attachment_18926" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-18926" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18926 size-large" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-1024x754.jpg" alt="" width="1024" height="754" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-1024x754.jpg 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-300x221.jpg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-768x565.jpg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-1536x1131.jpg 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-1920x1413.jpg 1920w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-1170x861.jpg 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik-585x431.jpg 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Fragebogenstatistik.jpg 2023w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-18926" class="wp-caption-text"><span style="font-weight: 400;">183 Personen im Alter von 15 bis 30 haben der Kirche ihre Meinung gesagt. </span><em>Grafik: Synthese der Diözese Innsbruck</em></p></div>
<p><span style="font-weight: 400;">In Deutschland wird die strukturierte Debatte „synodaler Weg“ genannt, wobei verschiedene Synodalforen ins Leben gerufen wurden, um die Missbrauchsskandale aufzuarbeiten und ins Gespräch zu kommen. Dabei sind die Themen Macht und Gewaltenteilung, priesterliche Existenz, Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche und Sexualität und Partnerschaft zentral. In diesen Foren diskutieren Laien sowie Kleriker.</span></p>
<h2><strong>Darf man gleichgeschlechtliche Verbindungen segnen?</strong></h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Mit den Themen Sexualität und Partnerschaft befasst sich auch Kreuz und Queer* – wenn auch nicht aufgrund des synodalen Prozesses. Die Gruppe gibt es, seitdem die Antwort des Responsum ad dubiums des Dikasteriums für die Glaubenslehre auf die Frage „Darf man gleichgeschlechtliche Verbindungen segnen?“ „Nein“ hieß. Das war der Moment, in dem sich eine Handvoll Studierender im Frühjahr 2023 zusammengeschlossen haben, um sich mehr damit auseinanderzusetzen, erzählt Noah im Tiroler Dialekt. Somit war die Gruppe Kreuz und Queer* ins Leben gerufen. „Unser Anspruch ist, uns wissenschaftlich mit dem Thema zu beschäftigen, wir sind keine aktivistische Gruppe, die auf Kirchtürme klettert und Regenbogenfahnen hisst“, sagt Noah, der mir auf einem Bürostuhl gegenübersitzt, überzeugt.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Trotzdem waren sie mit einer Regenbogenflagge vor der Kirche am Karl-Rahner-Platz bei den Aktionstagen anzutreffen. „Dort waren wir einfach Ansprechpartner für interessierte Menschen, die vorbeigingen“, meint Noah und räumt auf: „Man hat oft ein schlechteres Bild von der Gesellschaft, als es dann letztendlich ist. Es gab die ein oder andere negative Reaktion, aber wir haben auch viele positive Reaktionen gespürt – der Zuspruch ist größer als der Gegenwind.“ Er empfinde den Glauben als etwas, das den Menschen bestärke und ihm helfe. Deshalb sei es nicht in Ordnung, wenn ein Mann, der einen Mann liebt, oder eine Frau, die eine Frau liebt, zu hören bekommen, dass das eine Sünde sei. </span></p>
<h2 class="subtitle_up"><strong>Brückenbauen ist angesagt</strong></h2>
<p><span style="font-weight: 400;">„Auf kirchlicher Seite besteht die Angst, wenn jemand sein Geschlecht ändern will, dass sich die Menschen alle zwei Wochen umentscheiden“, lacht Noah.  Niemand mache freiwillig eine Transition durch, niemand nehme freiwillig Hormone, niemand lasse gerne Operationen über sich ergehen. Für einen kurzen Realitätscheck sagt Noah: „Ein immer kleinerer Teil der Gesellschaft ist Teil der katholischen Kirche – und trotzdem gibt es keine Anzeichen, dass Chaos herrsche, nix funktioniere oder keiner mehr wisse, ob er Frau oder Mann ist.“</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Diese Kluft zwischen Realität und Kirche ist der Grund, warum sich viele abwenden und sogar den Austritt wagen, sei es, weil sie selbst queer sind oder weil sie sich solidarisch zu Freund:innen verhalten. Was in der Gesellschaft schon total normal ist, ist es in der Kirche noch nicht. „Dieser Umgang mit gleichgeschlechtlich liebenden Personen schreckt viele ab“, sagt Noah nachdenklich und rollt mit dem Bürostuhl ein wenig von links nach rechts. Ihn jedoch nicht, er ist im Glauben verwurzelt und will von innen heraus etwas anstoßen. „Wenn es um Toleranz und Akzeptanz geht, gibt es keinen besseren gemeinsamen Nenner als Jesus“, weiß der 22-jährige aus eigener Erfahrung. Trotzdem meint Noah: „Es wäre sehr gut, wenn sich die Kirche wertschätzend mit diesen Themen auseinandersetzt.“</span></p>
<h2><strong>Queer und katholisch: ein Widerspruch?</strong></h2>
<p><span style="font-weight: 400;">Kreuz und Queer*, also Kirche und Homosexualität, ist kein Widerspruch in sich. „In der Kirche geht es um die Schöpfung Gottes – da gehören queere Menschen nun mal genauso dazu wie heterosexuelle Menschen“, sagt Noah klipp und klar. „Wir wollen erreichen, dass sich die Kirche auch mit diesem Thema befasst.“ Die Studierendeninitiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Mut zu machen, da gläubig und queer sein für viele ein Konflikt ist. Dadurch fühlt man sich schnell ausgeschlossen. Kreuz und Queer* zeigt: „Das muss nicht so sein!“, und lädt ein, am Aktionstag am 16. Mai ins Gespräch zu kommen.</span></p>
<div id="attachment_18927" style="width: 848px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-18927" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18927 size-full" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Logo-Kreuz-und-Queer.png" alt="" width="838" height="567" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Logo-Kreuz-und-Queer.png 838w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Logo-Kreuz-und-Queer-300x203.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Logo-Kreuz-und-Queer-768x520.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/Logo-Kreuz-und-Queer-585x396.png 585w" sizes="(max-width: 838px) 100vw, 838px" /><p id="caption-attachment-18927" class="wp-caption-text"><span style="font-weight: 400;">Queer* und katholisch zu sein ist kein Widerspruch. </span><em>Bild: Kreuz und Queer*</em></p></div>
<p><span style="font-weight: 400;">Für Noah wäre das Beste, das geschehen könnte, wenn die Gegenüberstellung von Gesellschaft und Kirche irgendwann wegfiele und man sich annähern würde. „Glaube ist für mich immer etwas, das frei macht – frei von Zwängen und Angst&#8221;, träumt der 22-Jährige. Seine Utopie von Kirche ist eine akzeptierende Kirche, die jeden Menschen akzeptiert – als voll dem Schöpfungsplan Gottes entsprechenden Menschen, ganz egal, wen dieser liebt. Abschließend sagt Noah mit fester Stimme: „Dann könnte die Kirche in vollem Maße dem Auftrag Jesu gerecht werden: einzustehen für Gerechtigkeit und Frieden.“  Auch wenn dieser Gedanke unrealistisch scheint, fühlt er sich wohlig weich und gemütlich an – wie ein Zuhause. Noah wirkt voller Hoffnung und Motivation. Ich glaube, wenn sich möglichst viele dafür einsetzen, kann die Kirche wirklich zu einem Zuhause für alle werden, wo, wie Noah sagt, „Gerechtigkeit und Frieden“ herrscht.</span></p>
<div class="fusnote"><em><span style="font-weight: 400;">HINWEIS: </span><span style="font-weight: 400;">Diesen Lesestoff empfiehlt Noah Jenewein, Student der Fachtheologie und christlichen Philosophie sowie Engagierter bei Kreuz und Queer*, allen Interessent*innen: Ewald Volgger und Florian Wegscheider (Hg). Benediktion gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. SKUL Schriften der Katholischen Privat-Universität Linz. Herausgegeben von Stephan Grotz, Franz Gruber und Severin Lederhilger. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2020</span></em></div>

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		<title>Wege entstehen dadurch, dass man sie geht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2023 11:30:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu vereinfachen, ermöglicht das Café Namsa Menschen mit Migrationshintergrund eine erste Stelle. Das Ziel: Chancengleichheit. Um Punkt neun Uhr öffnet das Café Namsa seine&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up" style="font-weight: 400;">Um den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu vereinfachen, ermöglicht das Café Namsa Menschen mit Migrationshintergrund eine erste Stelle. Das Ziel: Chancengleichheit.<span id="more-18556"></span></div>
<p style="font-weight: 400;">Um Punkt neun Uhr öffnet das Café Namsa seine Türen für die Gäste. Ich betrete vorsichtig das noch leere Café, wo die beiden jungen Frauen Simone Pichler und Michi Wohlfahrt bereits fleißig am Werk sind. Sie sind die Inhaberinnen des Betriebs, das Menschen mit Migrationshintergrund den Eintritt in die Arbeitswelt erleichtert. Simone Pichler beantwortet meine Fragen ausführlich, während sie Karotten schnipselt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Café Namsa ist nicht einfach irgendein Café&#8230;</p>
<p style="font-weight: 400;">Obwohl Gäste wie in vielen anderen Cafés Frühstück, Mittagessen und Nachmittagskaffee erwartet, ist es anders: Es ist ein Social Business – hier arbeiten Geflüchtete oder subsidiär Schutzberechtigte. „Denn diese sind den Österreichern am Arbeitsmarkt de facto gleichgestellt, haben aber niemals die gleichen Chancen, allein schon wegen der Sprachkenntnisse“, erklärt Pichler, die Handschuhe und eine Küchenschürze trägt. Im Café geht es also nicht nur um Essen, sondern ebenso um Integration.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Idee fürs Café hatte Wohlfahrt, die damals ehrenamtlich in einer Flüchtlingsunterkunft ausgeholfen hat. Dort hat sie miterlebt, dass Geflüchtete erst nach oft mehreren Jahren dauernden Asylverfahren einen Aufenthaltstitel erhalten und damit eine Arbeitserlaubnis. Das lange Warten kombiniert mit schlechten Sprachkenntnissen erschwert den Berufseinstieg. Um eine Alternative zu bieten, eröffnete sie mit Hilfe ihrer Schwester Julia das Café Ende 2017, Simone stieg kurz danach mit ein.</p>
<h3>Basics für die Zukunft</h3>
<p style="font-weight: 400;">Während Pichler weiter schneidet, erklärt sie mir, dass das Ziel sei, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im Café Namsa werden sie befristet eingestellt, bekommen dort erste Gastronomie-Kenntnisse vermittelt und verbessern durch die tägliche Übung nebenbei auch ihre Deutschkenntnisse. Sie lernen wie man Tabletts trägt, Bestellungen aufnimmt, wie man Kaffee zubereitet –  die grundlegenden Kenntnisse. „Durch ihre damit verbundene Arbeitserfahrung haben sie, besonders hier in Tirol, gute Chancen, langfristig in der Gastronomie Arbeit zu finden“, erklärt Pichler. Neben den Fachkenntnissen lernt man auch, welche Rechten und Pflichten zu einem Arbeitsverhältnis dazugehören. Die Inhaberinnen erzählen mir, sie haben viele ehemalige Mitarbeiter:innen, die nun in unbefristeten Jobs in der Gastronomie arbeiten, aber auch bei Fahrradkurieren oder in Supermärkten.</p>
<h3>Jeder soll sich aufgehoben fühlen</h3>
<p style="font-weight: 400;">Allerdings freut sich das Café Namsa nicht nur über Bewerbungen von Geflüchteten, sondern es sind auch Praktikant:innen (mit und ohne Fluchthintergrund) herzlich willkommen. So hatten sie bereits eine Praktikantin, die bei vorangegangenen Praktika-Absagen den Eindruck hatte, dass sie aufgrund ihres Kopftuchs in Österreich nicht willkommen sei. „Im Café Namsa fühlte sie sich aber wohl und aufgehoben“, sagt Wohlfahrt mit einem zufriedenen Lächeln. Ein zertifiziertes Sprachniveau müssen die Bewerber nicht vorweisen, sollten jedoch Deutsch auf einem Niveau von A2/B1 beherrschen, um sich mit Kolleg:innen und Gästen verständigen zu können. „Wichtig ist es, dass sie sich mit den Gästen unterhalten können“, sagt Pichler und fügt hinzu, „dass es ab und zu zu lustigen Missverständnissen kommt, ist halt so – die Gäste wissen ja, warum.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Ausgeschrieben werden die Stellen über Facebook, die ÖH Jobbörse sowie mittels itworks Jobservice, teilweise werden potentielle Bewerber:innen aber auch über Mundpropaganda auf das Café aufmerksam, kommen einfach vorbei und fragen persönlich nach. Rund sechs bis acht Wochen dauert es, bis man drin ist und die Abläufe kennt“, schildert Simone. Nach neun Monaten sind die Geflüchteten so weit, dass sie alle Grundlagen kennen und für den Arbeitsalltag gewappnet sind, dann wird in der Regel gewechselt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Als Social Business wird das Augenmerk nicht auf Gewinnmaximierung gelegt, allerdings muss sich der Betrieb selbst tragen – nach Anschubfinanzierungen durch das Sozial- und Wirtschaftsministerium und Preisgeldern fürs Konzept wird der laufende Betrieb nicht gefördert. „Der Vorteil ist, dass die Arbeit sehr realitätsnah ist, jede Person muss ihren Beitrag leisten, damit der Laden läuft, was auch die Selbstwirksamkeit der Beschäftigten erhöht“, sagt Wohlfahrt, während sie Geschirrtücher stapelt.</p>
<div class="bildunterschrift">
<div id="attachment_18775" style="width: 970px" class="wp-caption alignnone"><img aria-describedby="caption-attachment-18775" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-18775" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/07136D64-7CD9-4263-A4EE-909DD9D21B51.jpeg" alt="" width="960" height="768" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/07136D64-7CD9-4263-A4EE-909DD9D21B51.jpeg 960w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/07136D64-7CD9-4263-A4EE-909DD9D21B51-300x240.jpeg 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/07136D64-7CD9-4263-A4EE-909DD9D21B51-768x614.jpeg 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2023/03/07136D64-7CD9-4263-A4EE-909DD9D21B51-585x468.jpeg 585w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><p id="caption-attachment-18775" class="wp-caption-text">Nicolás Haefele. Samstags und sonntags wird immer ein Brunch angeboten.</p></div>
</div>
<h3>Role-Model für andere Frauen</h3>
<p style="font-weight: 400;">Schlechte Erfahrungen haben sie noch nicht gemacht. Kleine Missverständnisse gehören natürlich dazu, „beispielsweise hatten wir mal einen Angestellten, der dachte, die Pause gehört zur Arbeitszeit“, so Simone schmunzelnd. Falls es mal nicht passen würde, könne man immer noch in der Probezeit aufhören. Für die Inhaberin Michi ist es wichtig, dass die Mitarbeiter:innen nicht nur in der Küche, sondern auch im Service eingesetzt werden, damit sie mit den Gästen Kontakt haben und Fortschritte in der Sprache machen. Aktuell sind im Cafe Namsa zwei Mitarbeiterinnen mit Fluchthintergrund beschäftigt. Simone sagt, sie persönlich arbeite gerne im internationalen Team, da sie gerne Wissen weitergebe und von anderen lerne. Um den Arbeitsalltag mit dem Familienleben kompatibel zu machen, gibt es Schichten. Denn den Inhaberinnen ist wichtig, dass Frauen die Chance haben, zu arbeiten.</p>
<p style="font-weight: 400;"> „Es macht uns besonders glücklich zu sehen, wie stolz die Frauen sind, dass sie zu ihrem Familieneinkommen beitragen können. Sie sind oft die ersten in ihrem Umfeld, die erwerbstätig sind. Insbesondere in einem Bereich, der Deutschkenntnisse erfordert“, sagt Pichler mit leuchtenden Augen. Die Frauen werden in ihrem Umfeld positiv darauf angesprochen und erzählen, wie stolz ihre Kinder auf sie sind.</p>
<h3>Jobsharing – auch in Führungsposition kein Problem</h3>
<p style="font-weight: 400;">Besonders am Café Namsa ist auch, dass sich Simone und Michi die Leitung teilen. Sie wechseln sich ab – wenn eine von beiden in Karenz ist, arbeitet die andere zwischenzeitlich mehr. Mittlerweile arbeiten beide in Teilzeit und teilen sich die Leitungsaufgaben, was eine sehr  gute Kommunikation und laufende Abstimmung erfordert. Sich die Leitungsaufgaben zu teilen, ist den beiden nach gut umsetzbar – man muss es nur machen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
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		<title>Wahlfisch: Skifahren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2022 11:30:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlfisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The post <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at/gesellschaft/wahlfisch-skifahren/">Wahlfisch: Skifahren</a> appeared first on <a rel="nofollow" href="https://www.unipress.at">UNIpress</a>.</p>
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			<div class="subtitle_up">Ein verschneiter Wintertag steht vor der Tür und die Innsbrucker Studierenden stehen vor einem bergigen Dilemma: To ski or not to ski, das ist hier die Frage.</div>
<p><span id="more-17827"></span></p>

		</div>
	</div>
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			<h3>Schifoan is des leiwaundste</h3>
<div class="bildunterschrift">Laura Wallner</div>
<p>Endlich ist es wieder so weit, der winterliche Pistenspaß schreit.</p>
<p>Rauf ins Paradies geht es mit der frühsten Gondel, Ellenbogen an Ellenbogen, jeder will die ersten Spuren ziehen und nur für einen Tag dem Alltag entfliehen. Nicht nur eine sportliche Herausforderung stellt einem der Tag, auch kulturell gibt’s Schockgarantie ohne Frage. Der „Melting-Pot“ namens Bergstation vereint Profisportler und Après-Skifahrer, zusammengewürfeltes Keller-Fundstück-Chic und Pelzjackerl im Wert von sechs Monatsmieten.</p>
<p>A Traumtagerl: strahlend blauer Himmel, Weitblick ohne Ende und präpariertes Gelände. Was gibt es Schöneres, als seine Kurven zu ziehen, sich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wie man den nächsten Schwung macht, und merkt, wie der Stress abfällt und man ein bisserl in sich hineinlacht. Wenn die Wangen vor Kälte glühen und die Wadenmuskeln brennen, wird es Zeit für die Einkehr inklusive Dessert. Beim Betreten der urigen Hütte wird es einem dann bewusst – „Hier ist Selbstbedienung“, sagt jemand voller Frust.  Mit Skischuhen wackelt man in Richtung Buffet. Da steigt einem der überwältigende Duft von Käsespätzle in die Nase. Oder sind es die Skischuhe, die der Nachbartisch über dem Kachelofen trocknet? Bei einem Verdauungsschnaps mit guten Freunden sinniert man über das Leben. Was könnte es schon Schöneres geben? Und im Hintergrund trällert Wolfgang Ambros: „Weil Schifoan is des leiwanundste, wos ma se nur vurstelln ka, […] I foar no ned z`Haus i bleib am Montag ano do.“ Ich erinnere mich, dass heute Montag ist, und in dem Moment wird mir meine verdrängte To-Do-Liste präsent. Ich schieb den Gedanken weg wie einen sulzigen Haufen Schnee und bei der nächsten perfekten Kurve entwischt mir ein „Juche!“.</p>
<p>Ja, ich gebe es zu, ich liebe Schifahren und den Schnee – gern erfüll ich das Innsbrucker Klischee.</p>

		</div>
	</div>
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			<h3>Patscherkofel Patscherl</h3>
<div class="bildunterschrift">Kristina Kerber</div>
<p>Egal ob man an Gott, den Urknall oder das Spaghettimonster glaubt: Wer oder was auch immer uns erschaffen hat, hätte sicher nicht gewollt, dass wir uns von Fischbeinen zu vollfunktionalen Füßen bis hin zu Brettern an den Sohlen entwickeln. Skifahrende sind also nichts anderes als eine degenerierte Generation. Zehnmal rauf, zehnmal runter (wenn man Glück hat). Beim Rodeln kann ich diese Nahtoderfahrung wenigstens im Sitzen machen. Was man übrigens noch im Sitzen machen kann, ist gemütlich Glühweintrinken und Nicht-In-Lebensgefahr-Schweben. Und zwar da, wo’s warm ist.</p>
<p>Ob man nun lebensmüde ist oder nicht, sei dahingestellt, aber ich kann mir schönere Arten vorstellen zu verenden, als drei Purzigagel zu schlagen und dann am anderen Ende des ach so tollen Hangs zu liegen. Und selbst der Tod ist nicht garantiert. Immerhin kann’s ganz blöd laufen und man landet noch am selben Tag in einem Krankenhauszimmer mit drei anderen sportunfähigen Sportverrückten, die im allerschlimmsten Fall sogar noch weitaus mehr bestürzende Sturzgeschichten zu erzählen haben.</p>
<p>In Skimontur gezwängt kommt man sich ohnehin gleich vor wie in der Zwangsjacke, was für viele ohnehin die bessere Ausgangsposition wäre. Und mit den Leuten im skischuhinduzierten Watschelgang kommt man sich auch gleich vor wie beim Klapsenwandertag. Bei vielen frag ich mich auch, ob der besagte Watschelgang, der oft zum Watschellauf mutiert, daran liegt, dass jemand gerade metaphorischen gelben Schnee innerhalb des luftdichten Skianzugs produziert, weil die Kloschlange mal wieder zu lang war. Und selbst wenn man freie Bahn hat, ist’s spätestens dann zu spät, wenn’s drum geht, die Schneehose samt sexy Skiunterwäsche, für deren Montur man wertvolle Lebenszeit verschwendet hat, wieder loszuwerden.</p>
<p>Après-Ski kann ich mir schon eher einreden lassen. Was in meinen Augen allerdings gar nicht geht ist, dass ich mit ein, zwei zu vielen Glühweingläsern intus nach dem Törggelen auf dem Rad angehalten werde, aber mein Wolfgang Ambros liebender Ski-Sympathisant sogar ganz ohne Führerschein mit drei Promille schlagermusikschmetternd die Piste runterbrettern darf.</p>
<p>Das Beste am Skifahren ist meist das Fahren selbst. Immerhin kann man sich beim kurzwelligen Genießen der Weihnachtskartenaussicht vorstellen, wie man bald wieder im warmen, beheizten Wohnzimmer sitzt, die bretterbefreiten Beine ausstreckt und das schlechte Gewissen des sonst eher unsportlichen Daseins abgeschüttelt hat. Und während man drüber nachdenkt, sitzt man schon wieder im Lift nach oben, weil die Belohnung nach dem Schifoan is des leiwaundste, wos ma sich nur vurstelln kann.</p>

		</div>
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		<title>„Oft bleibt keine andere Möglichkeit, als zu fliehen“</title>
		<link>https://www.unipress.at/politik/oft-bleibt-keine-andere-moeglichkeit-als-zu-fliehen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura Wallner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2022 11:30:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das iranische Regime ist korrupt. Die Politiker:innen werden immer wohlhabender, die Bevölkerung ausgebeutet und unterdrückt. Viele möchten weg – aber einfach geht das nicht. Ein Augenschein. An einem sonnigen Mittwochnachmittag&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="subtitle_up">Das iranische Regime ist korrupt. Die Politiker:innen werden immer wohlhabender, die Bevölkerung ausgebeutet und unterdrückt. Viele möchten weg – aber einfach geht das nicht. Ein Augenschein.</div>
<p><span id="more-17764"></span></p>
<p>An einem sonnigen Mittwochnachmittag verabrede ich mich mit ihr vor der SoWi, dort hat sie zwei Semester Politikwissenschaften studiert: Shahzard ist 34 Jahre alt und kommt aus dem Iran. Sie hat es vor fünf Jahren geschafft, das Leben mit Moralpolizei hinter sich zu lassen. In Innsbruck lebt sie ein freies Leben. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als einfach.</p>
<p>Wie sie aussieht, weiß ich bis dato noch nicht. Ich scanne die auf dem Campus rumwuselnden Menschen nach einer Frau mit Kopftuch – Fehlanzeige. Ich rufe sie an, dass ich da sei. Sie sagt am Telefon, sie winke kurz mit erhobener Hand, damit ich sie sehen kann. Als ich sie entdecke, bin ich überrascht. Denn, um gleich mal mit meinen eigenen Vorurteilen aufzuräumen, sie trägt kein Kopftuch. Sondern langes, offenes, blondes Haar.</p>
<p>Wir suchen uns ein Café aus und ich erzähle ihr von meinem Gedanken. Daraufhin sagt sie und lacht: „Du bist nicht die erste, die das denkt“, und beginnt zu erzählen.</p>
<h3>Shahzards Weg nach Innsbruck</h3>
<p>Bald schon wird vor lauter Reden aus ihrem Cappuccino und meinem Latte Macchiato Eiskaffee. „In meiner Heimat, im Iran, muss man Kopftuch tragen, egal ob man religiös ist oder nicht – auch Touristen“, erklärt Shahzard. Der Iran ist ein sogenannter Gottesstaat – Religion und Staat sind eine Instanz. Frauen, die ohne Kopftuch das Haus verlassen, müssen mit der Todesstrafe rechnen. „Ich kenne keine Frau, die jetzt in einem anderen Land lebt und freiwillig noch ein Kopftuch trägt“, sagt Shazard, denn „hier sind wir frei“.</p>
<p>Die 34-jährige lebt seit fünf Jahren in Innsbruck. Geboren und aufgewachsen ist sie in der iranischen Hauptstadt Teheran. Nach ihrem Landwirtschaft-Studium an der Yazd Universität arbeitete sie in einem Reisebüro, wo sie ihren Ex-Mann kennenlernte. Dieser wohnte damals bereits in Österreich und machte einen Heimaturlaub im Iran. „Er hat ein Ticket bei mir gekauft und wir haben uns verliebt“, blickt sie zurück. Kurze Zeit darauf heirateten die beiden.</p>
<p>Nach der Hochzeit war der nächste Schritt der Umzug nach Österreich. Dafür beantragte sie ein Heiratsvisum, auf dessen Erhalt sie acht Monate hatte warten müssen. Um studieren und arbeiten zu dürfen, beantragte sie zusätzlich ein Studierendenvisum, wofür sie ihr Abschlusszeugnis der iranischen Universität kostspielig übersetzen und anerkennen lassen hat. Zusätzlich musste sie eine gewisse Geldsumme auf dem Konto haben, berichtet Shahzard von den Voraussetzungen.</p>
<h3>Ob du ein Visum bekommst, sei dahingestellt</h3>
<p>Shahzard kennt deshalb nur wenige, die den Iran mit einem Visum verlassen haben. Sie sagt, am häufigsten ist es, dass die Menschen das Land als Flüchtling verlassen. Denn ein Visum zu bekommen ist sehr schwer. „Du kannst zur Botschaft gehen und den Antrag ausfüllen, ob du dann ein Visum bekommst, sei dahingestellt“, sagt sie „und wenn der Antrag negativ ist, kann man erst in drei Jahren wieder einen Antrag stellen. Zudem sind die Löhne im Iran sehr niedrig und die Lebenshaltungskosten sehr hoch, die meisten können die Gebühren für das Visum nicht bezahlen und so bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, als zu fliehen und dann Asyl zu beantragen“, so Shahzard.</p>
<p>Trotzdem beantragen viele Studierende das Studierendenvisum, denn es ist ein Weg, den Iran verlassen zu können. Shahzard bestätigt, dass manche Iraner:innen deshalb länger als die Regelstudienzeit im Ausland studieren. Denn sobald man sein Studium abgeschlossen hat und nicht sofort einen Job findet, muss man zurück. „Es ist absurd, weil österreichische Studierende versuchen, schnell fertig zu werden, um ein besseres Leben mit mehr Möglichkeiten zu haben – Iraner:innen hingegen studieren, um überhaupt hier leben zu dürfen“, sagt Shahzard traurig. Sie hat einen Bekannten, der bereits seit zwölf Jahren studiert, immer abwechselnd schiebt er ein Semester ein, in dem er ausschließlich arbeitet, um seine Kosten decken zu können. „Viele bekommen deswegen psychische Probleme“, stellt sie fest. „Wir brauchen zehnmal so lange, um etwas zu lernen, obwohl es ohne Sprachbarriere eh schon schwer genug wäre“, sagt Shahzard.</p>
<h2>Eine Herausforderung nach der anderen</h2>
<p>Auch sie ist an der Herausforderung, zu studieren und nebenbei so viel zu arbeiten, um ihr Leben zu finanzieren, gescheitert. Hinzu kommt, dass Shahzard keine finanzielle Studienunterstützung bekommt, da sie bereits über 30 Jahre alt ist. Sie hat zwei Semester Politikwissenschaften studiert und nebenbei in der Lebenshilfe gearbeitet.</p>
<div id="attachment_17769" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-17769" decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-17769 size-medium" src="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-300x191.png" alt="" width="300" height="191" srcset="https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-300x191.png 300w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-1024x653.png 1024w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-768x490.png 768w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-1536x979.png 1536w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-1170x746.png 1170w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1-585x373.png 585w, https://www.unipress.at/wp-content/uploads/2022/11/student-g852b4977c_1920-1.png 1920w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-17769" class="wp-caption-text">Bild: pixabay</p></div>
<p>Schweren Herzens entschloss sie sich, das Politikwissenschaften-Studium abzubrechen – es war in Kombination mit ihrem Job viel zu arbeitsintensiv. Da ihr die Arbeit in der Lebenshilfe Freude bereitete, entschied sie sich, einen Neustart zu wagen und begann, Erziehungswissenschaften zu studieren. Denn Ewigkeiten zu studieren passt nicht zu Shahzard, „Ich bin Mitte 30, Zeit ist so wichtig für mich, ich will auch mal ankommen – aber so ist das Leben“ sagt sie resigniert.</p>
<p>Nach zwei Semestern entschied sie sich, auch Erziehungswissenschaften abzubrechen.  Ihre Chefin bot ihr die Ausbildung im SOB an, welche sie im Herbst 2023 starten wird. Aktuell arbeitet die Powerfrau in Vollzeit als Pflegeassistentin und freut sich darauf, im Herbst mit der Ausbildung starten zu können.</p>
<h3>Sie setzt sich für die Rechte der Iraner:innen ein</h3>
<p>Obwohl so viele Kilometer zwischen ihr und ihrer Heimat liegen, beschäftigt sie sich tagtäglich mit den Geschehnissen und den Menschen im Iran. Sie engagiert sich in ihrer Freizeit aktivistisch, ist Mitglied der SPÖ und fährt bis nach Wien und Berlin, um an Demos teilzunehmen. Zudem ist sie auf Instagram aktiv und teilt Beiträge, die ihr wichtig sind. Vor kurzem hat sie mit Freund:innen eine Plakat-Aktion gestartet, wo sie in ganz Innsbruck Plakate aufgehängt haben, mit dem Slogan „es lebe die Frauenrevolution im Iran und überall“.</p>
<p>„Ich schreibe viele Emails an Politiker, auch wenn ich noch nie eine Antwort bekommen habe“, sagt sie, in der Hoffnung, doch etwas Druck ausüben zu können. Sie wünscht sich, dass die jüngsten Proteste etwas ändern, denn „wie können die Iraner zufrieden sein, wenn die Hälfte von ihnen im Käfig ist?“.</p>
<p>Auch erhofft sich Shahzard Solidarität und Sanktionen von den Politiker:innen anderer Länder. „Ich will, dass die iranische Bevölkerung unterstützt wird, nicht die Politiker“, sagt sie und fügt hinzu „die wichtigsten Menschen im Iran sind im Gefängnis, unsere Journalisten, Aktivisten und Feministen wurden bereits mundtot gemacht“. Das Regime soll schwach werden, damit Veränderung möglich wird.</p>
<p>„Der Iran ist eigentlich ein reiches Land, aber die Politiker helfen nur der Mafia und der Taliban, nicht aber den eigenen Leuten, unser Geld wird in Krieg und Gewalt investiert“, bedauert sie. „Ich kann und will nicht zurück, ich bin nicht religiös“, sagt sie. In ihrem Pass steht konfessionslos – das würde die Todesstrafe bedeuten. „Ich bin hier angekommen, habe mir mühsam ein Leben aufgebaut und habe hier so gute Freunde, ich will das nicht zurücklassen“, stellt sie klar. Trotzdem wird sie nicht damit aufhören, Kontakt zu ihrer Heimat zu halten und sich von Innsbruck aus einzusetzen, damit sich die Lage im Iran verbessert.</p>
<h3>Vorsicht statt Leichtsinn</h3>
<p>Am Tag nach unserem Gespräch schreibt mir Shahzard, dass sie dringend noch etwas Wichtiges loswerden muss. Wir telefonieren kurz und sie bittet mich, den Artikel ohne Foto und Nachnamen zu veröffentlichen. Denn falls sie einen Tag zurück in den Iran will oder muss, könnte ihr der Artikel zusätzliche Probleme bereiten.</p>
<p>Bereits jetzt erreichen sie regelmäßig Hass-Nachrichten auf Instagram.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien auch in der <a href="https://www.unipress.at/ueber-uns/archiv/jaenner-2023/">Jänner-Ausgabe 2023</a>.</em></p>
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